Oh du Fröhliche

9.

Es wurde länger, da sie in einen Stau gerieten. Offensichtlich schien das halbe Land beschlossen zu haben, an diesem Tag Verwandte besuchen zu müssen. Nach beinahe der doppelten Fahrtzeit, die Nathan lediglich deshalb nicht auf die Nerven gegangen war, weil er es genoss, mit Tore ungestört zusammen sein zu können und sich im Warmen über alles zu unterhalten, was ihnen in den Sinn kam, fuhren sie endlich in den Vorort ein, in dem er wohnte.

Der Parkplatz befand sich direkt vor dem Haus, was Nathan aufgrund des einsetzenden Schneefalls wieder einmal als sehr angenehm empfand. Dunja gab einen Laut von sich, den Nathan nur als erleichtert interpretieren konnte, als er ihr den Kofferraum öffnete, um sie herauszulassen, und verschwand erst einmal in den Büschen. Tore und Nathan nahmen ihre Taschen und liefen mit schnellen Schritten zum Eingang des dreistöckigen, weißen Hauses mit den blauen Gitterbalkonen.

Nathan verzichtete wie meistens auf den Aufzug, was ihm für die zweite Etage auch häufig überflüssig erschien, wenn er nicht gerade Getränkekästen schleppen musste und lief nach oben, immer zwei Stufen auf einmal nehmend. Automatisch ging er davon aus, dass auch Tore nichts gegen ein wenig Bewegung haben würde. Kaum hatte er die Tür aufgeschlossen, schob Dunja sich schon an ihm vorbei und nahm die Wohnung wieder in Besitz, als seien sie ewig weggewesen.

"Willkommen in meinem kleinen Reich." Mit einem Grinsen ließ Nathan seine Tasche einfach in dem kleinen Flur neben der Kommode mit dem Telefon fallen und schaltete das Licht ein. Als Tore ebenfalls eingetreten war, schloss er die Tür hinter ihm und zog ihn erst einmal in die Arme, um ihn zu küssen. "Wir freuen uns, Sie an Bord begrüßen zu dürfen und werden alles tun, damit Sie sich während Ihres Aufenthaltes hier wohl fühlen. Notausgänge gibt es nicht, und erschrecken Sie nicht vor den pinken Kacheln im Bad, die sind von der Vormieterin."

Tore quiekte ein wenig und lachte dann. "Ich liebe pink! Das schaue ich mir gleich mal an." Er befreite seine Füße von den Turnschuhen, die er ohnehin nur für den Aufstieg in die kleine Wohnung übergezogen hatte und zog seine weite Hose noch mal hoch, während er im Bad verschwand.

Tatsächlich pinke Fliesen und altmodische Armaturen. Tore blickte einmal schnell in den Spiegel und fummelte an den spikigen Haaren herum. Zum Besuch der Eltern von Chris und Nathan hatte er sich extra wappnen wollen. Während er hier und dort ein wenig rumzupfte, gab er seinem Freund Zeit, um den Anrufbeantworter abzuhören und die überreichlich mitgegebenen Lebensmittel von den Großeltern im Kühlschrank zu verstauen. Neugierig ging Tore erst einmal durch den kleinen Flur gerade durch, womit er im Schlafzimmer stand.

Tatsächlich schlief Nathan in einem ordentlichen Doppelbett aus solide aussehendem hellem Holz, bei dem er jedoch, wie aus einer alten Gewohnheit wohl, die linke Seite benutzte; nur diese war auch bezogen, auf der anderen lag ein buntes Strickplaid, wie aus Resten zusammengestellt.

Tore holte seine Tasche aus dem Flur und stellte sie vor die noch unbenutzte Bettseite, bevor er zum Wohnzimmer ging. Auch hier bis auf eine schwarze Couch helle Holzmöbel, an den Wänden gerahmte Fotos von schönen Berglandschaften, auf dem Couchtischchen stapelten sich einige Ausgaben einer Landschaftszeitung. In der Ecke zur Tür hin stand ein angenagter Korb, in dem Dunja nun schon auf einem Gummiknochen kaute.

Endlich entdeckte Tore Nathan, als er an die Durchreiche zur Küche trat. "Ah, da bist du. Du hast es schön hier. Wow, eine nette Küche." Er lehnte sich weiter durch, um in die Ecken sehen zu können.

