Abschleppdienst

3.

Frank hatte den nächsten Tag genügend Stress, um sich von seinen Gedanken zu Matthias und dessen Lächeln ablenken zu lassen. Er musste den Besuch seiner Eltern bei den Großeltern überstehen. Sie fuhren über Weihnachten stets zu Franks Schwester mit ihrer perfekten Familie, die nach Süddeutschland gezogen war.

Sabine war eben ein gutes Kind. Hatte gute Noten in der Schule gehabt, die richtige Ausbildung gemacht, nämlich zur Bankkauffrau, war mit dem richtigen Mann verheiratet, nämlich mit einem etwas älteren Anwalt, und hatte die richtigen Kinder, zwei davon. Er hingegen konnte nur mit einem guten Schulabschluss des Wirtschaftsgymnasiums dienen. Er hatte das Abitur zu Gunsten einer Ausbildung zum Werbekaufmann geschmissen und erst im Anschluss an die Lehre nachgeholt. Es hatte ihm den Job in seiner jetzigen Firma eingebracht. Immerhin verdiente er mehr als doppelt so viel wie Sabine, aber nicht einmal das konnte seine Neigung zu Männern aufwiegen.

Weihnachten wurde nur noch ohne ihn gefeiert. Seine Mutter und sein Vater brachten ihm wie seinen Großeltern, bei denen er nach einem Krach gelebt hatte, stets nur einige Geschenke vorbei und meldeten sich dann erst um Ostern und zu seinem Geburtstag wieder.

Dieses Jahr kam erschwerend hinzu, dass sie den sonst immer ebenfalls geschenkten Weihnachtsbaum nicht mitbringen konnten, weil sie Sabine einen Bauernschrank zum Fest schenken wollten, der den Platz auf dem Anhänger verbrauchte.

Als sie endlich fort waren, tröstete Frank seine Oma "Ich hol euch einen schönen Baum... dann können wir dieses Jahr auch einen richtig großen nehmen, eine Nordmanntanne, die hatten wir in der Firma auch, die nadeln und stechen nicht so."

Er hatte sich am anderen Morgen gerade eben so von der Attacke durch die Eltern erholt, als um die Mittagszeit ein Anruf ihn aufschrecken ließ, als er sich gerade in der Badewanne einweichte. Es war Peter.

"Na? Schmollst du etwa, Frank?"

"Lass mich bloß in Ruhe, du Arsch!" Frank wollte eigentlich auflegen, aber Peter lachte nur und erklärte ihm, dass er nie Treue geschworen hatte. Das war wahr. Er hätte auch nie von einer längeren Zeit gesprochen, aber weil Frank so ein niedlicher Typ war, hätte er eine Ausnahme gemacht. "Aber ich rufe eigentlich an, weil ich deine Sachen loswerden muss. Das macht sich nicht so gut, wenn dein Spielzeug bei mir rumfliegt. Kannst du den Trödel vor Weihnachten noch abholen?"

"Nee. Kann ich nicht, will ich auch nicht. Ich bin bei meinen Großeltern und komme hier nicht weg, eingeschneit und eingeeist."

"Dann werfe ich das Zeug in der Firma auf deinen Schreibtisch. Na, guten Rutsch, lass dich mal rannehmen, dann steigt die Laune!" Peter legte auf, und Frank hätte vor Wut fast sein Handy ertränkt. Tränen standen in seinen Augen und ließen sich nicht aufhalten.

 

Frustriert starrte er nach einem verheulten Nachmittag auch in sein Gesicht, als er vor dem von Matthias beschriebenen Haus parkte. "Scheiße. Ich schau aus wie..." Er stieg aus und zog sich die rote Steppjacke über seinen sorgfältig ausgewählten Pullover. Zwar dick und mit Rollkragen, aber dafür kurz genug, um seinen Hintern zu zeigen, wenn jemand einen Blick riskieren wollte.

Eigentlich war ihm überhaupt nicht mehr nach der fröhlichen Atmosphäre auf dem Weihnachtsmarkt, aber andererseits hatte er das Gefühl, dass er durchdrehen und doch zu Peter fahren würde, wenn er sich nicht ablenkte. Das würde aber zumindest eine peinliche Szene, wenn nicht ein Desaster. Deswegen zwang Frank sich ein Lächeln ins Gesicht und stapfte durch frisch gefallenen Schnee auf die Haustür zu.

