Absturz mit Folgen

16.

Raja spürte Rührung in sich aufsteigen. Er nickte leicht. "Ich weiß, Vin, du bist... wirklich gut darin." Er kniff die Augen zu. Warum fühlte er sich mit dem Caley so herrlich und zugleich so überemotional? Lag es am Wandeln? Lag es an Vins Schmerzen? Hastig presste er eine Hand vor seine Augen. "Tut mir leid, ich bin so empfindlich neuerdings. Liegt das an der Wandlung?"

"Ja, ein wenig ganz gewiss. Ich wandle, und du passt dich an, soweit es geht. Du bekommst zwar nur die Zeichen und wächst nicht, aber es macht dich auch sensibler. Hab keine Angst, mein Schatz, der Zustand wird nicht lange dauern." Vin erschrak, als er merkte, dass er den Kosenamen nun doch genommen hatte, den Raja verboten hatte, aber es war so leicht gekommen und so selbstverständlich.

'Er ist nun mal mein Schatz... mein über alles geliebter, kleiner Schatz.' Er drehte Raja zu sich und drückte ihn mit einem Arm besitzergreifend fester an sich, während er ihm vorsichtig über die Wangen streichelte, um eine vorwitzige Träne zu trocknen.

Raja seufzte und flüsterte dann leise: "Es ist vermutlich besser, wenn wir allein wandern, solange ich so bin. Das ist peinlich. Ich heule dauernd und bin immer empfindlich und du... du..." Vin lächelte. Seine dunklen Augen blickten Raja warm und ein wenig besorgt an. Schon wieder war er den Tränen nahe. "Tut mir leid, Vin!" Rasch umarmte Raja seinen Gefährten und presste sich an ihn.

Vin umarmte seinen Schatz innig zurück. "Du bist wundervoll", flüsterte er. "Ich liebe dich über alles."

Eine Weile lang hielt er ihn einfach nur und spürte Glück, weil Raja seine ablehnende Haltung aufgab. Vielleicht war es wirklich gut, wenn sie zu zweit wanderten. Raja war entspannter, wenn sie allein waren, es würde ihm möglicherweise helfen. Vins Lächeln vertiefte sich noch, als Raja seinen Griff wieder ein wenig lockerte. Er streichelte ihm über die Haare, wieder und wieder, bis er die Finger darin vergrub und Rajas Kopf sachte etwas von sich schob, damit er ihn ansehen konnte. Das Mondlicht erhellte das eckige Gesicht. Die langen Wimpern lagen wie Schatten an den Rändern der geschlossenen Lider, und Vin wünschte sich, sie würden sich heben und Raja ihn ansehen. Dann wanderte sein Blick jedoch weiter zu den weichen Lippen, die er erst einmal geküsst hatte, und da auch nur flüchtig. Fasziniert starrte er sie an, und noch ehe er auch nur darüber nachdenken konnte, hatte er sie mit seinen bedeckt.

Raja hatte es gespürt, hatte gewusst, was gleich passieren würde, aber er hatte die Augen nicht geöffnet, um Vin daran zu hindern. Als ihre Lippen sich berührten, hielt er kurze Zeit nur still, dann ergab er sich einfach dem Bedürfnis nach mehr und noch mehr Nähe und drehte den Kopf, um es Vin leichter zu machen. Er hob sogar seine Arme, um Vin ebenso halten zu können.

Vin vergaß die Klippe, das Rauschen des Meeres unter ihnen und den kühlen Wind, der sie umstrich. Raja stieß ihn nicht von sich, er ermunterte ihn sogar. Viel größer konnte Vins Glück in diesem Moment nicht sein. Behutsam küsste er seinen Schatz, zuerst nur zurückhaltend mit den Lippen, doch als Raja ihn gewähren ließ, wurde er mutiger und berührte ihn zaghaft mit der Zungenspitze.

Raja schob seine Sorgen und die Gedanken, ob er dies tun sollte oder nicht, weit von sich, während er den Mund öffnete und Vins Zunge zuließ. Er hatte schon geküsst, aber noch nie hatte er sich so wohl damit gefühlt, einem anderen Wesen auf diese Art nahe zu sein. Es war schön, er wollte nicht aufhören.

