Die Alten Geister

Epilog

Rho trug Yami in ihre Wohnung. Sie lag am Rande einer lebhaften Astgabelung mit Märkten an der Grenze zwischen der Krone von Yami und zwei anderen. Ein sicherer Abstieg in die Stille machte, dass hier die Waren der Stillen vermehrt gehandelt wurden, so dass auch Shen und Tsusu nicht selten bei ihnen zu Gast waren.

Der Heiler hatte sich verausgabt und war in Ohnmacht gefallen, um jemanden zu retten. Rho wusste, dass es keinen Sinn hatte, aber dennoch schimpfte er wie ein Waschweib. "Da macht man sich keine Gedanken und kommt ein wenig früher heim von der Jagd mit Shen und dann finde ich dich so vor! Ich habe dir so schöne Geschenke mitgebracht von der Reise und ich hatte eigentlich vor, den Tag mit dir zu feiern!"

Er legte Yami auf dem prächtigen Schlaflager ab und ließ von einer Dienerin das Bad richten, während er seinem Gefährten etwas Tee einflößte. "So." Rho küsste Yami auf den Mund. "Schön dich zu sehen, mein Schatz."

Yami lachte leise, weil er wusste, dass sich Rho nur so aufregte, weil er sich sorgte. Und er sorgte sich so sehr, weil er ihn liebte.

"Wenn ich gewusst hätte, dass du ausgerechnet heute kommst, hätte ich mir Kleidung angezogen, die dahinfließt, wenn ich in Ohnmacht falle", neckte er ihn. "Damit ich hübsch für dich aussehe. Aber auch wenn du schimpfst, bin ich froh, dass du wieder zurück bist."

"Und das war offenbar auch nötig. Du hast heute Ruhetag. Auch wenn diese aussaugenden rücksichtslosen Leute dir noch mal so viel die Ohren voll weinen. Du hast den Ruhetag verdient und du hast ihn auch nötig, verdammt noch mal!" Rho küsste Yami auf die Nasenspitze. "Ich gehe erst einmal baden, dann zeige ich dir bei einem ordentlichen Abendessen, was ich mit Shen aus der Stille mitgebracht habe, ja? Ruhe dich so lange noch aus."

Damit streckte er sich, bevor er sich von den dreckigen Kleidern befreite, um mit einem Handtuch um die Hüften in den Baderaum zu gehen. Er entließ die viel zu zahlreichen Diener für den Tag und orderte sie, am anderen Morgen später zu kommen, damit Yami und er Ruhe hatten. Endlich versenkte er sich in der runden Steinwanne. Sie war ein Geschenk von Io, das sicherlich Unsummen wert war.

Yami war nicht ganz so erschöpft, wie Rho dachte. Es hatte Komplikationen gegeben, und er hatte deswegen einen Teil der Schmerzen auf sich genommen, die eigentlich sein Patient gefühlt hatte. Das war es, was ihn so erschüttert hatte. Und Ruhetag oder nicht, es gab Dinge, die konnten nicht warten.

Mit einem leckeren Grassaft erfrischte er sich und wurde wieder wacher. Dann bürstete er sein Haar, zog eine knappe zartblaue Weste an, die Rho besonders gut gefiel, und durchscheinende Hosen, die im Schritt gerade so dicht wurden, dass man nichts erkennen konnte und die beim Laufen wie Nebel um die Beine wehten.

Statt aber auf seinen Schatz zu warten, folgte er ihm in den Baderaum. Er hatte ihn vermisst und wollte jetzt nicht von ihm getrennt sein. Der Anblick des nassen, nackten Körpers ließ ihn seufzen, und er zog sich ein Polster zum Rand der Wanne, um sich zu Rho zu setzen. Dann reichte er auch ihm ein Glas Grassaft und begann vorsichtig, Wasser über die grünen Haare zu schöpfen. Als sie nass waren, beugte er sich vor und küsste Rho auf die Stirn. Er wählte eine Seife aus, rieb sie in Rhos Haare und massierte ihm den Kopf – länger als es nötig war, einfach, weil es ihm gefiel und sein Liebster es mochte.

