Absturz mit Folgen

17.

Am anderen Morgen erwachte Raja gerade, als die Sonne am Aufgehen war, weil Vin neben ihm bereits etwas aß. Er grinste und streckte sich einmal. Doch dann flüchtete er für ein Weilchen allein ins Badezimmer. Sie frühstückten zusammen, räumten das Gästehaus auf und machten sich zügig auf den Weg, als die Sonne begann zu wärmen.

Der Bach war zu einem reißenden Fluss geworden, dessen Rauschen so laut zu ihnen hinauf hallte, dass Vin Raja ins Ohr schreien musste, als er für eine Zwischenmahlzeit Pause machen wollte. Sie rasteten an einer Buchtung neben dem Weg, wo aus Stein Tische und Bänke zu finden waren und sie ihre Reittiere an einer kleine Quelle tränken konnten.
Raja ging zum Pinkeln ein wenig von der Raststelle fort und fand an der Steilwand einen alten Schrein der gestorbenen Puppen vor. Die kleinen Fächer waren noch immer angefüllt mit Goldschmuck, Perlen, schönen Muscheln und vertrockneten Blumen. Er legte seinerseits eine der Holzperlenketten in ein leeres Fach. Rasch sah er zu Vin zurück und lächelte. 'Ich bin froh, dass du nicht hier vergehen musst.'

Mit einem Mal wollte Raja auch schnell wieder zu Vin zurück und beeilte sich, seine Finger in der kleinen Quelle zu waschen. Er trat gerade zu Vin, als ein lautes Knirschen von der gegenüberliegenden Seite des Flusses erklang, einen Moment später stürzte eine kleine Gerölllawine hinunter. Die beiden Reittiere, die friedlich am Wegesrand gegrast hatten, schrien erschrocken auf und galoppierten den Weg zurück.

Raja stöhnte auf und umarmte Vin einmal schnell. "Verdammt. Gut, dass wir ihnen die Sättel abgenommen haben. Hör zu. Pack du unsere Sachen neu um, ich gehe hinter ihnen her und hole sie zurück. Du kannst nicht schnell genug laufen."

Erschrocken sah Vin Raja an und hielt ihn fest. "Nein, ich..." Dann biss er sich auf die Unterlippe. Sein Schatz hatte recht. Was blieb ihnen sonst? Vin würde sie kaum einholen können, und ohne die Tiere konnten sie einerseits ihr Gepäck kaum mitnehmen und zum anderen würden sie kaum vorankommen, weil Vin alle Knochen weh taten. Schließlich nickte er."Pass aber gut auf dich auf", sagte er unbehaglich und übermäßig besorgt.

Raja lächelte und nickte. "Klar." Rasch küsste er Vin auf die Wange, dann trabte er hinter den beiden Pferdchen her. "Hey, ihr zwei! Bleibt schon stehen!"

Die beiden rotbraunen Pferdchen hörten zu Rajas Glück bald auf ihn und hielten mit gesenkten Köpfen in der Nähe des Flusses an. Eines der beiden kletterte über den Schotter an einer Stelle an den Fluss hinunter, um dort zu trinken. Raja versuchte es mit Locken und mit einem Stück Brot, aber der sture Kleine scharrte am Ufer, kam nicht ganz bis zum Wasser hinunter, wollte aber zugleich nicht allein wieder hochklettern. Seufzend stieg Raja hinunter, um ihn an seinem Strick wieder hochzuzerren.

Er hatte nicht damit gerechnet, dass das Pferdchen so stur war. Als er den Strick zu fassen bekam, konnte er ziehen, wie er wollte, der kleine Gaul hielt dagegen und strebte noch immer abwärts zum Wasser. "Verdammt noch mal! Komm jetzt hoch!"

Doch in dem Augenblick stolperte das Pferdchen und rutschte auf den losen Steinen aus. Es ruckte, und Raja verlor den Halt. Er prallte gegen das Pferd, das erschrocken die Böschung hinaufsprang. Das Seil zurrte Raja schmerzhaft brennend durch die Hände, dann stürzte er in den Fluss.

