Buch I: Der Weg des Tanzes

13. Heimkehr

Ich bin das Feuer in deinem Blut und die Hitze in deinem Herzen', spricht Ramesh.
'Doch ich bin die Klarheit in deinem Geist und die kühle Nacht nach einem heißen Tag', spricht Lahiri.
'Und der Kreist verbindet euch', sprechen die Zwei-Die-Eins-Sind.

Aus der Transkription der Brüder-Rollen durch Yashodhara,
Sohn von Yuvaraj


Der Wagen rumpelte über die Straße und langsam erwärmte die Sonne das Innere. Andraj versank in Schlaf und erwachte nach einer Weile wieder, aber wirklich bei Sinnen war er nicht. Irgendwann auf der Fahrt bat er Yash, mehr über seine Kindheit zu erzählen, was sein Schwertbruder freudig, aber auch besorgt tat.

Als sie anhielten, um etwas zu essen, saß Andraj einfach mit verschleiertem Blick neben Yash und schwankte wie eine Flamme in der Brise. Wasser und mehr Kräuter waren das einzige, was er zu sich nahm, bevor sie ihre Reise fortsetzten.

"Heute Abend werde ich nicht mit dir tanzen können, Yash." Bedauern erfüllte Andrajs Stimme, die ansonsten schwer und trunken klang.

"Ich würde dich an eines der Wagenräder binden, wenn du es versuchen solltest", scherzte Yash möglichst leichthin, auch wenn er sich mehr Sorgen machte, als er zugeben wollte. Er befeuchtete ein Tuch und wischte das Gesicht seines Bruders ab; es war das einzige, was er tun konnte.

Am Abend überredete er den Fahrer, dass sie früher Rast als vorgesehen machten. Nachdem er ihre Lager gerichtet hatte und Andraj mit geschlossenen Augen im Schatten eines Baumes lag, tanzte er alleine, während sich ihr Fahrer um das Essen kümmerte und einen deftigen Eintopf kochte. Yash befand, dass er genießbar war, und füllte eine Schale für Andraj ab. "Willst du etwas essen?"

Andraj schüttelte den Kopf. "Es würde eh nur gleich wieder hochkommen. Ich will nur schlafen und..." Er drückte sich hoch, so dass er die leicht bergige Landschaft betrachten konnte und den prächtigen Sonnenuntergang. "Es ist besser geworden, morgen geht es mir bestimmt wieder gut. Wäre doch lächerlich, wenn ich mich von so einem kleinen Stein unterkriegen lasse." Er rollte sich ein und zitterte.

"Gut, dann ruh dich einfach aus." Yash stellte die Schale beiseite und deckte seinen Bruder zu. Nach einem kurzen Blick zu dem Kutscher hin, der sich um seine Tiere kümmerte, gestattete er es sich, Andraj sachte über die Haare zu streicheln, ehe er sich neben ihn setzte und selbst den Eintopf aß.

Als die Nacht hereinbrach und nur noch der Schein des Feuers ihnen Licht spendete, schien Andraj fest zu schlafen, wofür Yash dankbar war. Leise unterhielt er sich noch eine Weile mit dem Kutscher, ehe auch er sich nahe bei seinem Freund in die Decke rollte. Grillenzirpen umgab sie, und Yash schickte mit dem gleichmäßigen Ratschen der Insekten ein Gebet zu Den Vieren empor, dass sein Bruder nicht ernsthaft verletzt wäre und es ihm am nächsten Tag besser gehen möge.


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Andraj wachte auf und fühlte sich überschlafen, aber sein Kopf tat weniger weh. Mit klareren Sinnen nahm er das Lager wahr und hörte die Grillen, die unermüdlich um einen Partner warben, dazu das leise Schnauben der Pferde. Die Sonne dämmerte am Horizont, und er hatte Hunger. Unsicher stand er auf und suchte zuerst einmal etwas Wasser, dann kaute er ein wenig Brot.

