Buch I: Der Weg des Tanzes

15. Geborgtes Feuer

Lockt dich nur der Sieg, verwehrt sich dir der Tanz.

Volksweisheit


Yash drückte Andraj rasch noch einmal an sich und führte ihn dann durch das Haus zur Küche. Er ließ von der Köchin ein großzügiges Picknick einpacken, um anschließend mit Andraj aufzubrechen und ihm das Gut zu zeigen.

Nach den Gärten brachte er ihn zu den Ställen, wo sie sich Pferde aussuchten. Der Park war zu groß, um ihn an einem Tag zu Fuß erkunden zu können. Zudem wollte Yash seinem Bruder den See am anderen Ende zeigen. Er schwamm gerne dort, wenn er Ruhe haben wollte, die in dem kleinen Teich nahe dem Haus kaum zu finden war.

Andrajs Erfahrung mit Pferden war recht begrenzt, aber er konnte sich beim Reiten oben halten. Er folgte Yash durch die saftigen Wiesen, die duftenden Jasminbüsche und die leuchtenden Rhododendron-Alleen. Der Ausflug war angenehm, fast als wären Ehrenpflichten und Kriege nur lästige kleine Mücken, die man wegwischen konnte.

Der See war kühl und das Wasser süß. Die Sonne trocknete sie nach dem Bad, während sie sich auf der Decke ausstreckten und dabei die Brote verzehrten, die Yash mitgenommen hatte.

"Hier gefällt es mir", gab Andraj strahlend zu und sah, dass Yash überglücklich schien.

Der niedrige Stand der Sonne trieb sie jedoch wieder zurück zum Gut. Mit Herzklopfen brachte Andraj den roten Hengst in den Stall, denn der Zeitpunkt seines Tanzes mit Yovan rückte näher. Er biss sich auf die Unterlippe und wandte sich mit einem kleinen Grinsen Yash zu. "Ich bin ganz kribbelig."

Sie überließen den Stallknechten die Versorgung der Pferde. Yash lachte und legte seinem Bruder einen Arm um die Schultern, während sie zum Haus zurückliefen. "Du wirst den besten Tanz deines Lebens haben, da darfst du kribbelig sein. Aber sobald ihr im Kreis steht, wirst du das vergessen. Du wirst dich nur auf den Tanz konzentrieren."

"Ich freue mich, aber ich habe auch weiche Knie." Andraj schluckte. "Ich hoffe nur, deinen Vater stört nicht, was für ein Anfänger ich bin und er ist nicht enttäuscht."

"Du bist ebenso ein Anfänger wie ich." Aufmunternd stieß Yash ihn mit der Schulter an.

Sie betraten das Haus, gingen jedoch erst einmal in Yashs Zimmer, um dort an Mayur zu schreiben. Kurz erzählten sie von der Reise, den Feindseligkeiten gegenüber Fremden und damit auch Andraj. Natürlich berichteten sie darüber, was Yovan ihnen so knapp über die Hilfstruppen erzählt hatte. Aber sie entschieden sich ohne viele Worte dafür, ihre neue Vertrautheit unerwähnt zu lassen. Das war kein Thema für einen Brief.

Nachdem Yash den Umschlag einem Boten übergeben hatte, scheuchte er Andraj in den Kaminraum, wo der Rest der Familie plaudernd auf dicken Kissen um den niedrigen Tisch saß. Sobald sie eintraten, verstummte das Gespräch, und alle Augen richteten sich auf die Schwertbrüder.

Verlegen kratzte sich Andraj am Hinterkopf. "Äh, guten Abend."

Sich an Andrajs Bitte erinnernd deutete Yash ganz nebenbei auf ein Polster, auf das Andraj sich setzen sollte, ehe er es sich selbst an dessen Seite bequem machte.

"Ah, du bist schon zurück, Vater." Gleich begann er, seinem Vater Fragen zu den Verhandlungen zu stellen. Wie üblich gab es starke Unstimmigkeiten zwischen den neutralen Beisitzern, natürlich auch zwischen Yovan und Gandaki.

Nicht nur vertrat Minister Gandaki blindgläubig die finanziellen und weltlichen Belange der Tempel als deren offizieller Vertreter im Rat, nein, seine eigene Meinung stand denen der Radikalen in nichts nach. Er strebte nach einer vollkommenen Verschmelzung von Religion und Staat, nach einem einzigen Oberhaupt, das die Belange beider in den Händen hielt und sich nur nach den strengsten Auslegungen der Gesetze Der Vier richtete. Dies reichte von beinahe banalen Dingen wie dem Verbot von Alkohol über die vollkommene Verbannung der Frauen als notwendiges Übel ins Haus bis hin zur Erziehung der Söhne allein in den Tempeln, bevor sie von dort direkt in die Akademien wechseln sollten.

"Ich hoffe nur, die Verhandlung eskaliert nicht so sehr, dass sie vor Dem Tod endet", grollte Yovan.

