Meerschaum

7.

Die starken Arme Drachentods schlossen sich fester um Timon; er wurde gegen den kräftigen Körper gedrückt, wie man ein kleines Kind hielt. Eine Hand stützte seinen Kopf, die andere hielt den unteren Rücken. Zitternd presste Timon das Gesicht an Kiwans Hals, schlang die Arme um die breiten Schultern und versuchte, das unendlich dunkle, bodenlose Meer zu vergessen.

Kiwan zischte leise, als er eine Spitze am Rücken spürte und sich erinnerte, dass Hadiya das Messer der Wächterin an den Mann gegeben hatte. Eigentlich eine gute Idee, damit er eine Waffe hatte, doch nun stellte sich das als eine Art Fehler heraus. Er brachte den Mann dazu, seinen Griff zu lockern und entwand ihm das Messer. Nur einen halben Atemzug später klammerte sich der Mann wieder an ihn. Kiwan schob das Messer in den Gurt zu seinem eigenen und umfing den Mann erneut. Beruhigend streichelte er seinen Rücken.

Es war anstrengend, mit dieser unhandlichen Last zu schwimmen, es machte ihn langsam und war auch nicht ungefährlich. Wie sollte er kämpfen, wenn sie angegriffen wurden?

"Hadiya ist unter uns, ich bin über dir. Du bist sicher", wisperte er direkt neben dem Ohr des Mannes. Das dünne, weiche Haar kitzelte sein Gesicht. Der andere lockerte zwar nicht seinen Griff, doch Kiwan hatte das Gefühl, dass er ein bisschen weniger zitterte. Vielleicht war das allerdings auch nur Einbildung.

"Diya", er hob die Stimme gerade so weit, dass seine Schwester ihn verstehen konnte, "wir brauchen einen Unterschlupf für die Nacht. So kommen wir nicht weit."

"Hn." Der zustimmende Laut klang wie ein Knarzen von Holz in der Brandung, dann änderte sie leicht die Richtung, ein wenig mehr zur Oberfläche hin und etwas weiter südlich. Während Kiwan gerne reiste und seine Kenntnisse allgemein die Wege und das Land zwischen zahlreichen Dörfern umfassten, kannte seine Schwester das Gebiet des Perlmuschel-Stammes und seine Umgebung wie die Linien ihrer Hand.

Dennoch schwammen sie eine lange Zeit einfach nur in der Dunkelheit – der Abgrund war weit und groß. Einmal änderten sie erneut die Richtung, um etwas Großem auszuweichen, das sie undeutlich spüren konnten, wie Atem in der Strömung, wie eine Präsenz gerade außer Sichtweite an einem klaren Tag. Kiwan war froh, dass der Mann noch immer zu sehr mit seiner Furcht beschäftigt war, um sie ebenfalls zu spüren. Kiwan wollte nicht wissen, wie schlimm seine Panik sonst geworden wäre. Niederringen wollte er ihn zu allem Überfluss nicht auch noch.

Er atmete auf, als Hadiya mit einem leisen Laut zu verstehen gab, dass sie ihr Ziel erreicht hatten. Vor ihnen ragte aus der immerwährend schwarzen Tiefe bis in die tagsüber lichtdurchfluteten Gewässer der Oberfläche die zerklüftete Kontinentalplatte empor, auf der sich die Seegrasebene erstreckte. Hadiya führte ihn bis zu einem Vorsprung, an dem er Halt finden konnte, dann lenkte sie die Gefangene zu ihm.

Einen Atemzug später durchbrach das gedämpfte Licht von Hadiyas Messer die Finsternis, das für Kiwans an die Dunkelheit gewöhnten Augen dennoch zu hell war. Der Mann in seinem Arm zuckte zusammen und wimmerte; tröstend umfasste Kiwan ihn fester.

Hadiya verdrehte die Augen, dann wies sie mit einer Kopfbewegung und einem Heben ihrer Brauen auf eine schmale Öffnung im Felsen, gerade groß genug, dass er sich würde hindurchzwängen können. Sie bedeutete ihm zu warten, ehe sie geschmeidig in die Höhle glitt, um nachzuschauen, ob der Platz sicher war.

Schnell war ihr Licht nur noch deswegen auszumachen, weil er wusste, dass es da war. Halb lauschte er auf sie, um ihr in der Not zur Hilfe eilen zu können, halb beobachtete er den dunklen Ozean. Doch lange musste er nicht warten, Hadiya brauchte nicht viel Zeit. Bald kehrte das Licht zurück.

