Feenweihnacht

4.

Verwirrt nickte Lasse und warf die Weste über, ohne es wirklich zu registrieren. Er lief dem jungen Mann hinterher, während seine Gedanken sich überschlugen. /Das klingt wie ein Märchen. Ich müsste lachen und mich fragen, wer von uns beiden verrückt ist, er oder ich. Aber es fühlt sich auch so an wie ein Märchen. Das Haus riecht danach, und es sieht so aus. Und dann der verrückte Elch. Die schwarzen Augen. Aber das kann am Licht liegen. Den Elch kann er mit der Flasche aufgezogen haben. Die Stürme seines Vaters können Wünsche sein, Wunschträume, weil er keinen Vater hat. Doch Liska hat auch davon gesprochen. Sie wirkt nicht wie eine Träumerin./

Der Wind und das Schneetreiben holten ihn für einen Moment aus den Gedanken, und er schloss hastig enger zu Ejlif auf, der ihm den Weg zu den Ställen wies, eine kleine, schemenhafte Gestalt, die erst wieder deutlicher wurde, als sie in den Stall traten. Wärme, weiches Licht und der Geruch nach Tieren und Stroh empfing sie.

Ejlif mochte den gemeinschaftlich genutzten Stall. Er war groß und freundlich, heller als ein Wohnhaus beinahe, weil große Fenster eingelassen waren, die nun freilich durch hölzerne Laden versperrt wurden. Die Elche der Dorfbewohner kamen gemütliche Laute ausstoßend näher. Ejlif stellte Lasse und die Tiere einander vor, dann winkte er Lasse. "Komm hier entlang, der Wagen steht dort drüben, wo auch Jätte ist. Erkennst du den Riesen wieder?" Er klopfte dem Tier auf den Hals und ließ sich von dem großen, weichen Maul durch die Haare tasten, die durch den Schnee ganz nass und wuschelig geworden waren.

Hier im Stall, im Halbdunkel und mit dem warmen Heuduft fühlte er sich wohler als im Haus mit all seinen Schwestern, die ihn ärgerten. Zudem war nun Lasse bei ihm. Eben, als sein Gast sich ausgezogen hatte, musste Ejlif sich eingestehen, waren seine Gedanken wirklich in gänzlich ungewohnte Bahnen gewandert. Zum Beispiel, wie sich die Haut des Mannes anfühlen würde und außerdem, dass er sehr lecker roch.

Ejlif drehte sich an der Winde um und fragte "Magst du hier unten bleiben, und ich klettere hoch auf den Boden, dort belade ich das Netz, und du schwenkst es dort zum Wagen rüber?" Er stand absichtlich dichter vor Lasse und sah ihm direkt ins Gesicht.

Lasse erwiderte den Blick, und für einen winzigen Moment, viel zu kurz, um ihn zu greifen, hatte er das Gefühl, etwas Kostbares wiedergefunden zu haben. Freude, Erleichterung, Glück beinahe... Dann war der Augenblick vorbei. Er nickte verwirrt und fuhr sich mit der Hand durch die blonden Locken, um die letzten Schneeflocken daran zu hindern, ebenfalls auf seinem Kopf zu schmelzen. "Klar, kein Problem."

Rasch wandte Ejlif sich ab und kletterte die altbekannten Stiegen hinauf, um das Netz zum ersten Mal zu füllen. "Ich bin gleich soweit, gib mir einen Augenblick, Lasse." /Er hat mich eben gerade so angesehen, als ob... ich ihm verloren gegangen wäre. Ob er Angst hat? Er ist immerhin ein Mensch und befindet sich hier... im Dorf, wo die Zeit nicht so rennt, wo man sich vergessen kann, wenn man als Mensch hier verloren geht./ Lasses Stimme von unten schreckte ihn auf, und er steckte seinen Kopf durch die Luke, um nach unten zu schauen.

Lasse war Ejlifs geschmeidigen Bewegungen gefolgt, als dieser rasch über die Leiter auf den Boden geklettert war. /Eine männliche Fee. Sagt er. Und nutzlos? Ich finde, seine schnatternden Schwestern tun wesentlich weniger als er./ Noch bevor er darüber nachdenken konnte, hatte er den Gedanken auch ausgesprochen.

