Das dritte Gesicht

12.

Einen Moment lang starrte Fíonán ihn nur an, Wünsche, Träume rasten geradezu schmerzhaft durch ihn hindurch, sein Herz begann schneller zu schlagen, fast holprig. Er sah den ausgestreckten Arm mit dem Weinglas nicht, sah nur die dunklen, erwartungsvollen grünen Augen. /Mach dir bloß keine Hoffnung/, versuchte er sich einzureden, aber es war vergeblich. Er machte sich welche, hoffte es so verzweifelt... Er wollte antworten, doch er konnte nicht.

Stattdessen richtete er sich auf; seine Hände zitterten, als er nach dem Weinglas griff, langsam, um Care jede Möglichkeit zu geben, seine Hand wegzuziehen. /Und wenn ich es nicht bin, wenn Rachaet dann trotzdem von mir erfährt?/ Aber wenn er es nicht ausprobierte, würde er es nicht wissen. Und es war jedes Risiko wert. /Bei ihm bleiben zu können.../

Er hielt den Atem an, nahm seinen Blick nicht von Carelis' Gesicht, als sich seine Hände über die des Daryllers legten, seine kühlen Finger die warme, dunkle Haut berührten.

Carelis blinzelte, dann ließ er langsam, wie im Traum, das Glas los, Fíonán schien auch keinen richtigen Griff gefunden zu haben, das Glas kippte und der Wein lief über die schlanken Beine in Fíonáns Schoß und auf das Betttuch.

"Du hast es getan... du... hast mich wirklich... obwohl du wusstest, dass ich..." Fassungslos blickte Carelis dem hellen Engel vor ihm in das Gesicht. "Du bist das mutigste und wundervollste Wesen, das ich je kennen gelernt habe", flüsterte er endlich. Dann lehnte er sich vor und murmelte "Jetzt ist alles egal, jetzt darf ich auch tun, was ich schon gern tun wollte, als wir uns zum ersten Mal begegnet sind, am Tor." Sachte strich er mit den Fingerkuppen eine Haarsträhne aus dem Gesicht des anderen, dann berührte er dessen Wangen mit den Fingern, strich daran entlang, bis er die Handfläche dagegen lehnte.

Atemlos spürte Fíonán das warme Prickeln, das der sanften Berührung folgte. Er schmiegte sich gegen die Hand, löste seine von Care, um sie über die an seiner Wange zu legen und ihn festzuhalten. Für einen Moment schloss er die Augen, nur um sie sofort wieder zu öffnen. Er wollte den Blick nicht von ihm wenden, wollte ihn ansehen, spüren.

Carelis horchte intensiv in sich, aber er fühlte nichts außer dem Verlangen nach Fíoní und dem Gefühl, dass er ihn mehr und mehr gern hatte, je näher sie sich kamen. /Aber das ist das Gefühl, nicht?! Ja, das Gefühl, dass man den anderen braucht, den anderen will, dass man zusammengehört!/

Seine Finger glitten durch die Haare, über die Wange und am Ohr des Elfen vorbei; wieder und wieder ertastete er die feine Landschaft des Gesichtes seines Engels. "Ich... fühle mich gut, Rachaet scheint weiterhin zu schlafen."

"Ist das jetzt gut oder schlecht für mich?", fragte Fíonán leise und streckte zaghaft die Hand nach ihm aus, um ihn selber zu berühren. Seine Fingerkuppen brannten ein wenig, als er die warme, glatte Haut berührte und erinnerten ihn daran, dass er zu lange Harfe gespielt hatte. Doch genauso schnell, wie es ihm aufgefallen war, hatte er es auch schon wieder vergessen, als er dem Verlauf des Kiefers folgte, über das Kinn glitt und sich wunderte, dass er so gar keine Stoppeln fühlte.