Das Wasser war so eisig, dass ihm kurz die Luft wegblieb und er steif vor Schreck unterging. Als Raja zu sich kam und wild paddelnd wieder ans Ufer gelangen wollte, war er schon ein gutes Stück mit der gurgelnden Strömung abgetrieben worden. Raja konnte gut schwimmen und lange tauchen, aber die Kälte des Wassers und die starke Strömung setzten ihm zu. Es war sein großes Glück, dass er ein kurzes Stück den Fluss hinab an einer Steilwand am Rand einen Holzstamm im Wasser sah, zu dem er sich treiben ließ.

Er schaffte es trotz seiner bebenden Finger, auf den Stamm zu kriechen, dann gab er sich einen Stoß und hoffte sehr, dass bald wieder ein flacheres Ufer kommen würde. Bibbernd und mit schmerzenden Gliedern krallte er sich auf dem Stamm fest, während die Strömung ihn mit zum Teil beängstigender Geschwindigkeit mit sich riss.

Raja hatte gerade das Gefühl, dass seine Finger sicherlich abgestorben sein mussten, als der Fluss sich etwas beruhigte. Wärmer wurde es dadurch nicht, so dass lediglich das Zittern Raja davon abhielt vor Erschöpfung in Ohnmacht zu fallen. Seine Augen konnte er nicht mehr offen halten. Mit einem dumpfen Geräusch trieb der Baumstamm gegen ein Hindernis, gleich darauf vernahm Raja dunkle Stimmen, die überrascht riefen. Hände packten ihn und zerrten ihn aus dem Wasser. Er wurde ausgezogen und grob trocken und warm gerubbelt, so dass seine Haut zu brennen begann und seine Finger und Füße schmerzhaft zu Leben erwachten. Seine ersten Worte waren: "Vin, wo ist er?!"

Erst nach einer Weile konnte er seine Augen öffnen und sich umsehen. Ihm taten alle Glieder weh. Er lag in einem großen, hellen Zimmer auf einem Bett und war in mehrere Laken und Decken gewickelt. Ein Meta mit pechschwarzer Mähne und ebenso schwarzen Augen hielt ihn im Arm und versuchte ihn dazu zu bringen, warme süße Milch zu trinken.

"Vin?" Rajas Stimme war nur noch ein Flüstern.

Der Meta lächelte. "Mein Gefährte wird ihn holen. Komm, Kleiner, noch einen Schluck, dann kannst du wieder schlafen."


Vin brauchte nicht lange, um ihre Sachen neu zu packen, aber er begann Rajas Fehlen schon in der kurzen Zeit schmerzlich zu bemerken. Gleichzeitig kam die Sorge. Er humpelte ein paar Schritt den Pfad hinab, um die letzte Biegung übersehen zu können, wartete dort einen Moment und entschied dann, noch etwas zu essen. Doch er konnte es nicht, weil er zu unruhig war.

"Raja holt nur die Pferdchen. Er ist gleich da", redete er sich selber gut zu und ging erneut zurück. An der Biegung setzte er sich auf einen sonnenwarmen Stein und starrte sehnsüchtig den Pfad entlang.

Raja kam nicht.

Schließlich hielt Vin es nicht mehr aus. Was, wenn seinem Schatz etwas zugestoßen war? Wenn er gefallen war und sich den Kopf angeschlagen hatte? Wenn er ihn brauchte? Es tat weh, aber er kümmerte sich nicht darum, als er so schnell, wie seine wachsenden Gelenke es zuließen, dem Pfad folgte und dabei nach Raja Ausschau hielt und ihn rief.

Er begann zu weinen, als er keine Antwort erhielt und wischte sich wütend über die Augen, weil durch die Tränen seine Sicht unscharf wurde. Endlich entdeckte er zumindest ihre beiden Reittiere. Sie standen auf einem Stück Gras, knabberten sich gegenseitig an der Kruppe und schienen sehr zufrieden mit sich und der Welt zu sein. Vin versetzte es jedoch einen schmerzhaften Stich; seine Sorge wurde zu Panik. Er rannte los, stolperte über seine zu großen Füße und stieß sich die Knie auf, als er fiel. Ohne sich um das Brennen zu kümmern, rappelte er sich wieder auf und stürzte zu den beiden Pferdchen hin.

