Abschleppdienst

6.

Frank wusste nicht mehr, wann er eingeschlafen war. Als er am anderen Morgen von den leisen Geräuschen aus der Küche unten aufwachte, merkte er jedoch, dass er sich umgedreht und mit dem Rücken und Po in Matthias hineingekuschelt hatte. Seufzend drängte er sich einen Moment lang noch enger an seinen Freund, dann gab er jedoch seinem Bedürfnis, auf Toilette zu gehen, nach und huschte rasch ins Bad.

Als er wieder ins Zimmer kam, zeigte ein Blick auf den Wecker, dass es erst halb acht Uhr war und damit zu früh, um aufzustehen. Matthias schien dies zu wissen. Er schlief noch immer friedlich und gab Frank die Gelegenheit, ihn genauer zu betrachten, während er sich ein Stückchen Decke heranzupfte, um zu ihm zu kriechen.

Schlafend hatte der andere Mann ein freundliches Allerweltsgesicht, auch wenn er den Eindruck erweckte, als sei seine Nase einmal gebrochen gewesen. Lächelnd zeichnete Frank den Nasenrücken bis zu den Lippen mit dem Zeigefinger nach.

Matthias wurde von einem kleinen Kitzeln geweckt und dem schönen Gefühl eines Körpers, der an seinen gekuschelt war. Sein Mund verzog sich zu einem Lächeln, dann sah er verschlafen auf und direkt in Franks blaue Augen. Es war wie von einem Traum in den nächsten zu driften, und eine Weile tat er nicht mehr, als zu lächeln und Frank anzuschauen.

"Mmh, guten Morgen", sagte er schließlich leise und küsste Franks Nasenspitze. "Ich glaube, ich muss das Langschläfer wieder zurücknehmen."

"Hi", flüsterte Frank, dann schmiegte er sich enger an seinen Freund "Ja, vermutlich musst du das. Ich bin aber gestern auch einfach so eingepennt. Hab ich was verpasst?"

"Nein. Ich habe auch nicht mehr mitbekommen, wie ich eingeschlafen bin." Matthias schmuste seine Wange einen Moment lang an Franks, dann sah er ihn wieder an und grinste. "Danke noch mal für die Einladung. Das hier ist besser als alles, was mir zu Hause hätte passieren können."

"Hab ich mir doch gedacht." Frank küsste Matthias leicht, dann ließ er den Kopf seufzend sinken und lauschte auf die Sonntagschöre, die von unten aus dem Küchenradio zu hören waren. "Ich bin so froh, dass ich hier und nicht in den Bergen bin. Das hier ist besser als alles, was mir dort hätte passieren können." Und das war nicht gelogen. Er hatte Peter gern gehabt und war gern mit ihm im Bett gewesen. Aber er war nicht in ihn verliebt. Der Unterschied fiel ihm jetzt erst auf. Das Kribbeln, die Freude über jede noch so kleine Berührung, das Verlangen nach mehr und immer mehr, hatte er nie zuvor gespürt. /Oh Gott, was ist, wenn er nur flirtet?! Aber, ich... kann ich ihn fragen? Nein. Ich werde dies einfach so lange genießen, wie es hält. Wenn es nicht mehr ist, dann ist es nicht mehr, so ist das Leben halt./

"Was willst du machen? Meine Großeltern gehen gleich aus dem Haus, zur Kirche. Willst du A: zur Kirche gehen? B: ein langes Frühstück mit mir? Oder C: was noch anderes? Hast du einen Vorschlag?" Möglichst verführerisch sah Frank seinem Freund in die Augen.

Der Blick schickte ein hitziges Prickeln durch Matthias, das mit einem warmen Erschauern in seinem Magen zu enden schien, aber dann doch im Hintergrund beständig lauerte. Matthias drückte Frank enger an sich und küsste ihn, bevor er auch nur darüber nachgedacht hatte. Erst dann antwortete er mit einem kleinen Grinsen "A: Nein. B: Klingt deutlich besser. C: Jede Menge, aber ich will dich nicht verschrecken."