Carelis sah ihm in die Augen und lächelte. "Was ich fühle, fühle ich. Das geht nicht anders. Es kann nicht sein, dass ich mich irre. Warte bitte hier. Ich hole den Reif, dann passiert dir nichts mehr, Fíoní." Er hasste es, den Elf loszulassen, aber musste an das Vorgehen denken, an die Pflicht, die Reifen umzulegen. Rasch sprang er auf und lief zu der Treppe. "Selbst ohne Reif kann ich nicht glauben, dass Rachaet dich nicht mögen wird, aber sicher ist sicher."

/Himmel, ich glaube das nicht. Das kann nicht sein. Das ist unmöglich./ Fíonán konnte keinen der Gedanken, die durch seinen Kopf wirbelten, richtig fassen, als er mit den Augen Care folgte, und sich plötzlich allein fühlte. Ein kleiner Schauer rann seinen Rücken hinab, als er sich vorstellte, dass der Daryller nach unten ging, weiterlief, bis zu Tür, sie öffnete, hinausging, schloss... und nie mehr wieder kam. "Care... Nicht, bleib hier. Bitte..."

Wenn er sich eben noch hatte vorstellen können, den Elf allein zu lassen, nur für den Moment, in dem Augenblick, in dem dessen zartes Stimmchen so voller Angst nach ihm rief, konnte Carelis keinen weiteren Schritt mehr von ihm fort machen. Er kehrte um und stürzte zum Bett zurück. "Sch... Ich bin ja da. Dann bleibe ich bei dir, ja?" Er umarmte Fíonáns schmalen Körper und drückte ihn vorsichtig an sich.

Deutlich begann er dessen Befürchtungen zu spüren, die Gefühle wurden von Sekunde zu Sekunde stärker. "Mein Kleiner... hast du Angst, dass ich dich allein lasse? Das brauchst du nicht mehr. Ich will nur die Reifen... eben holen. Dann musst du mit mir kommen, ja?" Seine Hände strichen wieder und wieder über den Rücken des anderen, er war schon lange nicht mehr bereit, ihn loszulassen.

Fíonán schmiegte sich an ihn und lehnte den Kopf an seine Schulter, atmete den eigenen Geruch des Daryller ein. Es fühlte sich so gut an, vertraut trotz aller Fremdheit. Er schlang die Arme um ihn, hielt ihn fest.

"Müssen die Reifen sein? Kannst du nicht einfach hier bei mir sitzen bleiben und mich festhalten?", wisperte er.

Carelis seufzte leise und schmiegte sein Gesicht an die weichen Haare. "Ja", flüsterte er dann, sein Herzschlag begann ihm Sorgen zu bereiten. Er fühlte eine Freude und zugleich Erregung, die ihm fremd war aus seinem Leben. "Ich bleibe einfach noch ein wenig hier, bei dir." Als nächstes fühlte er aber etwas anderes und schnupperte irritiert. "Du riechst nach Wein, und es ist feucht hier... Ach ja, oh, das tut mir leid. Ich habe den Wein über dir ausgekippt." Ein wenig peinlich berührt zupfte Carelis an der Tunika.

"Oh." Fíonán rührte sich nicht, dann musste er leise lachen. "Ich habe ihn doch auch nicht festgehalten." Etwas widerstrebend löste er sich aus Cares Armen, wollte die Wärme und Geborgenheit nicht verlassen, die Sicherheit, die ihn so plötzlich umfing. Aber auch er begann, den Alkohol zu riechen, unangenehm die kühle Feuchtigkeit zu spüren, jetzt, wo er darauf aufmerksam gemacht worden war.

Er griff nach der Tunika, wollte sie einfach über den Kopf ziehen, doch mit einem Blick auf Care hielt er inne. Er lächelte, und aus dem simplen Akt des Ausziehens wurde eine geschmeidige, sich räkelnde Bewegung, ein Strecken; seine Hände nahmen verspielt die Haare mit, um sie dann wie eine fließende, weiße Welle wieder zurück gleiten zu lassen, bis sie weich seinen nackten Körper umspielten.

