Kemjalas Plan

36.

Laites ließ seine Finger über Nináris Bauch wandern, in kleinen Kreisen um den Nabel, dann tiefer und über die Hüfte und die Oberschenkel, deren Innenseiten besonders empfindlich waren, wie er wusste. Geschmeidig setzte er sich auf und rückte zurück, um auf Nins Beinen sitzend auf ihn herabblicken, ihn bewundern zu können, bevor er seinen Fingern die Zunge folgen ließ, um den frischen Geschmack seines Geliebten genießen zu können.

Ninári atmete tief ein, als er zunehmend erregter wurde. Laites' Liebkosungen ließen seinen Körper nicht nur an den Stellen vibrieren, an denen er ihn berührte. "Das ist reiner Selbstschutz." Er grinste und wühlte seine Finger in das weiche Haar seines Geliebten. "Du siehst ja, was dabei rauskommt, wenn ich es nicht tue oder mir gar von dir helfen lasse."

Eine Weile ließ er zu, dass Laites ihn verwöhnte, doch dann zog er ihn wieder zu sich und umfasste ihn, um auf ihn zu rollen. Schon längst hatte er sich daran gewöhnt, bei ihren Liebesspielen Haare in den Mund zu bekommen, und er ließ sich nicht davon abhalten, warmen Atem durch Laites' Fell blasend zu dessen Brust vorzudringen und dessen Brustwarzen mit Zähnen und der Zunge sanft zu liebkosen. Seine Hände glitten die Seiten hinab und dann zu dem Schoß seines Geliebten, in dem eifrigen Bemühen, Laites noch andere Laute als nur Schnurren und Maunzen zu entlocken.

Laites japste und stöhnte heiser auf, während er sich nicht mehr gegen die Gefühle wehren konnte, die sein Geliebter durch ihn sandte. "Nin!" Verzweifelt wand er sich unter ihm und griff ihm in die Haare. Er wollte Ninári so viel lieber anders spüren, dichter bei sich, auch wenn es himmlisch war, was dieser tat, wie alles, was Nin mit ihm machte. Laites warf den Kopf mit einem leisen Aufschrei zurück und ächzte angespannt, als Ninári seine Zuwendungen sogar noch verstärkte. Hilflos versuchte er, ihn mit kraftlosen Fingern zu sich hinauf zu ziehen, konnte sich jedoch nicht einmal dazu bringen, die Augen zu öffnen.

Ninári folgte den schwachen Aufforderungen seines Geliebten nach einer kleinen Weile und legte sich wieder auf ihn. Er küsste Laites' gerötete Wangen und seine geschlossenen Lider, während er sich an ihm rieb, sich gegen ihn bewegte. Blitze schienen durch ihn hindurchzuzucken, mit jedem kleinen Laut, den Laites von sich gab, mit jeder Bewegung, jeder Berührung. Eine Weile gab er sich ganz den Gefühlen und dem erregenden Anblick seines Geliebten hin, dann tastete er auf dem Regal über dem Bett entlang.

"Willst du mich ganz?", flüsterte er heiser.

Laites nickte, weigerte sich, die Augen zu öffnen, bis er Ninári spüren konnte. Erst dann rollte er den Kopf zurück und begegnete Nins Blick, mit dem dieser seine Miene besorgt studierte. Laites streckte sich, umfasste Nins Hintern, streichelte genießerisch darüber, neckte ihn ein wenig; dann zog er ihn dichter an sich heran, umschlag ihn mit den Beinen und küsste die Brust seines Geliebten, die er gerade gut erreichen konnte.

"Deswegen fehlst du mir immer so, wenn wir getrennt sind, Nin. Weil es so perfekt ist, wenn wir zusammen sein können", antwortete er lächelnd.

Ninári erwiderte sein Lächeln, als er sich langsam zu bewegen begann. Er wandte den Blick nicht von seinem Geliebten, während sie gemeinsam immer tiefer in den Sog gezogen wurden, der die Welt um sie auslöschte und nur noch sie übrig ließ, bis sich schließlich alles in Wirbeln auflöste.

