Das dritte Gesicht

17.

Es gestaltete sich schwierig, in die Schiffe zu gelangen. Carelis und Fíonán mussten zunächst ein gutes Stück die Straße runterlaufen, bis eine Lücke zwischen den Felsen sich ausreichend weit auftat, so dass eines der Schiffe dicht genug an die Oberfläche heranfliegen konnte, um sie bequem einsteigen zu lassen.

Allein die kleine Strecke, die sie bis zum Schiff gebraucht hatten, hatte Fíonáns Augen leuchten lassen, und er hatte sich immer wieder neugierig umgesehen. Zu lange war er im Palast gewesen, hatte die Straße nie weiter als ein paar hundert Meter von oben mit den Blicken verfolgen können, ehe sie hinter Felsen verschwand. Selber dort entlang zu laufen, den Wind zu spüren, in der Sonne zu blinzeln, das leise Geräusch ihrer Schritte auf dem schlechten Asphalt zu hören, war für ihn aufregend gewesen.

Vor dem Raumschiff an sich hatte er ein wenig Angst gehabt, auch wenn er sich bemüht hatte, sie nicht zu zeigen. Das einzige, das er kannte, war jenes, mit dem man ihn von zu Hause aus der friedlichen Idylle seiner Kindheit weggebracht und hierher verschleppt hatte.

Die sieben Schiffe von Carelis' privater Flotte waren dieses Mal nicht alle aus dem Orbit herabgekommen, da ja bekannt war, dass es keinen Parkplatz für diese Klasse gab. Der Gleiter war schon zu groß, um hier zu landen. Doch er war anders, vollkommen anders als das, was Fíonán in Erinnerung hatte. Mit vor Aufregung glühendem Gesicht betrachtete er ihn. Schnittig und aerodynamisch, um auch in der Atmosphäre optimale Beweglichkeit zu bieten, wirkte er elegant in seiner Dunkelheit und der schlichten Form. Die Außenhaut war blaumetallisch, matt durch die Fahrten im All und vom letzten Flug durch ein Meteoritenfeld ein wenig zerschrammt.

Atemlos musterte Fíonán einen Kratzer im Lack, der die Länge seines gesamten Körpers hatte. Als er das amüsierte Lächeln seines Geliebten über sein Staunen mehr spürte als sah, riss er sich jedoch zusammen und folgte ihm mit einem Sprung über den Abgrund zwischen dem Felsen und der Rampe, der ihn genau in Carelis' Arme trug, ins Innere.

Außerhalb des Planeten stieg Carelis, seinen Gefährten an einer Hand mit sich führend, in das Schiff um. Während der Gleiter flach und schlank eher den optischen Ansprüchen genügte, lag das Hauptschiff wie ein schwerer Wal im All und bot durch die runden Formen den geeigneten Schutz und die besseren Qualitäten, wenn es um Flugeigenschaften ging.

Aus dem ovalen Rumpf wurden, während sie durch die kurze Andockbrücke gingen, die strahlenförmigen Ruder an drei Seiten ausgefahren. Zu beiden Seiten der Führungskanzel konnte man einen kurzen Blick auf zwei augenförmige Flecken in der Außenhaut werfen, die von anderer Beschaffenheit zu sein schienen. Das war das intelligente Metall, viel zu viel davon, aber Carelis konnte es sich leisten.

Im Inneren des Schiffes lag das Herz, die Antriebseinheit, und um sie herum waren die Räume verteilt, in denen die Besatzung, alles Androiden, bis auf wenige Ausnahmen von der neusten Generation, ihre Arbeit verrichtete, wenn sie nicht schliefen. Andere Lebewesen gab es sehr selten auf einem daryllischen Schiff.

Im Inneren herrschten die Farben hellgrün und beige vor. Beruhigende Farben, gelassene Formen, auch hier eher rund und an Meerestiere erinnernd. Die Türen öffneten sich wie schneckenförmige Kamerablende, indem sie sich aufwanden, die Fenster waren alle rund. Die Möbel groß genug für Carelis und weich, nicht zierlich, sondern robust gemacht.

