Oh du Fröhliche

7.

Die eisige Luft war angenehm nach der stickigen Hitze des Wohnzimmers, Nathan atmete befreit auf, während seine Hündin schon wieder durch den Schnee tobte, als hätte sie den Tag über noch keinen Auslauf bekommen. Der dunkle Himmel war klar, und für einen Moment wünschte Nathan sich, dass er weit außerhalb wäre, um mehr Sterne sehen zu können.

Dann jedoch schaute er sich wieder besorgt um, konnte Tore aber nicht entdecken. Nur seine deutlichen Fußspuren führten aus dem Garten fort. Er folgte ihnen, bis er den anderen Mann nicht allzu weit entfernt fand, angelehnt an den Zaun der Nachbarn und mit dem Rücken zu ihm.

"Tore?" Er trat zu ihm, schob ihm nach einem kurzen Blick in die Runde die Arme von hinten um die Taille und zog ihn dann an sich. Um die Uhrzeit war an Weihnachten hier niemand mehr auf der Straße. Sacht drückte er ihm die Lippen auf den kühlen Hals. "Alles in Ordnung?"

Tore zuckte leicht zusammen und merkte erst in dem Moment, wie ausgekühlt er schon war. "Ja, alles okay, ich hab nur ein wenig frische Luft gebraucht." Er drehte sich zu Nathan um und sah ihn kurz an, dann lächelte er und zog den Reißverschluss von seinem Parka mit steifen Fingern auf.

"Schaut aus, als müsstest du mich auftauen." Er schob seine Arme unter dem Parka um Nathans kräftigen Oberkörper herum und lehnte sich gegen ihn, um aufatmend die Nase gegen den Stoff zu stupsen.

Sacht drückte Nathan ihn an sich und vergrub das Gesicht in Tores dank der Kirche ungegelten Haaren. Er war erleichtert, dass es ihm gut ging, schämte sich jedoch ein klein wenig, dass er so beunruhigt war. /Aber Christian war es ja auch./

Einen Moment lang schwieg Tore noch, dann trat er seufzend einen Schritt zurück und sagte leise "Ich... bin kein Baby, du musst dir keine Gedanken um mich machen, Nat." Er küsste ihn einmal schnell und drehte sich dann herum. "Ich hab mir nur Sorgen gemacht wegen Chris. Irgendwie finde ich es unfair zu schweigen."

Tore warf einen Seitenblick auf Nathan, der von Dunja umtollt wurde und musste spontan lachen. "Tut mir leid, tschuldigung. Das ist alles so schnell, und wir kennen uns erst seit nicht mal drei Tagen, und ich fange schon so an."

Auch Nathan lachte leise auf. Es machte ihn glücklich, dass Tore so dachte. Über nur einen Ferienflirt zerbrach man sich nicht den Kopf mit so etwas. "Erstens hat Christian sich auch gefragt, wo du bleibst, und wenn ich nicht gegangen wäre, hätte er nach dir geschaut. Da war mir das so doch lieber. Zumal Dunja wenigstens noch mal kurz raus musste. Für einen Spaziergang, wie sie ihn sich wünscht, ist mir das jetzt zu spät. Und zum Zweiten..."

Er legte den Kopf in den Nacken und sah zum Sternenhimmel empor, ehe er mit einem Lächeln zu Tore hin die Hände in den Taschen vergrub. "Ich mag es, wenn du dir darüber Gedanken machst. Und Chris wird es auf jeden Fall erfahren. Meine Großeltern auch. Nur nicht heute."

Dann konnte er nicht mehr widerstehen und umarmte ihn, küsste ihn auf die Wange, den Mundwinkel und die Nase, um ihm dann in die Augen zu sehen. "Ich könnte dir doch etwas schenken, wenn du es magst. Ich kann gut massieren. Ich verspreche dir auch, ich fasse dich nicht weiter an als nur, um dich durchzukneten."

Tore lachte leise auf. "Mit anderen Worten, du willst dich wirklich in Nacht und Nebel durchs Haus schleichen? Aber 'nein' würde ich sicherlich nicht sagen." Sie wandten sich schon wieder dem Haus zu und gingen langsam zurück. Durch das Fenster auf der linken Seite konnte Tore den Baum der Mieter erkennen. Die Kerzen wurden soeben zum zweiten Mal angezündet; offensichtlich war auch Besuch da, denn zwei Wagen parkten noch auf der Straße.

