Illusionen

14.

Die Nacht nach dem Log hatte Najib trotz ihrer aufgewühlten Gefühle tief und fest geschlafen, so müde war sie gewesen. So gut sogar, dass sie den Wecker überhört hatte und ihre Zimmergenossin sie hatte wecken müssen, damit sie ihren Kurs nicht verpasste. Die Informatikprofessorin brachte sie dann auch erst einmal auf andere Gedanken, als sie ihren Studentinnen eine Aufgabe stellte, die ihre gesamte Aufmerksamkeit und einiges an Tüfteleien erforderte.

Najib konnte nicht sagen, dass sie sich unterfordert gefühlt hätte. Nach einem raschen Mittagessen in der Mensa kam die Auswertung und Besprechung des ersten Logs an die Reihe, zu der Najib dachte, nicht allzu viel beitragen zu können, doch sie wurde schnell eines besseren belehrt. Und die Professorin verstand es, die gesamte Einheit wirklich interessant zu gestalten, so dass sie anschließend, als sie in die Wohnheime zurückkehrten, noch hitzig am diskutieren waren.

Erst, als Najib ihre Unterlagen auf dem Schreibtisch in ihrem Zimmer ablegte und dabei feststellte, dass ihre Mitbewohnerin noch nicht wieder zurück war, kam sie dazu, über den vergangenen Abend nachzudenken. Schlagartig kehrten das Kribbeln und die Sehnsucht zurück, und mit ihnen der Wunsch nach mehr Nähe.

/Vergiss es/, dachte sie und streckte sich mit einem tiefen Seufzen, um ihre von den ewigen Stunden des Sitzens verspannten Muskeln ein wenig zu lockern. Sie sehnte sich nach Bewegung und beschloss, noch einmal zu den Sportanlagen zu laufen, um dort den Fitnessraum heimzusuchen.

/Mejdan heiratet ja nicht einmal mehr ein zweites Männchen; und jedes Mal, wenn man sie zusammen sieht, merkt man, dass sie und Shayde sich nah sind./ Andererseits wirkte diese Nähe nicht wie leidenschaftliche Liebe, sondern mehr wie Freundschaft, auch wenn Najib fürchtete, dass sie sich das einredete. Doch Mejdan hatte auch davon gesprochen, dass sie nur wegen Shayde noch einmal heiraten würde, wenn dieser sich allein fühlte. Und sie hatte ihr Komplimente gemacht, sie am vergangenen Abend so eigenartig aus diesen wundervollen Augen angesehen...

"Seit wann bist du so träumerisch veranlagt, Najib?", fragte sie sich spöttisch. "Hast du schon vergessen, dass du dir vorgenommen hast, solche Hoffnungen nicht zuzulassen? Das gibt nur Ärger, und du bist auf das Studium hier angewiesen, wenn du weiterkommen willst. Du kannst es nicht riskieren, dass sie dich rauswerfen." Dennoch holte sie lediglich ein großes Badetuch aus ihrem Schrank, ehe sie das Zimmer verließ und sich auf den Weg zu dem einsamen Strand mit dem kleinen Steg machte. Natürlich nicht, um einfach nur zu baden.

Als sie nach einem halbstündigen Fußweg die versteckte Bucht erreichte, musste sie jedoch enttäuscht feststellen, dass sie wirklich das war, was Mejdan ihr zugesprochen hatte. Sehr verlassen. Niemand war zu sehen, leider inklusive der Professorin. Kopfschüttelnd lachte Najib auf. Was hatte sie erwartet? Dass Mejdan ihren gesamten Tag hier verbrachte und auf sie wartete? Die Ärztin hatte noch einiges mehr zu tun.

Najib beschloss, erst einmal ein paar Bahnen zwischen den Bojen und dem Strand zu schwimmen, sich dabei auszutoben und sich dann in der Sonne trocknen zu lassen, die noch immer schien, obwohl es ihr nach dem anstrengenden Tag sehr viel später vorkam. Sie breitete ihr Handtuch aus, schlüpfte dann rasch aus ihrer engen Hose und dem bauchfreien Top, zog sich nach einem kurzen Zögern ganz aus. Es war wundervoll, das warme Meerwasser ganz ohne Stoff um sich zu spüren, und stumm dankte sie Mejdan dafür, dass diese ihr die Erlaubnis gegeben hatte, hierher zu kommen. Das wohlige Gefühl nahm nur noch zu, nachdem sie eine ganze Weile später auf ihrem Tuch lag, sich die nun schon recht tief stehende Sonne ins Gesicht scheinen ließ und von dunklen, orangefarbenen Augen träumte.