"Alles in Ordnung", sagte sie leise und wich aus der Öffnung weiter nach hinten ins Innere zurück. Kiwan nickte; er konnte sehen, dass sie sich wartend in einen schmalen Gang drückte.

"Du zuerst", murmelte er und schob die Gefangene auf den Eingang zu. Folgsam schwamm sie hinein, auch sie war so schmal, dass sie keine Probleme hatte, in die Höhle zu kommen.

"Wenn du es schaffst, dich von mir zu lösen, können wir auch rein." Kiwan grinste und wuschelte einmal durch das weiche Haar des Mannes. Es fühlte sich nett unter seiner Hand an.

Doch sein Grinsen verschwand abrupt, als er mit einem Mal die Gegenwart eines großen Wesens spürte. Vor sich, in der Dunkelheit. Und sie kam zielstrebig näher. "Diya!"

Sie schoss heraus, ihr Haar fächerte sich lauschend auf. Ein knappes Nicken. "Rein in die Höhle, sonst wirst du Fischfutter", schnauzte sie harsch und zerrte an dem Mann. Er gab einen erstickten Laut von sich, aber ließ los. Das schwache Licht, das aus dem Eingang sickerte, tat ein übriges. Überraschend schnell schwamm er darauf zu, von Hadiya noch gezogen.

Ohne das zusätzliche unhandliche Gewicht fühlte Kiwan sich gleich sicherer. Rasch tauschte er das Messer der Wächterin gegen sein eigenes. Ihres kam in die Scheide, damit er sich nicht versehentlich verletzte, sein vertrautes hielt er in der linken Hand. Während Hadiya den Mann in die Höhle bugsierte, starrte Kiwan mit bereitgehaltener Harpune angespannt ins Dunkel hinaus.

Die Bewegung des Wassers spürte er zuerst an den Ohrfächern – einer Welle gleich, als sich ein großer Körper näherte. Kiwan wartete einen Wimpernschlag, dann kniff er die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen und entzündete das Licht seines Messergriffs in voller Stärke.

In der Dunkelheit war Licht eine Waffe, und sie wirkte. Kiwan sah den riesigen Kalmar in dem Moment, in dem dieser abdrehte, zurückgeschreckt von der plötzlichen Helligkeit. Augen so groß wie sein Kopf erfassten ihn, ein Mantel von der doppelten Länge seines eigenen Körpers bog sich in einer eleganten Kurve. Zehn Fangarme breiteten sich aus, als der Kalmar überraschend schnell wendete und auf Kiwan zugeschwommen kam. In ihrer Mitte eingebettet konnte Kiwan den scharfen Schnabel sehen, der schon bei kleineren Exemplaren als diesem hier tiefe Wunden reißen konnte.

Adrenalin strömte durch Kiwans Körper, sein Herz schlug schneller, als er die Harpune fester packte. Drachen mochten größer und massiger sein, aber er zog sie jederzeit vor. Die vielen Arme machten Riesenkalmare unberechenbar. Kiwan schlug kräftig mit den Flossen und schoss hoch, direkt gefolgt von dem Kalmar.

Mit einer kleinen Bewegung löschte er das Licht, um kein deutliches Ziel mehr zu bieten. Hinter ihm blitzte es auf, als der Kalmar nun seinerseits Licht einsetzte. Für einen kurzen Moment konnte Kiwan eine Felsnase sehen, auf die er zuhielt. Er erreichte sie, griff mit einer Hand danach, wendete und stieß sich mit der ganzen Kraft seiner Beine ab, schräg nach unten am Kalmar vorbei. Die Arme griffen nach ihm; er spürte, wie eine Spitze seine Wade streifte, sein Herz machte einen Satz. Doch die Saugnäpfe verfehlten ihn.

Kiwan durchquerte die Bahn des Kalmars und roch den beißenden Uringestank, der von dem Tier ausging. Nicht einmal essen konnte man sie, es lohnte nicht, sich der Gefahr auszusetzen und sie zu jagen.

