Buch I: Der Weg des Tanzes

8. Ein freudloser Tanz

Die Brüderschaft ist kein Bund, der nur Freude bringt.
Des einen Bruders Leid ist auch das des anderen.

Nach Nayan, Sohn des Ojas


Sie erreichten die nächste Stadt, als die Sonne bereits den Horizont berührte. Die Torwache empfahl ihnen nach den üblichen Fragen zum Woher und Wohin eine gemütliche Herberge, die sich als ein Geschenk der Vier Brüder herausstellte. Die Zimmer waren geräumig und sauber, die Betten größer als in den üblichen Gasthöfen und beinahe so bequem wie Yashs eigenes. Mit einem Grinsen gestand er sich ein, dass es auch nur daran liegen mochte, dass er die letzten Tage nicht wirklich mit Komfort verwöhnt worden war. Doch selbst das Essen, das sie nach einem warmen Bad in dem großen, ebenfalls sehr sauberen Schankraum einnahmen, war durchaus als gut zu bezeichnen.

"Besser als in der letzten Herberge, wenn auch nicht so gut wie im Tempel", befand er und griff zufrieden nach einem Stück des frischen Kräuterbrotes.

"Ich habe einen verwöhnten Schwertbruder, dessen Zunge feiner ist als die Schneide seines Schwertes." Andraj grinste und biss in einen Apfel. Er bevorzugte frisches Obst und Gemüse, wenn es vorhanden war. Seine Mutter hatte ihm das früh angewöhnt, weil es bei ihr so üblich gewesen war und weil es seine Schwerttanzkräfte weckte. Schon damals hatte er vermutet, dass diese Weisheit nur ein Trick war, um ihn zum Essen der gehassten Möhren zu bewegen, aber schließlich hatte er doch Gefallen an Rohkost gefunden. Er gab einen zufriedenen Seufzer von sich, aber den leichten Wein, den man ihm serviert hatte, rührte er lieber nicht an.

Die letzten Tage waren so gewesen, wie er sich das Leben auf dem Weg des Tanzes vorgestellt hatte, Yash an seiner Seite, keine Verpflichtung außer der, die ihm eh schon zu seiner zweiten Natur geworden war. Unter ihnen die staubige Straße, über ihnen die Sterne, die Sonne und die wachsamen Augen Der Vier.

Während Yash noch mit Essen beschäftigt war, sah Andraj sich um. Die Gaststube war gefüllt mit sehr vielen Männern jeden Alters. Die Kriegsgerüchte hatten alle zur Verfügung stehenden Kämpfer mobilisiert. Samant hatte recht gehabt, lange würden Yash und er den Frieden auf dem Gut nicht genießen können. Viele der Schwerttänzer waren anscheinend befreundet, denn sie saßen in kleinen Gruppen an den Tischen, ihre Schwerter griffbereit neben sich liegend. Einige Gruppen nickten ihm und Yash zu, als würden sie die beiden als Gleichgesinnte anerkennen.

"Ich hoffe, der Krieg lässt uns Zeit, nach dem Mörder zu suchen." Yash drehte sich halb auf seinem Hocker um und ließ seinen Blick durch den gefüllten Raum schweifen. Ein junger Schwerttänzer nahe bei der Tür fiel ihm auf, da er alleine saß. Als Yash zu ihm hinsah, lächelte er. Ein Lächeln war die Antwort, und der junge Mann prostete ihm zu, was auch Yash seinen Weinbecher heben ließ, ehe er sich wieder Andraj zuwandte.

"Ich befürchte fast, dass wir einberufen werden, ehe wir auch nur das Gut meiner Eltern wieder verlassen haben." Er runzelte die Stirn. Natürlich wollte er für Gwalimea kämpfen und es verteidigen, doch gleichzeitig hatten sie beide so viel Energie in Pläne zur Verfolgung des Mörders gelegt, dass es nahezu undenkbar schien, die Jagd noch einmal aufzuschieben.

"Das habe ich auch gerade gedacht. Die Vier scheinen nicht zu wollen, dass ich meinen Vater räche", versuchte Andraj zu scherzen. Natürlich war ihm klar, dass im Krieg eine Suche nach Sharvaars Mörder unmöglich war. Und falls er sein Leben verlieren sollte, wäre die Ehre seiner Familie ebenfalls für immer verloren. 'Den Vier sei gedankt, dass diese Unehre dann nicht auf Mama und Yaya zurückfällt', dachte er grimmig.