Rho genoss die Zuwendungen schweigend. Nachdem seine Haare gewaschen worden waren, drehte er sich zu Yami um und sah ihn lächelnd an. "Ich bin mir sicher, dass du dich auch noch frisch machen möchtest, nicht wahr, mein Schatz? Komm doch zu mir. Ich passe auf, dass du im Wasser nicht in Ohnmacht fällst."

"Wie kann ich da Nein sagen, wenn du mir deinen Schutz versprichst?" Neckend erwiderte Yami das Lächeln. Rasch zog er sich aus, obwohl er die Kleidung vorher so sehr mit Bedacht gewählt hatte, um Rho zu gefallen. Dann stieg er zu ihm in das angenehm warme Wasser und schmiegte sich an den kräftigen Körper. Verspielt knabberte er an seinem Kinn. "Ah, jetzt riechst du wieder angenehm."

"Und du bist mir wieder nah genug." Rho umfing Yamis zierlichen Körper und zog ihn auf seinen Schoß, um ihn besser küssen zu können. Zugleich begann er, über die Beine zu streicheln und fragte nach einem Weilchen: "Wie müde bist du, Yami? Vielleicht erholt genug für eine kleine Begrüßung?"

Ein erregendes Prickeln brandete in kleinen Wellen durch Yamis Körper, allein von den zarten Liebkosungen her.

"Hellwach und ausgeruht", übertrieb er und schmuste sein Gesicht an Rhos Hals, um nur einen Atemzug später eine Hand zu erobern und sie kritisch zu betrachten. Dann begann er, die Schrammen und Kratzer wegzuküssen. Er heilte gern auf diese Art, allerdings nur bei Rho.

Rho wurde heiß und kalt, als Yami seine Fingerkuppen mit der Zunge umstrich. Er glaubte zunächst an einen Zufall, doch der kleine Seitenblick hinter weißem Haar hervor ließ ihn grinsen. Yami war fast wie eine Schleichkatze auf der Jagd, wenn er Rho erobern wollte. Gleich darauf umfingen Yamis Lippen einen weiteren Finger, die Zunge neckte derart, dass Rho leise seufzte und seinen Geliebten unbewusst dichter zu sich heranzog. Eine seiner Hände umfing die Hüfte, die andere strich den schon wieder ein wenig zu knochigen Rücken hinauf zum Nacken.

Yami gab einen leisen, wohligen Laut von sich; eine wonnige Gänsehaut überzog seinen Körper. Die Nähe und die Zärtlichkeit zwischen ihnen vermisste er jedes Mal sehr, wenn Rho zur Jagd ging oder allein in seine Krone reiste.

"Ich liebe dich", flüsterte er und küsste Rhos Hals. Neckend fuhr er mit der Zunge daran entlang, bis er das Kinn und dann die Lippen erreichte. Hauchzart zeichnete er sie nach, ehe er sich mit einem Lächeln von ihm löste, um ihn dann einfach nur anzusehen und in dem ersehnten Anblick zu schwelgen. Rho mochte nicht der klassischen Schönheit entsprechen, aber seine Züge waren so geliebt und in seinen Augen lag derart viel Gefühl, dass niemand an ihn heranreichte. "Ich bin so froh, dass du mich entführt hast, damals."

Rho lächelte. "Wenn ich dir das dort oder auch später auf der Wanderung vorausgesagt hätte, dann hättest du mich sicherlich mit hochachtungsvollem Schweigen bedacht, mein Liebling." Neckend zupfte er mit den Lippen an Yamis Ohrläppchen, während er seine Finger tastend über den Rücken streicheln ließ. "Und ich hätte wieder einen Schmuck an meiner Seite, der mir nichts bedeuten kann. Ich bin so froh, dass wir uns im Gasthaus ausgesprochen haben. Und ich bin froh, dass deine und meine Krone beide Abgesandte in dieser Astgabelung unterhalten wollten."

