Absturz mit Folgen

14.

Kaan bedauerte es, dass die Ankunft des Daryllers Dhanus Reittiere vertrieben hatte, aber das war auch das einzige, das seine Laune hätte dämpfen können. Nicht einmal der leichte Schmerz in seinen Schultern, der von dem Sturz aus der Hängematte kam, beeinträchtigte ihn maßgeblich. Er mochte nicht gemerkt haben, dass Rawley ihn verfolgte, aber zu wissen, dass er es nun nicht mehr konnte, war eine Erleichterung.

Das schönste war natürlich Dhanu. Während des Frühstücks hatte Kaan beschlossen, dass er eigentlich nur zwei Möglichkeiten hatte. Entweder wollte er mit dem Mann zusammen sein oder er wollte es nicht. Und da das zweite keine Alternative war, konnte er ihm genauso gut vertrauen. Er mochte nicht mit dem Misstrauen eines 'Was wäre wenn' leben, selbst wenn es ein Fehler sein sollte.

Und es war, als würde sich sein geheimer Entschluss auch auf Dhanu auswirken. Sie redeten miteinander und nicht vorsichtig aneinander vorbei. Plötzlich war das Leben herrlich.

Sie erreichten Perle am frühen Abend. Während Dhanu sich auf dem Markt nach einem Gastgeber umsah, ging Kaan zum Hafen hinunter, um sich nach den Fähren zu erkundigen. Sehr schnell erfuhr er, dass beide hier anlaufenden Fähren am Vormittag abgelegt hatten und dass auf der, die zur Roseninsel fuhr, eine Menschenpuppe wie er gewesen war. Die nähere Beschreibung seines Sohnes allerdings machte, dass Kaan nicht wusste, ob er sich freuen, belustigt sein oder sich sehr sorgen sollte.

Nachdenklich kehrte er zu dem Marktplatz zurück, wo er sich an den Rand der eingefassten Quelle setzte, die aus einem Becken munter zum Meer hinab plätscherte. Er musste etwas länger auf Dhanu warten, aber seine Gedanken konnte er dennoch nicht wirklich sortieren.

Auf dem Marktplatz hatte Dhanu einige Dinge getauscht und zudem auch erfahren, dass Raja sehr offensichtlich nicht auf der Fähre mitgefahren war, die den Raumhafen ansteuern würde. Besorgt ging er zu Kaan zurück, als er ihn an einer Quelle entdeckte.

"Hast du schon etwas über Raja in Erfahrung bringen können?" Dhanu zeigte mit dem Daumen hinter sich. "Der Fischhändler dort drüben meint nämlich, dass auf der Fähre zum Raumhafen kein Mensch mitgefahren ist."

Kaan nickte. "Am Hafen haben sie mir mehr sagen können." Während er aus dem notdürftig geflickten Rucksack ihre Becher holte und Wasser schöpfte, um Dhanu davon zu reichen, erklärte er: "Raja ist auf dem Weg zur Roseninsel. Eine Puppe hat Schlaftee besorgt, weil ihr Mensch widerspenstig sei. Offensichtlich ist er als Gefährte erkannt worden..."

Dhanu prustete los und musste sich dann setzen. "Dein Sohn?! Wow, hat er ein Glück gehabt." Er drückte Kaan an sich und kombinierte: "Schlaftee besorgen sie nur, wenn der Gefährte sich gegen sein Schicksal wehrt. Das würde zu deinem Jungen passen, der dir wegen des Schwulseins weggelaufen ist. Aber es war eine Puppe, kein Meta in Wandlung, das kann heißen, dass Raja die Wandlung nicht ausgelöst hat, denn die Wandlung erkennen die Caley sofort, wenn sie beginnt. Eine wichtige Zeit. Es ist auch die Zeit, in der die Larve gezeugt wird."

Das brachte Kaan zum lauten Auflachen. "Das heißt, ich würde Opa werden? Meine Güte, so alt fühle ich mich nicht." Gemütlich schmuste er sich an Dhanu an, auch wenn es noch extrem warm war. Direkt an der frischen Quelle war es erträglicher. "Aber warum war die Puppe nicht in Wandlung? Sie stürzen sich doch sofort auf alles, was zwei Beine hat." Mit gerunzelter Stirn fügte er hinzu: "Und wenn er wandelt, hoffe ich, dass sie bald eine Reisepause einlegen, dann haben wir eine Chance, ihn einzuholen. Ich wäre gerne einmal in seinem Leben für ihn da, und ich glaube, er braucht in so einem Fall jemanden."

