Forever's Kiss

3.

Wärme und ein Hauch von Räucherstäbchen empfingen Chrys, als sie Mashas Wohnung betraten. Masha schaltete das Licht an und schloß die Tür hinter sich. Sorgfältig legte sie den Riegel vor und drehte den Schlüssel zweimal im Schloß.

Chrys hängte seine Jacke an die große, schmiedeeiserne Garderobe und schob sich an einem Vorhang vorbei ins Wohnzimmer. Es war ein großer, gemütlicher Raum, in dem er sich wie immer sofort zu Hause fühlte. Bodenlange Vorhänge aus schwerem, goldbraunem Stoff verbargen die Fenster mit den breiten Fensterbänken, auf denen man bequem inmitten eines Nestes aus Kissen sitzen konnte. Chrys hatte Masha immer darum beneidet. Seine Wohnung hatte nur die ganz gewöhnlichen Fensterbretter von Neubauten, auf denen kaum Blumentöpfe genügend Platz fanden.

Dicke gemusterte Teppiche, in denen man mit jedem Schritt einsank, bedeckten den dunklen Parkett-Boden in der Couchecke. Sofa und Sessel hatten ursprünglich nicht zusammengehört, das wußte Chrys, doch Masha hatte über die drei Möbelstücke große Flickendecken in Braun- und Goldtönen gelegt. In einer Ecke stand ein riesiges Aquarium, in dem sich farbenprächtige, exotische Fische tummelten. Dunkle Holzregale bogen sich schier unter der Last von Büchern, Bildbänden und Sammelboxen; der Fernseher war hinter zwei Flügeltüren versteckt. Von der Mitte der Decke hing eine große, orientalische Lampe aus durchbrochenem Messing herab.

Masha trat hinter ihn. "Setz dich, Lieber."

Bereitwillig ließ er sich von ihr zu einem der großen Sessel schieben. Er ließ sich hineinfallen und lehnte sich mit einem wohligen Seufzer zurück. Träge streifte er die Schuhe von den Füßen und zog die Beine in den Schneidersitz.

Masha lächelte und fuhr ihm durchs Haar. "Ich mache uns Tee, und dann erzählst du mir von dem Vampir, ja?"

Chrys fühlte sich wie ein kleines Kind, und diesmal genoß er es. Es war warm, sicher und geborgen... Er nickte. "Danke."

Sein Blick folgte ihr auf dem Weg zur Küche. Ihr rotbraunes Haar schimmerte sanft im Lampenlicht, die grauen Strähnen hoben sich deutlich davon ab. Wie immer hatte sie einen Teil mit einem Kamm hochgesteckt, um sie aus dem Gesicht zu halten. Chrys hatte sie noch nie mit einer anderen Frisur gesehen, und sie kannten sich schon seit fast fünf Jahren... Er lächelte, als seine Gedanken abdrifteten. Masha war eine klasse Frau und eine wirklich gute Freundin. Bei ihr war alles so einfach... Man konnte mit ihr über alles reden, sie nahm einen immer ernst und hörte zu. Und sie war erstklassig darin, gute Ratschläge zu erteilen oder einen kräftig zusammenzustauchen, wenn es nötig war.

Aus der Küche erklang das Klappern von Tassen. Wasser rauschte, als Masha den Kocher vollaufen ließ. Eine Schranktür öffnete sich mit dem charakteristischen Knacken, als die Angel einrastete. Dann wurde sie mit einem Knallen wieder geschlossen.

Chrys' Blick wurde von einer großen Messingschale voll Gebäck angezogen, die auf dem niedrigen Couchtisch neben einer Duftlampe und einer großen, honigfarbenen Kugelkerze stand. Zimtsterne und Butterplätzchen, Vanillekipferl und Kokosmakronen... Masha mochte keine Zimtsterne, aber das hielt sie nicht davon ab, sie blecheweise zu backen.

In der Küche begann das Wasser zu brodeln.

Chrys beugte sich mit einem Grinsen vor und griff nach einem Plätzchen. Im Gegensatz zu Masha liebte er die Zimtsterne. Während er genießerisch darauf herumkaute, glitten seine Gedanken zurück in seine eigene Wohnung - und zu dem, was geschehen war. Er schauderte. Diese schwarzen Augen... Wie konnten Augen schwarz wie Obsidian sein und gleichzeitig mit einem lodernden Feuer gefüllt, das aus der Hölle zu kommen schien? Und wie konnten diese schlanken Hände in einem Moment zärtlich und dann wieder so unbarmherzig sein? Wie konnte dieser Mund...