Schweratmend sackte Ninári auf Laites zusammen und blieb dort reglos liegen; nur seine Fingerspitzen bewegten sich, um das weiche Fell kaum spürbar zu liebkosen. Er konnte den raschen Herzschlag seines Ta'ari spüren und das feuchte Fell, hörte den ebenfalls fliegenden Atem und wollte einfach nur bis in alle Ewigkeit so mit ihm zusammen sein.

Laites umwickelte seinen Geliebten mit seinen Armen und dem Schwanz und nippte ihm zärtlich mit den Lippen und Zähnen über die Schultern und den Hals. "Nin? Wir kommen zu spät, du musst nun noch einmal duschen, und ich glaube... ich glaube, dass ich Schuld bin."

Ninári lachte, rührte sich aber trotzdem nicht. "Und ob du Schuld bist! Aber wenn ich es schaffe, mich jetzt irgendwie von dir zu trennen, dann kommen wir noch immer pünktlich." Er ächzte und hob den Kopf, um Laites zu küssen, verbrachte damit wieder viel zu viel Zeit, bis es ihm doch endlich gelang, aufzustehen und nach einem weiteren Kuss wieder zurück ins Bad zu gehen, dieses Mal jedoch ohne die Tür abzuschließen.

Nur wenig Zeit später sprang Laites fröhlich neben Ninári her, dessen Haare noch ein wenig feucht waren, aber in einer netten Frisur gebändigt. Laites selber trug eine kaffeefarbene Shorts und fand sich gut angezogen, natürlich nichts im Vergleich zu seinem Geliebten, der die Blicke mehr noch auf sich zog als der exotische Katzenjunge.

Die Parade fand auf der Prachtstraße statt, an der auch die Arche und das teure Hotel von Tarlant gelegen waren. Die Arche selber war ohnehin ein berauschender Anblick, der die Menge der Neuankömmlinge anzog, zumal die Delphinwesen sich vorn im Becken tummelten, um ebenfalls die Parade sehen zu können.

Laites winkte Finn zu, der sich mit den Delphinen unterhielt und wunderte sich gerade darüber, dass man sich in solche einem Massenauflauf treffen konnte, als die ersten Wagen um die Ecke bogen und er sich von Nins Hand losriss, um sich aufgeregt zur Abgrenzung durchzuquetschen.

Die Wagen schwebten durch Kraftfelder eben über dem Boden entlang und zeigten schillernde Lichter, Verzierungen aus allen möglichen und unmöglichen Stoffen, farbenfrohe Tänzer, Musiker und Akrobaten. Mit leuchtenden Augen sog Laites alles auf.

Ninári schob sich langsamer hinter ihm her, nicht weil er die Parade von hinten nicht auch sehen konnte, sondern weil er die Begeisterung von Laites nicht verpassen wollte. Manchmal war sein Geliebter wie ein Kind, und dieser glückliche Ausdruck, voller Neugierde und Strahlen, war etwas Besonderes. Als er ihn erreicht hatte, legte er ihm mit einem kleinen Lachen den Arm um die Taille und betrachtete abwechselnd das aufgeregte Gesichtchen und die Wagen der Parade, die durchaus atemberaubend waren.

Nach den lauten, bunten Wagen stellten sich auf langweiligeren, kleineren Wagen die wichtigen Familien vor, die Betreiber der Icesior. Zwischen ihnen kamen immer wieder Musikgruppen, Akrobaten und dieses Mal auch die berühmten Blumenmädchen. In Kleidchen passend zu ihrer Blume gekleidet warfen sie zu Laites' Glück jedoch nur Süßigkeiten und nicht mit den Blumen, die ihm einen Allergieanfall nach dem nächsten beschert hätten.

Er wollte sich gerade von der Parade abwenden, um Ninári zu erzählen, dass er Finn gesehen hatte und ihn nach Jessi fragen gehen wollte, als jemand in sein Blickfeld kam. Auf einem der Wagen zwischen den Blumenmädchen saß eine Person, zurückgelehnt die Musik genießend, die Blumen auf dem Wagen betrachtend, und streifte die Menge nur mit einem uninteressierten Blick.

