Absturz mit Folgen

3.

Kaan fand sein Portemonnaie halb unter dem Bett. Es musste aus der Tasche gefallen sein, als er die Jeans am Abend achtlos auf den Boden geworfen hatte. Er grinste, als er sich an Dhanu erinnerte und das Geschick des Mannes. Nur einen Moment später wurden seine Gedanken abgelenkt, als eine freundliche Frauenstimme erscholl, die ihn aufforderte, sich direkt zu den Rettungskapseln am Ende des Ganges zu begeben. Erschrocken starrte Kaan noch zu den verdeckten Lautsprechern hin, als auch schon automatisch die Tür seiner Kabine geöffnet wurde.

'Raja!' Kaan nahm die entgegengesetzte statt der angegebenen Richtung, um zurück zum Aussichtsdeck zu kommen, doch ein Wachtmann hielt ihn auf. "Die Rettungskapseln sind dort hinten. Bitte begeben Sie sich direkt dorthin."

"Mein Sohn ist da vorne!" Kaan sah an dem Mann vorbei zu der Gleittür hin; ein leises Zischen verriet, dass sie verriegelt wurde.

"Um Ihren Sohn wird sich gekümmert werden. Bitte gehen Sie zu den Rettungskapseln."

Kaan widersprach kein zweites Mal. Er drehte sich um und folgte im Laufschritt den Pfeilen. Raja war erwachsen, er brauchte wirklich keinen Vater, der ihn an die Hand nahm. Was brachte ihn nur dazu, sich plötzlich zu verhalten, als wäre der Junge ein Dreijähriger? Er sollte sich um seine eigene Sicherheit Gedanken machen! Dennoch konnte er nicht aufhören, sich zu sorgen, als er mit mehreren anderen in eine der Rettungskapseln gescheucht wurde.

Die Angst kam erst richtig, als sie die Masken überzogen und sich die Türen hinter ihnen schlossen. Kaan krallte die Finger in die Armlehne und versuchte mit Willenskraft, sein rasendes Herz zu beruhigen, während er gleichmäßig atmete. Es half nicht viel, sondern steigerte sich noch, als sie beim Start durchgeschüttelt wurden und es um sie herum zischte und ratterte. Doch die Zeit tat das ihre, nachdem sich ihr Flug stabilisiert hatte und sie schließlich in Dunkelheit gehüllt durch das All trieben, auf ein Signal zu, das einen sicheren Landepunkt kennzeichnete. Schließlich schlief er sogar ein.

Geweckt wurde er durch die Stimme, die Anweisungen zum Verhalten während der Landung gab. Ein unangenehmes Rucken ging durch ihr Gefährt; sie wurden erneut durchgeschüttelt, dann beruhigte sich die Kapsel wieder. Freundlich forderte sie die Stimme auf, die Masken abzusetzen und verkündete, dass sie in Sicherheit wären. Kaan hörte leises Schluchzen in der Dunkelheit, jemand murmelte Dankesgebete.

Die Luken wurden geöffnet, Licht strömte ein und ließ ihn blinzeln. Helfende Hände reckten sich ihnen entgegen, und Kaan war dankbar dafür. Alles um ihn her schien zu schwanken. Man reichte ihn weiter wie eine Puppe und drängte ihn dazu sich zu setzen. Der strahlende Sonnenschein zwang ihn dazu, die Augen zu schließen, obwohl es ihn danach verlangte, sich umzuschauen. Tiefe Stimmen dröhnten um ihn herum, in die sich die Schreie von Seevögeln und leises Wellenplätschern mischten. Es roch nach Salz und Meer, ein wenig nach Algen, nach Fisch und sonnengebräunter Haut.

Nur langsam gewöhnte er sich an die Helligkeit, so dass er nach und nach die Augen länger offen lassen konnte. Er war umgeben von riesigen, breitschultrigen Männer mit auffälligen Tätowierungen, die den gesamten Oberkörper und zumeist auch die muskulösen Arme bedeckten. Die wild zu mähnenartig aufgetürmten Frisuren verliehen den Männern ein bedrohliches Aussehen, doch ihre Gesichter spiegelten fröhliche Gelassenheit wieder, während sie den gestrandeten Reisenden aus der Rettungskapsel halfen.