"Ich bin so verdammt froh, dass ich hier bin und nicht bei meiner Mutter in ihrer Designerwohnung mit ihrem ekeligen Kerl, der mich immer versucht zu therapieren, oder bei meinem Vater auf Hawaii, das wäre ja noch besser!" Er warf einen schüchternen Blick zu Nathan hin und wollte ihn gerade fragen, was er Silvester vorhatte, als Christian in der Tür erschien und ihnen zuwinkte.

Tore grinste und lief zu ihm hin, warf heimtückisch mit einem Schneeball und erklärte dann "Ich war ein wenig mies drauf wegen meiner dummen Eltern mal wieder, kennste ja. Ich wollte euch aber nicht mit meiner Laune anstecken." Er lachte und klopfte der Hündin auf den Rücken. "Dunja hat mich wieder aufgemuntert."

Dunja wedelte fröhlich mit dem Schwanz, und Christian lachte. "Das kann sie gut. Und ich finde es klasse, dass du hier bist. Besser, als dich mit deinen Eltern rumzuärgern." Er zwinkerte ihm zu und sagte eine ganze Ecke leiser "Zudem ist es sehr angenehm, mit einem Freund hier zu sein. So lieb sie sind, sind meine Großeltern doch etwas anstrengend manchmal."

Nachdem Tore sich die Jacke ausgezogen hatte, legte er ihm einen Arm um die Schulter, um ihn wieder mit ins Wohnzimmer zu nehmen. Nathan, der wie üblich erst einmal Dunja abgetrocknet hatte, sah ihm mit einem stummen Seufzen hinterher, ein wenig neidisch darauf, dass Christian es so einfach durfte, Tore umarmen und drücken, selbst wenn es nur kurz war.

/Dummkopf/, dachte er mit einem leise lächelnden Kopfschütteln. /Das, was du willst, ist weitaus mehr und gänzlich anderer Art./ Seine Gedanken wanderten zu dem leicht amüsierten Kommentar Tores zurück, dass er wirklich nachts zu ihm kommen wollte. Natürlich wollte er. Am liebsten wäre er gar nicht mehr von der Seite des anderen Mannes gewichen, hätte ihn gerne schon jetzt im Arm gehalten.

Während Dunja ihm brav die Pfoten anhob, damit er sie von Schnee und Dreck befreien konnte, driftete er zu dem ab, was Tore ihm am Nachmittag erzählt hatte. Dass er sich nackt nicht anfassen ließ. Dass Küssen und Umarmen in Ordnung war, aber alles darüber hinaus... /Und keiner weiß warum. Mach dir bloß nicht zu viele Gedanken darüber, Nathan. Noch jemand, der Therapien ausprobiert, kann ihm mit ziemlicher Sicherheit gestohlen bleiben. Aber was mache ich, wenn es wirklich nicht geht? Ich will ihn jetzt schon so sehr./ Gleichzeitig wusste er jedoch, dass er für diesen Mann mehr als nur Geduld haben würde.

Erst als Dunja unruhig zu werden begann, stellte er fest, dass er schon viel zu lange an ihr herumrubbelte. Mit einem schiefen Grinsen und einem kräftigen Klopfen auf ihre Flanke gab er sie frei. "Tut mir leid, Süße. Ich war in Gedanken woanders."

Er räumte das alte Handtuch weg und kam dann langsam ins Wohnzimmer hinterher. Den Rest des Abends bemühte er sich redlich, weder dauernd zu Tore hinzustarren, noch tausend Gelegenheiten zu suchen, um ihn rein zufällig berühren zu dürfen. Dafür empfand er die, bei denen es wirklich nebenbei geschah, als um so wertvoller.

Es war schon weit nach Mitternacht, als die Großeltern sich verabschiedeten und dann noch einmal sicherlich eine halben Stunde, in der die drei Jungs bei endgültig niederbrennenden Kerzen ihren letzten Schluck im Glas aufschoben, während sie sich halbbetrunkenen Unsinn erzählten.

Tore genoss das Zusammensein mit Christian und Nathan, obwohl er den Mann, in den er sich so unerwartet und heftig verschossen hatte, nicht umkuscheln und küssen durfte. Nathan und er saßen nebeneinander auf dem Sofa und Chris auf dem Hocker vom Sessel davor. Dies gab Tore die Gelegenheit, dichter neben Nathan zu sitzen, weil sie leise reden wollten und sich ein wenig heimlichtuerisch zusammenrotteten.

