Die Alten Geister

7.

Doch da er sah, dass er allein war, trat er an die Regale und Körbe heran, um zum einen seinem Prinzen noch ein wenig Zeit für sich zu lassen und zum anderen, um seine Neugierde zu befriedigen. So viele exotische und einfach rätselhaft aussehende Dinge waren ausgestellt. Tsusu wagte sich weiter vor, nachdem er eine Spinnwebkugel zum Erglühen gebracht hatte. Im hinteren Teil des Ladens, gleich neben einem Vorführtisch, lagen die herrlichsten Stoffe.

'Schwarz, ich wollte nur noch schwarz und grau tragen wie die Haare und Augen der Stillen', erinnerte er sich an seinen Schwur, während er über einen sehr fest und starr erscheinenden Stoff strich.

Shen hörte durch die nur von Vorhängen getrennten Räume leise Schritte in seinem Laden. Offensichtlich hatte sich einer seiner Gäste dorthin verlaufen. Er bedeutete Rho, sitzen zu bleiben und stand auf, um nachzusehen, ob er helfen konnte. Lautlos schob er den Vorhang zum Verkaufsraum beiseite, doch anstatt einzutreten, betrachtete er nur die Szene, die sich ihm bot.

Es war Tsusu, gekleidet in die häufigste Farbe der Stillen, was sein Haar zum Leuchten brachte. Im Schein der Spinnwebkugel schimmerte es bei jeder Bewegung lebendig wie Feuer. Mehr noch faszinierte Shen jedoch der Ausdruck in dem spitzen Gesichtchen, die vor Staunen geweiteten flammfarbenen Katzenaugen und das überraschte Lächeln, das seine Lippen umspielte. Wenn er seinen mageren Körper versteckte, war Tsusu beinahe hübsch zu nennen.

Vorsichtig streckte Tsusu seine zierlichen Finger nach einem mit abstrakten Symbolen verzierten Stab aus dunklem Holz aus, bei dem verschieden helle Sandsteine Akzente setzten.

"Es ist ein Sprecherstab", erklärte Shen ungefragt und wunderte sich nicht, dass Tsusu zusammenzuckte und zu ihm herumfuhr, als sei er bei etwas Verbotenem ertappt worden. Er trat zu ihm und nahm den Stab hinab, um ihn dem kleinen Mann zu reichen. "Er wird im Dorfrat der Stillen verwendet. Es darf nur reden, wer ihn hält."

Tsusu lächelte. "Das passt zu den Stillen." Rasch trat er dichter zu dem anderen Mann und sah zu ihm auf. "Ich habe mich verlaufen und bin dann neugierig geworden."

"Hm." Es verwunderte Shen, dass Tsusu plötzlich so offen war, nachdem er sich in der Stille auch vor ihm beinahe zu Tode gefürchtet hatte. Das freundliche Lächeln brachte ihn für einen Moment regelrecht aus dem Gleichgewicht.

"Wenn dir etwas von dem Schmuck oder ein Kleidungsstück gefällt, kannst du es für die Audienz übermorgen ausleihen", sagte er schließlich. "Hast du Hunger?"

"Mein Herr muss sich stärken." Tsusu wandte sich ab, um auf den Vorhang zuzugehen. "Hier geht es zur Küche, nicht? Ist es mir erlaubt, das Essen für mich und meinen Herrn mit zum Zimmer zu nehme?"

Shen ging voraus, um Tsusu den Vorhang beiseite zu halten und ihn in die Küche zu führen. Dort holte er ein Tablett hervor und füllte zwei Teller mit Eintopf, von dem bestimmt die Hälfte übrig bleiben würde, dann stellte er große Teebecher dazu. "Du solltest mehr essen, du bist mager. Mich wundert, dass du überhaupt hast Schritt halten können."

Tsusu spürte, wie seine Wangen sich erhitzten. "Ich bin Schmuckgeliebter und nicht Wanderer." Hastig wandte er sich ab. Er hob das Tablett vorsichtig an, aber musste es wieder abstellen. "Ich kann keine zwei so vollen Schüsseln tragen." Entschlossen stellte er eine Schale zurück auf den Esstisch und nahm dafür den leichteren Brotkorb. "Ich komme noch einmal wieder. Danke", meinte er und ging mit schnellem Schritt über die Treppe zu ihrem Gästezimmer zurück.

