Buch I: Der Weg des Tanzes

9. Liebeslied des Regens

Die erste Lektion lautet: Werde eins mit deiner Klinge und deinem Element.

Aus: "Die Weisungen des Tanzes" von Vidyaranya,
Sohn des Ved


Irgendetwas hinderte Andraj daran, sich umzudrehen, davon wachte er auf. Er blinzelte und versuchte zu erkunden, was es war, als er auf einen dunklen Haarschopf hinuntersah. Yashs Kopf lag auf seiner Schulter, der Rest von seinem Freund irgendwie anders an ihn gepresst oder auf ihm. Andraj lächelte verschlafen.

Dann begann Yash, sich zu regen, weil sie beide an diese Zeit zum Aufstehen gewöhnt waren und sah schlaftrunken zu Andraj auf. "Morgen. Erschreck' dich nicht, ich bin es nur."

Zu schnell wurde Yash wach, um diesen Traum noch auskosten zu können, doch dann stellte er fest, dass es keiner war. Er wollte grinsen, doch es wurde zu einem Lächeln. "Das ist kein Anblick, bei dem ich erschrecken könnte. Danke, Andraj." Er streckte sich ein wenig und stand auf, statt die Nähe noch weiter zu genießen.

"Meinst du, wir schaffen es heute zur nächsten Stadt oder steht uns wieder eine Nacht unter freiem Himmel bevor?", fragte er, während er Wasser aus dem irdenen Krug in die Waschschale goss.

Andraj hatte sich auf die Bettkante gesetzt und streckte seine Muskeln. "Ich weiß nicht, aber das Bett hier hat mir schon gefallen. Auch wenn man die Sterne nicht sehen konnte." Er zwinkerte Yash zu. Dann griff er sein Schwert und schwang es ein paar mal herum. "Sollen wir Übungen machen? Oder wollen wir heute Abend tanzen?"

"Lass es uns auf den Abend verschieben. Wenn wir früh loskommen, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass mein verwöhnter Bruder die Nacht in einem weichen Bett verbringen kann." Yash grinste und spritzte eine Handvoll Wasser in Andrajs Richtung.

"Ich verwöhnt?!", empörte sich Andraj und lief zu seinem Bruder hin, um ihm das restliche Wasser aus dem Krug über den Kopf zu gießen. Die beiden rangelten um das Gefäß, bis sie vollständig nass waren. Es brachte Andrajs Herz zum Hüpfen, seinen Bruder wieder ausgelassen zu sehen. Erst als der Krug leer war, ließen die Freunde voneinander ab.

"Ich glaube, wir müssen nachbezahlen!" Andraj lachte, als er das Chaos betrachtete, das durch ihre Spielerei entstanden war.

Die beiden packten schnell ihre Sachen und gestanden dem Wirt ihre kleine Wasserschlacht. Der rundliche Mann lachte nur. "Das Zimmer hat schon Schlimmeres überstanden."

Dennoch bestand Yash darauf, dem Mann ein paar Taler mehr zu geben, was der Wirt mit einem großzügigen Frühstück belohnte. Noch während sie aßen, betrat ein Mann die Gaststube, den Andraj als Yashs Liebhaber erkannte. Vorsichtig zupfte er seinen Bruder am Ärmel.

Yash drehte sich um und stellte fest, dass er Sujeev vollkommen vergessen hatte. Ein wenig unbehaglich war ihm schon, als der Blick des anderen Mannes ihn erfasste, doch ihn zu ignorieren kam nicht in Frage. Und so lächelte er und hob grüßend die Hand. Sujeev erwiderte den Gruß, grinste breit, suchte sich dann aber einen anderen Tisch, statt zu ihnen zu kommen. Erleichtert wandte Yash sich wieder zu Andraj um und beschloss, dass dies definitiv sein letztes Stelldichein gewesen war, so lange er mit seinem Bruder unterwegs war. Es gab keinen Ersatz für ihn, und gerecht wurde es keiner Seite.