Er jetzt bemerkte Kaan, dass es keiner Benommenheit zuzurechnen war, dass alles um ihn her schwankte. Er befand sich auf einem flachen Boot mit orangefarbenem Segel. Das Blau des Wassers um ihn herum war unglaublich, tiefer und leuchtender als auf jeder Urlaubskitschkarte. Weitere Boote mit farbenfrohen Segeln zauberten bunte Flecken, die Rettungskapseln schwarze Tupfen hinein.

Die Schatten erschienen seltsam flach und blass, was ihn dazu brachte, den Blick gen Himmel zu lenken. Es war nicht eine, sondern gleich zwei Sonnen, die auf ihn hinab schienen und seine Augen zum Tränen brachten. Mit einem Mal wusste Kaan, wo er gelandet war.

'Caley!', dachte er fasziniert. In seiner Jugend war er nicht der einzige gewesen, der davon gesprochen hatte, die Reise zu diesem neuentdeckten Planeten zu wagen. Zierliche Jungs, die sich beim Zusammentreffen mit dem richtigen Partner in kraftvolle Männer verwandelten, waren Grund genug für solche Pläne, selbst wenn die Caley nicht wirklich männlichen Geschlechts waren. Sie sahen lediglich so aus, in Wirklichkeit waren sie zweigeschlechtlich. Aber dazu kam eine Gesellschaft, die nicht von Geld regiert wurde, sondern in der man noch Tauschhandel praktizierte, in der Gastfreundschaft gelebt wurde und die nicht einmal eine Obrigkeit hatte. Es hatte wie das Paradies geklungen. Doch wie die meisten der Träumer war er nie auch nur in die Nähe des Planeten gekommen.

Müßig beobachtete er die kräftigen Körper, die von farbenfrohen Westen und halblangen Hosen nur wenig verdeckt wurden, bis plötzlich der Gedanke an Raja durch seinen Kopf zuckte. Abrupt setzte Kaan sich auf und sah sich hektisch um, doch zwischen all den unbekannten Menschen und Caley war der Junge nicht zu entdecken.

'Er wird nicht ausgerechnet hier gelandet sein, bei so vielen Booten', sagte Kaan sich vor, doch Sorge machte seine Brust enger und ließ ihn weiter Ausschau halten und jeden Mensch genau betrachten, der aus den Rettungskapseln gezogen wurde. Raja war nicht dabei.

Schließlich, nachdem sicher war, dass sich niemand mehr an Bord der Kapseln befand, steuerten die Boote die einzige Insel an, die Kaan inmitten der Weite des Ozeans entdecken konnte. Man brachte sie zu einer Art Sammelstelle, an der sich bereits andere der Schiffbrüchigen eingefunden hatten. Man hatte Teppiche und Kissen ausgebreitet, um Ruheplätze zu schaffen. Essen wurde gereicht, und überall fielen sich Familien, Freunde und Geliebte in die Arme oder trösteten sich gegenseitig, dass Vermisste bestimmt bald zu ihnen stoßen würden.

Kaan sah sich nervös um, Raja war auch hier nirgends zu sehen. Mit einem Becher Wasser, den ihm jemand reichte, setzte er sich auf ein Kissen, von wo aus er die Ankommenden gut im Auge behalten konnte. Doch jedes weitere Boot, das sich ohne seinen Sohn leerte, ließ die Angst um ihn wachsen. 'Er muss es geschafft haben. Er muss einfach!'


Zufrieden tauschte Dhanu an einem der bunten Marktstände seine Jacke gegen ein ärmelloses Hemd und hielt sein Gesicht ein wenig in die Sonne. Um ihn her wurden die Menschen, die es durch den kleinen Unfall mit der Klimaanlage der Fähre ausgerechnet auf Caley verschlagen hatte, von den einheimischen Wesen voller Freude begrüßt.

Er ließ sich bei einer der typischen caleyschen Familien nieder. Zwei ausgewachsene Meta mit kräftigen Körpern und wilden Mähnen und ihre Puppe, mit der sie über den Planeten wanderten, auf der Suche nach dem Gefährten des Kleinen. Er erfuhr, dass die nächste Fähre vom Raumhafen erst in einigen Tagen fahren würde und beschloss, dass er sich für die verbleibenden Zeit lieber unten auf Caley in ein Zimmer einmieten wollte, als sich in dem sterilen Raumhafen außerhalb des Planeten zu langweilen. Die Familie lud ihn spontan zu sich in das Zimmer ein. Die Puppe umarmte und küsste ihn freudig lachend und Dhanu war froh, dass er seit langem schon wusste, dass er für Caley als Partner garantiert unpassend war.