Er grinste und versteckte es an der Schulter seines Geliebten. Es war Ios genialer Einfall gewesen, um die Kronen einander näher zu bringen und zugleich natürlich ein militärischer Schachzug, um sein Spinnennetz der Einmischung zu erweitern.

Sie hatten weit mehr als sich nur ausgesprochen, nachdem Yami zum ersten Mal diesen Schleichkatzenblick gezeigt hatte. Rho war sich selbst vorgekommen wie der perfekte Schmuckgeliebte, der von seinem Herrn mit Zärtlichkeiten eingesponnen wurde. Der Nachmittag und die zweite Nacht in dem Gasthaus in der Stille würden immer in seinem Gedächtnis bleiben.

Yami lächelte mit geschlossenen Augen, während er das sanfte Liebkosen des Atems an seiner nackten Haut und die Finger auf seinem Rücken genoss. Als er sich auf Rhos Schoß bewegte und sich näher an ihn heranpresste, spürte er noch mehr, nämlich die beginnende Erregung seines Geliebten. Sein Lächeln vertiefte sich, und er ruckelte sich aufreizend erneut zurecht.

"Wir sollten uns wieder einmal aussprechen, meinst du nicht?", neckte er und küsste Rhos Schulter entlang.

Hier und dort zart an der weichen Haut saugend wich er wieder von Rho zurück, bis er im warmen Wasser treibend ihn nur noch mit Händen und Lippen berührte. Er liebte es, den kräftigen Körper immer wieder aufs Neue zu entdecken, liebte es zu hören, wie Rhos Atem schneller wurde, wenn er mit der Zunge über die Brustwarzen strich, dann sachte daran knabberte. Er liebte es auch, wenn Rhos Griff fester wurde, so wie jetzt, und er ihn besitzergreifend an sich zog.

Das Wasser schwappte und flutete den kleinen Baderaum, aber Rho schloss einfach die Augen, während seine Finger zwischen Yamis Beine strichen und ihr Ziel fanden. Er küsste den Hals seines geliebten Prinzen, dann seinen Mund. Mit einem Lächeln spürte er, dass Yami sich ihm öffnete und seine Finger weiter lenkte, von seinem Schoß fort.

Eigentlich hatte Rho die Ruhe bewahren wollen. Er hatte auch die Augen öffnen und den Anblick von Yami genießen wollen. Yami mit getönten Wangen, nassem Haar und genießerischem Gesichtsausdruck, aber die Einladung wurde zum stillen Befehl, als er zögerte. Er schmiegte sich enger an Yami heran und hob ihn weiter auf seinen Schoß, drehte ihn von sich fort und versteckte sein Gesicht im Nacken zwischen den Haarsträhnen, während er spürte, dass die zarten Finger des Heilers ihm tastend halfen einzudringen.

Leise stöhnte Yami auf. Das Gefühl, eins mit seinem Geliebten zu sein, war viel zu lange vermisst, und es brachte ihm Abstand zu den Leiden der Kranken und Kraft zurück, besser, als jede Ruhe es vermocht hätte. "Rho… Ich brauche dich… brauche dich so sehr…"

Rho ließ zu, dass Yami sich allein bewegte. Er schob seine Hände um die schlanken Hüften und stützte ihn, während um sie her Wasser auf dem polierten Boden verteilt wurde. Rho lehnte den Kopf zurück und hielt die Luft an, weil seine Erregung sich viel zu rasch steigerte. Konzentriert bemühte er sich, Yamis Lust mit den Fingern und durch kleine Küsse und Bisse auf Hals und Schultern gleichfalls zu steigern. Er erlaubte sich den Höhepunkt erst, als sein Geliebter schwer atmend nach dem Wannenrand griff und die Unterlippe mit den Zähnen gefasst den Kopf zurückfallen ließ.

Leise flüsternd schob Rho Yami von sich und wusch ihn unter weiteren Küssen. "Gleich nach dem Abendessen bereite ich dir ein romantisches Geschenk zur Rückkehr, das verspreche ich dir. Eben gerade hat meine Ungeduld mich wieder einmal nicht zu Wort kommen lassen."

