Das Schloss außerhalb der Zeit

4.

Denyel weigerte sich, auch nur eine weitere Nacht in dem verfluchten Schloss zu bleiben, und zu seiner endlosen Erleichterung stellte sich Adalyn derart energisch auf seine Seite, dass Styv keine Einwände brachte und das Königspaar gar nicht erst versuchte, sie zu einer Übernachtung zu bewegen. Ohnehin mussten außer den vor hundert Jahren eingetroffenen Besuchern mit all den befreiten Prinzen und Soldaten eine große Anzahl zusätzlicher Gästen untergebracht werden; der Platz wurde knapp.

Die Dunkelheit senkte sich bereits über das Land und bescherte ihnen einen sternenklaren, eisigen Heimweg, ehe Denyel, Adalyn und Styv endlich ihren Gasthof erreichten. Die überraschten Wirtsleute ließen ihnen sofort die Zimmer neu richten.

"Wir hatten Euch schon verloren geglaubt", gestand die dralle Wirtin, während sie ihnen in der Gaststube Braten, Kartoffeln und Bier servierte.

In stummem Einvernehmen verzichteten sie darauf, ihr davon zu erzählen, dass der Fluch gebrochen war. Die Neuigkeiten würden das Dorf früh genug erreichen.

"Wir haben uns wiedergefunden." Styv lachte und schickte sie mit einem Dank weg.

"Nachdem der König den ersten Schock überwunden hat, war er ein recht annehmbarer Mann." Adalyn trank einen großen Schluck Bier und seufzte zufrieden, ehe sie sich den Teller volllud.

"Seine Reaktion nehme ich ihm nicht übel, nachdem wir die Fee kennengelernt haben", brummte Denyel. "Sie mag das nicht so geplant haben, aber sie hat... Ich mag mir kaum vorstellen, was die in einer anderen Zeit Erwachten nun erleiden. Die meisten von ihnen sind unwiederbringlich von allem getrennt, was ihnen lieb und teuer ist. Die Familien, die Geliebten, die sie außerhalb der Schlossmauern hatten, sind seit Jahrzehnten tot, ihre Höfe gehören Fremden, sie haben ihre Kinder nicht aufwachsen sehen, ihre Geschwister sind verloren, ihre Freunde vergangen."

Dumpf brütend blickte er auf die dampfenden Kartoffeln. Die raue Hand seines Liebsten legte sich über seine, und er sah auf. Der Anblick des dunklen Gesichts füllte ihn ebenso wie die Berührung mit Wärme. Er drehte die eigene Hand und umfing Styvs Finger.

Sacht erwiderte Styv den Druck. "Sie haben viel verloren, aber sie leben wieder. Und einige wenige haben gar etwas gewonnen. Die Prinzessin, nicht wahr? Sie immerhin muss niemanden heiraten, den sie nicht liebt."

"Wenn sie gewusst hätte, was geschieht, hätte sie den Mann geehelicht." Adalyn sah auf ihre verschränkten Hände, dann prostete sie ihnen zu. "Sei es, wie es sei – macht euch mit dem Gedanken vertraut, dass wir ab morgen nicht mehr alleine reisen."

"Das heißt?" Fragend sah Denyel sie an.

"Ich habe der Königin geschworen, dass ich mich ihrer Tochter – und damit auch der Zofe – annehme." Adalyn grinste, als Denyel überrascht die Augenbrauen hob. "Du musstest ja zu unserem Prinzen rennen wie ein Dämon, der von einer Priesterin ausgetrieben wurde, Bruder. Ich habe derweil einige Dinge geklärt. Ich glaube nicht, dass die Prinzessin nun noch bei Hofe leben kann. Die Kleine wird mein Knappe, selbst wenn dem König die Vorstellung aufs Tiefste widerstrebt. Die Königin war sehr energisch in ihrem Wunsch, ihre Tochter glücklich zu sehen. Und in der Zofe haben wir eine wunderbare Dienerin, die ebenfalls das Kämpfen lernen wird. Zwei Mädchen, die sich um unsere Pferde kümmern, die Stiefel putzen, die Waffen in Ordnung halten ..."