 

Gereizt war noch kein Ausdruck für Mejdans Laune. Der Tag hatte nur Enttäuschungen gebracht und das, obwohl sie mal wieder eine Nachtschicht hinter sich hatte und eigentlich am Vormittag hatte nach Hause fahren und sich ausruhen wollen. Doch dank eines weiteren unangekündigten Fehlerupdates im Log konnte Mejdan ihre Geräte erst am Mittag warten und fiel dann am frühen Nachmittag halbtot in ihr Bett. Nun war die Sonne bereits am Untergehen, als sie mit Kopfschmerzen erwachte und sich einfach nur ausgelaugt fühlte. Außerdem hatte sie wieder einmal von Najib geträumt, und das war ihr auch nicht allzu gut bekommen.

Genervt zog sie eine einfache, dunkelgrüne Hose und ein knappes Shirt über und warf sie sich ein Handtuch über die Schulter. Ohne sich bei Carol abzumelden, wanderte sie durch den kleinen Wald zwischen den Bungalows zu ihrem Strand. Sie genoss die gerade verschwindenden Sonnenstrahlen, genoss es, die leichte Abendbrise zu spüren, die ihr erfrischend und streichelnd durch die Mähne fuhr. Als sie den Strand erreicht hatte, war ihr Ärger schon wieder verflogen.

Mejdan ging, den Blick auf ihre Füße gerichtet, auf den Holzsteg zu, vorsichtig um die Diestelbüschel herum, die diese Stelle so unwegsam machten. Erst als sie in der Nähe des Wassers war, hob sie den Kopf und erstarrte. Najib! Auf einem farbenfrohen Handtuch lag dösend ausgestreckt die schöne Studentin, vollkommen nackt, der weiße Körper leuchtete ihr schon fast aus der Dämmerung entgegen. Und was für ein Körper. Im Labor hatte Mejdan es schon genossen, Najib sehen zu können, ihre schönen Brüste allein, aber hier am Strand wirkte alles noch viel aufregender. Der schlanke Schwanz mit der buschigen Quaste war lasziv über ein Bein gelegt, die Mähne wies noch einige feuchte Strähnen auf, vermutlich war die Studentin wirklich auf Mejdans Angebot, auch hier zu schwimmen, eingegangen. /Verdammt, ich starre sie an! Reiß dich zusammen, reiß dich zusammen!/

Nach einem tiefen Einatmen schlenderte Mejdan auf Najib zu, anstelle zum Holzsteg zu gehen. "Hallo, Najib. Ich habe dich erst in der letzten Minute gesehen. Da haben wir heute wohl beide das Bedürfnis nach einem Bad gehabt, nicht?"

Najib schlug beinahe verwirrt die Augen auf, als sie von der Stimme geweckt wurde, von der sie die ganze Zeit geträumt hatte. Ein breites Lächeln überzog ihr Gesicht, und sie bemerkte erst jetzt wirklich, wie sehr sie Mejdan vermisst hatte. /Ich bin so dumm. So dumm.../ Dennoch gelang es ihr, locker und unbeschwert zu klingen.

"Hallo, Mejdan! Gerade hab ich noch an dich gedacht." Während sie sich aufsetzte, fielen ihr die Anzeichen der Erschöpfung auf, die das schöne, runde Gesicht beherrschten, ein kleiner Zug um den Mund, die leichten Schatten unter den Augen. "Du siehst müde aus. War der Tag anstrengend?", fragte sie mitfühlend.

/An mich gedacht?/ Mejdan breitete ihr Handtuch ein wenig von Najibs entfernt aus und streckte sich dann nickend. "Ja, der Tag war von Shameel nicht so gut behütet für mich. Ich..." Sie zögerte, aber warf dann alle Bedenken über Bord. Das Schlimmste, was ihr passieren konnte, war eine Studentin, die sie nicht mehr als Narkoseärztin wünschte, das ließ sich auch, das wusste sie aus Erfahrung, diskret so einrichten. Sie streifte ihre Hose herunter und holte noch einmal Luft. "Ich habe auch an dich gedacht, Najib."