Laites hüpfte kurz hoch und maunzte überrascht, sein Gehirn schaltete aus, und er sprang im nächsten Augenblick über den Zaun, um zu dem Wagen zu gelangen. Natürlich wurde er gleich darauf aufgegriffen, und zwei Sicherheitsmänner schleiften ihn zu einem der Ausgänge zurück. Sie wollten ihm gerade mitteilen, welche Strafe ihn erwarten würde, als eine weich akzentuierte Stimme mit ungeduldigem Unterton verlangte "Bringt den Kater zu mir!"

Laites fuhr herum und sah Hifna Jarales in die dunklen Augen, in das wunderschöne, weiche Gesicht. Die gleiche Liebe wie im Labor berauschte ihn sofort wieder, nahm ihm die Sinne. Er gurrte leise und machte einige Schritte auf den jungen Mann zu, der an diesem Tag in einem traditionellen weißen Anzug noch vorteilhafter ausgestellt wurde.

Jarales lächelte. "Kätzchen, du lebst." Dann breitete er seine Arme aus.

Seufzend ließ Laites sich in seine Arme sinken und schloss die Augen, ließ sich zum Wagen führen.

Kälte griff nach Nináris Herz, drückte es schmerzhaft zusammen, breitete sich zu seinen Magen hin aus und ließ ihn sich vollkommen verkrampfen. "Laites!" Er hatte nicht damit gerechnet. Nicht damit gerechnet, ausgerechnet hier, ausgerechnet jetzt, diesem Mann zu begegnen, der offensichtlich Laites' Besitzer war. Und nicht damit, dass sein Geliebter einfach zu ihm hinlaufen und ihm ohne auch nur einen Blick zurück in die Arme sinken würde. Und ganz gewiss war er nicht auf den Schmerz vorbereitet gewesen, den es ihm bereitete, das zu sehen. Nicht einmal ein Blick zurück.

"Laites!!" Er wollte ihm folgen, hatte mit einem Mal panische Angst ihn zu verlieren, doch die Sicherheitsleute waren dieses Mal schneller und bereits gewarnt und hielten ihn auf. /Oh Herrin, bitte nicht! Bitte... komm zurück zu mir. Dreh dich um, Laites!/

Etwas berührte Laites' Inneres, und er öffnete die Augen wieder, während Jarales ihm über den Kopf streichelte. Etwas nagte an ihm und begann ihm zu fehlen, er blinzelte verwirrt. Die Macht seiner Gefühle war zu stark, und er ließ sich in verwirrte Überlegungen verstrickt fort bringen.

Er war gerade an dem Wagen angelangt, als er sich erinnerte und den Kopf hob. "Ninári. Ich... muss..."

Jarales sah ihm freundlich lächelnd in das Gesicht. "Ich stell dich den anderen vor, Kätzchen. Ich bin so froh, dass du noch lebst, ich habe dich vermisst."

Laites blinzelte und nickte. Freude rann durch ihn hindurch, und er schob seine Hand in die von Jarales, der ihn in den Wagen führte. Im Inneren dann kam erst der Schock. Eine Schneeleopardenkreuzung saß aggressiv knurrend auf einem der Kissen. Laites zog den Schwanz ein und maunzte erschrocken, senkte den Kopf. Eine der neuen Katzen. Sehr wild, sehr agil und elegant. Nicht so ein Tollpatsch wie er, keinerlei Allergien hatten sie, keinerlei Ängste.

Jarales hob die Hand und verbot dem anderen, so abweisend zu sein. "Moru, das ist Laites. Ihr kennt euch vermutlich sogar schon, nicht wahr?"

Moru zeigte es nicht, wenn er Laites wiedererkannte; er wandte sich nach einem leichten Nicken betont desinteressiert fort. Seine blaugrünen Augen leuchteten Laites während des folgenden Teetrinkens mit Jarales stetig entgegen, während Laites von Jarales Fingern liebkost zu keinem Gedanken fähig war, außer dass er Ninári verloren hatte. "Jarales? Ich... muss dir jemanden vorstellen. Er ist sicherlich noch dort draußen. Er ist..."