Dhanu nickte. "Ich glaube auch, dass wir machen sollten, dass wir ihn einholen. Leider fährt die Fähre zur Roseninsel zwei Tage, bleibt wenigstens einen Tag dort und kehrt zwei Tage zurück." Dhanu trank noch einen Schluck. "Wir haben also einige Tage lang Zeit, uns auf deinen Caleyschwiegersohn vorzubereiten. Hast du eine Unterkunft für uns gefunden, oder müssen wir noch weiter rumfragen?"

"Zwei Tage? Das heißt, wir sitzen hier fünf Tage fest und haben dann noch zwei Tage, an denen wir ihnen hinterher fahren!" Unglücklich sah Kaan aufs Meer hinaus. "Eine Woche Vorsprung. Wie sollen wir das einholen?" Dann schüttelte er den Kopf und stand auf, um sich zu strecken. Lamentieren brachte nichts. "Ich habe nichts gefunden, aber ich habe auch nicht gefragt."

Sie fanden nach einigen Fragen nicht nur ein freundliches Gastgeberpaar, sondern dort auch weitere Informationen zu Rajas Verbleib. Der schwarzhaarige Nachbar, ein Fischer, hatte Raja und die Caley zu Gast gehabt und konnte dem staunenden Kaan berichten, dass es recht häufig passierte, dass ein menschlicher Gefährte einmal mit Schlaftee oder Ähnlichem zum Bleiben überredet werden musste. Raja schien keine Ausnahme gemacht zu sein.

"Der kleine Mensch muss sich bei seinen Gastgebern sehr wohl gefühlt haben", erzählte der Fischer. "Er wollte gar nicht von ihnen fort, das hat er bei dem Frühstück gesagt, er hat sogar geweint, weil er deswegen traurig war."

Die Aussage überraschte Kaan, doch auf der anderen Seite machte sie Sinn. Raja hatte keine Pläne für seine Zukunft gehabt, er hatte nie von engeren Freunden gesprochen, und einen Schatz hatte er auch nicht. Seine Mutter hatte ihn abgeschoben, und seinen Vater hatte er erst vor wenigen Wochen kennengelernt. Im Grunde genommen gab es keinen Ort, an den er hingehörte, selbst wenn Kaan ihm diesen gerne geboten hätte.

Nachdenklich und schweigsam schmiegte Kaan sich in Dhanus Arm, als sie zurück zu ihren Gastgebern gingen, um mit ihnen zu Abend zu essen. Er nahm wenig an der Unterhaltung teil, was ihm besorgte Blicke einbrachte, so dass er sich auf die Reisemüdigkeit herausredete.

Später in ihrem Zimmer kuschelte er sich im Bett an Dhanu, dankbar und glücklich, dass sie zusammen waren, dass Dhanu mit ihm auf Caley und für ihn da war. Es machte seine Suche um so vieles leichter. "Vielleicht braucht er mich doch nicht so dringend. Vielleicht ist er gerade eben genauso zufrieden wie ich mit meinem Leben."

Dhanu hob eine Augenbraue. Er war gerade dabei gewesen, eine Hand auf Kaans Hintern zu mogeln. Stattdessen schob er sie nun unter dem Hemd hinauf und massierte den Nacken ein wenig mit Daumen und Zeigefinger.

"Ich glaube, dass er eigentlich zu dir wollte, Kaan. Er ist schlafend auf die Fähre gebracht worden, weil er statt mit dem Gefährten zu fahren zu dir wollte." Nachdenklich betrachtete er das müde Gesicht seines Geliebten. "Hast du Angst, dass er doch nichts mehr mit dir zu tun haben will?"

Kaan gab einen kleinen Laut des Wohlbehagens von sich, ehe er antwortete. "Nein, das nicht. Aber weißt du, ich habe eine ganze Zeit lang Kinder gewollt. Eigene. Ich war zwar ziemlich überrumpelt, als ich die Nachricht von Raja bekommen habe, aber auch irgendwie froh." Er lächelte. "Ich habe mir vorgestellt, dass ich ihm meine Cafés vererben könnte. Dass er sich keine Gedanken um ein Zuhause machen und sich nicht um Geld sorgen muss. Aber für eine wirkliche Vater-Sohn-Beziehung ist er zu alt. Ich habe nichts von seiner Kindheit mitbekommen, ich kenne ihn kaum. Und was ich von ihm weiß, macht mich nicht immer glücklich. Ich glaube, er ist einsam. Wenn er geweint hat, weil er meinte, hier weg zu müssen... vielleicht ist er froh, irgendwohin zu gehören. Gewollt zu werden. Gebraucht zu werden. Auch wenn er sich erst daran gewöhnen muss, dass dieser Jemand, zu dem er gehören soll, sehr männlich wirken wird."

