Das dunkle Licht

10.

"Ich brauche keine Trennungszeit, und wie gesagt, ich hatte sie dennoch schon lange genug." Jae-Sun küsste ihn und küsste ihn gleich noch einmal, weil es sich zu gut anfühlte, um es nur bei einem Mal zu belassen. "Und ein Geschenk hätte ich auch schon, wenn es dir hilft."

"Hast du? Welches denn?" Noch immer hatten sie sich nicht verbunden, und Miro fühlte bei Jae-Suns Anblick zwar Begehren, aber nicht von der wissenden Sorte, von der Art Vorahnung, mit der ein Karkaese sonst auf seine Verbundenen blickte.

"Ein Schiff ähnlich der Bauart wie das, mit dem wir gekommen sind. Es ist weitaus schneller, wenn es allein fliegt, als auf dieser Reise, wo wir dem Boten gefolgt sind. Seine Verteidigung ist besser als bei den meisten großen Schiffen. Wir haben nicht viele davon, drei Stück nur, und diese sind alle im Besitz der königlichen Familie." Jae-Sun grinste und ließ seine Hände über Ka'Simiros Seiten gleiten, dann zurück über den Rücken nach unten, um den festen Hintern zu umfassen und den anderen leicht gegen sich zu drücken. "Sie haben sogar Angriffswaffen nur leider können wir sie nicht nutzen. Ich würde fast wetten, dass du dich ins Cockpit setzt und im nächsten Moment die Verteidigung unten ist, dafür die Waffen einsatzbereit."

Miro lachte auf und presste sich enger an seinen Partner. "Das war hoffentlich ein Kompliment." Er lächelte Jae-Sun an und freute sich, dass dieser glücklich aussah, obwohl er mitten im Feindesland war, obwohl er mit einem Feind zusammen sein sollte. "Ich bin den Senechen so dankbar, dass ich es fast bedauerlich finde, dass sie nun wirklich aussterben werden", meinte er nachdenklich und strich Jae-Suns schweres Haar über die Schulter zurück, bevor er ihn sachte auf den Hals küsste.

"Du hast nicht in die Quelle kommen wollen mit mir, jetzt weiß ich nicht, wie dein Volk liebt. Wirst du es mir zeigen? Jeden Tag ein bisschen vielleicht?" Hoffnungsvoll sah Miro seinem Geliebten in die dunklen Augen.

Jae-Sun ächzte auf und ließ den Kopf gegen Ka'Simiros Schultern sinken. "Was verlangst du von mir? Schmiegst dich in meine Arme wie die Versuchung persönlich, bist nackt und derart verlockend, als hätte dich der Drache eigens dafür erschaffen, so dass ich dich nur noch zum Bett ziehen und dich stundenlang lieben will und du willst 'jeden Tag ein bisschen' gezeigt bekommen!" Mit einem kleinen, hilflosen Grinsen sah er wieder zu ihm auf. Er hatte es kompliziert gewollt, er bekam es so. "Ich liebe dich."

"Nein, zur Zeit beschwerst du dich darüber, dass es dir zuviel wird, mich zu lieben. Anstelle es zu tun, redest du davon. Ist das eure Art?" Hilflos streichelte Miro über Jae-Suns Ohren zu seinem Hals und endete an dem leichten Hemd, das dieser noch immer trug. Dann lächelte er und meinte den anderen von sich schiebend "Du bist selbst angezogen eine Versuchung für mich. Eine Versuchung, die mich unsere Quelle vergessen lässt. Ich habe Befürchtungen, dass es schlimmer wird, wenn du dich entkleiden solltest. Aber... genau kann man das so nicht sagen."

Jae-Sun lachte auf. Dieser Mann war einfach herrlich! "Ich liebe dich", wiederholte er vergnügt. "Und ob es schlimmer wird, können wir gleich einmal ausprobieren, was meinst du?"

