Kemjalas Plan

23.

Als sich Jessi gähnend strecken wollte, stieß er auf Widerstand. Es war weicher, warmer Widerstand, der sich ein wenig bewegte und atmete und ihn blinzeln ließ, während noch andere Eindrücke sein schlaftrunkenes Bewusstsein erreichten. Das Licht war falsch in Helligkeit und Richtung, der Untergrund fühlte sich unvertraut an, und es roch eigenartig. Eigenartig, aber angenehm und vage bekannt.

Langsam wurde er wacher, bis er sich erinnerte und einordnen konnte, wie und wo und warum er hier lag. Der große Kater hatte einen Arm um ihn gelegt, der ihn nicht gehen ließ, aber Jessi hatte ohnehin keine Lust, sich zu rühren. Stattdessen schloss er die Augen erneut, vergrub das Gesicht wieder in dem weichen Fell unter sich und überlegte, dass es eine interessante Verbindung war, dieser kuschelige Pelz und darunter die harten Muskeln. Er hätte nicht gedacht, dass sich ein anderes Wesen so gut anfühlen konnte.

Leise und wohlig seufzte er auf, während ihm nach und nach bewusst wurde, wo er den Kater überall spürte. An seinen Beinen, seinem Bauch, seiner Brust. Im Gesicht und die Hand auf seinem Rücken. Ihm fiel auf, dass er es vermisst hatte. Chiriko hatte ihn manchmal gehalten, und sie hatten sich gegenseitig Trost gespendet, wenn mal wieder alles schief gelaufen war. Aber Chiriko war Chiriko gewesen, allzu oft hatte sie keine Lust auf Nähe gehabt. Und jetzt war sie tot, weil die Droge, die sie zum Schluss gebraucht hatte, nicht billig war und sie es mit irgendeinem Ersatzstoff versucht hatte.

Jessi verdrängte den Gedanken, er war zu trüb für das angenehmste Aufwachen seit langem. Langsam ließ er seine Hand durch Finns Bauchfell gleiten, das sich besonders weich anfühlte, und überlegte dann, dass es vielleicht keine besonders gute Idee war. Der Kater würde vermutlich in anderen Bahnen denken als das bloße, schöne Gefühl der Haare an seiner Haut. /Warum will er mich nur? Das klappt nicht. Das geht nicht. Ich hab es wirklich oft genug versucht./ Trotzdem konnte er sich nicht dazu bringen, mit dem Streicheln aufzuhören.

/Aber wenn er mich wirklich will... wenn er mag... ich glaube, es könnte auch schön sein, einfach weil es ihm gefällt. Es ist ja nicht so, als ob es weh tun würde. Es macht nur gar nichts. Abwarten, bis der andere fertig war, mehr ist es ja nicht. Aber wenn er es mit mir macht... ich mag seine Berührung. Vielleicht mag ich auch das. Wenn er sich damit anfreunden kann, dass von mir nun mal kaum eine Reaktion kommt./

Flüchtig streifte er den Gedanken, dass er vielleicht einfach aufstehen sollte, sich energisch von dem Kater freimachen. Immerhin hatte er Geld bekommen, um ihn zum Herzen zu bringen, und das würde er; doch von mehr war nicht die Rede gewesen.

Aber es ging nicht um das Geld. Oder überhaupt um Geld. Er war hier, weil Finn ihn eingeladen hatte. Weil er angenommen hatte. Und es fühlte sich viel zu gut an. /Dummkopf/, dachte er träge und vergrub seine Nase noch ein wenig tiefer in dem Fell.

Jessi war noch da. Es bedeutete Finn viel mehr, als er gedacht hätte. Der rote Schopf lag noch immer wirr verteilt auf seiner Brust, und warmer Atem strich durch sein Fell, vor allem dort, wo es ihn kitzelte. Unwillkürlich begann Finn zu lachen, leise nur, aber sein Körper und der darauf liegende Jessi wurden durchgeschüttelt.

Jessi kicherte, auch wenn er keine Ahnung hatte, warum der Kater lachte. Vielleicht war er kitzlig. Er hob den Kopf und sah ihn an; seine Augen blitzten fröhlich, als er seine Theorie auszutesten begann und die Bewegungen seiner Hand auf Finns Bauch verstärkte, eher in dem Bemühen, ihn noch mehr zum Lachen zu bringen, als ihn zu streicheln. "Guten Morgen, Kater."

Finn wand sich, übertrieb es sogar als Show für Jessi noch ein wenig und lachte nun lauter. Endlich schob er den leichten, warmen Körper ein wenig von sich und streckte sich von den Fingerspitzen bis zu den Zehen systematisch durch. Er erwischte sich dabei, dass er mit den Fingern in das Kissen krempelte und verbot sich dieses infantile Getue sogleich wieder. Dann wendete er sich Jessi zu. "Guten Morgen, Dieb." Sein Blick glitt über das fröhliche Gesicht, und er befand, dass er ihm in diesem Zustand weitaus besser gefiel. Zudem war der Geruch nach Kunst noch weiter verschwunden.