"Der Tee wird dir guttun, Lieber."

Chrys zuckte erschrocken zusammen, als die Stimme so unvermittelt neben ihm erklang. Er hatte sie nicht kommen hören. Masha stellte eine mit Kräutern bemalte Steinguttasse vor ihn, auf der ein passender Deckel lag - damit sich die Wirkstoffe während des Ziehens nicht verflüchtigten.

"Oh... danke, Masha."

Sie lächelte breit, was die Fältchen um ihre Augen tiefer werden ließ, und machte es sich ihm gegenüber auf dem Sofa bequem. Ihre Tasse stellte sie auf dem Bauch ab und balancierte sie vorsichtig mit einer Hand aus.

"Er ist gut zur Blutbildung und wird dich ein wenig beruhigen", sagte sie mit einem Zwinkern.

"Mir geht es wesentlich besser, seit du bei mir bist." Er griff nach seiner Tasse und stellte sie auf sein Knie. Vorsichtig schloß er beide Hände darum. Wärme durchdrang seine kalten Finger. Er seufzte wohlig.

Eine Weile schwiegen sie in friedlicher Eintracht. Draußen heulte der Wind und zerrte an den Fenstern, doch im Innern der Wohnung war es kuschelig warm und gemütlich. Die Heizung knackte leise im Hintergrund. Durch die Wände gedämpft drangen ein paar zaghafte Flötentöne zu ihnen, doch sie verstummten schnell wieder.

"Du hast vorhin am Telefon nicht viel von dem verstanden, was ich dir erzählt habe, nicht wahr?" unterbrach Chrys schließlich die Stille.

Masha zuckte mit den Schultern. "Genügend, um zu wissen, daß du in ernsten Schwierigkeiten steckst, Lieber", sagte sie mit einem Lächeln. "Irgend etwas von einem Überfall und einem Vampir. Und daß du Angst hast."

"Masha..." Chrys nahm den Deckel von seiner Tasse ab und verbrannte sich auf dem Weg zum Tisch, wo er ihn ablegte, fast die Finger. Dampf stieg auf, der Geruch war angenehm würzig und einen Hauch bitter. "Es klingt absolut unwahrscheinlich, aber es ist wirklich ein Vampir. Er hat mich gebissen..." So verzweifelt er versucht hatte, sich einzureden, daß es nur ein Verrückter war, so sicher wußte er, daß es nicht stimmte. Erinnerungen kamen zurück. //Blut... warm und lebendig... durch eine durstige Kehle rinnend... in die eigenen Adern strömend und das brennende Verlangen stillend...// Chrys schauderte unmerklich.

"Ich weiß", erwiderte sie und drehte den Deckel mit einem Finger hin und her. Ruhig sah sie ihn an. "Ich habe ihn gesehen..."

Überrascht sah Chrys auf und erwiderte den Blick. Dann verzogen sich seine Lippen zu einem erleichterten Lächeln. Hatte er allen Ernstes erwartet, daß Masha ihm nicht glauben würde? Nicht Masha! Immerhin gehörte der Esoterikladen ihr, und sie glaubte daran, daß es verdammt viel mehr auf Erden gab, als man mit den Augen sehen konnte. Vermutlich war es dann nicht weiter schwer, auch an Vampire zu glauben.

"Aber es wäre wirklich lieb von dir, wenn du mir mal in aller Ruhe erzählen könntest, was geschehen ist." Sie legte den Deckel beiseite, ohne sich die Finger zu verbrennen und nahm einen kleinen vorsichtigen Schluck von dem heißen Tee. "Momentan kann ich mir noch kein Bild davon machen..." Sie unterbrach sich, dann sah sie Chrys scharf an. "Und Chrys-Lieber... wenn du nicht möchtest, daß jemand in deine Wohnung kommt, solltest du den Schlüssel nicht unbedingt in der Tür stecken lassen."

