Meerschaum

13.

Timon erwachte mit einem flauen Gefühl im Bauch und Kopfschmerzen. Er blinzelte in die grüne Dämmerung der Wohnhöhle, das Licht war gefiltert durch die Tange und drang nur schwach bis zum Bett durch. Der Tag danach... nach was? Murrend verkroch er sich wieder tiefer in der Decke, nicht bereit, die Augen länger zu öffnen. Seine Träume waren zu nett gewesen, von Kiwan, der ihn leidenschaftlich begehrte und küsste, der ihn wild und ungezügelt liebte. Dahin wollte er wieder zurück, nicht in die nasse, katerbewehrte Wirklichkeit.

Hinter ihm brummelte Kiwan und zog ihn dicht zu sich. Timon zuckte zusammen, als er bemerkte, dass sowohl er wie auch Kiwan vollkommen nackt waren. Zeitgleich setzte die Erinnerung ein und erklärte ihm, dass die Hälfte seiner Träume – und zwar die expliziten, detailreichen, besonders erregenden – exakt das nicht gewesen waren, nämlich Träume. Drei Mal hatten sie es hintereinander getan, und dann noch mal, nachdem sie mitten in der Nacht aufgewacht waren.

'Scheiße, so schnell bin ich noch mit niemanden in der Kiste gelandet! Ob das so klug war? Ich kenne ihn doch kaum. Drei Tage gerade mal. Und was, wenn er jetzt mehr will?' Aber es hatte gut getan. Unglaublich gut sogar, denn Kiwan war nicht nur attraktiv, sondern konnte auch unglaublich gut lieben.

Timon spürte überrascht, dass sein Begehren erneut aufflackerte, und grinste verhalten. Kein Wunder, dass er bei der Erinnerung an Kiwans Geschick schon wieder wollte, aber das war nun definitiv keine gute Idee, zumindest dessen war er sich sicher. Zu sehr durfte er sich nicht an Kiwans Zärtlichkeiten gewöhnen, früher oder später würde er auf jeden Fall zurück an Land und nach Hause kehren. Wenn er sich zu wohl mit seinem Freund zu fühlen begann, würde er sich am Ende noch in ihn verlieben, und das würde bei der Aussichtslosigkeit mit Welten, die sie trennten, nur Herzschmerz bringen.

Er wartete, bis sich Kiwan wieder entspannte, dann schob er sich vorsichtig aus seinen Armen und aus dem Bett. Die Übelkeit rollte in einer neuen Welle heran, Timons Kopf pochte und fühlte sich an, als würde ein Meerkater alle Krallen in seinen Schädel graben. War das der Wein oder die Goldaugenschnecke? Timon schwor sich, beides nicht mehr zu essen, auch wenn er diesen Schwur bestimmt brechen würde.

Vorsichtig schwamm er zur Decke empor, schob den einfachen Riegel beiseite und hielt, nachdem die Tür aufgeschwungen war, den Kopf in die Strömung. Erleichtert nahm er einen tiefen Atemzug; frisches Wasser strömte in seine Lungen und ließ Übelkeit und Kopfschmerz ein wenig abklingen. Erst jetzt merkte er, wie stickig es in der Höhle war und wie sehr es nach Sex roch. Gerne wäre er nach draußen geschwommen, doch das wollte er gewiss nicht nackt tun.

Unten brummelte Kiwan erneut, und Timon grinste. Ob sein Freund auch Kopfschmerzen hatte? Er ließ die Tür aufstehen und schwamm zu der zweiten Öffnung, die es erlaubte, die Höhle auf so simple und effektive Art zu lüften. 'Oder wässern sie hier?', fragte er sich amüsiert.

Es war eine definitive Verbesserung, als die Strömung das abgestandene Wasser mit sich fort nahm. Unwillig sah Timon sich dann nach seiner Shorts um, die gemächlich wie eine schwarze Qualle, wenn auch nicht halb so elegant, zusammen mit Kiwans verdrehter Hose auf die Öffnung zutrieb. Ob sie gut gespült und ohnehin dauernd von Wasser umgeben war oder nicht, machte vom Gefühl her keinen Unterschied. Timon wusste, dass er sie nun seit vier Tagen trug, das war eklig und zu lang. Trotzdem schloss er die untere Öffnung wieder, bevor die Kleidung träge die Flucht ergreifen konnte.

Kiwan erwachte ohne Timon im Arm, als der gemütliche Morgenduft von frischem Wasser davon geschwemmt wurde. Müde sah er sich um, aber wurde gleich munterer, als er Timons verlockende Rückansicht nicht weit vom Bett entfernt entdeckte. Obwohl sie sich in der Nacht so oft geliebt hatten, hatte er schon wieder Lust auf ein weiteres Mal.

