Abschleppdienst

7.

Matthias atmete ein paar Mal tief durch, dann drehte er sich halb zur Seite, umfasste Frank energisch und zog ihn mit einem Ruck an und halb auf sich. "Erzähl mir nicht noch einmal, du bist nicht so gut", sagte er mit einem Grinsen und küsste die zu einem kleinen, erschrockenen Japsen geöffneten Lippen. "Das war herrlich. Und jetzt gib mir noch einen Augenblick Ruhe, dann bist du dran, ja?"

"Klar!" Mit einem breiten Grinsen kuschelte Frank sich dichter an Matthias heran und erzählte leise, aber aufgeregt "Ich weiß, dass ich nicht so viel Erfahrung habe, aber es macht solchen Spaß, wenn ich dich allein ansehen kann dabei, wie du..." Er stockte und holte Atem. Verflucht noch einmal. Schon wieder war er so schrecklich quasselig, das kam im Bett nicht an, und er sollte die Klappe halten.

"Hm, red ruhig weiter." Matthias runzelte erstaunt die Stirn, als er diese Mischung aus Erschrecken und beinahe Schuldbewusstsein in Franks Gesicht sah. "Ich höre dir gern zu. Auch davor und dabei und danach." Dann grinste er, während seine Hände wieder über Franks Rücken zu streicheln begannen. "Dabei macht es mich an."

Verwundert blickte Frank seinem Freund ins Gesicht. Das hatte er noch nie gehört. Es war immer als Partygag von allen Freunden von Peter und Peter selber belächelt worden, dass Frank zum einem recht laut werden konnte und zum anderen, dass er so betulich zu reden begann und kuscheln wollte nach dem Sex.

"Na gut", meinte er gedehnt und stützte sich auf einen Ellenbogen, um kleine Kreise auf Matthias' Brust zu malen. "Ich bin eh viel ehrlicher mit dir und trau mich viel mehr zu sagen, obwohl ich doch eigentlich schrecklich nervös sein sollte, nicht? Egal. Ich wollte sagen, dass ich es geil fand, wie du dich bewegt hast. Ich... hab es nicht gesehen, weil ich immer die Augen zumache dabei, aber gefühlt. Ich hab es noch nie zuvor so fühlen können, was ich machen soll." Er wurde ein wenig rot, aber wusste zugleich, dass er es richtig ausgedrückt hatte. Zufrieden sank er auf Matthias Brust nieder und murmelte "Egal, auch falls das nur eine einmalige Sache gewesen sein sollte. Es war auf jeden Fall toll!"

Matthias begann sich unwohl zu fühlen, und die Befürchtung, dass er vielleicht doch nur ein Trost wegen Peter sein könnte, kam zurück. Eben noch hatte er sich so richtig mit Frank gefühlt, richtiger und herrlicher noch, als dieser so vertrauensvoll und von Ehrlichkeit gesprochen hatte, und dann kam das. Eine einmalige Sache.

"Na, das hoffe ich doch nicht", protestierte er und drückte ihn gleich besitzergreifend fester an sich. Dann fiel ihm ein, dass Frank auch gemeint haben könnte, dass er ihn hatte machen lassen, was ihn nun zum Lachen brachte. "Und jetzt bist du dran."

Er schob Frank sachte von sich herunter und begann, ihn wieder zu verwöhnen, zielstrebiger dieses Mal, aber trotzdem erst einstimmende Zärtlichkeiten über den ganzen Körper verteilend, ehe er sich auf den Schoß konzentrierte.

Schon sehr bald wand Frank sich stöhnend unter den Händen des anderen Mannes und konnte sich nicht mehr zurückhalten, drängte sich gegen ihn, dann ließ er wieder locker, um ihm die Bewegungsfreiheit nicht zu nehmen, dann umfing er leise lenkend die Hand, die ihn streichelte und brachte Matthias mit einem geflüsterten "Mehr so, oh, genau, genau so..." auf eine bessere Stelle. Nicht all zu lange hielt er es jedoch noch aus, es hatte ihn schon so sehr erregt, Matthias in seinen Händen kommen zu sehen. Mit einem Japsen kam er und kuschelte sich leise seufzend und nach Luft schnappend an den warmen Körper des anderen und schloss die Augen.