Shen hob erstaunt die Brauen, als er ihm hinterher sah. Ihm waren die Teller zu schwer? Kein Wunder, dass er Schmuck geworden war. Zu was war er sonst zu gebrauchen? Niemals hätte Tsusu sein Leben allein bestreiten können. Mit einem kleinen Kopfschütteln verließ er die Küche, um sich wieder zu Rho zu gesellen.

 

Tsusu kostete den Eintopf vorsichtshalber, bevor er Yami die Schüssel hinstellte und sich auf ein Kissen vor ihm niederließ, um hin und wieder sein Brot einzutunken. "Iss, du brauchst deine Kräfte, Yami." Aufmerksam betrachtete er das müde Gesicht. Unter den dunkelblauen Augen waren tiefe Ringe zu sehen. "Und dann schlafen wir in einem richtigen Bett, mit Blätterrauschen, und wir werden mit Vogelgesang erwachen, ja?"

Yami lächelte. "Ich habe mir gewünscht, dass sie dich nicht entführt hätten, aber ich bin froh, dass du bei mir bist. Hoffentlich lassen sie uns wenigstens für den Rückweg im Licht reisen."

Er kostete von dem Eintopf und fand, dass er besser schmeckte als der trockene Proviant. Wer auch immer für den Händler kochte, verstand sein Handwerk besser als Shen. Viel konnte er allerdings nicht essen, er war zu müde.

"Zum Glück lassen sie uns morgen noch einen Tag Ruhe, ehe sie uns an den Hof schleifen." Er stand auf und streckte sich, dann streifte er die leichte Tunika ab und sah seinen Geliebten an, dessen Haar zwar sauber, aber immer noch ziemlich zerzaust war. "Dann kannst du dich auch einmal um dich kümmern und nicht immer nur um deinen verwöhnten Prinzen, der viel zu unaufmerksam zu dir war", sagte er leise und hockte bei ihm nieder, um ihn in die Arme zu schließen. "Morgen werde ich dein Haar kämmen."

Für Yami war dies beinahe intimer, als Tsusu zu lieben. Öffentliche Zärtlichkeiten und Sex erwartete man zwischen dem Prinzen und seinem Schmuck, aber das gehörte sich nicht. Sein Herz klopfte schneller, und er ließ eine der schweren Strähnen durch seine Hand gleiten.

"Ich wünschte, ich könnte dir deine Treue besser entgelten", flüsterte er.

"Du gibst mir mehr zurück als du glaubst, Yami", murmelte Tsusu träge, aber nahm sich vor, sobald der Prinz schlief, noch einmal zum Händler zu gehen und um Haaröl zu bitten, damit der Prinz ihm am Morgen nur durch seidiges glattes Haar kämmen musste, das kein Ärgernis für ihn werden konnte. "Schlaf jetzt. Ich bringe das Tablett rasch wieder in die Küche."

Yami nahm sich vor, auf Tsusu zu warten. Aber kaum hatte er sich auf die Lagerstatt gelegt und das leichte Tuch über sich gezogen, als er auch schon einschlief.

Tsusu brachte das Tablett mit den leeren Bechern und der noch fast zur Hälfte gefüllten Schale in die Küche zurück und lauschte auf die Stimmen der Entführer. Prinz Rho verabschiedete sich gerade zur Nacht. Nervös trat er an den Durchgang, hinter dem er einen Wohnraum vermutete. Es war ihm peinlich zu fragen, aber er musste es versuchen. "Hallo?"

Shen sah zum Vorhang hin und fragte sich, was der nutzlose Schmuck wohl dieses Mal wollte. Vermutlich irgendwelche ebenso nutzlosen Dinge zur Schönheitspflege. "Komm rein. Hat es geschmeckt?"

Tsusu schob den Vorhang mit einer Hand zur Seite. Der Händler hatte es sich auf einigen Kissen bequem gemacht, seine Haare fielen von Nässe schwarzglänzend auf die Schultern und Tsusu war froh, dass er ihn nicht beim Baden gestört hatte.

