Feenweihnacht

3.

Das leise Knacken des Ofens begleitete Lasse mit dem leisen Heulen des Windes aus seinen Träumen, die von großen Elchen erfüllt gewesen waren, in die Wirklichkeit zurück. Es war stockdunkel, doch mit etwas anderem konnte man an einem Wintermorgen in dieser Gegend auch nicht rechnen. Lasse gähnte und rieb sich die Augen, ehe er das Knöpfchen drückte, das seine Uhr aufleuchten ließ. Es war überraschend früh, und so blieb er ruhig liegen und dachte an den vergangenen Tag und an seinen verrückten Traum.

Unwillkürlich musste er grinsen. /Reitelche!/ Gerne hätte er einen Blick auf Ejlif geworfen, doch er konnte nur nach den leisen, gleichmäßigen Atemzügen des anderen lauschen. /Er ist so verwirrend naiv und gleichzeitig so direkt mit Komplimenten. Vielleicht meint er sie gar nicht so? Und er ist wirklich hübsch. Augen wie die Nacht, dazu dieses helle, seidige Haar und die hellen Wimpern./

Auch wenn Lasse sich bei der Frage ertappte, wie er sich wohl anfühlen mochte, wusste er doch, dass er lieber gar nichts in der Richtung versuchen sollte, selbst wenn Ejlif nicht abgeneigt war. Im Gegensatz zu den meisten seiner Bekanntschaften, die im Bett geendet waren, hatte er hier das Gefühl, dass der junge Mann wohl vermutlich mehr dahinter sehen würde, wenn er anfing, ihm Avancen zu machen.

Ejlif öffnete träge und noch müde die Augen und blickte, noch ohne wirklich hinzusehen, zum Bett hinüber. Verwirrt fragte er sich einen Moment lang, wieso die Decken nicht glattgezogen lagen, wo denn die Katze war, die dort sonst schlief, als seine Erinnerung ihm wieder den Namen seines Gastes zuflüsterte. /Lasse. Ja, da liegt er und... hat er die Augen auf? Nein, das kann nicht sein. Komm schon, Ejlif, steh auf!/

Der Wind heulte noch immer durch das Dorf, und es war stockfinster draußen, also sicherlich früh am Morgen. Er streckte sich dennoch, um seine Aufgaben des Tages bald anzufangen. Zuerst krabbelte er leise unter der Decke hervor und holte Wasser für sich und den freundlichen, hübschen Gast. Dann zog er sich aus und wusch sich gründlicher als sonst, richtete seine Haare ein wenig, aber gab schließlich auf. Darauf zog er sich seine Arbeitskleidung über und machte sich daran, schnell zum Stall zu kommen, um das Heu an die Tiere zu verteilen und die Elchkühe zu melken.

Lasse hatte gehört, wie sein Gastgeber aufgestanden war und kurz das Zimmer verlassen hatte, nur um Momente später zurückzukommen. Durch den Schleier seiner Wimpern beobachtete er, wie Ejlif sich im Schein des Feuers, der durch die ein wenig geöffnete Ofenklappe fiel, fertig machte. Er bewunderte den blassen, geschmeidigen Körper, während er bei sich dachte, dass es nicht fair war, ihn heimlich anzusehen. Trotzdem wandte er den Blick nicht ab, bis Ejlif das Zimmer verlassen hatte.

Dann erst setzte er sich gähnend, rieb sich die Augen und stand schließlich auf. Der raue Holzboden war unangenehm kalt unter seinen Füßen, und so beeilte er sich mit dem Waschen und Anziehen. Nach wie vor peitschte der Wind Schneeflocken gegen das Fenster, und eine Überprüfung seines Handys ergab, dass er noch immer keinen Empfang hatte. Ob der Pannendienst mittlerweile jemanden verständigt hatte, dass er auf der Straße liegen geblieben war? Aber selbst wenn, wie sollten sie bei dem Wetter durchkommen. Ihm blieb nichts übrig als zu warten, doch das war in dieser Gesellschaft nicht weiter schwer.