Matthias hatte beinahe zu sehr gemerkt, dass Winter war, nun wo er sich nur noch auf Frank konzentriert hatte, und er war dankbar, die Decke wieder über sie beide ziehen zu können, während er seinen Freund festhielt und ihn sachte streichelte. Er freute sich bereits jetzt schon auf die nächsten Male, wenn er ihn noch mehr kennen lernen konnte und mehr von diesen süßen Worten und Halbworten zu hören bekommen würde. Bei Frank war es so natürlich und selbstverständlich. Sein Ex hatte beim Sex nie gesprochen, und bei den Affären, die er gehabt hatte, waren zwar einige dabei gewesen, doch er war das Gefühl nie losgeworden, dass sie es nur getan hatten, weil es ihn eben anmachte.

"Hm, ich glaube, ich halte dich einfach fest und lass dich nicht mehr los", murmelte er zufrieden an Franks Ohr und nippte auch gleich ein wenig daran. Dieser ganze Mann war einfach zu perfekt, um ihn wieder gehen zu lassen.

"Oh ja, das klingt gut", murmelte Frank Matthias ans Ohr. Eine Weile noch driftete er im kompletten Himmel, mit kräftigen Händen, die ihn streichelten, mit einem Mann, der ihn offensichtlich mochte, ihn sexy zu finden schien und gut im Bett. So hatte Frank sich noch nie gefühlt. Sonst war er immer nette Deko gewesen, die man bei Bedarf ein wenig erregen und dann ficken konnte; nie hätte er geglaubt, dass es im Bett auch ganz anders zugehen konnte, ohne peinlich oder schrecklich zu werden.

Als nächstes kam ihm die Idee, Matthias in die Badewanne zu verschleppen, was sich als noch viel schöner herausstellte. Zum einen konnte er mit Matthias ausgezeichnet plantschen, dann konnte der Mann unverschämt gut massieren, auch die Haare und den Kopf beim Waschen, und dann waren sie hinterher nett sauber und perfekt für eine weitere Runde Sex vorbereitet, zumal sie beide schon nicht wenig erregt aus dem Wasser kletterten.

Als sie sich dann endlich angezogen hatten, kamen die Großeltern von der Kirche heim, und in der Küche wurde bereits das Mittagessen gekocht, während Matthias und Frank noch versuchten, einen schnellen Kaffee zu trinken. Sie wurden zum Eintopf genötigt und verbrachten den Nachmittag schmusend vor dem Fernseher auf Franks Bett, auch wenn er nicht mehr hätte sagen können, welcher Film gelaufen war. Am Abend war er richtig traurig und fühlte, als ginge ihm etwas verloren, als Matthias wegen der Arbeit am Montag, dem vorletzten Tag vor Weihnachten immerhin, aufbrechen musste.

Auch Matthias hatte wenig Lust, Frank im großelterlichen Haus zu lassen, als sie im kühlen Flur standen, Arm in Arm, um sich voneinander zu verabschieden. Er hatte nicht gezählt, zum wievielten Mal sie sich einen Abschiedskuss gaben, und es wurde noch einer mehr, ehe er sagen konnte "Nur noch morgen, dann habe ich Urlaub. Ist wegen der Mitarbeiterbesprechung, die der Chef unbedingt vor Weihnachten machen wollte, dass ich morgen noch nicht frei habe. Wenn die fertig ist, fahre ich schnell nach Hause, zieh mich um, und dann können wir uns schon wiedersehen. Hm? Klingt das gut?" Wieder nippte er an den weichen Lippen, von denen er einfach nicht genug bekommen konnte, und sah Frank dann mit einem Lächeln in die Augen. "Wir könnten tanzen gehen. In der Stadt gibt es eine nette Disse, in der ich gern bin."

"Das klingt toll! Kommst du mich abholen, oder willst du von mir endlich auch mal gefahren werden?" Frank grinste und stupste Matthias an. "Ich bin großzügig, wenn du das Auto stellst, dann fahre ich natürlich gern bis in die Stadt und zurück."

Matthias lachte auf. "Da kann ich natürlich nicht Nein sagen. Ich komme mit meinem Wagen vorbei, und wenn es kein Glatteis hat, kannst du gerne fahren. Vielleicht magst du dann anschließend noch mal mein großes Bett ausprobieren, wenn du nicht nur auf eine Seite beschränkt bist."