Nathan nutzte die Gelegenheit, um Tore gleich noch einmal küssen zu können, ehe er ihm einen freien Blick gewährte. "Das meiste ist Ikea, und laut meiner Mutter habe ich zu viel Geld für die Einrichtung ausgegeben. Ist ja noch keine Freundin da, und die hat vielleicht einen anderen Geschmack, blabla." Grinsend zwinkerte er ihm zu. "Aber offensichtlich hat sie sich deswegen keinen Sorgen machen müssen... Süße. Freut mich, dass es dir gefällt."

"Oh... die Freundin mag deine Einrichtung, Nat." Tore sah sich lachend um. "Hm, vielleicht bis auf die Couch, aber sie schaut bequem aus."

"Das ist der Grund, warum ich sie noch habe." Nathan holte Bier aus dem Kühlschrank und reichte eine Flasche samt Öffner gleich an Tore weiter, ehe er zu ihm kam. Sich auf sein ausgeleiertes Sofa fallen lassend, zog er seinen Freund im Schwung noch mit und auf seinen Schoß. "Mann, bin ich froh, wieder daheim zu sein. Ich glaube, jetzt lasse ich dich erst mal nicht mehr gehen."

Tore balancierte das Bier vorsichtig auf den Couchtisch, dann schlang er seine Arme um Nathan und küsste seinen Hals und den Nacken. "Und ich bin froh, dass wir nicht mehr schleichen müssen." Er schmuste sein Gesicht auf Nathans Schulter entlang und trank dann einige Schlucke von seinem Bier.

Nathan gab einen zustimmenden Laut von sich und überließ ihm die Flasche gerne, während er Tore enger an sich drückte und mit einer Hand unter seinen Pullover glitt, um seinen Rücken direkt streicheln zu können.

Tore genoss es zwar und fuhr fort, ihn zu küssen, aber er wusste, dass er recht bald was sagen musste. /Es macht die Stimmung kaputt, aber... anders geht es nicht./ "Ehm... weil wir gleich sicherlich weiter gehen werden, wollte ich dich noch schnell warnen. Wenn ich freake, dann musst du mich loslassen, sonst schreie ich. Wenn du mich los lässt, ist alles schnell wieder in Ordnung." Er sah Nathan unsicher an. "Oder willst du lieber doch nicht?" /Hoffentlich will er, ich will und wie... bitte, lass alles gut sein mit ihm. Bitte. Bitte./

Nathan beugte sich vor, um seine Flasche ebenfalls beiseite zu stellen, und legte dann eine Hand auf Tores Wange, erwiderte den Blick seines Freundes mit einem Lächeln. "Und ob ich dich will. Aber wenn es nicht klappen sollte, mach dir keine Vorwürfe. Ich bin nicht so triebgesteuert, dass es mich umbringt. Und von dir will ich weitaus mehr als nur ein bisschen Sex." Er zwinkerte ihm zu und zog ihn dann zu sich, um ihn erneut zu küssen, länger dieses Mal und inniger. /Hoffentlich geht alles gut. Hoffentlich.../ Allein, dass Tore sehr offensichtlich es jetzt genauso wollte wie er, ließ sein Begehren sprunghaft ansteigen.

Tore grummelte trotz des Kusses ein wenig, dann gab er zu "Du vielleicht nicht, aber ich. Kannst du dir vorstellen, wie langweilig das immer nur allein ist?" Er trank noch einen Schluck Bier. Mehr redeten sie dann nicht darüber, was Tore angenehm fand. Fast noch besser als das Streicheln der zielstrebigen, kräftigen Finger seines Freundes, natürlich nur fast.

Dummerweise musste der Hund noch mal rausgelassen werden, was die Stimmung zwischen ihnen - erstaunlich, aber wahr - nicht im Mindesten senken konnte. Als Nathan mit einem kalten, nassen Hund und selber auch erfrischend ausgekühlt zu Tore zurückkehrte, der sich in der Zwischenzeit die Haare vom Gel befreit und die Zähne geputzt hatte, fielen sie spontan, einer noch im Parka, der andere schon in Schlafsachen, im Flur über einander her. Tore ließ sich von Nathan gegen die Wand neben der Kommode drängen, während er erfolgreich durchsetzte, dass seine Zunge Besitz von Nathans Mund nahm.

Nathan schmeckte noch ein wenig nach Bier, und seine Finger waren fast schon unangenehm kalt, als sie über Tores Rücken wanderten, aber das war so egal in dem Moment. Tore umfasste Nathans Hintern mit festem Griff und wollte ihn schon mehr, als erträglich schien. "Gott... beeil dich, ja?"