"Ich bin nutzlos für die Natur, weil ich meinen Körper nicht in Energie auflösen und ihr helfen kann, so wie sie, wie Mutter. Ich bin eben ein kleines Versehen. Sehr selten werden die männlichen Feen gebraucht, um die Nachfolge in der Herrschaft der Fürsten anzutreten. Aber ich bin eine Vinterfee, und Vinter wünscht doch sicherlich noch lange keinen Nachfolger." Er kicherte und wuschelte sich ein wenig Heu aus den Haaren. "Vor allem keinen so kleinen Knirps wie mich."

Lasse legte den Kopf in den Nacken und sah zu ihm hoch. Er musste grinsen, der Anblick von Ejlif im Stroh mit verstreuten Halmen, die sich überall an ihm, auf ihm festgesetzt hatten, war niedlich. "Du redest immerzu von Vinter. Und du sagst Fürsten. Willst du mir erzählen..." Nein, so konnte er das nicht sagen. Das klang abwertend. Das klang, als würde er ihm vorwerfen zu lügen. "Dein Vater, ist er der Winter? Meinst du das? Und die anderen Fürsten wären dann Frühling, Sommer und Herbst?" Da war es wieder, das Märchen. /Varen, Sommar, Höst und Vinter.../

Ejlif nickte eifrig. Langsam begann der hübsche Mensch zu begreifen, das machte ihn glücklich. Irgendwie wollte er ihm sein Leben gern näher bringen, wollte vielleicht einen Freund finden oder mehr? Verträumt blickte er auf die blonden Locken und breiten Schultern hinunter. "Achtung, greif dir das Seil, und ich gebe dem Netz einen Schups, dann ist es gleich in einem Schwung auf dem Wagen."

Eine Weile arbeiteten sie schweigend, während Lasse sich das Gesagte durch den Kopf gehen ließ und sich wunderte, dass er noch immer nicht in schallendes Gelächter ausbrach. Oder Ejlif zumindest im Stillen für verrückt erklärte. Aber da war etwas an diesem Dorf im Schneegestöber, an den hübschen Frauen hier, an Ejlif selber, etwas, das in der Luft zu liegen schien, ein Gefühl von Wärme, das es leichter machte, dem jungen Mann zu glauben. Als hätte jemand sacht einen Finger an die Zeit gehalten und somit ihren Lauf gebremst. Zart nur und weich, aber deutlich spürbar.

"Du sagst, ich würde aussehen wie ein Varenson", unterbrach Lasse schließlich die Stille. "Und deine Mutter hielt mich auch für einen. Varen ist der Frühling, nicht?"

Er dachte daran, dass er nicht wusste, wer sein leiblicher Vater war und erinnerte sich gleichzeitig an Liskas eigenartiges Lächeln, als sie ihn begrüßt hatte, erinnerte sich an ihre Reaktion auf seine Korrektur, dass er Thunberg hieß. Er war das Ergebnis einer einzigen Nacht seiner Mutter mit einem Fremden. Dann lachte er. "Vergiss meine Frage." Das war nun doch zu weit hergeholt. "Wirst du in die Stadt gehen? Oder willst du hier bleiben?"

Ejlif ließ sich von der Luke aus in das Heu fallen und lachte auch ein wenig, dann sagte er nachdenklich in Lasses Gesicht hochblickend "Du bist bestimmt ein Varenson, aber du musst es nicht glauben, wenn du es nicht glauben willst." Er zupfte einige Heuhalme aus dem Haufen, dann nickte er langsam. "Ich werde das Dorf verlassen müssen, wie mein Bruder. Ich hab noch nichts gesehen von der Welt und auch noch nichts Richtiges gelernt. Ein Handwerk, mit dem ich hier, wenn ich irgendwann einmal zurückkehre, nützlich sein kann."

Lasse dachte bei sich, dass es eigentlich auch nichts anderes war als in der Welt der Menschen. Kinder verließen das Haus, lernten einen Beruf und versorgten sich fortan selber. Nur hatte er mit einem Mal Angst, dass die Unschuld, die den jungen Mann umgab, sehr schnell verschwinden würde, wäre er erst einmal länger von hier fort. Das Bedürfnis, ihn schützen zu wollen, überraschte Lasse. Er hielt Ejlif die Hand hin, um ihm aufzuhelfen. "Wenn du mal Hilfe brauchen solltest, dort draußen, kannst du gerne bei mir anfragen."