Er zwinkerte ihm zu, und nach einem weiteren langen Kuss gelang es ihnen endlich, sich zu trennen. Kaum zu Hause angekommen verbrachte Matthias trotz der fortgeschrittenen Stunde erst einmal einige Zeit damit, seine Wohnung aufzuräumen, um Frank nicht noch einmal das Chaos präsentieren zu müssen. Leise vor sich hinsummend träumte er dabei von seinem Freund und vermisste ihn schon jetzt.

Der Morgen zog sich lange hin, und Matthias war froh, als die Besprechung endlich vorbei war; glücklicherweise hatte der Chef ein Einsehen und machte sie kurz. Es gab ihm Zeit, im Einkaufszentrum vorbeizufahren und dort das Weihnachtsgeschenk für Frank zu ergattern, das letzte Exemplar der beheizbaren Autositzauflagen aus dem Angebot. Er grinste in sich hinein, als er sie zu Hause im Kleiderschrank versteckte.

Er beeilte sich mit dem Duschen, Rasieren und Frisieren, zog wieder eine schwarze enge Jeans an, dazu ein weißes T-Shirt und eine schwarze, gefütterte Weste; für Pullover war es in der Disco eindeutig zu warm. Nur eine halbe Stunde, nachdem er seine Wohnung betreten hatte, verließ er sie auch schon wieder. Und erst, als er den Wagen vor dem Haus von Franks Großeltern parkte, stellte er fest, dass er vergessen hatte, zu Mittag zu essen.

Sie hatten keine Zeit vereinbart, und so rechnete Frank erst zur normalen Stadtzeit mit Matthias und wurde von dessen verfrühten Eintreffen ein wenig überrascht. Er hatte den Tag mit kleinen Einkäufen in der Stadt verbracht, darunter auch ein Weihnachtsgeschenk für Matthias, das ihn einiges an Überlegungszeit gekostet hatte, weil er weder zu viel noch zu wenig investieren wollte. Endlich hatte er sich für eine Doppel-CD mit Musik zum Autofahren entschieden, weil er wusste, das Matthias einen CD-Wechsler im Wagen hatte.

Als eben jener Wagen vor dem Haus anhielt und Matthias heraussprang, hüpfte Frank einmal fröhlich, auch wenn er keinesfalls zur Abfahrt bereit war. Hastig fuhr er sich mit den Fingern durch die Haare und öffnete ihm die Tür. "Hallo! Jetzt hab ich erst gegen neun mit dir gerechnet, Matthias!", rief er aufgeregt schon von weitem.

Matthias winkte und eilte sich, zu seinem Schatz zu kommen, um ihn in die Arme zu ziehen und ihn gleich in der Tür zu küssen. "Ich habe dich zu sehr vermisst, um bis zu so einer erschreckenden Uhrzeit warten zu können", erklärte er dann und lachte. "Aber wenn du mich mit noch ein paar hundert Küssen bestichst, kann ich auch im Auto sitzen und sehnsuchtsvoll deine Haustür bewachen. Ich hätte vorher anrufen sollen. Stör ich sehr?"

Frank lachte, während er Matthias mit roten Wangen rasch in den Flur zerrte, weil die Nachbarn seiner Großeltern doch immer schrecklich engstirnig waren. "Ach Quatsch. Aber du musst nun leider warten, bis ich mich schön gemacht habe." Bezeichnend schlug er mit den Wimpern und erhaschte noch einen schnellen Kuss, bevor seine Großeltern Matthias und ihn zum Kaffeetisch riefen. "Da sind sie pingelig, um vier gibtís immer Kaffee und Kuchen. Da musst du jetzt noch durch."

"Deine Großeltern sind klasse, und gegessen habe ich auch noch nichts. Mann, hab ich ein gutes Timing." Matthias grinste und folgte ihm bereitwillig ins Wohnzimmer, um Ernestine und Karl zu begrüßen.

Natürlich wurde sich schon wieder verquatscht, und am Ende entschuldigte Frank sich, um schon einmal duschen zu gehen, während die anderen zum Fernseher gingen, um die Wettervorhersage zu sehen. Ernestine glaubte mal wieder, dass ein Schneesturm anstand, nur weil Frank einmal in die Disco fahren wollte.

Frank ließ sich absichtlich viel Zeit, rasierte sich gründlich und cremte sich gegen die trockene Luft ein, weil er hoffte, Matthias zu sich locken zu können, um ihn allein zu haben. Doch als er in sein Zimmer trat, diskutierten unten noch immer alle heftig um die Wetterlage an Weihnachten. Seufzend legte er sich eine Cargohose, dieses Mal jedoch in Schwarz, und ein passend schwarzes Hemd heraus. Er musste ein Weilchen kramen, um die engen schwarzen Shorts zu finden, aber konnte sich endlich vom Handtuch befreien und begann, sich fröstelnd anzuziehen.