Er hatte gerade eine Meldung an seine Auftraggeber versendet, in der er die Details zu seiner Bezahlung angab, als sein Blick auf eine ihm sehr bekannte Person fiel. Rawley, eine Kreation. Eine ästhetisch gesehen gelungene Kreuzung zwischen Sandechse und Mensch. Ethisch gesehen war die Kreuzung eher weniger gelungen, denn die Sandechse, von der Rawley die zähe Haut und eine Vielzahl verfeinerter Sinne hatte, war ein kaltblütiges Wesen. Er befand sich im Besitz eines der reichsten und mächtigsten Waffenschiebers, dessen Kaltblütigkeit sich noch zu der seiner Kreation addierte. Seine Anwesenheit machte Dhanu hochgradig nervös.

Noch nervöser wurde er, als er sah, welche Person sich im Zentrum der Aufmerksamkeit von Rawleys gelben Augen befand. Es handelte sich um Kaan, seinen heißen Flirt aus der letzten Nacht. Entweder Kaan hatte etwas oder er war etwas, das Rawley für seinen Herrn beschaffen sollte. Der sandfarbene schmale Mann, der zwar nur so klein war wie eine der Caleypuppen, aber dafür sehr tödlich sein konnte, schlich eindeutig hinter Kaan her. Der Mann hingegen lief ein wenig desorientiert zwischen den Grüppchen umher und schien sehr besorgt zu sein, nur leider nicht um seine eigene Sicherheit.

Dhanu verzog den Mund. Er wusste, wer Rawley war. Rawley hingegen wusste nicht, wer er war und zu wem er gehörte. Die Tätowierung auf seinem Oberarm war zwar eine Art Ausweis, aber die Zeichen konnte kaum jemand lesen, und ein Tattoo aus intelligentem Metall war in den reichen Kolonien der letzte Schrei. Dhanu beschloss, allein aus Neugierde, dass er herausfinden wollte, was Kaan für Rawley wertvoll machte. Am allerbesten konnte er dies tun, indem er in Kaans Nähe blieb. Unauffällig mischte Dhanu sich unter die Leute, die zwischen den Verkaufsständen Kleidung und Kleinigkeiten mit den Caleyhändlern tauschten, um sich von Kaan entdecken zu lassen.

Kaan wusste, dass es früher oder später Listen geben würde, um zu kontrollieren, ob alle Passagiere sicher gelandet waren. Er musste nur Geduld haben, um Raja zu finden. Aber er hatte keine. Nachdem die letzten Boote ohne seinen Sohn eingelaufen waren und die leeren Rettungskapseln an Land gebracht wurden, begann er wieder nach ihm zu suchen. Ziellos stromerte er an den Ständen eines bunten Marktes entlang, der sich an den Sammelplatz anschloss und ärgerte sich, dass weder er noch Raja sehr groß waren. Ständig wurde ihm die Sicht versperrt.

Statt Raja entdeckte er jedoch den hellblonden Schopf von Dhanu. Kaan lächelte erleichtert, weil sein One-Night-Stand sicher von der Fähre gekommen war, dann kämpfte er sich entschlossen zu ihm vor. Vielleicht konnte Dhanu ihm helfen. Als Dhanu sich in eine andere Richtung wandte, ohne ihn gesehen zu haben, rief Kaan nach ihm und winkte. "He, Dhanu!"

"Kaan, hey!" Dhanu lächelte dem Mann zu. "Ich freue mich, dass du es gut rausgeschafft hast." Er sah sich um und erinnerte sich dann an die Informationen, die er über diesen Mann hatte. "Wo steckt dein Sohn?"

Kaan erwiderte flüchtig das Lächeln, aber verzog gleich darauf unglücklich das Gesicht. "Ich hatte gehofft, du hättest ihn gesehen. Wir sind getrennt worden, und ich kann ihn nicht finden. Aber ich bin froh, dass dir nichts passiert ist. Weißt du, wo der Informationsschalter ist? Ich glaube langsam, es hat mehr Sinn, wenn ich dort nach ihm frage."

Dhanu war erst einmal auf Caley selbst gewesen und konnte sich noch daran erinnern, dass in dem dunklen, eher hässlichen Gebäude auf der anderen Seite der Insel, etwas entfernt vom fröhlichen Leben und den Marktständen, eine Verwaltung für den Raumhafen eingerichtet worden war. In den meisten Räumen des Gebäudes waren allerdings edle Büros untergebracht, in denen sich die Daryller mit ihren Geschäftsfreunden trafen, oder mit den Abgesandten der vorsichtigeren Geschäftsfreunde. Die restlichen Räume waren mit mehr Sicherheitstechnik gefüllt, als ein normaler Reisender sich jemals würde vorstellen können.