Mejdan legte den Kopf schief. "Irgendwie in den letzten Tagen ist es passiert, dass ich oft, sehr oft, darüber nachdenken musste, wie... vertraut du mir schon erscheinst. So schnell. Der Kurs hat doch erst vor zwei Wochen begonnen." Mit einer ungeduldigen Bewegung zog sie ihr Shirt über den Kopf und fuhr sich mit einer Hand in die Mähne. Sie lächelte. "Aber entschuldige. Du bist sicherlich hierher gekommen, um deine Ruhe zu haben. Ich gehe erst einmal ins Wasser." Abrupt wendete sie sich ab und ging auf den Steg zu. /Vertraut ist eine gute Umschreibung für sicherer Teil meiner Träume, bei Tag wie bei Nacht./

Die Worte hatten die Sehnsucht in Najib in neue Höhen getrieben, die sich durch Reden und Ansehen nicht stillen ließ; sie hatten zu viel Hoffnungen geweckt, zu viele Fragen nahezu beantwortet und neue aufgeworfen. Ihr Herz schlug schnell wie nach einem Dauerlauf, Hitze floss durch ihren Körper, sammelte sich in ihrem Bauch und ihren Wangen.

Geschmeidig stand sie auf, holte Mejdan mit wenigen Schritten ein und griff nach ihrer Hand, um sie aufzuhalten. So unschuldig wie die Berührung war, ließ sie doch das Feuer in Najib heißer auflodern. Erst jetzt bemerkte sie wirklich, dass auch Mejdan nackt war; ihr Blick glitt über den schönen Rücken und die schlanke Taille, den Hintern und diese traumhaften Beine, ehe er zu ihrem Gesicht zurückkehrte, von dem sie nur die Linie der Wangen und des Kinns sehen konnte.

"Ich bin hierher gekommen, um dich zu sehen", sagte sie leise und schlug den Rest ihrer Vorsicht in den Wind, als sie die andere Hand auf Mejdans Schulter legte und sie den Rücken hinabwandern ließ, um sie dann auf Mejdans Taille ruhen zu lassen. "Weil ich nur noch an dich denken kann."

Alle ihre Hoffnungen waren mit einem Mal schlagartig wahr geworden. So schnell und so unerwartet, dass Mejdan sich davor fürchtete. Sie hatte Angst, sich umzudrehen. Sie spürte, dass sie begann zu zittern, in den Fingern und der Schwanzspitze fing es an, setzte sich in ihrem Körper fort. Mit ihren Fingern zog Najib ein brennende Spur, Verlangen überflutete Mejdans Gedanken und brachte sie dazu, sich umzudrehen.

Sie hatte Luft geholt, für Worte, um zu fragen, sicher zu gehen, doch wie Najib da stand, eine Hand nach ihr ausgestreckt, mit roten Wangen und leicht bebenden Ohren, war Mejdan alles klar; die Erleichterung und dankbare Freude machte jede Angst, jeden Zweifel zunichte. Mit einem kleinen Schritt war sie dicht vor der Studentin und schloss sie fest in die Arme, drückte sie an sich und schmiegte ihr Gesicht an ihre Wange. Genießerisch schloss Mejdan die Augen und spürte Najib, liebte das Gefühl ihrer Haut an sich, das Gefühl ihrer Stärke; allein, wie sich ihr Rücken unter Mejdans streichelnden Finger bewegte, war aufregend zu spüren. Najib hatte es sich herrlich vorgestellt, Mejdan so nah bei sich zu haben, sie zu halten, sie zu spüren. Doch die

Realität war besser, einfach unbeschreiblich und brachte sie dazu, alles zu vergessen bis auf die Frau in ihren Armen. Ihr Duft, nach dem sie sich gesehnt hatte, hüllte sie ein; die weichen Brüste schmiegten sich gegen ihre und sandten ein heißes Prickeln durch sie. Ihre Körper passten so perfekt zueinander, in ihrer Länge, ihrer Kraft, viel besser als die schmalen, zierlichen Männchen. Eine Strähne von Mejdans Mähne kitzelte sie an der Stirn und ließ sie lächeln.

Sacht rieb sie ihre Wange an Mejdans, näherte sich dann mit den Lippen dem vibrierenden Ohr, bis sie es fast berührte. "Du bist eine wundervolle, atemberaubende Frau, Mejdan." Sie löste sich soweit von ihr, dass sie ihr ins Gesicht sehen konnte, doch ein Blick auf die geschlossenen Augen und den leicht geöffneten, schmalen Mund raubte ihr die Dinge, die sie noch hatte sagen wollen. Mit einem Seufzen konnte sie nicht mehr tun, als ihre Lippen auf Mejdans zu legen und sie vorsichtig zu küssen.