Raja war nicht dort. Außer sich vor Angst hetzte Vin an die steile Böschung und sah hinunter, halb und halb erwartend, dass er seinen Schatz dort unten mit verrenkten Gliedern liegen sehen würde. Doch das Ufer fiel weniger stark ab als erwartet, und auch hier war Raja nicht zu entdecken. Dafür war der Schotter aufgewühlt, als hätte jemand beim Abstieg die Steine durcheinander gebracht. Und fast direkt am Wasser konnte er Rajas kleine Tasche liegen sehen, in der er seine persönlichsten Dinge mit sich herumtrug.

Vin schrie auf und sackte weinend zusammen. Sein Schatz war in den Fluss gefallen, nur weil er die Pferdchen hatte holen wollen. Er hätte ihn nicht gehen lassen dürfen! Das alles war nur geschehen, weil Vin in diesem schrecklichen Zustand der Wandlung war, in dem er nicht genügend Kraft hatte, um auf Raja acht zu geben und ihn zu beschützen.

"Ich hätte ihn nicht gehen lassen dürfen! Trotzdem nicht!", schluchzte er und rappelte sich mühsam wieder auf. Raja war nicht tot. Raja durfte nicht tot sein! Aber vielleicht war jetzt nun wirklich ganz schwer verletzt? Oder er erfror in dem eisigen Wasser! Oder er war gerade dabei zu ertrinken! Und währenddessen lag Vin herum und heulte. Er hatte in der vollkommen falschen Richtung gesucht.

Er hastete zu den Reittieren, griff nach den Zügeln dessen, das ihm näher stand und kletterte auf seinen Rücken. Dann trieb er es an, so schnell wie möglich den Pfad in die andere Richtung entlang zu reiten. Er rief sich die Kehle heiser, bis er keine Stimme mehr hatte. Doch niemand antwortete ihm. Jedes Mal, wenn er in den Fluss sah, konnte er nur erkennen, dass es keine Möglichkeit gab, hinunter zu gelangen, und an den wenigen flacheren Stellen war sein Schatz nicht angespült worden.

Als ihm ein Meta entgegen gewandert kam, hätte Vin ihn in seiner Eile und Sorge beinahe übersehen, aber der große Caley hielt das Pferdchen einfach auf.

"Du musst Vin sein", stellte er schlicht fest. "Dein Gefährte ist bei uns."

"Geht es ihm gut? Was ist mit ihm? Ist er verletzt?", verlangte Vin außer sich vor Angst zu wissen.

"Mein Gefährte kümmert sich um ihn, alles ist in Ordnung." Der Meta griff nach Vin und stützte ihn auf dem Weg zu seinem Haus, weil Vin vor Schmerzen, Schwäche und Schluchzen fast vom Pferd fiel. Schließlich wurde er in ein Haus gebracht und eine Treppe hochgetragen. Dort, in dem großen Raum lag in einem breiten Bett sein Schatz.

Vin hörte nicht mehr, was der Meta sagte. Er stürzte mit einem Aufschrei zu seinem Gefährten hin und umarmte ihn.

"Raja, mein Schatz, mein Liebling, mein Kleiner...", flüsterte er unter Tränen.

Raja schaffte es, schwach zu lächeln. Er spürte, wie einer ihrer Gastgeber die Decken von ihm wickelte, so dass Vin sich an ihn schmiegen konnte. Es war Raja egal, dass er Vins Finger an seinem Po spürte, als der ihn gerade rückte. Eine herrliche Wärme und wunderschönes Glück erfüllten ihn, es schien wie ein Herzschlag, der sie verband. Seufzend schloss Raja seine Arme um Vin und schlief ein.

Vin brauchte lange, bis er sich wieder beruhigt hatte, und noch länger brauchten die Schmerzen in seinen Gelenken, um halbwegs abzuklingen. Ohne seinen Gefährten loszulassen, bedankte er sich bei den Meta und ließ sich von ihnen erzählen, wo und wie sie Raja gefunden hatten. Der Bericht schickte gleich wieder Schauer an Angst durch ihn hindurch, jedoch auch eine grenzenlose Dankbarkeit, dass Raja noch bei ihm war.