Seufzend ließ Carelis auf dem Weg durch die Maschinenebene die Finger über eine tiefe Schramme an der einen Tür gleiten. Rachaet durfte nicht durch Türen. Er war eingesperrt, sobald seine Stimme sich veränderte. /Ich muss meinem Schatz noch die Türen öffnen, das programmiere ich lieber auch gleich, damit er sich frei bewegen kann./

Nur kurz ging Carelis zur Führungskanzel, um zusätzlich zum Stimmcode auch die Reiseroute zu programmieren. Er würde diese Fahrt dem Metall überlassen. Es war noch eine ganze Ecke bis in sein System. Auch wenn er sich beeilte, würde es einige Tage dauern. Während er seine Blicke über die Symbole gleiten ließ und die Parameter abglich, stellte er fest, dass er nicht den schnellsten, sondern den sichersten Weg eingab. Die Woche, um die sich die Fahrt verlängern würde, war jetzt schon seine Lieblingswoche, das spürte er, als er seinen Blick über Fíonáns schlanke Gestalt in der mit Federn besetzten, engen Hose gleiten ließ.

"Zum daryllischen System, zuerst zu meinem Heimatplaneten. Wir sind in unserer Kabine."

"Sofort." Der Androide flog durch die Gänge davon, während Carelis Fíonán mit einem Arm an sich zog, um ihn zu seinem Zimmer zu führen. /Hier kenne ich mich aus und führe dich einmal, Liebling./ Er zeigte seinem Gefährten die Decks nur im Vorbeigehen, denn sein Bedürfnis, den schlanken Elfen für sich allein zu haben, war zu stark geworden. Endlich befahl er der Magnettür an seiner Kabine "Öffnen." und ließ Fíonán den Vortritt.

Er wusste, dass die Farben Grün, Beige und Braun vorherrschten und die weichen Stoffe der Vorhänge, Überwürfe und der wenigen Möbel in dem indirekten Licht noch geheimnisvoller erschienen. Bilder von Lemar zierten die Wände in lebensechten Zeichnungen. Neben dem breiten Bett war eine Darstellung der Blüten, über die Carelis erneut einen Blick gleiten ließ. /Fíoní. Genauso schön bist du auch./

Atemlos sah Fíonán sich um. "Oh, das ist... das ist wundervoll hier", brachte er begeistert hervor. "Das ist dein Zimmer, ja? Unser Zimmer..." Für einen Moment fühlte er sich fehl am Platz, in dieser geheimnisvollen Wärme mit seinem hellen Weiß, doch dann folgte er Cares Blick zu den weißen Blüten, den Fíoní, spürte die Gedanken seines Geliebten und wusste, dass er hier mehr zu Hause, mehr willkommen war als jemals zuvor im Palast.

Carelis öffnete das Panoramafenster und gewährte seinem Gefährten einen Blick auf den entschwindenden Planeten, solange sie noch im normalen Modus flogen, so dass überhaupt etwas von der Umgebung zu sehen war. "Geht es dir gut? Kann ich dir etwas zu trinken bringen? Möchtest du etwas essen, Fíoní? Ich weiß, wir sind gar nicht dazu gekommen bislang."

Carelis konnte sich jedoch nicht dazu bringen, den weißhaarigen Elfen loszulassen, stattdessen umschlang er ihn mit den Armen und drückte ihn an sich. "Gleich hole ich dir etwas zu essen. Ich will dich nur noch einmal schnell drücken."

Mit einem weichen Lächeln lehnte Fíonán sich an ihn, erwiderte seine Umarmung und schloss für einen Moment die Augen, um die Ruhe und die Liebe seines Gefährten zu genießen. "Ich habe keinen Hunger. Das alles ist so aufregend. Ich  bin ganz wirr von den vielen Eindrücken. Und ich bin so glücklich wie noch nie zuvor. Ich danke dir so sehr..."

"Du kannst dich im gesamten Schiff frei bewegen. Wenn Rachaet wach ist, dann würde ich dich aber darum bitten, dass du ihm keine Türen öffnest. Er geht mit dem Inventar nicht besonders pfleglich um, Liebling. Mit dir selber wird er von nun an keine Probleme mehr haben. Er wird dir nie wieder etwas tun, das verspreche ich dir." In dem Moment begann das Metall mit der Fahrt, und die Sicht auf die Sterne umher verwischte. Carelis schloss das Fenster mit der kreisförmigen Blende und schaltete das Licht ein. Dann holte er tatsächlich zunächst etwas zu essen und zu trinken für seinen Gefährten und sich, da er wusste, dass Essen auch beruhigen konnte.

