Absturz mit Folgen

18.

Raja erwachte und spürte als erstes, dass er Halsschmerzen hatte. Seine Hände schmerzten bei jeder noch so kleinen Bewegung, und sein Kopf dröhnte. Dann spürte er, dass er auf Vin lag, ihre Zeichnungen mussten sich ergänzen, das sanfte Gefühl eines gemeinsamen Herzschlags erfüllte ihn und machte ihn glücklich. Es erregte ihn auch, und das wollte Raja eigentlich nicht. Hastig versuchte er, sich aus Vins kräftigem Griff zu lösen, der ihn samt seiner beginnenden Erektion auf den Körper hinunter presste. Er war ziemlich chancenlos. "Vin! Ich muss mal, lass mich los!"

Raja blinzelte, rieb sich die Augen, stützte sich etwas hoch und blinzelte noch einmal. Das Gesicht, in das er sah, war eckig und maskulin, die Weichheit schien über Nacht gewichen zu sein. Der Mund war energisch, das Kinn kräftig und die Augen, die sich langsam öffneten, waren nicht mehr kullerrund, sondern hatten eine schmalere Form, was Vins Blick eine misstrauische Note gab. "Du bist unheimlich gewachsen, Vin."

Vin hob eine Hand, um Raja durchs Haar zu streichen; er blickte sie einen Moment lang prüfend an und vollendete die Geste dann sanft. Er hatte Schmerzen wie von einem kräftigen Muskelkater, aber das war gut auszuhalten. Als er den Mund öffnete, um zu antworten, kam zuerst einmal nur ein heiseres Krächzen heraus. Er musste sich räuspern und war dann selber überrascht, wie dunkel seine Stimme geworden war. "Du wärst nicht in Gefahr geraten, wenn ich nicht so schwach wäre. Ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht, mein Schatz. Deswegen muss ich wohl gewachsen sein."

Besorgt suchte er das hübsche Gesicht mit Blicken ab. Rajas Augen waren leicht glasig und die Wangen nicht nur vom Schlaf gerötet. Vin legte ihm eine Hand daran, aber eigentlich sagte ihm auch schon der erhitzte Körper, dass sein Kleiner Fieber haben musste. "Du bist krank. Tut dir was weh?"

Raja war von der Stimme überrascht. Dieses dunkle, warme Brummen war auch neu. Es berührte etwas in ihm, im Bauch. Der Klang allein brachte ihn schon zum Lächeln. Dennoch stemmte er sich noch mehr gegen ihn.

"Ich muss... lass mich los." Seine eigene Stimme war nur ein heiseres Flüstern. Er hatte sich offensichtlich eine Halsentzündung zugezogen.

Überrascht von der Vehemenz, mit der sich Raja gegen ihn sträubte, ließ Vin ihn los. Als sein Kleiner jedoch aufsprang, als würde er gejagt, und dann taumelte, hechtete auch Vin aus dem Bett, um ihn gleich aufzufangen. Beinahe hätte er selber das Gleichgewicht verloren, so sehr irritierten ihn seine neuen Glieder, aber es gelang ihm, stehen zu bleiben und Raja festzuhalten. Zufrieden stellte er fest, dass er endlich größer war, aber vergaß es gleich wieder. Er angelte nach dem Laken vom Bett und wickelte Raja darin ein.

"Du bist krank", wiederholte er noch einmal energischer. "Du musst dich schonen!" Er brachte ihn bis zum Bad und wäre am liebsten mit hinein gegangen, nur um sicher zu gehen, dass Raja nicht fiel, aber es würde seinen Schatz wohl nur aufregen.

Sauer rief Raja aus dem Bad raus: "Ich kann allein gehen, verdammt!"