"Ich liebe deine Ungeduld", murmelte Yami und kuschelte sich in Rhos Arme. "Aber deswegen musst du mich jetzt auch aus der Wanne tragen. Dafür habe ich gar keine Kraft mehr."

Sie streichelten sich gegenseitig trocken, konnten kaum voneinander lassen, als sie ins Speisezimmer gingen und kuschelten sich nach dem Essen auch gleich wieder zusammen. Es wurde romantisch, so wie Rho es versprochen hatte. Wie jedes Mal, wenn er zurückkehrte. Und Yami liebte ihn dafür nur noch mehr.

~ * ~

Tsusu warf einen kritischen Blick auf die Sonnenstandsanzeige im Fenster, dann klatschte er in die Hände und rief: "In Ordnung, es ist gleich Zeit, nach Hause zu gehen!"

Die Kinder johlten auf und legten ihre Schriftrollen fort, wenig darauf stoben sie in kleinen Gruppen zu den Ästen, um zu spielen. Tsusu sah ihnen nach und räumte dann die restliche Unordnung auf.

Der Schulraum in der Sternkrone lag am kleinen Marktplatz, nur wenig von seiner und Shens Wohnung entfernt. Es war eine Lebensnusstischlerei gewesen, aber nun waren die Räume mit reichlich Polstern und niedrigen Tischen ausgestattet; helle Farben und glitzernder Schmuck aus Federn, Perlen und sogar Steinen mit den Symbolen der Uralten zierten die Wände.

Und es gab zwei große Schränke für die Schriftrollen. Die fremden Zeichen aus der Finsternis wurden hier gelehrt. Tsusu war seit kurzem als neuer Lehrer eingestellt worden und noch immer war er aufgeregt, wenn er sich zu seinen Stunden begab. Er unterrichtete Gesang und die Bedeutung der alten Lieder.

Nachdem Rho und Yami als Helden aus der Finsternis zurückgekehrt waren, hatten sich die Bewohner der Sternkrone nach und nach darauf einlassen können, die alten und fast vergessenen Lehren wieder ernst zu nehmen. Eine Weile hatte sogar Rho an dieser Schule unterrichtet, bis genügend Lehrmeister aus entlegenen Kronen gefunden worden waren.

Es war die einzige Schule der Art und aus diesem Grund waren die Lichten, die hier lernten, aus allen Teilen der Kronen her angereist. Etliche Familien hatten sich überlegt, dass es gut war, dass ein Kind wenn schon nicht Schmuck, so doch wenigstens Gelehrte oder Gelehrter der Geschichte und Gesänge werden konnte. Aus Angst vor den Geistern hielten viele Fürsten und Könige sich nun gern Sänger der alten Sprache an ihren Höfen.

Tsusu hatte Shen ein wenig überreden müssen, aber seit einiger Zeit bewohnten nicht nur sie beide die vielen Zimmer, sie hatten auch stets einige der Schüler untergebracht, die noch zu jung waren, um allein zu wohnen. Jedenfalls war immer sehr viel Trubel im Haus, vor allen Dingen zur Essenszeit. Tsusu vermutete schon heimlich, dass Shen sich, allein um seine Ruhe zu haben, nicht selten einmal auf die Jagd in die Stille begab.

Tsusu trug noch immer nur schwarz. Nun jedoch, um seine Zugehörigkeit zu einem Stillen zu betonen. Er war stolz auf diese Verbindung, die er mit viel Eigensinn in seiner Familie durchgesetzt hatte. An diesem Tag hatte er sich Mühe mit der sehr spärlichen Kleidung gegeben, weil es ein Jahrestag von ihnen war und er Shen einmal wieder für sich erobern wollte.

Sorgfältig schob er den Riegel vor die Sperre zu ihrer Wohnung, damit keine ungebetenen Gäste zu ihnen hineinkommen konnten und schlich sich an Shen heran, der über einigen Rechnungen an seinem Schreibtisch saß. "Hast du mich schon vermisst, mein Schatz?"