"Du bist sehr hübsch, die weiße Haut. Überall so weich und überall so kühl und perfekt." Finn ließ die Finger mit vorsichtig eingezogenen Krallen über Jessis Rücken streichen, folgte seiner Wirbelsäule bis er am Hintern anlangte. Nachdenklich schob er die Decke fort und legte seine Hand dann an Jessis Rippen. "Du bist mir allerdings ein wenig zu mager, Dieb. Ich sollte dich wirklich mehr füttern."

Dennoch, der Körper gefiel ihm, stetig wurde das Begehren danach größer. Einzig Jessis Untätigkeit minderte sein Verlangen auch in diesem Augenblick erneut, so dass Finn nicht zu wildem Liebesspiel überging, stattdessen den Rücken erneut mit den Fingern entlang fuhr. "Du hast gut geschlafen?"

"Sehr gut sogar. Ich mag es wirklich, wie du riechst." Jessi grinste und sah in das kantige Gesicht hinab, dessen schöner, gerader Mund ihn an Küsse denken ließ. Jetzt, wo er eine lange, angenehme Nacht mit viel Schlaf hinter sich hatte, sah die Welt noch besser aus als zuvor, und seine Unsicherheit war verschwunden. Zudem waren Finns sanfte Liebkosungen auf seinem Rücken wieder von den Ameisen begleitet, die sich am Tag davor schon in seinem Magen breit gemacht hatten. Es kribbelte, und er konnte genau sagen, wo überall der Kater ihn bereits berührt hatte und wo noch nicht. Mit einem leisen Seufzen presste er sich ein wenig enger an den kräftigen Körper unter sich. /Ich glaube, er will mich noch immer./

Ein wenig verwirrt bemerkte er, dass Finns Gesicht näher gekommen war, bis er feststellte, dass er und nicht der Kater sich bewegt hatte. "Ich will wissen, wie du schmeckst, wenn du schon so gut riechst", murmelte er und berührte zaghaft die weichen Lippen mit seinen.

Überraschter hätte Finn nicht sein können. Der Kleine machte ihm nicht nur Komplimente, sondern auch Avancen. Nachdem er den vorsichtigen Kuss für eine Weile ebenso vorsichtig und zaghaft erwidert hatte, verlor er doch gegen das Bedürfnis, mehr von Jessi zu schmecken, ihn zu spüren, viel mehr.

Er schob seine Hände um die schmalen Schultern des anderen herum und zog ihn näher, rollte sich zugleich über ihn. Mit deutlich mehr Druck und wesentlich fordernder begann er, Jessi zu küssen, begann, seinen Mund mit den Lippen zu erforschen, Einlass zu verlangen. Er schob sein Knie zwischen Jessis Beine. Mit der freien Hand streichelte er über die Hüften und Flanken, bis zu Jessis Po und von dort wieder aufwärts.

Für einen Moment war Jessi erschrocken, was für eine Reaktion sein Kuss hervorrief, doch dann seufzte er erneut leise auf und ergab sich ganz den verwirrenden Gefühlen, die Finn bei ihm hervorrief und die er so noch nie gespürt hatte. Das Gewicht auf ihm war angenehm, ohne ihn zu erdrücken; es ließ ihn den Kater noch viel deutlicher spüren. Das Bein zwischen seinen schickte die Ameisen durch seinen gesamten Körper, ebenso wie Finns fordernde Zunge, die nach einer Antwort verlangte. Er öffnete sich ihm und ließ ihn ein. Wieder gab er einen kleinen Laut von sich, als der Ansturm des Katers verbunden mit seinem Geschmack ihn schwindlig werden ließ, obwohl er doch lag. Er schlang die Arme um ihn und drückte ihn an sich.

Es war zum Verrücktwerden schön.

Finn seufzte auf. Es war tatsächlich so gut, wie er es vermutet hatte. Seine Instinkte hatten ihn in Bezug auf Liebhaber noch nie betrogen. Seine Erfahrung verriet ihm, dass der Kleine unter ihm gerade daran nicht allzu viel zu haben schien. Regelrecht überfahren schien er ihm zu sein.

Misstrauisch lauschte Finn, ob es den Anschein hatte, als würde Jessi ihn nicht gern küssen. Doch den hatte es nicht. Schlanke Arme hatten sich um seinen Hals gelegt, zogen ihn dichter herab, lenkten ihn noch mehr zu dem süßen Gesicht hin. Und zu diesem herrlich weichen Mund. Jessi hatte schon beim bloßen Ansehen einen schmolligen Mund mit weicher Unterlippe, die jede Form von bösem Blick in ein laszives Schmollen verwandelt hatte.

Finn musste grinsen, während er über eben diese Unterlippe leckte, bevor er seine Zunge darüber hinaus gegen kleine, runde Zähne und schließlich gegen Jessis Zunge und die weiche Haut am Gaumen streichen ließ.

Er war ohnehin erregt. Allein der Gedanke an Jessi hatte ihn vermutlich schon im Halbschlaf während des Erwachens in den Zustand der Vorfreude versetzt; nun gab er sich auch keinerlei Mühe, seine Erregung vor dem anderen zu verbergen, er lag ohnehin quasi auf ihm drauf. Allerdings ging er auch nicht weiter, da er nicht wollte, dass Jessi sich überrannt fühlte, jedenfalls nicht mehr überrannt, als er es ohnehin schon war.