Sie küssten sich lange, hielten inne und begannen erneut, weil Vin sich nicht von Raja trennen konnte. Erst, als es merklich kühler wurde und eine Windböe Vin frösteln ließ, konnte er endlich von Raja lassen. Verliebt streichelte er noch einen Moment lang das schöne Gesicht, dann sagte er leise: "Wir müssen gehen, ich will nicht, dass du krank wirst, und ich habe keine Decke mitgenommen."

Raja wirkte herrlich verträumt, so dass Vin ihn beinahe wieder geküsst hätte. Aber die kühle Haut von Rajas Armen machte, dass er sich eines besseren besann. Ohne seinen Schatz loszulassen, stand er auf und zog ihn mit sich. Er hielt ihn, solange es möglich war, aber auf dem steilen Pfad ins Dorf mussten sie sich trennen. Der Weg hinab brachte Raja offensichtlich jedoch nicht aus der schönen Stimmung, denn er lehnte sich an ihn, als Vin ihm einen Arm um die Taille legte, sobald es wieder ging.

Eng aneinander geschmiegt kehrten sie in das Haus ihrer Gastgeber zurück, und auch wenn Vin gerne gleich ins Schlafzimmer gegangen wäre, um sich dort mit Raja zusammen zu kuscheln, führte er seinen Schatz stattdessen direkt in die Küche, denn er hatte schon wieder Hunger. Jemand hatte ihm fürsorglich ein gedecktes Tablett hingestellt, und Vin stand vor dem Dilemma, wie er es tragen und Raja gleichzeitig nicht loslassen sollte. Schließlich küsste er Raja einmal noch auf die Wange, dann nahm er das Tablett auf und eilte sich, mit seinem Schatz ins Schlafzimmer zu gehen.

Raja hatte es genossen, mit Vin zusammen zu sein, aber als sie sich trennten, weil Vin essen wollte, während Raja sich rasieren musste, fehlte der Caley ihm nicht. Es war mehr ein Gefühl des kühlen Unwissens, das sich über ihn breitete. Unausgeglichenheit. Die Dusche wärmte ihn nicht genug. Das merkwürdige Jucken zog sich über seine Rippen und nervte und ängstigte ihn unsäglich. Empfindlich wie er ohnehin schon war, begann er fast zu weinen, nur weil ihm die Seife herunter fiel. Als er Vin im Bett vorfand, mit großen, dunkelbraunen Augen auf ihn blickend, musste er lächeln und er umarmte seinen Schatz von sich aus.

"Schön, dass du schon mit dem Essen fertig bist. Meine Seite hier juckt, ist da was zu sehen?" Er hatte das Hemd noch aus und kniete sich zu Vin auf das Bett, damit der nachsehen konnte.

Vin schaute länger, einfach weil es nett war, Raja einmal ohne Hemd betrachten zu dürfen. Dann schüttelte er jedoch den Kopf. "Dort werden sich in den nächsten Tagen deine Zeichnungen zu bilden beginnen." Er legte seine größer werdenden Hände auf Rajas Bauch und strich langsam nach außen zu den Seiten hin. Die Haut war so wundervoll weich und warm, dass Vin am Liebsten weitergemacht hätte. "Das müsste helfen... auch bei dir lässt die Berührung es leichter werden. Bei mir juckt es ganz seitlich auf den Rippen, das passt also." Lächelnd sah er Raja in die Augen.

"Ah." Unsicher sah Raja zu Gara und Mel hinüber. Die beiden Meta waren auf dem Bauch gezeichnet. Die metallisch schimmernden goldenen Tätowierungen hatte er schon sehr oft gesehen. Mit einem Mal wurde ihm klar, dass er sie auch tragen würde. Unsicher verrenkte er sich, um einen Blick auf seine Rippen werfen zu können, aber dort war noch nichts zu sehen.

Lio hockte bei Gara auf dem anderen Bett und blickte zu dem Paar hinüber. Raja und Vin sahen so schön aus zusammen. Nun, Raja war schön, Vin sah zerrupft aus und hatte zu lange Beine und schon zu große Hände und Füße, während sein Körper trotz all seinem Essen zu dünn geworden war. Aber es war ein Anblick, der Lio immer wieder sehnsüchtig machte. "Gara, sie werden so ein schönes Paar werden. Ich freue mich, dass wir jenseits der Berge auf sie warten werden. Ich will so gern, dass Vin auch bei mir dabei ist, wenn ich meinen Gefährten finde."

