Kemjalas Plan

33.

Der Assistent von Tarlants Chefs kam mit den Papieren und einer Flasche Likör zum Austritt aus der Arche und drückte sein Bedauern aus, dass Tarlant nicht länger bleiben könne, was Dai'thi jedoch eher begrüßte. Sie war hier nicht wirklich glücklich gewesen. Während Tarlant das Geschenk und die Dokumente rasch verstaute, nahm Dai'thi sehr selbstverständlich ihre Taschen an sich, half ihr mit dem Umzug in das wesentlich luxuriösere Hotel, wo ihre Papiere und Konten schon von einem der Assistenten von LeRoux gerichtet worden waren.

Unschlüssig sah Tarlant sich in dem Zimmer um. Mit einem kleinen Lächeln streifte sie das Bett mit einem Blick, während Dai'thi ihr Gepäck abstellte. "Ich danke dir für die Hilfe, Dai'thi." Sie zögerte, dann fügte sie errötend hinzu "Und dafür, dass du zurückgekommen bist, auch." Sie trat näher an ihn heran und sah in seine Augen, bemerkte die flackernden Schimmer darin, die sie ebenso anlächelten wie sein Mund. Rasch streckte sie sich und küsste ihn, streichelte an seinen Ohren entlang und durch seine Haare. "Kannst du noch bei mir bleiben, oder hast du Termine?"

Ihre zarte Berührung ließ einen warmen, verheißungsvollen Schauer durch ihn hindurchrinnen. Er schloss die Arme um sie und hielt sie fest, drückte sie sacht an sich, während sich sein Lächeln vertiefte. "Wenn ich Termine hätte, hätte ich sie jetzt vergessen, weil du bei mir bist. Bedanke dich nicht, weil ich zurück gekommen bin. Ich konnte nicht anders." Er lachte leise und küsste ihre Nasenspitze. "Du hast mir keine Wahl gelassen, nachdem du mich erst einmal verzaubert hast."

Tarlant holte Luft zu einer Entgegnung, als ein Gong erklang und eine freundlich gedämpfte, androgyne Stimme erklärte, dass die Icesior nun ihren neuen Anlegepunkt erreichen würde und die Gäste, die das Schiff verlassen wollten, dies in ungefähr zehn Stunden tun konnten. Im selben Moment wurde auch die Parade angekündigt, die wie immer zur Ankunft stattfinden würde, zur Begrüßung und zum Verabschieden der Gäste.

Tarlant sah zu Dai'thi auf und fragte ihn leise "Wie sind deine Pläne? Wir... haben noch nicht darüber geredet, nicht wahr?" Inständig hoffte sie, dass er sie würde einplanen können, ohne sein Leben zu verlassen.

Die Ansage hatte auch Dai'thi in Erinnerung gerufen, dass ihre kleine, im Moment so heil erscheinende Welt auf diese Art nicht von Dauer war und dass sie wirklich nicht einen Gedanken an eine realistische Zukunft verschwendet hatten. So lange Tarlant in der Arche gewesen war, war sein Zukunftsbild klar und deutlich erschienen. Er wollte sie heiraten und mit nach Hause nehmen, doch mit einem Schlag hatte sie ihre alte Stelle wieder, die ihr etwas bedeutete, hatte sie ein Leben, dem er sich anpassen würde, wie er es bei jeder Frau getan hätte. "Nein, haben wir noch nicht. Aber wenn ich ehrlich bin, Tarlant, viel zu direkt für die kurze Zeit, die wir uns erst kennen, kann ich mir eine Zukunft ohne dich nicht vorstellen, wie auch immer sie aussehen mag."

Sie zögerte einen winzigen Augenblick, dann küsste sie ihn und sagte ernsthaft "Ich habe von LeRoux nicht ganz meine alte Stelle zurückerhalten. Es hat sich herausgestellt, dass er nichts davon wusste, dass seine Schwester all diese Versuche und Kreationen erdacht hatte. Es war zwar seine Erfindung, die all dies ermöglicht hat, aber er hat es nicht gebilligt. Ich will nun jedoch zurück zur Insel, zu den Labors gehen, um den verbliebenen Wesen eine Heimat zu suchen. Das bin ich ihnen schuldig. Aber danach würde ich sehr gern mehr über deine Heimat lernen, dürfte ich das?"

