Drachenfluch

3.

Als Bo am anderen Morgen mit Thure aus dem Garten in die Küche ging, meinte er ernst "Du solltest freundlicher zu den Fremden sein."

"Weil er eure Prinzessin ist? Ich weiß selber, was du denkst. Ich bin kein Schwachkopf, Bo! Er ist entschlossen, er kann es vielleicht gar schaffen, selbst im Herbst noch die Höhle zu erreichen, aber ich glaube nicht, dass er den Drachen töten oder auch nur verletzen kann! Holm, mach uns starken Tee und bring den mit dem Brot in die Halle! Ich will meine hohen Gäste nicht verhungert auf ihre Wanderung schicken!"

Geriet streckte sich und gähnte. "Wieso nur müssen wir immer so früh wach werden? Und dann dieser ekelhafte Regen! Ich werde mich erst einmal umziehen gehen."

Frek pfiff vor sich hin. "Ich hole den Esel und die Decken schon mal vor. Das Trockenobst hab ich bereits eingepackt."

Thure nickte und verschwand in seine eigenen Zimmer, um die kalten und nassen Kleider gegen trockene einzutauschen. Dann betrat er die Halle und ließ sich in der Nähe des Feuers nieder, um bei einem Becher heißen Tees mit Honig auf die Gäste zu warten.

 

Selim erwachte früh vom Prasseln des Regens an den Scheiben. Er wollte sich noch einmal umdrehen, aber sein Wunsch, von diesem Gut wegzukommen und endlich seine Aufgabe zu erfüllen, ließ das nicht zu. Kaum hatte er die Decke beiseite geschlagen, setzte sich auch Melik auf. Offensichtlich war sein Wächter genauso begierig wie er, diesen unfreundlichen Fürsten hinter sich zu lassen. Selim hoffte nun, dass der Fürst unhöflich genug war, sie nicht zu verabschieden, so dass sie nur Bruder Bo begegnen würden und dem unvermeidlichen Knappen.

Leider wurde diese Hoffnung nicht erfüllt. Als sie herunter in die Halle kamen, saß der Fürst bereits an dem großen Kamin. Das Feuer tauchte ihn in warmes Licht, malte rotgoldene Reflexe in sein Haar, und sein entspanntes Gesicht ließ kaum vermuten, dass er so taktlos sein konnte. Ob er Sorgen hatte? Dennoch war das kein Grund für ein derartiges Benehmen Gästen gegenüber, befand Selim. Er verschloss seine Gedanken hinter einer ausdruckslosen Miene und trat auf den Fürsten zu, dicht gefolgt von Melik.

"Einen guten Morgen", wünschte er mit zu frostiger Stimme; seine Verneigung blieb nur angedeutet. Er trug ihm die Beleidigung des Vortages nach.

Thure nickte einmal, aber erhob sich nicht, sondern wies zum Tisch hinüber, auf den Bo bereits zugegangen war, um die dunkelblauen Steingutbecher zu füllen "Wir werden sehen, ob der Morgen gut wird. Ich habe Tee bringen lassen, frische Milch und süßes Brot, wenn ihr euch stärken wollt."

Er zog die Brauen zusammen, denn in dem Moment kam Agner ebenfalls in den Raum, die beiden Kurzschwerter bereits um die lederne Weste geschnallt. Seine Haare hingen dem Jungen noch immer nass und offen um die Schultern, aus den blauen Augen schossen Blitze der Eifersucht hervor, obgleich Selim und Thure sich alles andere als freundlich zueinander verhielten.

Ohne Agner mehr als ein Nicken zu widmen, trat Selim zu dem Tisch, um Bo um so freundlicher und mit einem fröhlichen Lächeln zu begrüßen. Den alten Mann, der so viele Fragen zu ihrer Heimat hatte, mochte er gerne. Sie unterhielten sich über die Wüste und die Sitten der Südlanden, während sie gemütlich aßen, doch Selim fühlte sich ungnädig von Thure beobachtet.

Schließlich schob er seine leere Schale von sich, zum Zeichen, dass er genug gehabt hatte. "Sagt mir, Bruder Bo, was verlangt Euer Herr für die Hilfe? Ich möchte dafür bezahlen, für die Nacht, die Kleidung, den Stall, das Zimmer und das Essen. Und dafür, dass man sich um unsere Pferde kümmert, während wir weg sind."