Er knöpfte das Hemd auf und ließ es langsam von den Schultern gleiten, fing es jedoch auf, bevor es zu Boden fiel und nutzte es, um es wie einen Gürtel um Ka'Simiros Taille zu schlingen und ihn damit an sich zu ziehen. Mit einem Grinsen küsste er ihn auf den Mund, biss ihm zart in die Schulter und fragte dann mit einem Blick in die unglaublichen Augen "Und? Ist es schon schlimmer?"

"Ein wenig." Langsam und das Gefühl der Ahnungslosigkeit auskostend ließ Miro seine Fingerrücken und Nägel an Jae-Suns Seiten hinauf streichen. Sein Geliebter bekam eine Gänsehaut und erschauderte leicht, was diesen Test erfolgreich machte. Miro drehte seine Hände um und umfasste Jae-Suns Körper. Seine Finger wirkten wie helle Sonnenstrahlen, die sich auf der dunklen Haut ausbreiteten. Zögerlich schmiegte Miro sich erneut an den kleineren Mann und beugte das Gesicht ein wenig herunter, um ihn noch einmal küssen zu können.

Es war diese Zaghaftigkeit, die Jae-Sun daran erinnerte, dass Ka'Simiro keine Erfahrung hatte. Beinahe vorsichtig erwiderte er den Kuss, während das Wissen um die Unschuld seines Geliebten einerseits seine Erregung steigerte, aber ihm andererseits half, sich besser beherrschen zu können und nicht auf ihn zu stürzen. /Wie weit weiß er, was auf ihn zukommt? Machen es sich Karkaesen selber, wenn sie zu erregt sind oder hat er auch davon keine Ahnung? Wo sind sie empfindlich? Wie kann ich es für ihn so schön wie möglich machen?/

Jae-Sun gestand sich ein, dass die Sache mit dem See Vorteile haben konnte. Aber dann würde das langsame Erkunden, das Entdecken und die Freude darüber wegfallen, und das wog es bei weitem nicht auf, zumindest seiner Meinung nach.

Unter weiteren, sanften Küssen schob er ihn ins Schlafzimmer zurück und zum Bett hin. Seiner ganz privaten Meinung nach konnte man sich überall hervorragend lieben, aber gerade für ein erstes Mal war ein weicher Untergrund bei weitem vorzuziehen. Er löste sich von Ka'Simiros Mund, um kleine Küsschen über seiner Brust zu verteilen, während er sich rasch selber auszog.

"Und? Jetzt schlimmer?", fragte er dann mit einem kleinen, schelmischen Lächeln und legte ihm die Hände auf die Schultern, um ihn auf die Matratze zu drücken.

"Besser, würde ich behaupten." Miro mochte es schon seit dem ersten Tag, Jae-Sun zu betrachten. Vor allem, wenn er sich so stolz zeigte wie nun. Dieses selbstverständliche Selbstbewusstsein in seinen Handlungen machte, dass Miro sich ihm überlassen wollte, auch wenn er sonst niemals geglaubt hätte, dass er, der geübte Befehlshaber einer Truppe, der zukünftige oberste Befehlshaber, jemals unterliegen würde.

"Ich vertraue dir, Jae-Sun, vollkommen", flüsterte er mit Blick in die dunklen Augen seines Geliebten. "Tu, was du als Ji-Won mit deinem Angetrauten tun würdest. Ich werde nachfragen, wenn ich etwas nicht verstehe."

Jae-Suns Herz machte einen Sprung, als diese Worte ein überschäumendes Glücksgefühl in ihm auslösten. Vollkommenes Vertrauen, ohne den See; das war es ja, was er sich gewünscht hatte. Und nun hatte er es bekommen. Er kniete sich über Ka'Simiros Beine und zog ihn stürmisch an sich, doch die Küsse, mit denen er das helle Gesicht bedeckte, fielen zarter aus.

"Du atemberaubender, herrlicher, wundervoller Mann", murmelte er dazwischen trunken. Noch einmal drückte er Ka'Simiro feste an sich, presste den Mund gegen seinen Hals und atmete den weichen, nun langsam wiederkehrenden Geruch ein, ehe er sich von ihm löste und ihm ins Gesicht sah. "Sag mir auch, wenn dir etwas nicht gefällt. Ich kenne die Karkaesen genauso gut wie du die Ji-Won, aber ich will, dass es schön für dich wird."