Stattdessen streichelte er Jessi einfach weiter, ohne ihn aufzufordern. Mit seinem ganzen Körper versuchte er, ihn mit Zärtlichkeiten zu bedenken, die ihm genauso sehr Freude bereiteten, wie sie Jessi gefallen sollten, jedenfalls hoffte er es.

Mit einem Mal hatte Jessi das Gefühl, nicht mehr genügend Atem zu bekommen. Zwar wollte er sich nicht von dem Kater trennen, wollte nicht dieses berauschende Prickeln verlieren, das in ihm erwachte, doch er drehte den Kopf leicht weg und schnappte hilflos nach Luft. Er verstand nicht, was der andere mit ihm machte, noch nie zuvor hatte er sich so gefühlt. Niemals zuvor hatte er sich so sehnsüchtig gewünscht, jemanden zu berühren und mehr von ihm zu bekommen; niemals so sehr, angefasst zu werden.

/Das ist... verrückt... ich kann nicht... das geht nicht... ist unmöglich.../ Deutlich konnte er die Erregung des Katers spüren, der sich gegen ihn drückte, und das erste Mal war es ihm nicht egal. Das erste Mal hatte er keine Gedanken, die darauf hinausliefen, dass er Zeit verschwendete und der andere sich beeilen sollte, damit es schnell vorbei war. /...so schön. Auch wenn es hier für mich aufhört. So schön.../

"Finn", flüsterte er atemlos, während seine Hände begannen, den kräftigen Rücken des Katers zu erforschen, die Muskeln zu erkunden, den Verlauf des Rückgrats, die leichten Wellen der Rippen unter dem weichen Fell. "Das ist... so schön..."

Finn vernahm die atemlose Stimme und war nun wirklich der Meinung, dass der Kleine ein Geschenk an ihn sein musste. Das leise Keuchen, die Hitze, die zwischen ihren Körpern entstanden war und die ihn erforschenden Hände erregten ihn mehr, als er eigentlich schon wollt.

Rasch stützte er sich neben Jessis Kopf auf und kniete sich links und rechts von seinen Beinen auf die Matratze. Ein so herrlicher Anblick, wie Sahne mit Erdbeeren, wie die perfekte Versuchung. Das helle Gesicht war ein wenig feucht, wie auch der Körper. Seine Brust hob und senkte sich schnell, und die schlanken Hände verharrten noch auf Finns Schultern.

Aber Finn wusste es schon, bevor er es sah; sein Schatz war zwar innerlich erregt, aber nach außen hin nicht, nicht was seinen Körper anging jedenfalls. /Schön ist es wohl, aber noch nicht schön genug, nicht? Ob er gar nicht kommen kann? Den Rausch genießen? LeRoux, dieses Schwein, wird auch dafür büßen!/ Seine Hände ballten sich zu Fäusten, doch er kontrollierte seine Emotionen und sah Jessi stattdessen in die Augen, während er den Kopf über seine Brust senkte, um den Rippen abwechselnd mit der Zunge zu folgen.

Jessi schmeckte nicht salzig wie ein verschwitzter Mensch, sondern eher wie das Kondenswasser an der Außenseite einer gekühlten Flasche. Erfrischend und leicht, es gefiel Finn, und er fuhr deswegen fort, strich mit der Zunge weiter über den Hals, die Brust hinab und den Bauch entlang. Seine Finger wanderten Jessi währenddessen durch die Haare, über die Schultern und dann seiner Bewegung folgend an den Seiten abwärts.

Jessi hatte niemals geglaubt, dass er zu einer solchen Vielfalt von Gefühlen fähig war. Verstärkt wurde es noch dadurch, dass der Kater ihn mit seinen hellblauen Augen ansah, kühl wie Eis in der Farbe und doch von einer Hitze, die ihn verbrannte. Langsam registrierte Jessi, dass er sich bemühte, ihm wirklich Lust zu schenken. Dass er nicht aufgab, weil nichts geschah. Er gab sich Mühe und machte nicht einfach weiter, bis er fertig war, obwohl er wusste, dass es vergeblich war. /Nein, ist es nicht... ich fühle mich... es ist so.../ Jetzt mehr denn je wollte er ihm etwas zurückgeben dafür.

"Finn..." Er richtete sich halb auf und zog ihn an sich, bis der Kater erneut auf ihm lag und küsste ihn wieder auf den Mund, lange und heftig, während er ihm die Beine um die Hüften schlang, um ihn enger, dichter zu spüren.

"Willst du mich?", fragte er heiser, fühlte die Hitze zwischen ihnen, die von Finn ausging; und für einen Moment konnte er sie auch spüren, in sich. Leise, fast erschrocken keuchte er auf.