Chrys wurde blaß und spürte einen Stich in der Magengrube. "Der hat noch... gesteckt?" fragte er kläglich. "Shit, das muß gestern abend passiert sein. Ich kann mich kaum noch erinnern, daß ich überhaupt nach Hause gekommen bin."

Masha zog fragend die Augenbrauen hoch, erwiderte aber nichts.

Chrys seufzte und nahm einen Schluck Tee. Prompt verbrannte er sich die Zunge. Leise fluchend verzog er das Gesicht. //Der Schlüssel hat noch gesteckt... ein Wunder, daß ich die Tür überhaupt aufbekommen habe... Himmel, wie bin ich gestern überhaupt nach Hause gekommen?//

Einen Moment lang grübelte er noch darüber nach, dann seufzte er lautlos. Es war fast wie ein alkoholbedingter Filmriß. Nur nebelhaft schwebten einige Erinnerungsfetzen in seinem Gedächtnis. Er schüttelte den Kopf und sah zu Masha hin, die geduldig wartete, dann und wann an ihrem Tee nippend. Chrys atmete tief durch, dann begann er zu erzählen. Zuerst hatte er vor, ein paar Dinge einfach wegzulassen, doch Mashas ruhiger, klarer Blick brachte ihn dazu immer weiterzureden. Auch von der unbegreiflichen Lust, die er in den Armen des Vampirs verspürt hatte...

Als er geendet hatte, starrte er verlegen in seinen Tee und beobachtete mit bemühter Konzentration die Teeblätter, die in gemächlichen, unvorhersehbaren Kreisen in der Tasse trieben. Hoch und runter... //Was wird Masha davon halten?// In Kreisen... //Sie wird es pervers finden!// Sich drehend... //Nein, nicht Masha. Sie wird es verstehen.// Sich schlängelnde Achten... //Er hat mich umbringen wollen. Warum hat er es auf diese Art gemacht? Diese Ekstase..// Ein eigenartiger Tanz... //Ob es für jedes seiner Opfer so... lustvoll ist?//

Masha betrachtete Chrys eine Weile nachdenklich. "Erregend, sagst du..." Sie runzelte die Stirn. "Heute hat er dich nicht gebissen? Sondern nur..."

Chrys wurde rot. "Hm... ja... vorerst..." Er erinnerte sich an die liebkosenden Hände genauer, als ihm lieb war. Wieder spürte er einen kleinen, beunruhigend angenehmen Stich in der Magengrube. "Aber glaub mir, ich verstehe nicht wieso... er wollte mich umbringen. Und ich habe mich gefühlt... als sei er... mein Liebhaber..."

Masha lachte leise, aber es war ein angenehmes Lachen, keines, das ihn in Verlegenheit brachte. "Mach dir darüber keine Sorgen, Lieber. Wer weiß, vielleicht hast nicht du es gefühlt, sondern lediglich seine Gefühle mitbekommen... Schließlich hast du bei eurer ersten Begegnung seine Gedanken fühlen können."

"Aber heute... heute war es anders gewesen", sagte Chrys zögernd und sehr leise. //Keine fremden Gedanken...//

Masha hob eine fragende Augenbraue. "Chryssie? Willst du ihm noch mal begegnen?"

"Um Gottes Willen, nein!" wehrte Chrys entsetzt ab. Allein der Gedanke versetzte ihn in Panik. "Nur das nicht! Wie kommst du darauf?!?"

Ein wenig schuldbewußt lachte sie. "Nicht weiter wichtig, Lieber... Ich war nur am Überlegen, wie anfällig du für Hypnose bist. Nicht, daß ich das so einfach herausfinden könnte. Aber..." Sie stockte und machte eine vage Handbewegung. "Manche Vampire können so etwas. Dann öffnest du ihnen Tür und Tor."

Zweifelnd zog Chrys die Brauen zusammen und musterte sie mit schiefgelegtem Kopf. Ein winziger Stachel des Mißtrauens regte sich in ihm, doch er unterdrückte ihn schnell wieder. Wenn er ihr nicht mehr vertrauen konnte, wem sollte er sonst vertrauen? "Masha, woher weißt du soviel über Vampire? Steht das alles in deinen Büchern oder hast du ein paar Mal zu oft Dracula geguckt?"