"Du bist ganz schön munter dafür, dass wir so wenig Schlaf bekommen haben", neckte er.

Kiwans tiefe Stimme klang wie Sonnenschein an einem Sommertag im Wald oder wie dunkler Honig; sie schickte einen warmen Schauer über Timons Rücken und ließ ihn sich umdrehen. Sein Freund hatte sich unter der Decke hervor geschoben und aufgesetzt und gestattete wieder einmal einen Blick auf seinen muskulösen Oberkörper. Sein Haar bauschte sich auf, als sich ihre Blicke trafen.

"Ich hab' versucht, die Übelkeit zu vertreiben. Sag mal, hast du was... ehm, zum Anziehen für mich?", versuchte Timon ein wenig heiser abzulenken. Kiwans Blick strich begehrlich über ihn, als hätten sie beide noch nicht genug nach dieser Nacht, und Timon war sich sowohl seiner Nacktheit wie auch seiner aufflammenden Lust nur zu deutlich bewusst. Doch gerade war er sich seiner Sache noch sicher gewesen, da sollte er besser nicht auf seinen betrügerischen Körper hören. "Ich mag die Shorts nicht mehr sehen."

Am liebsten hätte Kiwan Timon gleich wieder in seine Arme gezogen, erneut das Begehren auf seinen Lippen geschmeckt. Timons sich regende Männlichkeit verriet, dass er dem durchaus nicht abgeneigt war. Doch seine Haltung sprach anderes; sein Freund wandte sich halb ab, wie um sich zu verstecken, sah zu den Tangen hin statt ihn an und wirkte mit leicht hochgezogenen Schultern angespannt. Ob die eigenartige Moralvorstellung der Luftatmer aufgewacht war, die vielleicht am Abend nur vom Uinum und der Goldaugenschnecke betäubt gewesen war?

Unbehaglich musterte Kiwan den begehrenswerten Hintern seines Freundes, sehnte sich danach, ihn anzufassen, aber wollte ihn doch nicht bedrängen. "Sicher hab ich was für dich." Er stieß sich vom Bett ab, glitt an Timon vorbei, ohne ihn zu berühren, und öffnete die Truhe. Aus einem Korb holte er zwei Wickelhosen hervor und hielt eine Timon hin. "Weißt du, wie man sie anlegt?"

Timon schüttelte den Kopf, als er feststellte, dass die verdrehten Hosen in Wirklichkeit nur aus einem langen Stoffband bestanden. Seines war grün, Kiwans blau. Kiwan führte ihm vor, wie man es anlegte und hatte mit wenigen Handgriffen tatsächlich wieder seine Hose an. Timon versuchte, es ihm nachzumachen, aber verhedderte sich gleich am Anfang.

Mit einem kleinen Grinsen, weil Timons Hilflosigkeit niedlich war, kam Kiwan zu ihm und half ihm. Bei der ersten Berührung zuckte Timon erschrocken zusammen und weckte damit ein drückendes Gefühl in Kiwans Bauch. Obwohl sich sein Freund gleich darauf wieder entspannte, blieb ein unerfreulicher Nachgeschmack, der ihm sagte, dass etwas nicht in Ordnung war.

"Bereust du die Nacht?", fragte Kiwan gerade heraus, als die Hose perfekt saß.

Timon starrte ihn an und wurde rot. Abweisend hatte er nicht wirken wollen, auch wenn er aus Sicherheitsgründen lieber keine Wiederholung wollte. Bisher hatte er Sex immer nur in Beziehungen gehabt, oder der Sex hatte zu Beziehungen geführt. Sein einziger One-Night-Stand mit einem tollen Mann, den er immerhin schon zwei Wochen vor ihrem ersten Mal gekannt hatte, war erst nach zwei Jahren beendet gewesen, kurz bevor Timon wegen seines Studiums umgezogen war.

Daher war die Frage vielleicht doch nicht so abwegig. Bereute er es? Er dachte daran zurück, spürte Verlangen und schüttelte den Kopf. "Nein. Kein Stück. Ich hoffe nur, dass es nicht zwischen uns stehen wird." Indirekt versuchte er, damit klar zu machen, dass nicht mehr in Frage kam, weder Sex noch tiefere Gefühle.

Erleichtert seufzte Kiwan auf, auch wenn der Druck in seine Brust wanderte und zu wachsen schien. "Dann ist es gut." Er küsste Timon auf die Schläfe, unsicher, was er von seinen eigenen Gefühlen halten sollte, und drängte sie erst einmal für eine Betrachtung zu angemessenerer Zeit beiseite. "Lass uns schauen, ob es vom Fest noch etwas zu essen gibt und wer außer uns schon wach ist. Paka wollte dir ja heute Flossen geben, dann kann ich dir nachher das Dorf und die Umgebung zeigen."