"Hör zu. Ich gehe mal zu dem Verwaltungsgebäude rüber und frage nach, ob sie schon etwas über die anderen Rettungskapseln wissen. Eigentlich peilen die Kapseln automatisch das nächste starke Funksignal an. Auf Caley gibt es nur diesen einen Raumhafen. Warte doch hier auf mich."

Kaan wollte erst widersprechen, aber überlegte es sich anders, noch ehe er den Mund geöffnet hatte. Es reichte, wenn einer ging, und vielleicht kam Raja ausgerechnet jetzt hier vorbei. "Danke. Aber frag nicht nur nach den Rettungskapseln, frag nach einer Liste der eingetroffenen Passagiere. In dem Gewusel kann man sich leicht übersehen."
Zumindest hoffte er das von ganzem Herzen. Energisch verdrängte er die Furcht, dass Raja vielleicht gar nicht erst bei einer Rettungskapsel angekommen sein könnte oder seine Kapsel orientierungslos wegen eines technischen Defekts im All herumtrudelte.

"Du fragst drüben bei den Stewarts nach, die haben eine Passagierliste und haken jeden ab, aber ich glaube nicht, dass sie schon alle haben. Ich gehe zur Verwaltung. Wir treffen uns nachher einfach wieder in dem Café drüben, lauf mir nicht weg, ja?" Um Kaan ein wenig sicherer an sich zu binden, schob Dhanu leicht eine Hand in seinen Nacken und küsste ihn auf die Wange. "Ich freue mich, dass ich dich noch mal getroffen hab."

Mit schnellen Schritten ging er über den gepflasterten Weg davon. Er holte sehr nebensächlich seinen Handcomputer hervor und machte im Vorbeigehen ein Bild von Rawley und eines von Kaan, als er ihm noch einmal zuwinkte. Während er zu dem flachen Gebäude ging, tippte er als Botschaft an die Auftraggeber ein Fragezeichen und hängte die Bilder an.
Das Verwaltungshaus auf Caley war mit einer sehr simplen Maßnahme geschützt. Jeder, der es betreten wollte, bekam die Information, dass sich Daryller hier befanden und den dringenden Rat, das Haus wieder zu verlassen. Es hatte bislang noch keinen Diebstahl gegeben. Dhanu lächelte dem alten Portier zu, dem man die reichliche Sonne ansah und ging geradewegs in eine der Sendezentralen.

Tatsächlich gab es Aufnahmen von dem Unglück mit der kleinen Fähre, die recht hilflos umher getrieben war, so dass ein daryllischer Frachter sie kurzerhand abgeschleppt hatte. Wohin war nicht so richtig klar, niemand wagte es nachzufragen.

Der Offizier, der sich um die Daten hier kümmerte war ein Mensch, den die Verbindung mit einem Caley ereilt hatte. Er berichtete Dhanu, nachdem dieser sich ausgewiesen hatte, dass eine Fähre aus einer Privatflotte von dem nächsten Raumhafen beordert worden war, um die gestrandeten Personen aufzunehmen.

Als Dhanu nach den Kapseln fragte, breitete der Offizier eine Karte aus, auf der er mit kleinen roten Pins die Orte auf Caley markierte, auf denen Landungen verzeichnet worden waren.

"Die meisten Leute werden innerhalb der nächsten sieben Tage mit Fähren hierher finden. Nur eine Kapsel hat es ganz weit abgetrieben auf die Südhälfte von Caley. Sie muss defekt gewesen sein oder beim Eintritt in die Atmosphäre Schaden genommen haben. Sehr ungünstig."

"Und wegen des Flugverbots über Caley werden die Personen eine ganze Weile brauchen, um hierher zu kommen. Weiß man, ob sie überlebt haben?"

Der Offizier hob hilflos die Schultern. "Das ist nur eine Flugroutenberechnung. Durch eine gewisse Ungenauigkeit ist der Umkreis der möglichen Landung recht ausgedehnt. Zudem gab es keinen Kontakt zur Kapsel mehr, sie muss auf ihren Sender gestürzt sein."