Carelis hielt den Atem an. Er hob vorsichtig eine Hand und ließ seine Finger durch die Haare gleiten. "Du bist schön," stellte er fest und lächelte leicht. Er fühlte diese Ruhe, diese Gelassenheit und daneben eine Erregtheit, die sich nicht gerade legte, als er den zierlichen Oberkörper des Elfen betrachtete. Die helle Haut, die sich hier und dort veränderte, um das Licht zu fangen; sein Bauchnabel war eine kleine Mulde, die Hüftknochen wie weiche Erhebungen, dazwischen der Bauch, der sich mit der Atmung bewegte und darunter der Schoß, über den Carelis seine Blicke nur leicht huschen ließ, sich nicht zu starren traute, wie er es an seinem Gesicht getan hatte.

Um etwas zu tun, während der Elf die Tunika von sich streifte, zog er die ebenfalls feuchte Decke vom Bett und murmelte "Nun haben wir nur noch eine Decke... In dieser Nacht wird es nicht so schlimm sein, nicht wahr?"

"Nein, gar nicht." Mit einem Mal fühlte sich Fíonán gar nicht mehr unsicher. Carelis fand ihn schön, er wollte bei ihm sein und wirkte plötzlich selber zaghaft. Er nahm ihm die Decke aus den Händen und schob sie vom Bett herunter, dann legte er die Arme um Cares Hals und schmiegte sich wieder an ihn. Seine Finger glitten durch das glatte, dunkelrote Haar, er genoss die seidige Schwere, das er endlich berühren durfte, ausprobieren, wie es sich anfühlte.

"Das ist verrückt", hauchte er neben seinem Ohr, streifte sacht mit seiner Wange an der des Daryller entlang. "Ich kann es nicht glauben. Und gleichzeitig... fühlt es sich so richtig an, dass ich mich frage, wie ich jemals Angst vor dir haben konnte."

Carelis grinste ein wenig albern, aber konnte damit nicht aufhören. "Nein, das braucht niemand... Naja, nicht viele Leute müssen Angst vor mir haben, das ist richtig, Fíoní." /Aber er hat Rachaet noch nicht getroffen./ Flashbacks von schreiend fortlaufenden Menschen, der Geruch von Blut. Carelis hatte durchaus Erinnerungen an das, was sein zweites Gesicht tat, wenn er schlief, aber diese waren nur wie Albträume, ungebeten und verwischt.

Fíonán in seinen Armen wirkte hingegen realer als alles sonst in seiner Welt. Er erschauderte unter dessen vorsichtigen Berührungen und begann erneut, an dem geraden Rücken herab zu streicheln. Als er auf der Hüfte anlangte, zögerte er, dann strich er den Rücken wieder hinauf.

/Ich hätte Rad gleich auch noch fragen sollen, wie das mit dem.../ Er spürte, wie er peinlich berührt die Augen schloss. /Achtzig Jahre alt und keine Ahnung! Ich habe aber nie auch nur daran gedacht, dass es ein männlicher Dritter sein würde. Sonst hätte ich mich doch natürlich auch vorbereitet./

Carelis genügte es in diesem Moment allerdings, nur in Fíonáns Armen zu sein, ihn zu spüren, die Weichheit seiner Haut zu fühlen. Er lehnte sich zurück und zog den Elf mit sich, über sich. Dessen Gewicht war nun wirklich nicht der Rede wert.

Fíonán stützte sich mit den Unterarmen seitlich von Carelis' Kopf ab, um ihn anschauen zu können. Nichts war mehr wichtig in diesem Moment als dieser starke und doch so sanfte Mann in seinen Armen. Keine Zukunft, keine Vergangenheit, nur der Augenblick zählte. Das sanfte Streicheln, das Kribbeln, das es hervorrief, das warme Gefühl von Geborgenheit. Er lächelte, versank in dem tiefen Grün von Cares Augen, während er das Gewicht auf einen Arm verlagerte, um eine Hand freizubekommen. Zart erforschte er das dunkle Gesicht mit den Fingerspitzen, folgte jeder Linie, jeder Erhebung, bis sie schließlich in sein Haar glitten, sich darin vergruben und zur Ruhe kamen.