Dhanu lachte leise. "Also war Raja die kurze Erfüllung eines langen Traums?" Er küsste Kaan auf den Mundwinkel, dann massierte er sachte weiter. "Du bist süß. Wusstest du, dass es sehr viele Waisenkinder gibt, die man adoptieren kann? Ich weiß eine Kolonie, auf der ein Waisenhaus zu finden ist. Ein großes. Jeden Monat kommen und gehen dort mehr als hundert Waisen."

Kaan schloss die Augen und genoss die Zuwendung. "Vermutlich habe ich mich zu sehr darauf konzentriert, dass es ein eigenes Kind sein soll..." Er begann sich zu entspannen und mit jedem Moment wohler zu fühlen. Dhanu war ein Geschenk, ganz gewiss. "Mmh, das ist schön... Magst du Kinder?"

"Ja." Dhanu grinste und zog Kaan vorsichtig das Hemd aus, um ihn besser verwöhnen zu können. Er lehnte sich vor und küsste ihn auf die Schulter, dann drückte er Kaan auf die Matratze zurück. "Ich mag sie sehr." Sachte streichelte und küsste er Kaans Rücken hinunter, um seinen Schatz vorerst von diesem Thema auf ein naheliegenderes zu bringen.


Leichter Wind und ein sachtes Streicheln und Kitzeln weckten Raja auf. Er blinzelte und bemerkte, dass es noch dunkel war. Sein Kopf schmerzte nicht, aber er hatte einen nicht sonderlich angenehmen Geschmack im Mund. Lio hatte ihn geweckt, der Blondschopf starrte ihn erwartungsvoll an, bis er sich gähnend zu ihm umdrehte, dann schlug er Raja ernsthaft vor, dass er sich den Sonnenaufgang über dem Meer ansehen sollte.

Gähnend zog Raja sich das durchsichtige Hemd mit den langen Ärmeln an, das Lio ihm reichte. Er spülte und bürstete sich die Zähne und murrte: "Warum muss ich das ausgerechnet heute tun? Hätte es nicht ein anderer Tag sein können?"

Entschlossen zog Lio an der Hand des störrischen Menschen. "Nein. Heute oder nie musst du mit Vin überein kommen. Ich schaue nicht mehr zu, wie ihr beiden euch quält."

"Quält? Wir uns?! Es ist mir nicht bewusst, dass ich etwas getan hätte! Er hat mich mit Tee vergiftet und verschleppt, wenn ich daran erinnern darf, ja?!"

Lio presste Raja hastig eine Hand auf den Mund. "Scht. Die anderen schlafen noch."

Sauer dachte Raja bei sich, dass er genau das auch tun wollte. Denn schlafend fühlte er sich wenigstens nicht so schrecklich unausgeglichen, reizbar und zugleich so merkwürdig empfindlich. Er war noch nie in seinem Leben so zart besaitet gewesen wie an diesem Morgen. Es war, als könnte man ihn mit jeder Bemerkung verletzen. Fast hätte er bei dem albernen Disput mit Lio angefangen zu weinen. Er folgte dem Caley mit verschränkten Armen und setzte sich mit gesenktem Kopf auf die Polster am Heck.

Hier war in der Nacht niemand, alle schliefen auf der anderen Seite, und als Raja sich umdrehte, war Lio ebenfalls verschwunden. Wütend und unsicher rief er: "Lio?"

Schon wieder hatte er den Eindruck, dass jemand ihn verletzen wollte, und Tränen stiegen in seine Augen. Hastig drehte er sich wieder zum Meer hin, das von den ersten rosafarbenen Sonnenstrahlen zum Dampfen gebracht wurde.

Vin hatte nur wenig geschlafen in der Nacht. Mit offenen Augen hatte er von Raja geträumt, sich nach ihm gesehnt, aber es doch nicht gewagt, zu ihm zu gehen und ihn auch nur anzuschauen, aus Angst, dass er ihn dann gleich berühren würde. So war er auch schon vor Sonnenaufgang auf und angezogen und wartete nur darauf, dass Raja erwachte.