Nathan hatte nichts dagegen einzuwenden. Er hatte das Gefühl, in Flammen zu stehen, so sehr begehrte er seinen Freund mit einem Mal. Die Bedenken und Sorgen waren vergessen, als er sich, ohne den Kuss zu unterbrechen, hastig der Jacke entledigte, dann Tore bereits das Oberteil über den Kopf zog, während er die energischen Finger auf seinem Hintern genoss und seine Hüfte gegen Tore drängte.

"Du schmeckst herrlich... riechst herrlich...", brachte er hervor, während er sich an Tores Schultern und seinem Hals entlang küsste und gleichzeitig die Hände an dem schlanken Oberkörper hinabstreichen ließ, bis er die Hose erreichte und hineinschlüpfte.

Tore stöhnte leise auf und rieb sich schon viel zu hemmungslos gegen Nathan, während er ihm mit ungeduldigen und ungeschickten Fingern das verflixte Hemd aufzuknöpfen versuchte, das zur Feier des Weihnachtstages angezogen werden musste. Erleichtert strich er bald drauf durch die hellen Haare auf Nathans Brust, genoss es, die Bewegungen zu spüren, genau die richtige Menge Muskeln. /Zu geil. Wie konnte ich nur denken, dass er der Falsche ist?/ Unwillig, aber kooperierend ließ er sich im Folgenden von wilden Küssen unterbrochen zum Schlafzimmer dirigieren.

Nathan drängte ihn auf das Bett und schob mit einem abweisenden Knurren die neugierige Dunja beiseite, die dann auch folgsam wieder ins Wohnzimmer zurückkehrte, während er sich hastig auszog, um sich neben Tore zu legen. Er wollte ihn ansehen, langsam erkunden, ihn wie eine Kostbarkeit entdecken, doch irgendwie schien dafür keine Zeit zu sein; viel zu sehr wollten sie einander. Er spürte Tores Hände, seine Lippen, seine Zunge auf sich, als er ihm ungeduldig die Hose von den Hüften streifte.

Tore schmeckte und fühlte Nathan nur noch, hatte die Augen längst geschlossen, aber es war himmlisch. Sie waren beide nackt, lagen fast aufeinander. Nathans ein wenig raue Hände fassten ihn einfach zu richtig an. Tore war schon von dem wenigen Gestreichel erregter als zuvor vermutet.

Keuchend rollte er sich auf Nathan und nahm seinen Mund mit einem langen Kuss ein, während er es genoss, wie sein Freund ihm bewundernd schon über die Brust streichelte, bis zu seinem Schoß. Einmal kurz öffnete er noch die Augen. Vom Flur fiel nur wenig Licht bis auf das Bett, aber es reichte Tore zu einer groben Abschätzung und Beurteilung von Nathans Privatausstattung. Was er sah, stellte nicht nur Chris in den Schatten, den Tore sich im Schwimmbad natürlich schon mal begutachtet hatte, sondern machte ihn auch noch mehr an.

Gerade wollte Tore ihm ein atemloses Kompliment aussprechen, während Nathan sich leicht aufsetzte, um seine Brust zu küssen und mit der Zunge zu necken, als es begann. Kälte lief über seinen Rücken, als hätte jemand Eiswasser über ihn gegossen, und er wurde steif, ungelenk.

Fast schon nach Luft hechelnd ließ er sich von Nathan herunterfallen, rollte rücksichtslos gegen seinen Körper über einen recht scharfen Bettpfosten vom Bett auf den Fußboden, wo er zu schnell und tief atmend liegen blieb.

Erschrocken und etwas benommen setzte Nathan sich auf. /Scheiße! Scheißescheißescheiße!/ Hastig krabbelte er an den Bettrand. "Tore! Verflixt. Tore, alles in Ordnung?" Nicht anfassen, hatte er ihm gesagt, dann würde es vorbei gehen. Aber es war schwer, fast zu schwer, als er ihn zitternd auf dem kalten Boden liegen sah. Nathans nach wie vor übermäßig vorhandene Erregung machte es zunächst nicht einfacher, wenn sie auch ziemlich schnell abflaute, je weiter seine Sorge anwuchs.

Tore spürte, dass es rasch wieder nachließ; eigentlich hätte er sich nun bewegen und aufstehen können, aber seine Enttäuschung brachte ihn dazu, sich mit mühsam bekämpften Tränen auf den Wangen auf dem Fußboden zusammen zu rollen und einige Atemzüge lang gar nichts zu tun.

Dann brachte sein zerschrammter Rücken sich durch brennenden Schmerz in Erinnerung, und er zischte leise, bevor er mit leicht verheulter Stimme, für die er sich selber schon wieder hasste, "Scheiße" murmelte.