Bald wachten auch die anderen beiden Männer auf, und er strahlte Yash an: "Ich fühle mich viel besser."

"Den Vieren sei Dank." Erleichtert grinste Yash und streckte sich erst einmal ausgiebig, bevor er aufstand. Sein Bruder sah auch deutlich besser aus, Farbe war in seine Wangen zurückgekehrt, und sein Blick war nicht länger teilnahmslos.

Dennoch verwehrte er ihm, grummelig über seine Unvernunft, die Übungsstunde vor dem Frühstück, was Andraj dazu bewog, ihn als übervorsichtigen Heiler zu bezeichnen. Fast hätte Yash das Schwert gezogen, um mit ihm scherzhaft deswegen zu tanzen, doch das Glitzern in Andrajs Augen machte ihm klar, dass sein Bruder genau das bezweckte. Lachend schüttelte Yash den Kopf.

Ihre gute Laune hielt den ganzen Tag über an, als sie hinten auf dem Wagen saßen, die Beine baumeln ließen, planten, dass sie Mayur schreiben mussten, sobald sie auf dem Gut angekommen waren, und sich weitere Geschichten aus ihrer Vergangenheit erzählten.


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Nach drei Tagen Fahrt erreichten sie schließlich ihr Ziel. Yash entlohnte den Fahrer mehr als großzügig, der nach einem fröhlichen Gruß in Richtung der nahen Hauptstadt weiterfuhr. Dann wies er mit einem Leuchten in den Augen auf die weiten Wiesen, die das Gut umgaben. In der Ferne konnte man zwischen sanften Hügeln das flache, große Haupthaus und die Ställe liegen sehen. "Mein Zuhause, Andraj. Willkommen daheim."

Andraj fehlten passende Worte, während Yash auf dem geschwungenen Weg zum Haus vorausging. Er merkte, wie sein Herz nervös zu schlagen begann. Er würde Yashs Eltern kennenlernen. Den hochgestellten Yovan und die geschäftstüchtige Hina. Er bekam feuchte Hände.

"Was... soll ich sagen?", fragte Andraj nervös.

Yash drehte sich um und musste fast lachen, als er die Unruhe seines Bruders bemerkte. "Es sind nur meine Eltern, nicht der Darjah. Ich werde dich vorstellen, sie werden dich willkommen heißen und sich freuen, dich endlich kennenzulernen. Alles andere wird sich ergeben."

Yash vertraute darauf, dass allein dadurch, dass sowohl Andraj als auch sein Vater den Tanz liebten, genug Gesprächsstoff gegeben war und somit für den Anfang kein unangenehmes Schweigen entstand. Und sobald sie sich erst kannten, gäbe es ohnehin keine Probleme mehr. Es war ihm unmöglich sich vorzustellen, dass Andraj und seine Familie sich nicht verstehen würden.

Am Eingangstor, dessen dunkles Holz sich von der weiß gekalkten Wand abhob wie die Nacht vom Tag, wurden sie von einem alten Diener erwartet, der diesen Dienst bereits verrichtete, seit Yash sich erinnern konnte. Er begrüßte ihn herzlich, fast wie einen Freund, und stellte Andraj als seinen Schwertbruder vor, ehe er nach seinen Eltern fragte.

"Die Herrschaft ist in Dvaraka", erklärte der Diener und nahm ihnen die Rucksäcke ab, um sie einem Laufburschen zu überreichen, der sie in ihre Zimmer bringen würde. "Ich erwarte sie jedoch noch im Laufe des Abends zurück."

"Danke. Hm, das gibt uns Zeit, uns zu waschen und schnell etwas zu essen", erklärte Yash fröhlich an seinen Bruder gewandt. "Lass uns die Küche plündern."

Andraj nickte abwesend, während er ein wenig skeptisch dem davoneilenden Laufburschen nachsah.

"Wohin bringt er meine Sachen?", fragte er, denn damit war auch das Schwert seines Vaters unterwegs.