"Vielleicht ist die Zeit noch nicht reif." Yash seufzte und strich sich einige schwarze Strähnen aus der Stirn zurück hinter die Ohren. "Vielleicht wollen Die Vier, dass wir vorher noch etwas tun, bevor wir ihn finden können. Wer weiß schon, was Götter denken."

Sie schwiegen eine Weile, jeder in seine Gedanken vertieft. Ein wenig irritiert spürte Yash, dass er beobachtet wurde; als er den Kopf wandte, war es wieder der junge Mann, mit dem er bereits vorher Blicke getauscht hatte. Das Zwinkern des anderen weckte leises Begehren in ihm und das Bewusstsein, dass er schon lange mit niemandem mehr das Bett geteilt hatte. 'Und Andraj will mich nicht.'

Andrajs Blick war dem von Yash gefolgt, und als er das frivole Funkeln in den Augen des Fremden sah, wurde ihm bewusst, dass es seinem Bruder galt. Ein kleiner Stich durchfuhr ihn, sein Mund wurde trocken, doch er erinnerte sich an sein Versprechen, sich nicht einzumischen.

"Geh ruhig", wisperte er Yash zu, darauf hoffend, dass es nicht wie das Gegenteil klang.

Yashs Magen zog sich schmerzhaft zusammen, als Andraj ihn regelrecht wegschickte. 'Vielleicht war es wirklich nur ein Kuss, den wir geteilt haben, trotz seiner Leidenschaft. Vielleicht ist es nicht einmal seine Religion, die ihn davon abhält, mich zu begehren. Es gibt nun mal Männer, die sich nur für Frauen interessieren.' Dennoch konnte er nicht einfach aufstehen und zu dem anderen Tänzer gehen. Er wandte sich zu Andraj um und suchte in dessen ausdrucksloser Miene nach einem Hinweis.

"Bist du dir sicher?", fragte er schließlich, hoffend, dass sein Freund verneinen würde.

"Nein", gab Andraj zu, mit einem breiten Grinsen, das nicht den Schmerz aus seinen Augen vertrieb. "Du solltest dennoch. Ich komme allein zurecht."

Yash zögerte, suchte nach etwas, das ihn an diesem Tisch halten würde, und gab dann auf. Wortlos nickte er und erhob sich. Andraj musste es selbst wissen; und für ihn war es besser, sich nicht den Kopf mit hoffnungslosen Träumen vollzuladen, die ihn nur frustrieren würden. Die letzten Tage waren gut gewesen, ohne bedeutungsvolle Berührungen oder sehnsüchtige Blicke, vielleicht sollte es so bleiben. 'Zumindest versuchen könnte ich, es so zu belassen. Ich weiß nicht, ob ich es schaffe.'

Energischer, als er sich fühlte, griff er nach seinem Krug und durchquerte den Raum, um sich zu dem anderen Mann zu setzen, der ihn überrascht ansah. "Mögen die Blicke Der Vier immer auf dir ruhen, Tänzer. Wobei ich überzeugt bin, dass ihnen das nicht schwer fallen wird. Ich bin Yash, Sohn von Yovan."

Der andere lachte leise. "Und mögen sie über dich wachen. Mein Name ist Sujeev, Sohn des Naveen. Ich hatte nicht erwartet, dass du zu mir kommst, so beschäftigt warst du mit ihm." Mit einer kleinen Kopfbewegung wies er zu Andraj.

Es war ein Austesten, und Yash blockte ab, ließ keinen Zweifel daran, was er meinte. "Er ist mein Schwertbruder, mit dem ich morgen weiterziehen werde. Heute jedoch bin ich hier." Kein Hinderungsgrund für eine Nacht. Er lächelte und sah dem anderen in die schwarzen Augen.

Sujeev grinste und senkte seine Stimme ein wenig. Ohne Scheu legte er eine Hand über Yashs und streichelte seinen Handrücken. "Ich habe ein Einzelzimmer, viel zu groß für eine Person. Wir könnten unseren Wein dort genießen."