Andraj hob die Schultern und betrachtete den fremden Mann noch einmal. Wie war es wohl, Yashs Haut mit dem Mund zu berühren? Seine Seufzer von den Lippen zu trinken? Der Fremde wusste es. Dafür wusste er aber nicht, wie es war, morgens in die weichen Augen zu blicken und darin ein Lächeln zu finden.

"Lass uns lieber ein wenig von dem Essen als Proviant mitnehmen, Yash. Dann ist es egal, wie lange wir unterwegs sind, dein Magen ist versorgt."

Yash knuffte ihn in die Seite und grinste. "In diesem Fall sollten wir aber auch noch eine der Matratzen hier erstehen, damit es gerecht ist. Dann habe ich mein Essen und du dein bequemes Bett."

Lachend wich er dem Schlag aus, der unweigerlich darauf folgte. Niemals hätte er am Vorabend gedacht, dass sie diesen Morgen so unbeschwert würden beginnen können, und er war Den Vieren dankbar dafür.

Natürlich ließen sie das Bett in der Herberge, aber sie stockten ihre Vorräte auf, ehe sie aufbrachen, bevor die Sonne auch nur eine Handbreit über dem Horizont stand.


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Das erste Mal, seit sie ihre Reise begonnen hatten, war der Himmel bewölkt und die Luft feucht und schwül. Es war auch kühler geworden, so dass sie schnell voran kamen. Sehr seltsam kam ihnen vor, dass die Straßen völlig leer waren, ohne Wagen oder Wanderer.

Etwas beunruhigt liefen sie schneller. Diesmal war die Stimmung zwischen ihnen locker und freundlich, aber der Himmel wirkte bedrohlich, dunkelgrau und regenbereit. Die Landschaft hatte sich auch verändert, die Hügel hatten sich in Berge verwandelt, die in der Ferne zu lauern schienen. Weit und breit war keine Spur von menschlicher Zivilisation zu sehen, außer der treuen Straße, als der erste Regentropfen auf Andrajs Nase landete.

"Wir sollten einen Schutz suchen", fand er und schielte auf den glitzernden Tropfen.

Yash nickte und lachte, als er seinen schielenden Bruder betrachtete. Er wischte ihm den Tropfen ab, einfach, um Andraj berühren zu können, und ignorierte die kleine, mäkelnde Stimme in ihm. "Vielleicht finden wir abseits des Weges einen Unterschlupf. Ansonsten wird es nass."

Die nächsten Tropfen ließen sich jedoch weniger Zeit, so dass sich das Abwischen erübrigte. Eilig nahmen sie ihren Weg wieder auf, doch es war vergeblich. Bald waren sie bis auf die Haut durchnässt, noch ehe sie auch nur eine halbwegs brauchbare Unterkunft gefunden hatten. Mit gesenkten Köpfen stapften sie weiter die Straße entlang, befanden, dass es nicht viel Unterschied machte, ob sie sich in den Matsch unter einen Baum setzten oder gleich weiterliefen, was sie immerhin warm hielt.

Dennoch waren beide sehr dankbar, als sie am Wegesrand eine Rasthütte erreichten. Sie war karg ausgestattet, nur mit einem Dach, einer Feuerstelle mit Dreifuß und einem schmiedeeisernen Topf, doch der Holzstapel neben der Eingangstür war frisch gefüllt worden. Yash ließ seinen nassen Rucksack an der Wand auf den Boden fallen, kaum dass sie die Tür hinter sich geschlossen hatten. "Der Erbauer dieser Hütte wird in mein nächstes Gebet eingeschlossen."

Andraj brummte zustimmend, weil er schon dabei war, sein Hemd über seinen Kopf zu ziehen. Dann löste er seine Schärpe und begann, sich aus der nassen Hose zu pellen. "Vier und Eins! Was für ein Schauer!" Er sah hinüber zu Yash. "Soll ich Feuer machen?"

"Schauer nennst du das?" Yash lachte schon wieder, als auch er sich aus den Sachen schälte. "Ja, sonst holen wir uns hier den Tod."

Während Andraj sich mit dem Kamin beschäftigte, legte Yash ihre Matten und die Decken aus, die bis auf die Ränder sogar größtenteils noch trocken waren, da sie zusammengerollt getragen wurden. Auf dem roh zusammengezimmerten Tisch neben der Feuerstelle breitete er ihre Kleidung zum Trocknen aus, ehe er ihre Vorräte hervorholte.