Yash lachte ein wenig und klopfte ihm beruhigend auf die Schulter, um ihn dann in die Küche zu ziehen. Diese war mit großen Türen ausgestattet, die man zum Garten hin öffnen konnte, so dass Andraj das Gefühl hatte, er wäre im Freien. Der Duft von Blumen mischte sich mit den verschiedenen Gewürzen und Früchten. Andraj grinste und beobachtete Yash, der in seiner gewohnten Umgebung fast noch ausgelassener schien als gewöhnlich.

Yash begrüßte freundlich die Küchenmägde, die sofort herbeigeeilt kamen, aber schickte sie gleich wieder weg. Dann bediente er sich ausgiebig an dem frischen Brot, dem in der Speisekammer kühl gestellten Braten des Vortages und reichlich an dem Gemüse und dem frischen Obst, da Andraj das am liebsten mochte. Sie aßen draußen mit Blick auf die weiten Gutswiesen und den kleinen See, an dessen Ufer ein Gärtner an Buschhainen trockene Blätter wegharkte.

Sie hatten ihr Mahl gerade beendet, als ein Diener herbei kam, um Yash zu benachrichtigen, dass das Bad bereit war. Yash grinste zu Andraj hin, als er ihn in den hinteren Teil des weitläufigen Gebäudes führte. "Siehst du, das nenne ich verwöhnt werden. So ist das immer, wenn ich nach Hause komme."

"Ah", murmelte Andraj, den die gesamte Bedient-Werden-Situation heillos überforderte. Er fühlte sich wie in einem Traum, alles schien so einfach, beinahe perfekt.
Er zog sich aus und folgte Yash in die großzügigen Baderäumlichkeiten, die von hellem Marmor dominiert wurden, abgesetzt mit wundervollen Mustermosaiken. Staunend hielt Andraj ein und betrachtete die Wände der Vorräume, während Yash hinter ihm ungeduldig zu warten schien.

"Das alles ist", hauchte er, "unbeschreiblich."

Verlegen kratzte Yash sich im Nacken und sah zur Seite. Er liebte das Gut, und es freute ihn, dass es Andraj gefiel, aber dass es ihn derart überwältigte, hatte er nicht einmal im Traum vermutet.

"Nun ja, meine Familie nennt es schon seit Ewigkeiten ihr Eigen. Im Laufe der Zeit ist es immer komfortabler eingerichtet geworden, dann ist dies und das dazu gekommen... und jetzt bist auch du hier zu Hause." Er grinste schief. "Sobald du dich eingewöhnt hast. Aber das wird hoffentlich nicht zu lange dauern."

Andraj lachte abwesend. Er fühlte Yash hinter sich und legte seinen Kopf in den Nacken. Immer noch fehlten ihm die Worte, aber er schenkte Yash ein breites Grinsen, bevor er sich von den Mosaiken losriss.

"Vier und Eins!" Das war kein Fluch, sondern eher ein grenzenloses Bewundern der handwerklichen Kunstfertigkeit, mit der die einzelnen Becken und der kleine Brunnen in der Mitte gestaltet worden waren. Als er seinen Blick zur Decke richtete und dort die Szenen aus dem Leben der Vorfahren Yovans betrachtete, stieß er rückwärts gegen Yash.

"Entschuldige", murmelte Andraj verlegen.

Yashs Grinsen wurde breiter, als er seinen Freund von hinten umarmte. "Ich mag es, wenn du überwältigt gegen mich sinkst." Leicht biss er ihn in die Halsbeuge und küsste sie gleich darauf. Dann hob er ihn hoch und trug ihn lachend zum nächsten Becken. "Sonst kommen wir nie ins Wasser! Glaub mir, es ist nichts Besonderes, sondern nur das, was in jedem anderen Bad auch die Becken füllt."