Die Worte ließen Yash ein wenig schaudern. Der Tod war der beste Tänzer des Reiches, niemand erreichte seine Perfektion, niemand kannte sein Gesicht. Er wurde nicht oft bemüht, doch immer, wenn von den weltlichen Gerichten kein Urteil gefunden werden konnte, wurde dem Angeklagten ein Tanz mit ihm gewährt. Hielt der Beklagte lange genug stand und tanzte makellos zum Gefallen der Vier, konnte er sich von jeder Schuld befreien. Vor Jahren hatte Yovan auf diese Art sein Leben und seine Ehre retten können, als er eines ruchlosen Mordes bezichtigt worden war, den er nicht begangen hatte.

"Aber nun haben wir genug von Politik geredet!" Yovan lachte und wischte damit die ernste Stimmung beiseite. "Ich habe dir einen Tanz versprochen, Andraj. Bist du bereit?"

"Ja, ganz und gar. Ich hoffe, ich enttäusche Euch nicht, Yovan." Andraj verbeugte sich knapp und holte tief Luft. Das hier war kein Meister, den er hasste. Das hier war kein Prüfer, den er nie wiedersehen würde. Zitternd ließ er den Atem ausströmen.

Yovan hob leicht die Brauen, als er aufstand, dann lächelte er aufmunternd. "Ich habe dich mit Yash tanzen sehen. Und das hier ist kein Test, ob du würdig bist, Andraj." Er küsste seine Frau auf den Scheitel, ehe er voraus in den Hof ging.

Yash gab Choyen einen kleinen Wink, dass er nicht mitkommen sollte und hätte fast über den beleidigten Ausdruck in dessen Gesicht gelacht. Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als sie seinem Vater nach draußen folgten. Aber er war sich sicher, dass es Andraj lieber war, nicht noch einen Zuschauer mehr zu haben.


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Für Andraj war jeder Tanz ein Test, jedes Kreuzen der Schwerter war eine Übung und Prüfung für den einen Kampf, in dem nicht mehr der Weg, sondern der Sieg das Ziel war. Als er sich mit gezogenem Schwert vor Yovan verbeugte, fiel es ihm schwer, alle Gedanken abzustreifen, bevor er den Ring betrat. Seine Hand ein wenig zu fest um den Griff seines Schwertes gekrampft wartete er drauf, dass Yovan ihm folgte und eine Grundstellung einnahm. Er bemühte sich lockerer zu werden, sein Feuer niederzukämpfen, so dass es ihn wärmte und nicht verbrannte. Seine Augen wichen nicht von der Gestalt seines Gegners, die beflügelt und unbeschwert den Kreis betrat.

Yovan grüßte und wartete, bis Andraj den Gruß erwiderte. Dann griff er, ganz der allgemeinen Höflichkeit entsprechend, mit einer leichten Attacke an, die einfach zu kontern war. Andraj war froh, dass der erste Schlag getan war und wehrte ihn ebenso leicht ab, wie Yovan es beabsichtigt hatte. Danach machte er einen zackigen Ausfall auf den oberen Teil von Yovans Klinge, nahe der Parierstange, um zu erkunden, wie fest der Griff seines Gegners um das Heft war. Yovan hielt stand, was Andraj zeigte, dass Yash körperlich schwächer war als sein Vater. Schnell wich er ein wenig zurück, um mehr Raum zum Parieren zu haben.

Yovan nickte beifällig, ehe er Andraj mit einer Reihe äußerst simpler, aber schneller Attacken eindeckte, so dass dieser gezwungen war, sich gänzlich auf seine Verteidigung zu konzentrieren. Erst nachdem er Andraj einmal durch den Kreis getrieben hatte, wurde er wieder langsamer und gab ihm Möglichkeit zu eigener Initiative.

Sie kam mit einem leichten Angriff auf die Spitze von Yovans Klinge, dann einem härteren Schlag viel näher an der Parierstange, der Andrajs Gegner öfter schon mal dazu gebracht hatte, erschreckt das Schwert loszulassen. Yovan hatte aber alles unter Kontrolle, so dass Andraj ein wenig atemlos in eine Abwehrposition glitt.

Yovan unterlief sie mit einem Angriff auf seine Beine, gab ihm aber genügend Zeit zu parieren. Dann ließ er jedoch eine Serie von Attacken folgen, mit denen er vom Kopf zu den Beinen sprang und wieder zurück, als gäbe es dazwischen keine Entfernung. Es brachte ihn nicht einmal außer Atem, als er mit flüssigen Bewegungen um seinen Gegner herumtanzte, ihn mit seiner Klinge neckte, lockte, reizte.

Die Abwehr der Schlagfolge fiel Andraj nicht so schwer wie sein erster Angriff. Mit diesem Rhythmus und Tempo konnte er mithalten, es war, als ob er endlich erkannt hatte, welchem Takt Yovans Tanz folgte. Er drehte sich immer wieder rechtzeitig und konnte dem Wasser, das gegen ihn andrang, mit seinem eigenen Feuer standhalten. Er versuchte zu erkennen, wie er Yovan angreifen konnte, wann er vielleicht eine winzige Chance hatte, die Schnelligkeit seines Gegners zu nutzen und diesen zu überraschen.