"Hm, möchtest du aufgeweichtes Kräuterbrot mit nasser Wurst und Ei oder ebenso matschigen Kuchen?", fragte er grinsend.

Andraj zog die Brauen zusammen. "Um ehrlich zu sein, nichts von alledem. Aber mein Magen meint anderes." Er nahm ein Stück Kuchen und biss hinein, dann setzte er sich neben Yash. Das Wasser auf seiner Haut kühlte ihn aus, und er erschauderte kurz, bevor er sich in seine Decke einwickelte. Er hielt eine Ecke offen, bot Yash an, die Wärme mit ihm zu teilen.

Fröstelnd nahm Yash das Angebot an, ohne nachzudenken. Doch als er Andrajs nackte Haut an seiner spürte, wäre er fast wieder von ihm abgerückt. Ein neuer Schauer lief durch seinen Körper, der die Kälte in den Hintergrund schob.

Dann hatte er sich jedoch wieder gefangen und griff scheinbar gleichmütig nach der Wurst, um sich ein großes Stück abzuschneiden und von dem Brot zu nehmen. "Ich bin froh, dass du daran gedacht hast, dass wir den Proviant aufstocken müssen. In dieser Gegend und um diese Jahreszeit kann so ein Wetter durchaus schon mal zwei Tage andauern. Das wären andernfalls hungrige oder nasse Tage geworden."

Andraj erlebte einen Augenblick nur das Schaudern seines Freundes, die Nähe und dann die sehr allgemeine Feststellung. Wenn sie körperlich von einander getrennt waren, schienen sie einander immer näher, als wenn sie Haut an Haut waren. Er hob die Schultern und verzehrte den Rest des Kuchens.

"Zu dumm, dass ich nicht an regenfestere Kleidung gedacht habe", blieb er auf dem sicheren Terrain, das Yash für ihr Gespräch gewählt hatte. Yashs schwarzes Haar hing in feuchten Strähnen über seinen Rücken, die Haut erwärmte sich langsam, und das Feuer verwandelte die braunen Augen in einen dunklen Goldton. Yash wusste, dass er gut aussah und verstand es, das auszunutzen. Er konnte jedes Herz brechen und jeden Körper haben, den er wollte. Andraj schüttelte den Kopf leicht über sich selbst und seine Gedanken, bevor er nach einem der hartgekochten Eier griff.

Mit einem Grinsen stieß Yash ihn leicht mit der Schulter an. "So oft regnet es nun auch wieder nicht. Außerdem wird alles schnell trocken, wenn die Sonne rauskommt. Und willst du wirklich für alle Eventualitäten gerüstet sein?" Er musste lachen. "Dann müssten wir einen Karren mit uns herumschleppen oder zumindest einen Packesel. Wir bräuchten noch ein Zelt, natürlich groß genug, um eine Kochstelle unterzubringen, wenn es so regnet wie jetzt. Winterkleidung, es könnte kalt werden. Kochgeschirr. Oh ja, eine Trage, falls sich einer von uns verletzt und nicht mehr laufen kann..."

Mit einer schnellen Bewegung legte Andraj drei Finger über Yashs Lippen, um den Redefluss zu stoppen. Wie ein elektrischer Schlag durchfuhr ihn die Zartheit der Haut unter seinen Fingerspitzen, die letzte Bewegung, die ihn kitzelte. Es wurde still, und ihre Augen fanden sich. Draußen rauschte der Regen, drinnen knackte das Feuer, und Andraj vermeinte, dass sein Herzschlag alle diese Geräusche übertönen müsste, so laut hämmerte er in seinen Ohren. Wie ein verschrecktes Kaninchen fühlte er sich fluchtbereit, doch er konnte nicht weichen.