"Du bist... so wunderschön", murmelte er. "Alles an dir. Ich könnte dich stundenlang nur anschauen." Stattdessen beugte sich hinunter und berührte Cares Mund mit seinem, erst nur sanft darüber streichend, dann begann er mit den Lippen zart an denen des anderen Mannes zu zupfen, zu knabbern, zu necken.

Carelis genoss das vorsichtige Streicheln, genoss zugleich das Gefühl von Richtigkeit; und die ganze Suche, sein Ärger, alles war vergessen. Zunächst hatten sie sich in die Augen gesehen, keiner hätte wegsehen können, doch als Fíoní ihn zu küssen begann, drifteten Carelis' Lider zu, und er ergab sich den Sinnesreizen, die jede noch so leichte Berührung, allein der Herzschlag des anderen gegen seine Brust und der leichte Atem an seiner Haut in ihm hervorriefen.

Nachdem er mit einem leisen Lächeln verfolgt hatte, wie die Lippen und Zähne des anderen ihn eine Zeit lang geneckt und verwöhnt hatten, öffnete Carelis seinen Mund und schob seine Finger in die dichten Haare des Elfen hinauf, kraulte hindurch und lenkte ihn dichter, wollte den Kuss vertiefen.

Mit geschlossenen Augen gab Fíonán ihm nach und ließ sich näher an ihn ziehen. Seine Zunge folgte dem Schwung von Cares Lippen, ehe sich sein Mund fester auf den des anderen Mannes legte. Ein sehnsüchtiges Ziehen erfüllte ihn, ließ seinen Magen auf angenehme Weise schmerzen, als er seine Zunge in die warme Tiefe gleiten ließ. Ihm entfuhr ein leises, ersticktes Seufzen.

Carelis fühlte sich himmlisch, all die Fragen, die er sich unbewusst gestellt hatte, wurde nun nach und nach beantwortet. 'Wie fühlt sich jemand an, der schneefarbene Haare und silberne Augen hat?' 'Wie schmeckt jemand, der einen so sinnlichen Mund besitzt?' 'Wie ist es, den Gefährten im Arm zu halten?' Die Antwort war ein nicht endender Freudentaumel, der seinen Körper mitriss und ihn alles andere vergessen ließ. Fíonís Seufzen ließ ihn wohlig erschaudern, und seine Hände streichelten den schlanken, hellen Körper nun schon ohne sein Zutun, wie von allein.

Fíonán war wie in einem Traum gefangen, der ihm doch wirklicher erschien als sein ganzes vorheriges Leben. Er hatte nicht geglaubt, dass ein Kuss jemals wieder so würde schmecken können, zu oft war er geküsst worden, hatte zu viele Lippen gekostet. Er hatte in so vielen Armen gelegen, doch alles war unwichtig geworden, jetzt, wo er in diesen Armen lag. Er fühlte sich, als würde er das erste Mal küssen, das erste Mal umarmt, gehalten werden.

Er löste sich von Care, um Luft zu holen und ihn ansehen zu können. Ein glückliches Lächeln umspielte seine Lippen. /Du bist so schön... so wunderschön/, huschte es ihm wieder durch den Kopf, mehr ein verschwommenes Bild als ein klarer Gedanke. /Bleibst du bei mir? ... Ich will dich nicht verlieren. Nie mehr.../

Erneut beugte er sich zu ihm, um ihn zu küssen, fordernder dieses Mal, während sich seine rechte Hand aus dem dunkelroten Haar löste, um die Wange entlang zu streichen, mit den Fingerspitzen über den Hals zu gleiten und dann über Schulter und Oberarm nach unten zu tasten, die kräftigen Muskeln erforschend.

Carelis wollte Fíonán eigentlich nicht erschrecken, aber konnte sich in dem Moment nicht mehr beherrschen und rollte herum, halb über ihn. Den einen Arm schob er unter den schmalen Schultern hindurch und umfing den Kopf mit seiner Hand. Mit der freien Hand streichelte Carelis bewundernd über die weiche Haut des Elfen, über dessen Brust und Rippen und die zarten Brustwarzen. Nach einem leichten Blick auf das Gesicht seines Gefährten senkte er die Lippen erneut auf dessen Mund, aber ließ sie von dort tastend über die Wange, den Hals und schließlich auf die Brust wandern. "Hm, du schmeckst so wundervoll, wie du aussiehst, Fíoní."