Der schwarzhaarige Meta brachte ihm zu essen, während der andere ihm half, sich aufzurichten, ohne dass er von Raja lassen musste. Während Vin riesige Brote mit Wurst und Käse verdrückte, versprach er Raja stumm, dass ihm nicht noch einmal etwas passieren würde.


Dhanu umarmte die Puppen ihres Gastgebers noch einmal, dann schulterte er seinen Rucksack und verließ das Haus, einen bummeligen Kaan im Schlepp. Kaan hatte zum einen seinen Sohn sehr knapp verpasst, zum anderen brachen sie vor Morgengrauen auf, um den Aufstieg zum Bergdorf zu schaffen. Dhanu war das Gehen gewohnt, aber Kaan brauchte schon bald häufiger mal eine Pause.

Die Höhe war ungewohnt, und die Belastung durch das doch schwerere Gepäck für sie beide machte den Weg nicht gerade leichter. Doch bei jeder Pause wurden sie durch einen einfach atemberaubenden Blick entlohnt. Sie waren um den Berg herum gewandert und konnten über die beiden Schmetterlingsinseln hinweg blicken. Die schmale Inselbrücke verband sie beide, leider wegen der Untiefen nicht von Fähren anzulaufen. Auf beiden Seiten der Verbindung waren die Hälften einer kleinen Stadt mit golden schimmernden Dächern gelegen.

Dhanu deutete hinunter. "Das ist trotz der Abgeschiedenheit eine der größten Siedlungen von Caley. Die Dächer der Häuser sind alle vergoldet. Man glaubt es kaum, aber die Mosaike in den Häusern und Badehäusern sind aus Edelsteinen, die im Berg zu Hauf zu finden sind und mit den Bächen einfach hinunter gespült werden. Sie heißt deswegen Schatzkiste."

"Die Caley können sich glücklich schätzen, von den Daryller beschützt zu werden." Kaan atmete tief durch und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Es war furchtbar anstrengend, aber allein die Aussicht war es wert. Und natürlich die Zeitersparnis. Von ihren Gastgebern in Möwennest hatten sie erfahren, dass sich Raja und Vin von den beiden Meta und ihrer Puppe getrennt hatten, weil Vin durch seine Wandlung bedingt nicht mehr über die Berge steigen konnte. Aber das war auch schon etwas her, und durch den Weg über die Berge sparten sie Zeit, die sie seinem Sohn näher bringen würde. "Ansonsten wäre dieses Paradies schon von irgendwelchen geldgeilen Firmen überrannt."

"Die Caley sind nicht so hilflos und dumm, wie man denken mag. Sie sind nur auf den ersten Blick naiv." Dhanu grinste. "Sie sind zum Beispiel nicht einmal im Entferntesten mit den Menschen verwandt. Sie haben dieses Aussehen nur angenommen, weil sie Menschen gern an sich binden." Er reichte Kaan die Wasserflasche. "Aber du hast Recht. Die Daryller verteidigen die Rechte von Caley über seine Grenzen hinaus sehr erfolgreich."

"Ich halte sie nicht für hilflos und dumm. Ich finde, sie haben eine sehr schöne Art zu leben." Kaan trank einen tiefen Schluck. "Aber wenn die Daryller nicht wären, wäre Caley längst nicht mehr, was es ist. Willst du Laserkanonen mit geschleuderten Fischen begegnen? Und so niedlich die Puppen sind, zum Totknuddeln von Gegnern sind sie dann doch nicht geeignet."

Dhanu lächelte liebenswürdig und schwieg. Er wollte Kaan nicht mit dem Wissen um die Möglichkeiten der Caley belasten, vor allen Dingen nicht, wenn sein Sohn Raja sich gerade mit einem verbunden hatte. Stattdessen scheuchte er Kaan bald wieder auf, damit sie noch vor Sonnenuntergang in dem Bergdorf ankamen, in dem es nachts empfindlich kalt werden sollte.

Schon bald nahmen die schneebedeckten Gipfel die Sonne fort, und Dhanu war für den dicken Stoff ihrer Kleider sehr dankbar. Kaan sah niedlich aus mit dem buntbestickten und viel zu langen Poncho. Sie hatten nicht warten wollen, bis ein Schneider ihnen einen passenden genäht hatte, deswegen trugen sie beide die Metagröße.