Vins Art, ihn einfach zu packen, hatte ihn erschreckt. Der Caley hatte es nur gut gemeint, aber es hatte Raja erneut daran denken lassen, dass er ihn vielleicht auch einmal nicht im Guten packen konnte. Misstrauisch öffnete er die Tür vom Bad wieder, weil er sich Kleidung hinein nehmen wollte.

"Ich dusche", verkündete er mieser Laune in Richtung Vin. Diese Halsschmerzen zusammen mit seiner Unsicherheit waren wirklich die Hölle.

Verwirrt sah Vin in das wütende Gesicht seines Schatzes. Warum benahm er sich so seltsam? War es... weil Vin ihn nicht beschützt hatte, obwohl er es ihm versprochen hatte? Er sackte ein wenig in sich zusammen und erwiderte unglücklich Rajas Blick. "Es tut mir leid. Ich passe in Zukunft besser auf. Die Wandlung wird nun nicht mehr so lange dauern."

Raja stockte auf dem Weg zum Bad. Noch immer gereizt raffte er das Laken um sich. "Worauf willst du aufpassen? Noch mehr auf mich? Bitte lass es. Ich komm mir wie ein dummes Kleinkind vor, das nicht allein laufen darf. Es war ein Unfall. Niemand ist daran schuld." Schon wieder traten Tränen in seine Augen, und er wandte sich hastig ab. "Du sowieso nicht", flüsterte er rau hinterher.

Vin konnte nicht anders, als zu ihm zu laufen, ihm die Hände auf die Oberarme zu legen und ihn zaghaft mit den Daumen zu streicheln. Er wollte ihn an sich ziehen, in die Arme schließen und ihn trösten, aber er traute sich nicht.

"Was hast du denn dann?", fragte er leise. "Bevor du in den Fluss gestürzt bist, warst du doch glücklich mit mir. Was kann ich tun, damit du dich besser fühlst?"

"Du kannst mir mehr Freiraum lassen." Raja war stehen geblieben. Es tat ihm gut, dass Vin ihn berührte und streichelte, aber zugleich fühlte er sich merkwürdig eingeengt und abhängig. Unsicher überlegte er, ob Vin das verstehen würde, doch dann seufzte er und ging in das Bad. Leise fragte er: "Wäscht du mir den Rücken?"

"Gerne." Es war offensichtlich wirklich nur eine kleinere Form der Anpassungsstörung, was Vin erleichterte. Er folgte seinem Schatz und grinste sich dann erst mal im Spiegel an. Sein Haar hatte sich deutlich aufgestellt, aber war noch nicht ganz die Mähne eines Meta. Eine Weile betrachtete er sich und sein neues Gesicht, dann sah er an sich hinab, wo an seinem breiteren, jedoch ausgemergelten Körper die Zeichnungen nun deutlicher zu sehen waren.

Dann wandte er sich jedoch wieder zu Raja um und stieg zu ihm in die Dusche. Er brauchte selber dringend eine, seine Kopfhaut juckte, und er hatte sich nicht von Raja trennen können, so dass er noch den Reiseschmutz an sich trug.

"Es ist doch nur während der Wandlung so arg dicht. Natürlich berühre ich dich gerne, ich halte dich gerne, liebe es, dich zu küssen", erklärte er, während er großzügig von der Seife nahm und dann Rajas Rücken vorsichtig um die Schrammen und blauen Flecken herum einzureiben begann. "Und ich werde es immer lieben. Aber wenn die Wandlung vorbei ist, gibt es auch mehr... Raum." Selbst wenn sie sich dafür innig berühren mussten, worauf Vin sich schon freute.

"Gut." Der neue Vin, der sich allmählich zu zeigen begann, machte Raja vor allen Dingen wegen seiner eigenen Gefühle für ihn Angst. Raja fühlte sich, sobald er Vin nicht mehr wenigstens ansehen, besser noch berühren konnte, abhängig, klein, unsicher und fehl am Platz. Wenn Vin bei ihm war, verschwanden diese Gefühle, aber die Erinnerung daran blieb ihm erhalten. Zugleich erregte es ihn, wenn Vin ihn streichelte, hielt oder nur mit ihm sprach. Gerade diese dunkle Stimme brachte ein Kribbeln in seinen Bauch.