Doch es hatte auch den dummen Nebeneffekt, dass er zu denken begann, dass dies ein guter Moment wäre. Um es Chris zu sagen, um dazu stehen zu können, ohne Erklärungen, in denen Worte wie ,Damals Weihnachten... wir sind nur noch nicht dazu gekommen...' /Ja, wann ist es denn richtig? Shit. Er ist nicht mein Bruder. Es ist nicht meine Entscheidung, sondern seine./ Frustriert nippte er noch einmal an seinem längst kühlen Glühwein. Das gab den Anstoß. "Ich mach mir noch einen halben Becher heiß, dann schlafe ich sicherlich heute Nacht wie ein Stein. Nat, du auch? Chrissi ist wohl noch abstinent nach gestern, gell?"

Er nahm Nathans Becher mit einem kleinen Blick in dessen Augen entgegen und ging in die Küche hinüber, Dunja folgte ihm, um geräuschvoll aus dem Wassernapf zu trinken, den Tore ihr rasch noch einmal frisch machte.

Nathan sah ihm kurz hinterher und hatte das dumpfe Gefühl zu wissen, was Tore damit bezweckte. Doch er würde es nicht an Weihnachten sagen, das hatte er durchaus ernst gemeint. Er hatte keine Lust darauf, dass es Christian als verdorbenes Fest in Erinnerung bleiben würde.

Ein schneller Blick in der Runde sagte Tore, dass Nathan diesen Moment nicht sinnvoll gefunden hatte, und ein Seufzen unterdrückend stellte er die Becher ab. Sie blieben, nachdem die Kerzen eine nach der anderen verloschen waren, nicht mehr lange im Wohnzimmer. Christian lüftete den Rauch noch ein wenig aus, und Nathan ließ Dunja noch einmal in den Garten, damit sie am anderen Morgen länger aushielt. Somit blieb Tore nur noch, die Becher und Gläser abzuräumen und sich dann nach einem raschen Zähneputzen in sein Zimmer zu verabschieden.

Er zog sich seine Hose und das T-Shirt über und knipste dann die Nachttischlampe an, aber stellte sie auf den Fußboden, was zum Effekt hatte, dass der braune Lampenschirm aus Holzlamellen nur gedämpftes Licht verbreitete, das kaum auf das Bett hinauf reichte.

Gespannt setzte er sich am Kopfende auf und wartete, ob Nathan sein Wort haltend tatsächlich zu ihm schleichen würde. Allein der Gedanke zauberte einen Wirbel wilder Gefühle in seinen Bauch. Kein einziges ließ die mögliche Kälte vermuten. /Vielleicht... Das letzte Mal, dass ich es versucht habe, ist schon ein Jahr her, wäre es nicht toll, wenn es wegen ihm aufhören würde? Einfach so? Nur, weil ich mich in ihn verschossen habe?/ Und das hatte er, aber nicht zu knapp. Wie noch nie zuvor wollte er Nathan haben, um sich haben, ihn spüren, ihn küssen. /Mal sehen, er hat massieren gesagt, vielleicht, wenn wir uns ranpirschen.../

Nathan war in seine alte Jogginghose und das ausgeleierte T-Shirt geschlüpft, was er hier zum Schlafen trug, und stand zähneputzend vor dem Badezimmerspiegel. Er starrte sich in die grünen Augen und fragte sich, ob er wirklich so zu Tore gehen wollte. Doch immerhin wollte er nicht mehr, als ihn zu massieren. /Von wegen. Ich will viel mehr./ Das glucksende Grinsen fiel dank der Zahnbürste sehr schräg aus, was ihn noch mehr zum Lachen brachte und ihn Mühe kostete, um sich nicht zu verschlucken.

Während er sich den Mund ausspülte, gab er sich das feste Versprechen, dennoch brav zu bleiben. Zwar würde er kaum verhindern können, dass er Tore begehrte, und vermutlich würde man ihm das auch ansehen, doch das hieß noch lange nicht, dass er über ihn herfallen musste. Nach einem letzten Blick in den Spiegel und einem vergeblichen Versuch, seine zerzausten, blonden Haare mit etwas Wasser zu bändigen, nahm er das Körperöl mit in sein Zimmer und überließ Christian das Bad.

