Im Sturm

12.

Erschöpft lag Keith auf ihm, genoss das zufriedene Gefühl, das ihn durchströmte, die leichte Müdigkeit und die Ruhe, die ihn erfüllte, ebenso wie Liams zarte Liebkosungen. Er dachte, dass er sich nie wieder würde bewegen können, doch als sein Schatz ihm ‚Ich liebe dich’ sagte, hob er den Kopf, um ihn ansehen zu können.

Liams Gesicht war gerötet und feucht, und seine Augen leuchteten. Keith strich sacht mit einer Fingerkuppe über die Lippen seines Freundes, ehe er ihn küsste, um ihm dann wieder seinen Blick zu suchen und festzuhalten. "Ich liebe dich auch."

Liam zerrte einige Papiertücher aus der Zierschachtel neben dem Bett und putzte sie ab, während er Keith von sich herunterrollte. "Ich hätte niemals vermutet, dass du so ein kleiner Vulkan kurz vor dem Ausbruch bist. Wow." Er lachte leise und rollte sich nun halb auf Keith, um ihn faul zu streicheln und zu küssen, während er die Decke weiter über ihre abkühlenden Körper zog.

"Hm, du schmeckst herrlich, und du fühlst dich auch herrlich an, mein Schatz." Es war verrückt, aber je länger er Keith über die Brust strich, desto mehr konnte er sich vorstellen, nicht hier aufzuhören, sondern vielleicht doch eine weitere Runde einzulegen. /Beherrsch dich, Liam. Benimm dich nicht wie ein Teenager, der zum ersten Mal mit jemandem im Bett ist./

Keith gab ein langes und sehr zufriedenes Seufzen von sich. "Ich bin froh, dass dich das nicht gestört hat. Als du im Wohnzimmer plötzlich unterbrochen hast, um hierher zu gehen, hatte ich schon Angst, dass du es nicht magst. Aber... mir war so danach... und ich wollte dich so sehr und..." Jetzt im Nachhinein wurde er doch wieder rot, verlegen versteckte er sein Gesicht an Liams Hals. /Dummkopf, jetzt hast du nun wirklich keinen Grund mehr dafür./ Dann lachte er leise, sah wieder auf und zwinkerte ihm zu. "Aber manchmal kann ich auch ganz faul sein und dich arbeiten lassen."

Liam hob eine Augenbraue und grinste. "Aha. Kannst du das?" Mit zwei Fingern begann er, über Keiths Körper zu wandern, während er noch wegstecken musste, dass sein hyperschüchterner Freund soeben zu ihm gesagt hatte, dass er es nötig gehabt hatte. /Hm, hm. Wer weiß, was er noch so nötig haben könnte./ Er küsste Keith, wanderte mit seinen Fingern am Bauchnabel vorbei.

"Du würdest faul sein wollen, egal was ich vorhabe?" Er begegnete dem Blick aus Keiths Katzenaugen. "Mir schwebt durchaus etwas vor", hauchte er an das Ohr seines Freundes und ließ seine Finger gelassen über Keiths Schoß wandern.

Ein kleiner Schauer rann Keiths Rücken hinab und nistete sich in seinem Bauch ein. "Ganz faul", bestätigte er erwartungsvoll, während er sich wunderte, dass er bereits wieder begann, sich nach Liams Berührungen zu sehnen, wo er doch eigentlich jetzt erst einmal vor Erschöpfung nicht mehr in der Lage hätte sein sollen, auch nur einen Finger zu rühren.

Liam lachte, dann rollte er sich vollends auf seinen Geliebten und begann, ihn erneut zu küssen, während seine Fingern gieriger über den Körper strichen, der ihm so vertrauensvoll überlassen wurde. "Hm, das ist wirklich das schönste Weihnachten meines Lebens."