Yash hielt vollkommen still, wagte fast nicht zu atmen. Er wollte Andraj an sich ziehen, wollte ihn halten, ihn küssen, doch fürchtete gleichzeitig dessen Reaktion und die Fremdheit, die unweigerlich folgen musste. Die Finger auf seinem Mund wurden jedoch nicht weggezogen, zitterten nur leicht, als sich die Brüder wie in der Zeit gefangen ansahen. Yash konnte die Angst und die Unsicherheit in Andrajs Augen erkennen und dahinter die Sehnsucht, die ihn schon einmal alles hatte vergessen und einen Kuss riskieren lassen.

Ohne den Blick von den blauen Augen zu lösen, griff er nach der Hand und hielt sie fest, um flüchtig die Fingerkuppen zu küssen, ihre verschränkten Hände dann sinken zu lassen. Es schien unmöglich, Andraj zu widerstehen. Wieder und wieder wurde er gefangen, sank seine Vernunft hinter seinem Gefühl zurück.

Wie in Trance beobachtete Andraj, wie Yashs Lippen seine Fingerspitzen berührten, gleichzeitig schoss ein Ruck durch seinen Körper, heiß und unerbittlich. Wenn er nicht bald seine Augen von Yashs löste, wusste er, wo diese Situation hinführen würde... in ein Schlafzimmer. Oder in Ermangelung eines solchen einfach auf ihre Matten. Und ihm wurde klar, dass es genau das war, was er wollte. Er wollte Yash berühren, mit Lippen, Zunge und seinem gesamten Körper. Er brannte in seinem eigenen Feuer.

Ihm wurde es unerträglich, neben Yash zu sitzen und sich zu sagen, dass es falsch war, die kantige Schulter zu küssen oder die Augenlider oder die verführerisch geschwungenen Lippen. Mit einem Ruck löste er sich von seinem Freund und rannte hinaus in den strömenden Regen. Seine einzige Hoffnung, das Feuer wieder zu löschen, waren die kalten Tropfen.

Er stellte sich mit offenen Armen unter den weinenden Himmel und hob sein Gesicht zu den Wolken. 'Ihr Vier – helft mir!'

Blicklos blieb Yash sitzen und verfluchte sich für seine Unbeherrschtheit und seine Rücksichtslosigkeit gegenüber den Gefühlen seines Bruders. Die Hitze war einer Kälte gewichen, gegen die die Frische der Luft bedeutungslos wurde. 'So geht es nicht weiter. Ich kann ihm das nicht antun. Nicht Andraj ist es, der diese Brüderschaft so schwer werden lässt, ich bin es. Ja, der Priester hat mich gewarnt, doch vor mir, nicht vor den Schwierigkeiten, die von Andraj kommen können.'

Mit beiden Händen strich er sich das nasse Haar aus dem Gesicht und verharrte in dieser Position, als er sich darüber klar wurde, was er tun musste. 'Es kommt von mir, also habe auch nur ich die Möglichkeit, es zu beenden.' Früher oder später würde Andraj mit Sicherheit auf ihn eingehen, aber nur, weil er Angst haben würde, ihn zu verlieren. Yash hörte seine Stimme in sich, die ihm wieder sagte, dass er das Wichtigste in seinem Leben geworden war. 'Niemals soll er denken, dass er sich meine Freundschaft verdienen müsste. Es gibt keinen Preis, an den sie gebunden ist.'

Entschlossen stand er auf und verließ die Hütte. Den Regen spürte er kaum, als er seinen Bruder sah, das rotbraune Haar dunkel vor Nässe, Tropfen, die an der glänzenden, hellen Haut hinabrannen, den Muskeln folgend und den kräftigen Körper liebkosend. Es machte es unendlich viel schwerer, doch es gab kein Zurück. "Andraj?"

Sehr langsam und beinahe raubtierhaft drehte sich Andraj um. Seine blauen Augen leuchteten durch das graue Halbdunkel, als hätte jemand Feuer in einem Eispalast entzündet. Mit ein paar entschlossenen Schritten stand er vor seinem Freund und Schwertbruder, bohrte sich mit seinem Blick direkt in Yashs Seele. Als er sah, dass Yash zu sprechen anhob, schloss er die Distanz zwischen ihren Mündern. Voller Begehren und Verzweiflung küsste er, und es war, als ob das Feuer, das gedroht hatte, sein Herz in Asche zu verwandeln, in seine Grenzen gewiesen wurde. Als ob er in der Glut der Wüste eine Quelle entdeckt hätte – er musste trinken und er brauchte mehr.