Jarales hob den Kopf. "Willst du sagen, dass du einen anderen Besitzer hast, Laites?"

Moru knurrte dunkel, und Laites sah, wie er sich anspannte. Hastig senkte er den Kopf, die Musik verschwamm zu einem Summen, das Schwanken des Wagens bereitete ihm Übelkeit, mit einem Mal waren alle Gerüche und Geräusche bedrohlich.

"War es falsch?", flüsterte er bedrückt. "Habe ich dich beleidigt?" Voller Angst sah er seinem Besitzer in das Gesicht.

Jarales verschränkte offensichtlich beleidigt die Arme. "Ich dachte immer, dass du nur mich liebst, wenn ich dein Besitzer bin. Ist es nicht so?"

Laites zog den Schwanz ein, duckte sich zusammen und wimmerte leise. Morus Knurren stellte sein Nackenfell auf, der peitschende Schwanz des anderen Katers zeigte ihm, dass dieser sehr bereit war, ihn in Jarales' Auftrag für dieses Vergehen zu bestrafen. Laites entschuldigte sich tonlos, auch wenn es ihm weh tat und konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten, während er verzweifelt versuchte, Jarales' Hand zu erhaschen.

Jarales entzog sich ihm und stand abrupt auf. "Dann wollen wir ihn mal ansehen gehen, nicht wahr?"

Sein Tonfall tat Laites weh, aber er rappelte sich zum Stehen auf und folgte Jarales auf den Wagen hinaus, der leicht schwankend um eine Kurve fuhr. Laites entdeckte Ninári sofort, und dessen sorgenvolles Gesicht und sein Rufen ließen sein Herz schneller schlagen. "Dort ist er! Dort drüben... oh, bitte, bitte..."

Jarales lehnte sich über die Brüstung und sah hinunter. "Ein schöner Mann. Du findest ihn attraktiver als mich, was, Laites? Er sieht mir aus wie ein Kemjasheri'i, er wird nicht so schnell alt werden, nicht wahr? Deswegen hast du ihn dir ausgesucht, oder? Hast deine Freiheiten genossen, um dir etwas Besseres zu suchen als bloß einen Menschen."

Laites fuhr erschrocken herum und sank in sich zusammen. Jarales würde es ihm nicht erlauben mit Ninári zusammen zu sein? Aber... wie konnte er... ohne... würde er ohne seinen Geliebten überleben? In der letzten Zeit waren sie nie getrennt gewesen. Nur im Tempel, wenn er Unterricht hatte, und auch dort schaute Ninári oft einmal zu ihm rein zwischendurch. "Ich... Jarales, ich hab ihn so gern... er hat mich auch sehr gern, er liebt mich."

"Ist er also besser als ich, was?" Jarales umfasste Laites besitzergreifend und winkte Ninári neckend zu.

Laites riss die Augen auf und wand sich frei. "Nein! Bitte, du kannst ihn nicht so... Ninári!"

Laites wollte sich entschuldigen, wollte Jarales seine Gefühle erklären, als Moru dazwischenschoss und ihn an der Kehle packte. "Wie kannst du es wagen! Du Fehlkreuzung solltest glücklich sein, dass er überhaupt nur mit dir redet!"

Laites starrte ihn erschrocken an, Jarales' gezischter Befehl ließ Moru leise knurrend zurückweichen, aber mit einem Mal wurde dem kleinen Kater etwas klar. "Er... ist jetzt deine Katze, Jarales. Du... besitzt doch schon ihn", flüsterte er heiser.

"Aber dich habe ich zuerst gekauft."

Laites sah Ninári in die Augen, auf die Entfernung konnte er sie gerade ausmachen, aber er wusste, dass sie dunkel sein würden. Er begann zu weinen und sagte entschlossener "Er ist deine Katze, nicht ich! Ich nicht mehr! Ich habe schon einen Besitzer!"