Komplimente konnte Najib wirklich gut machen, fast so gut, wie sie küssen konnte. Aufseufzend festigte Mejdan den Griff um Najibs Taille, bevor sie ihren Mund weiter öffnete, um mehr schmecken zu können. Von ganz allein stahl sich ihre Zunge auf die Lippen der anderen Frau. Salz war zu schmecken, von ihrem Bad in der See sicherlich. Es war zudem ein Genuss, jemanden zu küssen, der nicht schwach zusammen sank, jemanden, der gegen hielt, ebenfalls kräftig war und den man nicht mit einem kleinen Ruck an sich ziehen konnte, sondern wirklich verführen musste.

Eine Weile ertastete sie die Lippen von Najib, sinnlicher als ihre, weicher und viel schöner, dann ließ sie vom Mund ab, um sich über die Wangen zu den Augen hin zu tasten. Sie berührte die Lider mit den Lippen, dann kehrte sie zu den Ohren um, dort flüsterte sie leise "Und du bist wunderschön, allein dich um mich zu haben, hat mich schon glücklich gemacht. Das hier..." Sie küsste sie lächelnd noch einmal auf den Mund und schlug die Augen auf, um den Satz lauter zu beenden. "Das hier macht mich euphorisch."

Najib lachte, als das Glück in Tausenden kleiner Bläschen in ihr empor sprudelte, und sie drückte Mejdan enger an sich, ohne den Blick von ihr zu wenden. "Das hier ist fast mehr, als ich jemals nur zu träumen gewagt hatte. Dass es jetzt Wirklichkeit geworden ist, erscheint mir nun auch wie ein Traum."

Sie löste einen Arm von Mejdan, um ihr durch die von der untergehenden Sonne in Gold getauchte Mähne zu streichen, mit einer Fingerspitze zart dem Rand ihres aufgerichteten Ohres zu folgen, das unter der Berührung ein wenig zuckte und sie dann erneut rasch auf die Lippen zu küssen. "Ein Traum, aus dem ich hoffentlich nicht so bald oder wenn möglich nie wieder aufwache."

/Nie wieder.../ Mejdan lächelte ihrem Traum ins Gesicht sehend und zog sie mit einer Hand um den Nacken rasch wieder dichter zu sich, um sie mit dem anderen Arm zu umschließen. "Nein, dann müsste ich ja aus meinem Traum ebenso aufwachen, das will ich nie wieder...", murmelte sie leise nach einem erneuten schnelle Kuss. Sie strich Najibs Arm entlang, um ihre Finger zu umfassen, bevor sie ihre Freundin mit sich zu den Handtüchern zog.

Es war eigentlich schon himmlisch, dort zu liegen, sich anzusehen, den Blicken Berührungen folgen zu lassen, und da sie bereits nackt waren, konnten sie auch schamlos ausnutzen, dass alles bereits unverhüllt sichtbar war. Nach einer Weile wagte Mejdan es, Najibs Busen mit den Fingern leicht zu streicheln, ohne es zufällig aussehen zu lassen. Sie wollte die Studentin gerade auf den Rücken drängen, um den Fingern ihre Lippen folgen zu lassen, als ihr bewusst wurde, wo sie waren.

"Najib?" Mejdan umrundete die fast weiße Brustwarze ihrer Geliebten mit einem Finger und sah ihr in die Augen. "Würdest du mit zu mir kommen wollen? Ich glaube fast, dass mein Zimmer weniger... unbequem wäre." Sie lächelte gewinnend. "Und ich weiß, dass du morgen nicht logen musst."

Najib hatte nicht im Mindesten Lust, jetzt aufzustehen und damit für die nächste Zeit, bis sie zum Bungalow gelaufen waren, darauf verzichten zu müssen, Mejdan anzufassen und von ihr berührt zu werden. Dennoch erwiderte sie das Lächeln, das zusammen mit dem verschmitzten Ausdruck in den orangefarbenen Augen und der Liebkosung ihrer Brust unnachahmliche Schauer durch sie hindurch schickte.

"Gerade jetzt finde ich es hier sehr bequem und wunderschön noch dazu, aber natürlich hast du Recht. Nackt gesehen zu werden, ist eine Sache, das hier..." Sie fing Mejdans Hand ab und zog sie an die Lippen, küsste sie, küsste dann noch einmal diesen unwiderstehlichen Mund und grinste. "Und dein Zimmer ist nicht sandig, was ein großer Vorteil ist."