Lasse musste unwillkürlich schmunzeln, als er zu dem kleinen, leeren Bett hinsah. Ob der junge Mann überhaupt wusste, wie attraktiv er war? Immerhin war er nie aus seinem Dorf herausgekommen, und die meisten Frauen standen doch eher auf kräftige, große Männer, die auf einem Hof alles richten konnten, ohne Hilfe zu holen. /Ich würde ihm gerne mit dem ein oder anderen helfen... Lasse! Fang gar nicht erst mit so etwas an./

Denn da gab es noch einen weiteren Punkt, auf den er neben verletzten Gefühlen Rücksicht nehmen musste. Gerade kleine, abgelegene Dörfer wie dieses hier waren nicht unbedingt aufgeschlossen, und er wollte die freundliche Aufnahme bestimmt nicht mit Problemen zurückzahlen.

Als Ejlif mit den zwei Milchkannen zum Haus zurückkam, lag schon der Korb mit dem frischen Brot, vom Bäcker des Dorfes vorbeigebracht, in der Diele. Ejlif nahm ihn rasch mit zur Küche und kochte einen starken Tee. Die Milch setzte er in den Schrank zum Aufrahmen ab. Dann begann er, leise summend Haferbrei zu kochen und den Tisch zu decken, damit alle im Haus gleich frühstücken konnten. Verstohlen stellte er seinen eigenen Lieblingsbecher für den Gast hin und dachte sinnierend darüber nach, wie dieser ihn am Abend zuvor angesehen hatte. Seltsam direkt, ohne jedoch neugierig zu sein, eher interessiert und abschätzend. /Ob er mich attraktiv findet? Mich? Das wäre ja... wunderschön wäre das!/

Mit einem Mal aufgeregt fütterte Ejlif die Eichhörnchen und Vögel auf dem kleinen Platz vor dem Fenster und kraulten den kleinen Tierchen durch das dichte Winterfell, bevor er sich wieder dem Tisch zuwandte.

Lasse war in der Küchentür stehen geblieben und hatte den jungen Mann beobachtet, wie dieser sich um die Tiere gekümmert hatte. Schon wieder musste er wegen ihm lächeln, und er ertappte sich dabei, dass er ein wenig in den dunklen Flur zurückwich, um ihn weiter anschauen zu können und nicht zu stören. Doch als Ejlif das Fenster schloss und sich umdrehte, betrat er die Küche. "Guten Morgen. Ich hoffe, du hast gut geschlafen. Kann ich dir helfen?"

"Guten Morgen!" Ein prüfender Blick zeigte Ejlif, dass sein Gast frisch und recht ausgeruht wirkte. "Nein, du musst nur mit mir frühstücken. Die anderen schlafen heute sicherlich länger." Er drehte sich zu dem wuchtigen Herd um und fragte mit einer kleinen Geste zu den großen Kannen auf der Platte "Tee oder Schokolade? Milch steht schon dort neben deinem Platz."

"Tee bitte." Lasse setzte sich und betrachtete das irdene Geschirr, dem er am Abend zuvor wenig Beachtung geschenkt hatte. Es wirkte wie der ganze Hof irgendwie alt, ein wenig in der Zeit zurück geblieben, und ließ ihn lächeln. Als sei die Zeit außerhalb der großen Städte stehen geblieben.

Sein Blick wanderte zu Ejlif zurück, und er beobachte, wie er mit dem Teekessel hantierte, betrachtete die schmalen Hände, die schlanke Figur. /Ah Lasse, du findest ihn zu attraktiv. Es wird Zeit, dass der Sturm aufhört./ Aber danach sah es nicht aus, nach wie vor nicht. Er lächelte erneut, als Ejlif ihm einschenkte. "Danke." Dann lachte er auf, als er sich an seinen Traum erinnerte. "Ich habe heute nacht übrigens von deinem Elch geträumt. Ich bin noch nie zuvor auf einem geritten; kein Wunder also. Wie bist du zu ihm gekommen?"

Verwirrt von der Frage schnitt Ejlif das Brot besonders sorgfältig, um es über dem Herd zu rösten, während er sich dann entschied, dem Mann die Frage direkt zu beantworten. "Die Elche leben hier bei uns. Das ist Milch von ihnen. Wir füttern sie im Winter, natürlich lassen sie uns da auch auf sich reiten, wenn wir freundlich fragen."