"Verdammt! Na, ich hoffe, dass der Junge noch auftaucht." Dhanu wollte Kaan ungern traurig sehen. Ihm schien, dass er sich die Idee mit dem Sohn in den Kopf gesetzt hatte. Er machte sich mit einem Bild von der Karte auf den Rückweg zum Markt, aber wurde von der Antwort seiner Auftraggeber aufgehalten.

Die Meldungen lauteten: 'Rawley – hat den Besitzer gewechselt. Beobachten, verfolgen, noch nicht liquidieren. Kaan Varelle, 39 Jahre, Mensch, zwei Vorstrafen wegen Rauschmittelbesitzes in kleinem Umfang. Finden Sie heraus, warum Rawley ihm folgt!' Dhanu grinste, während er sich vorstellte, dass Kaan vermutlich auf einer Ferienkolonie mit einer selbstgedrehten Zigarette erwischt worden war.

Er ging zu Kaan zurück, nachdem er die Meldungen bestätigt hatte und ließ sich mit einem Glas kalten Tees bei ihm nieder. "Was hast du in Erfahrung gebracht?"

"Nichts. Nur, dass er noch nicht erfasst worden ist, sollte er angekommen sein." Kaan hatte sich einen Platz im Schatten eines Sonnensegels gesucht, weil er spürte, dass sich seine Wangen unangenehm zu röten begannen. Er lebte nahe am Meer, aber die lange Reise im Fährschiff hatte ihn offensichtlich relativ gut von der Sonne entwöhnt. Das halbleere Glas mit Zitronenlimonade neben sich stellend sah er Dhanu hoffnungsvoll an. "Und du?"

Dhanu sah Rawley aus dem Augenwinkel und seufzte. "Na ja. Es scheint, als sei eine der Rettungskapseln sehr weit entfernt von den anderen gelandet. Der Offizier sagte etwas von Südhalbkugel von Caley. Aber vermutlich ist es besser, wir warten noch einige Tage, bis die Insassen der anderen Kapseln hier versammelt sind. Es kann bis zu einer Woche dauern."

Kaan sackte entmutigt in sich zusammen und nickte. Dann fiel ihm Dhanus Wortwahl auf. 'Vermutlich ist es besser, wir warten noch?' Scharf sah er den Mann an.

"Ich muss sehr leicht zu lesen sein", bemerkte er leichthin, "wenn du dir jetzt schon sicher bist, dass ich ihn suchen werde, sollte er nicht ankommen. Aber das heißt nicht, dass du auch warten musst."

"Ich muss warten, ob du ihn suchen gehen willst oder nicht. Die Fähre, die geschickt worden ist, um uns abzuholen, wird erst abfahren, wenn die vermissten Passagiere vom näheren Umkreis angekommen sind." Er hob beide Hände. "Mit anderen Worten, wir sitzen fest. Weißt du zufällig, ob du auf Caley passend reagieren könntest?"

"Keine Ahnung." Bei sich dachte Kaan, dass es auch nicht so schlimm wäre, wenn er einen passenden Gefährten auf Caley fände. Er wollte im Moment keine feste Beziehung; sein Ex hatte ihn zu sehr enttäuscht. Es tat noch immer weh, daran zu denken, und Kaan wollte nicht so schnell wieder vertrauen und so tief fühlen. Aber bei einem Caley war das etwas anderes. Sollte er zu einem passen, so dass sich die niedliche Puppe in einen durchaus attraktiven Meta verwandelte, wären sie aneinander gebunden. Und der Caley würde ihn lieben, anstelle ihm Liebe vorzuspielen. Kaan beneidete sie um diese Sicherheit.

"Dann fass keinen von den Kleinen an, solange du hier bist, oder du wirst immer hier sein." Dhanu schenkte Kaan noch ein wenig Limonade nach, bevor er meinte: "Man kann sich mittlerweile testen lassen. Nicht billig, aber wenn man in dieser Gegend beruflich zu tun hat, würde ich es jederzeit empfehlen."

"Ich hab hier nicht beruflich zu tun." Nur um sicherzugehen, dass Dhanu keine tieferen Interessen zu entwickeln begann, fügte Kaan hinzu: "Und es ist nett hier, mich würde es nicht stören, wenn mich ein Caley finden würde."

Dhanu lächelte liebenswürdiger als nötig. "Dich würde es nicht stören, aber vielleicht mich. Lass uns mal sehen, ob man hier noch ein Zimmer bekommen kann."


© by Jainoh & Pandorah