 

Scharfer Wind fegte einige Eiskristalle gegen die Fenster und um Hausecken, als Liam gegen neun Uhr den letzten Notfall vom Weihnachtstag behandelt hatte. Alles keine schwierigen Fälle, zum Glück. Er schickte Linda mit einem großzügigen Geschenk nach Hause zu ihrer Familie und räumte in den Behandlungsräumen auf.

Zuletzt spülte er ihre Teebecher aus und schloss die Zimmer ab. Nachdem er sich umgezogen hatte, streifte er in seinem Arbeitszimmer noch schnell einmal mit dem Blick über die Bilder an der Wand neben dem Schreibtisch.

Seine Kinder, schon wieder gewachsen und älter geworden. Der Junior hatte seine Schneidezähne verloren und sah wirklich niedlich aus mit der Lücke. Daneben das Bild von Keith mit ihrem Hund, auf dem Foto war es Herbst, und der Colliewelpe und Liams Mann standen in einem Schauer aus herabrieselnden Blättern. Einige Patienten hatten Anstoß daran genommen, dass Liam und Keith zusammen lebten und hatten den Zahnarzt gewechselt, aber seine beiden Sprechstundenhilfen waren ihm geblieben, und aus dem Sportclub hatte Liam eigentlich auch immer genügend neue Patienten hinzu bekommen.

Er lächelte und strich einmal schnell mit den Fingerspitzen über den Rahmen. Wieder war er froh und glücklich, als er sich daran erinnerte, dass sie nun schon seit einem Jahr zusammen waren. Seit einigen Monaten lebten sie in seinem Haus, nachdem er den zuweilen doch recht sturen Keith davon überzeugt hatte, dass er kaum in seiner Wohnung gewesen war. Und mit dem Colliewelpen von der Züchterin, von der Liam auch seinen letzten Hund geholt hatte, konnte er Keith ein wirklich überraschendes Geburtstagsgeschenk machen. Es war aber auch recht schwer gewesen, Keith davon zu überzeugen, nicht selber loszulaufen, um sich gleich zu Beginn des Jahres einen Hund zu kaufen.

Liam ging fröstelnd über den Parkplatz zu seinem Wagen und beeilte sich, auch wenn die Straßen spiegelglatt waren. /Kein Schnee dieses Jahr, aber dafür Eis. Ob Keith so ehrlich sein wird, sich offen zu freuen, dass meine Ex und ihr Mann nicht zum Fest zu uns kommen werden?/ Liam erlaubte sich ein kleines Grinsen. Die Sympathien waren eindeutig verteilt gewesen. Seine Exfrau hasste Keith nahezu, seine Kinder liebten ihn.

Liam öffnete das Garagentor und ließ seinen Kombi neben Keiths kleinen Wagen rollen. Zwar ein neuer, nachdem der Mazda aufgegeben hatte, aber noch immer ein Kleinwagen. Und störrisch, wie Keith war, aus eigener Tasche bezahlt. Liam konnte ihm einfach nicht begreiflich machen, dass er zuviel Geld hatte, um es darauf ankommen zu lassen.

Als er das Motorenbrummen hörte, lief Keith hastig ans Küchenfenster, um zu sehen, ob Liam endlich heimkam. Ein erleichtertes Lächeln huschte über sein Gesicht, als er den schwarzen Wagen um die Ecke biegen sah, froh darüber, dass sein Schatz langsam und vorsichtig fuhr. Das Wetter hatte ihm Sorgen gemacht.

Er hängte die Schürze an ihren Haken und schaltete die Lichter des Christbaums ein, als er durch das Wohnzimmer lief. Der Baum war wieder mit Sternen und Girlanden geschmückt, welche die Kinder gebastelt hatten, und dieses Mal hatten auch seine diversen Nichten und Neffen ihren Anteil dazu beigetragen.