Yovan lächelte, als er sich aus freien Stücken zurückzog, um Andraj die Offensive zu überlassen. Ruhig stand er da, die Schwertspitze nur leicht gehoben, und wartete. Dass er so begünstigt wurde, war Andraj unangenehm. Auch wenn er wusste, dass er nicht gewinnen konnte, wollte er doch wenigstens das Lächeln ein wenig beben sehen.

Er hob sein Schwert, so dass es auf Yovans Kopf deutete, dann machte er aber einen Ausfall auf sein linkes Bein, nutzte die Abwehr, um sich hinter seinen Gegner zu drehen und dort mit seinem Schlag zwischen die Schultern zu zielen.

Yovan folgte ihm mit Leichtigkeit, als er sich Andraj anpasste und seine Klinge in einer derart gleichmäßigen Bewegung mitzog, dass es geradezu langsam wirkte. Das Klirren, als sich ihre Schwerter trafen, erklang nur leise, denn schon wich er ihm aus, um ihn von vorne zu attackieren.

Andraj schlug den Angriff zur Seite und in ihm loderten die Flammen seines Feuers hoch. Dieser Tanz war nicht zu gewinnen und er würde kläglich versagen. Kläglich, so kam er sich vor. Yovan attackierte ihn noch einmal, und Andraj erkannte, dass er dem Angriff nur mit Mühe standhalten konnte. Yovans Stärke und Unnachgiebigkeit waren eine Mauer, die er nicht durchdringen konnte. Er atmete tief ein und versuchte, sein Feuer niederzukämpfen, das ihn aufzufressen drohte.

Yovans Brauen hoben sich kaum merklich, der Blick seiner dunklen Augen flog über Andraj, schien ihn erneut abzuschätzen.

"Du denkst zu viel, Andraj. Es geht um den Tanz, nicht um einen Sieg", sagte er freundlich und ließ seinen Worten Taten folgen, indem er ihn erneut angriff, um ihm dann Raum für eigene Schläge zu lassen.

'Für mich schon', schoss es durch Andrajs Kopf. Das schmerzte ihn mehr, als er es zugeben wollte. Er hob das Schwert, um zu zeigen, dass er den Kampf verloren gab, dabei verbeugte er sich.

Yovan hielt mitten in der Bewegung inne und ließ sein Schwert sinken. "Nicht in diesem Kreis", sagte er leise und ernst und legte ihm kurz die Hand auf die Schulter. "Du tanzt gut, und du tanzt mit Feuer. Aber es wird von außen gespeist. Du wirst dein eigenes finden müssen, um deine Grenzen zu durchbrechen."

Vollständiger als jeder Schlag ihn verletzen konnte, trafen Andraj Yovans ruhige Worte. Sie berührten sein Herz mit eisiger Hand und tödlicher Genauigkeit. Er senkte seinen Kopf, wie immer konzentrierte er sich auf seinen Atem, um seine Gefühle unter Kontrolle zu bringen. Innerlich war ihm zum Heulen zumute, seine Brust war eng und die Augen brannten. Er wollte nicht wieder aufsehen, hatte kein Bedürfnis nach einem Lächeln. Mit jedem Herzschlag drückte er dieses Gefühl weg, verschloss es in seinem Innersten, wo keiner Zutritt hatte.

"Verzeiht mir", brachte er nach drei Atemzügen recht neutral heraus.

"Es gibt nichts, was meiner Verzeihung bedarf." Yovan verneigte sich formell, ehe er sein Schwert mit einer geschmeidigen Bewegung wegsteckte. "Du musst mit dir selbst eins werden, und dieser Weg ist lang und nie einfach. Ich wünsche dir, dass du ihn ohne zu wanken gehen kannst und auch, dass du erkennst, dass du nicht allein bist."

Er wandte sich ab und verließ den Kreis. Bei seinem Sohn blieb er kurz stehen und sah ihn mit einem Blick an, den Yash nicht deuten konnte. Dann trat er ins Haus.

Verwirrt und mit einem bleiernen Gefühl im Magen sah Yash zu dem Kreis hin, in dem Andraj noch immer stand. Von Anfang an hatte er die Leichtigkeit vermisst, die Tänzen mit Yovan zu eigen war. Sein Schwertbruder war zu angespannt gewesen, und diese Haltung hatte sich nicht verloren, bis er den Tanz so unvermittelt abgebrochen hatte. Yash hatte nicht verstanden, was gesprochen worden war, aber das ernste Gesicht seines Vaters bereitete im Unbehagen. Als wüsste Yovan etwas über Andraj, das ihm selbst unbekannt war.