Gara lächelte und zog seinen Sohn mit einem Arm dichter an sich, bevor er weiter an den Trägern für Mels neue Tasche stickte. "Du wirst einen herrlichen Gefährten finden, Lio, und ich glaube fast, dass du zuerst Meta werden darfst, du willst es überhaupt nicht werden, da muss es einfach passieren."

Lio versteckte sich enger an Gara, aber lächelte. Er wollte seinen Gefährten finden, sehr sogar, aber er wollte nicht die Verantwortung haben, nicht so wie Gara, der immer für ihn da war, immer ein Auge auf ihn hatte und sogar Mel seinetwegen vernachlässigte. "Danke, Gara."

Lio schloss die Augen und schlief ein, während er im Hintergrund noch Vin und Raja leise reden hörte. Ihr Gespräch drehte sich noch immer um die Zeichnung, und natürlich war Raja besorgt, dass Vin am anderen Tag nicht einmal würde reiten können.

Gara drehte sich zu Mel und sah ihm kurz in die hellen Augen, dann flüsterte er: "Deine Puppe wird sicherlich mutig und unabhängig werden. Ich bin wirklich ein schlechter Meta, so über den Kleinen zu glucken."

"Glaubst du wirklich, du würdest so über Lio wachen, wenn er das nicht brauchen würde?", brummte Mel und rutschte dichter zu seinem Gefährten, um ihn zu umarmen und ihm einen Kuss auf die Schulter zu drücken. "Du bist der perfekte Vater für den Kleinen. Und wenn du nicht gleich aufhörst, dich deswegen zu sorgen, werde ich ihn wecken, damit er es dir selber sagt."

Natürlich würde er das nicht, aber in Garas Lächeln lag all seine Liebe, und sie machte, dass es Mel warm wurde. Er drückte seinen Gefährten fester, als sich dieser wieder seiner Arbeit zuwandte und ließ ihn nicht los.


Vin umarmte Lio innig zum Abschied und küsste ihn auf den weichen Mund. "Ich freue mich schon, wenn wir uns auf der anderen Seite der Insel wiedersehen", sagte er ernsthaft und musste lächeln, weil Lio nun endgültig deutlich kleiner war als er selber. Er reichte ihm ein Päckchen, das er getrennt von seinen restlichen Sachen gepackt hatte. "Hier, das ist der Teil von meinem Schmuck, der auch schön an dir aussehen wird. Ich brauche ihn ja nicht mehr."

Lio lachte und drückte Vin noch einmal. "Ja! Du darfst keinen Schmuck mehr tragen! Ich bin auch froh, dass du bald wieder mit uns wandern wirst. Gib auf deinen Raja acht und schone dich, wenn du es brauchst. Du kannst auf der Wanderung nicht so viel essen, und ich will nicht, dass du umfällst."

Nachdem Vin sich von Gara und Mel verabschiedet hatte und auch Raja gedrückt und geknuddelt worden war, nahm er seinen Schatz in den Arm, weil er schon wieder seine Nähe zu vermissen begann. Sie winkten den anderen hinterher, dann gingen sie zu den Reittieren, die ihre Gastgeber für sie beladen hatten. Dankbar umarmte Vin auch die beiden Meta und gab ihnen den Rest seines Puppenschmucks. Seine Puppenkleidung blieb ebenfalls fast vollständig zurück, bis auf die wenigen Stücke, die er noch etwas länger tragen konnte.

Er lachte, als der Meta ihn hochhob, auf das eine Reittier setzte und ihm dann das kleine Kissen reichte, um das er ihn gebeten hatte. Vin platzierte es vor sich und wollte sich gerade zu Raja drehen, als der Meta den Kleinen trotz seines empörten Protest ebenfalls hochhob und vor Vin setzte. Vin schlang gleich die Arme um ihn und seufzte erleichtert auf.

"Ich brauche dich doch, mein Schatz", sagte er leise. "Und auf dem anderen Tierchen ist unser Gepäck – und ganz viel Essen."

Raja brummelte: "Gut, aber ich lenke, gib mir die Zügel!"