Der Collie lag in seinem Korb und hob neugierig den Kopf, sprang dann auf, als draußen die Autotür zugeschlagen wurde. Keith lachte leise, als das mittlerweile gar nicht mehr so kleine Fellbündel mit freudig wedelndem Schwanz zur Tür lief. Er überprüfte noch einmal mit einem Blick den fertig gedeckten und weihnachtlich geschmückten Tisch, ehe er öffnete, um seinem Mann entgegen zu gehen und ihn zu begrüßen.

Mit Liam kam eine Wolke kalter, trockener Luft herein und ließ ihn frösteln, doch Keith kümmerte sich weder um sie, noch um den fröhlich bellenden Collie, als er seinen Geliebten umarmte und ihn küsste. "Schön, dass du endlich da bist, Schatz. Ich fing schon an, mir Sorgen zu machen, bei den glatten Straßen."

Liam musste den Hund natürlich zuerst begrüßen, der zwischen ihnen hin- und hersprang. Dann zog er Keith ein wenig dichter an sich und vertiefte den Kuss eine ganze Weile. "Hm. Erst einmal die wichtigen Dinge, Liebling", murmelte er, während er Keith gegen ihre Waschmaschine drängte, um ihn darauf zu heben. Genüsslich zog er ihn dann noch fester an sich und küsste ihn wieder. "Lecker, und ich hab dich vermisst. Diese verfluchte Weihnachtszeit, diese Hektik und all diese Notdienste, damit ich das Fest frei haben kann."

Er nippte Keith noch einmal mit den Lippen auf der Wange entlang und umarmte ihn dann fest, um das Gesicht auf seine Schulter zu schmusen. "Meine Exfrau hat eben in der Praxis angerufen, sie werden wegen des Eisregens nicht kommen können morgen. Wir müssen also nichts weiter tun, als unseren Rausch ausschlafen, Liebling. Hm, wie findest du das?"

Keith seufzte auf und streichelte durch Liams Haar, während er das Glück fühlte, dass sein Schatz ihn nach nunmehr einem Jahr Beziehung noch immer so voller Liebe und regelrecht stürmisch begrüßte.

"Ich kann nicht behaupten, dass ich enttäuscht wäre", gestand er und schlang die Beine um Liam, drückte die Lippen auf seinen Hinterkopf. "Es ist zwar schade, dass die Kinder so auch erst später kommen, aber Weihnachten nur mit dir allein ist ein Geschenk." Er lächelte, als er sich an das Weihnachtsfest vor einem Jahr erinnerte. "Sozusagen Nostalgie und Erinnerung pur", flüsterte er ihm ins Ohr.

Liam spürte, wie ihm heiß wurde, als Keith sich so drängend gegen ihn presste. "Hm. Jetzt wo ich es mir überlege, bin ich mehr als nur froh, dass wir dieses Weihnachten allein feiern, mein Schatz." Er umfasste Keiths süßen Hintern und küsste ihn noch einmal, aber entzog sich schon langsam wieder. "Du hast sicherlich etwas Fantastisches gekocht, oder, Liebling? Es riecht jedenfalls so lecker, und ich habe Hunger, ausnahmsweise nicht nur nach dir."

"Wenn du dich nur von Lust und Liebe ernähern würdest, wärst du ja auch binnen kürzester Zeit nur noch Haut und Knochen, das kann nicht Sinn der Sache sein." Keith lachte und sprang von der Waschmaschine herunter, um Liam einen Arm um die Taille zu legen und mit ihm ins Wohnzimmer zu gehen, wo er sich die größte Mühe gab, seinen Mann für den langen Arbeitstag zu entschädigen. Er immerhin hatte frei gehabt, dieses Jahr hatte Evelyn im Laden bleiben müssen.

Während sie gemütlich zusammen aßen, überlegte er, wann er von Freund auf Mann umgesprungen war, wenn er an Liam dachte, kam jedoch zu keinem Ergebnis. Irgendwann war es einfach passiert. Wieder spürte er, wie die Liebe in ihm überzuschäumen schien. Dieser Mann war einfach das Wundervollste, was ihm jemals passiert war.