Yash erstarrte; einen Wimpernschlag lang wollte er sich befreien, wollte an seinem Vorsatz festhalten und seinem Freund sagen, dass...

Die Gedanken verschwammen, als Andraj hungrig seinen Mund einzunehmen begann. Er schlang die Arme um ihn, presste den nackten, ausgekühlten Körper an sich und erwiderte den Kuss hitzig. Irgendwo in seinem Inneren schrie eine Stimme auf, verfluchte und verdammte ihn für seine Schwäche, doch sie verstummte unter dem Ansturm der Lippen und der Zunge seines Freundes. Verzweifelt beinahe ging er darauf ein, eroberte den Mund des anderen, nur um Momente später die heiße Zunge wieder in sich zu spüren.

Sie tanzten.

Ihre Zungen waren die Schwerter, und keiner wollte weichen oder den Kampf beenden. Sie küssten sich im strömenden Regen, nackt und merkten es nicht einmal. Andrajs Hand glitt über Yashs nassen Rücken, hinauf bis zu seinem Nacken und drückte mit seiner Hand den Kopf seines Partners enger an sich. So hatte er noch keine Frau geküsst; nie hatte er einen Kuss so gebraucht.

Yash war alles, und er wollte ihn. Wollte schmecken, was für Geheimnisse unter Wurst und Kräuterbrot auf ihn warteten, wollte hören, was nur Yash ohne Worte sagen konnte und wollte vergehen auf der Haut seines Freundes, gerade so wie sie jetzt waren. Seine freie Hand erkundete Yashs Schulter und die Beschaffenheit der Muskeln seines Oberarms, die Formen brannten sich in sein Herz, das einzige, was er noch sein eigen genannt hatte. Nun erkannte er, dass er sich belogen hatte. Mit einem fast schmerzlichen Seufzer trennte er ihre Münder für einen Augenblick.

Keuchend schnappte Yash nach Luft, nachdem er vergessen hatte zu atmen. Er wollte etwas zu Andraj sagen, wollte ihn beruhigen, wollte sich entschuldigen, und fand doch keine Worte, als er den Blick der blauen Augen erwiderte, Andrajs geöffnete Lippen direkt vor sich sah. Zu viel Nähe oder zu wenig, er konnte es nicht definieren und verlor erneut gegen seine Gefühle, als er Andraj gegen die Wand der Blockhütte drängte, um ihn wieder leidenschaftlich zu küssen.

Seine Hände strichen über die nasse Haut, erkundeten die Bögen der Rippen, die Hüften und glitten zwischen ihre Körper, um über Bauch und Brust wieder zu dem markanten Gesicht zurückzufinden. Eine Hand in das schwere Haar wühlend vertiefte er den Kuss und stöhnte leise in den geöffneten Mund, während er den freien Arm um die kräftigen Schultern schlang.

Den Weg, den Yashs Hände auf seinem Körper markierten, nahm sich Andraj als Wegweiser für den Ausflug seiner eigenen Finger, während er in seinem Rücken das raue Holz der Hütte spürte, fast unwirklich. Yashs Berührungen waren wahrer. Yashs leises Stöhnen wollte er wieder hören, suchte danach im Inneren des betörenden Mundes. Am Ende ihrer Reise über drahtige Muskeln und zarte Kuhlen ruhten sich seine Finger auf Yashs Wange aus, die sie sanft streichelten im krassen Gegensatz zu der Rücksichtslosigkeit ihrer Küsse.

Yashs Lippen brannten, doch es fühlte sich gut an. Vorsichtig nur nippte er schließlich von Andraj, streichelte mit seinem Mund über die Wangen, küsste die Augenlider, dann wieder die weichen Lippen, bis er das Gesicht an seinem Hals barg. Er zitterte und stellte nur langsam fest, dass es von der Kälte kam.