Shen lächelte und schob das Tintenfässchen beiseite, damit es nicht umkippte und sich über seine sorgfältig geschriebenen Papiere ergoss. Ohne sich umzudrehen, fing er Tsusus Hände ein, die sich auf seine Schultern gelegt hatten und zog seinen Feuervogel an seinen Rücken, dann küsste er die kleinen Finger. "Du bist auf der Jagd nach Komplimenten, hm?"

Er legte den Kopf in den Nacken und sah in das hübsche Gesicht empor, dessen Wangen voller geworden waren als zu der Zeit, in der sie sich kennengelernt hatten. Insgesamt war Tsusu nicht mehr so mager, und das gefiel Shen ausgesprochen gut. Er lächelte, umfing die beiden zierlichen Gelenke lose mit einer Hand und streckte die andere nach Tsusus Kopf aus, um ihn im Nacken zu streicheln.

Tsusu lächelte. "Bin ich das?" Er befreite seine Hände geschickt, dann schlang er die Arme um Shens Oberkörper und küsste ihn auf den Hals. "Eigentlich war ich auf der Suche nach ein wenig mehr als nur einem Kompliment, Liebling." Er sah aus dem Fenster. "Es ist freie Zeit in der Schule. Die Kinder, die bei uns untergebracht sind, werden morgen alle abgeholt und ich wollte dir nur sagen, dass ich mich freue, einmal mit dir allein zu sein."

"Mmh, das klingt gut." Shen lehnte sich ein wenig zur Seite, drehte den Kopf weiter und küsste Tsusu über den Kiefer, aber die Haltung war ungemütlich. Nach seinem Arm greifend zog er ihn mit einem Ruck auf seinen Schoß und drückte ihn gleich eng an sich.

"Besser", bestimmte er zufrieden und hob dann die Brauen, als er bemerkte, wie knapp Tsusu bekleidet war. "Sehr viel besser..." Neugierig schob er ihn ein Stück von sich und ließ seinen Blick über den schlanken Körper gleiten.

Die schwarze Kleidung ließ überall braune Haut durchblitzen, auf raffinierte Art dennoch alles versteckend, so dass man ihn auspacken wollte, um zu sehen, was darunter verborgen lag. Natürlich kannte Shen jede Stelle seines Geliebten, aber das änderte nichts an seinem Begehren für diesen Mann; es machte im Gegenteil, dass er sich immer wieder davon überzeugen musste, dass alles nach wie vor so schön war, wie er es in Erinnerung hatte.

Tsusu küsste Shen einmal lang auf den Mund, dann ließ er die Hände unter der Weste über die glatte Haut wandern. Nebenbei neckte er die Brustwarzen, aber kam mit einem Lächeln gleich wieder zum Mund zurück, während er sich gegen Shens Hände streckte. Noch immer war die Leidenschaft sofort da, wenn Tsusu und Shen allein waren. Wenn sie mit anderen zusammen waren, hielt Tsusu sich lieber zurück. Es war ihm peinlich, wie heftig er stets auf Shens Berührungen, auf seinen Geruch allein reagierte. Auch jetzt stöhnte er leise auf und schmiegte sich mit geschlossenen Augen an seinen Schatz.

Shen spürte gleich wieder den altbekannten Schauer der Erregung. Er vertiefte den Kuss und streichelte über einen schlanken Oberarm hinweg. Auf dem Weg zur Hand hin nahm er gleich einen Reif ab, um ihn auf den Schreibtisch zu legen und die Haut ohne störenden Schmuck noch einmal zu liebkosen. Wenn Tsusu wollte, war er wie ein kostbares, empfindliches Geschenk, das man Stück für Stück auspacken und dabei vorsichtig sein musste, um es nicht kaputt zu machen. Shen liebte auch das.

Als er jedoch mit den Lippen fort von Tsusus Mund und hin zum Hals wanderte, dort mehr Ketten spürte und seine andere Hand am liebsten frei gehabt hätte, beschloss er, dass der Hocker für alles weitere zu unbequem war. Er schob einen Arm unter Tsusus Kniekehlen, festigte den Griff um seine Schultern und stand mit seiner leichten Last auf. Ihm entfuhr ein leises Aufseufzen, als die Bewegung die geschlitzte Hose zurückfallen ließ und ein Bein entblößte, das dazu einlud, es entlang zu streicheln.