Er half Vin, die nur so von ihm fliegenden Hautschuppen mit reichlich Wasser und Seife aus den Haaren zu waschen und bewunderte die deutliche Zeichnung, die sich in breiten Zungen von Vins Rippen aus zum Bauch hinzog. Die Zeichen waren leicht erhaben und tasteten sich sogar ein wenig rau, lebendig, leicht bebend, wenn Raja sie berührte.

Bei ihm selber zogen sich diese Zeichen wie Zungen vom Bauch in umgekehrter Richtung zu den Rippen hin, wo sie sich in zierlichen Spitzen verloren. Raja wusste auch so, dass sie sich zu einem Gesamtbild ergänzen würden, wenn Vin und er das wollten. Dies ging nur noch im Liegen, Vin war durch die Sorge bedingt über ihn hinaus gewachsen. Es war fast niedlich, wie Vin scheinbar nur aus Knien und Ellbogen bestehend umher tapste und sich erst einmal an die neue Größe gewöhnen musste.

Ihre Gastgeber brachten die Kleidung der Meta für Vin und ein warmes Hemd und eine lange Hose für Raja, sowie ein Halstuch mit aufgestickten Bergziegen. Vin wollte Raja wieder zum Bett schleifen, um ihn unter Decken und sich selber zu begraben, aber Raja stieß ihn von sich und ging über diese Gluckenart wütend raus, um sich umzusehen. "So krank bin ich nicht!"

Um einen kleinen Platz mit rundem Bade- und Gemeinschaftshaus herum standen nur wenige Steinhäuser. Sie alle waren mit dunkelroter Farbe gestrichen, die weithin leuchtete und mit reichlich Gold und Edelsteinen geschmückt. Puppen konnte Raja nicht sehen, nur ältere Meta lebten hier in Paaren. Raja erfuhr auf seine Fragen hin, dass es hier keine Menschen gab.

Ihre Gastgeber betrieben am Fluss eine Mühle, mit deren Hilfe sie Stämme in Bretter zerteilten. Die anderen Meta stellten Möbel und Gebrauchsgegenstände aus Holz sowie die kräftige rote Farbe aus Baumrinden her. Es gab ein wenig Vieh, und die allgegenwärtigen Obst- und Gemüsegärten schmiegten sich in die Winkel, die der Berg noch ließ. Offensichtlich kamen genügend Händler bei ihnen durch, um alles, was sie sonst brauchten, mit ihnen zu tauschen.

Der schwarzhaarige Meta, der Raja gerettet hatte, erklärte ihm, dass sie das Holz aus dem Hochwald der Berge holten. Immer im Herbst zogen sie los, um die geeigneten Stämme mit dem Fluss ins Tal zu schwemmen. "Wir haben diese Sperre für die Stämme gebaut, aber ich bin so froh, dass du dich darin verfangen hast, Kleiner. Es wäre nicht einfach für Vin geworden, seine Puppe ohne dich zu erziehen."

Raja hob den Kopf und blinzelte. "Aber er kann es aushalten? Er kann ohne mich leben, aber ich nicht ohne ihn?!"

Verwundert legte der Meta den Kopf schief und nickte dann. "Ja, aber welcher Meta wollte schon immer allein sein?"

"Ich will ganz gewiss nicht ohne dich leben." Vin hatte einen kurzen Halt in der Küche eingelegt, um sich ein dickes Brot und ein großes Stück Käse zu holen. Er war dauerhungrig, der Wachstumsschub hatte seine Reserven aufgebraucht. Unglücklicherweise gehorchte ihm sein gewachsener Körper auch noch nicht so, wie er es gerne wollte. Allein auf dem kurzen Weg hatte er sich zweimal die Knie und noch öfter die Ellbogen angestoßen.