Als die Sonnen sich über dem Meer in roten Dunst hüllte und langsam versanken, erreichten sie den letzten Pass, der über eine schmale Treppe zum Bergdorf führte. Es lag versteckten im Tal, doch von weitem blinkten golden und von Edelsteinen verzierte Dächer im Licht der eben aufgehenden Monde, als Kaan und Dhanu näher kamen.

Hier lebten fast nur Meta und wenige Puppen. Das Klima war rau, es war schneidend kalt geworden. Willkommen heißend sah Dhanu jedoch schon Dampf aus den Abzügen steigen. Sie fanden schnell in ein Gästehaus, das von einem älteren Metapaar und ihren Söhnen mit den Gefährten, beides Menschen, betreut wurde.

Dhanu und Kaan brachten aus der Wüstenregion Geschenke mit. Eigentlich waren es die normalen Dinge, die sie bei sich getragen hatten. Die hellen Schutztücher, die Ketten aus Kaktusfruchtsamen und Nussschalen und dann natürlich noch einige sehr schöne Muscheln, die sie, während sie auf die Fähre gewartet hatten, im Meer mit den Puppen hatten sammeln können. Doch es war wieder einmal wunderbar zu sehen, wie die Puppen im Dorf aufgeregt durcheinander sprangen und sich über die Kleinigkeiten freuten.

Während sie mit dem halben Dorf zu Abend aßen, erfuhren sie, was sie erwartet hatten, nämlich dass eine ganz gewöhnliche Gruppe Meta mit ihren Puppen durchgezogen war. Dieses Mal gar nichts von Raja zu hören, beruhigte Kaan. 'Was gut so ist. Ich habe kaum noch Zigaretten.' Er grinste still in sich hinein. Ohne Dhanu wären sie ihm schon gleich zu Beginn ihrer Suche ausgegangen. Aber sein Schatz hatte eine ausgesprochen beruhigende Wirkung auf ihn.

Kaan warf ihm einen Blick zu, sah ihn mit einer der Puppen lachen und sie in den Arm nehmen und musste selber lächeln. Seit weder der Chip noch Rawley mehr zwischen ihnen standen, war ihr Verhältnis viel schöner geworden. Sie waren offener miteinander, Dhanu hielt sich sowohl mit seinen Gefühlen, wie auch mit Nähe nicht mehr zurück, was es Kaan wiederum leicht machte, sich ihm ebenfalls anzuvertrauen.

Einmal hatte er Dhanu nach seinem Dienst für die Daryller gefragt, und obwohl sein Freund ihm geantwortet hatte, war es Kaan vorgekommen, als würde er ihm ausweichen. Geheimdienste waren eine heikle Sache, und um ihn nicht zu unbeabsichtigten Lügen oder in Schwierigkeiten zu bringen, hatte Kaan das Thema später lieber vermieden, selbst wenn er neugierig war.

Aber eine Frage blieb nach wie vor unbeantwortet, die wohl kaum etwas mit geheimen Verwicklungen zu tun hatte. Kaan schmunzelte und fühlte ein aufregendes Prickeln in sich, als er an die seltsame Tätowierung auf Dhanus Leiste dachte.

Als sie später in dem breiten, gemütlichen Gästebett eng aneinander gekuschelt und dick unter weichen Decken versteckt lagen, ließ Kaan seine Hand gemütlich über Dhanus so nett trainierten Bauch streicheln, bis er Dhanus Schritt bedeckte. Es fühlte sich gut an, auch wenn sein Freund nicht erregt war. "Du hattest mir eine interessante Geschichte zu Lola versprochen."

Dhanu seufzte und streckte sich der Hand ein wenig entgegen. "Ach du liebe Güte." Er blickte hoch in Kaans Augen, dann lächelte er. "Du hast ja die Daryller schon gesehen, nicht wahr? Na gut, wenn du mir mit solchen Argumenten kommst..." Er zog Kaans Kopf zu einem Kuss heran, dann erzählte er leise: "Ich habe doch einmal von einem Waisenhaus erzählt, erinnerst du dich?"

"Du hast eines erwähnt, als wir über Kinder gesprochen haben." Kaan schmiegte sich erst an ihn, aber stützte sich dann halb auf, um Dhanus Gesicht sehen zu können.