Andraj hielt seinen Kopf weiter gesenkt und die Augen geschlossen. Seine Finger hatten sich so um den Griff des Schwertes verkrampft, dass sich die Knöchel weiß verfärbten. Er durfte nicht weinen, nicht hier um Kreis der Ehre, nicht hier im Blickpunkt Der Vier. Zu schwach, zu ungeschickt – wie sollte er je den einen Tanz gewinnen? Und da sagte Yovan, er sei nicht allein? Wer außer ihm war noch übrig, die Ehre seines Vaters wieder herzustellen?

Und er war unfähig, es zu tun.

"Verzeih mir...", wisperte er seinem verblichenen Vater zu.

"Andraj?" Yash wollte den Kreis nicht betreten. Er wusste, wie ernst es seinem Bruder mit den Ritualen war. Aber er wollte zu ihm, wollte ihm Trost geben, ihm die Verzweiflung nehmen, die auf seinem Gesicht nur zu deutlich zu sehen war. Was hatte sein Vater zu ihm gesagt?

Mit großer Mühe senkte Andraj sein Schwert und drehte sich zu Yash. Langsam verließ er den Kreis und versuchte ein Lächeln, das so bitter war wie Galle. Er wusste nicht, was er seinem Schwertbruder sagen sollte. Fast schien es, als ob sein Tanz nur ein weiterer Beweis dafür war, dass er nicht hierher gehörte. Welche Worte blieben dann noch? Vielleicht 'Es tut mir wirklich leid' und 'Lebe wohl'?

Yash erschrak über das verzerrte Gesicht. Er legte Andraj die Fingerspitzen an die Lippen, um ihm zu zeigen, dass er nichts sagen musste, dann umarmte er ihn einfach und drückte ihn an sich.

Yashs Berührung schenkte Andraj kaum Trost, auch wenn er sich danach sehnte. Es war nicht die Schuld seines Schwertbruders, dass er nicht stark und wendig genug war. Yash war alles, was gut und hell war auf dieser Welt, vielleicht ein wenig zu strahlend, aber unerschütterlich. Er löste sich aus der warmen Umarmung, und mit schweren Schritten betrat er das Haus, sank in seinem Zimmer auf die Knie und betrachtete sein nutzloses Schwert. Beinahe angeekelt warf er es davon; es landete mit lautem Klirren irgendwo.

Yash war ihm gefolgt. Als sein Bruder seine Klinge so respektlos behandelte, zuckte er zusammen. Leise schloss er hinter sich die Tür, dann hob er das Schwert auf, prüfte, ob es Schaden genommen hatte und legte es behutsam auf die kleine Kommode unter dem Fenster. Einen Moment ließ er die Ruhe und den Frieden der weiten Wiesen auf sich wirken, die sich im Licht der untergehenden Sonne bis zum Horizont ausbreiteten, ehe er sich wieder zu Andraj umdrehte.

"Was ist mit dir? Dass du gesehen hast, dass du gegen meinen Vater nicht würdest bestehen können? Ich habe dir gesagt, er ist besser als ich. Er hat mit dem Tod getanzt, lange und gut genug, dass er sein Leben und seine Ehre hat verteidigen können. Er ist der Stellvertreter Der Klinge des Darjahs. Er tanzt länger, als wir beide überhaupt leben. Du hast niemanden beschämt, nicht dich, nicht deinen Vater und auch nicht meinen."

Andraj schüttelte den Kopf. Er sah auf seine Hände und ballte sie dann zu Fäusten.

"Ja", stimmte er gehorsam und leise zu. "Alles ist gut."

Yash verdiente es nicht, einen Versager zum Bruder zu haben und einen Feuertänzer, der mit dem Feuer eines anderen tanzte. Er konnte nicht aufstehen, seine Gliedmaßen waren müde und schwer. Er fühlte sich alt und unendlich naiv zugleich.

Sein eigenes Feuer war erloschen.

Yash schwieg, während er auf die in sich zusammengesunkene Gestalt hinabsah und sich fragte, mit welchen wenigen Worten es seinem Vater gelungen war, Andraj in diese Düsternis zu treiben.

"Vier und Eins, Andraj, lass das!", brach es schließlich aus ihm heraus. "Auf die Art wird bestimmt nichts gut. Was ist los? Ich kann nicht glauben, dass du dein Schwert von dir geworfen hast, um mir dann das zu sagen." Er trat einen Schritt nach vorn und kniete sich vor seinen Bruder, doch er berührte ihn nicht.

"Egal auf welche Art, gut wird eh nichts." Andraj hob müde die Schultern. "Es liegt nicht an deinem Vater, es ist nicht seine, deine oder die Schuld eines anderen Menschen, Yash. Es wird nur nichts wieder gut, das ist alles."

Er erinnerte sich an all seine Mühen, seine Übungsstunden, wenn alle anderen schon lange schliefen und an seinen Willen, alles zu überleben – für diesen einen Kampf. Kraft für seinen Weg hatte er aus seinem ewigen Feuer geschöpft. Und nun?