"Sie fassen mein Schwert nicht an, bis sie nicht wissen, was Klinge und was Griff ist", wehrte Denyel ab, "und es dann bewiesen haben. Die Gören haben noch nie eine Waffe in der Hand gehalten."

"Wie auch, wenn sie nur sticken durften." Adalyn schnaubte. "Sie schienen mir begeistert von der Aussicht zu sein, Ritter zu werden. Selbst wenn es nur eine Flucht sein mag, um nicht mehr das Unheil mit eigenen Augen zu sehen, das durch ihre Handlung entstanden ist – obwohl es die Schuld der Fee war. Die Spindel hat tatsächlich die Zofe hergestellt, nach einer Abbildung aus einem verbotenen Buch. Ich bin mir recht sicher, wenn die beiden nicht so verwickelt gewesen wären, dass sie nicht voneinander zu lösen waren, hätten wir den Fluch mit einem Kuss von Prinzessin und Zofe brechen können." Sie lächelte.

Denyel hob eine Braue. Der Gedanke war ihm ebenfalls gekommen. Nun, er würde damit leben können, dass die beiden um sie herumschwirrten. "Da bleibt uns wohl keine Wahl, wenn du bereits dein Wort gegeben hast."

"Und ich werde nicht gefragt? Immerhin hat mein Ritter sie geküsst", protestierte Styv scherzhaft.

"Deine beiden Ritter haben sie geküsst", antwortete Denyel trocken. "Warum auch nicht? Sie ist hübsch, und ein ganzes Schloss hat als Preis gewunken."

"Ein Schloss, das du dann doch nicht angenommen hast." Styv lachte und entließ Denyels Hand, um sich dem Essen zu widmen.

"Viel zu viel Verwaltungsaufwand, viel zu wenig Abenteuer." Denyel stieß ihn mit der Schulter an und lächelte. "Und Adalyn hat die Vorteile ihrer neuen Knappen aufgezählt, sobald sie sich eingelebt haben. Ich denke, auf die Art haben wir den besseren Handel geschlossen."

"Solange du die Prinzessin nicht noch einmal küsst", neckte Styv und handelte sich einen doppelten Ellbogenstoß von seinen Rittern ein.

Sie beendeten den gemeinsamen Abend sehr bald nach dem Essen. Denyel sehnte sich danach, allein mit seinem Liebsten zu sein. Nach einem Blick zu seiner Schwester hin, die zufrieden ihre Füße in Richtung des Feuers ausgestreckt hatte, schob er seinen leeren Bierkrug zurück und stand auf.

"Ich geh' hoch", brummelte er und warf einen zweiten Blick, nur aus den Augenwinkeln, zu seinem Prinzen hin.

Ohne zu zögern erhob Styv sich ebenfalls. "Ich komme mit. Ich hoffe, du findest noch angenehme Gesellschaft, Adalyn." Er grinste. "Welche, mit der man reden kann. Immerhin Bier und Kamin hast du aus deiner Liste der Wünsche schon erfüllt bekommen. Ein guter Schnitt."

Sie lachte und machte eine wegwerfende Handbewegung. "Es reicht mir, dass die Menschen in der Schankstube sich bewegen, miteinander reden und nicht alles in Stille erstarrt ist. Für den Moment ist das genug."

Denyel nickte, auch wenn er ihr nicht in allem zustimmte. Ihm war es nicht genug. Bei weitem nicht. Er ließ seinem Prinzen den Vortritt, als sie die Treppe zu den Gastzimmern empor stiegen, aber schaffte es nicht, im Gang zu ihrem Zimmer vor ihn zu gelangen, um ihm die Tür aufzuhalten.

Das Schloss war noch nicht richtig hinter ihnen eingerastet, als Denyel Styv bereits in einen hungrigen Kuss zog. Er drängte ihn mit dem Oberkörper gegen die Wand, während seine Finger über die kräftigen Schultern, die Seiten, die Hüften glitten, wie auf der Suche nach Bestätigung, dass er kein Traum war.

Styv erwiderte die Umarmung fest und öffnete sich ihm, ließ seine Zunge ein und kam ihm mit der eigenen entgegen. Es tat so gut, ihn zu schmecken, zu spüren, zu riechen, dass Denyel erstickt aufstöhnte. Endlich wich ein Teil seiner Angst, als konnte er erst jetzt sicher sein, dass der Mann vor ihm echt war.