Wendig bog Kiwan seinen Körper und hielt mit ganzer Kraft auf den schwachen Lichtschein zu, der ihm die Höhle anzeigte. Dann hatte er die Felsöffnung erreicht. Ausatmend schloss er die Kiemendeckel, um so schmal wie möglich zu sein und sie zu schützen. Er legte die Rückenflosse an und riss die Arme vor, als er mit voller Geschwindigkeit in den winzigen Eingang eintauchte. Der Fels schrappte über seinen Rücken und hinterließ eine leicht brennende Bahn. Keinen Lidschlag später schlossen sich schlanke Arme um Kiwan, als Hadiya seinen Schwung bremste. Nur sacht stieß er mit Messergriff und Harpune gegen die Felswand.

"Das war knapp." Hadiya grinste und ließ ihn los.

Kiwan atmete tief durch und erwiderte das Grinsen erleichtert. Knapp war das passende Wort, sowohl für ihr Entkommen vor dem Kalmar als auch die Vermeidung eines Unfalls. Hätte seine Schwester ihn nicht aufgehalten, wäre er voller Schwung gegen die Wand geschmettert. Der Gang beschrieb einen Knick – perfekt, damit Lichtschein von drinnen vom offenen Meer aus nicht weiter als zwei oder drei Mannslängen weit gesehen werden konnte.

Nur ein kurzes Stück hinter dem Knick weitete sich der Gang zu einer leidlich großen Höhle. In ihrer Mitte steckte Hadiyas Messer im ebenen, sandigen Boden und erhellte begradigte Felswände mit einigen praktischen Nischen. Die Gefangene hatte sich an die Wand gesetzt, direkt bei ihr kauerte der Mann. Die Panik hielt ihn offensichtlich nicht mehr im Griff, aber er war noch immer blass und starrte mit großen, dunklen Augen zu Kiwan und Hadiya hin.

"Die Höhle ist großartig", sagte Kiwan überrascht. "Genau das, was wir brauchen."

Zufrieden mit seiner Begeisterung und ihrer Wahl sah Hadiya ihn an. "Noch viel besser, als du denkst, Brüderchen. Sie ist ein Quartier für Jagdgruppen, die weit vom Dorf entfernt jagen."

Sie schwamm in eine dunklere Ecke und schob einen behauenen Stein beiseite, den Kiwan erst jetzt bemerkte. Aus der dahinter liegenden Öffnung holte sie eine verschlossene Luftatmer-Amphore und stellte sie sorgfältig ab. "Die Notvorräte werden wir nicht brauchen, ich habe schon einen ruhenden Buckelkopf entdeckt. Der wird für uns vier ausreichen." Dann zog sie ein Bündel Decken hervor. "Aber die werden uns gute Dienste leisten."

Kiwan lauschte auf die Geräusche, die der Kalmar machte, als er mit seinen Armen den Eingang erkundete, um herauszufinden, ob er seine entkommene Beute doch noch irgendwie erreichen konnte, und seufzte zufrieden.

"Großartig", wiederholte er. Er legte die Harpune ab und das Messer der Wächterin daneben, um sein eigenes wieder an den gewohnten Platz zu stecken. Er bevorzugte es, wenn seine Ausrüstung griffbereit an ihrem Platz war. Dann schwamm er zu seiner Schwester, um ihr mit den dicken tanggewebten Matten zu helfen.

Timon beobachtete, wie die beiden Meerleute ein Lager richteten, das richtiggehend verlockend aussah, schon allein deswegen, weil es versprach, dass man sich unter einer Decke verkriechen konnte. Kalt war ihm noch immer nicht, die Perle wirkte offensichtlich Wunder.

Doch auch wenn er nun Fels um sich hatte und die Dunkelheit durch die Lampe im Messer gewichen war, hatte sich sein Herz nach wie vor nicht gänzlich beruhigt. Sein Magen war noch immer zu klein und verkrampft. Timon sehnte sich nach Luft, trockener Kleidung und der Sicherheit der modernen Welt. Ihr Entkommen vor welchem Monster auch immer war zu knapp gewesen.

Drachentods Begleiterin ließ ihren Bruder allein das restliche Lager aufschlagen, nachdem die Bodenmatte ausgebreitet war, aber Timon konnte sich nicht überwinden zu fragen, ob er Hilfe brauchte. Nach der peinlichen Aktion im freien Meer wusste er nicht, wie er ihn ansprechen sollte. Aber immerhin würden sie die Nacht über wohl hier bleiben. Umständlich zog er die engen Flossen aus, die er nicht benutzt hatte und atmete erleichtert auf, als der Druck nachließ.