"Jetzt hör aber auf!", schimpfte Yash hilflos. "Was hat Vater gesagt, das dich so niederschmettert? Du hast vielleicht etwas falsch verstanden. Er ist nicht seine Art, Leute zu entmutigen."

"Nein, nein – er hatte recht. Aber was soll ein Feuertänzer ohne Feuer?" Andraj lachte leer. "Ja, es ist alles verglüht, der letzte Funke ebenso wie die großen Flammen. Da ist nichts, nur Dunkelheit und Kälte."

"Ist es das?", fragte Yash ruhiger und fühlte sich, als würde er genau in dieser Dunkelheit blind nach einem Pfad tasten, um Andraj zu erreichen. "Keine Leidenschaft mehr? Kein Tanz, keine Rache, unsere Brüderschaft? Ich glaube nicht, dass das alles so einfach erlöschen kann. Schau mich an. Schau mir in die Augen und sag, dass da nichts mehr ist."

Müde sah Andraj Yash an. "Das Feuer, das dich wärmte, war nicht meins. Die Leidenschaft war geliehen." Seine Augen schienen blass und leblos, so wie seine gesamte Haltung. "Vater wird für immer ehrlos bleiben und ich werde ihm in ein schwertloses Grab folgen. Es war ein Glück, dass ich mit Yovan getanzt habe. So weiß ich immerhin, dass ich ihn nicht rächen kann."

"Es reicht. Hör auf damit!" Yash umfing seine Schultern und schüttelte ihn. "Was glaubst du eigentlich, was du hier erzählst? Wir sind Schwertbrüder! Und wenn du deiner Pflicht nicht nachkommen willst, dann werde ich es tun. Es wird kein schwertloses Grab für dich geben, und wenn ich den Mörder allein verfolgen muss."

"Mein tapferer, aufrechter Yash." Andraj lächelte ihn liebevoll an. "Du wirst hier bleiben, wo es hell und nett ist! Sonst benutze ich mein Schwert, um dir eins überzuziehen, damit du zur Vernunft kommst. Ich wollte bei dir sein, aber ich wollte nicht, dass dir deswegen etwas zustößt. Vier und Eins! Was muss ich tun, damit du das verstehst?"

"Dazu musst du verstehen, dass ich keine halben Sache zulasse, wenn es um dich geht. Du bekommst mich ganz oder gar nicht. Und da es schon lange keine Wahl mehr gibt, wirst du mit mir leben müssen." Vorsichtig erwiderte Yash das Lächeln, das sich wie ein zaghafter Sonnenstrahl durch einen Riss in drohenden Wolken gedrängt hatte. "In Friedenszeiten genauso wie in der Gefahr, in tiefster Dunkelheit wie in lichtem Sonnenschein."

Andraj hob eine Augenbraue. Er schüttelte den Kopf und wartete. Er wartete, ob Yash ihn loslassen würde, ob er erkennen konnte, dass er immer noch so schwer und müde war. Warten war Andraj gewohnt, er konnte es gut. Und ohne das Feuer hatte er das erste Mal nicht das Gefühl, er müsste noch etwas anderes tun.

Yash seufzte und ließ die Arme sinken, als der Sonnenstrahl wieder verblich, stand jedoch nicht auf. "Offensichtlich ist im Moment die Dunkelheit an der Reihe. Nun gut, dann tasten wir uns eben eine Weile blind voran. Aber es ändert nichts. Wir, Andraj. Ich lasse dich nicht allein. Sicher, wenn du magst, verlasse ich das Zimmer, aber ich bin dennoch da. Vielleicht begreifst du das irgendwann."

"Vielleicht jetzt nicht, und vielleicht auch nicht morgen, aber irgendwann wirst auch du mich verlassen. Das tut jeder. Immerhin, drei Dinge waren immer da: Schwert, Feuer und mein Glauben an die Weisheit Der Vier. Meine Schwertkunst taugt nicht allzu viel, und mein Feuer ist erloschen. Die Weisheit Der Vier kann ich nicht anzweifeln, auch wenn ich mich frage, warum sie ausgerechnet unsere Wege zusammengebracht haben. Vielleicht meinten sie, du wärst zu sehr Licht und bräuchtest Dunkelheit?" Andraj hob eine Schulter ein wenig. Er versuchte, auf die Beine zu kommen, aber schaffte es nicht, ließ sich einfach auf die Seite fallen und zitterte unter der ungewohnten Kälte aus den Schatten, die ihn nun stärker einholte.

"Meinst du wirklich, ich hätte den Schwur geleistet, wenn ich dich verlassen wollte? Das einzige, was mich von deiner Seite holen kann, ist der Tod. Du bist mein Feuerbruder, und der einzige, der dieses Feuer zum Erlöschen bringen könnte, wärest du selbst." Yash nahm eine der zitternden, kühlen Hände auf und barg sie zwischen seinen. "Wenn deine Schwertkunst so wenig taugt, warum haben sie dich in die Elitetruppen aufgenommen? Meinst du wirklich, die Prüfer hätten sich allesamt derart geirrt?"