Nachdem sie gemeinsam den Tisch abgeräumt hatten, was Liam ihn mit der Begründung, dass es dann wesentlich schneller ging, partout nicht allein hatte machen lassen, saßen sie auf dem Sofa im warmen Schein des Kaminfeuers und der Weihnachtsbaumlichter. Liam hatte einen Arm um ihn gelegt, während Keiths Kopf an seiner Schulter ruhte. Lächelnd spielte er mit Liams Fingern, dann zog er die Hand an die Lippen und küsste eine Fingerspitze nach der anderen. "Vor einem Jahr haben wir auch hier auf dem Sofa gesessen. Und du bist so sehr Gentleman gewesen, dass du nur meine Hand gehalten hast. Habe ich dir schon mal gesagt, dass ich das absolut süß fand?"

Liam lächelte. "Ja, ich meine, es schon gehört zu haben. Und ich finde dich noch immer süß. Vor allen Dingen im Schein vom Feuer jetzt. Mit den roten Wangen, mit diesen herrliche Lippen, wenn du mich so ansiehst." Er nahm Keiths Hand auf und küsst ihn auf den Puls. "Hab ich heute schon gesagt, dass ich dich über alles liebe?"

Wärme überflutete Keith, und er drehte sich halb zu ihm um, um ihn ansehen zu können. "Ja, heute morgen, als ich aufgestanden bin, um dir mitten in der Nacht Kaffee zu kochen." Er legte ihm die freie Hand in den Nacken, damit er ihn näher zu sich ziehen konnte, bis er Liams Atem und seine Wärme fühlen konnte. "Aber ich kann es immer und immer wieder hören und finde es manchmal trotzdem schwer zu glauben, dass ausgerechnet ich es geschafft haben soll, diese Person in deinem Leben zu sein." Sacht küsste er ihn, derart hauchzart, dass sich ihre Lippen nur eben berührten. "Und ich liebe dich mehr als alles andere", flüsterte er dann, ehe er ihn wieder küsste, inniger dieses Mal.

Noch immer war es Liam ein Rätsel, wieso Keith daran zweifeln konnte, dass er ein absolut wundervoller Mann war, ein großartiger Partner, ein verlässlicher Freund und im Bett noch immer, nach all der Zeit, der selbe unerwartet ausbrechende Vulkan wie in ihrer ersten Nacht zusammen.

"Das heute Morgen war nur wieder eine deiner Heldentaten, Keith. Du bist heldenhafter als ich. Ich schaffe es Samstags nur aufzustehen, weil der Hund raus muss." Den Mund verziehend erinnerte er sich an all die Male, die er sich im Bett herumgewälzt hatte, während Keith sich für den Laden anzog.

Liam wechselte das Thema jedoch rasch und fragte leise "Weißt du noch, was wir im letzten Jahr ungefähr um diese Uhrzeit getan haben?" Er grinste leicht und schob seine Finger bereits tastend unter Keiths Pullover über dessen Bauch zur Brust hoch, um den Herzschlag zu spüren.

Keiths Augen drifteten halb zu, und er erschauderte vor Wonne. "Ich glaube nicht, dass ich das je vergessen werde", gab er mit einem kleinen Seufzen zu. "Oder dass ich es vergessen will." Er legte seine Hand auf Liams Knie und ließ sie von dort aus langsam weiter nach oben wandern. "Hast du vor, eine Tradition zu etablieren, Liebling?" Er wäre ihm nur zu bereitwillig dabei behilflich.

Liams Lippen tasteten sich über den Mund seines Schatzes, dann über die Wange zu seinem Ohr hin. "Ich mag Traditionen, sehr gern. Wir haben schon einige beibehalten. Wir haben uns einen Weihnachtsbaum in der Schonung geschlagen, wir haben scheußliches Wetter, was meine Familie am Fahren hindert; wie wäre es, wenn wir zwei jetzt nachsehen, was passiert, wenn wir ins Schlafzimmer gehen?"