Sie küssten sich lange, ehe Denyel sich atemlos von ihm löste, gerade eben nur weit genug, um sprechen zu können.

"Ich habe dich so vermisst", sagte er heiser und lehnte seine Stirn gegen Styvs. "Und schlimmer ... ich hatte Furcht um dich. Adalyn natürlich auch, aber du kennst sie, sie hat es besser verborgen. Hast du die Zeit in der Hecke nicht gespürt?"

Styv schob seine Hände zu Denyels Schultern empor und nippte einmal behutsam über seine Lippen, ehe er den Kopf schüttelte. "Nein, nicht für einen Wimpernschlag habe ich meine Gefangenschaft bemerkt. In einem Moment stand ich vor der Hecke und habe mein Possenspiel betrieben, um sagen zu können, ich hätte es versucht. Im nächsten griffen die Ranken nach mir, um sich ohne Übergang wieder zurückzuziehen und den Blick auf das Schloss freizugeben."

Leise lachte er auf. "Einen verrückten Augenblick lang habe ich geglaubt, ich hätte Erfolg gehabt. Bis ich merkte, dass ich ohne euch, dafür aber mit jeder Menge anderer Männer in einem Heckenbogen steckte. Dann habe ich eure Winterkleidung gesehen und gefürchtet, dass euch etwas zugestoßen ist oder weitere hundert Jahre vergangen sind. Dieser kurze Schreck, bis du mich erreicht hast ... kann nichts gegen das gewesen sein, was du gefühlt hast. Drei Tage lang!"

Denyel drängte Styv fest gegen die Wand, um ihn enger zu spüren. Er war froh, dass sein Liebster nicht hatte ausharren müssen, verdurstend, erfrierend, erstarrt. Doch der Nachhall der Verzweiflung ließ sich nicht mit Worten allein vertreiben.

"Ich dachte, ich sehe dich nie wieder. Je mehr Zeit verging, um so schlimmer wurde es. Ich fürchtete, dass du tot bist, ehe wir einen Weg gefunden haben." Er presste das Gesicht in die warme Halskuhle seines Geliebten und atmete den vertrauten Duft ein, seine Kehle war eng. "Ich bin fast wahnsinnig geworden bei dem Gedanken." Seine Stimme erstickte nicht nur durch den Druck gegen den anderen Körper. "Ich liebe dich, mein Prinz. Ich liebe dich so sehr."

"Ich weiß ..." Styvs Lippen streiften den Rand seines Ohres, einen Wangenknochen, zurück zu seiner Schläfe und verweilten da. "Ich bin gesund. Ich lebe. Ich bin warm und voll Lebenslust. Du musst keine Angst um mich haben."

Seine Stimme war weich und lockend, dunkel und voller Versprechungen. Sein Atem strich im Rhythmus der Worte über Denyels Haut, während Styvs Hände über seinen Rücken glitten. Sie erreichten den Gürtel, tasteten daran entlang nach vorne und drängten sich zwischen ihre Körper.

Es kostete Denyel Überwindung, gerade eben soweit abzurücken, dass Styv genug Raum hatte, die Schnalle zu lösen. Dann wurde das Gewicht des Schwertes von ihm genommen und beiseite gestellt. Einen Moment später fuhren die rauen, kräftigen Hände unter sein Hemd und direkt auf die nackte Haut seines Rückens.

Denyel atmete tief ein. 'Warm und voller Lebenslust.' Er hob den Kopf und sah in die funkelnden dunklen Augen. Nur einen Wimpernschlag später drückte er den Mund erneut hart auf die energischen Lippen. Ihm war danach, seinen Geliebten zu verschlingen, ihn überall zugleich zu berühren, das Vermissen auf jede erdenkliche Art auszulöschen.

Fahrig befreite er auch Styv von Gürtel und Schwert. Er war ungeschickt und ungeduldig; als er das Schwert blind an die Wand lehnte, fiel es scheppernd zu Boden. Dieses Mal lachte Styv nicht, neckte ihn nicht einmal, sondern presste ihn nur enger an sich.