Sehr gern hätte sie auch gesagt, dass sie ihn immer bei sich haben wollte, dass sie ihn an keinem weiteren Tag ihres Lebens vermissen wollte, aber sie konnte Dai'thi doch unmöglich bitten, ihr zu folgen, das war nicht recht.

Was sie erzählte, war Dai'thi neu; er hatte sich zu sehr gefreut, dass sie wieder da war, war zu verliebt und betört von ihr gewesen, um nach mehr zu fragen, wo sie gewesen und was geschehen war. Er beschloss, sich nachher genauer nach dem Verwirrspiel um LeRoux zu erkundigen, doch jetzt waren andere Dinge wichtiger.

Gerne hätte er gewusst, was sie sich wirklich wünschte, was sie wollte, was sie von ihm wollte, doch es fiel ihm schwer, sie einzuschätzen. Sie war so anders als die Frauen seiner Art. Weniger selbstbewusst vielleicht, oder eher weniger von sich selbst überzeugt, irgendwie immer davon ausgehend, dass sie es nicht wert war, dass man sich um sie kümmerte, sich um sie sorgte, sie verehrte.

/Danach. Nach dieser Insel. Will sie wirklich allein dort hin? Will sie wirklich so lange von mir fernbleiben? Ich habe sie schon in den wenigen Tagen jetzt so sehr vermisst./ Natürlich war die Sorge dazu gekommen, doch er wollte sich nicht von ihr trennen.

"Natürlich kannst du es danach tun", sagte er schließlich zögernd, als er merkte, dass er viel zu lange schwieg. "Aber vielleicht könntest du erlauben, dass ich dich begleite? Oder möchtest du, dass ich nicht mitkomme?"

Tarlant lächelte ihn an und schüttelte den Kopf. "Ich würde mich so sehr freuen, wenn du bei mir sein könntest. Aber ich kann doch unmöglich soviel von deiner Zeit verlangen, Ta'ari." Seine selbstverständliche Art, immer ihr Bestes zu wollen, sich nach ihr zu richten, so selbstlos, war noch immer verwirrend für sie. "Du hast doch sicherlich auch Dinge, die du zu erledigen hast, oder?" Besorgt legte sie ihm eine Hand auf den Arm. "Ich will dir keine Last werden, Dai'thi."

Da war es wieder. Dai'thi seufzte leise, löste einen Arm von ihr, um ihr zart mit den Fingerkuppen über die Wange zu streicheln, ihr die Haare aus der Stirn und hinter das Ohr zu streifen und sie dann sanft zwischen die Brauen zu küssen.

"Ta'ari", sagte er leise und sehr ernst. "Du bist mir keine Last. Niemals. Du bereicherst mein Leben. Du erfüllst es. Wenn ich Ta'ari sage, dann meine ich genau das, was es in meiner Sprache bedeutet, sonst würde ich ein anderes Wort wählen. Es gibt so viele Koseworte, die alle auch schön sind. Aber du bist meine Ta'ari, mein Herz, mein Mittelpunkt, mein Leben. Ich begehre dich, ich verehre dich. Ich liebe dich. Was ich zu erledigen habe, kann warten, es ist nicht wichtig. Nicht so wichtig wie du. Ich bin freigestellt von meinem Posten, da ich diese Krankheit hatte. Wenn ich zurückkomme, werde ich ihn wieder bekommen, da ich jetzt gesund bin. Aber das verdanke ich dir, Tarlant. Du hast mir so viel gegeben, so viel mehr, als du weißt. Selbstvertrauen, Kraft, Mut. Deine Liebe. Und du lässt mich lieben. Mehr als jemals zuvor."