Nathan rutschte vom Bett und neben seinen Freund, während ihm fröstelnd bewusst wurde, dass sein Schlafzimmer eigentlich zu kalt war, um länger nackt zu sein, erst recht, um nackt auf dem Fußboden zu liegen. Sacht wischte er ihm die Tränen ab, streichelte seine Schultern, während er versuchte, ihn zum Aufstehen zu bewegen. Es tat ihm weh, ihn weinen zu sehen, und Tores Enttäuschung war der weitaus heftigste Grund für ihn, sich zu wünschen, dass es geklappt hätte. "Tore, du holst dir den Tod."

Er zog ihn mit sich aufs Bett und unter die Decke, schlang den Arm um den mittlerweile schon wieder kühler werdenden Körper, hoffend, dass er damit keinen Fehler machte, jetzt, wo sie beide nackt waren, so direkt nach dem Anfall. Aber er wollte Tore nahe sein, wollte ihn trösten und ihm klar machen, dass es zumindest für ihn nichts änderte. Zärtlich, aber ohne Leidenschaft und ohne Aufforderung streichelte er seine Schultern.

Langsam drehte Tore sich zu ihm und drängte sich dann gegen den warmen Körper, versteckte sein Gesicht an der Schulter des anderen. Er atmete einige Male tief ein, dann drehte er sich weiter, unternahm den Versuch, noch dichter an Nathan heranzukommen. Ihm war danach, in den anderen reinzukriechen; dort würde alles richtig sein, da war er sich sicher. Nach einem Moment schlang er die Arme um Nathans Hals und krabbelte auf seinen Schoß, drängte sich an ihn heran.

Die Schramme brannte leicht, aber es war egal. Er wollte jetzt nichts weiter tun, als seinen Freund spüren, auch wenn sein Körper höhnisch lachte, weil er ihm einmal mehr einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. /Warum kann ich nicht einfach... wie jeder andere auch.../

Nathan drückte ihn fest an sich, wiegte ihn leicht in seinen Armen, während er daran dachte, wie er ihn auf dem Bahnsteig das erste Mal gesehen hatte, allen Ernstes glaubend, er wäre nicht der Richtige, nicht sein Typ. An die Blicke, die Berührungen, den ersten Kuss im Wald. An die Verletzlichkeit in Tores Gesicht, als er ihm von seinem Problem erzählt hatte. An das kleine Schmollen, weil Nathan es nicht an Weihnachten hatte öffentlich machen wollen vor Christian. An diesen verliebten Ausdruck, weil er ihn massiert und geküsst hatte, ohne mehr zu tun. Und an die Leidenschaft, mit der sie eben übereinander hergefallen waren, bevor...

"Wir schaffen das. Gib dir Zeit", sagte er leise an Tores Ohr, küsste ihn zart auf die Schläfe, während er sich fragte, wie oft sein Freund das wohl schon gehört haben mochte. Wie viele hatten es bereits versucht? Nathan nahm sich fest vor, sich nicht einfach in diese Reihe einordnen zu lassen. In keiner Hinsicht. /Dafür bedeutet er mir zu viel. Viel zu viel. Selbst jetzt schon, nach diesen wenigen Tagen. Ich lasse ihn nicht allein, und ich lasse ihn nicht gehen. Ich.../ Er stockte und küsste dann Tores Schläfe erneut. "Ich liebe dich."

Tore hatte zuerst schon erwidern wollen 'Ja, ja, das weiß ich.', weil alle das sagten, am Anfang. /Wir schaffen das. Aber wenn ich einige Male nacheinander gefreakt bin, fühlen sie sich verarscht, der eine... der ist doch sogar komplett ausgerastet deswegen./ Aber dann sagte Nathan leise, dafür aber mit sehr fester Stimme 'Ich liebe dich', und das hatte Tore noch nie gehört, nachdem er aus seinem Bett, von einem Sofa, aus einem Auto geflüchtet war.

Er drückte Nathan noch fester an sich und küsste ihn auf die Wange, dann auf den Mund. Er wischte sich über das Gesicht und stand mit wackeligen Beinen auf. Am Anfang war er immer sehr unbeholfen, als hätte sein Körper beschlossen, dass es nicht nur innere, sondern auch körperliche Schwäche sein müsste. Unsicher hielt er sich an Nathans Schulter fest. Dann lächelte er leicht. "Ich... gehe ins Bad und schau mir die Schramme an. Wenn du gleich magst, ich meine... ich kann dich... anfassen, davon freake ich nicht, das geht."