Es kam einer Erlösung gleich, als Denyel seine Hände unter Styvs Hemd schieben konnte, selbst wenn ihm nur die Seiten blieben, um die warme Haut zu streicheln. Er konnte es nicht über sich bringen, sich weit genug von ihm zu entfernen, um Raum für mehr zu lassen oder sich nicht gegen ihn und ihn gegen die Wand zu drücken.

Lange Zeit küssten und streichelten sie einander nur; immer, wenn Styv Abstand suchte, kämpfte Denyel dagegen an, um nichts zwischen sie kommen zu lassen.

"Liebster, du musst mich nur einen Atemzug lang entbehren", flehte Styv schließlich mit einem heiseren Lachen. "Ich will dich ganz spüren, aber dafür muss ich dir das Hemd über den Kopf ziehen und dich aus der Hose befreien können."

"Ich will dich nicht einmal einen Wimpernschlag lang entbehren." Atemlos küsste Denyel ihn erneut, die Lippen, die Wange, den Hals, presste seinen Mund auf die empfindsame Haut und saugte Hitze empor. Dann erst konnte er sich weit genug von ihm lösen, dass sie einander hektisch und unter weiteren leidenschaftlichen Küssen entkleiden konnten.

Es war so viel besser, ihn Haut an Haut zu spüren, die Wärme, den Schweiß, jede Bewegung der geschmeidigen Muskeln, dass Denyel aufstöhnte. Styvs Hände schoben sich wieder zwischen sie, liebkosten seinen Bauch und seine Brust. Denyel gelang es nicht, ihn aus seinen Armen zu entlassen; ihm war, als würde sein Liebster ihm entrissen werden, wenn er ihn nur einen Augenblick gehen ließ.

Doch als Styv sie dieses Mal in Richtung des Bettes drängte, folgte Denyel der Führung. Die Wand gab Styv frei, und endlich konnte Denyel mehr von ihm spüren, konnte eine Hand über Styvs Rücken, seine Hüften, seinen Hintern streichen lassen, während der andere Arm weiterhin ehern die kantigen Schultern umfing. Dann presste sich der Bettrahmen gegen seine Waden und seine Kniekehlen, und er ließ sich mit mit seinem Geliebten auf die Matratze sinken, umschlang ihn mit Armen, Beinen und Leidenschaft. Er brauchte ihn, brauchte ihn so sehr …

Bald drifteten alle Sorgen, alle Angst davon, bis er nur noch das fühlen konnte, was Styv ihn fühlen lassen wollte. Liebe, Nähe, Vertrauen, Lust.

Schließlich lagen sie wohlig erschöpft nebeneinander; der Schweiß trocknete langsam auf ihrer Haut, die Hitze des Feuers reichte aus, um sie warm zu halten. Denyel hatte besitzergreifend ein Bein über Styvs geschoben und hielt einen Arm um ihn geschlungen, während er mit der anderen Hand das energische Gesicht liebkoste. Jede Linie fuhr er nach, erkundete sie aufs Neue, erfreute sich an dem Gefühl der Haut, der Stoppeln, an dem Anblick der geröteten Wangen und schimmernden Augen.

Kälte, Angst und Anspannung waren aus Denyel gewichen, er konnte wieder lächeln, ohne dass es sich anfühlte, als würde sein Gesicht zerspringen. Innig erwiderte Styv sein Lächeln, derart weich, wie er es nur tat, wenn sie allein waren. So, wie er nur für ihn lächelte. Manchmal schnürte der Blick Denyels Kehle vor Zärtlichkeit zusammen und machte ihm das Atmen schwer.

Als Denyel die Lippen seines Prinzen entlang fuhr, küsste Styv seine Fingerkuppe und nippte daran, um sie mit dem nächsten Atemzug freizugeben. Sacht streichelte er von der Schulter aus über Denyels Arm, fing die Hand ein und führte sie zurück an seine Lippen, um das Spiel mit jedem einzelnen Finger zu wiederholen. Er ließ den Blick nicht von Denyels Augen, während er sanfte Küsse auf die Handinnenfläche, auf den Daumenballen und auf den empfindlichen Puls drückte.

"Ohne dich würde mein Herz nicht schlagen wollen", sagte er so verhalten, dass Denyel die Worte mehr von seinen Lippen las, als dass er sie wirklich hörte. Sie riefen eine Wärme in ihm hervor, die nichts mit Lust zu tun hatte. Styvs Lächeln vertiefte sich. "Du warst so leidenschaftlich. Vielleicht sollte ich mich öfter in eine Hecke stellen."