Tarlant wurde schwindelig. /Das verdiene ich nicht, wie kann er nur so... gut sein?/ Sie hielt sich an ihm fest und hauchte "Ich glaube, ich muss mich..." Schwankend stützte sie sich auf ihn und beendete den Satz nicht. /Das kann nicht wahr sein, das muss ein Traum sein, ein herrlicher Traum./ "Wenn dies ein Traum ist, Dai'thi, dann weck mich nicht, nie, ich will darin bleiben, nie mehr aufwachen." Und wirklich wurde ihr schwarz vor Augen. Zuviel war in den letzten Tagen geschehen, und Tarlant hatte seit über einem Tag weder gegessen noch geschlafen. Sie war einfach entkräftet, hielt die Aufregung nicht auch noch aus.

 

Laites vernahm die Ansage, dass die Icesior ihr Ziel erreichen würde, gerade, als er sich im Tempel von der Priesterin verabschiedete. Er hüpfte aufgeregt davon und versuchte Ninári zu finden, den er bei der blauen Schwester vermutete. Ninári hatte in der letzten Zeit sehr oft mir ihr gesprochen, zumeist über den Wechsel in einen anderen Tempel, in einen Orden, der auch Laites akzeptieren würde, auch ihre Beziehung.

"Nin! Nin! Hast du gehört? Sie werden eine Parade abhalten!" Mit peitschendem Schwanz und leuchtenden Augen sprang Laites auf das Fensterbrett, um in den dämmrigen Raum der blauen Schwester zu sehen.

"Du unhöflicher, kleiner Kater!" Ninári grinste; er hatte Laites aufgeregte Stimme schon aus dem Garten vernommen. "Einfach so hier reinplatzen." Eilig stand er auf, um seinen Geliebten in das Zimmer zu lassen, während er hinter sich die Hohe Schwester leise lachen hörte. Sie hatte ihm erzählt, dass sie seinen Schatz sehr gerne mochte, am liebsten hätte sie ihn wohl hier behalten. "Und du kannst es nicht abwarten, so dass wir jetzt sofort dort hin müssen, ohne Rücksicht auf Verluste." Auch er musste lachen und zauste ihm durch das weiche Haar.

Laites streckte sich und lümmelte sich zwischen die Kissen auf der Sitzbank. "Nein, das dauert noch zehn Stunden, hat die Stimme doch gesagt. Aber dann gehen wir, ja?" Quirlig sprang er schon wieder auf und wartete an der Tür, um Ninári endlich mit sich zum Hotel nehmen zu können, um ihn dort für sich allein zu haben.

Ninári verabschiedete sich nur kurz und leicht verlegen von Shasiya, weil Laites schon so unruhig und aufgedreht war. Er nahm die Hand seines Schatzes in seine, eigentlich um ihn ein wenig zu bremsen, doch stellte nur wenig später fest, dass es schwierig war, als er sich eher selber im Laufschritt ertappte, um mit seinem Kater Schritt zu halten.

Laites wählte einmal mehr einen Lieblingstag. Ninári und er hatten sich etwas zu essen geholt und auf der Wiese beim Hotel gegessen. Hinterher musste Laites etliche Pollen aus seinem Fell duschen, er nutzte dies aus, um sich von seinem Geliebten trocken bürsten zu lassen. "Ich liebe dich, weil du mich immer und immer wieder bürsten magst." Rasch erhaschte er einen Kuss, bevor er sich drehte.

"Ah, das ist es!" Ninári gluckste in sich hinein, während er neben den langen Bürstenstrichen über Laites' Rücken begann, ihn sanft im Nacken und hinter den Ohren zu kraulen, was sein Katerchen besonders gerne mochte. "Du hast keinen Besitzer gesucht und keinen Liebhaber, sondern einfach jemanden, der ausdauernd genug ist, um dich tagtäglich durchzustriegeln und das nebenbei noch zu genießen!"

Laites schloss die Augen und begann, leise zu schnurren. "Ja, ich gestehe alles, Nin. Kannst du noch mehr am Bauch kraulen? Weiter links..." Er driftete in einen selig-verträumten Zustand, während er die Finger seines Geliebten genoss und die Wärme, die jede Streichelbewegung in seinem Bauch schuf und nicht nur dort.