Gelassen ließ er sich in seinem Lieblingssessel mit den breiten Polsterlehnen nieder und schenkte sich und Fíonán je ein Glas Wein ein. "Trink erst einmal etwas, du hast bestimmt Durst, Liebling. Du weißt es nur gerade nicht." Lächelnd beobachtete Carelis, wie Fíonán sich kindlich begeistert in dem Bad umsah, die Bilder an den Wänden begutachtete, die Blumen bestaunte, dann wieder zu ihm sprang, nicht stillsitzen konnte und wieder zu einem der Fenster ging, um in den regenbogenfarbenen Lichtschleier davor zu blicken. /Er wird heute Nacht bestimmt nicht schlafen können./

Fíonán lachte leise und wandte sich zu ihm um. Verschmitzt lächelte er. "Oder ich werde so erschöpft sein, dass ich einfach umfallen werde, wenn du eigentlich etwas ganz anderes vorhast." Er schob eines der federgeschmückten Zöpfchen hinter seine Schultern zurück und ließ den Blick über seinen Gefährten gleiten.

Das erste Mal fiel ihm auf, dass Carelis so viel besser hierher passte als in den Palast. Die Farben und Formen des Raumes unterstrichen, wer er war, was er war. Nichts war zu zierlich oder zu zerbrechlich für ihn, und doch ließ ihn das Zimmer nicht klein und unscheinbar wirken, eher hob es noch seine Stärke, seine Persönlichkeit hervor. Nichts war kalt und unpersönlich. /Er ist wunderschön, mein Care.../ Die rötliche Haut, die viel dunkler war als seine eigene, das dunkelrote Haar, schwerer als seines. Die breiten, kräftigen Schultern. Das markante Gesicht mit den intensiven, grünen Augen, die ihn unablässig zu beobachten schienen. Sein Geliebter war so sehr das Gegenteil von ihm, und doch ergänzten sie sich derart perfekt. /Ich hoffe so sehr, dass ich für dich sein kann, was du brauchst, was du willst.../

Mit einem Mal hatte er das Bedürfnis, ihn zu berühren, ihm nahe zu sein. Er lief zu ihm, setzte sich auf die Sessellehne und schlang die Arme um den Hals seines Gefährten, um ihn lange und innig zu küssen. Glücklich spürte er, wie Care einen Arm um seine Taille legte, um ihn ganz auf seinen Schoß zu ziehen.

Als sie sich wieder voneinander lösten, schenkte er ihm ein verliebtes Lächeln, ehe er sich bequem zurecht kuschelte und Cares Glas samt dessen Hand eroberte, um vom Wein zu kosten. "Mmh, der ist lecker", verkündete er vergnügt, ohne seinen Geliebten loszulassen, und nahm einen zweiten Schluck.

Carelis senkte seine Lippen gleich darauf über die seines geliebten Elfen und dachte für ihn /Ich stelle mir gerade viel zu deutlich vor, wie du vorhin noch ohne diese schöne Kleidung ausgesehen hast, Liebling./ Langsam strich er mit der einen Hand über Fíonáns Oberschenkel und ließ das Glas los, um die andere auf den Bauch des Geliebten zu legen, wo er sanft in kleinen Kreisen streichelte.

/Hm... dann sollte ich sie wohl bald loswerden.../ Fíonán seufzte leise in Cares Mund und lächelte. /Und du bist noch viel leckerer als der Wein/, stellte er zufrieden fest und vertiefte den Kuss verlangend. /Ob das jemals aufhört, dieses Verlangen nach dir?.../ Kurz löste er sich von ihm, damit er das Weinglas auf dem Tisch abstellen konnte, um beide Hände frei zu haben.

Eine kleine Ewigkeit lang sah er ihn einfach nur an, überwältigt von den Gefühlen, die er für ihn hatte, die Care für ihn empfand und die er ihm durch den Reif begreiflicher machen konnte als mit noch so passenden Worten. Dann lehnte er sich nach vorne, ließ sich in Carelis' Arme ziehen und fand erneut dessen fordernde und doch so sanfte Lippen.

Gebend und nehmend entdeckte er den Zauber aufs Neue, den nur Carelis jemals so über ihn verhängt hatte, diesen gemeinsamen Tanz zu einer wundervollen Melodie, bis sie eins wurden und die Zeit still zu stehen schien.

 

Carelis war fasziniert von dem Glück, das sie fühlen konnten. Von der Anziehung zwischen ihnen. Von dem Verstehen war er weniger überrascht, das kannte er schon durch Rachaet. Die anderen Gefühle machten das zu Dritt sein viel aufregender als die wütenden, ungeduldigen Instinkte von Rachaet zu unterdrücken, was ihm gerade mit dem schönen Elf in seinem Bett in den nächsten Tagen nicht besonders gut gelang.