Mit einem kleinen Lächeln streichelte Keith den Oberschenkel bis zum Schritt empor, berührte den Schoß jedoch nicht, und zog die Hand zurück. "Mmh, ich denke, die Idee ist gut", murmelte er und haschte noch einmal nach Liams Lippen. "Sonst passiert hier etwas, und du etablierst die Tradition, mich in Verlegenheit zu stürzen, um mich in unser Bett zu bekommen."

Liam lachte leise, aber erhob sich, um den Glasschirm vor den Kamin zu stellen. Grinsend bemerkte er, dass die Katze sich einmal mehr in dem Hundekorb breitgemacht hatte, während der Hund sicherlich im Wintergarten auf dem Vorleger döste. Er zog Keith in seine Arme und küsste ihn noch einmal schnell, dann nahm er ihn mit sich zum Schlafzimmer.

Schon auf dem Weg dorthin hatte er seine Finger nicht mehr von Keiths Hose fernhalten können, und als sie am Bett anlangten, waren sie beide bereits damit beschäftigt, sich gegenseitig die Pullover über den Kopf zu zerren. Einige atemlose Küsse später krabbelten sie nackt unter die Decke und stürzten sich gleich wieder aufeinander.

Keith fragte sich flüchtig, ob das Begehren irgendwann nachlassen würde und konnte es sich nicht vorstellen, doch nur Augenblicke später war der Gedanke ohnehin vergessen, da er viel zu sehr davon gefordert wurde, dieses Begehren auch umzusetzen. Hungrig glitt sein Mund über Liams Kehle, über seine Schultern, seine Brust, um ihn erneut zu entdecken, um ihn zu schmecken und um sich davon zu überzeugen, dass er nach wie vor die gleiche Lust, die er empfand, bei Liam hervorrufen konnte. Seine Hände streichelten über Liams Seiten, seine Hüften und wieder empor, und er genoss das warme, bekannte Gefühl unter seinen Fingern, genoss es, die Stellen zu finden, die sein Schatz liebte und die er besonders gerne berührte.

Liam war es mittlerweile schon gewohnt, dass er sich häufiger als zuvor gedacht auf dem Rücken unter Keith wiederfand, den heißen Berührungen seines sonst so sanften Geliebten ausgeliefert. Er hatte sich daran gewöhnt und liebte es. Genüsslich streckte er sich und griff in die Streben vom Kopfteil ihres Bettes. Er ließ an diesem Abend zwar zu, dass Keith zunächst sehr energisch bestimmte, was sie taten, aber als er spürte, dass seine Erregung sich weiter gesteigert hatte, löste er sich aus seiner passiven Rolle nach und nach heraus.

Erst begann er seinerseits, den auf ihn sitzenden Körper zu streicheln, dann richtete er sich auf, umfasste Keiths Hintern mit festem Griff und küsste ihn leidenschaftlich. Gleich darauf rollte er sich über ihn und bemerkte mit einem kleinen Grinsen "Jetzt bin ich einmal dran.", bevor er seine Lippen über den sich herrlich windenden, schlanken Körper seines Mannes streichen ließ.

Sehr bald schon machte er sich über die Erektion seines Schatzes her, um ihn mit Vorsatz in den Wahnsinn zu treiben, ohne ihn zum Höhepunkt kommen zu lassen. Liam grinste und wehrte Keiths blind nach ihm greifenden Hände leicht ab, bevor er vom Nachttisch ein Kondom nahm und es Keith in die Hand drückte. Er überließ ihm die Entscheidung, wer von ihnen es tragen sollte, sehr gern, an diesem Abend erst recht, weil er den Verdacht hatte, dass Keith der Tradition folgend gern wieder einmal unten liegen wollte. Dass er es nicht immer wollte, hatte Liam nicht wenig überrascht. Dass er selber es gern einmal tat, noch viel mehr.