Allmählich streckte Laites sich und begann seinerseits, über Nináris Brust zu streicheln, an seinen Brustwarzen zu nippen und über die zarte Haut zu lecken und zu knabbern. Von seinem Geschmack konnte er nie genug bekommen. Während Ninári sein Fell glänzend striegelte, verwöhnte er ihn ebenfalls und schmiegte sich enger an ihn heran.

Ninári gab einen leisen Wohlfühllaut von sich, der dem Schnurren seines Geliebten recht ähnlich klang, während der das Gefühl des weichen Fells unter seinen Händen genoss, mal mit, mal sanft gegen den Strich, mal mit der ganzen Fläche und dann wieder nur mit den Fingerkuppen streichelnd. "Schwester Shasiya hat gesagt, sie hat mit dem anderen Tempel auf Koranai Kontakt aufgenommen. Die Hohe Mutter dort schien nicht abgeneigt zu sein. Sie haben sogar einen der ganz, ganz wenigen Hohen Brüder dort, habe ich heute erfahren."

Er lächelte und seufzte auf, als Laites' Zunge besonders angenehm über seine Haut glitt. Sich räkelnd rutschte er ein wenig tiefer in die Kissen und zog Laites enger an sich. "Aber bist du dir wirklich sicher, dass du mit mir in einen Tempel kommen willst? Wir können noch immer etwas anderes überlegen, wenn du dich nicht ganz wohl dabei fühlst."

Laites kaute sachte durch die Haare nahe an Nináris Ohr, er liebte es, wenn er bei ihm wie eine Katze putzen durfte, dann sagte er "Ich will bei dir sein, und du bist Priester. Ich werde mich also mit dir in einem Tempel wohlfühlen, Nin. Dort, wo auch du glücklich bist."

Aus halb geschlossenen Augen sah Ninári ihn an, während er das Rückgrat nachzeichnete, die Erhebungen unter dem Fell spürend, bis er am Schwanz angelangt war und diesen durch seine Handflächen gleiten ließ. "Ich bin glücklich, dass ich dich gefunden habe, Ta'ari. Ich bin mir sicher, die Göttin hat sowohl Dai'this, als auch meine Schritte gelenkt, als sie ihm diese Krankheit schickte. Er liebt Tarlant, ich habe ihn noch nie glücklicher gesehen. Wenn sie nicht von alleine zusammen finden, werde ich nachhelfen, und wenn ich ihn persönlich zu ihr tragen muss."

Sacht küsste er Laites' Wange, fand einen Weg zu seinen Lippen und verharrte dort am Mundwinkel. "Ich bin gerne Priester, habe ich festgestellt, auch wenn ich mir nicht sicher war, als wir hierher aufgebrochen sind, Dai und ich. Danke, dass du mit mir zurückkommen willst."

Laites kicherte und sah Ninári in die Augen, während er die weichen Lippen an seinen spürte. "Nachhelfen, Ta'ari? Würdest du sie zusammen einsperren?" Vorsichtig öffnete er den Mund und fing Nináris Unterlippe ein, um leicht daran zu saugen, ihn mit der Zunge zu necken.

Ninári erwiderte Laites' Blick und lächelte. Behutsam kam er ihm mit der eigenen Zunge entgegen, ging auf seine zärtlichen Liebkosungen ein und erwiderte sie eine Zeitlang verspielt, ehe er antwortete "Ja, das würde ich." Er gluckste leise, verstummte jedoch wieder für einen Moment, als der kleine Kater seinen Mund erneut zärtlich zu erkunden begann. Ninári vertiefte den Kuss langsam, ließ sich erobern, um nur im Anschluss Laites' Wärme zu streicheln.

"Ich würde sie so lange dort drin lassen, bis sie eingesehen haben, dass sie perfekt zusammen passen. Alle beide", flüsterte auf seine Lippen. "Mit allerlei Dingen, die das Zusammensein zu zweit interessanter machen können. Massageöl zum Beispiel."