"Sag so etwas nicht." Unwillkürlich umfasste Denyel ihn fester und erschauderte.

Styv sah ihn lange an, während er zart die Härchen in seinem Nacken streichelte. Dann drückte er einen weiteren Kuss auf seinen Puls. "Du hast deine Leichtigkeit verloren."

"Ich hatte Angst, dich verloren zu haben. Für immer. Der Gedanke ist unerträglich." Denyel lehnte die Stirn gegen Styvs und schloss die Augen. "Gib mir nur ein wenig Zeit. Sie kommt zurück."

"Schhh, ich weiß." Ein federleichter Kuss auf Denyels Lippen folgte. "Wir sind zusammen. Hab keine Angst mehr."

Denyel erschauderte erneut. Ohne darüber nachzudenken, rollte er herum, so dass er auf Styv zu liegen kam. Es war ein gutes Gefühl, als könnte er seinen Geliebten mit seinem eigenen Körper vor allem schützen.

"Ich will nie mehr ohne dich sein", flüsterte er und küsste ihn ein weiteres Mal. "Ich brauche dich."

Styvs Arme schlossen sich eng um ihn, und er erwiderte den Kuss eine lange Zeit, ehe sie sich wieder trennten. Seine dunklen Augen funkelnden neckend, als er ihm einen Klaps auf den nackten Hintern gab. "Du hast ein Mädchen geküsst. War es besser als das hier?"

Denyel lachte auf und biss ihm in die Unterlippe. "Willst du mir das ewig vorhalten? Natürlich war es nicht besser. Nichts ist besser", er küsste Styv noch einmal, weich und innig, "als das hier."

"Vorhalten? Nein." Das Glitzern in Styvs Augen wich einem nachdenklichen Ernst. "Im Gegenteil. Du hast einen Fluch mit dem Kuss der wahren Liebe gelöst, weil du an mich gedacht hast. Du hast ein Monster besiegt – selbst wenn es unter dem Namen Fee geführt wird – du hast eine Queste erfüllt, um deinen Prinzen zu retten, du hast einem König getrotzt, um zu mir zurückzukehren. Was kann sich ein Mann mehr wünschen von dem, der sein Herz hält?"

"Du hältst auch das meine, mein Prinz", murmelte Denyel, und für einen langen Moment taten sie erneut nichts weiter, als sanfte, kleine Küsse zu tauschen.

"Ich weiß", flüsterte Styv mit geschlossenen Lidern, ehe er Denyels Lippen ein weiteres Mal einfing. "Manchmal ist es noch immer wie ein Traum, und ich habe Angst zu erwachen. Aber", seine Stimme verlor den rauen Ton und wurde leichter, ein Grinsen schlich sich auf seine Lippen, "aber du hast ein-"

"Ja, ich weiß, ich habe ein Mädchen geküsst." Glucksend verdrehte Denyel die Augen.

Auch Styv lachte; er schlug die Lider auf und sah ihn an. "Ich wollte sagen – aber du hast einen Fluch für mich gebrochen."

Skeptisch hob Denyel die Brauen. "Ach."

Neckend stieß Styv seine Nase gegen Denyels. "Du kennst mich zu gut." Dann seufzte er und sein Lächeln wurde wieder weich, so weich und voller Liebe, dass es Denyel den Atem nahm. "Ich will, dass du mich nie mehr vermissen musst. Dass ich dich niemals vermissen muss. Sir Denyel, Ritter von Marakanda, ich frage dich in aller Form – auch wenn wir hier formlos nackt und miteinander verschlungen im Bett liegen und ich keine Ringe habe – willst du der Meine sein? Vor Göttern und Menschen, für alle Ewigkeit mein Gemahl?"

Denyels Kehle wurde eng, und sein Herz so weit. Er lächelte, während Glück durch ihn hindurch rann wie prickelnder Perlwein. Der erstickte Laut, den er von sich gab, und die erstickende Umarmung waren für den Anfang Antwort genug.


© by Pandorah
 
Und wenn sie nicht gestorben sind, ...