"Du bist zu schön und verlockend, um einen klaren Kopf zu bewahren, mein Feuervogel." Er lächelte und strebte zu ihrem Schlafzimmer hin, um Tsusu in die silbergrauen Felle von Schleichkatzen zu legen. Der Anblick war herrlich, und er würde noch herrlicher sein, wenn er seinen Schatz erst einmal entkleidet hatte.

Tsusu schlang die Arme um Shens Schultern und küsste ihn gleich noch einmal. Er half seinem Geliebten beim Entfernen von all dem Schmuck, mit dem er stets zeigte, wie wertvoll er für Shen war. Zuletzt ließ er zu, dass die Bänder seiner Hose gelöst wurden und er gänzlich nackt auf den Fellen lag. Er streckte sich einmal und zog Shen in einen tiefen Kuss, den er auch nutzte, um seinen Schatz von der leichten Hose zu befreien, die er im Haus gern trug.

Shen streckte sich neben seinem Geliebten aus, um seinen Körper ganz zu spüren. Eine Weile gab er sich damit zufrieden, Tsusus Gesicht mit kleinen Küssen zu bedecken, während er die Rückseite seines Lieblings streichelte, die Wirbelsäule entlang und über die Seiten; er umkreiste den Hintern und erforschte die kleine empfindliche Falte, die ihn von den Beinen trennte, schob seine Hände zwischen seine Schenkel.

Dann begann er, mit den Lippen weiter nach unten zu wandern, nippte an einer Schulter und den Oberarm entlang, um Tsusu schließlich auf den Rücken zu drängen. Er richtete sich auf, um ihn erneut zu betrachten. Wenn er erregt war, war Tsusu noch einmal so schön, und Shen konnte nicht genug von diesem Anblick bekommen. Er streichelte den Körper mit Blicken, so wie er ihn zuvor mit Händen gestreichelt hatte.

Tsusu war schon bald sehr erregt, Shen wusste wirklich, wie er ihn anfassen musste. Drängend zog er an den Fingern seines Geliebten.

"Bitte... mach weiter..." Er lächelt nervös und schloss die Augen. "Ich will dich noch viel mehr spüren", flüsterte er und unterstrich sein Flehen, indem er mit den Fingern über Shens Körpermitte abwärts tastete.

Shen hatte es lange hinauszögern wollen, aber er konnte Tsusu nicht widerstehen. Dann würde er seinen Willen eben später bekommen. Später, wie so oft. Er küsste ihn tief, dann gab er dem leisen Flehen und seiner eigenen Lust nach, als er auf ihn rollte. Leise stöhnte er auf, als er den Schoß gegen Tsusus presste.

Es war nicht genug, das machte ihm auch Tsusus unwilliger, wenngleich lustvoller Laut klar. Während er seinen Geliebten in einen tiefen Kuss lockte und sich bemühte, sich nicht zu sehr an ihm zu reiben, tastete er nach der Ölflasche auf dem Sims. Der Verschluss ließ sich einhändig öffnen, und gleich darauf rollte Shen erneut mit Tsusu herum, so dass er bequem an den kleinen Hintern reichen konnte, um ihn einzureiben. Er mochte es, wie empfindsam Tsusu dort war und ließ sich trotz seiner Ungeduld Zeit damit, seinen Schatz zu verwöhnen.

Tsusu liebte es, Shen ganz und gar zu gehören. Er liebte es besonders, wenn der Stille sich ein wenig vergaß, wenn er seine kühle Art durchbrach und ihn hitzig, voller Begehren umfing und an sich presste. Als sie vereint waren, hielt Tsusu seinen Geliebten dennoch auf, um ihm zwischen Küssen, die er sachte und spielerisch auf dem hellen Gesicht verteilte, wieder seinen Liebesschwur zu leisten.