"Nein, nein!" Erschrocken wedelte Bo mit den Händen und warf einen Blick zu Thure hinüber, der noch immer am Kamin saß. Agner hatte sich vor ihn gekniet und starrte ihn aus schmalen Augen an, Aufforderung und Verfluchen in einem Blick. Bo beugte sich dichter "Der Herr meint es nicht so...", versuchte er zu flüstern, natürlich vergebens, Thure hatte Ohren wie ein Luchs.

Thure hob den Kopf und bemerkte scharf "Der Herr meint, dass genug Zeit mit dem Essen und Tratschen vertan worden ist! Hilf unseren Gästen mit den Umhängen, es regnet noch immer!" Er senkte seinen Blick auf Agner und befahl leise "Dreh dich um, mit solchen Haaren lasse ich dich nicht die Farben meines Hauses unter Leute tragen!"

Agners Schmollen wurde zu selbstzufriedenem Lächeln, während er Thure einen Kamm und das mit Adlerfedern geschmückte Lederband reichte. Bo schloss gepeinigt die Augen und entgegnete in freundlichem, aber bestimmten Ton "Es ist gerade erst hell draußen. Ich werde unsere Gäste nicht ohne einen Tee gehen lassen. Zudem ist Christian noch nicht fertig mit den Pferden!"

Thure beachtete ihn eine ganze Weile lang nicht, sondern fasste Agners nach und nach trockeneren Haare mit dem Band zusammen. Er lehnte sich dichter an seinen Sänger heran und umfing dessen schlanken Hals mit einer Hand. "Wenn du nicht aufhörst, deinen Neid wie ein Banner vor dir her zu tragen, wirst du es bereuen, das verspreche ich dir. Wenn ihnen bis zur Kreuzung etwas zustößt, mache ich dich verantwortlich, verstanden?!", zischte er leise.

Agner nickte bloß, senkte den Kopf ein wenig und dachte sehr offensichtlich an eine Reihe von Flüchen, die er nicht auszusprechen wagte. Mit einem leisen Lachen küsste Thure seinen Hals, dann zog er ihn auf die Füße. "Los, verschwinde!" Mit einem Klaps auf die Seite wie bei einem Pferd scheuchte er ihn davon, bevor er zum Tisch trat.

"Es regnet. Ich empfehle, dass ihr euch vorseht. Wenn die Kleider nass sind, werdet ihr frieren dort oben. Bo, ich habe heute keine Geduld, glaub mir." Mit raschen Schritten verließ er den Kaminraum, um in einen der Türme zu verschwinden.

Bo seufzte abgrundtief, dann sagte er mit fester Stimme "Der Herr kann euch sehr gut leiden, er macht sich Sorgen. Bezahlt ihn bitte nicht, das wäre eine zu große Beleidigung."

Steif erhob sich Selim. "Der Herr Fürst beleidigt mich fortwährend. Ich fühle mich nicht als ein Gast, und wenn ich nicht Gast bin, bleibe ich nichts schuldig", erwiderte er verärgert. "Ich werde bezahlen. Nennt mir einen Preis, Bruder Bo."

"Dann sei mein Gast, Selim. Bitte." Bo sah ihn aus hellen Augen so flehend an, wie er ohne einen Verlust seines Stolzes konnte. Listig fügte er an "Es ist mein Tee, und zudem werdet ihr meinen Esel mit euch führen. Er ist der trittsicherste Packesel der Gegend und wird euch nicht enttäuschen."

"Aber es ist das Gut des Herrn Fürsten, das Zimmer und der Stall des Herrn Fürsten, seine Kleidung und sein Knappe." Selim sträubte sich innerlich, doch es schien Bo immens wichtig zu sein. Wichtig genug, um ihn so zu bitten. Mit einem leisen Seufzen zuckte er leicht die Achseln, dann lächelte er kurz. "Ich werde den Esel und den Tee von Euch mit Dank annehmen." Bewusst trank er noch einen Schluck davon im Stehen, ehe er die Tasse zurückstellte und versicherte "Ihr werdet in meinem Reich willkommener sein als ich hier, Bruder Bo. Wenn Ihr jemals so weit in den Süden kommen solltet, werde ich Euch mit Freuden begrüßen. Für den Rest aber zahle ich, wenn ich wieder zurückkomme. Wenn ich gewusst hätte, wie unwillkommen ich bin, hätte ich einen anderen Weg gefunden und wäre dem Herrn Fürsten nicht zur Last gefallen."