Sankait und die Prüfungen kamen Andraj so weit weg und belanglos vor. "Was beweist das schon? Es ist ein Ritual, mehr nicht. Alles, was man können muss, ist, die richtigen Schritte auswendig zu lernen und vorzuführen. Dazu braucht man kein Geschick, nur ausreichend Übung." Er betrachtete ihre Hände, Yashs seltsam angestrengten und ein wenig empörten Blick, und immer mehr sickerte Wärme aus ihm heraus, direkt in den Boden. "Ich soll mich finden? Ich weiß schon lange nicht mehr, wer ich bin. Wer... bin ich, Yash?"

Yash zog ihn zu sich hoch und in seine Arme, um ihn fest an sich zu drücken. Er fand keine Worte mehr und wollte ihm doch helfen, das Feuer neu zu entfachen. "Ich kann dir nur sagen, wer du für mich bist, Andraj. Aber ich weiß nicht, ob es dir hilft – du bist der wichtigste Mensch in meinem Leben."

Sicher in der Zuflucht von Yashs Armen ließ Andraj sich einfach gegen seinen Freund sinken. Yashs Geruch war beruhigend, seine Wärme angenehm. Andraj vergrub seinen Kopf an Yashs Nacken und blieb so.

Yash hielt ihn und versuchte alles, was an Wärme und Liebe in ihm war, an Andraj zu geben. Doch als die untergehende Sonne die Fenster erst rotgolden, dann violett färbte und schließlich selbst dieser Ton der Nacht wich, spürte er, wie sein Bruder wieder zu beben begann. Nur leicht, kaum spürbar, aber ausreichend, um Yash zu beunruhigen. Andraj zum Aufstehen zu bewegen, war nicht einfach, aber nach einer Weile konnte er ihn zu seinem Bett bringen.

Kraftlos fiel Andraj auf die weiche Matratze. Er spürte, wie Yash ihm die Stiefel auszog, während er immer mehr auskühlte. Sobald sein Freund wieder in seiner Reichweite war, ergriff er eine der warmen Hände und zog ihn zu sich. "Bitte geh nicht. Es ist kalt ohne dich."

Yash hatte mit seinem Vater sprechen wollen. Doch die leise Bitte verbot den Gedanken, ihn allein zu lassen. Er nickte und schlüpfte rasch aus den Stiefeln, ehe er sich zu ihm setzte und ihn von der Weste befreite. Sich neben ihn legend zog er die Decke über sie und nahm Andraj wieder in den Arm.

"Kalt, es ist so kalt", wisperte Andraj, während Yash sich an ihn drängte; tatsächlich fühlte sich Andrajs Haut immer kühler an. Seine flachen Atemzüge waren das einzige Geräusch, aber diese machten die Stille noch greifbarer. Yash war so warm, am liebsten wäre Andraj in ihn hineingekrochen, umhüllt von Liebe und Wärme. Da das nicht ging, flüsterte er eine Bitte, die dieser Idee am nächsten kam. "Würdest du mich küssen?"

Yash fragte sich, ob er verneinen und stattdessen lieber einen Heiler holen sollte. Seine Sorge wuchs, je mehr Andraj sich anfühlte, als würde er wirklich erlöschen. Mehr und mehr war er sich sicher, dass sein Vater es nicht bewirkt, aber doch ausgelöst haben musste. 'Was hast du dir dabei gedacht, Vater? Warum hast du mir vorher nichts gesagt? Was soll ich tun? Wie kann ich ihm helfen?'

Er strich ihm mit den Fingerspitzen die Haare aus der Stirn. 'Für ihn da sein, das ist alles, was ich kann.' Vorsichtig bedeckte er die kühlen Lippen mit seinem Mund und küsste ihn weich.

Unwillkürlich schlossen sich Andrajs Augen, als die Sonne von Yashs Lippen seinen Körper erleuchtete. Er schwelgte in dem sanften Druck, dem süßen Prickeln und einer lockenden Flamme, die er irgendwo erahnte. Er wimmerte leicht, weil das Feuer so schön und gleichzeitig so fern war.

Ein bittersüßes Gefühl bemächtigte sich seiner. An Yashs Berührungen erkannte er, wie Sorge und Zuneigung mit Fragen rangen. Als Yash sich entfernte und ihn weich ansah, wollte sein Körper mehr. Doch gleichzeitig waren seine Atemzüge bleiern und er selbst kalt wie Eis.

Der kleine, verzweifelte Laut, den Andraj von sich gab, war fast schlimmer als alles, was er vorher gesagt hatte und doch endlich eine Reaktion. Er gab Yash den Mut, ihn wieder zu küssen, in der Hoffnung, dass körperliche Nähe ihn auch innerlich erreichen mochte. Zaghaft strich er mit der Zungenspitze über die kalten Lippen und bat um Einlass, während er fast unbewusst Andrajs Schultern zu streicheln begann.