Im Grunde hatte er sich schon daran gewöhnt, dass Vin ihn nicht mehr hergeben wollte. Anstelle sich dem Wanderpfad mit den steilen Stiegen zuzuwenden, lenkte er ihr Reittier auf den Weg zu, auf dem deutliche Spuren zeigten, dass hier häufiger die Händler durchkamen, die zwischen Möwennest und den anderen Orten vor allem Fisch, Algen, Muscheln und Salz gegen Getreide, Obst und Gemüse tauschten. Aus dem Bergdorf weit oben erhielten die Caley die seltenen Erze und Edelsteine für den Schmuck der Puppen. Raja bedauerte es beinahe, dass er die berühmten Goldschmiede nicht würde sehen können, auch wenn Vin ihm schon beteuert hatte, dass er im Dorf jenseits Schmuck von ihm erhalten würde.

Sie ritten langsam, und das Wetter war herrlich, lange nicht so heiß wie auf den anderen Inseln, aber warm genug für ärmellose Kleidung und offene Schuhe. Der Weg folgte einem klaren Bergbach, der von etlichen kleineren Quellen gespeist recht stürmisch um den Berg herum in Richtung Meer rauschte. Die ausgewaschenen Steine waren weich und schön rund, Nicht so karstig wie auf den vorangegangenen Inseln.

Vin aß während des Ritts die gesamte Zeit Obst, Brote und Bergkäse. Sie machten einige Male Rast, aber kamen so gut voran, dass sie schon am Nachmittag an dem kleinen ersten Gästehaus ankamen. Es enthielt eine Feuerstelle, eine beheizbare große Badewanne und mehrere Schlafzimmer, aber stand gänzlich leer. Raja tat der Hintern vom Reiten wieder einmal weh, so dass er froh war, als Vin vorschlug, dass sie Wasser in die Wanne lassen und für ein entspannendes Bad erhitzen konnten, während sie sich Suppe und Tee kochten.

Nach einer Weile überließ Vin Raja die Töpfe, um noch einmal nach draußen zu laufen und duftende Blüten für ihr Bad zu sammeln. Er war den Tränen nahe, als er zurückkam, weil er Raja vermisste und weil er sich überall anstieß, weil seine Arme und Beine zu lang und ihm überall im Weg waren. Aber er war auch ein wenig stolz auf sich, dass er es geschafft hatte. Die Blüten wurden in einer großen Schale mit frischem Wasser zwischengelagert, dann schmiegte er sich erleichtert an Raja an.

Nach dem Essen mussten sie noch ein wenig warten, bis das Wasser warm genug war, und Vin verbrachte die Zeit damit, Raja dicht bei sich zu halten, ihn immer wieder auf die Wange oder auch mal auf den Hals zu küssen und sein Haar zu kämmen. Derweil erzählte er ihm mehr von Caley, insbesondere zu den Meeren, denn die Fragen seines Schatzes waren unerschöpflich.

Schließlich nahm er ihn bei der Hand und zog ihn mit sich zur Wanne. Ganz selbstverständlich ging er davon aus, dass sie gemeinsam baden würden. Er brauchte ihn, Raja liebte seine Nähe, und sie waren allein; es gab keinen Grund, der dagegen sprach. Rasch streifte er die schon zu enge Weste und die leichte Wickelhose ab, dann gab er die Blüten ins Wasser. Er lächelte, als zarter Duft aufstieg. Bestimmt gefiel er Raja.

Unsicher blickte Raja auf den nackten Körper seines Gefährten, doch dann musste er lachten. "Vin, du schaust wie eine Vogelscheuche aus." Die Hässlichkeit und zugleich Selbstsicherheit von Vin half Raja, sich selber wohler zu fühlen. Dennoch drehte er sich von Vin fort, während er sich auszog und versenkte sich rasch in dem warmen Wasser.

Vin grinste. "Warte es nur ab; wenn ich fertig bin, sagst du das nicht mehr." Das Grinsen wurde schnell wieder zu einem Lächeln, denn sein Schatz sah in dem Blütenmeer wunderschön aus. Er stieg zu ihm und seufzte wohlig auf, als sich ihre nackten Beine streiften. Vorsichtig nahm er jedoch erst einmal nur Rajas Hand in seine, anstatt ihn gleich dicht an sich zu ziehen. Bei seinem empfindlichen Kleinen war es angebrachter, nichts zu überstürzen. "Aber du bist herrlich. Ich könnte dich immerzu anschauen."