Finn stockte in der Bewegung. Er ließ den Kuss zu, aber hob den Kopf erneut, um in Jessis Augen zu blicken. "Püppchen, natürlich will ich dich, wie kann einer dich nicht wollen?" Besorgt legte er sich, von Jessis Bewegungen quasi dazu gezwungen wieder auf ihn. "Aber nicht, wenn du es nicht magst. Wenn du es machst, damit ich endlich fertig werde, dann vergiss die Tour. Dann sag, dass ich aufhören soll, und genau das werde ich dann tun. Ich bin zwar ein Kater, aber ich kann auch mal hören, wenn es darauf ankommt", scherzte er und küsste Jessi rasch auf den Mund, bevor er durch den Druck von Jessis Beinen an ihn gepresst ächzte "Allerdings, wenn du so weiter machst..."

Jessi musste kichern, sowohl über den Scherz als auch über die prompt folgende Einschränkung. Dass er eine solche Wirkung auf den Kater hatte, machte ihn glücklich. Wieder küsste er ihn, konnte gar nicht genug von dem herben Geschmack bekommen, der ihn süchtig machte, während er sich aufreizend gegen Finn zu bewegen begann.

"Ich will nicht, dass du endlich fertig wirst", murmelte er gegen seine Lippen, ließ eine Hand über den felligen Rücken nach unten wandern, bis er den Schwanzansatz fand und auszutesten begann, wie empfindlich Finn dort war. "Aber es ist so wunderschön für mich, wie es noch nie war. Ich will, dass es auch wunderschön für dich ist, Kater."

"Wunderschön?" Finn wollte noch etwas anderes sagen, als die geschickten Finger des kleinen Diebs seine empfindlichste Stelle gleich am Schwanzansatz fanden. Er streckte sich überrascht, unwillkürlich fuhren seine Krallen heraus und gruben sich neben dem Gesicht seines Geliebten in das Kissen. Hilflos stöhnte Finn auf, und dazu begann Jessi auch noch, seinen Schoss zu reiben, ihn damit in den Wahnsinn zu treiben. "Jessi... hör auf, hör auf... ich..."

Finn war verloren, als Jessi ihn mit einem tiefen Kuss zum Verstummen brachte. Er ergab sich, erreichte den Höhepunkt gleich darauf. Erschöpft brach er zusammen und rollte sich schnell genug von Jessi herunter, um ihn nicht zu erdrücken.

Jessi lächelte, wenn er ihn auch gerne noch länger auf sich gespürt hätte. Er mochte das Gewicht des Katers auf sich. Doch mit Finns Aufbäumen war auch durch ihn eine kleine Erleichterung gefahren, als hätte er ihn irgendwie teilnehmen lassen. Einfach, weil es so schön war. Jessi war sehr zufrieden mit sich.

"Verdammt noch mal! Das war so was von unfair! Du kleines Aas!" Finn lachte, er konnte nicht anders, als er in Jessis verschwitztes, aber fröhliches Gesicht blickte. "Frech ist er auch noch, auch noch im Bett. Ob ich das durchgehen lassen kann?"

Jessi fiel in sein Lachen mit ein und rollte sich wieder dichter zu ihm, um ihm einen übermütigen, kurzen Kuss zu geben. "Ich wusste ja nicht, dass du so empfindlich dort bist, Kater! Es war eine sehr interessante Entdeckung, und ich werde sie bestimmt ausnutzen. Wenn du überhaupt noch mal willst." Er grinste. "Und jetzt hätte ich gerne die heiße Dusche, die ich gestern nicht genommen habe."

Finn seufzte und gähnte. Er hätte sich gern ein wenig ausgestreckt, aber Jessi nun loslassen, ihn nicht mehr halten, konnte er sich gerade nicht vorstellen, und sein Freund kletterte bereits aus dem Bett. "Warte. Ich komme mit. Dich, nass und nackt und bei Licht, lasse ich mir nicht entgehen."

Er umarmte Jessi von hinten und küsste sein Ohr entlang, dann sagte er leise "Ich will dich natürlich nicht nur wieder, sondern jetzt noch viel mehr als zuvor. Du bist herrlich, und solange es dir Freude bereitet, mit mir zusammen zu sein, bereitet es mir auch Freude." Er grinste hinter Jessis Rücken. /Freude ist eine gute Umschreibung für verdammt guten Sex. Und das, obwohl wir gar nicht viel gemacht haben./

Jessi erschauerte ein wenig und lehnte sich an Finn; er lächelte, als er die Wärme und das feuchte Fell des Katers in seinem Rücken spürte, die starken Arme um sich. Sacht streichelte er über die Unterarme, deren unterer Teil so glatt war und legte dann seine schmalen Hände über Finns große.

"Ich bin glücklich", sagte er leise. "So glücklich, wie ich es noch nie war, glaube ich." Aber wie lange würde es dauern, bis Finn mehr wollte? Reaktionen im Bett von ihm? Oder Gefühle... tiefere Gefühle. Hastig drängte er die dunklen Gedanken beiseite, sie waren nicht für einen Morgen wie diesen geschaffen. In dem Moment hielt Finn ihn, und so wollte er glücklich bleiben.

"Ausgezeichnet. Du wirst zwar nicht riechen, aber dafür ich. Lass uns duschen gehen." /Und ich werde dich einseifen und streicheln und diesen süßen Hintern ein wenig massieren und.../ Überrascht stellte Finn fest, dass er auch gut und gern gleich im Bett weitermachen konnte und entschuldigte sich bei Jessi, um vor ihm ins Bad zu gehen, wo er sich zuerst ein wenig kalt abduschen wollte.