"Dort bin ich aufgewachsen. Mit ungefähr vierzehn oder fünfzehn Jahren bin ich weggelaufen, aber natürlich gleich in die falschen Kreise geraten. Bei einem Waffenhandel bin ich nur kurz darauf der Dainag in die Finger geraten. Das ist die Gruppe Leute, die sich im Namen der Daryller um ihre Interessen kümmert. Sie haben mir einen Wahl gestellt, und ich habe mich für sie entschieden. Sie haben mir eine Ausbildung zukommen lassen, man kann es auch als Abhärtung bezeichnen, geschenkt bekommt man von ihnen nichts. Ich habe mich verpflichtet, eine bestimmte Zeit über für sie zu arbeiten. Diese Zeit ist nun um. Damit ich mit den Daryller in beiden Formen sicher zusammen sein kann, habe ich die Tätowierung aus intelligentem Metall bekommen. Und Lola... das war der Namen meines Schulschiffes. Wir waren eine Gruppe von zehn Leuten und haben uns alle Lola tätowieren lassen, weil wir auf diese dumme Art immer zusammen sein können." Dhanu legte seine Hand über Kaans, um sie wieder fester gegen sich zu pressen. "Lola ist noch immer im Dienst."

"Hm, ich finde das nicht dumm." Kaan beugte sich über Dhanu und küsste ihn auf einen Mundwinkel, dann auf den anderen und schließlich weich auf die Lippen, während er seinen Freund im Schritt zu streicheln begann. "Dein Leben ist so gänzlich anders verlaufen als meines. Ein Wunder, dass wir jetzt hier zusammen sind." Wieder küsste er ihn, und dieses Mal tauchte er für einen Moment mit der Zunge in Dhanus Mund. "Aber ich bin glücklich darüber", sagte er leise. "Ich liebe dich."

"Ja. Manchmal braucht es kleine Wunder." Dhanu erwiderte Kaans Küsse und gab sich der Verlockung nur zu gern hin. Während er sich schon unbewusst gegen Kaans Hand bewegte, schob er seine Hand in die zu weite Hose auf den kleinen Hintern, den er während der Wanderung nur zu gern angestarrt hatte.

Kaan mochte es sehr, dass Dhanu ihn dort so gern anfasste und zeigte es ihm durch kleine Wohlfühllaute. Er löste sich von Dhanus Mund, um über sein Kinn und den Hals zur Brust herunter zu küssen. Als er die Decke anhob, strich ein kühler Lufthauch über Dhanus nackte Haut und brachte die Brustwarzen dazu, sich zusammenzuziehen und aufzurichten. Verspielt senkte Kaan den Mund über eine und saugte und leckte leicht daran, während er von Dhanus Schoß abließ und die andere mit den Fingerspitzen liebkoste.

Kaan hatte verdammt schnell mitbekommen, wo Dhanus empfindliche Stellen waren, und er war an diesem Abend offensichtlich verspielt. Mit einem kleinen Lächeln streichelte Dhanu seinem Schatz mit einer Hand durch das Haar, dann machte er sich daran, ihn von Hemd und der Hose zu befreien. "Na, willst du oben bleiben, heute?" Dhanu sah Kaan kurz in die Augen, dann biss er ihn sachte in die Unterlippe.

Kaan genoss das Kribbeln, das Dhanu in ihm hervorrief, ehe er den Kopf schüttelte. "Nein. Noch spüre ich dich viel zu gerne auf mir." Er half Dhanu mit seiner Kleidung, dann fügte er mit einem Grinsen hinzu: "Und gleichzeitig in mir."

Dhanu war froh darum, dass die Puppen auf Caley sehr gern und oft Sex hatten und miteinander schliefen, um sich von ihrer Einsamkeit abzulenken. Dies bedingte, dass es kein Problem war, Gleitöle zu bekommen. Und er gab für sich zu, dass er wirklich gern mit Kaan schlief. Der schlanke Mann reagierte derart leidenschaftlich und zugleich war er forsch und fordernd, dass es Dhanu jedes Mal wieder reizte, ihn für sich zu gewinnen.