Das Anziehen gestaltete sich langwieriger, als es eigentlich bei den wenigen Kleidungsstücken möglich war, aber Najib konnte ihre Finger nicht von Mejdan lassen, jetzt wo sie endlich durfte. Und statt vernünftig zu sein, ging Mejdan jedes Mal zu einem gewissen Grad auf ihre Küsse und Umarmungen ein, was sie schließlich zu einem Lachanfall brachte, der sie beide atemlos zurückließ. Hand in Hand liefen sie zu dem kleinen Weg hin, der durch das Distelgestrüpp vom Strand fortführte, und trennten sich erst dann soweit, dass sie genauso gut Freundinnen nach einem gemeinsamen Bad hätten sein können.

Najib musste grinsen, während sie fasziniert die schwungvollen Pendelbewegungen von Mejdans Schwanzquaste verfolgte, die natürlich trocken war. "Ich habe dich doch wahrhaftig vom Schwimmen abgehalten. Das... tut mir nicht im Geringsten leid."

Mejdan warf den Kopf in den Nacken und lachte. "Genau! Dafür kann ich mir sicherlich eine kleine Entschuldigung ausbitten, oder?" Sie zwinkerte Najib ausgelassen zu. Auf ihrer Terrasse fanden sich einige überbackene Gemüseschnitten und eine kleine Flasche Wein im Kühler, da sie Carol nichts gesagt hatte. Nach kurzer Überlegung nahm Mejdan beides mit in ihre Zimmer und winkte Najib, ihr zu folgen.

Da ihr Haus so geschnitten war wie alle der traditionellen Wohnungen der Abd-Jabir, ging sie lediglich schnell voran, bis sie und Najib in ihrem Zimmer ankamen. Mejdan stellte das Essen auf das niedrige Tischchen neben das Bett ab und trat zu den dichten, grüngemusterten Vorhängen, während sie einladend zu ihrem Bad wies. "Wenn du erst einmal das Salz von dir duschen möchtest, Najib, im Bad wirst du alles finden, was du brauchst."

Sie sah sich einmal um und bemerkte, dass Najib ein Gemälde betrachtete, das sie neben dem Bett hängen hatte. Eine Badeszene, die ganz in der Nähe spielen könnte. Sie zeigte einige Weibchen in ein wildes Spiel im seichten Wasser verstrickt, alle nackt. "Das Gemälde ist von einer Freundin aus der Studienzeit. Sie... kann Körper wirklich lebendig darstellen." Kurz überlegte sie vorzuwarnen, denn in dem Vorraum zu ihrem Badezimmer war ein weiteres Bild dieser Frau zu finden, auf dem sich zwei Weibchen küssten. Es war riskant, diese Art Gemälde überhaupt zu besitzen, aber Mejdan liebte das Bild besonders der Erinnerungen wegen, denn eines der Weibchen auf dem Gemälde war sie und der Umstand, der zu seiner Entstehung geführt hatte, sehr persönlich. Sie hoffte nun, dass Najib nicht zu falschen Schlüssen kam.

Najib grinste. "Lebendig, das stimmt allerdings. Und natürlich ist das der einzige Grund, warum du es hier hängen hast." Mit einem leisen Auflachen warf sie Mejdan einen neckenden Blick zu, ehe sie hinter dem ihr gewiesenen Vorhang verschwand. Durch einen weiteren gelangte sie in ein in Grün eingerichtetes Badezimmer, das in seiner formschönen Funktionalität zu Mejdan passte. Dennoch hielt Najib sich nicht lange auf.

Nach einer kurzen Inspektion der Schränke hatte sie die Handtücher entdeckt und duschte nur rasch, fand dabei das Lieblingsduschgel ihrer Freundin, nach dem sie immer roch, wählte aber mit einem Lächeln bewusst ein anderes. Anschließend machte sie sich nicht die Mühe, sich anzuziehen, wickelte sich nur das große Tuch um den Körper, ehe sie das Bad verließ. Erst dann fiel ihr das zweite Gemälde mit den küssenden Weibchen auf. Sie blieb stehen und betrachtete es nachdenklich. Es war nicht ungefährlich für Mejdans Ruf, so etwas in ihren Räumen zu haben, aber es unterstrich Mejdans Persönlichkeit.

/Freundin aus der Studienzeit, hm?/, dachte sie, als sie Mejdan in einer der beiden erkannte, und musste wieder grinsen.