Er nahm neben dem Mann Platz und sah ihn aufmerksamer an. "Das Auto muss man nicht fragen, oder? Mein Bruder hat mir erzählt, dass man sie nur füttern muss, aber sonst so unfreundlich zu ihnen sein kann, wie man möchte."

Lasse lachte wieder, sah kurz direkt in die kohleschwarzen Augen, um herauszufinden, was davon Ejlif jetzt ernst meinte, kam aber überraschend zu keinem wirklichen Ergebnis. "Ein Auto lebt ja auch nicht, im Gegensatz zu einem Elch. Dafür ist ein Auto ziemlich teuer. Ich bin froh, dass mein Arbeitgeber meines weitgehend finanziert."

/Finanziert...?/ Ejlif hatte eigentlich fragen wollen, aber der Blick in seine Augen lenkte ihn ab. Frühlingshaftes Grün lachte ihn an und wirbelte seine Gedanken durcheinander. Schüchtern lächelte er zurück.

"Du sieht schön aus, wenn du so lachst", erklärte er seinem Gast, sprach seine Gedanken einfach aus. Rasch erhob er sich dann und holte eine Schale Brei. "Magst du Haferbrei mit Honig essen?"

"Gerne." Lasse antwortete, ohne die Frage wirklich gehört zu haben. Ein kleiner Wirbel aus Freude, Sorge und Verwirrung hatte ihn bei diesem unerwarteten Kompliment durchzogen und brachte ihn zu der Überlegung, wie er sich dem jungen Mann gegenüber verhalten sollte. Dass Lasse ihm gefiel, war offensichtlich, und es schmeichelte ihm, zumal er umgekehrt Ejlif ebenfalls attraktiv fand.

Doch da lag ein Teil des Problems. Lasse glaubte nicht daran, dass sein Gastgeber Körperlichkeit von Verliebtheit trennte. Wenn er etwas mit Ejlif anfangen würde, würde dieser mit ziemlicher Sicherheit mehr erwarten. Schon das war genug, dass er keine Hoffnungen wecken wollte. Nur schien es, als hätte er das allein durch sein Auftreten bereits getan. Warum sonst sollte der andere ihm so offen Komplimente machen?

Lasse war sich sehr deutlich bewusst, dass er, selbst wenn er es wollte, diese Hoffnungen niemals erfüllen konnte. Sex und Liebe waren zwei Dinge, die in seiner Welt nicht miteinander existierten. Er liebte seine Mutter, er liebte seinen Adoptivvater, er liebte seine Freunde. Sex hatte er mit Bekannten, von denen er wusste, dass sie nicht mehr erwarteten oder mit Leuten, bei denen sicher war, dass er sie nicht wiedersah und die aus diesem Grund auch nicht mehr als ein paar gemeinsame Stunden wollten.

Andererseits wollte er Ejlif nicht verletzen und ihm abweisend gegenüber treten. Nachdem sie sich so gut verstanden hatten, wäre es auch ziemlich unglaubwürdig. Lasse beschloss, es damit zu versuchen, dass er Komplimente einfach überhören würde.

"Was meinst du, wie lange der Sturm noch andauert?", fragte er, während er den Haferbrei inspizierte und schließlich einen Löffel probierte. Er schmeckte besser, als er aussah, und passte zu der alten Küche.

Ejlif wollte gerade antworten, als eine spitze Stimme von der Diele her ertönte "Hör auf zu flirten, mach dich lieber nützlich und bring uns was zu Essen!"

Ejlif seufzte innerlich auf. Der Frieden würde gleich dahin sein. Die Schwestern hatten sich ausgeruht und würden nun, da sie ihre Erlebnisse ausreichend miteinander ausgetauscht hatte, aus Langeweile sicherlich sehr bald über ihn herfallen. Hastig antwortet er in Lasses Richtung "Ich werde meinen Vater nach dem Frühstück bitten, dich doch deiner Wege ziehen zu lassen. Ich weiß selber nicht, was ihn so geärgert haben könnte. Im Dorf selbst gibt es eigentlich nie Sturm."