Yash sah auf die schlanken Finger, die nicht Andrajs Kraft aufwiesen, auf die gebräunte Haut, die den gleichen Kupferstich wie seine hatte, statt heller zu sein. Es erschien ihm nicht richtig, und diese Zweifel waren ungewohnt. Nie hatte er gezögert, die Nacht mit einem Mann oder einer Frau zu verbringen, die ihm gefielen. 'Hör auf, Yash! Lass diesen Abend so sein, als wärest du nicht verliebt.'

"Das klingt gut", antwortete er leise und drehte die Hand, um Sujeevs umfassen zu können. Er stand auf, und ohne sich noch einmal nach Andraj umzusehen, ließ er sich von dem anderen Tänzer zu einer der Türen führen, von denen man die Flure zu den Gästezimmern erreichte. Als sie sich hinter ihm schloss und den Lärm der Gäste dämpfte, schluckte er, doch unbeirrt folgte er Sujeev.

Andraj bemühte sich, nicht hinzusehen, und doch wanderten seine Augen immer wieder zu dem Paar, das sich zusammen zurückzog. Als die beiden verschwunden waren, stand er ruckartig auf und verließ die Gaststube. Dort lauerten zu viele Leute, zu viele Blicke und kein Yash. Die kühle Abendluft war eine willkommene Abreibung, auch wenn er zuerst fröstelte.

'Du hättest das haben können, du hättest an der Stelle des Fremden sein können', erklärte eine Stimme in seinem Inneren süffisant.

"Nein, das hätte ich nicht", antwortete er laut.

Er wollte sich nicht vorstellen, wie Yashs Lippen die des Fremden berührten, oder wie sie sich gegenseitig auszogen oder wie Yashs Stimme klingen musste, wenn er Zärtlichkeiten in das Ohr seines Liebhabers flüsterte.

"Dieses Verlangen ist nichts für mich", erklärte er sich selbst, aber es klang so leer wie die Straße vor dem Gasthaus. Er taumelte rückwärts, bis sein Rücken an der Wand ankam, sank in sich zusammen und vergrub das Gesicht in seinen Händen.


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Kaum hatten sie das Zimmer erreicht, zog Sujeev Yash in eine Umarmung und einen Kuss. Yash fühlte sich seltsam spröde dabei, auch wenn der Körper an seinem warm und anschmiegsam war. Er roch nicht nach Andraj, er fühlte sich nicht so an. Als sich ihre Zungen trafen, konnte er nur sagen, dass er nicht so schmeckte. 'Ich kann das nicht. Das ist Betrug. An ihm genauso wie an Andraj. Besser jetzt aufhören als später.'

Doch bevor er etwas sagen konnte, hatte Sujeev sich von ihm gelöst und entzündete eine Kerze neben dem Bett. Als er sich wieder zu ihm umwandte, sah Yash, dass er lächelte.

"Schwertbruder hin oder her, du denkst an ihn. Du bist nur hier, weil er dich nicht will, richtig? Eigentlich müsste ich mich jetzt beleidigt fühlen. Aber du bist zu hübsch mit deinen dunklen Samtaugen und dem schimmernden Haar. Ich will dich trotzdem. Dein Schwertbruder weiß nicht, was er versäumt."

"Mein Schwertbruder hat das Recht auf seine eigene Entscheidung", sagte Yash verärgert über das, was schon fast eine Herabsetzung Andrajs sein konnte, und gleichzeitig erschrocken darüber, dass er so leicht zu durchschauen war. Dann verschwand der Ärger und wich Resignation. "Aber es stimmt. Ich entschuldige mich dafür. Es ist wohl besser, wenn ich gehe. Mit ihm verglichen zu werden, ist nichts, was dir..."

"Ich meinte, was ich sagte." Sujeev kam auf ihn zu und hakte einen Finger in seine Schärpe. "Denk an ihn, wenn du willst, ich will dich genießen. Schließe die Augen und stell dir vor, es sind seine Hände, die dich streicheln, seine Lippen, die dich berühren..." Den Worten folgten Taten, als er Yash unter der Weste über den Rücken strich, seinen Mund an den Hals drückte und ihn fordernd küsste.