"Ja, du hast einen guten Koch." Unsicher huschte sein Blick über die gemütliche Einrichtung des Wohnraums. Der Mann war offensichtlich einer der reichen Händler, die es eigentlich nicht nötig hatten, auf einem Markt im Palast Werbung für ihren Laden zu machen. "Ich habe das Geschirr auf dem Tisch gelassen."

Shen nickte und wartete einen Moment, denn es war offensichtlich, dass Tsusu nicht aus dem Grund gekommen war, ihm das zu sagen. Doch der Schmuck schwieg und starrte verlegen auf den Boden.

"Fehlt noch etwas?", fragte Shen schließlich geduldig.

Tsusu verwand die Finger. Unsicher betrachtete er den schönen, mit Teppichen in weichen Farben ausgelegten Boden. "Ich bräuchte Öl, um meine Haare kämmen zu können und..." Er blinzelte und unterbrach sich hastig. "Gibt es das hier?"

Shen fühlte sich bestätigt, aber ließ es sich nicht anmerken. Mit einem Nicken stand er auf. Er brachte Tsusu in seinen Lagerraum und machte Licht, dann führte er ihn vor ein Regal. Von einem der obersten Bretter hob er einen Korb herunter und stellte ihn auf dem Boden ab. Den Deckel abnehmend ließ er den Blick über die Vielzahl an Fläschchen und Tiegelchen gleiten. Sicher wählte er einen hübschen Flakon aus und hielt ihn Tsusu hin. "Himmelsschlüssel, magst du den Duft? Ist sehr beliebt hier in der Krone. Was brauchst du noch?"

"Der Duft ist schön." Tsusu stöpselte den Flakon vorsichtig wieder zu, nachdem er einmal daran geschnuppert hatte. "Dürfte ich meine Haare hier unten irgendwo kämmen? Ich will nicht, dass der Prinz es sieht. Er wollte mich morgen kämmen und dann dürfen die Haare auf gar keinen Fall so verfilzt sein, wie sie jetzt sind." Tsusu wagte es nicht, Shens Blick zu begegnen, sondern war dichter an das Regal heran getreten und zupfte an dicken, gehäkelten Haarbändern, die aus einem der Körbe quollen.

Shen starrte auf den schmalen Rücken und dachte bei sich, dass er die Lichten wohl nie gänzlich verstehen würde. "Nimm dir von den Bändern. Du kannst zu mir in den Wohnraum kommen."

Er wartete, bis Tsusu gewählt hatte und führte ihn dann wieder zurück, wo er ihm einen Platz auf den weichen Polstern anbot. Schweigend stellte er noch einen Becher hin und füllte ihn mit Tee, ehe er sich selbst setzte.

"Danke." Tsusu schämte sich seiner Haar noch immer ein wenig, weswegen er sich mit dem Gesicht in Richtung des Fensters drehte. Die Sterne sahen beinahe so aus wie bei ihm Zuhause. Ohne ihren sanften Schimmer hatte er sich besonders einsam gefühlt in der Dunkelheit. Während er die Haare im Nacken mit Öl und vorsichtigem Kämmen entwirrte, vergaß er beinahe, wo er war.

Sinnend dachte er über die beiden aus der Sternkrone nach. Aus den Entführern waren immerhin in den letzten Tagen zwei Männer geworden, die ihre Krone retten wollten. Yami hatte sofort gespürt, wie krank die Krone war und auch Tsusu hatte bemerkt, dass viele der Wege in der Stille nicht mehr so fest und sicher waren wie zu Beginn ihrer Wanderung.

Tsusu nahm ihnen nicht übel, dass sie der Krone helfen wollten, so gut sie konnten, und er war fast dankbar, dass es ihm gestattet war, bei Yami zu bleiben. Im Palast wäre er ohne Yamis schützende Hand sicherlich innerhalb weniger Tage der einen oder anderen Intrige zum Opfer gefallen und an eine reiche Familie verheiratet worden. Also hatten sie ihm unbewusst einen Gefallen getan. Er konnte noch ein wenig länger bei seinem Prinzen bleiben, den er anbetete. Darüber glücklich begann er leise zu summen.