"Jede Menge?" Frank drängte Matthias auf den Rücken und schob sich über ihn, um sich auf seiner Brust aufzustützen. "Da machst du mich jetzt aber neugierig."

Matthias lachte leise und ließ seine Hände unter Franks Oberteil gleiten, um seine warme Haut zu spüren, während seine Finger langsame Bahnen über den Rücken zogen. Es war aufregend, ihn so zu fühlen, am ganzen Körper, und nur getrennt von dem dünnen Stoff ihrer Schlafanzüge, und jetzt war er weder müde, noch betrunken. Es lenkte seine Gedanken unweigerlich in eine bestimmte Richtung. Den Kopf hebend küsste er Franks unrasiertes Kinn und sank dann wieder zurück in das Kissen.

"Liebe machen in mindestens fünf verschiedenen Stellungen an mindestens drei verschiedenen Orten."

"Fünf Stellungen und drei Orte gleich? Eine Stellung und ein Ort reichen wohl nicht aus, was?" Aber allein das Streicheln der rauen Finger über seinen Rücken schufen schon Gänsehaut und Verlangen gleichermaßen. Frank rekelte sich ein wenig und gab sich dann zunächst einer Knutscherei hin, die auch schon einmal eine gute Wahl war. Zudem lag er auf Matthias, und der würde schon recht bald merken, dass ihm der Sinn nach ein wenig mehr stand.

/Mmh, vielleicht doch nicht zu früh?/, dachte Matthias hoffnungsvoll, um dann erst mal gar nicht mehr zu denken. Zu schön war es, Frank küssen und berühren zu dürfen, wie es ihm in den Sinn kam. Bald blieb er nicht mehr bei dem Rücken, streichelte Franks Seiten hinab, an den Hüften entlang, um dann, über der Hose jedoch, den kleinen Hintern zu umfassen und seinen Freund fester an sich zu drücken.

Bereits jetzt war er leicht erregt und auch Frank blieb nicht unberührt, das konnte er spüren; er hoffte nur, dass sein Freund es sich nicht anders überlegte, als er von den weichen Lippen abließ, seinen Hals küsste und mit der Zungenspitze Kreise darauf zeichnete. Franks Atem ging schneller, und er hatte die Augen geschlossen, was Matthias genug Aufmunterung war, um mehr zu tun. Er hielt ihn fest und rollte herum, so dass nun er halb auf ihm lag. Verzaubert sah er ihm einen Moment lang in das Gesicht, in dem sich die Wangen erneut gerötet hatten. Die Lippen waren wie erwartungsvoll leicht geöffnet.

"Schönster...", flüsterte er, nur um ihn gleich wieder zu küssen und an seinen Lippen zu knabbern, während er unter dem Oberteil Franks Brust zu streicheln begann. Glatt war er, was sich gut anfühlte, und ein Hauch von Stoppeln machte Matthias klar, dass er sich die wenige Brustbehaarung rasierte. Das brachte ihn zum Lächeln.

Frank wand sich leise aufseufzend unter Matthias Fingern und Lippen, die ihn so verdammt richtig berührten. Die geflüsterten Worte ließen ihn erröten. Peter hatte ihn nie schön genannt, und es machte, dass er sich mit einem Mal wertvoll fühlte. Ihm wurde klar, dass er sich in Matthias verliebte, wie er es noch nicht zuvor gewesen war, und das Gefühl allein brachte ihn dazu, sich mit einem Mal intensiver an ihrem Spiel zu beteiligen. Er ließ sich zur Seite rutschen, um mehr Spielraum für seine Hände zu haben.

Er wollte den anderen kennen lernen, der ihn so fühlen ließ. Mit hastigen Fingern begann er, an dem Schlafanzugoberteil zu zerren. Ihre Hüften wurden durch seine Bewegung gegeneinander gerieben, und er stöhnte unbewusst auf. "Oh Gott... " Als Antwort schob er eine Hand über Matthias' festen Hintern, der ihm in der Lederhose schon so gut gefallen hatte, um ihn erneut gegen sich pressen zu können.