Andraj klammerte sich an Yashs Hals. "Du bist wirklich sonnenkrank!", lachte er, dann wurde er schon ins Wasser fallen gelassen. Sobald Yash ihm nachgesprungen war, zog er seinen Bruder unter Wasser und vergaß, dass er sich in einem überwältigenden Haus befand.

Die beiden rangelten, bis sich ihre Blicke und ohne größeres Zögern ihre Lippen trafen. Es war ein Kuss, sanft und ohne Verlangen, nur um sich noch einmal kennenzulernen. Dann seufzten alle beide, bevor sie sich tiefer küssten, diesmal um zu sehen, wie umfassend die Begierde in ihnen schlummerte. Das Feuer zu wecken und das Wasser zu locken.

Mit einem kleinen Verlustwimmern trennten sich ihre Lippen wieder, und Andraj wurde scharlachrot.

"Yash! Wenn uns deine Eltern hier so finden?"

Yash lachte herzlich auf, ohne Andraj loszulassen. Niedlich war nicht wirklich ein Wort, das zu seinem Liebsten passte, aber es kam nahe dran in dem Moment. "Dann werden sie sich diskret zurückziehen und warten, bis wir fertig sind." Er zupfte mit den Zähnen an Andrajs Unterlippe. "Und sie werden sich freuen, dass ich einen so stattlichen, gutaussehenden Geliebten habe", erklärte er zufrieden, ehe er den Mund seines Freundes erneut für sich eroberte.

Innerlich zögerte Andraj und widerstand dem Drang, sich einfach hinzugeben. Er fragte sich, ob sein Freund das alles nicht zu optimistisch sah. Doch Yashs Küsse erzeugten Durst, den er gar nicht bemerkt hatte und löschten ihn im gleichen Herzschlag. Er beschloss, seine Sorgen loszulassen und küsste zurück, mit all der flammenden Leidenschaft, die sein Element mit sich brachte.

Langsam züngelten seine Finger an Yashs anmutigen Rückenmuskeln hinunter bis zu dessen Hintern, dort drückte er seine mit Yashs Hüfte zusammen. Beide stöhnten und begannen, sich gegeneinander zu reiben, während ihre Münder den Rhythmus aufnahmen.

Der Hunger nach Andraj war in den letzten Tagen, in denen Yash ihn nur hatte ansehen, aber nicht wirklich berühren dürfen, derart gewachsen, dass es kein Zurück für ihn gab, nun da sie den Tanz begonnen hatten. Ihn jetzt zu schmecken und seine Erregung zu spüren, ließ einen Damm brechen, der die Fluten bisher mühsam gebändigt hatte. Begierig gab er sich dem Kampf ihrer Zungen hin, um ihn schließlich dennoch zu unterbrechen und sich an Andrajs Körper hinabgleiten zu lassen.

Seine Hände strichen über die Seiten, die Hüften und von dort zu Andrajs Hintern. Als er ihn umfasste und nahe an die Wasseroberfläche hob, suchte Andraj Halt am Beckenrand. Yashs Mund zog fahrige Bahnen über die Brust und den flachen, muskulösen Bauch, überall nippend, Bisse platzierend und doch nie länger verweilend. Sein Ziel war ein anderes, er wollte ihn noch viel mehr schmecken, wollte ihn pulsieren fühlen.

Als er sprödes Haar an den Lippen spürte und die Erektion seines Freundes seinen Hals berührte, stöhnte er heiser auf. Er sah zu ihm empor, in das gerötete Gesicht, in dem die blauen, halb geschlossenen Augen beinahe violett schimmerten. Ohne den Blick von ihm abzuwenden, küsste er das aufgerichtete Glied, um es dann mit der Zunge langsam zu umrunden.

Andrajs Augen flogen auf, er keuchte, sein einer Arm schoss zu Yashs Kopf und schob ihn weg.

"Nein!", japste er. "Was machst du denn da?!" Panik loderte in ihm auf, doch weg konnte er nicht.