Auf seinem Bett sitzend lauschte er auf die Geräusche, die sein Bruder machte, hörte seine Schritte und schließlich das Klappen der Tür. /Wie lange braucht er, um einzuschlafen? Verdammt, ist das nicht egal? Ich will ihn massieren. He, Nathan, massieren! Das gibt keine verräterischen Laute./ Dennoch wartete er nahezu eine Viertelstunde, ehe er aufstand, um zu Tore zu gehen. Er konnte nicht verhindern, dass er breit grinste und sich wie ein Teenager vorkam. Heimlich durch das nächtliche Haus schleichen, um seinen Freund zu treffen, war in seinen Augen nicht besonders erwachsen. Nur kurz klopfte er an, um dann direkt einzutreten und die Tür hinter sich wieder zu schließen.

Ein warmes Kribbeln breitete sich in seinem Magen aus und flutete von dort durch seinen Körper, als er den schlanken Mann auf dem Bett sitzen sah, neben dem unsäglichen, bunten Stofftier, während Tore mit diesen atemberaubenden, grauen Augen in einer Mischung aus Erwartung, Freude und Belustigung seinen Blick erwiderte. Nathan lächelte und setzte sich zu ihm, um ihm einen schnellen Kuss auf den Mund zu geben und dann die Flasche mit Öl anzuheben. "Hier. Versprochen ist versprochen."

Tore konnte nicht verhindern, dass er breit über sein ganzes Gesicht zu grinsen begann. "Wow, du hast dich wirklich hergeschlichen. Wie ein Schüler, der heimlich rauchen will. Ich komme mir so... witzig vor, irgendwie wie damals. Die erste Liebe, sich treffen in einem halb verfallenen Schuppen, heimlich diese Pornohefte durchblättern, die ich aus der Schwulenkommune geklaut hatte." Er lachte leise, dann küsste er Nathan noch einmal auf den Mund. Länger diesmal und weicher. Nicht nur als Begrüßung gedacht, sondern auch als Einladung. Er krabbelte etwas zurück und zog sein T-Shirt aus, legte sich der Länge nach auf das Bett. "Auf den Bauch, ja?"

Nathan nickte, als die Wärme in ihm anstieg und sich Schmetterlinge dazu gesellten, und ließ seinen Blick bewundernd über den sehnigen, wenn auch sehr schlanken Oberkörper gleiten, jetzt, wo er es so offen durfte. Diese leicht definierten Muskeln, die er überall bewundern konnte, gefielen ihm besser als so mancher Mann mit deutlich mehr.

"Ich fühle mich auch etwas komisch", gestand er mit einem leisen Lachen, das aber verstummte, als er Tore zärtlich durch die Haare streichelte, um die Hand auf seinem Hinterkopf ruhen zu lassen und ihn näher an sich zu ziehen. /Ich darf ihn nicht so anfassen, wie ich gerne möchte. Aber ich darf ihn küssen./ Und das tat er auch. Liebevoll erkundete er den warmen Mund, die weichen Lippen, die sich so perfekt auf seinen anfühlten, die Zähne und den Gaumen, spielte mit Tores Zunge und neckte den anderen Mann, ohne ihn weiter als so zu berühren.

Als er sich endlich zurückzog, lächelte er und sah ihm in die halb geschlossenen, grauen Augen. "Du hast mir vollkommen den Kopf verdreht, Tore."

Tore errötete und ließ den Blick lediglich lächelnd über Nathans Gesicht und seine Hände streifen. Er mochte beides so gern, viel zu gern. /Und du mir, wir sind quitt./ Aber er sagte es nicht, sondern schloss schweigend die Augen und versuchte sich entspannt sinken zu lassen.

Noch immer lächelnd schraubte Nathan die Flasche auf und ließ sich reichlich Öl auf die Hände laufen, um es anzuwärmen. Dann erst legte er sie auf den durchtrainierten Rücken, um es in langsamen, streichelnden Bewegungen auf der warmen Haut zu verteilen. Es tat gut, ihn so direkt zu berühren, und Nathan ließ sich Zeit damit, erforschte die leichten Erhebungen der Rippen, folgte ihnen bis zu den Seiten, ehe er wieder zurückglitt und das Rückgrat entlang zeichnete. Nur allmählich wurden seine Griffe fester, als er nach Verspannungen zu suchen begann.

Gern hätte Tore das Schnurren gelernt, denn das wäre die passende Antwort auf das feste, gleichmäßige Streicheln von Nathan gewesen. Er war zu müde für Erregung und zu wach, um einzuschlafen, so blieb er in einem genießerischen Halbschlummer gefangen, es kam ihm vor wie ein Traum. Er hatte sich verliebt, und sie taten rein gar nichts, versuchten nichts; die wenigen Küsse, das leichte Streicheln und im Grunde viel zu wenig, aber dennoch so herrlich seine Erwartungen steigernd.