Shen beobachtete Tsusu, der sein Haar zu schimmerndem Leben erweckte. Es war faszinierend, wie die prächtige Flut noch leuchtender wurde, als würde ein Stern zur Sonne werden. Irritiert blinzelte Shen über seine eigenen Gedanken, aber verfolgte weiter beinahe abwesend, wie die zarten Hände die Strähnen trennten und entwirrten.

"Warum bist du Schmuck geworden?", fragte er, nachdem er ihnen beiden nachgeschenkt hatte.

Tsusu wandte sich ihm zu und nippte von dem Tee. "Es ist Tradition in meiner Familie. Ich bin, seit ich denken kann, zu nichts anderem erzogen worden. Mein Bruder Amei ist derzeit bei eurem Kronprinzen Io Schmuck." Er nahm den Kamm wieder auf und gab zu: "Ich bin froh, dass ihr mich auch entführt habt. Im Palast hat Yami seine Hand über mich gehalten, aber in Wahrheit war ich schon viel zu lange sein Schmuck. Wie das so ist, sollte ein Schmuck nicht langweilig und immer der gleiche sein bei einem so schönen und noch unverheirateten Prinzen. Er sollte wechseln und nicht bleiben und zu Gerüchten führen."

"Zu lange?" Shen hob ungläubig eine Braue. "Er scheint dich sehr gern zu haben und sich nicht zu langweilen. Und wenn du ihn auch gern hast, warum sollte es zu lange sein?"

Tsusu blinzelte. Er hatte ohnehin nicht derart direkt sein wollen und dann fragte dieser Stille nach? "Der Gerüchte wegen, dass er mich zum Gefährten wünscht." Er schüttelte den Kopf. "Das ist kein erstrebenswertes Ende für diese Beziehung. Yami wird eine Prinzessin aus einer benachbarten Krone zur Frau nehmen, oder durch die Verbindung mit einem Prinzen die Freundschaft zwischen den Kronen sichern, aber nicht mit einem Schmuck. Ich sichere nichts ab, ich bin nur vergängliche Zierde."

Shen trank von seinem Tee und sah nachdenklich in das spitze Gesicht. "Macht dich das glücklich?"

Tsusu kämmte seine Haare ein letztes Mal und fasste sie zu einem dicken Zopf. Er blickte in Richtung des Gästezimmers, wo sein Prinz tief und fest schlief, wie er hoffte. "Ich kümmere mich gern, und es ist sehr schön, dass ich mich um jemanden wie den Prinzen kümmern darf. Ich bin glücklich, sein Vertrauen zu haben."

Tsusu lächelte verschmitzt und erhob sich. "Außerdem weißt du sicherlich, was sie über das Lieben mit einem Heiler sagen, nicht wahr? Gute Nacht."

Rasch lief er aus dem Raum, um seine roten Wangen zu verbergen. Da hatte er fast so etwas getan, wie einem der düsteren Stillen schöne Augen gemacht. 'Verschwendet. Sie sind sauertöpfisch und sie hassen es, wenn man von dieser Art der Liebe spricht.' Sein Gähnen unterdrückend ging Tsusu in das Gästezimmer, um sich entkleidet zu Yami zu legen.

Shen war froh, dass es Tsusu offensichtlich besser ging, nun, da sie die Stille hinter sich gelassen hatten, aber begreifen konnte er den Mann nicht. Er streckte sich, dann stand er auf, um ebenfalls zu Bett zu gehen. Doch als er zu dem Polster kam, auf dem Tsusu gesessen hatte, fielen ihm lange rote Haare auf, die dort verteilt lagen. Er ging in die Hocke und sammelte sie ein, ließ sie gedankenlos durch seine Finger gleiten. Das Öl hatte sie weich gemacht.

War Tsusu wirklich glücklich mit diesem Leben? Ein Schmuckstück, ein Ding zu sein. Wie er gesagt hatte benutzt als hübsche Dekoration, um dann aussortiert zu werden. Zumindest schien es ihn nicht zu stören. Immerhin brachte es ihm die Aufmerksamkeit eines Prinzen ein, dessen Reichtum und sein Ansehen. Das schlechteste Leben war es bestimmt nicht.