Herausgerissen aus dem lustvollen Spiel wich Yash verwirrt zurück, ohne seinen Liebsten loszulassen. "Dich schmecken", beantwortete er die offensichtliche Frage. "Und anscheinend nicht sehr erfolgreich versuchen, dir Vergnügen zu bereiten."

Andraj wurde sehr rot und schüttelte den Kopf. "Das ist... unehrenhaft. Du solltest so etwas nicht tun." Seine Stimme war nervös. "Dich zu entehren bereitet mir kein Vergnügen."

Ein Grinsen breitete sich auf Yashs Gesicht aus, und er biss Andraj sachte in den angespannten Bauch. "Was ist unehrenhaft daran, dem Schwert eines Tänzers Beachtung zu schenken? Hat das noch niemand mit dir gemacht?"
Andraj leckte seine Lippen und schüttelte den Kopf. Dann schluckte er und versuchte noch einmal, von Yash loszukommen. "Außerdem sollte gerade deine verwöhnte Zunge nicht so verspottet werden", versuchte er die Situation zu entschärfen.

"Ah, du schmeckst köstlich", hielt ihm Yash heiser entgegen, küsste sich jedoch zu seinem Hals empor, um Andraj wieder unter Wasser abtauchen zu lassen und ihn mit seinem Körper gegen die Beckenwand zu drücken. Er wollte keine Diskussion, die Andraj vielleicht auf den Gedanken brachte, dass die Becken auf diesem Gut nicht der richtige Ort waren, um Liebe zu machen. Dazu begehrte er ihn genau in diesem Moment zu sehr, was er ihm mit einem neuen, tiefen Kuss auch zeigte.

Andraj ließ sein Feuer von Yash neu entfachen, indem er sich allen Liebkosungen entgegenstreckte, an der anderen Zunge rieb und ihre Körper zusammenhielt. Er beugte seinen Kopf nach hinten, um seinem Liebhaber einen besseren Zugang zu seinem empfindsamen Hals zu ermöglichen. Sein Blick fiel träumerisch auf die Decken und direkt auf die feurigen Augen von Ramesh, dessen rotglühender Blick ihn anklagte. Schnell wandte sich Andraj ab, suchte die Lippen von Yash, küsste ihn ohne Gnade und murmelte anschließend: "Mach, was du willst mit mir."

Allein diese Worte und das Vertrauen, das darin lag, lösten in Yash einen Rausch aus, der ihn beinahe kommen ließ. Mit einem kehligen Stöhnen eroberte er Andrajs Mund zurück, ehe er erneut den Unterkörper seines Freundes anhob. Das Wasser perlte an der glatten Haut hinab, sammelte sich in den Kuhlen der Muskeln, in dem länglichen Bauchnabel und forderte ihn auf, von ihm zu naschen. Trunken vor Begehren folgte er dem Ruf und kostete von ihm, während er das Gefühl der kräftigen Schenkel rechts und links seiner Hüfte und des festen Hinterns an seiner Erektion genoss. 'Oh, Ihr Vier, ich will ihn ganz spüren! Ich will ihn so sehr!'

Innehaltend kämpfte er gegen den heftigen Drang an, um Andrajs Vertrauen nicht auszunutzen. Er wusste jetzt, dass Andraj es nicht so wie er als vollkommene Hingabe empfinden würde, sondern viel mehr als Entehrung und Herabwürdigung seiner Männlichkeit. Schwer atmend wich er schließlich ein wenig zurück, um das zu tun, bei dem sein Geliebter ihn vorher unterbrochen hatte. Sich herantastend neckte er die Innenseiten der Oberschenkel und die Lenden mit der Zungenspitze, ehe er es wieder wagte, die Kuppe von Andrajs Glied zu umkreisen.