Masha sah ihn mit ihren grauen Augen durchdringend an. Chrys hatte das Gefühl, als würde sie ihm bis ins Herz sehen und ihn prüfen. Ihm wurde ein wenig unbehaglich. Halbherzig versuchte er, sich hinter seiner Teetasse zu verstecken. Es gelang ihm, einen weiteren Schluck zu nehmen, ohne sich die Lippen zu verbrennen. Die Lippen, die der Vampir mit so einer Ausdauer liebkost hatte...

Mashas Prüfung schien zu ihrer Zufriedenheit auszufallen, denn sie nickte langsam.

"Dracula, hm?" fragte sie amüsiert. "Und woher meinst du, mein Wissen in Frage stellen zu können? Hast du soviel von deinem Vampir erfahren?" Sie blies sich eine graue Strähne aus der Stirn. "Es gibt da etwas, von dem ich finde, daß du wissen solltest, Lieber..."

In dem Moment schrillte die Klingel der Haustür durch die Wohnung. Mit einem Schreckenslaut zuckte Chrys zusammen. Der Tee schwappte über und ergoß sich über die Hand, die die Tasse hielt und tropfte auf ein Hosenbein.

"Keine Angst, Lieber. Hier kommt kein Vampir herein, wenn ich es nicht erlaube", sagte sie tröstend und stellte die Tasse beiseite. Sie stand auf, nahm eine Kleenexbox vom Regal und reichte sie ihm.

"Hier. - Und eines muß man meinem Besucher lassen", unwillig runzelte sie die Stirn, "er hat ein perfektes Timing."

Chrys lachte unsicher und nahm die Box dankbar entgegen. Er stellte die Tasse ab und versuchte den Tee wegzuwischen, so gut es ging. Zum Glück war er nicht mehr allzu heiß gewesen... "Und wie willst du ihm den Eintritt verwehren, Masha? Ich habe ihn auch nicht eingeladen, aber er schien trotzdem keine Probleme damit zu haben, meine Wohnung zu betreten."

Masha lachte. "Natürlich nicht. Es ist reiner Aberglaube, daß Vampire irgend eine Erlaubnis bräuchten, um Hausschwellen zu überschreiten." Sie zwinkerte aufmunternd. "Aber würdest du dich trauen, meine Wohnung zu betreten, wenn ich es dir verbieten würde?"

Obwohl Chrys bezweifelte, daß Masha etwas gegen einen entschlossenen Vampir ausrichten könnte - Gott, er war so stark gewesen! - mußte er lachen. "Nein, ich würde es nicht... und ich würde jedem empfehlen, sich daran zu halten, was du sagst."

"Na, siehst du..." Sie schnaubte, als die Klingel wieder ertönte, ausdauernder diesmal. "Ungeduldig sind wir gar nicht, was?" Sie warf Chrys einen Seitenblick zu. "Was meinst du wohl, was er machen würde, wenn ich nicht öffnen würde? Die Nachbarschaft zusammentrommeln?"

"Die Tür eintreten?" schlug Chrys vor, dem ganz anders wurde bei dem Gedanken, daß es der Vampir sein könnte.

Sie seufzte. "Na gut, dann wollen wir mal sehen, ob wir jetzt wirklich Besuch wollen..."

Chrys schauderte und machte sich ganz klein in seinem Sessel. //Nein, wollen wir nicht.// Aber er wußte, daß Masha auf jeden Fall öffnen würde. Es könnte wichtig sein. Und die Wahrscheinlichkeit, daß es der Vampir war, war verschwindend gering. //Oder?//

Masha ging in den Flur und schob die Jacken beiseite, die vor dem Spion hingen. Chrys hörte, wie sie einen überraschten, aber nicht unbedingt erfreuten Laut von sich gab, dann wurde der Riegel beiseite geschoben, der Schlüssel umgedreht und die Tür geöffnet.

"Roland! Was hast du denn hier verloren?" fragte sie unwillig.

"Masha, so schön und charmant wie eh und je..."

Der Klang der tiefen, rauhen Männerstimme ließ Chrys erleichtert aufatmen. Er kannte sie nicht. Mit einem leisen Aufseufzen entspannte er sich wieder und griff erneut nach seiner Tasse.

"Spar dir deine Komplimente, Roland", sagte Masha scharf. "Was willst du hier?"