Der kleine Dieb kam zu ihm unter das warme Wasser, das er schnell umgestellt hatte und benahm sich durchaus sehr vertrauensvoll. Langsam begann Finn, den schmalen Körper einzuseifen, der Duft würde ohnehin nicht haften; er tat es einfach, um die glatte Haut noch ein wenig spüren zu können.

Jessis Haare zu waschen, seine süßen Ohren zu necken, ihn zu küssen, seinen Hintern zu streicheln, ihn an sich zu drücken, ihn in den Nacken zu nippen, mit den Zähnen eben zu schrappen, bis Jessi leise stöhnte und erschauderte. Das gefiel Finn besonders, dieses leichte Erschaudern, das er hier und dort hervorrufen konnte, indem er eine Stelle streichelte, eine andere massierte; er begann sich zu merken, welche Stellen bei Jessi empfindlicher zu sein schienen als die anderen.

Dass es ihn unpassenderweise erneut nicht wenig erregte, seinen süßen Schatz zu verwöhnen, ignorierte Finn einfach. Es war eine normale Reaktion. Wer auf solch einen Körper gleichgültig reagierte, der musste ein Klotz sein.

Finn schaffte es schon wieder, die Ameisen in ihm zu erwecken. Jessi keuchte leise auf und genoss diese vollkommen neue Erfahrung, während er sich an den starken Körper lehnte, dessen Kraft und Geschmeidigkeit jetzt erst richtig zu sehen waren, wo das Wasser das Fell an ihm kleben ließ und jeden Muskel, jede Vertiefung um so deutlicher hervorhob.

Glücklich lächelte er, als er Finns Erregung an seinem Bauch spürte, während seine Hände wie von allein über den Rücken des Katers, nach vorne zu seinem Bauch und der Brust wanderten; er wollte ihn kennen lernen, wollte lernen, was Finn besonders gefiel. Mit geschlossenen Augen küsste er Finns Hals, knabberte daran und streichelte ihn mit der Zunge, genoss den Geschmack, der durch das Wasser nicht so intensiv, aber immer noch deutlich war.

Finn knurrte nun doch in dumpfer Tonlage. Er mochte sich eigentlich nicht wie eine Katze benehmen, aber verfiel angesichts dieses Ansturms an Wohltaten unweigerlich in dieses Benehmen und hoffte nur, dass er Jessi nicht damit erschreckte.

Seine Gedanken reduzierten sich nun jedoch darauf, einmal herauszufinden, was der Kleine mochte, noch mehr mochte, als das, was sie im Bett schon getan hatten. Von Jessis freier Art, von seinem Lächeln und von der Aktion, die er so freimütig ergriff, motiviert, begann Finn nun, ihn direkter anzufassen. Immerhin waren es Jessis Hände gewesen, die zuerst mit intimeren Berührungen begonnen hatten.

Finn lehnte sich an die Wand zurück und umfasste Jessis Hintern, um ihn gegen sich zu ziehen, ihn nicht allzu sanft zu streicheln und zudem um seinen Nacken erreichen zu können. Sachte biss er an den Schultern entlang und saugte an dem zarten Hals, lauschte dabei stets auf Jessi, darauf, wie er reagierte.

Jessis Atem beschleunigte sich noch weiter, er fühlte sich ganz schwach von den Gefühlen, die durch ihn hindurch fluteten. Die leichten Bisse an Schulter, Hals und Nacken ließen ihn schwindlig werden, und die Hände auf seinem Po berührten ihn so richtig, so gut, dass er nicht anders konnte, als leise aufzustöhnen. Finns Hitze schien sich auf ihn auszudehnen und ihn zu entzünden; das tiefe Grollen vibrierte tief in ihm wieder und brachte Seiten in ihm zum Schwingen, die er nie gekannt hatte.

Jessi vergaß, dass sie unter der Dusche waren, vergaß überhaupt alles, was nicht mit dem Kater zu tun hatte, als er sich hilflos nach Luft schnappend gegen ihn presste und mit jedem Atemzug kleine Laute des Wohlbehagens und der Lust ausstieß.

Finn fühlte eine Mischung aus Stolz und Erregung. Stolz, weil er es anscheinend geschafft hatte, den kleinen Dieb fühlen zu lassen und ihm zu zeigen, dass es nicht nur leer und langweilig für ihn sein musste, wenn jemand anderes ihn berührte. Zum anderen erregte ihn das Keuchen und sich Winden seines Geliebten. Diese unverständlichen Halbwörter und Geräusche aus Jessis Kehle ließen ihn erschaudern und führten dazu, dass er ihn nur noch mehr wollte.

Sachte drehte er Jessi ein wenig, so dass er seinen Bauch hinab und, noch mutiger geworden, zwischen seine Beine streicheln konnte. Er kämmte ihm leicht durch kurze Schamhaar, typisch für eine Kreation abgezirkelt genau dort wachsend, wo es dekorativ wirkte. Verspielt probierte Finn aus, wie weit Jessi ihn gehen lassen würde. Während er seinen Geliebten berührte, küsste er ihn erneut auf den Mund, drängte sich mit der Zunge an die Lippen, um ihn auch zu schmecken und um diese Laute, die Jessi mehr und mittlerweile auch lauter ausstieß, spüren zu können.