Widerwillig trennte er sich halb von Andraj und zog ihn mit sich ins Innere der Hütte zurück, die sie mit knisternder Wärme empfing. Yash gestattete sich nicht zu denken, als er die Tür hinter sich schloss und seinen Bruder zu dessen Lager schob. Er zog ihn mit sich auf die Matte, um sie zusammen in eine Decke zu hüllen. Dennoch ließ das Zittern nicht nach, als er die Arme erneut um Andraj schlang.

"Ich begehre dich zu sehr", flüsterte er. "Immer wenn du mir nahe bist, vergesse ich alles, was ich mir vorgenommen habe."

"Musst du immer reden?", fragte Andraj rau und voller brennendem Verlangen. Er ließ sich zurück fallen und zog seinen Freund mit sich, so dass Yash halb auf ihm lag. "Küss mich lieber."

'Ja, muss ich. Damit ich dir nicht wieder verfalle, damit ich tun kann, was ich mir vornehme, damit...' Andraj ließ Yash mit seiner Entschlossenheit nicht dazu kommen. Alles schien mit einem Mal umgekehrt zu sein, und Yash war weit davon entfernt, sich wehren zu wollen. Er gab es auf, gegen seine eigenen Wünsche anzukämpfen, als er den muskulösen Körper unter sich spürte und Andrajs Begehren ihn in seinen Bann schlug. Nur zu gerne kam er der Aufforderung nach, und als er den Mund seines Bruders erneut gierig einnahm, ließ er mit einem innerlichen Seufzen jeden Vorbehalt los.

Sehnsüchtig erkundeten seine Hände, was seine Blicke zuvor schon so oft hatten berühren dürfen. Er genoss den Kontrast von weicher Haut zu harten Muskeln, lauschte begierig darauf, wie Andrajs Atem schneller wurde, als er von den Lippen abließ und seinen Hals zu küssen begann.

Andraj bog seinen Kopf zurück, als Yash seinen Hals mit Zärtlichkeit einnahm. Er stöhnte leise, seine Hände vergruben sich in den nassen Strähnen von Yashs Haar. Dann rollte er sie beide herum, um Yashs Nase zu küssen und anschließend die Unterlippe zärtlich in seinen Mund zu saugen, danach küsste er beide Mundwinkel. Hungrig betrachtete er, wie Yash seine Lippen leckte.

"Mein schöner Bruder", murmelte er gedankenverloren.

Atemlos sah Yash zu ihm auf. Jede Berührung, jeder Kuss, jeder Blick voll Verlangen war ein Geschenk und umso kostbarer, da die Unsicherheit verschwunden war. Er hob den Kopf und küsste den Tropfen weg, der sich an Andrajs Nasenspitze gesammelt hatte und strich vorsichtig die Haare beiseite, die ihm in der Stirn klebten. Zu seiner Sehnsucht gesellte sich prickelnde Hitze, als er ein Bein um Andrajs Hüfte schlang und damit seinen Schoß enger an den seines Freundes presste. Heiser stöhnte er auf, während er eine Hand kräftig über den Rücken nach unten wandern ließ, bis sie den festen Hintern erreichte.

Auch Andraj stöhnte, als seine Erektion gegen Yash gedrückt wurde, während die warmen Finger seinen Po massierten. Er warf seinen Kopf zurück, bevor er wieder nach Yashs Lippen tauchte. Ihre Hüften begannen, wie von selbst gegeneinander zu rollen, zu drücken und zu pressen. Auch hier harmonierten sie, wie im Kreis der Ehre. Sie tanzten noch immer.
Von Yashs Lippen aus wanderte sein Mund den Hals entlang zum Brustkorb, der sich wild hob und senkte. Mit einem funkelnden Blick wandte er sich einer der Brustwarzen zu und küsste sie. Jemand hatte das mal im Bett mit ihm gemacht und es hatte Andraj gefallen.

Andrajs Hintern geriet außer Reichweite, und Yash ließ sich mit einem Aufkeuchen zurück auf die Decke sinken. Hitze ging von Andrajs Mund aus, die in Wellen seinen Körper überflutete. Es war kein Vergleich zu irgendeiner Liebkosung, die er bisher von anderen erfahren hatte.