Fíonán seufzte leise auf und öffnete die Augen, die er geschlossen hatte, als Carelis mit seinen Liebkosungen begonnen hatte. Er lächelte und sah auf den dunkelroten Schopf hinab, ließ seine Hand durch die schwere Fülle gleiten. "Ich mag es, wenn du mich Fíoní nennst", sagte er leise. Er schlang ein Bein um Cares Hüfte und streichelte dessen Wade mit den Zehenspitzen, fühlte weichen Stoff.

Ein kleines Grinsen huschte über sein Gesicht. "Sag mal, findest du es nicht auch unfair, dass ich nackt bin, du aber immer noch Kleidung trägst?" Langsam ließ er die freie Hand den muskulösen Rücken hinab streichen, bis er auf den Bund der Schlafanzughose stieß. Frech schlüpften seine Finger darunter, liebkosten die weiche Haut, soweit er sie erreichen konnte.

Carelis lächelte und nickte leicht. "Ja, das finde ich sehr unfair, allerdings", entgegnete er träge. Die Finger seines Gefährten zogen kribbelnde Spuren auf seiner Haut, strichen per Zufall oder vielleicht auch nicht wieder und wieder über Stellen, die besonders empfindlich waren. Er hob seine Hüfte ein wenig und half Fíonán sogar noch, die Hose abzustreifen. Er war allerdings nicht auf die erregende, heiße Welle der Gefühle vorbereitet gewesen, die ihn und, wie er spürte, auch den anderen erfasste, als ihre Körper sich nun vollständig nackt berührten.

Fíonán flüsterte seinen Namen, drängte sich enger an ihn. Seine Hände tasteten streichelnd über die heiße Haut, während er auf die leisen Geräusche lauschte, die Care von sich gab, seinen Atem, den Herzschlag. Er reagierte darauf, widmete sich einigen Stellen intensiver, ließ sich von anderen wieder wegtreiben, berührte nur kurz oder liebkoste ausgiebig. Er fühlte sich so gut an unter seinen Händen, überall. Fíonán genoss die Wärme, die Glätte der Haut, die Reaktionen des anderen Mannes, spürte den feinen Schweißfilm unter seinen Fingern entstehen. Sein eigener Körper antwortete, er wollte mehr von ihm, immer mehr, schmecken, riechen, fühlen...

Carelis hörte den Elf leise flüstern, hörte wie sein Atem schneller ging und wie seine Instinkte für ihn besser und besser wurden. /Ich kann sein Herz spüren, ich kann seine Erregung riechen, das ist... das kann nur.../ Er konnte nicht aufhören. Er konnte sich nicht davon abhalten, sich stöhnend gegen Fíonán zu pressen, seinen Schoß gegen den seines Gefährten zu bringen und gleichzeitig jeden erreichbaren Millimeter seiner Haut schmecken zu wollen. Längst waren die Küsse nicht mehr vorsichtig tastend, sondern verlangend, verschlingend geworden. Längst spürte er die Zähne von Fíonán und auch, wie er seine Zähne einsetzte, um ihn zu necken, anzutreiben.

/Himmel... Ich kann ihn zu gut riechen, fühlen, schmecken.. Rachaet muss wach sein! Wieso kann ich nicht aufhören?! Es ist einfach.../ "...viel zu gut, Fíoní. Das ist viel zu gut mit dir." Carelis' Stimme war schon rauer geworden, er hörte Rachaets rollenden Akzent heraus und erschauderte, aber konnte sich nicht dazu bringen, auch nur von dem weißen, weichen und sich so herrlich unter ihm windenden Körper aufzublicken.

"Es kann nicht zu gut sein", keuchte Fíonán. "Das kann es nicht."