Yash schloss die Augen. Der Gedanke an Andraj erregte ihn, und doch war es so falsch. 'Ich sollte das nicht tun. Selbst wenn es ihm gleich ist, mir ist es das nicht. Ich...' Die Gedanken verschwammen, als Sujeev ihm zwischen die Beine griff.

Überrascht stöhnte Yash auf, spürte gleich darauf geschickte Finger, die ihm die Schärpe lösten und unter das Hemd auf seine nackte Haut schlüpften. Es fühlte sich zu gut an, zu lange herbei gesehnt. Das unterschwellige Begehren, das in Andrajs Nähe immer in ihm gewesen war, hatte ihn empfindlicher und hungriger gemacht, als er sich selbst eingestehen wollte. Seine Vernunft schaltete sich aus, als er Sujeev an sich drückte und den schlanken, geschmeidigen Mann einzufordern begann.

Es war Hunger, Begierde, aber keine Zärtlichkeit, und als sein Körper bekommen hatte, was er wollte, fühlte Yash sich erschöpft und leer. Er wusch sich rasch, ehe er sich ankleidete und den inzwischen eingeschlafenen Sujeev allein zurückließ.

Zögernd schlug er den Weg zu seinem Zimmer ein, konnte sich dann aber nicht dazu überwinden, Andraj unter die Augen zu treten. In dem Bewusstsein, dass dieser Tanz zwischen den Laken nur den Drang gemildert, aber nichts besser gemacht hatte, verließ er das Gasthaus, um in der kühlen Nachtluft Ruhe zu finden.


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Andraj hatte es immer noch nicht gewagt, in das Zimmer zurückzukehren, das er und Yash teilten. Zum einen, weil er nicht mit einem lustgesättigten Yash zusammentreffen wollte, der wie ein Kater mit einem Bauch voller Sahne träge lächelte und nach einem Fremden roch. Zum anderen war er sich selbst nicht geheuer.

Sicher, Mayur hatte ihm schon erzählt, dass Yash auch mit Männern das Bett teilte, auch Yash hatte es nie abgestritten, doch nie war es so ausschlaggebend gewesen. Nun schien es alles in ihrer Beziehung zu dominieren, ob Andraj wollte oder nicht. Und seit wann küsste er Männer und dazu noch seinen Schwertbruder? Er hatte seine Knie zu seinem Körper gezogen, seine Arme darum gewickelt und versuchte abzuschätzen, wann es sicher sein würde, in sein Zimmer zurückzukehren.

Aus dem Gasthaus drangen Stimmen, und einer der Tänzer sang ein tragisches Lied über zwei Schwertbrüder, von denen einer im Kampf stirbt.

'Muss es ausgerechnet dieses Lied sein?' Andraj lehnte seine Stirn gegen die Knie. 'Ich würde für ihn sterben, ich würde für ihn lügen, ich würde meine Ehre für ihn geben. Oh Ihr Vier, ist das Liebe? Oder Brüderschaft? Oder nur Verlangen? Ich will ihn nicht verlangen, es gebührt sich nicht. Helft mir!'

Neben ihm wurde die Tür zur Gaststube geöffnet.

Erschreckt sah Andraj auf, sich sofort bewusst, was für ein klägliches Bild er abgeben musste. Mit einem Schwall schlechter Luft war eine Person aus dem Schankraum getreten. Die anmutige Haltung und die feinen Gesichtszüge waren unverkennbar.

Alles, was Andraj tun konnte, war starren, als sich Yashs Augen auf ihn richteten. Seine Lippen formten den Namen seines Freundes, aber er bekam keinen Laut heraus. Nach einem Atemzug und drei Ewigkeiten schlug Yash seinen Blick schuldbewusst nieder, etwas das Andraj nicht von ihm kannte. Wo war sein Yash? Wo war der fröhliche, selbstbewusste und gesprächige Freund hin?

Er erhob sich sehr langsam, müde und bezwungen.

"Was tun wir uns an?" Seine Stimme war wie ein Seil, das er einem Ertrinkenden zuwarf.