Er selber konnte sich ebenfalls kaum mehr zurückhalten und drängte sich an seinen Rücken und Po heran. Auch der Gedanke, dass er doch wirklich nicht schon wieder derart berauscht sein konnte, nicht so rasch nach dem letzten Mal, half ihm wirklich ganz und gar nicht weiter.

Jessi war verloren; er konnte nicht mehr denken, nur noch fühlen, konnte Finn nicht einmal mehr zurückgeben, was dieser ihm schenkte. Er suchte nach Halt, fand ihn in Finns Armen und klammerte sich an ihn, während seine Welt von etwas Atemberaubenden ausgelöscht wurde, das in kleinen Explosionen durch ihn hindurch zu jagen begann, sich immer weiter verstärkte, bis sich alles auflöste und nur noch ein Feuerwerk an Gefühlen zurückließ. Jessi hörte sich aufschreien vor Lust, spürte, wie sein Körper durchgeschüttelt wurde, von Wellen erfasst, die nur langsam abflauten und ihn sanft zurück in die Wirklichkeit brachten.

Finn war von Jessi mitgerissen worden und brauchte selber einige Momente, um Atmen zu schöpfen. Leise lachend streichelte er seinen kleinen Dieb. "Wenn du nicht fühlen kannst, mein Süßer, wer dann?"

Jessi klammerte sich noch immer an ihn, lauschte auf das Lachen in Finn und fiel schließlich selber mit ein. Er fühlte sich so ausgeglichen, so wundervoll wie noch nie zuvor in seinem Leben. Sich ein wenig von ihm lösend, sah er ihn an und in die leuchtenden, vergnügten Augen und spürte, wie sein Herz auf ganz eigenartige Weise zu schlagen begann, sich so seltsam anfühlte und so tief wie noch niemals davor. Rasch schlang er die Arme um den Hals des Katers und küsste ihn noch einmal, ehe er ihn wieder anschaute und erneut lachte.

Sie trockneten sich gegenseitig ab, und Finn aalte sich in der Freude, die in dem Gesicht seines Geliebten stand. Gemeinsam gingen sie in den Park, und dieses Mal war es eher so, dass Jessi freiwillig in Finns Arm blieb.

Während er ihn mit Brot und Tee abfütterte und seine Finger nicht von ihm lassen konnte, beschloss Finn, alles über dieses verdammte Hivosh herauszubekommen, von dem sein Schatz so abhängig war. Die einzige Person, die ihm dazu einfiel, war noch immer Tarlant, und so lautete sein nächstes Ziel auf jeden Fall die Arche. "Ich muss bald zur Arbeit. Willst du im Hotelzimmer ausruhen, solange ich fort bin, mein Püppchen?"

Jessi empfand Enttäuschung, dass er ihn jetzt schon allein lassen wollte, doch Arbeit war Arbeit. Und nur, weil er das letzte Geld so problemlos bekommen hatte, hieß das nicht, dass er sich in Zukunft auf die faule Haut legen konnte. Er selber musste sehen, dass er wieder welches für die nächste Portion Hivosh bekam.

Er seufzte leise und schmiegte sich an ihn. "Schade. Aber du hast recht, irgendwie muss man ja sein Geld zusammen bekommen. Ich werde mich auch dranmachen, welches zu verdienen." Dann zog er die Brauen ein wenig unwillig zusammen und sah zu Finn hoch. "Und nenn mich nicht Püppchen. Bleib meinetwegen bei Sahne und sonstigen Kosewörtern, aber nicht Püppchen."

Finn lachte auf und wuschelte ihm durch die Haare. Das Kopftuch lag irgendwo im Zimmer, unter dem Mantel vermutlich. Finn hatte seinen Schatz überredet, dass er beides nicht brauchen würde. /Sahnepüppchen... oh, oh, er würde mich erschlagen, so wütend, wie er mich anschaut gerade./ Finn lachte erneut auf und küsste Jessi auf den schmolligen Mund. "Alles, was du willst, mein Schatz. Aber mit verdienen meinst du doch nicht etwa wieder stehlen? Wenn das so ist, dann würde ich dich nur sehr ungern aus dem Zimmer lassen, Jessi. Ich will nicht, dass dir etwas zustößt."

Traurig überlegte er, dass es gar keinen Zweck hatte, Jessi zu überreden, denn der Kleine war es gewohnt, für sich selber zu entscheiden und würde dies mit Sicherheit tun, egal was Finn ihm sagte. Finn hob den Kopf. Nicht ganz egal. "Du brauchst nicht stehlen, Jessi. Wenn du mit ehrlicher Arbeit beginnst, dann gebe ich dir die Summe, die dir am Ende noch fehlt. Wie ist das?"