Bo nickte leicht. "Aber vielleicht könnt ihr auch eine Geschichte erzählen oder singen. Diese Bezahlung würde uns alle hier sehr freuen, Prinz." Er führte die Gäste zu den Stallungen hinaus, wo Christian die beiden Gastpferde bereits mit auf Hochglanz poliertem Geschirr aufgezäumt hatte. Die Silberpappeläste waren an dem Kopfschmuck der Tiere gesteckt worden. Agners Falbe wirkte schmucklos und plump dagegen. Ohne weitere Abschiedsworte saßen sie auf, Agner nahm den Esel und trieb sein Pferd in leichtem Trab durch das Tor auf den Pfad in die Berge hinaus.

Selim war froh, das Gut hinter sich lassen zu können. Die fremde Kleidung fühlte sich ungewohnt an und behinderte ihn. Aber wieder auf dem Rücken seines Pferdes zu sitzen, mit Melik in seiner Begleitung und außerhalb der drückenden Steinmauern und vor allem außerhalb der Reichweite des ungehobelten Fürsten zu sein, brachte seine gute Laune und die Aufregung zurück. Bald war er am Ziel, bald würde er sich dem Drachen stellen können, wie es ihm prophezeit worden war. Nur noch Agner und sein düsteres Gesicht störten, aber allzu lange würde er auch das nicht mehr ertragen müssen.

Er zügelte den Rappen ein wenig, so dass er neben Melik reiten konnte. "Warum hat er uns überhaupt aufgenommen, wenn er es nicht wollte? Wir hätten uns einen Mietstall für die Pferde suchen sollen, Melik. Bo schien der einzige zu sein, dem wir willkommen waren." Dann lachte er leise. "Und natürlich dem Stallburschen. Aber das versprochene Pfand haben wir auch nicht bekommen. Ich bin fast dafür, dass wir den Knappen zurückschicken, damit er unsere Sachen holt und dann das, was dieser unselige Fürst unter Gastfreundschaft versteht, aufgeben."

Melik warf einen Blick zurück, doch das Gut war in den Hügeln nicht mehr zu sehen. "Ich weiß nicht", sagte er schließlich gedehnt. "Etwas dort ist eigenartig, trotzdem denke ich, wir können ihnen vertrauen. Der Fürst ist unfreundlicher als ein Sandsturm, doch unsere Pferde werden bei Bruder Bo sicher sein. Das kann man von einem Mietstall nicht unbedingt behaupten."

Selim schnitt eine unzufriedene Miene und nickte dann. Natürlich hatte Melik recht. Aber gleichgültig, was Bo ihm noch erzählen würde, würde er dafür bezahlen. Und zwar in Gold, nicht in Geschichten und Liedern. Warum sollte er Rücksicht nehmen, wenn der Fürst es nicht tat?

Agner ritt schweigend voran und war froh, dass dank des unfreundlichen Wetters mit schleierhaftem leichtem Dauerregen die Felder und Wiesen leer waren, so dass ihnen kein Schäfer oder Bauer begegnete, der die beiden Fremden mit Bemerkungen misstrauischer machte, als sie schon waren. Es hatte ihn zufrieden gestimmt, dass der zierliche Prinz nicht gut mit Thures Launen und der Direktheit zurecht gekommen war. Sollten die zwei ihre Begegnung mit den Bergen oder gar dem Drachen überleben, so würden sie dennoch nicht bei ihnen überwintern, das würde der Prinz sicherlich zu verhindern wissen.

An einer den Regengöttern geweihten Quelle saß er kurz ab, um ihnen mit Blumen und Beeren für ihre Dienste zu danken und sie zugleich zu bitten, weiter zu ziehen, da sie nun genug Wasser hatten. "Es ist nicht mehr weit, aber der Weg wird ab hier zu steil, um zu reiten. Wir sollten die Pferde führen, bis wir an die Kreuzung gelangen", schlug er vor.