Yash zuckte leicht zusammen. Für einen Moment war er versucht, wieder in der Gaststube zu verschwinden und auf das Zimmer zu gehen. 'Und weglaufen? Vor ihm? Vor meinem Schwertbruder? Er hat recht... was tun wir uns an?' Dennoch fiel es ihm schwer, auf Andraj zuzugehen, und nur der Klang der Stimme ließ ihn nicht stehen bleiben.

"Es war ein Fehler", sagte er so leise, dass es kaum zu hören war. "Ich hätte es nicht tun sollen." Es war eine Feststellung, keine Bitte um Verzeihung. So wie er sich zu diesem Tanz mit Sujeev entschieden hatte, hatte Andraj ihn geradezu zu diesem Schritt ermutigt.

"Nein, es war, was du brauchtest", widersprach Andraj. "Was ich nicht bereit war, dir zu geben. Warum sollte es dir leid tun?"

Yash schüttelte den Kopf. "Es war leer, und für diese Leere habe ich dich verletzt. Das ist es, was mir leid tut. Nicht das, was ich getan habe."

"So schlimm ist das wirklich nicht. Wenn du Hunger hast, dann stillst du ihn, dafür entschuldigst du dich ja auch nicht bei mir. Denk nicht, es sei leer gewesen. Jemand hat dir genug vertraut, um seinen Körper mit dir zu teilen." Andraj hob die Schultern. "Meine Wunden habe ich selbst verschuldet."

Schweigend lehnte Yash sich gegen die Wand und sah zum Himmel empor. Klein und fern waren die Sterne, unbelastet von den Sorgen der Menschen, rein und klar. Er konnte Andraj nicht sagen, dass er die ganze Zeit an ihn gedacht hatte.

"Es ist... als wärest du am Verdursten", murmelte er schließlich. "Und statt des Kelches süßen Wassers, der dich lockt, bekommst du nur eine alte, leere Lederflasche."

"So alt, vertrocknet und ledrig sah er doch nun wirklich nicht aus", versuchte Andraj zu scherzen, doch sein Freund starrte nur zu den Sternen. Andraj konnte nicht anders, als sich schuldig zu fühlen. "Vergiss ihn und lass uns schlafen gehen", schlug er deshalb sehr warm vor.

Yash nickte und stieß sich von der Wand ab. Andrajs Stimme hüllte ihn ein, lockte mit Nähe, ohne nah zu sein und machte es nicht leichter. Während sie die Gaststube durchquerten, fürchtete er sich bereits vor dem nächsten Morgen. Vor diesem Tanz war alles richtig zwischen ihnen gewesen, und nun hatte dieser kurze Augenblick des leeren Vergnügens alles erneut kompliziert gemacht. 'Als ob Körperlichkeit, egal ob gemeinsam oder nicht, etwas ist, das an dem Band zerrt, das uns verbindet. So fest ist es, dass es uns verletzt, wenn wir es zu lockern versuchen.'

Sie erreichten ihr Zimmer, ohne ein weiteres Wort gewechselt zu haben. Ebenso stumm zogen sie sich aus, dann verschwanden sie jeder in ihrem Bett. So weich und groß es war, so leer erschien es Yash auch. Er schloss die Augen und versuchte, die Erinnerung an Sujeevs warmen Körper auszusperren, der nicht Andraj war.

"Gute Nacht", wünschte er leise in den Raum hinein, weil er die Stille zwischen ihnen nicht mehr ertragen konnte. Einen Moment blieb es ruhig, dann hörte er das leise Geräusch von Schritten, um nur kurz darauf zusammenzuzucken, als die Matratze nachgab und sich unerwartet Andrajs Arme um ihn wickelten.

"Gute Nacht", flüsterte Andraj in Yashs Nacken, wo er seinen Kopf in dem langen, nachtschwarzen Wasserfall aus Haaren verbarg. "Lass dein Herz ruhen, mein Bruder."

Ein Schauer rann durch Yash hindurch. Dann überzog ein Lächeln sein Gesicht, und er legte seine Hände über Andrajs. Wie konnte sein Freund mit nur einer Geste und einem Satz wieder alles, was eben noch so schmerzhaft gewesen war, in Wärme und Frieden verwandeln?

"Es ruht bei dir", flüsterte er zurück und schloss die Augen.


© by Nika & Pandorah