Franks leisen Laute und Bewegungen erregten Matthias noch mehr. Er half ihm mit dem Oberteil und streifte gleich darauf das von Frank über den Kopf. Das Gefühl von Haut an Haut war herrlich, aber er genoss es nur kurz, dann küsste er sich von den weichen Lippen über den Hals bis zu Franks Brust vor, um die kleinen Brustwarzen mit Zähnen und Zunge zu necken und zu verwöhnen. Mit der flachen Hand streichelte über den Bauch und zum Schoß hinunter, den er nur flüchtig berührte, aber genügend, um zu spüren, wie sehr seinem Freund ihr Spiel gefiel; dann wanderte er jedoch weiter, um die Innenseiten der Oberschenkel zu massieren.

Frank merkte, dass er sich nicht mehr im Griff hatte; schon nach dem ersten intimen Streicheln begann er, sich leise stöhnend gegen seinen Freund zu drängen, um ihn zu mehr und intensiveren Berührungen zu bringen. Zugleich huschte sein Mund an dem Hals und den Schultern von Matthias entlang, verteilte wahllos kleine Küsse und neckende Bisse, während seine Hände sich auffordernd über den Rücken und dann wieder zu seinen Armen bewegten. Mit leichtem Drängen versuchte er, ihn zu seinem Schoß zu lenken, ungeduldig und nicht in der Lage, es zu verbergen.

"Bitte..." Erschrocken erwischte Frank sich dabei, wie er mit dem Reden begann. Peter hatte das immer lustig gefunden. Pornogerede hatte er es genannt, wenn Frank sich im Bett nicht mehr zurückhalten konnte, aber ab einem bestimmten Punkt konnte er einfach nicht leise sein. Hastig biss er sich auf die Lippen, um keinen Laut mehr entkommen zu lassen. Rot war er ohnehin schon.

Das halb gestöhnte Wort ließ einen neuen, lustvollen Schauer durch Matthias laufen, der direkt in seinem Schoß aufzuglühen schien. Ob er ihn zu noch mehr dieser aufregenden Laute bewegen konnte? Er küsste sich über den Bauch bis zum Hosenbund vor, schob seine Hände unter den Stoff und ließ sie an Franks Seiten hinabstreicheln, dabei die Hose mit sich nehmend. Frank hob bereitwillig die Hüfte an, so dass er auf keinen Widerstand stieß.

Atemlos betrachtete er den Mann, der nun nackt vor ihm lag. Die feine Röte zog sich vom Gesicht bis über den Hals hinab; ein feiner Schweißfilm bedeckte den schlanken Körper, der in seiner Erregung dahingestreckt auf den Laken einfach nur perfekt war. Rasch schlüpfte auch Matthias aus der Hose, um sich der Länge nach an seinen Freund zu schmiegen und ihn so zu spüren, wie er ihn gesehen hatte. Sachte küsste er die Lippen; dann schob er sich jedoch erneut an ihm herab, bis er zwischen den Beinen seines Freundes kniete. In Franks schönes Gesicht sehend beugte er sich hinab und küsste ihn auf die Spitze seiner Erektion, kostete den Geschmack mit der Zungenspitze.

Frank biss sich schnell auf die Fingerknöchel, um nicht zu laut zu werden, denn genau in diesem Augenblick raschelten unten im Flur die Großeltern und redeten sich für die Kirche anziehend miteinander. Schwer atmend starrte er Matthias in das Gesicht, dessen konzentrierter Ausdruck ihn genauso anmachte wie die Bereitwilligkeit, es ihm ohne Frage oder Bitte mit dem Mund zu machen. Und wie. Ganz gleich wie sauer er auf Peter war, selbst im nicht von seinem Freund getrennten Zustand hätte jener gegen Matthias' Geschick nur die halbe Punktzahl erhalten.

Endlich klappte unten die Eingangstür, und sie wurden mit zweimaligem Schlüsseldrehen eingeschlossen, weil die Großeltern gern vergaßen, dass er noch im Haus war. Kaum waren die Stimmen vor dem Haus verklungen, als Frank auch schon die Finger aus dem Mund nahm und dafür fest in die Haare seines Geliebten vergrub. "Oh Gott! Ohgottohgott... Hör auf, ich… Nicht so schnell!"