Gleich wurde er nervös, als er sah, wie Lio seinen Schatz ans Heck der Fähre führte. Rasch schlüpfte er in seine Sandalen, fuhr sich mit gespreizten Fingern einmal ordnend durch das Haar und tappte zu Raja hin, kaum dass Lio verschwunden war. Selbst von hinten war Raja so wunderschön, von der aufgehenden Sonne von einem Lichtkranz umgeben, dass es schmerzte, ihn nicht zu berühren. 'Gleich. Nur noch ein bisschen Geduld...'

"Raja?", wisperte er und blieb vor den Polstern stehen. "Es tut mir leid."

"Was?! Dass du mich einfach entführt hast?!" Gereizt wischte Raja sich über die Augen und starrte auf das Meer hinaus. "Dann tu' es doch endlich! Verdammt noch mal!"

Vin atmete einmal tief durch. "Nein, dass ich dich entführt habe, tut mir nicht leid. Nicht im Geringsten. Aber dass ich dich nicht gleich angefasst habe, dafür will ich mich entschuldigen. Ich wollte dir nicht weh tun."

Er trat näher und streckte die Hand nach ihm aus, langsam, um Raja nicht zu erschrecken. Dann berührte er ihn, genau dort, wo man zwischen dem Halsausschnitt des Hemds und Rajas Haar noch ein Stück leicht gebräunter Haut sehen konnte. Es war, als würde der Himmel heller werden, als wäre leichter, frischer Wind aufgekommen, und Vin konnte nicht anders, als zu lächeln und vorsichtig die Fingerspitzen über die weiche Haut streichen zu lassen.

Raja zuckte zusammen. Es kribbelte leicht, wo ihn die Finger berührten, als würde eine Fliege über ihn laufen. Sein erster Gedanke war: 'Es passiert nichts.' Dann wunderte er sich über seine Enttäuschung. Was hatte er erwartet? Fanfaren, Glücksgefühle? Er wischte sich unsicher noch einmal über die Wangen und drehte sich zu Vin um.

"Und jetzt? Bist du jetzt..." Er beendete den Satz nicht, denn der Caley starrte ihn verzückt und strahlend an. Verwirrt blickte Raja zurück. "Was ist? Bin ich's tatsächlich?"

Vin nickte heftig, dann fiel er Raja einfach um den Hals und drückte ihn fest an sich. "Natürlich bist du es! Ich habe mich so nach dir gesehnt..."

Verwirrt klopfte Raja Vin auf die Schulter, wie er es bei einem besonders anhänglichen Hund getan hätte.

"Und jetzt?", fragte er nach einer Weile noch verwirrter.

"Jetzt beginne ich, zum Meta zu wandeln." Vin strahlte und löste sich gerade weit genug von Raja, um ihm ins Gesicht sehen zu können. Sein Schatz war noch immer müde, ein wenig blass; er hatte Bartstoppeln, und er war einfach herrlich. "Wir reisen zur Insel, auf der mein Vater lebt, um bei ihm und seinem Gefährten zu wohnen. Der Weg in diese Richtung führt ohnehin bei ihnen vorbei."

Zart streichelte er ihm über die Wange, dann fuhr er mit einem Finger die Brauen nach und den Nasenrücken hinab, um die Lippen entlang zu streichen. Entzückt stellte er fest, dass sie noch weicher waren, als sie ohnehin schon wirkten.

Raja entzog sich mit einer Kopfbewegung den Zärtlichkeiten, die ihm einen unangenehme Hitze in die Wangen trieben. Er erinnerte sich mit einem Mal an Tom.

"Dann leben wir ab jetzt zwangsweise zusammen?" Ihm fiel wieder ein, dass er über Sex nachgedacht hatte und er nicht gewagt hatte zu fragen. Sex. Raja wandte den Blick auf das Meer. "Das ist ein ungewohnter Gedanke."

"Hast du Angst?", fragte Vin leise. In Erinnerung daran, dass die normalen Begrüßungen der Puppen und ihre Nähe für Raja unangenehm gewesen waren und weil er ihm auswich und Vin ihn nicht einengen wollte, entließ er ihn aus seiner Umarmung, aber nahm Rajas Hand in seine. "Das musst du nicht. Ich werde dich beschützen, sobald ich endlich groß genug dafür bin, und dich lieben. Das tue ich ja schon. Und ich werde dafür sorgen, dass es dir gut geht."

Die Entschlusskraft in Vins Stimme ließ Raja grinsen. Er sah sich um, aber sie waren noch immer allein. "Wird dann aus dir so ein Kerl wie Mel und Gara?" Er konnte sich das nicht vorstellen bei dem zierlichen Vin mit den schlanken Armen und fast schon dünnen Beinen. "Wirst du auch so eine Zeichnung bekommen?"