Laites' Finger fuhren über Nináris Rücken, unter sein Hemd und zogen es ihm komplett aus. "Öl? Nicht für mich, das bekomme ich aus dem Fell nie wieder raus." Er fuhr über die weiche, glatte Haut seines Freundes und krabbelte weiter auf Nináris Schoß hinauf. "Vielleicht würdest du sie gar aneinander ketten, was?" Mit einer schnellen Bewegung rollte Laites über seinen Geliebten und hielt dessen Hände fest. Leise lachend küsste er Nins verdutztes Gesicht entlang.

Ninári fiel in sein Lachen ein und genoss die weichen Küsse, genoss es, einfach unter ihm zu liegen und eine gute Entschuldigung zu haben, nichts machen zu müssen, sondern sich ein wenig verwöhnen zu lassen. "Ich glaube, das wäre keine schlechte Idee. Aneinander ketten. Und an das Bett."

Er drehte den Kopf, um wieder Laites' Lippen zu erhaschen, ehe er sich dann doch von ihm befreite, um mit den Händen seinen verlockenden Körper hinab zu streichen und seinen Hintern zu umfangen und ihn zu massieren. "Und ich würde ihnen die Kleidung wegnehmen. Eindeutig", grinste er und streichelte Laites Schwanzansatz, biss ihm sacht in den Hals. "Die stört nur bei solchen Gesprächen."

Laites gurrte und streckte sich. Ninári schaffte es doch immer wieder, ihn dort zu berühren, von wo es seinen Körper durchschauerte. "Ich liebe es, wenn du so praktische Vorschläge machst, Nin." Behände wand er sich um ihn herum und zog ihm die Hose aus. Er richtete es so ein, dass er den festen Hintern umfassen und ihn zu sich ziehen konnte, gegen sich. "Was denkst du denn, sollten sie dann tun? Hm?"

Nináris Augen funkelten vergnügt und lustvoll zugleich auf, als er sich zu ihm herunter beugte und an Laites' Hals zu knabbern begann, eine sinnliche Spur bis zum Ansatz seiner Haare empor zog und von dort aus bis zu seinem Ohr weiterwanderte, in das er genüsslich jedes Detail zu flüstern begann.

 

Dai'thi war furchtbar erschrocken, als Tarlant plötzlich in sich zusammen gesunken war. Es hatte ihn auch kaum beruhigt, dass sie ziemlich schnell wieder zu sich gekommen war, nachdem er sie zu der großen, beigefarbenen Couch getragen hatte. Er hockte vor ihr, streichelte ihr besorgt über die Haare und betrachtete ihr blasses Gesicht. "Was hast du, Ta'ari? Ist dir schlecht? Möchtest du etwas zu trinken? Warte, ich hole etwas." Noch bevor sie antworten konnte, war er bereits aufgesprungen und kam nur kurze Zeit später mit einem Glas Mineralwasser zurück. Wieder ging er bei ihr in die Hocke, hielt ihr das Glas hin. "Soll ich eine Ärztin holen?"

Tarlant schüttelte den Kopf, während ihr auffiel, dass er Ärztin sagte. Sie hielt seine Hand fest und zog ihn dichter zu sich. "Es geht mir gut. Ich habe in den letzten Tagen nur nicht genug geschlafen." Unsicher sah sie sich im Zimmer um. "Ich muss gestehen, es fällt mir erst jetzt auf, ich habe auch nicht sonderlich viel gegessen. Liebeskummer, darauf habe ich schon immer empfindlich reagiert." Sie setzte sich auf und sah ihn fragen an. "Ich würde mir etwas bestellen, würdest du auch etwas essen wollen?"

"Es tut mir so leid, dass ich dir so viel Kummer bereitet habe." Das schlechte Gewissen wuchs mit einem Schlag wieder an. /Wie habe ich sie nur so leiden lassen können! Sicher, es war überraschend. Aber ich hätte... ich hätte nicht davon laufen dürfen! Es war alles nur meine Feigheit. Ich verspreche dir, dass es nicht noch einmal passieren wird./ Doch er sagte es nicht, vielleicht würde es sie nur wieder aufregen. Stattdessen drückte er sie fest. "Ich werde bestellen, du bleibst sitzen und ruhst aus. Wenn du es erlaubst, werde ich etwas aus meiner Heimat ordern." Er lächelte und küsste sie auf die Schläfe. "Mein Leibgericht. Da kannst du sicher sein, dass ich mitesse."

