Oh du Fröhliche

2.

Tore fühlte sich zwar ein wenig verfroren und kaum, dass sie den deutlich wärmeren Flur wieder betraten, auch noch rotgesichtig, aber sein Körper bedankte sich für die Bewegung und die frische Luft. Im Hausflur schlug ihnen gleich der Duft von Suppe entgegen, und dies erinnerte Tore daran, dass sein Magen auch nicht gerade verwöhnt worden war. Doch zunächst mussten Christian und er aus den Sachen, auch wenn die kleine Oma schon aus der Küchentür geschossen kam und sie für ihre Pünktlichkeit zum Essen lobte.

Schnell rannte Tore hinter Christian die Treppen zu dem kleinen Zimmerchen hoch und zerrte sich die Kleidung vom Körper, um sie über einen Stuhl zu hängen, den er vor die nun angenehm warme Heizung stellte.

Nur noch mit seiner roten, engen Lieblingsshorts und einem orangefarbenes T-Shirt bekleidet stand er vor dem Schrank und überlegte, welche Hose er anziehen sollte, als die Oma von unten her rief, dass das Essen auf dem Tisch stände und sie sich die Hände waschen sollten. /Wie bei meiner Oma. Wasch dir die Hände, kämm dir die Haare. Wie sieht du nur aus, Junge! Hast du kein ordentliches Oberhemd für den Sonntag?/

Er grinste und strich das Hemd entlang. /Ordentliches Oberhemd und ordentliche Hose, check. Immerhin werden die mit Sicherheit zur Kirche gehen, und da muss ich mit./

Sein Hunger und die gebührende Höflichkeit trieben ihn dann jedoch an. Hastig zog er sich seine olivegrüne Cargohose mit reichlich Taschen an den unmöglichsten Orten an, zurrte sie recht niedrig mit einem Gürtel auf seinen schmalen Hüften fest und stürmte dann sogar vor Christian noch die Stiege hinunter, um zu sehen, ob er vielleicht den Tisch decken helfen konnte.

Nathan verteilte gerade Besteck neben Tellern mit blauem Zwiebelmuster, als die Tür geöffnet wurde und jemand mit einem angenehm kühlen Windhauch in den Raum kam. Dunja bellte einmal kurz zur Begrüßung, was Nathan den Kopf heben ließ. Einen kurzen Moment lang schaute er Tore an, um sich dann wieder den Löffeln und Gabeln zu widmen.

/Fehler in der ersten Einschätzung/, dachte er bei sich und seufzte lautlos. Mit den von frischer Luft und Kälte geröteten Wangen und dem kleinen Grinsen, das seinen etwas schmolligen Mund umspielte, sah Tore trotz der Piercings wirklich gut aus. Nathan korrigierte seine Liste der attraktiven Männer, die Christian magisch anzog, um eins nach oben.

"Kann ich helfen, oder bin ich schon zu spät?" Unsicher streifte Tore den Wohnraum mit einem Blick und bemerkte mit einem kleinen Lächeln, dass sich eine Katze faul vor dem Kachelofen ausstreckte.

"Du kannst noch Gläser holen, wenn du magst." Nathan wies auf einen Schrank in der Ecke, über dem eine große Uhr hing. "Oma trinkt Wasser; Chris, Opa und ich werden uns wohl am Bier festhalten. Magst du auch eins?"

Tore überlegte einen Moment lang, dann nickte er und ging zu dem Schrank, um die Gläser vor den Tellern zu verteilen. Der Großvater kam zugleich mit Christian in den Raum und setzte die Suppenterrine in der Mitte ab. Seine Frau stellte einen Brotkorb dazu und zeigte Tore, auf welchem Platz er sitzen würde. Neben Chris und Nathan gegenüber.

Sie beteten kurz und routiniert, dann wurde eine Weile lang schweigend gegessen, bis die Großmutter mit den Fragen begann. Chris musste vom Studium erzählen und von seiner freundlichen Freundin; und Tore musste eine Reihe Fragen beantworten. Er musste noch einmal berichten, wie es dazu gekommen war, dass er weder bei seinem Vater, noch seiner Mutter, beide geschieden und neu liiert, das Fest verbringen würde.

Er hatte zwar ein schlechtes Gewissen, aber schob die Schuld dennoch voll auf seine Eltern, indem er knapp erzählte, dass diese sich nicht abgesprochen hatten und jeder ihren Sohn beim anderen vermutete. Um von sich abzulenken, lobte er erst das Essen und fragte dann nach den lokalen Bräuchen zum Weihnachtsfest.