Raja zog die Brauen zusammen. "Sei vorsichtiger, Vin!", schalt er schwach. Es tat ihm jedes Mal selber weh, wenn sein Gefährte sich verletzte.

Ihr Gastgeber schlug ihnen vor, dass sie wenigstens noch eine Nacht bleiben sollten. "Eigentlich müsste morgen ein Händler vorbeikommen, mit dem ihr zur Stadt zwischen den Inseln wandern könnt."

Raja sah unsicher zu Vin und stimmte dann zu. "Wir sind dort verabredet mit unserer Gruppe. Ich will nicht, dass sie so lang warten müssen."

Der Meta ging zurück an seine Arbeit, und Raja ließ sich neben Vin auf der Bank in der Sonne nieder. Er fühlte sich nicht sonderlich gut, seine Hände waren aufgescheuert, seine Glieder taten alle weh, und sein Hals brannte, aber er wollte nicht aufhören zu wandern. Er wollte weiter, um nicht so viel nachdenken zu müssen. "Vin? Wie werden wir leben?"

"Wir reisen zu meinem Vater Tem und seinem Gefährten Holy, dort werden wir zusammen wohnen, ich werde die Larve zur Welt bringen. Sie wird sich in eine wunderschöne Puppe verwandeln, die wir großziehen werden. Dann machen wir uns auf die Reise über Caley, um ihren Gefährten zu finden", erklärte Vin und schob sein Bein ein wenig näher an Raja, bis sich ihre Knie berührten.

"Ah." So einfach war es also. Es gab keine Karriereplanung, keine Schulfragen, keine Frage, welches der vielen angebotenen Stipendien ihn am weitesten bringen würde. Tonlos hörte Raja sich mit einem Mal sagen: "Ich wollte etwas tun, das nützlich ist, etwas, das gebraucht wird von anderen. Meinst du, ich kann das dort? Was wirst du sein? Ist dein Vater Gärtner? Fischer? Handwerker?"

Da Gara Schneider war, schien auch Lio dafür eine Liebe und ein Geschick entwickelt zu haben. Jedenfalls konnte der Kleine schon genauso schnell nähen und sticken wie sein Vater.

Vin legte ihm eine Hand in den Nacken und kraulte ihn liebevoll. Sein Kleiner klang schon wieder so erschreckend traurig. "Mein Vater ist Korbmacher, und mir macht das auch Spaß. Du magst das Meer so gerne. Vielleicht kannst du Fischer werden? Oder Perlentaucher? Meinst du, das würde dir Freude bereiten?"

"Ich mag Fische nicht töten." Raja senkte den Kopf ein wenig, weil es schön war, wie Vin ihn streichelte. "Ich beobachte sie gern, und ich würde gern mehr über die Fische von Caley erfahren, aber Forscher ist kein Beruf für Caley, oder?"

Vin schüttelte den Kopf und grübelte nach, dann erhellte sich sein Gesicht. "Aber vielleicht kannst du für jemand anderen arbeiten. Der Mensch mit den schrecklichen Anpassungsstörungen, Ced, der auf meiner Heimatinsel lebt, macht Fotografien für Bücher, die andere Menschen lesen. Vielleicht kannst du das auch machen."

Raja blinzelte. "Ja, das wäre schön." Bücher. Mit einem Mal wollte er, dass sie bald weiter wanderten.

Erleichtert lächelte Vin, legte den Arm um seinen Schatz und zog ihn an sich, um ihm einen Kuss zu geben. Ohne ihn loszulassen, lehnte er sich gemütlich zurück und hielt das Gesicht mit geschlossenen Augen in die Sonne. Wie alt war der kleine Stur gewesen, die Puppe von Devi und Ced? Vin hoffte, dass die beiden nicht bereits Sturs Wanderung aufgebrochen waren, ehe sie die Insel erreichten.