Keith schimpfte leise, als sich das Tütchen nicht gleich beim ersten Versuch öffnen ließ, ihm sogar aus den Fingern glitt und in den Falten der Decke verschwand. Ungeduldig tastete er danach, ohne von Liam ablassen zu wollen. Doch schließlich hielt er das Kondom in der Hand. Er richtete sich auf und entkam damit halbwegs seinem Liebsten und seinen noch immer sehr hartnäckig Zärtlichkeiten, die ihn verrückt machen wollten. Während er ihn in einen weiteren tiefen Kuss zog, streifte er es ihm langsam über.

"Manchmal", flüsterte er atemlos und lächelte auf den Lippen seines Mannes, "kann ich wirklich faul sein und dich arbeiten lassen."

Liam lachte leise und strich mit den Händen an der Unterseite von Keiths Beinen entlang bis zu seinem süßen Hintern, den er umfasste und zu sich heran zog. "Heißt das nun, dass ich arbeiten soll? Und das an Weihnachten", neckte er gespielt nölig, während seine Finger schon begannen, seinen Schatz über die Pobacken zu streicheln und zu massieren und dazwischen zu fahren. Nach einer Weile, die sie sich noch küssten und streichelten, fragte er leise "Bereit?", aber schob sich ohnehin schon dichter, um in Keith eindringen zu können.

Sie hatten auch schon wildere Nächte verbracht, ungeduldig die Kleider voneinander gerissen, ohne Vorspiel nach einem Kondom gesucht und es im Stehen an der Wand getan, weil sie es nicht bis zum Bett geschafft hatten, aber so war es Liam immer lieber gewesen.

Er schob Keith ein Kissen unter den Po, um seine Hände freizubekommen, während er sich, das verschwitzte Gesicht seines Geliebten beobachtend, in ihn drängte. Sachte ließ er schließlich die Hände in wellenförmigen Bahnen über den Körper vor sich gleiten. Es war immer ein schöner Moment, wenn Keith sich ihm hingab, ihm vertraute und sich in Besitz nehmen ließ. Aber dieses Mal erinnerte Liam sich an ihr erstes Mal und lächelte. Er drängte sich dichter an Keiths Körper heran, beugte sich vor und küsste ihn atemlos. "Weißt du noch? Letztes Jahr, ungefähr um diese Zeit?"

Keith stöhnte bei jeder Bewegung Liams in ihm leise auf. Er schlang die Beine um die Hüfte seines Geliebten, um ihn so nah an sich zu ziehen, wie es nur möglich war, während er ihn umarmte und mit einem kleinen Lächeln um die Lippen die Küsse erwiderte. "Ja", flüsterte er ebenso atemlos. "Da war ich das erste Mal ganz dein. So wie jetzt... Liam, ich will, dass es nie wieder aufhört. Ich will nie wieder ohne dich sein."

"Das würde ich auch nicht zulassen. Dich gebe ich nicht wieder her, Liebling." Liam schloss die Augen und küsste Keith noch einmal rasch, dann begann er, sich schneller zu bewegen, streichelte seinen Geliebten zugleich auf eine Art, der er sicherlich nicht gut widerstehen konnte. Liam war selber sehr kurz davor, als Keith sich aufstöhnend streckte und seinen Griff um Liams Schultern sich fast schon schmerzhaft festigte.

Er hielt in seinen Bewegungen inne und streichelte Keith sachte über die Brust, wartete ab, bis sich das müde, befriedigte Blinzeln um dessen Augen zeigt, als er die Umgebung wieder wahrzunehmen begann. Dann erst bewegte Liam sich weiter, härter und nur noch für sich dieses Mal, und es dauerte nicht lang, bis auch er den Höhepunkt erreichte.