Matthias war noch nicht ganz fertig, als es klingelte. Er drückte auf den Türöffner und rief "Dritter Stock!" in die Gegensprechanlage, dann öffnete er die Wohnungstür einen Spalt breit und stellte einen Schuh dazwischen, damit sie nicht gleich wieder zufiel. Es war nicht ganz ordentlich, wie immer, aber Matthias nahm sich nur die Zeit, die Klamotten, die im Bad auf dem Boden rumflogen, in den Wäschekorb zu werfen, ehe er sich zu der schwarzen Lederhose einen roten Rollkragenpullover anzog. Im Schlafzimmer suchte er nach den Stiefeln, und als er sie angezogen hatte und in den Flur zurückkam, stand dort schon Frank, unsicher und mit einem künstlichen Lächeln auf den Lippen, das in keiner Weise verbergen konnte, dass er geweint hatte.

Es erschreckte Matthias regelrecht, dass dieses hübsche Gesicht mit den großen, blauen Augen so traurig aussehen konnte. "Hi Frank. Willste erst mal einen Kaffee?"

Frank versuchte, sein Lächeln ein wenig echter zu machen, denn Matthias' Anblick war wirklich schon fast zu sehr, worauf er stehen konnte. Dunkelblonde Haare, ein vom Duschen und Rasieren noch gerötetes Gesicht, aus dem ihm die grauen Augen nun besorgt entgegenblickten. Er bekam ein schlechtes Gewissen und nickte rasch. "Gern. Bin ich zu früh?"

Verzweifelt ging er mit schnellem Schritt in die Wohnung hinein, in das Wohnzimmer, wie es aussah. Etwas chaotisch, und die Möbelkombination jagte ihm Schauer über den Rücken, aber die Couch sah gemütlich aus. Seufzend zog er seine Jacke aus, legte sie zögernd auf einen Zeitschriftenstapel und schob die Hände in seine Gesäßtaschen, eine Angewohnheit, die er bei Unsicherheit noch immer nicht losgeworden war.

"Nein, ich bin nur etwas später aus der Werkstatt gekommen als geplant." Matthias lief in die Küche, holte die Kanne, die er aufgesetzt hatte, kaum dass er seine Wohnung betreten hatte, und brachte sie samt Milch und Zucker und zwei Tassen ins Wohnzimmer. Nachdem er alles abgesetzt hatte und die Zeitschriften achtlos vom Sofa in ein Regal befördert hatte, ließ er sich in die weichen Polster fallen.

"Machs dir bequem." Er schenkte ein und fragte dann nach einer kleinen Pause "Ist was passiert?"

Frank hatte auch einige Zeitschriften beiseite geräumt, als ihm nach einigen Motorzeitschriften eine ältere Ausgabe von 'Adam' in die Finger geriet. /Also doch, alles richtig interpretiert./ Er wollte sich eigentlich zurückhalten, aber als Matthias ihn so offen ansah und besorgt nachfragte, stürzte alles auf einmal aus ihm heraus. Er hatte sich neben den anderen in die Couch fallen lassen und kramte schon nach einem Taschentuch, während er noch von der schrecklichen Weihnachtspleite berichtete.

Irgendwie war alles mit einem Mal realer, als er es Matthias erzählte. "Und dann hat er auch noch wegen meiner Sachen angerufen, als ob ich auf Pfiff kommen und für seinen Neuen aufräumen würde! Und..." Er wischte sich unwirsch über die Wangen. "Und das schlimmste ist, er ist mein Chef, und ich muss ihn nach dem Urlaub jeden verdammten Tag sehen, und er hat allen erzählt, was wir im..." Er wurde rot und unterbrach sich. Stattdessen warf er einen Seitenblick auf Matthias. Hastig trank er einen Schluck von dem starken Kaffee und flüsterte "Nein, das schlimmste ist die Show, die ich jetzt abziehe... Tut mir so leid, ich... tut mir leid."

"Was für ein Arschloch!" Matthias sprach den ersten Gedanken aus, der ihm in den Kopf kam. Erst hatte es ihn überrascht, dass Frank so offen war und gleichzeitig gefreut, dass er ihm offensichtlich schon genug vertraute, um ihm so etwas zu erzählen. Dann war ihm aufgefallen, dass Frank erst seit zwei Tagen von diesem Peter getrennt war und ihm der Sinn bestimmt nicht so schnell nach einer neuen Beziehung stand.