Ejlif nickte freudig und ergriff die warmen Finger, um sich hochziehen zu lassen. Lachend hüpfte er dabei ein wenig und verkündete "Dann wollen wir mal das Heu ausfahren, der Sturm müsste sich doch eigentlich gelegt haben mittlerweile." Er ließ Lasses Hand nur ungern los, um nach Jätte zu pfeifen. "Wenn du möchtest, kannst du schon zu Liska ins Haus zurückgehen. Sobald ich das Heu hinten am Waldrand ausgebracht habe, kann ich dich zu dem Briefkasten zurückbringen, zur Straße." Er bemerkte den zweifelnden Blick von Lasse auf Jättes Rücken und kicherte. "Nein, du musst nicht reiten, wir nehmen natürlich einen Schlitten."

Lasse grinste ein wenig schief, weil Ejlif ihm sein Unbehagen angesehen hatte. "Natürlich." Doch er stellte fest, dass er nicht wirklich Lust hatte, das Dorf so bald schon zu verlassen. Ein Dorf, das von den Jahreszeiten besucht wurde, in dem Feen lebten, ein Dorf, das direkt aus einem Märchen gekommen zu sein schien.

Dann erinnerte er sich daran, dass er sich vorgenommen hatte, Ejlif nicht aus Versehen zu verletzen und nickte. Zudem würde der Kunde warten, sobald es aufklarte. Der Pannendienst würde kommen. Er hatte noch andere Termine, die er nahezu vergessen hatte, die aber in sein Handy einprogrammiert waren. Dennoch... war es das nicht wert, Kunden zu verärgern? Märchendörfer fand man nur einmal im Leben.

"Ich komme mit dir", sagte er. "Im Haus habe ich nichts zu tun und meine Sachen sind schnell gepackt. Es sei denn, ich störe dich."

Ejlif fühlte sich glücklich, auf eine übersprudelnde Art, wie der Sekt, den seine Mutter gern aus Holunderblüten herstellte. Er konnte so unbesorgt mit diesem Mann reden, auch wenn er ein Mensch war, auch wenn es eigentlich nicht sein konnte. Zudem schien dieser ihn auch zu mögen. Immer wieder tauschten sie Blicke, manchmal auch ein Lächeln. Lasse und er gingen nebeneinander über die nun glatte und friedliche Schneedecke zur Waldgrenze hin, zu der er mit leisen Pfiffen die Renntiere und Elche lockte.

Nebenbei erklärte und zeigte er Lasse das Dorf. Ihr Dorfhaus, in dem die große Feier stattfinden würde, wenn alle Fürsten zu ihnen kamen. Die anderen kleinen Höfe und Werkstätten, in denen die männlichen Feen arbeiteten. Nun waren überall die Mädchen zu sehen, die mit dicken Hosen und Röcken gegen den Schnee geschützt zwischen den Gebäuden umherliefen, sich neckten und Lieder sangen. Ejlif gönnte ihnen die wenige freie Zeit im Grunde schon, auch wenn er selber gern auch einmal faul gewesen wäre.

Lasse genoss jeden Augenblick derart intensiv und unmittelbar, dass er sich fragte, ob er jemals etwas so bewusst erlebt hatte. Alles schien ihn gefangen zu nehmen, das Lachen der jungen Frauen, ihre bunten Kleider, die vor dem weißen Schnee fast zu leuchten schienen. Der Duft nach Essen in der klirrend kalten Luft, die dennoch weich zu sein schien. Der Himmel über dem Dorf, der langsam aufklarte und ein dunkles Violett offenbarte, das atemberaubend war. Und nicht zuletzt der Mann an seiner Seite, seine fröhlichen Erklärungen, seine Stimme, seine bloße Gegenwart. Lasse fühlte sich, als würde er die Zeit nicht anhalten, sondern als sei sie schlicht bedeutungslos geworden.

Anschließend waren sie ein wenig durchgefroren, und so freute Ejlif sich, dass Lasse zwar schon seine Sachen packte, aber zu einem Becher Tee und Broten mit Renntierwurst noch zustimmte. Sie saßen jedoch nicht mehr lange zusammen, auch wenn Ejlif die Zeit viel zu kurz erschien. Er überredete den Mann dazu, die Pullover und Westen von Alvar zu behalten, dann lief er rasch zum Stall hinüber, um Jätte vor den kleinen zweisitzigen Schlitten zu spannen.