Nathan sprach fast gar nicht, sah jedoch immer wieder zu Tore hin und nutzte die Gelegenheit, als dieser die zahllosen Fragen beantworten musste, um ihn aufmerksamer zu betrachten. Tores Gesicht war eine Mischung aus weich und eckig, was ihn faszinierte und den anderen Mann interessanter machte, als es klassische Schönheit bewirkt hätte. Das kleine, spitze Kinn stand in Kontrast zu seinen weichen Lippen, die grauen Augen, von geschwungenen Wimpern umrahmt, und die bogenförmigen Brauen zu den Wangenknochen und der schmalen Nase. Blonde Haare suchten sich ihren Weg an den Ohren - trotz der Ringe sehr hübschen Ohren - unter dem Tuch hervor, das er nach wie vor trug.

Tore hatte eine wirklich niedliche Art, die Lippen zu verziehen, wenn er ein wenig unsicher grinste; eine Art, die bei Nathan prompt den Wunsch hervorrief, sie zu küssen und an der schmolligen Unterlippe zu knabbern. Doch er verbot sich den Gedanken sofort, kaum dass er gekommen war.

/Niemals, niemals, niemals versuchst du dein Glück bei den Freunden deines Bruders/, sagte er sich stumm den Vorsatz vor, den er sich schon vor Jahren auferlegt hatte. Weder hatte er Lust auf Ärger mit Christian, noch darauf, dass dessen Freunde diesem Ärger machten, weil er einen schwulen Bruder hatte, noch wollte er sich hoffnungslos in einen Hetero zu verlieben.

Tore bemerkte verwirrt, dass Nathan ihn gemustert hatte. Sein Gesichtsausdruck dabei wirkte, als ob er etwas sagen wollte und lediglich keine Chance dazu bekam. Fragend hob Tore den Kopf ein wenig mehr und sah ihn an, um ihn vielleicht dadurch zum Sprechen zu bringen.

Nathan erwiderte den Blick, nur um festzustellen, dass er die grauen Augen in direktem Kontakt noch viel aufregender fand. Er lächelte in dem Moment, in dem er erwartete, dass der andere ihn fragen würde, warum er starrte, wies dann mit einer kleinen Kopfbewegung auf Tores nahezu leeres Bierglas. "Ich hole gleich noch ein paar Flaschen aus dem Keller, im Kühlschrank ist nichts mehr. Magst du was Spezielles? Ich habe gestern noch zwei Kästen gekauft. Wir haben Pils, Weizen, Dunkles und ein paar Flaschen Alkoholfreies."

Tore blinzelte einmal. /Starrt er mich an? Das war Starren; das war in die Augen starren./ Er fing sich dann jedoch gleich wieder und legte den Kopf schief. /Wie sehr in die Augen starren war das?/ "Ich... komme eben mit, dann kann ich selber sehen, und wir können den Kühlschrank auffüllen." Energiegeladen sprang er auf und legte die Serviette neben seinen ohnehin schon leeren Teller. "Wo geht's lang?"

Die Reaktion überraschte Nathan, doch er ließ es sich nicht anmerken. Stattdessen beugte er sich zu seiner Großmutter, der er ansehen konnte, dass sie es nicht mochte, dass sie aufstanden, und küsste sie auf die Wange. "Wir sind gleich wieder da, Ömchen." Es war unfair von ihm, denn er wusste, dass sie dem nicht widerstehen konnte, aber das störte ihn im Moment nicht.

"Chris, Weizen? Opa, ein Pils, oder?" Als die beiden nickten, erhob er sich ebenfalls und nickte Tore zu. "Na, dann komm. Nein, Dunja, du bleibst hier", fügte er gleich darauf an, als er sah, wie sich sein Hund hoffnungsvoll in seiner Ecke aufrichtete, nur um dann mit einem Seufzen wieder in sich zusammenzusinken. Er grinste, als sie das Wohnzimmer verließen und er die Tür hinter ihnen schloss, damit die Wärme nicht entweichen konnte. "Sie denkt immer gleich, es geht spazieren."

Tore streckte sich, um mit den Fingern an einen Querbalken zu kommen. "Och, ich würde gleich mit ihr gehen, holt sie Stöckchen?"