Eine Weile ließ er das lustvolle Spiel zu, wand sich unter den Zärtlichkeiten und konnte doch nicht genug davon bekommen. Schließlich, als er dachte, es nicht mehr auszuhalten, packte er seinen Freund bei den Schultern und rollte auf ihn, um ihn seinerseits mit Zunge und Zähnen zu attackieren.

Andraj lachte kehlig und wohlig zugleich. Sogar beim Liebesspiel mussten sie sich balgen. Der Gedanke verlor sich, als Yash sachte mit den Zähnen an seinem Kiefer knabberte. Atemlos murmelte er den Namen seines Freundes, wie eine Beschwörung. Er ließ sich erkunden, erobern, genoss, dass Yash ihn mit seinen Lippen geradezu aufsaugte, als könne er nicht genug bekommen.

Strähnen des langen Haares fielen feucht und schwer auf seinen Brustkorb, bildeten dort einen aufreizenden Kontrast zu der Wärme seines Partners. Seine Finger fanden wie von selbst den Weg in die dunkle Mähne und zogen Yash wieder zu sich, so dass er die Augen seines Schwertbruders sehen konnte.

Niemals zuvor hatte Yash sich erfüllter gefühlt als in den Armen seines Freundes, umfangen nicht nur von seinem Körper, sondern auch von seiner Liebe und seinem Vertrauen. Er hielt Andraj fest und rollte sich auf den Rücken, um die Beine um ihn schlingen zu können. Sachte begann er, ihre Hüften aneinander zu reiben. "Ich werde alles dafür tun, dass sich unsere Wege nicht mehr trennen."

Andraj murmelte: "Versprich nichts, was du später bereuen wirst." Dann küsste er Yash, damit er nichts erwidern konnte. Noch während sie in diesem Kuss versunken waren, wanderte Andrajs Hand kitzelnd an Yashs Seiten entlang, über die Hüfte zwischen ihre Körper und berührte die zarte Haut von Yashs Glied.

Sich mit einem Stöhnen zur Seite drehend rückte Yash mit dem Unterkörper ein wenig von Andraj ab, um ihm mehr Raum zu geben. Jetzt, wo sein Bruder sich für ihn entschieden hatte, war er so direkt wie immer, ohne falsche Scheu oder Zurückhaltung. Und gerade diese schnörkellose Direktheit gefiel Yash. Die schwielige Hand griff sicher und fest zu, ohne hart zu sein und schickte damit Lust durch ihn, der er sich nicht entziehen konnte. Eine Weile lang bewegte er sich gegen sie, das Gesicht gegen Andrajs Schulter gelehnt, bis er glaubte, es nicht länger ertragen zu können.

Dann entwand er sich ihm und stieß ihn auf den Rücken. Sich über seine Beine kniend begann er, Andrajs Oberkörper wieder mit Liebkosungen zu bedecken. Er genoss den würzigen Geschmack der Haut, die nicht mehr nur vom Regen nass war, und den Anblick des darüber tanzenden Flammenscheins, der den Körper in Samt und Feuer zu modellieren schien. Zart schnellte er mit der Zunge über eine Brustwarze, biss dann vorsichtig hinein, nur um einen Moment später an ihr zu saugen, während seine Hände die Seiten hinabstrichen. Mit einer kehrte er über den Bauch zur Brust zurück, mit der anderen umfing er seinerseits Andrajs Erektion. Er hob den Kopf, um seinen Freund ansehen zu können, die geröteten Wangen, den geöffneten Mund, die halb geschlossenen Augen, in denen das Feuer spielte – endlich nicht mehr versteckt.

Auch wenn Yashs Finger ihn fast wahnsinnig machten, wollte Andraj nicht so einfach zum Höhepunkt kommen, ohne Yash wenigstens halb so zu erregen, wie er gerade war. Mit einem etwas ungeschickten Griff stoppte er Yashs Hand. Dann umschlang er den Nacken seines Liebhabers, küsste den schlanken Hals und zog ihn so zu sich auf die Matte, rollte sie, bis sie auf den Seiten lagen.