"Lasse? Wenn du soweit bist, dann können wir fahren."

Lasse hätte am liebsten den Kopf geschüttelt, doch er nahm nur seine Tasche auf und nickte. Die Jeans, zu der er von der weichen Lederhose zurückgewechselt war, schien ihm kratzig und unbequem, erinnerte ihn gnadenlos daran, dass er gleich aus diesem warmen Traum aufwachen musste. Erneut dachte er, dass Märchendörfer dazu tendierten, niemals wieder betreten werden zu können, wenn man sie einmal verlassen hatte. Eine Woge traurigen Vermissens spülte über ihn hinweg, obwohl er noch nicht einmal aus dem Haus getreten war.

Liska reichte ihrem Sohn ein dickes Fell für ihre Beine und zwinkerte ihm zu. "Bleib nicht zu lang weg. Vor der Feier lassen wir dich noch nicht zu den Menschen verschwinden, Kleiner."

Unwillkürlich huschte ein Lächeln über Lasses Gesicht. Es kam ihm ein wenig so vor, als hätte Liska das nicht nur zu ihrem Sohn gesagt, sondern sich gleichzeitig auch an ihn gewandt. Noch sollte Ejlif nicht zu den Menschen, aber früher oder später würde er gehen. Und dann gab es auch einen Weg zurück.

Er verabschiedete sich von der Feenfrau, bedankte sich herzlich, wagte es aber nicht, ihr Bezahlung für die Gastfreundschaft anzubieten. Es passte nicht. Dann folgte er dem kleinen, zierlichen Mann nach draußen. Das Schlittengespann mit dem riesigen Elch davor war beeindruckend, auch wenn die bunten Troddeln des Geschirrs ihm fröhliche Farbtupfer verliehen.

Die Tasche wurde hinter den Sitzen verstaut, dann nahmen sie nebeneinander Platz, und Ejlif breitete das Fell über ihre Beine. Lasse winkte Liska und einer der Schwestern zu, die vor das Haus getreten waren und freute sich beinahe unverhältnismäßig darüber, dass sie die Geste erwiderten. Als sich der Elch in Bewegung setzte, seufzte er leise.

"Ich werde es vermissen..." Ein wenig traurig winkte er noch einmal, ehe er sich zu Ejlif wandte und ein Lächeln versuchte. "Es ist so friedlich und zeitlos hier. Warm..." Und er hatte keinen der Fürsten gesehen, keinen Varenson. Vielleicht verpasste er damit eine einmalige Gelegenheit, etwas über die Familie seines Vaters herauszufinden. Aber vielleicht war es auch besser so. Manche Geheimnisse sollte man besser nicht zu ergründen versuchen.

Ejlif wählte einen weiteren Weg als Jätte am Tag zuvor. Es war einfach zu herrlich, an den Mann gekuschelt in dem Schlitten zu sitzen und zu erzählen. Nach einer kleinen Weile schwiegen sie beide nur noch, und auch das war herrlich. Verträumt überließ er Jätte die Arbeit fast allein und hielt nur noch die Zügel lose in der Hand, während er versuchte, von seinen Empfindungen so viele wie möglich aufzunehmen, in der Hoffnung, dass er sie würde behalten können.

/Er hat vermissen gesagt, aber es, das Dorf. Nicht dich und zu mir. Schade, weil ich glaube, dass ich ihn vermissen werde, sehr sogar./ Als der Briefkasten in Sicht kam und dahinter der vollkommen eingeschneite Wagen des Mannes, wurde er von Trauer erfasst.

Der Schlitten hielt mit einem kleinen Ruck, der Lasse frösteln ließ. Raus aus den Decken und rein in den eisigen Wagen. Doch er rührte sich nicht. "Ich sollte von dem Dorf besser nichts erwähnen, oder?", fragte er und zog seine Tasche nach vorne. Er öffnete sie, kramte nach seinem Terminkalender und holte eine der Visitenkarten heraus, um sie Ejlif zu geben, in der Hoffnung, dass dieser sich vielleicht wirklich melden würde. "Hier, wenn du dann irgendwann das Dorf verlässt. Meine Telefonnummern und die Adresse."