Aus den Augenwinkeln beobachtete er, wie die Frau Brins Messer nahm und in die Nähe des Eingangs schwamm; dann sah er nur eine schnelle Bewegung, und einen Moment später zog sie einen großen Lippfisch aus einer Felsspalte. Sie wischte eine Schleimschicht beiseite, streifte ihre Flossenschuhe ab und begann, den Fisch geschickt zu zerlegen, während sie durch kleine Bewegungen ihrer Schwimmhäute Blut und Fleischsaft in Richtung Ausgang trieb. Essen, hatte sie gesagt, und trotz des unappetitlichen Anblicks und der Angst spürte Timon mit einem Mal, dass er Hunger hatte. Wie lange war seine letzte Mahlzeit her? Wie lang war sein Tag gewesen?

Er spürte eine Bewegung an seiner Seite und zuckte zusammen, doch es war nur Drachentod, der mit dem Lager – es war nur eines – fertig war und sich bei Brin hinkniete. Ein wenig ungeschickt löste er den Knebel. Sie spuckte Blasentang aus und atmete tief durch.

"Geht's dir besser?", fragte Drachentod, aber sah Timon an, nicht Brin.

Timon nickte. Er spürte Hitze in den Wangen und schämte sich, weil er so die Fassung verloren hatte. Er schämte sich auch, weil er sich wie ein Kind an den Mann geklammert hatte. Doch er konnte es nicht ändern, und er wusste, dass er kein Stück anders reagieren würde, wenn er wieder in die Dunkelheit raus müsste. Er schauderte.

Aufmunternd lächelte Kiwan. Man sah dem Mann an, dass er sich am liebsten verkrochen hätte. "Mach dir nichts draus. Viele von uns reagieren nicht anders, wenn man sie in der Nacht aus den Dörfern holen würde. Und die sind an ein Leben unter Wasser gewöhnt. Du bist doch ein Luftatmer, nicht?"

Unsicher sah Timon ihn an, aber antwortete nicht; automatisch suchte sein Blick gleich darauf Brin.

Sie grinste und spuckte ein letztes Stück Blasentang aus. "Der Perlmuschel-Stamm ist mit Luftatmern befreundet, mach dir keine Sorgen. Und nebenbei, sie haben mich entführt, um dich zu befreien. Ich glaube nicht, dass du Angst vor Drachentod haben musst."

Wieder zuckte Timon zusammen und zog die Schultern hoch. "Entschuldige, Brin, das wollte ich nicht", sagte er kläglich. "Ich habe nur daran gedacht, dass du vielleicht Ärger bekommen könntest, wenn man denkt, dass du mich freigelassen hast."

Sie erwiderte seinen Blick, dann lächelte sie. "Du bist ein seltsamer Mann, aber auf nette Art."

"Ich habe versprochen, dass ihr nichts passiert, und ich halte mein Wort." Kiwan nickte entschieden. "Ich werde dafür Sorge tragen, dass der Hornspeer-Stamm davon erfährt, dass ich es war, der sie aus ihrer Mitte fing."

"Was nicht nur meinen Ruf retten, sondern auch den deinen vergrößern wird", gab Brin beinahe neckend zurück.

Kiwan lachte.

Timon bekam das Gefühl, dass Brin es nicht so schrecklich fand, gefangen zu sein, wie es für ihn gewesen war. Vielleicht, weil sie wusste, was sie erwartete und dass es nicht tödlich war. Vielleicht war es, weil das Wasser ihr Element war und an Land hätte sie auch mehr Angst gehabt. Vielleicht, weil es Drachentod war, der sie gefangen hatte. Sie schien eine hohe Meinung von ihm zu haben, obwohl er zu einem feindlichen Stamm gehörte – so wie sie Timon nicht verdammt hatte, nur weil er anders war. Aber vielleicht war sie auch einfach nur mutiger als er.

Wieder sah Timon zu Drachentod hin, und das erste Mal betrachtete er ihn ganz bewusst. Sie hatten Zeit, sie waren in Sicherheit. Das Licht des Messers war hell genug, um jede Farbe deutlich hervorzuheben, Brins roten Haare ebenso wie die blaugrüne Haut des Mannes. Sie schillerte wie bei manchen Fischen, wenn er sich bewegte, schien mal eher zu Blau, mal mehr zu Grün hin zu wechseln. Auch sein Haar, dunkler als sein Körper, bewegte sich zwischen den beiden Farben hin und her.