Selim nickte knapp, ehe er abstieg, und Melik befürchtete, dass er weder Agner noch sonst jemandem des Gutes eine weitere Chance geben wollte. Doch er hatte beschlossen, dass der Knabe nichts dafür konnte, dass sein Herr so unfreundlich war und er sich das offensichtlich abgeschaut hatte. Natürlich, wenn er ihm gefallen wollte. Im Gegensatz zu Selim war ihm die kleine Szene am Kamin nicht entgangen, und es hatte ihn gewundert, dass sie ihre Nähe so offen gezeigt hatten.

"Bist du schon lange in Fürst Thures Dienst?", fragte er freundlich, während er ebenfalls absaß und sein und Selims Pferd zu der Quelle zu führen, um sie trinken zu lassen.

Agner blinzelte ein wenig überrascht und warf einen schnellen Seitenblick auf den Wächter des jungen Prinzen. Die dunkle Stimme formte die Worte sorgfältig, wie auswendig gelernt und noch nicht zu oft erprobt. Er lächelte leicht und nickte.

"Ja. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor", meinte er schließlich. "Und selbst? Wie lange währt dein Dienst beim Prinzen bereits?"

Das Lächeln gefiel Melik, es passte besser zu dem Knaben als die wütenden Blicke aus den meergrünen Augen und der ärgerlich verzogene Mund. Er erwiderte es. "Seit seiner Geburt. Ich war nicht viel älter als du, als ich sein Wächter geworden bin."

Agner zwinkerte ein wenig, dann erlaubte er es sich zu gestehen "Ich bin in einigen Dingen schon älter, als ich scheine." Er strich seinem Pferd über die Nüstern. "Wie ist dein Name, Wächter?"

"Melik Ben Nasir Ibn Djedim." Melik verneigte sich in Agners Richtung und verbarg ein Schmunzeln über dessen kindlich arrogante Bemerkung, ehe er die Pferde von der Quelle weg- und zu Selim hinführte, der demonstrativ abgewandt stehen geblieben war.

"Denk daran, er kann nichts für seinen Herrn", sagte er leise in ihrer Sprache und reichte ihm die Zügel.

"Nein, aber dafür, wie er mich behandelt und ansieht", gab Selim ungehalten zurück.

"Darüber erzähle ich dir später etwas. Dann wirst du vielleicht anders denken." Melik lächelte ihm aufmunternd zu und gesellte sich zu Agner, so lange der Pfad noch breit genug war, um neben ihm zu gehen. "Du kannst mich Melik nennen, das reicht", beschied er nach einem kurzen Überlegen.

Agner lächelte leicht und beschloss, dass der Wächter des Prinzen ihm vielleicht sogar ein wenig gefiel. "Ich werde dir ein Lied schreiben, Melik. Wenn ich es dir vortrage, wirst du mir zeigen, wie ihr mit diesen verbogenen Schwertern kämpft?" Er nickte zu dem sensenkrummen Ding, das der kräftige Mann als Waffe trug.

Melik lachte leise und dunkel. Verbogene Schwerter. "Dann kannst du mir zeigen, wie man mit euren geraden Klingen umgeht. Bruder Bo sagte, du bist sehr gewandt. Ich hatte zwar schon häufiger das eher zweifelhafte Vergnügen, sie in Gebrauch zu sehen, nur die Räuber erschienen mir nicht wirklich geschickt. Ich bin mir sicher, dass man mehr damit erreichen kann als dieses plumpe Herumgestolper. Ein Wunder, dass sie sich nicht gegenseitig die Köpfe eingeschlagen haben."

Agner nickte zustimmend, aber ging mit Seitenblick auf die düstere Miene des Prinzen mit forscheren Schritten vorweg, ohne noch einmal mit Melik zu sprechen. Erst als sie an dem Wegestein ankamen, an dem der schmale Pfad in die Berge hinauf vom Wanderweg zum Kloster abzweigte, verneigte er sich vor dem Prinzen und nahm ihm das Pferd ab.

"Ich werde auf dein Pferd achten wie auf mein Herz, Prinz. Keine Sorge", versprach er, typisch für ihn eine Spur zu romantisch.