Die Erkenntnis war längst nicht so hart, wie sie hätte sein können. Denn auch wenn er schon mit Wärme an den hübschen Mann dachte, war er sich noch lang nicht sicher, was er von Frank eigentlich wollte. Freundschaft, eine Affäre oder doch mehr. Eine Affäre würde es nun auf keinen Fall werden; einmal abgesehen davon, dass er selber die Nase voll davon hatte, war Frank viel zu leicht zu verletzen, wie es ihm schien. Mehr als eine lange Affäre war er für seinen Ex wohl nicht gewesen. /Vielleicht hat er nur mit mir geflirtet, um sich abzulenken, nicht weil er mich interessant findet./

Das tränennasse und jetzt auch noch vor Verlegenheit gerötete Gesicht machte, dass Matthias diesen Gedanken nicht weiter verfolgte. Er reckte sich, holte die Kleenexbox vom Tisch und reichte sie Frank. Doch bevor dieser sie nehmen konnte, griff er nach seiner schmalen Hand und umfasste sie, um sie kurz zu drücken, ehe er ihm die Taschentücher überließ. "Es ist okay, Frank. Es ist keine Show, die du abziehst. Ich wäre auch fertig, wenn das jemand mit mir gemacht hätte. Weißt du was, ich fahre. Dann kannst du nach dem Einkaufen mehr Glühwein trinken; so ein netter kleiner Schwips hilft manchmal hervorragend."

Frank schnüffelte, dann lachte er unsicher. "Ich werde nicht mehr dazu kommen, dich einmal zu fahren, wenn ich so weitermache." Nach einem kleinen Seitenblick auf Matthias putzte er sich die Nase und seufzte. "Tut mir trotzdem leid, dass ich so eine Heulsuse bin und dir den Abend verderbe."

Doch es hatte gut getan, es hatte die Spannung in ihm gelöst; er hatte es ausgesprochen und damit war nun auch Wirklichkeit geworden, dass er und Peter nicht mehr zusammen waren, dass es Peter nie wirklich ernst gewesen war. Es tat noch immer weh, aber die Idee, den Schmerz mit dem attraktiven Mann gemeinsam in Glühwein und Kitsch zu ertränken, wurde immer besser.

Sie tranken dennoch erst einmal den Kaffee, und Frank fragte Matthias, ob dieser einen guten Weihnachtsbaumhändler wusste. "Meine Eltern haben den sonst immer für meine Großeltern mitgeschlagen, dieses Jahr schaffen sie es nicht und ich hab ihnen versprochen, dass ich mich darum kümmere." Frank nippte noch einmal vom Kaffee, der ordentlich stark war.

"Entweder gehst du selber einen schlagen oder du kaufst beim Ellersick. Der hat seinen Stand etwas über fünfhundert Meter von der Werkstatt entfernt die Straße rauf, hat hübsche Bäume in allen Größen und ist verhältnismäßig billig." Matthias war froh, dass Frank wieder lachen konnte. Er war nicht besonders gut im Trösten mit Worten, und dafür, ihn einfach kräftig in den Arm zu ziehen und zu halten, kannten sie sich bei weitem noch nicht lange genug. "Wenn du magst und deine Großeltern einen richtig großen wollen, helfe ich dir tragen. Ich habe fast nie einen, um den für Heilig Abend kümmern sich die Eltern. Da kann ich mich ruhig auch mal bei jemand anderem stacheln lassen."

Frank lächelte in seine Tasse. Matthias war auf dem besten Wege ein guter Freund und Favorit seiner Großeltern zu werden, wenn er weiter so hilfreich und freundlich war. "Das ist nett von dir. Ich denke, ich werde meiner Oma Ernestine die Wahl lassen. Sie hat so ihren Kopf und sie ist kräftiger als ich sogar, früher war sie sogar größer, verwunderlich, nicht?"

Matthias grinste und nickte. "Melde dich einfach, wenn ihr Hilfe braucht." Er trank den letzten Schluck Kaffee aus und sah Frank fragend an. "Aufbruch?"

Nur wenig später waren sie mit Matthias' Wagen in Richtung Stadt unterwegs. Der silbergraue Audi war Matthias' ganzer Stolz, und er bereute keinen Cent, den in die Ausstattung gesteckt hatte. Um so mehr freute es ihn, dass er Frank auch zu gefallen schien; die beheizbaren Ledersitze stießen auf jeden Fall sofort auf Begeisterung, und Matthias stellte wieder einmal fest, wie praktisch sie waren. Frank war deutlich verfrorener als er, und dennoch mussten sie die Heizung nicht bis zum Anschlag hochdrehen.