Er streckte sich nach einer kleinen Weile und murmelte schlaftrunken "Ich bin immer am Kreuz verspannt, weiß nicht wieso, vielleicht vom Skaten." Damit zog er seine Hose eine Idee weiter herunter, gerade so weit, dass man den Ansatz vom Po sehen konnte.

Nathan konnte nicht anders als ihn anzusehen und sich vorzustellen, wie es wäre, ihn exakt jetzt an exakt dieser Stelle zu küssen. Doch er blieb artig, berührte ihn nicht einmal mit den Händen dort, nur beinahe, als er eine Verspannung weiter verfolgte, um sie wegzumassieren. "Wann immer dir danach ist, frag einfach. Mir macht das Spaß."

"Verrückt... Aus welchem Himmel bist denn du gefallen?" Tore gähnte verhalten, aber lächelte Nathan einmal leicht zu. "Das ist herrlich."

Nathan grinste versteckt. Es war zumindest dann großartig, wenn er jemanden wie Tore durchkneten durfte, auch wenn er es gleichzeitig als süße Folter empfand. Allein, ihn in dem gedämpften Licht zu betrachten, war etwas besonderes, es zauberte mit dem weichen Schimmer des Öls Wärme auf den schlanken Körper. Und so fuhr er damit fort, ihn zu massieren, als er nichts mehr fand, was auch nur noch im entferntesten verhärteten Muskeln glich.

Tore schien unter seinen Händen dahin geschmolzen zu sein. Schließlich, als er das Gefühl hatte, dass der andere Mann mehr und mehr in einen Zustand glitt, der dem Schlaf ähnlicher als dem Wachen war, wurden seine Griffe wieder leichter, bis er ihn erneut nur zärtlich streichelte. Er musste sich anstrengen, um es vollkommen enden zu lassen. Die Hände leicht auf dem mittleren Rücken ruhend beugte er sich nach vorne und küsste ihn vorsichtig auf die Schulter.

"So, ich denke, das reicht für heute", sagte er leise und rieb seine Nase sacht an Tores Wange. "Willst du dein T-Shirt noch anziehen, oder soll ich dich gleich zudecken?"

Tore drehte sich herum und schlang seine Arme um Nathans Schultern, um ihn energischer, als er es sich selber zugetraut hatte, zu sich herab zu ziehen. "Küssen musst du mich noch einmal, sonst schlafe ich sicherlich nicht ein."

Nathan fing sich überrumpelt ab, um nicht auf ihm zu landen, konnte aber nicht verhindern, dass Tore ihn nah genug zog, dass er seine Wärme durch das Shirt hindurch an seiner Brust spüren konnte. Die Hitze, die durch ihn hindurch schoss, explodierte direkt in seinen Lenden. /Ich schlafe so und so nicht ein. Reiß dich zusammen, Mann! Gott, wie sehr ich ihn will.../

"Dein Wunsch ist mir Befehl." Er konnte seiner Stimme anhören, wie sehr er ihn begehrte und hoffte, dass Tore es nicht ebenso erkennen konnte. Sacht fuhr er ihm durch das kurze Haar und sah ihm in die Augen, ehe er die letzte Entfernung vernichtete und seine Lippen auf Tores legte, um ihn weich zu küssen.

Es wurde weitaus länger und inniger, als Nathan geplant hatte, aber nicht von wilder Leidenschaft, sondern eher von liebender Zärtlichkeit geprägt, die seine Erregung zwar nicht verringerte, ihn jedoch mit einem warmen Gefühl erfüllte, das ihn begreifen ließ, dass mehr für den Moment auch für ihn nicht notwendig war.

/Verrückt/, dachte er ein wenig schwindelig, als sie sich wieder voneinander lösten, und lächelte glücklich. /Vollkommen verrückt das ganze; und ich glaube, ich bin vollkommen verliebt./ Rasch küsste er Tore noch einmal und noch einmal, ehe er sich endgültig von ihm trennte.

Fürsorglich deckte er ihn zu und drückte seine Lippen erneut auf Tores Stirn, bevor er vom Bettrand aufstand, die Lampe wieder auf den Nachttisch stellte und nach der Ölflasche griff. "Gute Nacht; süße Träume wünsche ich dir."

Mit einem letzten Lächeln zu Tore hin verließ er endlich dessen Zimmer, um sich auf den wenigen Metern in sein eigenes zurück beinahe zu fühlen, als würde er schweben.


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by Jainoh & Meike "Pandorah" Ludwig