Verwirrt sah Lasse zu ihm hin. "Dein Vater? Was hat dein Vater mit diesem Sturm zu tun?"

Fünf der Schwestern kamen zugleich und scheuchten ihren Bruder nach Tee, Haferbrei, Brot und Butter und ließen kaum eine Gelegenheit aus, um ihm nebenbei klar zu machen, dass er der nutzlose Part der Familie war. Es wäre alles nicht so schlimm, würde Lasse nicht am Tisch sitzen. /Sie blamieren mich! Vor ihm, das tun sie extra./

Lasse fühlte sich ein wenig in eine verzerrte Version von Aschenputtel versetzt, während er noch immer über Ejlifs Worte grübelte. Über diese und über lauter andere Kleinigkeiten, die seit dem Vortag geschehen waren, die er gesehen hatte. Über Dinge, die man eigentlich alle ganz normal erklären konnte, aber die nicht zu passen schienen.

Gerade verlangte eine der besonders nervenden, älteren Schwestern nach mehr Tee, als Liskas warme Stimme vom Durchgang her erklang. "Ah, die Familie ist schon versammelt. Das ist ja schön." Sie trat an den Tisch heran und hielt Ejlif auf, bevor er schon wieder von seinem Platz aufspringen konnte. "Die Damen Feen können sich gern auch selbst bemühen. Herrschsüchtig tun gibt einen dicken Hintern. Ich habe mir sagen lassen, dass die Herren Fürsten sich nicht an einem solchen erfreuen können."

Gleich drauf liefen die Mädchen wild umher, um ihr Geschirr in den Waschzuber zu bringen und zum Schönmachen auf ihre Zimmer zu verschwinden. Liska zwinkerte ihrem Sohn zu und flüsterte laut genug, dass Lasse es hören konnte "Vielleicht werden sie sich auch eine fleißige Braut aussuchen wollen in diesem Jahr. Dann werden sie sich noch um dich streiten, Ejlif."

Ejlif errötete und murmelte "Mich sehen die Fürsten doch ohnehin nie an, Mama." Er linste zum Fenster hinaus und schlug Lasse vor "Wir könnten sehen, wie Vinter sich beruhigt, und dann bringe ich dich gern zu deinem Wagen. Es sei denn... es sei denn, du möchtest noch bleiben."

Immerhin eine Frage klärte sich damit für Lasse. Ejlifs Mutter wusste eindeutig von der Vorliebe ihres Sohnes. /Eigentlich ist es ja auch nicht zu übersehen. Aber manchmal können sie so blind sein./ Sein Blick wanderte von Ejlif zu Liska, die ihn mit einem Lächeln bedachte, das Lasse viel zu wissend erschien, dann zurück zu dem jungen Mann mit den Kohleaugen.

Er dachte daran, was er sich vorgenommen hatte, zu gehen wenn der Sturm vorbei war, ohne zu viel Spuren zu hinterlassen, doch mit einem Mal schien das schwieriger zu werden. "Warten wir erst einmal ab, was das Wetter macht. Vorher habe ich ohnehin nicht viel Wahl, da ich wenig Einfluss darauf habe. Kann ich dir vielleicht so lange bei der Arbeit helfen?"

Damit konnte er sich zumindest ein wenig erkenntlich zeigen und gleichzeitig die ein oder andere Frage stellen, wenn Liska und die anderen Frauen nicht mehr in der Nähe waren.

Ejlif nickte gleich eifrig und wies zu den Ställen hinüber. "Wir könnten den Heuwagen für die Herden, die draußen bleiben wollten, noch beladen. Dann kann ich den mit Jätte rausfahren, wenn der Sturm endlich vorbei ist. Wenn du mir dabei helfen könntest, wäre es toll. Allein komm ich nicht so gut an die Seilwinde heran." Er streifte seine Mutter mit einem Blick, aber die sagte schon, bevor er fragen musste "Alvars Kleider sind in der Truhe in meinem Zimmer, die müssten Lasse gerade so noch passen."

Ejlif sprang auf und sagte "Iss noch zuende, ich bring die Sachen schon in meine Kammer, dann machst du dich nicht schmutzig."