Aufatmend sank er für einen Moment auf Keith zusammen, aber fing sich schnell und entzog sich, putzte ihn rasch ab, um ihn dann in eine warme Umarmung zu ziehen, aus der es für seinen Schatz sicherlich für die nächste halbe Stunde kein Entkommen geben würde. Träge beobachtete Liam, wie aus dem wilden Raubtier von eben wieder sein schüchternes Häschen wurde, eine faszinierende Wandlung. Die grünen Augen wurden nun von Lidern halb verdeckt, der Mund entspannte sich lächelnd, mit den Fingerrücken wurden die Haare in eine gewisse Ordnung gestrichen. Schließlich zog Keith fürsorglich eine Decke hoch und steckte sie hinter Liam fest, um die Verwandlung zu vollenden.

Keith schmiegte sich eng an seinen Mann, ein Bein zwischen Liams geschoben, einen Arm um seine Taille gelegt. Mit eines der schönsten Dinge an Liam war, dass er im Anschluss an ihre Liebesspiele genauso gerne kuschelte wie er, es auch langsam ausklingen ließ, um aus den Höhen ruhig zurück in die Wirklichkeit zu gleiten. Und Keith fand diese Momente genauso schön wie den eigentlichen Akt an sich, dieses tiefe Vertrauen, die Nähe zwischen ihnen, die Wärme, die Liebe. Er legte den Kopf auf Liams Arm, und sie sahen sich einfach nur an, ohne ein Wort zu sagen, ohne das Worte nötig gewesen und lächelten.

 

Als Keith am nächsten Morgen aufwachte, stellte er fest, dass er am Abend einfach eingeschlafen war, ohne es auch nur gemerkt zu haben. Nach wie vor lag er in Liams warmer, sicherer Umarmung, der Atem seines Mannes streifte gleichmäßig immer wieder seine Schulter, und sie rochen beide, als hätten sie sich leidenschaftlich geliebt, was nun mal auch der Wahrheit entsprach. Zudem hatte Keith einen schalen Geschmack im Mund, der ihm deutlich machte, dass er die Zahnbürste nicht einmal von Weitem gesehen hatte.

Vorsichtig befreite er sich aus Liams Armen, hatte in dem Zustand nicht einmal Lust auf einen Guten-Morgen-Kuss, auch wenn die Erinnerung an die Nacht ihn lächeln ließ. Rasch verschwand er im Bad, um sich zu duschen, rasieren und sich die Zähne zu putzen, ehe er eine andere Tradition des letzten Weihnachtsfestes wiederzubeleben beschloss und in die Küche abwanderte, um Frühstück fertig zu machen, um es Liam ans Bett zu bringen. Im Jahr zuvor war es sein Geliebter gewesen, der ihn mit einem Frühstück begrüßt hatte, Keith fand es nur fair, das ganze jetzt umzudrehen.

Liam hörte, wie Keith im Badezimmer werkelte und streckte sich gähnend. Dann schlich sein Schatz sich mit Bademantel bekleidet aus dem Zimmer. Aus dem Flur japste der Hund, und Keith ließ ihn in den rückseitigen Garten hinaus. Gleich darauf vernahm Liam, wie die Vögel am Futterhäuschen energisch verbellt wurden. /Uhoh, die armen Nachbarn./

Dann erinnerte er sich an sein Geschenk für Keith und stand schnell auf, um sich ebenfalls menschlich zu machen. Er verzichtete auf die Rasur, aber duschte ausgiebig. Dann zog er sich auch nur einen Bademantel über und ging rasch ins Schlafzimmer zurück, um das kleine Päckchen unter seinen Socken hervorzusuchen. Er schaffte es gerade so, sich wieder auf das Bett zu werfen, als er Keith zurückkommen hörte, sicherlich, um ihn zu rufen und ein wenig anzutreiben.