"Liebend gerne. Ausdauernder, als du es dir vorstellen kannst." Nathan beobachtete Tore aus den Augenwinkeln, als sie gemeinsam zur Treppe liefen, ehe er dann vorging. Die ausgebeulte Hose und das weite T-Shirt ließen ohnehin keinen guten Blick auf... /Nathan!/

"Ich gehe nachher ohnehin noch mal mit ihr. Kannst gerne mitkommen, wenn du magst." Er öffnete die schwere Kellertür und schaltete das Licht an. Durch den Waschkeller, in dem Waschmaschine und Trockner standen, führte er ihn weiter nach hinten, in den nächsten Raum, dessen Wände mit Regalen voller Vorräte verstellt waren.

Tore sah sich einmal kurz um. Wie bei seinen Großeltern. Ein Gewusel nützlicher und einfach nur so aufbewahrter Dinge tummelte sich ordentlich in Holzregalen an frisch geweißten Wänden. Direkt neben dem Eingang standen die Bierkästen. "Ich komme gern mit. Diese lange Zugfahrt hat mich ganz hibbelig gemacht."

Im Geiste notierte Nathan sich, dass er hier mal ausmisten musste, bevor er abfuhr. "Magst du Hunde?"

Tore lud sich von den Weizenbierflaschen einige auf den Arm und balancierte noch zwei Flaschen Dunkles dazu. "Mein Vater geht gern jagen, er hat zwei Weimaraner."

Mit ihrer Ladung gingen sie wieder zu den anderen zurück, wo Tore feststellte, dass die Großmutter auch in einer weiteren Sache seiner eigenen Oma glich. Sein Teller war ungefragt noch einmal mit der leckeren Suppe gefüllt worden. Grinsend nahm er wieder Platz und aß zuende, die Unterhaltung war durch den Bierausflug zu anderen Themen gewechselt.

Nach dem Essen und Tischabräumen saßen sie gemeinsam mit den Großeltern im Wohnzimmer, um weitere Fragen zu beantworten, die sich neben dem Studium natürlich auch um die liebe Verwandtschaft drehten. Nach zwanzig Minuten und ein paar Blicken zu Tore hin beschloss Nathan, ihn sowohl von den für ihn vollkommen uninteressanten Themen, wie auch vom ruhigen Sitzen zu erlösen. Innerlich schmunzelte er in sich hinein. /Ein Energiepotential scheint der Mann zu haben, das ist unglaublich. Wirkt manchmal wie ein Kind damit./

Er stand auf, was die Hündin in ihrer Ecke hoffnungsvoll den Kopf heben ließ. "Ich geh noch mit Dunja raus", verkündete er, und allein der Klang des Namens ließ Dunja fröhlich aufspringen und schon mal zur Tür vorlaufen. "Tore, willst du noch immer mit? Oder doch lieber verdauen."

"Bin gleich wieder unten, Nathan." Im Geiste notierte Tore sich als erstes die Frage, wie man den Namen leichter auszusprechen machen konnte. Schon wenige Minuten später gingen sie mit der bellenden und um sie herspringenden Hündin in Richtung des nahen Waldstückes vom Haus davon. Christian hatte nicht mitkommen wollen, sondern sich mit einem Buch auf die dicke Couch zu der ebenso dicken Katze gelegt.

"Und da soll man ihn etwas anderes als Bücherwurm nennen." Nathan grinste und schob die Hände tiefer in die Taschen seines dicken Parkas. Immerhin hatte Christian die Großer-Bruder-Allüren aufgegeben, dass man kleinere Brüder nicht mit den Freunden weggehen lassen konnte, da kleine Brüder ohnehin nur nervten. Seitdem sie nicht mehr zusammen wohnten, kamen sie ohnehin viel besser miteinander aus. "Was studierst du? Auch Soziologie und Pädagogik wie Chris?"

Tore nickte erst, dann schüttelte er leicht den Kopf. "Ich studiere Erlebnispädagogik und werde im nächsten Semester noch Psychologie dazu nehmen. Jugendpsychologie, wenn ich endlich einen Platz bekomme." Er warf seinem Versprechen folgend schon zum vierten Mal einen knorrigen Ast, damit die eifrige Hündin ihn zu ihm zurückbringen konnte.