Ejlif zerrte seinen Handschuh mit den Zähnen von den Fingern, um die Karte vorsichtig entgegen zu nehmen. "Danke. Du kannst auch... jederzeit..." Er brach ab und seufzte. "Na ja, es ist schwer zu finden." Er wurde noch trauriger. Entschlossen half er Lasse dabei, den Wagen vom Schnee und der Eiskruste zu befreien, während sie auf den Pannendienst wartete.

Als in der Ferne die blassgelben Lichter eines schweren Gefährts aufleuchteten, entschuldigte Ejlif sich hastig und lief zu seinem Schlitten zurück. "Ich muss nach Haus! Mach es gut, Lasse."

"Lass dich nicht zu sehr von deinen Schwestern ärgern! Und grüß deine Mutter noch mal von mir. Und den Frühling!" Lasse winkte.

Mit Ejlif verschwand die Wärme. Viel zu schnell wurde der Schlitten von der Dunkelheit verschluckt, und nur Momente später verstummten auch die Schritte des Elches und das leise Kratzen der Kufen auf dem Schnee. Lasse kämpfte gegen das Gefühl an, ihm hinterher laufen zu müssen, weg von dem sich nähernden Motorenbrummen, das falsch und störend war, weg von der Kälte der Straße, zurück in die Zeitlosigkeit dieses Feendorfes. Zurück zu dem zierlichen Mann, dessen schwarze Augen bei dem letzten Blick so traurig gewesen waren.

Fluchend trat er gegen einen Wagenreifen, als sei sein Auto daran schuld, als würde es helfen, und vergrub die Hände in den Ärmeln. Er wandte sich vom Waldrand ab, spürte, dass die Bewegung ihn Kraft kostete und fluchte erneut. Während er reglos beobachtete, wie der Pannenwagen näher kam, nahm die Kälte zu. /Es war ein Fehler zu gehen. Feendörfer findet man nur einmal im Leben. Aber Ejlif hat gesagt, ich könnte sie wieder besuchen. Und der Abschleppdienst hätte mein Auto mitgenommen und eine Suche nach mir angefangen. Wie hätte ich dann von hier weg kommen sollen? Oder das Dorf wäre gefunden worden. Nein, das nicht. Nicht jeder findet Feendörfer. Ich darf nichts davon erzählen. Ich muss mich über die Rettung freuen./

Als das Scheinwerferlicht ihn aus der Dunkelheit riss, grinste er, auch wenn er sich nicht im Mindesten danach fühlte, und hob grüßend die Hand. Die Türen des schweren Gefährts wurden geöffnet, und zwei Männer sprangen heraus. Flüchtig wunderte Lasse sich, wie groß sie waren, wie breitschultrig, dann holte ihn eine menschliche Stimme gänzlich zurück in die reale Welt.

"Herr Thunberg! Alles in Ordnung? Der Sturm hat uns nicht früher durchgelassen. Wollen Sie heißen Tee? Wie fühlen Sie sich?"

"Tee ist klasse. Bin halb erfroren, aber eben nur halb. Bis auf den Umstand, dass der Wagen sich nicht mehr von der Stelle bewegt, tut er zum Glück noch, inklusive Heizung."

Die Reparatur dauerte nicht lange; Lasse ließ sich erklären, was defekt war, während er erstaunlich geschmacklosen Tee trank, der ihn nicht wirklich aufwärmte und einen Sandwich aß, der fast ebenso fad war. Die beiden Männer wollten ihn mit zurücknehmen und in ein Krankenhaus bringen, doch Lasse konnte sie davon überzeugen, dass er weder Erfrierungen und noch sonstigen Schaden von der Nacht im Sturm davongetragen hatte. Die Rechnung wurde auf die Telefongesellschaft ausgestellt, Lasse bedankte sich für Tee und Sandwich, und als der Pannenwagen gedreht hatte und langsam zurückfuhr, bedankte er sich stumm erneut, dass sie weg waren, obwohl sie wirklich nett gewesen waren.

Er stieg in sein mittlerweile wieder geheiztes Auto, doch fuhr nicht an. Sein Blick glitt über den dunklen Wald, ohne auch nur den Schimmer von weißem Haar zu entdecken. Schließlich startete er den Motor und schaltete das Licht ein. /Nur einmal im Leben.../


by Jainoh & Meike "Pandorah" Ludwig