Jessi unterdrückte seine erste Reaktion, ein abfälliges Schnauben, gerade noch rechtzeitig. Finn meinte es gut, dessen war er sich sicher, und er wollte ihn nicht verletzen, indem er den Wert seines Angebotes auf diese Art hinabsetzte. Stattdessen lehnte er sich wieder ganz an den Kater und kuschelte sich in seinen Arm, während er nachdenklich auf die von kleinen, bunten Blumen durchsetzte Wiese starrte. Lieb gemeint war es, aber nicht akzeptabel.

"Mir geschieht so schnell nichts, Kater", begann er, hoffend, dass er die Sorgen zumindest ein wenig zerstreuen konnte. "Dass du mich erwischt hast, war ein dummer Zufall, der so schnell nicht wieder passiert. Glaub mir, das ist selten." Er musste grinsen und sah kurz zu ihm hoch. "Auch wenn ich in dem Fall beileibe nicht unglücklich darüber bin."

Wieder ernster fuhr er fort "Aber so lieb dein Angebot gemeint ist, ich kann es nicht annehmen. Finn, ich könnte dir das Geld nie zurückgeben. Du müsstest wirklich viel zu viel draufzahlen. Erstens belastet das dich zu sehr, so viel verdienst du nicht. Zudem kann ich nichts anderes als stehlen, und die Jobs, die ich erledigen könnte, die bringen nicht mal annähernd etwas ein, das auch nur in einem erwägenswertem Verhältnis steht. Als Tellerwäscher reicht es vielleicht zum Überleben, aber mehr auch nicht. Und..." Er druckste etwas herum, zögerte und sprach es dann doch aus. "So tief möchte ich einfach nicht in deiner Schuld stehen, verstehst du?"

Er konnte einfach nicht anders. Es als Geschenk anzunehmen, war ein Ding der Unmöglichkeit. Die große Summe, die Finn ihm vorgeschossen hatte, war ein Geschäft; die Strecke zum Herzen war gefährlich genug, um sie zu rechtfertigen. Aber für alles darüber hinaus würde der Kater auf diesem Weg, den er vorgeschlagen hatte, nichts zurückbekommen. Jessi würde sich vorkommen, als würde er ihn ausnutzen. Und das konnte er nicht. Dazu mochte er ihn zu gerne.

Finn seufzte und festigte den Griff um Jessis Schultern, als würde er befürchten, dass sein Schatz bei dem, was er gleich sagen würde, fortlaufen könnte. "Jessi, ich habe dich sehr gern, mehr als nur sehr gern. Man kann sagen, ich hab mich in dich verschossen. Ich verstehe deine Notlage, die Lage, aus der du zuvor nicht herausgekommen bist, aber ich werde niemanden an meiner Seite akzeptieren, der unehrlich ist. Das bin ich nicht, war ich nie, und den Gedanken könnte ich nicht ertragen."

Er sah auf den roten Haarschopf herunter und seufzte innerlich. "Die letzten Fünftausend kamen nicht von mir, sondern von meinem Besitzer. Er hat ohnehin mehr als genug und hat mir einen nicht kleinen Anteil des Geldes zur freien Verfügung gestellt. Das zum letzten Argument. Zu deinem ersten sage ich nur, dass es Glück, sehr großes Glück war, dass dich niemand umgebracht hat. Zudem weiß ich nicht, wie du dir eine Zukunft vorstellst, die abhängig von Diebstahl, von Glück und noch mal und wieder und immer wieder nur Glück ist. Du wirst erwischt werden, früher oder später, und das will ich nicht. Weder dass du erwischt wirst, noch dass du frei, aber unehrlich bist, kann ich ertragen."

Er schloss seine Augen kurz, aber sein Tonfall änderte sich von der Ruhe und Festigkeit nicht weg, als er abschließend sagte "Du hörst mit dem Stehlen auf, wenn nicht für mich, dann um deinetwillen. Ansonsten, Jessi, wenn ich dich auch nur ein einziges weiteres Mal mit gestohlenen Dingen oder Karten von Fremden erwische, kannst du deine Beziehung zu mir in jeder Hinsicht als gestorben betrachten." Steif stand er auf und drehte sich um. "Lass uns zum Hotel gehen. Wenn du dir einen Job suchen willst, dann solltest du bald zur Stelle im Inneren der Stadt gehen."

Jessi biss die Zähne so fest aufeinander, dass es schmerzte. Er grub die Fingernägel in die Handflächen, doch es half nicht viel, Finns Worte taten trotzdem weh, jedes einzelne von ihnen. Das ganze Glücksgefühl, das er eben noch empfunden hatte, die Sicherheit, die von dem großen Kater auszugehen schien, die Wärme, die Zuneigung, all das schien mit einem Schlag verschwunden.

Blinzelnd kämpfte er gegen die Tränen an, die sich plötzlich in seine Augen schleichen wollten, während er mühsam aufstand. Wären seine Sachen nicht noch bei Finn gewesen, hätte er sich umgedreht und wäre gegangen. /Ist mir doch egal, was er von mir denkt. Es war kein Glück, dass ich bis jetzt überlebt habe. Am Anfang vielleicht, aber jetzt, jetzt ist es Können. Ich weiß, was ich tue, und ich tue es gut./ Aber das war eigentlich egal. /Er mag mich nur zu seinen Bedingungen. Wenn ich nicht mache, was er sagt, lässt er mich fallen. Klasse. Aber ich habe dich nicht nötig, Kater! Verschossen. Ha. Du vielleicht./ Er hätte nicht gedacht, dass er einmal dankbar darüber sein konnte, dass es ihm nicht möglich war zu lieben, doch das war er. Der Gedanke, sich jetzt von Finn zu trennen, tat auch so schon scheußlich weh.