Es tat so schrecklich weh, als würde er sich das Fell ausreißen, es brannte, so mit Jarales zu reden, es war wie ein dunkles Feuer, das Kälte verbreitete, aber Laites wusste, dass es richtig sein musste. "Er ist mein Besitzer, nicht mehr du... Ich... muss mit Tarlant reden. Tarlant weiß es..."

Noch bevor Moru ihn erneut angreifen konnte, sprang Laites von dem Wagen hinunter und rollte sich ab. Es schmerzte, er verletzte sich, das spürte er, aber es war ihm egal. Er rappelte sich auf und lief geschickt den Sicherheitsmännern ausweichend durch die Menge davon, zu Tarlants Hotel.

 

Ninári versuchte, sich durch all die Wesen zu kämpfen, die gekommen waren, um die Parade anzusehen, um den Wagen nicht aus den Augen zu verlieren, um irgendwie zu Laites zu gelangen. Er rief sich heiser nach ihm. /Herrin, lass mich zu ihm! Was soll er denn machen? Dieses verdammte Programm, dieser verdammte Chip! Ich muss mit diesem Mann reden! Ich kann doch nicht... wieso hier... ich muss zu ihm!/

In dem Moment kamen sie endlich wieder aus dem Wagen heraus, und Ninári schöpfte Hoffnung, dass Laites von ihm erzählt hatte und Jarales mit ihm sprechen wollte. Sein Herz schlug schneller, und seine Verkrampfung löste sich ein wenig. Die beiden wechselten ein paar Worte, dann umschlang der junge Mann Laites besitzergreifend und winkte ihm zu. Es war ein eisiger Stich, der sich in ihn bohrte. /Er will ihn behalten! Ich lasse das nicht zu! Ich liebe ihn! Und Laites liebt mich!/

Hilflos beobachtete er, wie Laites sich frei wand und in dem Moment von einer anderen Katze angegriffen wurde. "Laites!!" Ohne noch weiter Rücksicht zu nehmen schob er sich weiter vor, obwohl er genau wusste, dass er niemals rechtzeitig dort sein würde, um seinem Geliebten zu helfen, wenn er denn überhaupt eine Chance haben würde.

/Herrin! Herrin, bitte nicht! Oh Göttin, bitte, nimm ihn mir nicht, wo ich ihn endlich gefunden habe! Und lass nicht zu, dass sie ihn verletzen!/ Selten hatte er gleichzeitig so inbrünstig und doch abgelenkt gebetet, seine Sinne nur auf seinen Geliebten gerichtet und darauf, ihn zu erreichen. Der andere Kater wich zurück, und Laites sprang vom Wagen. Er fiel, rollte sich ab und wich den ihm entgegenkommenden Sicherheitsleuten aus. Dann verschwand er in der Menge.

Verwirrt, glücklich und nach wie vor voller Angst stellte Ninári fest, dass er sich gegen seinen Besitzer gewandt haben musste. Er gab sein verzweifeltes Bemühen auf, dem Wagen zu folgen und verließ so schnell wie möglich das Gedränge der Zuschauer. Er wusste, wo Laites hingehen würde, um Hilfe und Sicherheit zu finden, und zum Glück wusste er durch seinen Bruder auch, wo er Tarlant finden konnte. Kaum hatte er wieder mehr Platz, rannte er los.

 

/Tarlant, Tarlant... sie weiß Bescheid, sie kann mir sagen, wohin ich gehöre, wem ich treu sein muss. Wieso tut es so weh? Warum kann ich nicht selber denken? Denken... Tarlant... Hilfe!/ Laites kam langsam zum Stehen, als er das wuchtige Prachtgebäude erreichte, in dem er Tarlant wusste.

Dai'thi hatte seinem Bruder von seinen Geschenken berichtet, hatte von der Frau seines Lebens geschwärmt und ihm erzählt, dass Tarlant sich nun wieder in der Anstellung des Doktors und damit in der alten Suite befand.

Laites taumelte und hielt sich die verletzte Seite. Nur einige Schrammen, aber es brannte höllisch, wenn der wenige Schweiß, zu dem sein Körper fähig war, hineinlief. Wimmern gestand er sich nach einem Blick auf die Wachleute zudem ein, dass diese ihn nicht würden passieren lassen.