Er wurde nicht müde, sich bei dem Licht der Sonne und bei der kühlen Finsternis der Tiefe zu bedanken, dass ihm ein solch wundervoller Gefährte geschenkt worden war. Lächelnd öffnete er sich nach dieser kleinen Pause noch ein wenig weiter und lehnte sich zurück, um Shen zuzulassen. An anderen Tagen erhielt er einen kleinen Schubs und wurde nicht selten einmal ganz über seinen Schatz gerollt, damit er das Tempo bestimmen konnte. An diesem Abend aber wollte er sich hingeben. Mit geschlossenen Augen streckte er sich noch mehr gegen den größeren Mann.

Flüchtig verwunderte es Shen, wie es Tsusu wieder und wieder gelang, ihn die Kontrolle über sich verlieren zu lassen. Aber solange sie zusammen und allein waren, gab er sie gerne ab. Das schöne Gesicht durch den Schleier der Leidenschaft betrachtend, die Erregung darin genießend bewegte sich Shen mit seinem Geliebten unaufhaltsam dem Höhepunkt entgegen.

Dann wurde alles bedeutungslos bis auf den Augenblick. Shen stöhnte erstickt auf und drückte Tsusu fester an sich, als die unbegreiflichen Gefühle, die nur Tsusu ihm so bringen konnte, durch ihn hindurch rasten. Noch während dieser Rausch am Ausklingen war, hörte er den leisen Aufschrei seines Geliebten, der ihm verriet, dass auch Tsusu seine Erfüllung gefunden hatte. Es brachte ihn zum Lächeln.

Einige schwere Atemzüge lang blieb er einfach liegen, genoss die Nähe, die schlanken Arme, die ihn fest umklammert hielten. Erst, als sich der Griff lockerte, rutschte er von Tsusu hinab, um ihn zu entlasten. Vorsichtig küsste er die weichen Lippen und die zarten Lider, dann strich er lange, feuerfarbene Strähnen aus Tsusus Gesicht und wartete darauf, dass sein Schatz wieder ansprechbar war.

Tsusu streckte sich und sah sich hinter einigen Haarsträhnen versteckt nach der Schale mit dem Blütenwasser um, das er zum Abwaschen ihrer verschwitzten Körper bereit gestellt hatte. Shen mochte es nicht, wenn er sich wie ein Schmuck verhielt, aber er liebte diese kleinen gewohnten Tätigkeiten vor und besonders nach dem Lieben.

Als Shen sich ein wenig aufrichtete, schob er sich aus seinem Arm und ging mit schwingendem Schritt zu der Schale, um sie zum Bett zu tragen.

"Ich wollte dir noch sagen," Tsusu ließ das duftende, warme Tuch über Shens Brust hinunter streichen, "dass ich dich sehr liebe." Er lächelte und frischte das Tuch im Wasser auf. "Zu sehr für Worte, deswegen versuche ich, es dir immer zu zeigen." Er stellte die Schale auf den Fußboden und küsste Shen auf die Schläfe.

Shen erwiderte das Lächeln und zog seinen Schatz an sich. "Ich weiß."

Er wusste auch, dass es keine ordentliche Antwort war, dennoch beließ er es dabei, während er Tsusus schlanken Körper hielt, ihre Nähe genoss und die weichen Lippen küsste. Es war ein Wunder, dass sich ausgerechnet der Schmuck eines Prinzen für ihn entschieden hatte, genauso, wie es ein Wunder war, dass Shen sich in ein so mageres Wesen verliebt hatte. Aber es war geschehen, heftiger, als er es sich je hatte vorstellen können, und er wollte ihn nie wieder loslassen.

Mit einem zufriedenen Seufzen gab er den verlockenden Mund schließlich frei und sah in Tsusus Feueraugen, um ihm eine Antwort auf die Frage zu geben, mit der er zu ihm gekommen war. "Ich vermisse dich immer, wenn wir getrennt sind."

Tsusu schmiegte sich genießerisch enger an Shen. "Und ich vermisse dich. Aber das Wiedersehen gefällt mir jedes Mal so gut, dass ich gar nicht böse sein kann, wenn du wieder in die Stille hinunter gehst."


© by Jainoh & Pandorah
 
Ende