Die Fahrt verlief angenehm, und noch immer ging ihnen der Gesprächsstoff nicht aus. Vorsichtig umschiffte Matthias das weite Feld von Franks Arbeit, auch wenn es ihn interessiert hätte; aber er wollte ihn nicht an seinen Ex erinnern. Über Autos und die Werkstatt kamen sie auf Musik und Kinofilme, und als sie schließlich einen Stellplatz im Parkhaus suchten, hätte sich Matthias fast gewünscht, noch ewig weiter mit Frank durch die verschneite Landschaft fahren zu können.

Die Fahrt im fast neuen Audi war deutlich angenehmer geworden als in Franks eigenem kleinen Auto. "Ah, warum hast du nicht gleich gesagt, dass du beheizbare Autositze hast? Dann hätte ich gar nicht heulen müssen, um dich zum Fahren zu bringen." Ein wenig zu übermütig zwinkerte Frank seinem neugewonnenen Freund zu.

Sie hatten ein wenig abseits geparkt, aber der Duft und das Gedudel vom Weihnachtsmarkt wehten schon zu ihnen hinüber. Die ersten Buden ließen sie links liegen, um sich auf dem historischen Anteil zu den Ständen mit dem Kunsthandwerk durchzuschlagen. Überall roch es lecker, und schon bald suchten sie mit den ersten Bechern, Frank mit Glühwein, Matthias mit heißer Schokolade bewaffnet, nach Kerzen und kleinen Geschenken.

Erst beim dritten Glühwein fiel es Frank auf, dass Matthias sie sehr bereitwillig besorgen ging. "Hey, hey. mal langsam. Ich brauche keine Druckbetankung hier. Außerdem zahle ich selber!" Er schob Matthias beiseite, um dem dicken Standbesitzer die horrendgewordene Summe für ihre Getränke in die Hand zu legen.

"Danke für die Einladung", meinte Matthias nur vergnügt. Er hatte es durchaus gemocht, für Frank zu bezahlen; wenn er gute Laune hatte, gab er gerne Geld aus, besonders für Leute, die er gern hatte. Aber am Ende dachte der andere noch, er wollte ihn abfüllen und dann ins Bett schleppen. Doch das war nicht Matthias' Art, nur woher sollte Frank das wissen? Dass dieser für ihn mitbezahlte, ließ er gelten, weil er ihm immerhin die Reifen gewechselt hatte. Und er fand es nett. Sehr nett.

Solange er noch nüchtern genug war, erstand Frank eine Packung Kerzen für die Oma und kaufte ihr einen kleinen Wichtel für die Eingangstür dazu. Sie schoben sich, als es begann sehr dicht zu schneien, mit etlichen anderen Leuten unter das Zeltdach eines der Stände, wo Matthias Frank schon wieder etwas ausgab, dieses Mal etwas zu Essen. Sie ergatterten eine Platz an den Stehtischen und aßen von dem feurigen Eintopf mit Brötchen, während sich immer mehr Leute zwischen den Ständen drängten

Die Laune war gut, überall hörte man Gelächter und fröhliche Stimmen. Betrunken war nicht nur Frank, dem das warme Gefühl und ein leichte Unstetigkeit seiner Bewegungen schon aufgefallen war. In dem Stand, in den sie sich geflüchtet hatten, wurden Schlager gespielt, und Frank begann ohne darüber nachzudenken, mit einigen anderen ebenfalls mitzusingen.

Matthias brauchte an diesem Abend keinen Alkohol, um sich trotz der Angetrunkenen wunderbar amüsieren zu können. Normalerweise mochte er es nicht besonders, nüchtern zu sein, wenn rings um ihn die Stimmung beständig angeheiterter wurde. Aber Frank beschwippst zu sehen, war ein Erlebnis. Es war keine peinliche, grölende Trunkenheit, die in so dummen Witzen endete, dass man nicht mal mit Anstrengung lächeln konnte, und er war fast noch niedlicher anzusehen als sonst. Die Wangen und die Nase waren vom Wein und der Kälte gerötet, seine blauen Augen strahlten vergnügt, wenn auch leicht verschleiert.