Nathan erwiderte das Lächeln, erleichtert darüber, dass es Tore wieder besser zu gehen schien, und streichelte ihm noch einmal sacht über die Wange. "Ich glaube, ich möchte gleich lieber einfach nur kuscheln. Mein kleiner Freund hat sich auch zur Ruhe gelegt. Wenn er mir allerdings einen Strich durch die Rechnung macht und wieder aufsteht, können wir ja immer noch umplanen." Er zwinkerte Tore zu und küsste die Hand auf seiner Schulter, ehe Tore sie zurückzog und mit einem kleinen Lachen noch etwas staksig das Zimmer verließ.

Tore legte sich im Bad ein wenig Distanz zu. Das war immer der erste Schritt zum normalen Leben zurück, auch wenn er es dieses Mal weniger leicht schaffte, Abstand zu bekommen. Zu sich selber, zu dem Frust, der wieder einmal übermächtig geworden war, zu der Wut auf sich selbst und seiner Hilflosigkeit. Verdammt, seit er vierzehn war, hatte er das schon so viele Male erlebt. Mit Flirts, mit Onenights, mit Freunden, mit Männern, die in keinerlei Kategorie passen wollten. Dann, für das Studium, hatte er sich vorgenommen, erst mal auf Sex mit anderen zu verzichten und sich auf seine Arbeiten in den Jugendgruppen und in den Seminaren konzentriert.

Aber mit Nathan wollte er es wirklich schaffen. Weg von der Steifigkeit, weg von dem Tunnelblick, der nur ins Aus führte, den er nicht abwenden konnte. Er wollte mit ihm zusammen sein können. /Verdammt, nicht mal an Weihnachten darf ich Spaß haben. Das ist so unfair!/

Er drehte sich um und besah sich die Schramme. Das würde einen netten blauen Striemen geben. Mal wieder hatte er in der Panik einfach nur gehandelt, nicht gedacht. /Er ist ziemlich kräftig. Was wohl passiert, wenn er mich einfach... Ach nein, ich schreie dann immer wie angeschossen. Nicht mal in der einen Disco ist das unbemerkt geblieben./

Mit einem leisen Seufzen ließ Nathan sich nach hinten auf das Bett fallen und starrte zur Decke empor. /Was ein Schlamassel. Scheiße. Hoffentlich denkt er niemals, dass ich ihn deswegen nicht lieben könnte. Oder dass ich mir aus diesem Grund irgendwann jemand anderen suche. Oder dass ich ihm das vorwerfe. Ich würde ihn gerne anfassen. Richtig anfassen. Überall. Und wenn wir uns Zeit nehmen, dann klappt es bestimmt auch, früher oder später. Vielleicht muss er mir einfach nur genug vertrauen. Schließlich kennen wir uns noch nicht so lange./

Fröstelnd suchte er unter der Decke nach seiner Schlafanzughose und zog sie über, ehe er aufstand, um im Flur die wild verteilte Kleidung aufzusammeln und zumindest mal im Wohnzimmer auf die Couch zu legen. /Nun, auf jeden Fall will er mich; daran liegt es schon mal nicht./

Mit einem kleinen Grinsen verschwand er in der Küche und nahm sich ein Glas Wasser. Als er einen tiefen Schluck trank und seinen Mund ausspülte, fiel sein Blick auf die Ofenhandschuhe. Einen Moment lang starrte er sie an, dann hängte er sie ab und warf sie kurzerhand in den Mülleimer, ehe er ins Schlafzimmer zurückkehrte.

Tore saß bereits auf der Bettkante und sah ihm entgegen; fast wirkte er ein wenig verloren, nur mit der Schlafanzughose, den nackten Füßen und den mit etwas Wasser wieder glatter gestrichenen Haaren. Nathan lächelte, spürte die Wärme in sich und das Verlangen, diesen Mann zu beschützen, gleichgültig vor was, als er sich zu ihm setzte. Rasch küsste er ihn, ehe sie es sich gemeinsam unter der einen Decke bequem machten und sich eng aneinander schmusten.

"Wenn es dir lieber ist, du mehr Platz brauchst oder so, hole ich nachher noch die zweite Garnitur raus", versprach Nathan, während er mit den Fingerspitzen Tores Nacken streichelte. "Ansonsten kann ich gut damit leben, exakt auf der Distanz und mit dir im Arm einzuschlafen."

Tore gähnte und murmelte an Nathans warme Haut geschmiegt "Morgen vielleicht, jetzt will ich nicht weg von dir."


Kommentare, Kritiken, Lob?
 
by Jainoh & Meike "Pandorah" Ludwig