Zwei Male auf der Fahrt erwachte Rachaet, zu beiden schienen er und Fíoní ein Herz und eine Seele gewesen zu sein. Der große Zweite in ihm hatte es nicht einmal geschafft, etwas zu zerschrammen, so sehr war er anscheinend mit dem Schmusen und Umsorgen seines Dritten beschäftigt gewesen.

Als Carelis zum zweiten Mal nach dem tiefen Schlaf erwachte, war er zudem noch nass von dem Bad, das Fíonán Rachaet verpasst hatte. Der fröhliche Elf erklärte seinem verdutzten Gefährten, dass er gerade am Baden gewesen war und Rachaet, anscheinend sehr eifersüchtig auf jede einzelne Seifenblase, zu ihm in die Wanne gesprungen war.

Er selber freute sich über die raschen Fortschritte, die Fíonán auf dem Übungsdeck machte, auf dem er ihm beibrachte, wie man einen Gleiter lenkte. Denn das war das Hauptverkehrsmittel im Daryllischen System, wo die unzähligen bewohnbaren Planeten wie kleine Atolle dicht an dicht um die Sonnen verteilt lagen.

Für Fíonán war es die aufregendste und wundervollste Zeit seines Lebens. Niemals zuvor hatte er derart bedingungsloses Vertrauen empfunden, niemals zuvor geschenkt bekommen. Niemals hatte er so oft mit jemandem zusammen gelacht, sich geneckt und war einfach nur albern gewesen. Die Liebe, die er für den Herrn empfunden hatte, der ihn betrogen hatte, kam ihm nichtig vor gegen das, was er für den Daryller fühlte. Fast schien es, als würde allein Cares Gegenwart die vergangenen Jahre ungeschehen machen. Im Rückblick wirkte nichts mehr von dieser Zeit wirklich schlimm, weil es nur dahin geführt zu haben schien, dass er seinen Gefährten kennen gelernt hatte.

Auch Rachaet wollte er nicht mehr missen. Er verstand kaum, dass er sich jemals vor ihm gefürchtet hatte. Wenn der Lemar bei ihm war, fühlte er sich sicher und geborgen. Rachaet brachte ihn mindestens ebenso oft zum Lachen wie Care. Und niemals hätte er gedacht, dass man mit diesem als das ultimative Raubtier bezeichneten Wesen herumtollen konnte, doch es machte ihm eben so viel Spaß wie Rachaet. Anschließend zerwühlte der Lemar das Bett meist zu einem Nest, zog ihn rein und schmuste dort mit ihm so lange, bis er einschlief und wieder zu Carelis wurde.

Wenn Fíonán in den Armen eines Herrn oder einer Herrin gelegen hatte, hatte er sich oft gewünscht, allein zu sein, niemanden mehr sehen zu müssen, doch jetzt, wo er zwei Wesen näher war als jemals irgendwem zuvor, wollte er niemals wieder einsam sein, niemals wieder ohne sie. Nur zu oft war die Nähe der Reifen nicht genug, und dann war es beinahe nebensächlich, wo sie sich befanden, wenn sie sich liebten. Fíonán genoss es jedes Mal aufs Neue. Allein die Erfahrung, sich außerhalb eines Zimmers zu lieben, war fremd, eigenartig und aufregend schön für ihn. Und obwohl sie sich besser und besser kennen lernten, mehr und mehr herausfanden, was dem anderen gefiel, blieb es doch so atemberaubend wie das erste Mal.

Seine Tage waren mehr als ausgefüllt, so viel gab es für ihn zu sehen, zu entdecken und zu lernen, dass er abends meistens todmüde und glücklich neben Care ins Bett fiel. Nur eines schien ein kleiner, dunkler Fleck in seinem fast vollendeten Glück zu sein. Sie hatten das Thema nicht mehr angesprochen, doch immer, wenn seine Gedanken in diese Richtung abdrifteten, spürte er, wie Care sich anspannte, was ihn dazu brachte, schnell an etwas anderes zu denken. Kinder...