Er zog Care wieder an sich und küsste ihn erneut hungrig, bewegte sich gegen ihn, während sich seine Finger in die Muskeln von Cares Rücken gruben. /Wie kann es nur so schön sein? Es ist... wie Musik... wie eine andere Welt.../ Cares Stimme hatte sich verändert, doch er registrierte es nicht richtig. Er löste eine Hand, strich abwärts, bis er den festen Hintern erreichte und ihn umfasste, ihn zu massieren begann. "Mit dir... ist es wunderschön, mein Care."

"Mein...?" Carelis japste nach Luft und stöhnte gleich darauf auf, weil sein Geliebter ihn so wunderbar richtig berührte. Ganz deutlich wurde er sich nun nach und nach der wirklichen Gefühle für Fíoní bewusst. Die Liebe, die sie verband, die Bewunderung, die sie vom ersten Moment an schon füreinander empfunden hatten. Sie ergänzten sich so perfekt. So perfekt, wie es eben nur die drei Teile der Seele eines Daryller tun konnten. Mit einem Mal öffnete Carelis die Augen und schob seine Arme unter Fíonáns Schultern hindurch, um ihn noch härter gegen sich zu pressen, als könnte er ihre Körper auch auf diese Art verschmelzen.

"Wir sind schon eins, Fíoní. Eine Seele, ein Wesen... ich... ich fühle dich schon deutlich in mir. Wir sind nun wirklich... vereint." /Fast. Für gewöhnlich vereinte man die Körper auch. Ärgerlich irgendwie, dass er männlich ist, ob er das erträgt? Das tue ich ihm nicht an. So reicht es auch./

Verliebt küsste Carelis Fíonáns Nasenspitze und die leicht geöffneten Lippen. "Ich liebe dich, und wir werden von nun an durch nichts und niemanden mehr getrennt werden. Dies ist das Symbol der Einheit, die wir ohnehin schon spüren." Seine Stimme zitterte, das Verlangen war nicht weniger geworden und auch nicht die Rauigkeit seiner Gefühle. Aber sie wurde auch nicht mehr, es war als sähe Rachaet ihnen zu, um Teil der Einheit zu sein. Der Gedanken entlockte Carelis ein Lächeln. /Mein Zweiter, natürlich bist du auch ein Teil von uns./

/Liebe... Er liebt mich! Nie wieder trennen.../ Bebend atmete Fíonán ein, versank wieder ganz in den grünen Tiefen, die ihn ansahen. Er spürte, wie sich vor Glück Tränen in seinen Augen sammelten. "Ich liebe... liebe dich auch", hauchte er erstickt, seine Lippen suchten Cares, berührten sie kurz, um sich gleich darauf wieder von ihnen zu trennen. /Nie wieder allein?/ Er schluckte seine Tränen hinunter und lächelte ebenfalls. Überschäumende Freude, unbändiges Glück, Erregung... Er konnte die Gefühle nicht benennen, die in ihm waren, alle zur gleichen Zeit, ihn erfüllend, weil es Carelis gab, weil er bei ihm war. "Vereinigung?"

Er bewegte sich unter ihm, bis er die Beine um Cares Hüften schlingen konnte und stöhnte auf. Allein der Gedanke, die Vorstellung, ihn in sich zu spüren, ließ die Hitze in ihm ansteigen. "Dann... vielleicht... Liebe mich, Care... Ich will dich... spüren...." Er löste einen Arm von dem anderen Mann und tastete fahrig über seinem Kopf nach dem Töpfchen, von dem er wusste, dass es da war.

Carelis blinzelte verwirrt, als Fíonán sich streckte und seine Finger über den Sims am Bettrand glitten. /Sucht er ein... Taschentuch? Nein... er will.../ Deutlich spürte Carelis nun die Aufforderung, die Fíonán ihn fühlen ließ. Nicht nur dadurch, dass sie zur Zeit wie einer fühlten, sondern auch durch die unmissverständlichen Gesten. Die schlanken, hellen Beine waren um seine Hüfte geschlungen und der Schoß, haarlos, wie Carelis zuvor bemerkt hatte, rieb sich noch eine Spur drängender an ihm.