Andraj erlaubte sich keinen Laut, nur sein Atem setzte eine Sekunde aus und sein Körper zuckte kurz zusammen, als Yash ihn dort mit der Zunge berührte, in die kleine Öffnung in der Mitte züngelte und dann langsam die Lippen um seine Erektion schloss. Andraj warf seinen Kopf nach hinten und keuchte, als Zähne, Zunge und Lippen begannen zu spielen, während Hitze sein Glied einhüllte.

Feuer breitete sich von seiner Lendengegend in seinem gesamten Körper aus, doch seine Augen blieben an denen von Ramesh hängen. Yashs geschickter Zungentanz und die Neuheit des Erlebnisses überluden schon bald seine Nerven, und er kam mit einem Japsen zum Höhepunkt. Seine Beine klammerten sich um Yashs Hüfte und der scharfe Beckenrand bohrte sich in seinen Rücken. Alle anderen Empfindungen wurden mit seinen Gedanken zusammen zu Asche verpufft.

Ein Beben ging durch Yash hindurch, als Andraj sich aufbäumte, und er ersetzte den Mund durch die Hand, um seinen Geliebten ansehen zu können. Die Anspannung in dem kantigen, geröteten Gesicht, das von Wasser und Schweiß glänzte, die geöffneten Lippen, die in ihrer weichen Sinnlichkeit einen betörenden Kontrast dazu bildeten, und die zusammengezogenen Brauen über den vor Erregung dunkelvioletten Augen überschwemmten ihn. Die Empfindungen ließen kaum Raum für seinen eigenen Höhepunkt, als er allein von dem Anblick und der Bewegung an ihm ebenfalls kam. 'Er ist so... wunderschön.'

Als der kräftige Körper erschlaffte, umfing Yash ihn mit den Armen, um ihn zu halten, zu streicheln und ihm nahe zu sein.

Andraj wusste, dass er nichts tun konnte, außer Yash gewähren zu lassen, denn alles andere hätte sein Freund sicher als Zurückweisung aufgefasst. Yash berührte ihn, hielt ihn in den Armen und war einfach allgegenwärtig. So überließ er sich Yashs Armen, Zärtlichkeiten und Fürsorge, darauf wartend, dass er als erster anfing zu sprechen. Ihm selbst schienen alle Wörter wie verwaschene Schemen, keines taugte, und er wollte im Boden versinken vor Scham. Er fühlte sich einsam wie schon lange nicht mehr.

Als Andraj gar nicht reagierte, begann sich Kälte in Yashs Magen auszubreiten, wo eben nur Wärme gewesen war. Er drückte ihn ein wenig von sich, um ihn ansehen zu können, und als er die ausdruckslose Miene und den fernen Blick bemerkte, stiegen Schuldgefühle in ihm empor. Er verfluchte sich selbst dafür und konnte es doch nicht ändern.

'Wieso ist es zu Beginn und dabei immer so richtig, und hinterher scheint es schal und billig? Ich will nicht, dass es sich so anfühlt.' Vielleicht hätte er die gegebene Erlaubnis nicht wörtlich nehmen sollen, vielleicht hätte er... 'Nein. Ich will mich nicht schuldig und falsch fühlen für etwas, das so schön ist.'

Vorsichtig, als würde er etwas Zerbrechliches berühren, strich er Andraj die rotbraunen Strähnen aus den Schläfen, dann lehnte er seine Stirn gegen die seines Bruders. "Deine Augen werden violett", sagte er leise. "Und du bist wunderschön dabei."

"Es tut mir leid", wisperte Andraj und schmiegte sich an Yash. Leid tat ihm, dass er Yash nicht so vertrauen konnte, wie sein Freund es verdiente. Und es tat ihm leid, dass er seinen Glauben nicht korrigieren konnte. Vor allem tat ihm leid, dass er immer wieder diese Schuld in Yashs Blick brachte. "Ich bin einfach nicht der Richtige für dich. Nicht der, den du brauchst. Ich verderbe alles."