Kaan zupfte sein rotes, ärmelloses Hemd zurecht, atmete einmal tief durch und lachte sich innerlich ein wenig für seine Nervosität aus. Er stand vor der Tür zu dem kleineren Gästehaus von Schatzkiste, das farbenfroh mit Edelsteinen verziert war und jeden Juwelenhändler vor Begierde erblassen lassen würde. Doch ihn kümmerten die Steine kaum. Man hatte ihm gesagt, dass sich dort die kleine Familie befand, mit der Vin und Raja gereist waren.

Hinter Dhanu betrat er das Haus und wurde trotz seiner Aufregung erst einmal abgelenkt. Die Caley hatten das Kunststück vollbracht, all die kostbaren Verzierungen, die Wände und Möbel schmückten, einfach nur farbenfroh wirken zu lassen, ohne dass der große Essraum ungemütlich wirkte. Durch eine Stufe abgehoben schloss sich wie üblich die Küche an. Die Bänke waren mit weichen Kissen gepolstert, es duftete nach gutem Essen wie beinahe überall, und es herrschte das selbe Stimmengewirr.

Kaan lächelte und ließ seinen Blick schweifen. Unvermittelt machte sein Herz einen Satz, als er eine Familie entdeckte, auf die seine Beschreibung zutraf. Ein schwarzhaariger und ein blonder Meta, der sich gerade zu seinem Gefährten beugte, um ihm grinsend etwas ins Ohr zu sagen, und zwischen die beiden gekuschelt eine hübsche, blonde Puppe.

"Da, schau! Das müssen sie sein!" Ohne auf Dhanu zu warten eilte Kaan durch die Sitzgruppen zu der Familie hin. "Gara? Mel? Lio?"

Neugierig sah Lio sich die Menschen an, während die beiden Männer ihnen erzählten, dass sie Raja folgten, weil der Kleinere tatsächlich sein Vater war. Aufgeregt rief er nun: "Und Raja wollte nicht glaube, dass ein Vater alles tun wird, um den Sohn zu finden! Er wird sich so sehr freuen, wenn er und Vin ankommen! Oder wollt ihr ihm entgegen gehen?"

Dhanu sah zu Kaan rüber. "Willst du?"

Kaan hatte den Abstieg vom Bergdorf noch schlimmer gefunden als den Aufstieg, wenn es jedenfalls nach dem Gejammer ging, das Dhanu sich hatte anhören müssen. Er lachte innerlich immer noch, wie froh Kaan über die Aussicht gewesen war, erst einmal nicht weiter wandern zu müssen. Vor allen Dingen nicht wieder bergauf, wie es auf der anderen Insel der Falterformation sehr sicher der Fall sein würde.

Kaan grinste über das amüsierte Funkeln in Dhanus Augen. Er konnte sich denken, was gerade durch den Kopf seines Schatzes ging.

"Wenn du mich noch erträgst", neckte er, "würde ich ihm gerne entgegen gehen." Dann fügte er ernster hinzu: "Ich mache mir immer noch Sorgen um ihn." Er wandte sich wieder den beiden Meta und Lio zu. "Ich bin euch unendlich dankbar dafür, dass ihr euch um ihn gekümmert habt."

"Wir lassen doch keine Puppe allein, die Hilfe braucht", brummte Mel.

"Dann gehen wir ihm morgen einfach ein Stück entgegen. Immerhin gibt es nur den einen Weg, und wir können ihn und Vin dann zu euch bringen", schlug Dhanu den Meta vor. "Er und Vin sind Gefährten, nicht wahr? Wie hat er es denn aufgenommen?", fragte er an Kaans Stelle.