Den Vorhang beiseite schiebend kehrte sie ins Schlafzimmer zurück. Mejdan beugte sich gerade über ein kleines Tischchen, um den Wein in dünnwandige, bauchige Gläser zu gießen, und bot Najib damit einen hübschen Blick auf ihren Hintern und den elegant geschwungenen Schwanz. Mit einem erneut aufflackernden Kribbeln im Bauch trat Najib zu ihr, als sie sich wieder aufrichtete, und umarmte sie von hinten, ohne ihr die Möglichkeit zu geben, die Flasche abzustellen. Sacht biss sie ihr in den Hals und küsste sie gleich darauf auf die Stelle, während sie mit den Fingerspitzen unter das kurze Top glitt, um die weiche Haut des Bauches zu streicheln. "Du bist unwiderstehlich, Mejdan..."

Erschaudernd lehne Mejdan sich zurück, in die Arme ihrer Geliebten und murmelte "Du aber ebenso... fast machst du mir..." Die Wildheit, mit der Najib ihre Zuneigung und ihr Begehren ausdrückte, war neu, unerwartet. Ihre beiden Geliebten zuvor waren zum einen nüchterner und zum anderen viel weniger offen in ihren Gefühlen gewesen. Beide waren bis zum Moment, in dem sie im Bett waren, eher abweisend geblieben. Erst verspätet, lange nach ihrer Trennung hatte die Künstlerin Mejdan die beiden Gemälde geschickt, lange nachdem sie in die Künstlerinnenkommune in die Bergen verschwunden war.

Doch Najib war anders, offener, wilder und fordernder. Mejdan hatte schon in diesen Momenten den deutlichen Eindruck, dass die wunderschöne Studentin auch weitaus mehr verlangen würde als hin und wieder Sex, und mit einem Mal begann die Aussicht auf eine Beziehung mit Najib in Mejdan zugleich ein Hochgefühl und eine prickelnde Unruhe, beinahe Angst zu erzeugen.

Noch während sie den Kopf drehte, um Najibs Lippen mit ihren einfangen zu können, noch während sie hinter sich griff, um ihre Hände unter das ohnehin fallende Handtuch zu schieben, erschauderte sie vor Furcht und Aufregung angesichts des großen Schrittes, den sie wagte. "...fast macht es mir Angst", beendete sie endlich ihren geflüsterten Satz.

Das Geständnis überraschte Najib und ließ sie in ihren Liebkosungen innehalten. Ausgerechnet die selbstsichere, energische Mejdan, die um einige Jahre älter und erfahrener war als sie, sprach von Furcht? Erneut küsste sie die leicht geöffneten Lippen, ehe sie Mejdan zu sich umdrehte, sie an sich drückte und ihr in die Augen sah.

"Warum?", fragte sie leise und küsste sie wieder, sehr zart nur. Es war schwer, damit aufzuhören, wenn man jemanden so sehr begehrte. Und es war gänzlich anders als die wenigen Male, bei denen sie mit Männchen geknutscht hatte.

Atemlos zog Mejdan Najib mit festem Griff enger an sich, die Weinflasche rollte auf den Boden, zum Glück war der Inhalt schon fast vollständig in den Gläsern. Das Handtuch, das den herrlichen Körper ihrer Geliebten versteckt hatte, wurde ungeduldig zwischen zwei weiteren Küssen weggezerrt. Ohne einen weiteren genauen Gedanken fassen zu können, drängte Mejdan Najib zum Bett, auf das sie stolpernd nieder taumelten. Erst nach zwei weiteren langen Küssen schaffte sie es, ein wenig von der überrumpelten Studentin abzulassen. "Darum", murmelte sie und musste lachen. "Ganz allein darum!" Ungeduldig begann sie, an ihrer Kleidung zu zerren.

"Damit kann ich leben." Najib fiel in das Lachen mit ein, während sie ihrer Freundin rasch das Hemdchen über den Kopf zog und ihr gleich drauf half, die Hose abzustreifen. Bewundernd ließ sie ihre Finger über die schönen, kräftigen Beine streichen, dann gemächlich den Schwanz durch eine Hand gleiten. Die weiche Haut strahlte regelrecht Hitze aus, was Najib dazu brachte, sich wieder eng an Mejdan zu schmiegen, um sie am ganzen Körper spüren zu können.

"Mmh, es war eine wirklich fantastische Idee von dir, vom Strand wegzugehen", nuschelte sie, als sie ihren Mund in einem neuen Kuss eroberte.


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by Meike "Pandorah" Ludwig & Jainoh