"Natürlich. Ich werde bestimmt noch größer als Mel bei all der Sorge. Und du wirst auch eine Zeichnung haben. Eine, die meiner entspricht." Vin lächelte. "Und es wird sich herrlich anfühlen, wenn wir uns so umarmen, dass sie sich ergänzen." Er zögerte einen kleinen Moment, dann beugte er sich vor und küsste Raja auf den Mund. "So wird es sich anfühlen. Nur noch viel, viel schöner."

Erschrocken war Raja zurückgezuckt, dann nickte er leicht. "Das Problem ist nur, dass ich nichts fühle, Vin. Ich..." Es stimmte nicht ganz. Er fühlte sich besser als vor kurzem noch. Seine Unsicherheit und diese Traurigkeit waren weg, aber er fühlte keine Hochstimmung. "Es ist nur irgendwie... anders. Ich kann nicht sagen wie." Raja zog die Knie an und legte seine Arme darum. "Bitte mach so was nicht einfach."

"Ich versuche es, mein Schatz." Vin setzte sich zu ihm in die gemütlichen Polster und achtete darauf, ihn nicht zu berühren, auch wenn er wusste, dass er es nicht lange aushalten würde. "Ich werde während der nächsten vier Wochen zum Meta wandeln, Raja. Das ist nicht einfach, und ich brauche dich dabei. Ich brauche dich nah bei mir, ich brauche deine Berührung. Sonst tut es mir ganz schrecklich weh."

Raja nickte leicht. "Tom hat mir davon erzählt." Mit einem leisen Seufzen hielt er seine Hand in Vins Richtung aus. "Okay. Wir treffen hier und jetzt ein Abkommen, Vin. Ich halte mich nur daran, wenn du dich daran hältst. Du darfst mich berühren, wann immer du willst, aber kein Küssen, kein... ähm... Betatschen und Fummeln und nenn mich nicht Schatz, okay?"

"Aber du bist mein Schatz!", protestierte Vin, doch dann hob er nur die Schultern. "Wenn es dir hilft, dich besser zu fühlen..." Zufrieden griff er nach Rajas Hand, rutschte ein Stück näher und lehnte sich an ihn. Der Rest würde kommen. "Warum magst du kein Küssen? Du hast nicht ein einziges Mal eine Puppe geküsst, außer Lio, als du betrunken warst. Es macht dich glücklich. Versuch es doch mal."

"Es ist mir peinlich." Raja wollte die Arme verschränken, aber schaffte es nicht, weil Vin sich an ihn schmiegte. "Ich... hab nicht so viel Erfahrung damit, und es macht mir keinen Spaß." Er wandte sich leicht ab und blickte starr wieder auf das Meer hinaus.

'Sex', dachte er düster. 'Ich habe keine Ahnung.' Und er spürte, dass er Angst hatte, Angst vor Vin als Meta, Angst davor, dass er von ihm gezwungen werden könnte. Erschaudernd zog Raja die Knie weiter heran und schlang den freien Arm darum.

"Keine Sorge, mein... Raja." Mit einem kleinen Seufzen schmiegte sich Vin noch näher zu ihm. "Wir haben Zeit." Und jetzt musste er nicht mehr ständig darauf achten, seinen Schatz nicht zu berühren, das würde es einfacher machen. Mit einem Lächeln schloss er die Augen und spürte die Sonne auf seiner Haut, überall dort, wo Raja nicht war. "Ich freue mich auf das Leben mit dir."

'Leben mit ihm.' Rajas Angst wurde zu Panik. Ihm fiel ein, dass Vin von der großen Insel gesprochen hatte, die sogar in der Nähe des Raumhafens gelegen war. Er stammte von dort und würde auch dorthin zurück kehren, um bei seinem Vater zu sein, wenn die Larve... Raja hob den Kopf. "Was ist mit der Larve? Wie passiert das?" Er wurde rot.

"Wenn ich fertig mit der Wandlung bin, fängt sie an, in mir zu wachsen. Dadurch, dass wir uns berührt haben, ist das ausgelöst worden." Vin fühlte sich beinahe vollkommen zufrieden. Wenn sein Kleiner jetzt noch über die erste Zeit der Unsicherheit weg war, würde es perfekt sein.

So einfach war das? Ganz ohne Getatsche und Gefummel war die Sache mit der Larve schon abgehakt. Verwirrt überlegte Raja, wieso nur die Caley sich ständig miteinander und übereinander wälzten. Gara und Mel hatten jede von Lio freie Minute dazu genutzt.


© by Jainoh & Pandorah