Matthias ließ von ihm ab, mehr weil der Griff weh tat, als weil er es wirklich wollte. Die erstickten Geräusche von Frank zu hören und ihn zu spüren, wie er sich ihm entgegenhob und sich unter seinen Liebkosungen wand, der Geschmack, all das war zu wundervoll, als dass er es schon beenden wollte. Andererseits hatte Frank recht, es würde nicht mehr lange andauern, wenn er weitermachte; zumindest für seinen Freund nicht.

"Okay", sagte er heiser. "Aber du bist so verlockend, dass mir das schwer fällt." Stattdessen legte er sich wieder zu ihm, um ihn fest an sich drücken und Ersatz an Franks Lippen zu finden, während er ihm ein Bein um die Hüfte schlang.

"Ohgottohgott. Fast wäre ich gekommen eben. Das wollte ich aber nicht", murmelte Frank, während er versuchte, sich nicht permanent gegen die Hüfte und das Bein des anderen zu bewegen. Er sah ihm unter gesenkten Lider in das erhitzte Gesicht. "Nicht vor dir. Du bist zu lange obenauf gewesen, ich will auch mal etwas tun." Atemlos küsste er seinen Freund, dann bat er leise "Du zuerst, ja?"

Matthias zögerte, von der Bitte überrascht, doch dann nickte er mit einem leichten Lächeln. Wieder war Frank so niedlich, dass es ihn einfach erschauern ließ von der Zärtlichkeit, die er für ihn empfand. "Dann gehöre ich jetzt ganz dir."

Frank nickte erfreut und rollte Matthias auf den Rücken, von einigen Küssen begleitet. Es machte ihm Spaß, und es machte ihn an, den anderen zu schmecken. "Aber ich bin nicht so gut wie du", warnte er vor, dann tauchte er ab auf Höhe von Matthias' Schoß, den er zum ersten Mal mit Blicken streifte. Ihm gefiel sehr, was er sah, und den Geruch eines anderen Mannes hatte er schon vom ersten Moment an geliebt. Lächelnd begann er, Matthias' zuvor gezeigte Tricks zu imitieren und ihn zugleich zu streicheln, die Augen hielt er dabei geschlossen.

Matthias stützte sich auf die Ellbogen auf, um Frank weiterhin anschauen zu können. Es erregte ihn noch mehr, die Lippen und die geschickte Zunge dabei zu beobachten, wie sie ihm wohl taten. Auch wenn Frank ihn gewarnt hatte, fand Matthias nicht, dass er ungeschickt war; es fühlte sich einfach himmlisch an, und das zeigte er ihm mit aufmunternden Lauten und bald auch mit lustvollem Stöhnen.

Schließlich ließ er sich wieder zurück auf die Matratze sinken und schloss ebenfalls die Augen, als die Gefühle überhand nahmen. "Vorsicht, Frank... ich... Oh Gott!" Er spannte sich an, fühlte Hitzeschauer durch sich hindurchrasen, die in einem Erbeben gipfelten, das seinen ganzen Körper erfasste. Er hörte sich Franks Namen rufen, dann sackte er erleichtert zusammen.

Begeistert hatte Frank vernommen, dass Matthias gefiel, was er tat, und zum anderen fand er es klasse, dass er gelassen wurde. Peter hatte ihn früher oder später weggescheucht von sich und hatte es selber übernommen, für die Art Sex zu sorgen, nach der ihm der Sinn stand. Lächelnd putzte Frank Matthias ein wenig ab, dann krabbelte er zu ihm hoch und schmiegte sich neben ihn auf das Bett. Er wagte es nicht, ihn anzufassen oder zu küssen, das war zuvor bei Peter immer nicht so toll angenommen worden. Wenn dieser erst einmal gekommen war, wollte er vornehmlich Ruhe haben. Gespannt und sehr bemüht, um nicht zu reden, wonach ihm eigentlich der Sinn stand, sah Frank seinem Freund in das Gesicht.


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© by Meike "Pandorah" Ludwig & Jainoh