Carelis griff an ihm vorbei und hob ein zartes Kristalldöschen auf. Was auch immer darin sein mochte, es schien Fíonán in dem Moment wichtig zu sein. Vorsichtig legte er es in die zitternden Finger seines Gefährten und lächelte ihn aufmunternd an.

Als er seine Hände dann wieder ansah, fielen ihm die Tarnmuster auf, die sich dezent von der rötlichen Haut abhoben. Er zuckte ein wenig zusammen. Rachaet war noch dichter an ihre Grenze herangekommen. /Ich kann jetzt nicht aufhören... ich... die Reifen... Wir hätten die Reifen schon längst.../ Seine Gedanken verwischten durch einen hungrigen Kuss von Fíoní und eine besonders richtige Bewegung seines Körpers wieder.

Carelis knurrte leise und begann den wohlschmeckenden Hals mit den Zähnen entlang zu fahren, während er mit einer Hand unter Fíonáns Rücken fuhr, bis unter den Po, den er kräftig anhob und ihn damit gegen sich drückte.

Für einen Moment war es Fíonán, als verlöre er sämtliche Kraft, während er sich gleichzeitig enger an Carelis presste. Kehlig stöhnte er auf und ergab sich ganz den Gefühlen, die brennend durch ihn flossen. Es war so gut, so richtig, so einzigartig wie eine wundervolle Melodie, deren zwei Stimmen perfekt zueinander passten. Cares Zähne auf seinem Hals, die Hand unter seinem Hintern, die heiße Haut, sein Geschmack...

Als ihm das Döschen wieder ins Bewusstsein kam, kalt und glatt in seiner Hand, fiel ihm auf, dass eine dritte Stimme mit dazugekommen war. Harmonisch, jedoch wilder, aufwühlender, ursprünglicher. /Rachaet... Care wollte mich nur halten... Das ist kein Halten mehr./ Doch er spürte keine Angst, auch das schien so richtig zu sein, so unendlich passend. Fíonán öffnete die Dose und ließ seine Finger in das kühle Gel gleiten. /Aber er sagte etwas von... Reifen... dass wir die Reifen bräuchten.../

Es dauerte nur kurze Zeit, bis das Gel die Temperatur seiner Haut angenommen hatte. Fíonán bewegte sich, schaffte genügend Platz zwischen ihren Körpern, dass er mit der Hand dazwischen gelangen konnte.

"Wird es ohne die Reifen gehen?", flüsterte er heiser, während sich seine Finger sacht um Cares Glied legten. Er hoffte es inständig, wollte nicht weiter als jetzt von Care getrennt sein.

Carelis stöhnte auf, bevor ihm die Worte zu Bewusstsein kamen, die sein Geliebter geflüstert hatte. /Reifen.../, dachte er wild. /Ich kann jetzt nicht.../

"Oh, die...verdammten... Reifen... unten... zu weit... weg." Er unterbrach seine Antwort immer wieder, um Fíonán zu küssen. Unbewusst bewegte er sich gegen die Finger. Er schloss die Augen und verfolgte die Kurve von Fíonáns Hintern bewundernd und begierlich. Er hatte ihn in der engen Hose zuvor schon anhimmeln können, aber in Natur, mit den Fingern zu ertasten, dabei zu fühlen, wie sein Gefährte erschauderte, wie sich der Griff um sein Glied festigte, wie die geschickten Finger von Fíoní in der Bewegung erstarrten, weil Carelis einen besonders richtigen Punkt erwischte, oder weil er sich weiter wagte als je zuvor, übertraf seine Erwartungen bei weitem.

Fíonán fühlte Erleichterung, dass Care ihn wegen der Reifen nicht allein lassen wollte, es nicht konnte, aber das Gefühl verlor sich im erregenden Taumel seiner Sinne. Sein Geliebter schien ihn überall gleichzeitig zu berühren und immer dort am meisten, wo Fíonán es sich am dringendsten wünschte. Sein Herz schlug so heftig gegen seine Rippen, als wollte es die Enge des Brustkorbes sprengen. Er wand sich unter dem kräftigen, dunklen Körper, bewegte sich hilflos, verlangend gegen ihn. Alles, was er hörte, waren die lustvollen Laute, die Carelis von sich gab, sein heftiger, fliegender Atem, sein Stöhnen, und es bewirkte, dass er ihn um so mehr wollte.