Tarlant lächelte. "Das interessiert mich natürlich sehr." Ihr wurde klar, dass sie noch viel zu wenig über ihn wusste. Die Dinge, die er gern hatte, die Lieder, die er mochte, Dinge, die er nicht mochte oder gar hasste. Sie würde noch so viele Dinge über ihn lernen müssen, und mit einem Mal begann sie sich unbändig darauf zu freuen, ihm näher kommen zu dürfen, mehr über den schönen Mann zu erfahren, nach dem sich so viele immer umdrehten, wenn sie zusammen aus waren.

Tarlant ließ ihren Blick über seinen Körper streifen und spürte erneut den kleinen Satz, den ihr Herz jedes Mal zu machen schien, wenn sie ihn ansah. Die breiten Schulter, allein die Größe. Er überragte sie um über einen Kopf und war auch wesentlich kräftiger gebaut. Sehr trainiert. Er hatte ihr einmal seine Waffe, den mit Messern besetzten Stab gezeigt, und sie glaubte gern, dass die Tempelwachen einen wehrhaften Eindruck machen konnten, wenn sie alle über sein Geschick im Umgang darin verfügten.

Besonders gern hatte sie sein Haar, das nun wieder in allen Farben eines Spätsommerwaldes schimmerte und glänzte. Die Form der Ohren gefiel ihr ebenso, in sechs Spitzen gefächert, wobei er die siebente Spitze für seinen Stand sehr wichtig fand.

Dai'thi redete und erklärte über die Sprechanlage, auf der ein freundliches Frauengesicht ihm unkonzentriert zuhörte, eher schwärmerisch mit glänzenden Augen die Bestellungen durcheinander brachte, und Tarlant musste grinsen. Sein Gesicht war ebenso attraktiv wie seine restliche Erscheinung. Vor allem die grünglänzende, hautenge Kleidung, die er an diesem Tag wieder trug, betonte zum einen die Muskulatur, und zum anderen hob sie den herrlichen Farbton seiner Haare und Augen hervor.

Tarlant schloss die Augen und genoss es, seiner Stimme zu lauschen, mit der Dai'thi nun dazu übergegangen war, die Getränke zu bestellen und nach der Ankunftszeit der Icesior, sowie dem Ort zu fragen. Warm und weich, sehr ehrlich und immer sicher. Mit einer hintergründigen Nachdenklichkeit, die einem zeigte, wie ernsthaft er war.

/Er ist viel zu wundervoll, um wirklich mir gehören zu wollen./ Doch nach der letzten Zeit konnte sie glauben, dass er sie liebte. Sie wusste nicht genau warum, aber sie wusste, dass er genau sie liebte, nicht trotz ihres Körpers, sondern sogar genau deswegen.

Tarlant setzte sich auf der Couch auf und schlang die Arme um ihre Knie, beobachtete seine Bewegungen, wie er mit kleinen Gesten erklärte, was er wünschte, wie er mit einer Handbewegung in ihre Richtung offensichtlich verlangte, dass alles perfekt gemacht würde für sie.

/Immer für mich, immer bin ich wichtiger. Das wird lange dauern, bis ich mich daran gewöhnt habe. Sehr lange./ Tarlant zog sich die Schuhe aus und die Strümpfe, um es gemütlicher zu haben. Vergnügt besah sie sich die lackierte Zehennägel und wackelte ein wenig damit. Eine übermütige Stimmung begann sich ihrer zu bemächtigen. Wie in einer geschüttelten Sektflasche begann das Sprudeln im Bauch, wenn er ihr einen dieser Blicke zuwarf. Aus den hellgrünen Augen, die nur für sie so leuchteten, voller Wertschätzung und voller Verlangen, gleich zu ihr zurück zu kehren.


© by Jainoh & Meike "Pandorah" Ludwig