Fíonán war gerade dabei, seine Laute zu stimmen, als er bemerkte, dass Rachaet erwachte. Er warf dem Lemar, der sich genüsslich auf dem Bett streckte, einen liebevollen Blick zu und brachte als nächstes seine Laute in Sicherheit. Rachaet war nicht immer zimperlich in der Wahl seiner Mittel, wenn er seine Aufmerksamkeit wollte. Und die wollte er grundsätzlich, und zwar nur für sich allein.

Rachaet rollte sich herum und gähnte. Er war schon einige Male erwacht und hatte seinem Dritten gezeigt, wie viel er ihm bedeutete. Ein schöner, weicher Elf. Er liebte es, sich an ihn zu schmiegen, die Wärme und den Duft des Körpers zu genießen. Ab und zu auch den Geschmack, auch wenn das zierliche Wesen so kitzelig schien. Immer erschütterte Lachen seinen Körper, wenn Rachaet seine raue Zunge über den Bauch, die Beine oder das Gesicht gleiten ließ.

Rachaet beobachtete, wie die weißhaarige Gestalt etwas vor ihm in Sicherheit brachte und spielte mit seinen Fängen und Krallen. Dann erhob er sich, schlich sich an und erlegte den Elf kurzerhand, indem er ihn umwarf und unter sich begrub, um ihm mit den Zähnen durch die Haare zu knibbeln.

Der Geschmack war noch immer wundervoll, genau wie das Japsen, das Strampeln und die Gänsehaut, die gleich darauf über den Elf lief. Doch eines störte Rachaet ein wenig. Carelis und Fíoní waren oft zusammen. Eigentlich fast täglich. Das wusste er. In dem Zustand der Erregung seines Zweiten konnte Rachaet sich ihrer Grenze nähern. Sie waren so oft zusammen, aber noch immer konnte er nichts riechen, keine Veränderung schmecken an dem zarten Wesen unter sich.

Ein wenig missmutig rollte er von Fíoní herunter und zog ihn über sich, schob ihn auf seinen Bauch, um seine Haare noch ein wenig weiter zu zerkauen. Dann fragte er "Willst du keine... Kleinen? Machst du es absichtlich so?"

Fíonáns Lächeln schwand; er legte den Kopf auf Rachaets Schulter und schwieg unbehaglich. Abwesend kraulte er den Lemar im Nacken. /Doch, ich will Kinder/, dachte er. /Schon allein, weil du und Care welche wollen.../ Er biss sich auf die Unterlippe und sah fast angestrengt auf den mit Tarnmustern bedeckten Oberarm. "Aber das wird nicht gehen, Rachaet. Wie soll es funktionieren? Ich bin ein Mann. Elfen- und Menschenmänner können keine Kinder austragen. Und Carelis kann es wohl auch nicht. Kennst du einen Weg? Ich weiß keinen..."

Männlich und Weiblich waren Unterschiede, die den Lemar nichts bedeuteten, aber Rachaet war alt genug, um zu verstehen, was Fíonán erklärte, und die Niedergeschlagenheit des blütenweißen Elfen sprach zudem dafür, dass er ehrlich war. Rachaet lebte zum dritten Mal als Daryller und hatte aus den ersten Verbindungen reichlich Kinder gehabt. Dennoch war es ärgerlich in dem Moment, und er reagierte sich kurz und heftig an einem Sessel ab, bevor er zurückkehrte und Fíoní ansah, der schuldbewusst und traurig dasaß. Energisch verwandelte er das Bett in ein anständiges Nest, wühlte die Decken im Kreis, bis er mit dem Ergebnis zufrieden war, dann schleifte er Fíoní in die Mitte und rollte sich um ihn herum zusammen.

"Nein, ich kenne keinen Weg", erklärte er schließlich leise und nachdenklich. "Der Zweite weiß aber von dir, weiß von dem Problem und ich habe gesehen, dass es ihm egal ist. Dann ist es auch mir egal. Ich habe genügend Kinder, wenn er keine will, ist es mir recht."

Rachaet konnte sich zwar nicht vorstellen, wieso man dann eine Verbindung eingehen wollte, aber Zweisamkeit war für ihn immer ein Fremdwort gewesen. Sobald die anderen Pflanzen wieder in der Nähe waren, musste er auch nicht mehr so sehr auf Fíoní achten, sie würden helfen, dann konnte er auch jagen gehen in den Wäldern. Zufrieden, dass diese Frage geklärt war, streckte er sich und gähnte herzhaft, dann drängte er sich an den Körper des Elfen heran und leckte ihm über die Wange und den Mund, bevor er noch einmal gähnte, um wieder einzuschlafen.


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