Willig gewährte Andraj Yash die Bitte und öffnete seinen Mund. Yash war so warm, so lebendig – widerstehen war einfach unmöglich. Als sich das warme Gewicht von Yashs Körper über ihn schob, seufzte er erleichtert in den Kuss.

Das Zittern seiner Muskeln ließ nach und er hob langsam die Arme, die er dann um Yashs Brustkorb wand. Auch seine Beine bewegten sich um den Körper über sich, dabei unterbrach er nicht die Küsse – mal tief, mal nur zart. Es war, als borgte er sich Hitze von Yash, als löste die Glut seines Freundes die Starrheit seiner Gliedmaßen und milderte die Müdigkeit.

Yash konnte nicht sagen, ob die Heftigkeit in Andrajs Reaktion von Leidenschaft oder Verzweiflung oder vielleicht auch beidem herrührte. Doch obwohl er es sich vorgenommen hatte, konnte er nicht verhindern, dass sein Begehren fast augenblicklich wuchs. Aber vielleicht war es genau das, was sein Geliebter brauchte.

Bereit, sich jeden Moment zurückzuziehen, begann Yash wieder damit, ihn zu streicheln; über seine Schultern und Oberarme, die Seiten hinab und unter das Hemd, um die erschreckend kühle Haut über den Rippen zu liebkosen.

Überall, wo Yash ihn berührte, war es weniger kalt, allerorten, wo es weniger kalt war, kribbelte es. Andraj streckte sich den betörenden Fingern entgegen, versuchte seinen Hunger an Yashs Lippen zu sättigen und suchte die warme Haut unter Hemd und Weste, die noch verborgen war. Als seine Hände unter den feinen Seidenstoff geschlüpft waren, fühlte er, wie Yash unter den kühlen Fingerspitzen erschauerte.

Yash atmete tief durch und hob den Kopf, um auf seinen Geliebten hinabzusehen. Andraj hatte die Augen geschlossen und atmete durch den leicht geöffneten Mund. Die Lippen glänzten im kalten Licht von Mond und Sternen und ließen ihn verführerisch und kühl zugleich wirken. Rasch bedeckte er sie erneut mit seinen, um die Wärme zurückzubringen.

Von dort wanderte er zu den Wangen und zum Hals, um ihn zu liebkosen, während seine Hände zwischen ihre Körper schlüpften, um ihre Hemden auseinander zu ziehen. Er gab einen kleinen Laut des Wohlbehagens von sich, als sich ihre Haut berühren konnte und er feststellte, dass Andraj zumindest dort weniger kühl war.

Andraj presste die Quelle der wunderbaren Wärme an sich, ein entzückter Ton floh über seine Lippen, und seine Finger wanderten flink zu Yashs Oberkörper, um dort das störende Hemd von den Schultern zu schieben. Unter seinen Händen bewegten sich Yashs Rückenmuskeln, während sein Freund seinen Hals mit Bissen und Küssen wärmte.

Andraj zerrte an der teuren Seide und war erst zufrieden, als Yash gehorsam seine Arme aus den Ärmeln gezogen hatte. Danach drängte Yash ihn dazu, sich aufzusetzen, so dass er sich ebenfalls entkleiden konnte. Andraj schaffte es kaum; seine Hände verfingen sich in den Ärmeln und er fesselte sich selbst. Gequält winselte er, und an den Stellen, wo Yash ihn nicht berührte, kehrte die Kälte mit doppelter Geschwindigkeit wieder zurück.

Yashs Bedenken, dass er seinen Freund zu etwas brachte, was dieser vielleicht nicht wollte, wurden von der Leidenschaft, mit welcher der andere ihm begegnete, davon geschwemmt. Er zerrte ihm das Hemd vom Leib und drängte ihn auf den Rücken, um ihm die Hose über die Hüfte zu ziehen, während er den Bauch und die Lenden mit heißen Küssen bedeckte. Leichte Bisse folgten, als er tiefer wanderte und die Oberschenkel liebkoste; die Hose fiel unbeachtet über den Bettrand. Seine eigene folgte nur wenig später.

Der Länge nach schmiegte er sich wieder an Andraj, der nach Nähe gierte und ihn immer wieder an sich zog, wenn er etwas von ihm wich. Langsam kehrte Wärme in den kräftigen Körper unter Yash zurück. Atemlos versuchte er, mehr von ihm zu schmecken, zu spüren, zu riechen. Andrajs Begehren war wie ein unerwartetes Geschenk, und er wollte es auskosten.

Yashs nackter Körper war alles, was Andraj brauchte. Er brauchte die weiche Haut unter seinen Fingern, unter der unnachgiebige Muskeln sich bewegten. Er musste sie kosten, erfahren und verinnerlichen. Er sog die Wärme in sich auf, ebenso wie Yashs Zärtlichkeiten.