"Friedlicher als viele Menschen. Er hat zwar auch ein wenig Anpassungsstörungen und versucht sich hin und wieder noch dagegen zu wehren; aber das ist nur aus Prinzip. Nur war er von Anfang an irgendwie... seltsam abweisend, er fand es unangenehm, gedrückt und geküsst zu werden." Mel zuckte mit den Schultern und lächelte dann. "Vin bekommt das schon hin."

Kaan legte den Kopf schief und blickte den Meta an. Er schien verdammt zuversichtlich, und so, wie Kaan die Caley kennengelernt hatte, hatte er auch allen Grund dazu. Früher oder später schien jeder Erwählte es so zu sehen, dass er das größte Glück gefunden hatte.

Kaan hoffte inständig, dass Raja dazu gehörte. Er gönnte es ihm von Herzen. "Ist alles in Ordnung mit ihm? Der Crash war doch ziemlich heftig. Die Kapsel stand auf dem Kopf."

Mel antwortete ihm geduldig, und bald waren die Meta samt ihrer Puppe dabei, von der Reise zu erzählen, seit sie Raja gefunden hatten und ebenso von davor, seit Vin zu ihnen gestoßen war. Die Unterhaltung zog sich bis tief in die Nacht, und auch wenn Kaan müde und erschöpft war, fühlte er sich doch besser und entspannter als in all der Zeit seit der Notlandung auf Caley. Schließlich trennten er und Dhanu sich von der freundlichen Familie, um schlafen zu gehen.

"Lio hat gesagt, Raja hätte nicht geglaubt, dass ich ihn suche", sagte er nachdenklich, als sie die Treppen zur obersten Etage des großen Gästehauses emporstiegen. "Ich wünschte wirklich, ich hätte früher von ihm gewusst. Sag, muss er jetzt hier bleiben? Gibt es Meta, die Caley verlassen?"

"Ich habe noch nie einen Meta außerhalb getroffen, der nicht auf dem Rückweg war, samt Gefährten." Dhanu hatte den Abend über nachgedacht, ob er Kaan von dem Haus erzählen sollte, das er auf der sehr kleinen nächsten Insel einmal gebaut hatte, als er längere Zeit hatte verschwinden müssen. Sicherlich lebten schon etliche Caley darin, aber sie würden ihm ohne Nachfrage ein Zimmer und das Wohnrecht lassen, wenn er ihnen sagte, dass er es gebaut hatte. Die Caley waren da sehr unkompliziert. Dhanu verschob die Sache auf den Tag, an dem sie zu dem Haus gehen und es ansehen konnten.

Kaan seufzte, aber lächelte dann. "Nun, immerhin wird es ihm gut gehen. Da muss ich eben öfter mal Urlaub auf Caley machen. Das ist ja auch nicht das schlechteste." Er schob einen Arm um Dhanus Taille und fügte nüchterner hinzu: "Vorausgesetzt, irgendein Arzt kann mir bestätigen, dass ich nicht auf Caley reagiere. Nicht, dass ich plötzlich einen Meta am Hals habe und du mir abhanden kommst."

"So ein Arzt lebt in der Nähe vom Raumhafen, wenn die Erzählungen stimmen. Dort können wir gern vorbeigehen, wenn wir Raja bei seiner neuen Caleyfamilie abgeliefert haben. Ich kann dir jetzt schon vorhersagen, dass er sich gerade in der ersten Zeit nicht viel mit dir befassen kann. Solange Vin noch wandelt, kann er ihn ohnehin nur sehr kurz loslassen, und ganz offensichtlich hat er seinen Frieden mit dem nötigen Sex noch nicht geschlossen." Dhanu drückte Kaan an sich. "Eben doch nicht 'Wie der Vater so der Sohn'. Du würdest dem Caley, der dich verschleppt, in die Arme schmelzen, nicht wahr?"

"Ich will keinen Caley mehr, der mich verschleppt", sagte Kaan sehr entschieden und reckte sich ein Stück, um Dhanu auf die Wange zu küssen. "Ich will dich."


© by Jainoh & Pandorah