Die Leichtigkeit, mit der Kiwan zur Tagesordnung überging, war Timon irgendwo tief in sich auch nicht recht, wie er gleichermaßen überrascht wie unwillig feststellte. Ein Stich der Enttäuschung zwickte in seinem Bauch und saß dort einige Moment lang hartnäckig fest, ehe er sich wegschieben ließ.

"Das klingt nach einem guten Plan", entgegnete er munterer, als er sich fühlte. Hoffentlich war seine Katerstimmung mit ihrer Unentschlossenheit nur die Nachwirkung der Ausgelassenheit des Festes und nichts anderes – gute Feier, guter Sex und nun einfach der trübere Morgen danach, der eben nicht mit der gleichen Glorie aufwarten und im Vergleich nur grau wirken konnte.

Nachdem Kiwan sein Messer umgeschnallt hatte, verließen sie die Höhle. Es war schon helllichter Tag, auch wenn Timon die Zeit kaum zu schätzen vermochte. Dennoch waren nur wenige Meermenschen zu sehen. Lediglich einige Kinder spielten unbekümmert am Rande des Dorfes mit einem Oktopus. Ihr fröhliches Lachen hallte wie helle Glocken.

"Wann wird der Rat zusammen kommen?", fragte Timon, um kein ungemütliches Schweigen entstehen zu lassen. Andererseits interessierte es ihn wirklich. Immerhin ging es um die Kinder und seine Aufgabe bei ihrer Rettung, wie auch immer die aussehen mochte. Er wusste viel zu wenig von den Entführern, um einen Plan zu haben. "Es sieht noch sehr... verschlafen aus. Wie spät ist es?"

"Früher Vormittag." Kiwan grinste. "Nach Festen wie deinem schlafen wir immer lange. Oder führen das fort, was wir in der Nacht gefeiert haben." Er gluckste leise und warf Timon einen Seitenblick zu. "Deswegen wird der Rat nach Feiern erst am Nachmittag gehalten, wenn es sich wirklich nicht vermeiden lässt, ihn an dem Tag danach zu halten. Wir wollen schließlich ausgeruht unsere Entscheidungen treffen."

Timon lachte und zögerte nicht, die Hand zu ergreifen, die Kiwan ihm entgegen hielt, um ihn zu ziehen. Was freute er sich auf seine Flossen! Es gab kein Kleidungsstück, auf das er jemals sehnsüchtiger gewartet hatte als auf dieses.

Auch der Dorfplatz lag verlassen da. Sorgfältig abgedeckt standen die Schüsseln und Schalen auf ihren Matten, daneben stapelte sich in großen Körben benutztes Geschirr, um das sich Krebse, Fische und Schnecken tummelten, die sich über die Reste freuten. Kiwan säuberte zwei Schalen mit reichlich Sand und reichte Timon eine, ehe sie sich an der üppigen Auswahl bedienten, die übrig geblieben war; sorgfältig vermied Timon alles, was berauschte. Dann machten sie es sich auf vergessenen Kissen bequem und frühstückten gemütlich. Zu Timons Erleichterung gelang es ihnen, ein ganz normales Gespräch über das Dorf und die Sitten der Meerleute zu führen, ohne dass sie das Thema Sex wieder streiften.

Eines bemerkte Timon jedoch noch deutlicher als die Tage davor – er hatte sich seit vier Tagen nicht mehr rasiert. Jedes Mal, wenn er sich über das Kinn rieb, wenn er sich an der Wange kratzte, weil es unangenehm juckte oder auch nur, wenn er das Gesicht verzog, spürte er die schrecklichen Bartstoppeln. Ihn grauste es bei der Vorstellung, dass ihm ein Vollbart wuchs.

"Kiwan, wie scharf ist dein Messer?", fragte er schließlich abgelenkt, obwohl Kiwan gerade zu einer neuen Geschichte hatte ansetzen wollen.

Überrascht blinzelte Kiwan. "Sehr scharf, wieso?"

"Und... du kannst bestimmt gut Fische schuppen, nicht?" Hoffnungsvoll sah Timon ihn an.

Kiwan hob die Brauen; er hatte keine Ahnung, worauf Timon hinaus wollte. Aber er nickte. "Sicher. Das ist nicht schwer."