Als Frank sich mehr und mehr Zeit ließ, entschuldigte sich Matthias schließlich von den Großeltern, weil er seinen Freund zu vermissen begann. Er wusste, dass er es früher oder später eher aushalten würde, ohne ihn zu sein, doch im Moment genoss er das sehnsuchtsvolle Ziehen und gab dem nur zu gerne nach. Im Bad war er offensichtlich fertig, deswegen klopfte Matthias bei ihm an der Zimmertür an. "Kann ich reinkommen?"

Frank hatte sich gerade Socken und die Hose angezogen, als er die Stimme seines Freundes hörte. Lachend rief er "Klar!" Als Matthias durch die Tür in das Zimmer kam, fiel er ihm gleich erst einmal um den Hals, um ihn ausgiebig küssen zu können. "Hm, hab ich irgendwie heute noch nicht genug gemacht", murmelte er schließlich. Dann erschauderte er jedoch und murrte "Winter ist doof, ich muss mir schnell was überziehen."

"Winter ist doof", bestätigte Matthias und ließ seinen Freund widerwillig gehen. "Denn ich muss dich jetzt loslassen. Andererseits", er trat einen Schritt zurück, setzte sich dann aufs Bett und lächelte, "gibt es mir die Gelegenheit, dich anzuschauen, was mir beim Küssen immer verwehrt bleibt. Mmh, gut siehst du aus. Wegen mir könntest du oben ohne bleiben. Schade, dass es dafür auch zu kalt ist."

Frank spürte schon wieder, wie seine Wangen sich röteten. Rasch drückte er Matthias noch einen Kuss auf die Stirn, bevor er sich in das Hemd und einen Pullover stürzte, um seine Finger wieder aufwärmen zu können. "Hast du noch was geplant? Wollen wir was trinken gehen vorher? Ich meine... vor ein Uhr kann man sich doch in den meisten Läden nicht sehen lassen, oder?"

"Die Musik wird auf jeden Fall erst nach zwölf gut. Vorher läuft nur so Kinder-Zeugs, und das Publikum ist auch dementsprechend." Großzügig bot Matthias seinem Freund die eigenen Hände zum Aufwärmen an. "Meine Planung reichte allerdings exakt bis zu dir", gab er zu und zog Frank auf seinen Schoß. "Aber wir können gern was trinken gehen. Kennst du das 'Robin Hood'?"

Frank hob die Schultern, während er sich gemütlich gegen Matthias kuschelte. "Ich bin nur bei mir in der Stadt schwul weggegangen. Hier gab es nie jemanden, mit dem ich hätte gehen wollen. Meine Schulfreunde sind immer in den 'Kaktus'. Aber wieso nicht? Kennen lernen würde ich die Szene schon gern mal."

Sie schmusten noch eine Weile, ehe sie aufbrachen. Matthias versprach den Großeltern, ihren Frank auf jeden Fall sicher zurück zu bringen, wenngleich nicht unbedingt an diesem Abend. Er ließ seinen Freund auch wirklich fahren, selbst wenn ihm die ersten Meter, bis Frank sich an den Wagen gewöhnt hatte, ein flaues Gefühl im Magen bescherten.

Statt sich auf mühsame Parkplatzsuche zu begeben, stellten sie den Audi im Parkhaus ab, und Matthias riss sich zusammen, um Frank nicht gleich wieder in den Arm zu nehmen, kaum dass sie ausgestiegen waren. Gemütlich schlenderten sie durch die Altstadt, bis sie die Kneipe erreichten.

Das Schild oberhalb der Fensterfront war das einzige, was an Robin Hood erinnerte. Als Matthias Frank die Tür aufhielt, empfing sie Stimmengewirr. Unter dem Licht der zahlreichen winzigen Lämpchen unter der Decke führte Matthias seinen Freund weiter nach hinten an seinen Lieblingstisch in einer Nische, die ein wenig abgeschirmt war, von der aus man dennoch einen guten Blick in den Raum hatte. Er war sogar noch frei, sie waren früh genug gekommen.


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© by Meike "Pandorah" Ludwig & Jainoh