Mit einem kleinen Kuss drückte er Kaan das Ölfläschchen in die Hand und ließ sich wieder auf dem Bett nieder. "Zu schade, Kaan. Ich bin unheimlich gern in dir, aber ich will dich oben haben. Ich bin vom Wandern einfach zu müde." Frech grinste er ihn an und streckte sich.

Kaan lachte auf. "Und das ausgerechnet von meinem durchtrainierten Geheimagenten!" Er küsste ihn auf den Mund und sah ihm schalkhaft in die Augen. "Aber wenn das so ist, dann kann ich natürlich nicht verlangen, dass du dich jetzt noch sehr anstrengst."

Neckend küsste er sich über Brust und Bauch in Richtung des Schritts herab, dann kniete er sich über Dhanus Brust, um die beginnende Erektion mit Zunge, Lippen und schließlich auch den Fingern zu verwöhnen.

Nachdem Dhanu eine Weile lang genossen hatte, dass Kaan sich auf sein Spiel einlassen wollte, griff er sich das Ölfläschchen, um seinerseits den verlockenden Hintern, der ihm so freundlich präsentiert wurde, ein wenig zu verwöhnen. Rasch biss er einmal in die linke Pobacke, dann streichelte er vorsichtig dazwischen und verteilte reichlich von dem zähflüssigen Öl, bevor er auch in ihn einzudringen begann.

Aus Erfahrung von bereits der ersten Nacht mit Kaan wusste Dhanu, dass der süße Mann sehr wild werden konnte, aber es nicht mochte, wenn er zu abrupt geliebt wurde und nicht genug Zeit für die Gewöhnung verstrich. Kaans Zunge strich an seinem Glied entlang und schuf ein schon fast störendes Verlangen in Dhanu, so dass er mutiger begann, mit der freien Hand auch nach vorn zu fassen, um Kaan fordernder zu streicheln.

Leise stöhnte Kaan auf und drängte sich den Liebkosungen entgegen. Er hatte Dhanus Geschick schon bei ihrem ersten Mal genossen, aber nun, wo sie sich besser kannten, wurde es nur noch schöner. Einen Moment lang hielt er einfach still und genoss die Gefühle, die sein Freund in ihm wecken konnte, ehe er sich um so intensiver wieder mit Dhanus Schoß beschäftigte. Er liebte den Geschmack genauso wie die Laute, die Dhanu machte, wenn er sich ihm hingab. Behutsam zog er auch die Hoden in sein Spiel mit ein; Dhanu reagierte immer mit herrlichen Schauern darauf, einer Mischung aus Nervosität und Erregung. Er ließ sich das Öl reichen und begann das Spiel mit den Fingern von Neuem.

Schließlich hielt er es jedoch kaum mehr aus. Er entzog sich Dhanu und drehte sich zu ihm um. Noch einmal küsste er ihn tief, dann kniete er sich über seine Hüfte und griff unter sich, um Dhanu zu führen. Langsam ließ er sich mit geschlossenen Augen auf seinem Schatz nieder, liebte es, von ihm ausgefüllt zu werden und ihn zu umfangen. Heiser flüsterte er seinen Namen, ehe er ihn ansah.

Dhanu setzte sich kurz auf, um Kaans Hals zu küssen. Rasch zog er seinen Kopf einmal zu sich, um auch seinen Mund einmal mit den Lippen zu streifen; dann legte er sich wieder zurück und streichelte ihn, umfing seinen Hintern und die Hüften mit den Händen, griff nach einer Weile fester zu. Erst als Kaan sich schneller zu bewegen begann, umfasste er ihn und brachte ihn konzentriert zuerst zum Höhepunkt, bevor er ihn von sich löste und auf den Bauch drehte. Der Blick auf Kaans tätowierte Flügel erinnerte Dhanu wieder an das erste Mal, als er den nackten Körper dieses Mannes gesehen hatte.

Als sie hinterher noch einmal ins Bad gingen, umarmte Dhanu Kaan fest. "Ich bin froh, dass ich dich begleiten darf." Im wunderschön mit farbenfrohen Edelsteinen eingefassten Spiegel sah er seinem Freund in die Augen. "Dass ich dich als dein Liebhaber begleiten darf, du bist wundervoll."


© by Jainoh & Pandorah