Er steckte die Hände in die Hosentaschen und wünschte sich, wenigstens seinen Mantel da zu haben, um sich darin einzuwickeln, darin zu verstecken. "Eine Nacht zusammen und etwas Sex sind noch keine Beziehung, Kater."

Finn fuhr herum, und seine Augen blitzten. "Zum Stehlen sollen Lügen dazukommen, Jessi?" Als er sah, dass Jessi in Wirklichkeit jedoch nicht wütend und verletzend sein wollte, sondern sich nur wehrte, sich in seinen Augen bereits Tränen sammelten, wurde seine Miene weicher.

"Ich sage das nicht, um dir zu zeigen, dass ich dich nicht respektiere. Im Gegenteil. Ich achte deine Geschicklichkeit, deinen Orientierungssinn und die Fähigkeit, einen Weg so gut zu behalten, all diese Maschinen im Abwassersystem auszutricksen. Ich..." Er ging vor Jessi in die Hocke, um ihn ernsthaft anzusehen. "Ich bewundere dich, Jessi. Wirklich. Genauso wirklich liebe ich dich. Es würde mir sehr weh tun, wenn du dich jetzt abwendest und fortgehst, um weiter zu stehlen." Er hob vorsichtig eine Hand an Jessis Gesicht, rechnete damit, dass dieser zurückzucken würde. "Aber wenn du es tust und ich dir dabei zusehe, dann entspricht das dem Gegenteil von allem, was ich glaube. Ich würde verrückt werden davon."

Die Tränen, die Jessi so mühsam zurückgehalten hatte, kamen jetzt doch, obwohl er es so sehr zu verhindern suchte. Er rührte sich nicht, wich nicht zurück, was er wohl besser getan hätte und fiel ihm dafür aber auch nicht in die Arme, was er gerne gewollt hätte. /Oh Himmel... bewundert...? Er sagt, er liebt mich!/ Seine Kehle schmerzte von den unterdrückten Schluchzern, während ihm gleichzeitig das Atmen schwer fiel. Mit einem Mal war es zu viel Nähe; er wollte Ruhe, wollte die stille Dunkelheit seiner Kanäle und Schächte, die einsame Leere, in der es kein Wesen gab außer ihm.

"Finn", brachte er mühsam hervor und hasste sich für den kläglichen Ton in seiner Stimme. "Ich... du weißt, dass ich nicht lieben kann... und... lass mich darüber nachdenken, ja?"

"Alles, mein Schatz." Finn zog Jessi mit einer großzügigen Geste an sich und strich ihm über die Haare und den Rücken. "Sch... beruhige dich wieder. Ich habe es ehrlich gemeint, aber auch ich weiß, dass sich niemand in Sekunden ändern kann." Er ließ ihn wieder los, um erneut den Weg zum Hotel aufzunehmen. Dieses Mal legte er eine Hand auf Jessis Schulter und lenkte ihn leicht, damit er mit ihm kam.

Jessi war froh, dass er ihn nicht im Arm hielt. Der leichte Kontakt der Hand war genau das, was im Moment wichtig für ihn war. Finn war da für ihn, aber er erdrückte ihn nicht, nahm ihm nicht die Luft zum Atmen. /Woher weiß er nur so genau, was ich brauche?/ Hastig wischte er sich das Gesicht ab und ließ sich von ihm schieben.

Im Hotelzimmer nahm er den Mantel und das Tuch, zog beides aber nicht über, drückte es nur an sich. Er starrte auf den Boden mit dem hässlichen, robusten Teppich, wollte sich verabschieden und brachte erst einmal kein Wort heraus.

"Wann soll ich wiederkommen?", fragte er schließlich leise.

Finn lächelte und beugte sich rasch vor, um Jessi auf die Wange zu küssen. "Ich arbeite bis zum frühen Morgen. Wenn du magst, komm einfach zu mir, wann du willst, und benutz' meine Türkarte, um hereinzukommen. Willst du das?"

Jessi nickte fast schüchtern; er wollte den Kuss erwidern und konnte doch nicht. "Okay, dann bis morgen irgendwann. Hast du denn noch eine Karte übrig?"

Finn überreichte ihm seine und erklärte "Laites lässt seine schon seit einigen Tagen immer hier liegen, weil er ohnehin mit dem Fächerohr zusammen ist. Ich nehme einfach seine."

"Danke." Jessi sah kurz auf, lächelte verloren, als er sie entgegen nahm, und verließ dann regelrecht fluchtartig das Zimmer. Alles, was er wollte, war Ruhe. Ruhe, um über alles nachzudenken und seine verwirrten und verwirrenden Gedanken zu ordnen.


by Jainoh & Meike "Pandorah" Ludwig