Shen sah auf die Haare in seiner Hand und ließ sie fallen, ehe er gähnend aufstand. Es hatte keinen Sinn, sich über Schmuckgeliebte Gedanken zu machen. Sie gefielen, und sie mochten es zu gefallen. Es war nicht seine Welt.

Wehmütig schlich sich die Erinnerung an seinen Geliebten zu ihm, den die Welt der Stille das Leben gekostet hatte, weil dort die lichte Art der Liebe nicht geduldet wurde. Es war ein Unfall gewesen, aber dennoch durch die Ablehnung ihres Dorfes hervorgerufen.

Das Vermissen, das Shen überfiel, war ebenso überraschend wie heftig. Er schüttelte den Kopf, um es zu vertreiben. Es war Ewigkeiten her. Energisch straffte er die Schultern und ging in sein Schlafzimmer, doch er lag noch lange wach.

 

Der Morgen im Haus des Händlers verlief sehr friedlich. Tsusu erwachte früh genug, um für Yami wenn nicht schön, so doch zumindest wieder ansehnlich sein zu können. Nachdem er ihm beim Waschen und Anziehen geholfen hatte, ging er in die Küche, wo er auf einen jungen Haushelfer traf, der sich gerade darum kümmerte, frisches Brot aufzuschneiden. Tee dampfte in einer bauchigen Kanne auf einem warmen Stein und Getreidebrei und Honig standen ebenso bereit. Shen musste dem Jungen aufgetragen haben, seinen Gästen Frühstück zu richten, denn einige Teller und Schalen standen bereits auf dem Tablett.

Die kurze Unterhaltung über alltägliche Dinge erinnerte Tsusu wieder einmal daran, dass sie im Licht waren. Glücklich über die Sonnenstrahlen, die auf seine Arme und Schultern fielen und ihn wärmten, als er mit dem Jungen zusammen das Frühstück zu Yami in das Gästezimmer brachte und das leise Lied, das der Junge summte, während er im Hintergrund schon ihre Schlaftücher aufschlug, begann auch Tsusu beim Frühstück schon zu singen. Er trug seinem Schwur entsprechend ein rein schwarzes Oberteil, das jedoch viel seines Bauches zeigte und eine lange Hose, die sehr tief auf der Hüfte erst begann. Durch die Strapazen der Reise hatte er, ohne seine Diät allzu streng einhalten zu müssen, reichlich abgenommen und konnte es sich erlauben, genauso viel zu essen wie sein Prinz. "Heute wird ein guter Tag, Yami. Ich fühle es. Hast du dich erholt? Hast du einen Plan schmieden können?"

Yami zog sich einen Teebecher heran, schnupperte und trank dann einen kleinen Schluck, um festzustellen, dass Tsusu genau die richtige Menge Honig eingerührt hatte. Welch ein Genuss, morgens wieder Tee zu bekommen und kein kaltes, moosiges Wasser! "Nun, wir sind hier, und diese Krone braucht Hilfe. Ich werde tun, was ich kann, es wird ihr zumindest ein wenig mehr Zeit geben, ehe sie ganz stirbt."

Er schauderte. Die Worte klangen endgültig und sollten nicht im Zusammenhang mit einer Krone gesagt werden. Kronen waren für die Ewigkeit bestimmt.

"Wenn sie sehen, dass ich nicht wirklich helfen kann, werden sie uns wieder freilassen und zurückschicken. Ich hoffe nur, sie tun es, bevor ein Krieg begonnen wird. Das ist das letzte, was sie und wir brauchen können. Wenn ich daheim bin, kann ich dem König ausreden, Vergeltungsmaßnahmen zu fordern, da bin ich mir ziemlich sicher." Liebkosend beinahe strich er über die glatte Holzwand, die durch eine leichte bewusst geformte Unregelmäßigkeit den Eindruck erweckte, dass die Struktur Tiere und Pflanzen darstellte. "Sie sind verzweifelt. Und ich kann sie verstehen."


© by Jainoh & Pandorah