Stattdessen betrat Keith das Schlafzimmer mit dem großen Tablett, auf dem Dank der Vielfalt der Sachen, die er extra für das Weichnachtsfrühstück gekauft hatte, kaum noch Platz zu finden war. Er lächelte, als er merkte, dass Liam schon wach und geduscht war, aber nach wie vor stoppelig im Gesicht.

"Guten Morgen, Schatz." Er stellte das Tablett vorsichtig auf dem Nachttisch ab, ehe er zurück ins Bett krabbelte und ihn mit einem langen Kuss begrüßte. "Schöne Weihnachten wünsche ich dir. Ich habe mir gedacht, wir könnten die Traditionen noch ein wenig fortsetzen, wenn die Kinder schon nicht da sind."

"Hm. Gute Idee." Liam nahm sich ein Glas Orangensaft und legte in die dadurch freigewordene Ecke das Geschenk hinein, während er Keith das Tablett abnahm und es zwischen sie auf das Bett setzte. "Das ist für dich, Liebling. Fröhliche Weihnachten."

"Oh. Das für dich ist noch im Wohnzimmer. Da musst du jetzt ein wenig warten." Keith beugte sich zu seinem Mann und küsste ihn auf die stachelige Wange. "Danke, Schatz."

Er nahm das kleine Päckchen, das derart sorgfältig verpackt und mit einer geschickt angeordneten Schleife verziert war, dass Liam es mit Sicherheit nicht selber gemacht hatte. Mit einem Lächeln löste er das Band ab, während er daran dachte, dass sein Liebster mit seinen Händen so einiges anstellen konnte, aber dass ihm Geschenke einpacken jedes Mal vollkommen misslang.

Vorsichtig zog Keith den Klebstreifen ab, ehe er das Papier auffaltete. Sein Herz machte einen kleinen Satz, als er eine dunkelgrüne Schmuckschatulle freilegte, auf die mit goldener Schrift der Name eines Juweliers geprägt worden war. Langsam legte er das Papier beiseite und warf Liam einen kleinen Seitenblick zu. Sein Schatz beobachtete ihn aufmerksam und erwartungsvoll und ließ Keiths Herz noch schneller schlagen. /Er wird doch nicht... das ist doch nicht... Oh Gott.../

Doch als er die Schatulle öffnete, sah er direkt auf einen schmalen, schlichten Goldring. Mit zitternden Fingern holte er ihn aus dem Samtbett, um die winzige Gravur im Inneren lesen zu können. L. J. F und K. R., das Datum des letzten Weihnachtsfestes und eine Uhrzeit; 2:17 am, die Zeit ihres ersten Kusses. Keith blinzelte heftig und versuchte, die Tränen zurückzuhalten, die ihm mit einem Mal in die Augen schossen, doch es war vergeblich. Den Ring fest mit einer Hand umschlossen, drehte er sich zu seinem Mann um, schlang die Arme um ihn und verbarg das Gesicht an seiner Schulter. "Oh Gott, danke... Schatz... ich..."

Liam rettete mit einem leisen Lachen das Tablett und stellte es schnell vom Bett auf den Fußboden. Dann schloss er Keith in die Arme. "Ich wollte, dass du weißt, wie lange genau du mich schon besitzt und hoffe, dass du mich immer behalten willst, Keith. Wie den Ring." Er küsste Keiths Mund, seine Wangen, dann seine Finger, bevor er ihm den Ring vorsichtig entwand, um zu sehen, ob seine Messungen und Schätzungen richtig gewesen waren.

"Ich hab ihn in der Stadt gekauft, als ich bei den Kindern war, dort sagte die Verkäuferin mir auch, dass man den Ring noch stauchen oder dehnen kann, wenn er nicht passen sollte." Vorsichtig streifte er Keith den Reif über den Ringfinger der linken Hand. "Ich liebe dich. Das wollte ich dir noch mal sagen. Ich bin so froh, dass du letztes Weihnachten zu mir reingeschneit bist."


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~ Ende ~