Er reichte Melik den Strick des Esels und sagte leise "Ich wünsche mir, dass euch die Eisgötter wohl gesonnen sind und noch keinen Einzug in ihren Thron dort oben halten wollen, bis eure Aufgabe erfüllt ist." Mit einer angedeuteten Verbeugung wandte er sich dann ab, um die Pferde mit Stricken aneinander zu binden, damit er sie besser führen konnte.

Melik erwiderte die Verbeugung ebenso leicht. "Ich danke dir. Mögen die Götter über dich wachen und dir allzeit wohlgesonnen sein, junger Agner."

Selim beschlich ein seltsames Gefühl, als er Agner hinterher schaute, der mit den Pferden langsam den Pfad hinabstieg. Während ihrer gesamten Reise waren sie nie ohne die Tiere gewesen; überhaupt hatte er wenig Zeit bisher verbracht, in der er nicht täglich ausgeritten war. Es erinnerte ihn an den Beginn ihrer Reise, als sie alles hinter sich gelassen hatten, was ihm bekannt war.

Er unterdrückte das Gefühl nach einem Moment, drehte sich entschlossen um und sah den Pfad empor, der sich steiler und steiler durch Felsgestein wand. Kleine Büsche säumten ihn hier und dort, die Bäume hatten sie schon seit einiger Zeit hinter sich gelassen. Mit einem tiefen Durchatmen straffte er sich, um den Weg wieder aufzunehmen.

Es war anstrengend, und je höher sie kamen, um so kälter wurde es. Erst hatte Selim den dicken Umhang als Behinderung empfunden, doch bald war er dankbar für den festen Stoff, der den Wind abhielt. Gegen Nachmittag legten sie eine kurze Rast ein, ehe sie nur kurz darauf die Schneegrenze passierten. Schnee war noch immer ein kleines Wunder für Selim, auch wenn er mittlerweile schon öfter welchen gesehen hatte. Die weiche, weiße Decke, unter der alles verschwand, war wie aus einem Märchen gekommen, und er musste lächeln, als leichter Schneefall einsetzte und Flocken wie Feen um sie herumtanzten. Dann wurde er jedoch dichter und verschluckte sehr schnell das Licht, so dass sie sich gezwungen sahen, früher Rast zu machen, als sie erwartet hatten. Während Selim ihre Lager im Windschatten einer Felsnische richtete, entlud Melik den Esel und entfachte mit dem mitgebrachten Holz, welches das Tier stoisch trug, ein Feuer. Sehnsüchtig wartete Selim auf den heißen Tee, während er in seine Decke eingewickelt dasaß und auf einem Stück harter Wurst kaute.

"Du wolltest mir sagen, warum Agner immer so verärgert ist", erinnerte er sich und sah zu Melik hin, der Teeblätter in ihren kleinen Kessel streute.

"Ich glaube, er ist eifersüchtig. Vielleicht hatte er Angst, dass ein interessanter Fremder ihm die Aufmerksamkeit seines Herrn wegnehmen könnte." Melik überzeugte sich davon, dass der Esel sicher angebunden war und nicht des Nächtens beschloss, dass der heimische Stall gemütlicher war als die Berge. Dann setzte er sich auf sein Lager, hüllte sich in eine Decke und erzählte er Selim von dem Zwischenspiel am Kamin, das er beobachtet hatte.

Verwirrt schwieg Selim, als Melik endete. Natürlich wusste er, dass sich manche Männer eher von Männer angezogen fühlten. Ihm gefiel es ja ebenso, von Männern bewundert zu werden, statt selber Frauen anzubeten. Und auch Melik hatte keinen eigenen Harem, obwohl er wirklich alt genug war dafür. Aber dass man es einfach so zeigte, hatte er bisher weder gesehen noch davon erzählen hören.

"Das erklärt immer noch nicht die Unfreundlichkeit des Fürsten", beschied er schließlich, um seine Verwirrung zu verbergen und wechselte dann das Thema.

Melik schmunzelte, aber ließ sich darauf ein, über die Möglichkeiten zu diskutieren, einen Drachen zu besiegen, wenn er nicht schlief.


© by Jainoh & Pandorah