So konnten sie sich ansehen, den Anblick des anderen in sich aufnehmen, den Geruch von Regen und Leidenschaft aufsaugen und gegenseitig von ihren Lippen naschen. Mit einem anzüglichen Augenbrauenheben ergriff er Yashs Hand, platzierte einen Kuss in der Handfläche, bevor er sie zu seiner Erektion führte und herumwickelte. Als Yash seiner Aufforderung nachkam, machte er dasselbe bei seinem Freund und begann vorsichtig, einen Rhythmus zu etablieren. Zart, verlockend und doch in Richtung Höhepunkt weisend.

Yash lächelte, ein wenig überrascht darüber, dass Andraj es war, der den Ton angab. Er manövrierte seinen freien Arm unter den Kopf seines Freundes, so dass er ihn halten konnte. Ihm in die Augen sehend, immer wieder einen flüchtigen Kuss von ihm stehlend, gab er sich ihm hin, während sich ihm aufs Neue die Fragen beantworteten, die nur Andraj ihm je so gestellt hatte. Dieses Glück, das er spürte, dieser Rausch konnte niemals ein Zeichen für die Verdammung durch die Vier Brüder sein, nur für Liebe.

Ihre Finger drückten fester und ihre Bewegungen wurden schneller, weniger rücksichtsvoll, voller Forderungen und Sehnsucht nach einem Augenblick strahlender Beseligung. Andraj spürte, dass er sich dem Höhepunkt näherte, wie eine angreifende Klinge dem Gegner. Zu lange war es her, dass er mit einer anderen Person das Lager geteilt hatte, er war wie ausgehungert. Ein atemloses Stöhnen entkam seiner Kehle, dabei ließ Yash nicht nach, sondern verstärkte noch das Tempo und veränderte den Druck. Das war zu viel für Andrajs entflammte Nerven, er bog seinen Rücken durch, drängte seine Hüfte näher zu Yash und biss sich auf die Unterlippe, als er den Höhepunkt erreichte.

Yash ließ von ihm ab und küsste das Aufkeuchen von Andrajs Lippen, ehe er seinen Liebhaber in die Arme nahm und an sich drückte. Dass er selbst den Gipfel erreichte, war nicht mehr wichtig, viel schöner war in diesem Moment das Vertrauen, das Andraj ihm zeigte, und die Nähe zwischen ihnen.

"Ich liebe dich", flüsterte er ihm ins Ohr.

"Sag das nicht", bettelte Andraj außer Atem. Er drückte Yash auf den Rücken, mit brennenden Augen überflog er den Körper bis hin zu seinem Schoß. Seine Finger folgten langsam dem Pfad seines Blickes und umfassten das steife Glied entschlossen. "Ich will sehen, wie du aussiehst, wenn...", er leckte sich die Lippen. Dann küsste er schnell die Stelle am Brustkorb, unter der Yashs Herz schlug und begann, seinem Freund das gleiche Vergnügen zu bereiten, das er gerade erfahren hatte.

Yash versteckte seine Lust nicht. Stöhnend hob er die Hüften Andraj wieder und wieder entgegen, hielt sich an ihm fest und sah ihn aus halb geschlossenen Augen an. Dass es Andraj war, der ihn so berührte, wollte er nicht nur fühlen und riechen, sondern auch sehen, denn wenn er den Blick abwandte, fragte er sich, ob er nicht doch nur träumte. Mit einem leisen Aufschrei spannte er sich an und kam.

Andraj wurde langsamer, ruhiger, ließ Yash seinen Orgasmus auskosten. Dann betrachtete er das Sperma auf seinen Fingern, kostete es bedächtig – ein wenig süßlich und sonst fade – wischte es dann ab und beugte sich zu Yash, um die letzten wohligen Seufzer aufzusaugen. Er fuhr mit seiner Zunge über die Schweißperlen, die sich an Yashs Haaransatz gebildet hatten und vergrub dann seinen Kopf an der kantigen Schulter, den Duft von Regen und Yash tief einatmend.

Draußen regnete es ohne Unterlass, aber es schien wie eine Melodie zu sein, die davon sang, auf welche Art Feuer und Wasser Liebe machten.


© by Nika & Pandorah