"Danke." Lasse sah ihm nach, als er aus der Küche lief. Bewusst wich er Liskas Blick aus und wechselte nur ein paar allgemeine Höflichkeiten mit ihr, während er rasch sein Frühstück beendete, um dem jungen Mann zu folgen. Das Gefühl, das in diesem Dorf etwas nicht so war, wie es sein sollte oder zumindest nicht so, wie er es gewohnt war, wurde immer stärker, und das Bedürfnis, Ejlif eine ganze Menge etwas eigenartiger Fragen zu stellen, wuchs parallel dazu an. Sein Gastgeber legte gerade ein Bündel Kleidung auf sein Bett, als er den kleinen Raum betrat. Sie waren denen ähnlich, die er selber trug, wie Lasse feststellte, ein bunter Wollpullover und eine ebenso bunte Lederhose.

"Sag, sind das wirklich alles deine Schwestern, die mit am Tisch saßen?", fragte er, während er die Tür hinter sich schloss. Er löste seine Armbanduhr und ließ sie in seine Tasche fallen, ehe er aus der Hose schlüpfte und dann sein Hemd aufknöpfte.

Ejlif nickte leicht und begann seinerseits, vom Anblick der nackten Haut seines Gastes ein wenig abgelenkt, sich anzuziehen. "Keine Fee hat so viele Kinder wie Liska, und noch immer ziehen die Fürsten sie vor, wenn sie herkommen. Wir sind insgesamt schon neun. Sieben Mädchen und Alvar und ich."

Lasse hielt inne und drehte sich mit verwirrt gerunzelter Stirn zu Ejlif um, sein Hemd noch in der Hand. "Feen. Fürsten. Ejlif, das klingt ein wenig... eigenartig. Willst du mir gerade erzählen, dass du, dass deine ganze Familie nicht menschlich ist?"

Ejlif hatte zwar schon mit Menschen darüber gesprochen, aber noch nie mit einem ausgewachsenen Menschen, eigentlich immer nur mit Kindern. Unsicher lächelte er, so lieb er konnte, und nickte. "Wir... sind den Menschen aber sehr ähnlich, wenn wir in körperlicher Form leben. Ich zum Beispiel...", er zerrte sich einen buntgemusterten Pullover über den Kopf, "... kann gar nicht körperlos sein. Ich soll ja auch deswegen zu den Menschen ziehen, weil ich dort viel besser hinpasse."

Lasse registrierte, dass das feine, helle Haar nun noch viel zerzauster war, während die schwarzen Augen kurz zu ihm blickten, um ihm dann wieder verlegen auszuweichen. /Ich habe noch nie so dunkle Augen bei einem so hellen Mann gesehen. Und wenn es wirklich seine Schwestern sind.../

Ihm ging auf, was Ejlif sonst noch gesagt hatte. Achtlos warf er Hemd auf das Bett und nahm stattdessen die Lederhose in die Hand, die er für die Arbeit bekommen hatte, betrachtete die bunten Muster einen Moment, ehe er hineinschlüpfte. "Du kennst dich in der Stadt nicht aus. In der Welt der Menschen."

Eigentlich hatte er dazufügen wollen, dass er viel besser hier in dieses Dorf passte mit seiner Naivität und mit dieser unschuldigen Art. Doch er verkniff es sich, während er nach dem Pullover griff und ihn über den Kopf zog. Stattdessen wechselte er wieder zurück zu dem Thema, das so bizarr, so märchenhaft war, dass er sich mehr fühlte, als würde er dieses Gespräch träumen. "Und die Fürsten? Wer sind sie? Du sagst, dein Vater würde den Sturm machen."

Mit einer dicken Fellweste in der Hand ging Ejlif noch einen Schritt auf Lasse zu und erklärte, während er sie ihm reichte "Alle Fürsten machen Stürme. Da dies ein Sturm mit Eis und Schnee ist, wird es schon mein Vater sein, der dafür zuständig ist, außerdem ist es seine Regierungszeit." Er winkte Lasse, ihm zu folgen. "Komm mit, ich zeig dir die Ställe, da kannst du mich weiter fragen."


by Jainoh & Meike "Pandorah" Ludwig