Miro lächelte leicht. "Das wird es, sei dir sicher. Es ist schon jetzt sehr schön, mit dir zusammen zu sein. Bald schon habe ich vielleicht als erster Karkaese die Erfahrung, wie die Ji-Won lieben und das allein macht mich sehr stolz." Er lachte auf. "Wenn Ka'Stern mir nicht zuvor gekommen ist. Sie war immerhin noch nicht im See mit ihrem Angetrauten." Vorsichtig drehte er Jae-Suns Gesicht wieder zu sich, um ihn leicht auf den Mund zu küssen. "Mir gefällt jedenfalls, wie stürmisch die Ji-Won um ihre Angetrauten werben."

"Ich fürchte, für die Ersterkundung warst du zu lange im Kälteschlaf, Sonnenschein. Aber vielleicht kann man es anders werten lassen, dann geht der Orden doch an uns." Ausgelassen zwinkerte Jae-Sun ihm zu, dann umfasste er seine Schultern und drückte ihn grinsend auf die Matratze. "Außerdem mag ich, dass du es stürmisch magst. Das wird mir später manches erleichtern."

Aber jetzt wollte er Zeit. Langsam ließ er die gespreizten Hände von den Schultern über die Brust nach unten wandern, gleich Wolkenschatten über einer hellen Landschaft. Er genoss das Gefühl unter seinen Fingern, genoss es, Ka'Simiro so berühren zu dürfen. Aufmerksam beobachtete er seinen Geliebten, um herauszufinden, wo es ihm besonders gefiel, angefasst zu werden, neckte die Stellen mit Lippen und Zunge, platzierte kleine Bisse darauf und kostete ihn. Sein Geschmack war genauso herrlich wie sein Geruch.

Miros Augen schlossen sich, auch wenn er Jae-Sun gern weiter angesehen hätte. Zu mehr als kleinen Blicken in die tiefblauen Augen reichte es nicht mehr, zu stark war das Bedürfnis, nur noch zu fühlen und all die anderen Sinne dahinter zu stellen.

Seine eigenen Hände amten fahrig und ohne ein Ziel hin und wieder die Berührungen auf Jae-Suns Brust nach, ertasteten die weiche Haut und die Bewegungen der Muskeln darunter. Warmer Atem strich über Miros Hals und ließ ihn erschaudern. Blind suchte er mit dem Mund nach der Haut seines Angebeteten. Der Geschmack und Geruch nach Gewürzen umgab ihn wieder so intensiv wie an dem Morgen, als sie sich aus der Miene gerettet hatten. Allmählich wurde Miro klar, dass es mit Jae-Suns Erregung etwas zu tun haben musste. Er drängte sich enger an den Körper seines Geliebten und versuchte, sein Streicheln gezielter zu beantworten.

Die ein wenig ungeschickten Finger erregten Jae-Sun weitaus mehr, als ihm lieb war; schon allein der Anblick Ka'Simiros, wie er sich bewegte, sein heftiger werdender Atem und die kleinen Schweißperlchen, die seiner Haut einen Schimmer verliehen, versetzte ihn in steigende Aufregung. Er fing die Hände ein und küsste sie, ließ sie dann jedoch wieder los, weil er seinen Geliebten nicht einengen wollte. /So herrlich... er ist so herrlich.../

Er brachte Ka'Simiro dazu, sich auf den Bauch zu drehen, um sich seinem schönen Rücken, der ihn zu Beginn ihrer Bekanntschaft bereits fasziniert hatte, widmen zu können. Er liebte die Muskeln, die leichten Erhebungen der Wirbel unter der hellen Haut, die Rippenbögen, liebte es, sie nachzufahren und mehr noch, die kleine Kuhle am unteren Ende der Wirbelsäule zu küssen, während seine Hände den festen Hintern umfingen. Für einen Moment gab er sich ganz seinem eigenen Vergnügen hin, als er die Pobacken küsste, dann sachte in jede einmal biss. Zufrieden bemerkte er das Erschauern und dehnte das Spiel aus, fuhr die empfindlichen Falten zu den Beinen mit der Zunge nach.