"Liebe mich... jetzt...", keuchte er zwischen hungrig erwiderten Küssen, während seine Hand Care zeigte, was er wollte.

Carelis wusste im selben Augenblick auch schon nicht mehr, wie er sich so lange hatte davon abhalten können, ihre Körper zu derselben Einheit zu bringen, die ihre Seelen doch schon teilten. Fíonán umgab ihn mit seinem gesamten Dasein. Ihre Finger waren ineinander verschränkt, die schlanken Beine umschlangen Carelis' Körpermitte besitzergreifend, ihre Körper waren vereint. Der schönste Moment seines Lebens war endlich wahr geworden.

Carelis stellte fest, dass er sich kaum bewegen musste, um Fíonáns Erregung zu steigern. Der schlanke Elf hob ihm seine Hüften entgegen, drängte sich an ihn heran, rieb ihre Körper aneinander. Lächelnd betrachtete Carelis sein schweißnasses Gesicht, löste eine seiner Hände aus dem festen Griff seines Gefährten und streichelte seine Wangen, seinen Hals und die wild auf den Kissen verteilten Haare, während er sich auf das Tempo seines Geliebten einließ, ihn sanft antrieb, dem Höhepunkt entgegen.

Niemals zuvor hatte Fíonán etwas Vergleichbares erlebt, niemals sich auch nur vorstellen können, was es heißen konnte, vereint zu sein. Er ließ sich in den Strudel an Gefühlen fallen, öffnete sich seinem Geliebten, kam ihm entgegen und gab sich ihm vollkommen hin. Eine Ewigkeit schienen sie gemeinsam dahinzutreiben, bis sein Körper in einer explodierenden Welle aus Hitze und Licht sein Recht forderte. Fíonán rief nach Carelis und klammerte sich haltsuchend an ihn. Schließlich sank er ermattet zurück in die Kissen, ohne Care jedoch loszulassen.

"Ich liebe dich", hauchte er kaum hörbar.

Carelis rollte sich auf die Seite, um seinen zarten Geliebten nicht zu erdrücken mit seinem Gewicht. Prüfend blickte er auf seine Arme. Die Tarnmuster zogen sich zurück, es schien, als sei Rachaet so erschöpft und von Gefühlen überlastet wie er selbst eingeschlafen.

"Ich liebe dich auch, Fíoní. Endlich habe ich dich gefunden. Gleich, wenn ich mich wieder rühren kann, hole ich die Reifen und wir machen alles offiziell", murmelte er undeutlich und lehnte seine Lippen an die feuchte Schläfe seines Elfen, bevor er sachte einschlummerte, so zufrieden und ausgeglichen wie noch nie.

Fíonán kuschelte sich an ihn, erschöpft und glücklich. /Geliebter...? Gefährte...?/ Verliebt betrachtete er Cares entspanntes Gesicht, strich ihm eine Haarsträhne aus der schweißnassen Stirn und ließ sie durch seine Finger gleiten. /Das ist verrückt... Ist das wirklich passiert?/ Er beugte sich ein wenig vor, küsste kaum wahrnehmbar die schmalen Lippen, umfasste eine von Cares Händen mit seiner. /Oder träume ich?/ Aber dafür war es zu real, dafür war das, was sie geteilt hatten, zu intensiv gewesen.

Blind tastete Fíonán nach der einen Decke und zog sie über ihre erhitzten, feuchten Körper, ehe er den freien Arm um seinen Geliebten legte. /Wirst du wirklich bei mir bleiben?/ Er schloss die Augen, lehnte seinen Kopf an Cares Schultern und atmete seinen Geruch ein. Mit dem gleichmäßigen Rhythmus seines Herzens und dem seines Atems, die Gedanken von Träumen und Wünschen erfüllt, driftete er langsam in den Schlaf.


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