"Das ist ein wenig anders. Man kümmert sich darum, wie Freizeitheime oder diese Manager-Testzentren aufgebaut und geführt werden sollen. Ich hab bislang immer am liebsten mit Kindern gearbeitet, auf Überlebenscamps oder Wandertouren." Er warf einen Seitenblick auf Nathan. "Was machst du noch mal? Ich weiß gar nicht, ob Chris es erzählt hat." /Er ist nett... netter als Chris sogar noch, und das ist schwer./

Nathan lachte. "Wenn mein Bruder was davon erzählt hat, dann höchstwahrscheinlich mit dieser 'Wie kann man nur so viel Grünzeug mögen'-Miene. Ich bin Landschaftsgärtner. Das heißt, wir machen so etwas wie Straßenrandbegrünung, Parkanlagen pflegen et cetera. Ich liebe den Job. Und er hat den Vorteil, dass ich Dunja fast immer dabei haben kann." Er warf seiner Hündin einen liebevollen Blick zu. "Kleiner Racker. Seitdem muss ich morgens nicht mehr alleine Joggen."

"Klingt auch nicht schlecht, der Job." Tore streckte sich und gähnte verhalten. Das andere Klima nahm ihn doch ein wenig mit. "Aber da würden mir die kreischenden, nervtötenden Kinder fehlen. Ich weiß, ich bin verrückt, brauchste nicht noch sagen." Er grinste frech und hob dann den Kopf, als er eben genau das hörte. Kreischende, lärmende Kinder beim Spielen.

Als sie um eine Kurve bogen, gelangten sie zu einem See, auf dem etliche Kinder und Jugendliche Schlittschuh liefen oder sich bei einem kleinen Hockeyspiel austobten. Er deutete zum See hin. "Siehste? So was. Hey, kann man hier irgendwo Schlittschuhe leihen? Mist, hab meine natürlich nicht mit. Hm, aber vielleicht..." Im Geiste planend lief Tore auf eine Gruppe Kids zu.

Es kostete ihn nur wenig Verhandlungen. Mit einem Augenbrauenpiercing war man zur Zeit ziemlich hipp, sehr offensichtlich auch auf dem Dorf. Nur wenig später hatte Tore einen der durchgefrorenen Jungs überredet, ihm das Paar Schlittschuhe für die Zeit eines Hockeyspiels zu leihen. "Wenn du schon zurückgehen willst, ich finde den Weg, Nat!" Prüfend schlug Tore mit dem Hockeystock auf das Eis, dann zischte er los, zu den anderen. Herrlich. Bewegung, austoben, ein schneller Sport, der seine Konzentration verlangte, so dass er sich nicht zu fragen begann, wie attraktiv Nathan noch werden musste, damit er ihn anbaggerte.

"Nat? Nat klingt ziemlich bescheuert", erklärte Nathan Dunja grinsend, während er die Hündin davon abhielt, Tore begeistert zu folgen. "Nee, nee, Mädel, da schlitterst du mir noch in einen Hockeyschläger. Außerdem kannst du auf dem Eis kaum laufen. Aber andererseits..." Er hockte neben ihr nieder und legte einen Arm um den warmen, schlanken Körper. "Wenn er das sagt, ist es irgendwie... niedlich."

Gedankenverloren streichelte er Dunjas Brustfell, während er Tore mit den Blicken verfolgte, wie er über das Eis fegte, auch nicht größer als viele der Kinder, geschmeidig und wendig. /Ich wette, er hat kein Gramm Fett zu viel./ Ärgerlich ertappte er sich dabei, wie er begann, sich den nackten Körper auszumalen, ein wenig sehnig, sehr schlank, wenn man nach den schmalen Handgelenken ging und dem, was man durch die weite Kleidung erahnen konnte. /Wenn er behaart ist, dann nicht allzu viel. - Nathan! Hör auf!/ Doch er erinnerte sich an den Blick beim Essen zurück, die Art, wie Tore den Kopf schief gelegt hatte. /Was wäre, wenn in all den Jahren mein holder Bruder mal nicht an einen Hetero-Kumpel geraten wäre?/

Das Was-wäre begann sich festzusetzen, während er dem Wirbelwind auf dem zugefrorenen See zusah. /Keine Freunde deines Bruders! Aber wenn... was wäre, wenn er... Nur, weil er ein Freund von Chris ist, heißt es ja nicht, dass ich... Was wäre, wenn Tore quasi meine Lydia wäre? Da könnte er nichts dagegen sagen. Und wenn.../ Unwillkürlich musste er lachen. "Dunja, gerade werde ich sehr albern." Dennoch konnte er sich nicht von dem Anblick lösen und weitergehen. Und nicht einmal er glaubte sich die Ausrede, dass es unhöflich wäre, einen Gast allein zu lassen.