Nach und nach wurde Miro klar, dass einen Ji-Won zu lieben nicht so verschieden von der Liebe vieler anderer Völker war, mit denen sich die Karkaesen bereits verbunden hatten. Er war zwar auf dem Bauch zur Untätigkeit gezwungen, aber das hinderte ihn nicht daran, auszukosten und zu genießen, was Jae-Sun mit ihm tat.

/Er nennt mich Sonnenschein.../ Miro drehte das Gesicht auf die Seite, um einen Blick auf Jae-Sun zu erhaschen, während er seine Beine und damit sich selbst öffnete. Er hatte gesagt, dass er vollkommen vertraute, das tat er nun auch. Er ahnte, was sein Angetrauter sich wünschte und begann zu verstehen, dass eine Vereinigung gar nicht so wichtig war, wenn man sich nur genug liebte und begehrte.

Vorsichtig drehte er sich wieder um und streckte seine Arme nach Jae-Sun aus, um ihn erneut an und über sich ziehen zu können. "Du liebst so, wie die Quelle es mir von der Hochzeitsnacht versprochen hat", flüsterte er ihm ins Ohr.

Das angenehme Ziehen in Jae-Suns Bauch wurde stärker. Er lächelte, erleichtert und erfreut, dass Ka'Simiro gefiel, was sie taten und glücklich über dessen Worte. Sachte küsste er den weichen Mund, sah in die dunklen, halbgeschlossenen Augen.

"Dann heiraten wir gerade?", fragte er leise, während er sich zurechtrückte und seinen Schoß gegen den seines Geliebten presste, sich gegen ihn zu bewegen begann.

Miro lachte auf und nickte leicht. "Wenn es das ist, was wir gerade tun, dann will ich dich jeden Tag aufs Neue heiraten, Jae-Sun."

Jae-Sun grinste und küsste ihn erneut. "So oft wir wollen, Sonnenschein."

In diesem Augenblick wurde Miro klar, dass Jae-Sun ihn Sonnenschein nannte und dies vermutlich tat, weil es unter Liebenden auf Won üblich war. Er schloss die Augen und dachte angestrengt darüber nach, wie er Jae-Sun nennen konnte, die Worte der Ji-Won waren so ungelenk und ihm nicht geläufig genug, zudem hatte er in der Quelle zu wenig über sie erfahren.

Seine Gedanken und Überlegungen wurde von Jae-Suns Körper zudem sehr stark behindert, denn das Reiben ihrer Körper gegeneinander wurde immer drängender, stöhnend ergab Miro sich und umfing seinen Geliebten mit festem Griff.

Jae-Sun wollte es länger hinziehen, doch als sich Ka'Simiros kräftigen Beine um ihn schlangen, um sie aneinander zu pressen, gab er den Gedanken auf. Zu lange hatte er sich nach seinem Geliebten gesehnt und sich nach ihm verzehrt, als dass er sich jetzt stundenlangen Zärtlichkeiten hingeben konnte. Dennoch gelang es ihm, sich lange genug zurückzuhalten, dass Ka'Simiro vor ihm kam.

Eng aneinander geschmiegt lagen sie schließlich nebeneinander, Jae-Sun streichelte die zarten, kurzen Härchen in Ka'Simiros Nacken und fühlte sich friedlich und so entspannt, wie er es seit dem Zeitpunkt nicht mehr gewesen war, als er erfahren hatte, dass der Rat das Friedensangebot der Karkaesen annehmen würde. Nur endlos viel glücklicher.

"Das dunkle Licht zu dem hellen Licht hätte auch meine Prophezeiung sein können", sagte er leise mit einem Lächeln.


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by Meike "Pandorah" Ludwig & Jainoh
~ Ende ~