Er ließ sich in den Schatten einer Palmeninsel auf grünblauen, sorgfältig getrimmten Rasen sinken und begann zu weinen und an Nin zu denken. /Er wird mich hassen, ich bin einfach fortgelaufen, konnte nicht anders. Damals, als er mich gefragt hat, was ich fühle, ob der Chip schuld ist bei ihm, als ich so gekränkt war... Er hatte doch Recht! An dem Tag schon wusste er, wie falsch alles an mir ist! Wie kann er mich jetzt noch lieben?! Er wird mich hassen.../

"Nin..." Laites warf sich verzweifelt in den Rasen und ignorierte die zwei älteren Damen, die unglücklich bemüht waren, das Kätzchen zu trösten und herauszufinden, ob der Kleine gar seine Mutter verloren hatte.

Ninári war außer Atem, als er das Hotel endlich erreichte, während seine Gedanken nur um seinen Geliebten kreisten. /Ich muss zu ihm, muss ihm helfen. Er wird außer sich sein, wenn er sich gegen den Chip gewandt hat. Oh Herrin, große Mutter, bitte, lass nicht zu, dass ihm etwas passiert!/ Er erinnerte sich an Tarlants Worte über Enttäuschungen, daran, dass die Kreaturen des Doktors daran sterben konnten, wenn sie zu groß war, wenn ihr Besitzer daran Schuld trug. /Und wieso sonst sollte er sich so abrupt gegen ihn gewendet haben, wenn er noch nicht mal genügend Zeit hatte, wirklich mit ihm zu sprechen?/ Vor lauter Sorge wäre er beinahe direkt in das Hotel gerannt, dessen Tore ihm bereits von einem Pagen aufgehalten wurden, doch eine weibliche Stimme ließ ihn innehalten.

"Das arme Kätzchen", war alles, was sein Bewusstsein erreichte, aber hinter der Frau, die sich mit einer anderen offensichtlich besorgt unterhielt, sah er das vanillefarbene, vertraute Fell. "Laites!" Auf den Stufen machte er kehrt, um zu ihm hinzustürzen. Neben ihm auf die Knie zu fallen und ihn in die Arme zu ziehen, war eines. Er spürte den schlanken Körper beben, fühlte die Feuchtigkeit, die sein hauchdünnes Oberteil fast sofort tränkte.

"Laites... Schhhh, ich bin da. Ich bin da, Liebling", flüsterte er, streichelte seinen felligen Rücken, während die Erleichterung, ihn unversehrt in den Armen zu halten, ihn zittern ließ.

Laites wendete sich ihm zu und ließ sich an den anderen Körper drücken, hing schlaff in den Armen des anderen und weinte, während er murmelte, dass er Tarlant finden musste, dass er sich schämte, weil er nicht entscheiden konnte, dass er Angst hatte vor Moru, vor Nins Enttäuschung, vor sich selber. Es tat viel zu sehr weh, um einen klaren Gedanken zu fassen.

Ninári wiegte ihn eine Weile einfach nur in seinen Armen und hielt ihn, ohne auf die Leute zu achten, ohne auf irgendetwas zu achten außer auf seinen Geliebten. Leise redete er auf ihn ein, erzählte ihm, dass er niemals wegen ihm Angst haben sollte, dass sie Tarlant finden würden, dass er ihn vor Moru beschützen würde. Vermutlich war es die Katze, die Lai auf dem Wagen angegriffen hatte, und wenn er Finn nur im Entferntesten glich, war es ein ziemlich vergebliches Versprechen, doch das war Ninári gleichgültig.

Als er das Gefühl hatte, dass sich der kleine Kater zumindest einigermaßen wieder beruhigt hatte, weil einfach keine Tränen mehr nachkamen, stand er auf und zog ihn sacht, aber bestimmt mit auf die Füße. "Wir gehen jetzt zu Tarlant. Tarlant wird helfen können."


© by Jainoh & Meike "Pandorah" Ludwig