Verwundert sah Tore, dass Nathan es doch tatsächlich ausgehalten hatte, die halbe Stunde, zwei Spielzeiten, am Rand des Sees zu warten. Er winkte und lachte ihn fröhlich an, während er Verabredungen mit den Kids für den nächsten Tag abwehrte, weil er nicht wusste, was Chris geplant hatte.

Rasch gab er die geliehenen Schlittschuhe zurück und zog seine kalten Schuhe wieder an, um zu Nathan zu laufen. "Whoohoo, wir haben gesiegt. Ha!" Er hüpfte einmal. "Danke, dass du gewartet hast." /Hat er meinetwegen gewartet oder aus Höflichkeit? Hat er mich beobachtet? Vorhin schien es mir so. Er starrt mich an, beobachtet mich. Hm. Das kann ich auch. Er ist ja auch gut anzustarren... netter Körper, trotz der schrecklichen Hose./ Mit schiefgelegtem Kopf sah Tore zu Nathan auf und fragte "Sind deine Großeltern eigentlich auch so Leute, die viel vom Kaffeetrinken und Kuchenessen halten?" /Oh, Apfelstrudel mit Vanillesoße, ich würde sterben dafür!/

"So viel, dass du binnen drei Tagen kugelrund bist, wenn du alles isst, was meine Oma dir auf den Teller legen will. Pflaumenkuchen hat sie für heute geplant, wenn ich mich nicht irre." Nathan grinste, spürte noch das kleine, nicht wirklich willkommene Kribbeln im Magen, weil Tore ihm zugewinkt hatte, während gleichzeitig ein neues erwachte, da er mit schiefgelegtem Kopf einfach niedlich aussah. Er pfiff nach Dunja, die abseits an ein paar Bäumen schnupperte, um ihr zu sagen, dass sie weiter gingen und sah Tore noch einmal kurz direkt in die grauen Augen. "Du läufst gut."

Tore grinste nur und beschloss, dass sie flirteten. Definitiv. Der Weg zum Haus zurück wurde ihnen kurz, weil sie es über das Schlittschuhlaufen irgendwie geschafft hatten, das Gespräch auf Sommerurlaube zu bringen und sich gegenseitig die netten Wanderwege erzählten, auf denen man sich herrlich austoben konnte, auf denen wunderbare kleine Hütten lagen, vor denen man am Abend sitzen und den Tieren zusehen konnte.

Das Kaffeetrinken über redeten Tore und Christian über die nächsten Projekte. Nathan schwieg dazu nur, was sollte er auch groß erzählen. Doch Tore hatte nicht den Eindruck, dass es ihn störte. Vielmehr schien es Nathan und auch ihm selber nur um so mehr Gelegenheiten zu diesen Blicken zu geben, eine Spur zu direkt, aber dennoch nicht direkt genug, um aufzufallen.

Sie gingen nach dem Kaffee dazu über, Monopoly zu spielen, was Tore eher langweilte und dazu brachte, seine Müdigkeit von dem Tag im Schnee zu bemerken. Und so verabschiedete er sich an dem Abend recht bald nach dem Abendbrot, nachdem sie besprochen hatten, was sie am nächsten Tag, dem Tag vor Weihnachten, alles machen wollten.

"Shoppen gehen, dann mit der Gondel auf den Berg und rodeln, dann zu euren Freunden und mit denen noch in die Disco", zählte Tore gähnend auf. "Ich glaub, dafür werde ich meinen Schlaf brauchen. Gute Nacht zusammen." Er gönnte sich noch einen Blick in Nathans Gesicht und befand, dass es ihm wirklich gut gefiel, vor allen Dingen, wenn dieses kleine Halblächeln darin stand. "Bis morgen früh. Weckt mich wer?", fragte er schon eine Spur zu direkt an Nathan gerichtet, aber bekam von Chris eine entsprechende Zusage. Sehr zufrieden kuschelte Tore sich in das Bett, den Troll neben sich und sein Psychologiebuch vor der Nase. Er schlief allerdings ein, bevor er das Licht ausschalten konnte.


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by Jainoh & Meike "Pandorah" Ludwig