/Ob er auch so ist, wenn er erst einmal richtig vertraut? Wie kann man jemanden wie ihn nur so mies behandeln, wie dieses Arschloch es getan hat?/ Matthias merkte, wie er sich in Frank verliebte. In seine Stimme, in seine Ausgelassenheit, in die Art, wie er ihm über den Glühweinbecher zulächelte, in seine zierlichen Gesten, die nun ausladender und fahriger wurden, und in sein süßes Kichern. Er vergaß die Zeit darüber, und als er das nächste Mal mehr zufällig auf die Uhr sah, verwunderte es ihn, wie schnell der Abend verflogen war. "Wir sollten uns langsam auf den Rückweg machen. Es ist spät, und ich muss morgen wieder arbeiten."

Frank sah sich um und nickte. "Der... Markt macht eh zu", kommentierte er die vielen bereits mit Planen und Holzbrettern verschlossenen Stände. Ein wenig unsicher blinzelte er den Becher an. "Mein... mein Wievielter ist das eigentlich?" Seine Sprache war noch nicht verwaschen, aber er hatte Mühe, die Worte zu finden. Mit einem sicherlich dämlichen Grinsen machte er eine wegwerfende Handbewegung. "Egal. Ich bin jedenfalls duhn."

Matthias lachte leise und hielt ihm den Arm hin, für den erfreulichen Fall, dass Frank sich helfen lassen wollte. "Ich habe nicht mitgezählt."

Frank erlaubte es Matthias, ihn aus dem Stand zu schleifen, aber ließ den anderen auf der Straße los und sagte bestimmt "Du gehst vor, und ich folge dir vertrauensvoll!" Er lachte albern und fügte verschlagen hinzu "Dann kann ich die Aussicht auf diese geile Hose noch ein wenig genießen." Zufrieden starrte er Matthias auf den Hintern und errötete eine Spur mehr, um ihm leiser zu sagen "Das war natürlich ein unschuldiges Kompliment."

Matthias lachte leise und fand Frank noch viel niedlicher. Wärme strudelte durch seinen Bauch. Gerne hätte er ihn in den Arm genommen und ihn vielleicht zumindest auf die Wange geküsst, aber er brachte sich ganz schnell wieder davon ab. /Nicht auf der Straße, nicht nach bloß drei Treffen, von denen erst eines länger war und ganz gewiss nicht, wenn er betrunken ist./ "Danke. Aber ich werde dadurch um deinen Anblick gebracht, was unfair mir gegenüber ist, oder?" Er zwinkerte ihm zu, aber musste zugeben, dass es das beste war, so lange sie sich noch auf dem Markt befanden. Obwohl viele Stände schon geschlossen waren, war es weit entfernt davon, leer zu sein.

Der Weg zum Wagen wurde unangenehm, da es in dicken nassen Flocken schneite. Mit klammen Armen und Beinen und nassen Haaren kletterte Frank in den Wagen und sank seufzend in den tiefen Sitz. Sobald Matthias den Schlüssel umgedreht hatte und der Motor mit sattem Brummen erwachte, drückte er auf die Sitzheizungsknöpfe und kuschelte sich zusätzlich zu seiner Jacke noch unter die von Matthias, die er sich vom Rücksitz geangelt hatte. "Hm, ich liebe", er gähnte ein wenig, "dein Auto."

Matthias beugte sich zu ihm und wischte ihm mit den nassen Strähnen ein paar Tropfen von der Stirn. Ihm gefiel es, Frank in seine schwere Lederjacke gehüllt zu sehen, die zu groß an ihm wirkte, einfach weil er so schlank war. Es schuf ein Gefühl von Vertrautheit und Nähe in ihm, das er mochte. "Ich liebe es auch", erklärte er dann zufrieden und tätschelte das Lenkrad. "Ist mein Baby."

Schläfrig beobachtete Frank Matthias, der dies vielleicht bemerkte, aber sich zu sehr auf die Straße konzentrieren musste, um viel zu ihm hinsehen zu können. Die langsame Soulmusik aus dem Radio lullte ihn ein, er konnte den Kopf nicht mehr aufrecht halten und sank im Autositz, unter der so lecker nach dem anderen Mann riechenden Jacke zusammen und ehe er sich versah, war Frank eingeschlafen.


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by Meike "Pandorah" Ludwig & Jainoh