Der Mann seufzte resigniert. "Kein besonders warmer Empfang dafür, daß wir uns so lange nicht gesehen haben... Kann ich reinkommen?"

Chrys hörte nichts, aber sie mußte wohl die Tür geöffnet haben, denn kurze Zeit später wurde sie geschlossen, und er hörte schwere Schritte, die ins Wohnzimmer kamen. Er seufzte stumm. Mußte das sein? Er hatte keine Lust auf Gesellschaft. Und Masha hatte ihm gerade irgend etwas erzählen wollen. Etwas wichtiges...

Er drehte sich um und sah dem Mann - Roland - entgegen. Seine Augen weiteten sich überrascht. Das war bei weitem einer der größten Menschen, die er je gesehen hatte. Er mußte den Kopf einziehen, um zur Tür hereinzukommen. Und er hatte verdammt breite Schultern. Sein Kinn war kantig, die Lippen scharf geschnitten, aber voll. Unwillkürlich mußte Chrys an Rasierwasser- und Zigarettenreklame denken. Die braunen, kurzen Haare waren an den Schläfen bereits ergraut, und der scharfe Blick der blauen Augen erinnerte ihn an Mashas. Gerade, dichte Brauen zogen sich unwillig zusammen, als er Chrys erblickte.

Er nickte ihm kurz zu, dann wandte er sich zu Masha um. "Du hast mir nicht gesagt, daß du Besuch hast."

"Hm." Masha kräuselte spöttisch die Lippen. "Hast du mich gefragt? Außerdem bin ich dir keine Rechenschaft schuldig, Lieber."

Roland schnaubte unwillig. "Laß das. Du weißt, daß ich es nicht ausstehen kann, wenn du mich Lieber nennst."

"Oh, wirklich!" Masha zuckte mit den Schultern. "Und du weißt, daß mich das nicht im geringsten interessiert."

Chrys verkroch sich unbehaglich tiefer in seinem Sessel. Möglichst konzentriert starrte er auf die Teetasse. Roland und Masha klangen wie ein altes Ehepaar - und zwar eines, das sich nicht besonders gut vertrug. Er wollte eigentlich nicht wirklich Zeuge eines Ehestreites werden. Er überlegte, ob es eine gute Zeit wäre, um auf Toilette zu verschwinden.

Ein Lächeln zuckte um Rolands Lippen. "Ja, das hat es dich noch nie... Schade, daß du nach all der Zeit noch immer nicht vergessen kannst..."

"Vergessen?" fragte Masha hitzig, ihre Augen blitzten auf. "Wie soll ich so etwas vergessen?!?"

Wenn Chrys so darüber nachdachte, drückte seine Blase wirklich sehr. Im Bad konnte er dann eine Weile bleiben und in den Zeitschriften schmökern, bis die beiden geregelt hatten, was es zu regeln gab. Für einen Moment spielte er mit dem Gedanken, nach Hause zurückzukehren. Doch der Gedanke an schwarze Augen, denen er allein vollkommen hilflos ausgeliefert wäre, ließ ihn die Idee ganz schnell wieder verwerfen. Um nichts in der Welt!

Er stand auf und stellte die Tasse möglichst leise auf den Tisch. Doch als er sich unauffällig an Roland vorbeidrücken wollte, weiteten sich die Augen des großen Mannes plötzlich. Er packte Chrys am Arm und zog ihn halb herum.

Chrys japste erschrocken auf. "He! Was...."

"Sorry, Junge", murmelte Roland automatisch, schien sich aber nicht im mindesten darum zu kümmern. Er griff in den Ausschnitt von Chrys' Pullover und zog ihn bis fast auf die Schulter herunter. Den unschönen Laut von reißenden Fäden ignorierte er vollkommen. Chrys erstarrte.

Heftig wirbelte Roland ihn herum, so daß Masha einen Blick auf die zwei roten Male auf der weißen Haut werfen konnte.

"Masha, was ist das?" verlangte er scharf zu wissen.

Masha starrte ihn aus schmalen Augen an.

"Als ob du das nicht sehr genau wüßtest, Roland Petry! Und jetzt laß ihn los, und zwar sofort!" sagte sie sehr leise und sehr kalt.

 


Kommentare, Kritiken, Lob?
 
© by Meike "Pandorah" Ludwig