Als er Zähne auf der Innenseite seines Oberschenkels spürte, ächzte er voller Verlangen. Er zog Yash zu sich hoch und küsste ihn, die Wärme vermissend, die rascher verschwand, als Yash sie ihm bringen konnte. Er entdeckte die Ohrmuschel seines Geliebten für sich, ließ seine Zunge in das empfindliche Körperteil schnellen, dann knabberte er am zarten Ohrläppchen, dankbar für die Länge von Yashs Körper, der seinen so vollkommen bedecken konnte. Seine Hände fuhren am Rücken hinab zu den Pobacken, die er genüsslich liebkoste.

Immer wenn Yash drohte, sich von ihm zu entfernen, kam er ihm nach, so dass ihre Körper beständig in Kontakt waren. Ihre lauten Atemzüge waren wie ein Gespräch ohne Worte, sprachen von Verlangen und Notwendigkeit des anderen, von Zustimmung und Leidenschaft. Leise Laute waren schon fast Schreie in der Zerbrechlichkeit ihres Dialogs.

Yash bemerkte sehr schnell, dass alles, was ihn vom Körper seines Geliebten trennte, für diesen unerträglich war. So gab er sich ganz dem sinnlichen Vergnügen hin, jedes Detail seines Freundes zu entdecken, das er erreichen konnte, während er dessen Liebkosungen umso mehr genoss. Die Bahnen, welche die kräftigen Hände auf ihm zogen, straften die Worte Lügen, dass Andraj kein Feuer mehr hatte. Er entfachte es in Yash und brachte sein Blut in Wallung. Langsam begann Yash, sich auf ihm zu bewegen, um es noch mehr auflodern zu lassen.

Andraj klammerte sich an seinen Geliebten, zehrte von dessen wachsender Glut. Immer wieder suchte er die brennenden Lippen, das feurige Ringen ihrer Zungen und Yashs feine Laute, die nicht viel lauter als ein Seufzer waren.

Sie wiegten einander in den Hüften, die Reibung erzeugte mehr Hitze, und Andraj fühlte das Feuer nah, nur einen Kuss entfernt, eine Berührung oder einen Blick; es tobte durch Yash. Er konnte nicht loslassen, es war so unübertrefflich, so heiß und wahr. Yashs Hand stahl sich zwischen ihre Körper und umfasste beide Erektionen, presste sie zusammen, so dass Andraj seinen Kopf zurückbog und dankbar stöhnte.

Es war der erste lautere Ton zwischen ihnen, und Yash konnte nicht widerstehen; er musste sich recken und ihn von Andrajs Lippen trinken. Dann küsste er wieder den ihm so verlockend dargebotenen Hals, nahm mit der Zungenspitze den Geschmack seines Liebsten auf und verbarg das Gesicht an dessen Schulter, ehe er erneut begann, sich zu bewegen. Aufstöhnend presste er sich an den kräftigen Körper, spürte, wie die Hitze ihn zu überwältigen drohte und kämpfte dagegen an, um nicht vor Andraj zu kommen.

Yash brauchte nicht lange zu warten, denn Andraj hatte keine Kontrolle über seine Leidenschaft und erreichte den Höhepunkt, wobei er sich weiter eng an Yash drückte. Sein Atem hielt an, er nahm unscharf die Konturen vom berauschten Gesicht seines Liebhabers wahr, als der Sog des Orgasmus' ihn mit sich riss, ihm ein Feuer vorgaukelte, das er verloren geglaubt hatte.

"Yash...!", keuchte er überrascht.

Der atemlose Ausruf und das Aufbäumen des Körpers unter ihm ließen Yashs Beherrschung zerbersten. Aufstöhnend ergab er sich dem Wirbel an Hitze und Lust und sackte nur Momente später auf seinem Geliebten zusammen.

Er gönnte sich einige keuchende Atemzüge, ohne sich zu bewegen, dann hob er den Kopf und sah in Andrajs gerötetes Gesicht hinab, während er die Decke wieder höher zog. Vorsichtig und sehr bedacht küsste er die ein wenig wunden Lippen erneut. 'Ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr. Ich will nicht, dass du leidest.'

Andraj zog Yash wieder fest an sich, küsste zurück, aber nur schwach. Beide drehten sich, so dass sie Seite an Seite lagen; dann blickten sie sich an, küssten sich noch einmal, behutsam, um den Moment nicht zu zerstören, bevor Andraj seinen Kopf unter Yashs Kinn drängte und sich dem Locken der Erschöpfung hingab.

Sorgfältig steckte Yash die Decke um sich und seinen Schwertbruder fest, damit dieser nicht von neuem fror. Dann legte er den Arm wieder um ihn und schmiegte das Gesicht in das rotbraune Haar. Er war dankbar für das Vertrauen, dankbar, dass Andraj seine Nähe suchte, anstatt vor ihm zu fliehen und wünschte doch, dass der Grund nicht dessen Verzweiflung wäre. 'Was ist es? Ich verstehe es nicht. Was macht dich so traurig und lässt dich derart an dir zweifeln?'


© by Nika & Pandorah