"Wenn du so weitermachst, glaube ich dir nicht mehr, Vin." Ein wenig nölig gestimmt nahm Raja sich eines der Tücher auf und begann, seine Arme und Füße zu waschen. Das Wasser berührte seine Seiten und seinen Bauch, es juckte wieder leicht und er wusch sich dort zu heftig. "Au! Jetzt juckt es nicht mehr, jetzt brennt es!" Raja sah an sich herunter und erschrak ein wenig, als er an seinem Bauch zierliche rotgoldene Zeichnungen durchbrechen sah. Die Haut darum schuppte sich und wirkte gereizt. Seufzend betastete Raja die Stellen. "Es geht los, schau." Mit einem Mal wurde die Verwandlung auch für ihn Realität. Er schauderte leicht.

Vin fuhr die Zeichen vorsichtig mit einem Finger nach und spürte die Energie, die von ihnen ausging und sie verband. Gleich sah er an sich herunter und entdeckte Schatten auf seiner Haut, die von den Rippen zum Bauch hin zeigten. Er nahm Rajas Hand und legte sie an seine Seite. "Spürst du es?"

Raja ertastete, dass auch Vin bald gezeichnet sein würde. Er wurde von einem merkwürdig tiefen Gefühl der Verbundenheit erfasst, das ihn zugleich glücklich machte, ihm aber auch Angst bereitete. Er nickte und hob den Blick in Vins Augen.

"Aber es dauert noch ein wenig, bis du fertig bist", sagte er dann und zog seine Hand zurück. All seine Fragen zum Zusammensein, zu seinem Gefühl der Erregung, das sich beinahe immer einstellte, wenn Vin ihn so intensiv betrachtete, wenn er ihn schön nannte, mussten noch warten. "Mir wird kalt und ich bin müde, Vin. Ich geh mich abtrocknen."

Rasch stand Raja auf und entzog sich seinem Gefährten. Doch als er ein Handtuch um seine Schulter geschlungen hatte, drehte er sich gleich wieder zu Vin um. Er lächelte und küsste ihn einmal auf die Wange. "Danke für die Blumen. Das nächste Mal gehe ich und du schonst deine neuen Gelenke, ja?"

Vin strahlte vor Glück. Er stand noch in der Wanne, während Raja bereits herausgestiegen war, aber er kniete sich mit einem Bein auf den Rand, zog seinen Schatz an sich und küsste ihn noch einmal richtig auf den Mund. Er war stolz auf seinen fürsorglichen Gefährten, der sich trotz seiner Unsicherheit so viel Mühe gab.

"Du bist herrlich, ob du es glaubst oder nicht", wiederholte er energisch, dann ließ er von Raja ab, um sich ebenso abzutrocknen.

Er aß noch einmal eine tüchtige Schale Suppe in der Küche, dann nahm er einen Vorrat samt Brot mit zu ihrem Bett, wo er sich zu Raja kuschelte und an seinen Rücken schmiegte.

"Wenn du dich umdrehst, liegen die Stellen aufeinander, an denen die Zeichnungen entstehen", murmelte er dicht an Rajas Ohr, wobei er feststellte, dass auch seine Stimme dunkler zu werden begann. Sie klang schöner als zuvor. "Das fühlt sich gut an. Magst du das nicht tun?"

Die raue Stimme jagte Raja einen Schauer über. Er konnte es nicht verhindern, dass es ihn erregte. Er wollte auf jeden Fall nicht, dass Vin es spürte. Errötend raffte er die Decke vor sich zusammen. "Nein, ich mag schlafen, Vin. Du solltest das auch tun!"

"Es wäre ja zum Schlafen. Mehr kann ich doch gerade eh nicht tun", erinnerte Vin, aber drängte ihn nicht, als er lediglich den Griff um seinen Gefährten festigte und das Gesicht in dem duftenden Haar verbarg. Mit geschlossenen Augen lauschte er darauf, wie sich Rajas Atem langsam beruhigte und tiefer wurde, ehe er selber einschlief.


© by Jainoh & Pandorah