"Du bist der einzige, den ich will. Der einzige, nach dem ich mich so sehr sehne, so sehr verzehre." Yash schloss die Augen und drückte seinen Geliebten an sich. "Es ist nicht deine Schuld, genauso wenig wie meine. Ich will nur bei dir sein", murmelte er, "und wenn du es auch willst, dann werden wir es schaffen. Zusammen."

"Was ist, wenn wir es nicht schaffen?", fragte Andraj und versuchte, es beiläufig klingen zu lassen. Manchmal wünschte er sich, die Zuversicht von Yash zu haben. Er war ein so wundervoller Optimist. "Wo enden wir dann?"

Yash schwieg eine Weile, während er über die Worte nachdachte. "Ich kann mir eine Zukunft ohne dich an meiner Seite – in jeder Hinsicht – nur schwer vorstellen. Aber wenn wir es nicht schaffen... bleibt uns noch immer die Brüderschaft."

"Yash." Andrajs Ton war klar, und er hob den Kopf, um Yash in die Augen zu blicken. "Ist dir bewusst, dass ich vielleicht den Tanz um die Ehre meines Vaters mit dem Leben bezahle?"

Das meinte er ernst. Andraj war sich völlig darüber im Klaren, dass seine Tanzkünste bestenfalls hohes Anfängerniveau hatten. Und wenn sein Vater gegen diesen Unbekannten verloren hatte, was würde das dann für ein Tänzer sein? 'Besser als ich', gestand sich Andraj ein.

Yash nickte ruhig. Das gehörte zu den Dingen, mit denen er konfrontiert worden war, als er sich Gedanken zu ihrer Schwertbrüderschaft gemacht hatte. "Ja. Genauso, wie mir bewusst ist, dass ich vielleicht das meine verlieren werde, wenn ich für dich weitertanze. Aber noch haben wir den Bastard nicht gefunden. Wer weiß, womit er deinen Vater betrogen hat. Vielleicht wird der Tanz nicht so schwer, wie du es dir vorstellst."

Andraj hob die Schultern, bevor er sich löste. "Es ist der Tanz, der mein Leben entscheidet. Egal wie schwer oder leicht, es ist der wichtigste Tanz in meinem Leben."

"Ich weiß", antwortete Yash einfach. Er schöpfte eine Hand voll Wasser und wusch sich das Gesicht, während er dachte, dass kein Zweifel daran bestehen konnte. Dieser Tanz würde die nächste Zeit auch sein Leben bestimmen, wenn sie sich auf die Suche nach dem Mörder Sharvaars machten.

Schweigend zogen sie sich an, doch es erleichterte Yash, dass es keine unangenehme Stille zwischen ihnen war; für den Moment war lediglich alles gesagt worden. Dann hörte er ein fröhliches Aufjuchzen, leise nur fiel es durch ein halb offenes Fenster herein, doch er erkannte die Stimme seines kleinen Bruders. Er hob den Kopf und strahlte, während er rasch in seine Weste schlüpfte. "Sie sind nach Hause gekommen."

Andraj schüttelte den Kopf. Wie sollte er nach diesem verkrampften Liebesspiel nun Yashs perfekten Eltern entgegentreten? Zudem musste er ja vielleicht mit den leisen Vorwürfen leben, dass er dafür gesorgt hatte, dass Yash ihnen nun keine Enkel bescheren würde. Er wünschte sich für einige Herzschläge zurück auf die Straße, zusammen mit Yash, wo alles weniger kompliziert gewesen war. "Vier und Eins! Was sollte ich ihnen noch mal sagen?"

Yash lachte und knuffte ihn in die Seite. "Mach dir keine Gedanken darüber. Ich stelle dich vor, und der Rest wird sich von selbst ergeben."

Er fuhr sich mit gespreizten Fingern durch die Haare, um sie zumindest oberflächlich in eine gewisse Form zu bringen. Dann nahm er seinen Schwertbruder am Arm und zog ihn einfach mit sich.


© by Nika & Pandorah