Jetzt fächerte es sich auf und wandte sich Timon zu, ein Zeichen von Aufmerksamkeit, wie Timon zu vermuten begann, denn auch er wurde von Drachentod gemustert. Beeindruckend, wie sie ihre Haare kontrollieren konnten. Das energische Gesicht mit den kantigen Kiefern und gerade Brauen war trotz der Fremdheit durch die ungewohnte Färbung attraktiv und erinnerte Timon an den Moment, in dem er in Kiwan nicht einfach ein faszinierendes Meerwesen, sondern einen Jungen erkannt hatte, mit dem man herrlich spielen konnte.

Drachentod lächelte, und unwillkürlich lächelte Timon zurück. Ihm fielen die blaugrünen Augen auf, in ihrer Intensität eine ungewöhnliche und sehr schöne Farbe. Dann merkte er, dass er starrte und wandte hastig den Blick ab, unglücklicherweise auf Drachentods breite, nackte Brust. Doch noch ehe er sich erneut ablenken konnte, starrte er wieder. Dieses Mal jedoch auf den Anhänger. Timons Augen wurden schmal. Drachentod trug nicht nur die Perle darin, an die Timon sich schon bei den Meermenschen gewöhnt hatte, sondern zudem noch etwas, das ihm bekannt vorkam – ein kleines Plastikkrokodil.

Aufgeregt richtete er sich auf und streckte die Hand danach aus. "Woher hast du das?"

Kiwan fing sie ab, ehe der Mann sein Amulett berühren konnte. "Ein Freund hat es mir geschenkt; es ist ein Schutzzauber", antwortete er wachsam und sah in das gerötete Gesicht hinab. Der Mann wirkte mit einem Mal atemlos; jede Angst war aus seinem Blick verschwunden, als hätte er sie vergessen. Kannte er etwa diese Art des Zaubers? War es das Zeichen eines bestimmten Luftatmer-Stamms? Vielleicht konnte er ihm gar einen Weg zu Timon zeigen!

"Hieß der Freund Kiwan?" Freudiges, erwartungsvolles Prickeln erfüllte Timon, auch wenn er gehofft hatte, dass der Meerjunge sein Geschenk genauso behalten hatte wie er selbst das seine. Doch immerhin war es überhaupt ein Geschenk an Drachentod gewesen, niemand schien es Kiwan mit Gewalt oder gar mit seinem Tod abgenommen zu haben, und das war gut.

Unwillkürlich schloss sich Kiwans Hand fester um das Gelenk des Mannes. Er kannte ihn, und er sprach den Namen genauso aus wie damals der Luftatmer-Junge! Ungläubig starrte er ihm ins Gesicht. Braune Augen, braunes Haar, Grübchen beim Lächeln. Konnte es sein...?

"Timon?", fragte er hoffnungsvoll und spürte sein Herz schneller schlagen.

"Ja, das bin ich! Du... du bist Kiwan? Mein Kiwan? Kennst du diese hier?" Mit vor Aufregung bebenden Fingern zerrte Timon hastig die Kette unter dem T-Shirt hervor.

"Mein altes Amulett! Timon, du bist es wirklich!"

Keinen Moment später lagen sie sich lachend in den Armen und drückten einander.

"Unglaublich!", rief Kiwan und schob Timon ein Stück von sich weg, um ihm ins Gesicht sehen zu können. Es glühte vor Freude, und er lachte erneut. "Unglaublich, dass ich dich so finde!"

Dann küsste er ihn auf den Mund, die einzig angemessene Begrüßung für einen so engen Freund, selbst wenn sie sich über Jahre hinweg nicht gesehen hatten.


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Wünsche von:
Katsumi, Mahadevi & Witch23: Ablenkung von Panik durch einen Kuss, weil leise und "zur Hand" – zu beruhigendem Streicheln umgewandelt, da mir die andere Kussvariante besser gefiel
Katsumi & Mahadevi: Begrüßungskuss nach gegenseitigem Erkennen
Mahadevi: Timon fällt das Amulett mit dem Krokodil auf, wodurch sie sich erkennen
Witch23: Kuss ist ein Ritual zur Begrüßung guter Freunde; Verstecken in einer Höhle, damit sie nicht vom Drachen (hier nun ein Riesenkalmar, den Kiwan bedrohlicher findet) erwischt werden und da Timon und Brin die Geschwindigkeit eher hemmen


© by Pandorah