"Kannst du vielleicht... wenn es dir nicht unangenehm ist... quasi mich schuppen? Im Gesicht? Diese schrecklichen Stoppeln abrasieren?", brach es aus Timon heraus. "Ich kann mich unmöglich mit einem Messer und ohne Spiegel rasieren, ohne dass ich mir die Nase abschneide und tiefe Kerben in mein Gesicht hacke. Aber das hier", er strich sich mit einer Hand über die Wangen, "macht mich verrückt!"

Kiwan lachte auf und stellte seine Schale ab. "Das da", er wiederholte die Geste über Timons Wangen, "ist niedlich. Aber wenn es dich so stört, werde ich dich davon befreien."

"Das ist nicht niedlich!", protestierte Timon unwirsch und errötete. Trotzdem war es unangenehm angenehm, dass Kiwan ihn auch so noch attraktiv fand.

Lächelnd strich Kiwan ihm erneut über die rote Wange.

"Jetzt?", fragte er.

Timon errötete noch tiefer, denn Kiwans Ton war sinnlich und erinnerte ihn an die Nacht, da er ihn mehrfach 'jetzt' gewollt hatte.

"Jetzt", antwortete er dennoch.

Kiwan rutschte näher und musterte das gerötete Gesicht kritisch, um zu entscheiden, wie er es am besten machen wollte. Einen Menschen hatte er noch nie 'geschuppt'. Dann nickte er einmal und zog sein Messer. Behutsam stützte er Timons Kopf mit einer Hand und setzte die Schneide an.

Timon seufzte und schloss die Augen. Er wollte ihn lieber nicht die ganze Zeit anschauen, wenn er so nah war.

Der Laut brauchte Kiwan für einen Moment aus dem Konzept, aber er fing sich gleich wieder und zog vorsichtig die erste Bahn. Natürlich war es ein gänzlich anderes Gefühl als bei einem Fisch, aber es ging erstaunlich gut. Bahn für Bahn verschwanden zu seinem Bedauern die kurzen Haare, aber so interessant sie auch waren, so kratzig waren auch die Küsse. Und ohne den Bewuchs im Gesicht konnte man zudem viel mehr von Timon sehen.

Kiwan lächelte weich. Sein Freund hatte den Kopf in den Nacken gelegt und hielt vollkommen still. Beinahe schien seine Haltung erwartungsvoll, hingebungsvoll zu sein. Kiwans Herz begann schneller zu klopfen.

Timon genoss die Berührungen. Noch nie war er rasiert worden, bisher hatte er das immer selbst gemacht, und es war ein erstaunlich sinnliches Erlebnis. Kiwan war behutsam und vorsichtig, seine Bewegungen vollkommen sicher. Mit geschlossenen Augen spürte Timon ihnen nach, fühlte wie Kiwan mit dem Daumen prüfte, ob er alle Stoppeln erwischt hatte, bevor er noch einmal zart mit dem Messer über eine Stelle fuhr. Nicht einmal, als er zur Kehle kam, empfand Timon Besorgnis.

Dann hörten die Berührungen mit dem Messer auf, aber die Fingerkuppen zeichneten noch immer sein Kinn nach, strichen über seinen Kiefer, umkreisten zart seine Lippen, ehe sie ihrem Schwung folgten. Timons Bauch begann erwartungsvoll zu kribbeln, auch wenn sein Kopf sofort warnend schweres Geschütz auffuhr und harsch daran erinnerte, dass er wieder an die Oberfläche zurück wollte und musste und es für Kiwan keinen Platz in seinem Leben geben konnte.

Erschrocken schlug Timon die Augen auf, öffnete gleichzeitig den Mund und wollte protestieren. Der Laut erstarb, als er sich in Kiwans Blick gefangen sah. Wie konnte ein Mann solche Augen haben? Tief und dunkel wie die See, und doch leuchtend wie von einem inneren Licht erhellt. Kiwans Atem streifte ihn in einer zarten Strömung, dann legte sich Kiwans Mund auf seinen. Timons Vernunft fiepte einmal kläglich und verstummte unter dem zärtlichen Ansturm.

Timon zu küssen, nun, da er glatt rasiert war, war ein anderes Erlebnis als die stoppeligen Küsse der Nacht. Es war erholsamer für Kiwans Lippen und ließ einen innigeren Kontakt zu. Ohne sich die Zeit zu nehmen, das Messer wegzustecken, schloss Kiwan seinen Freund eng in die Arme. Freude perlte durch ihn hindurch, als dieser die Umarmung gleich erwiderte; er drückte ihn an sich, während seine Zunge bereits in Timons Mund eintauchte. Timons Zunge kam ihm entgegen und umschmeichelte seine, die schlanken Arme schlangen sich fester um ihn.

Wie lange sie sich so leidenschaftlich küssten, konnte Kiwan nicht sagen. Aber sie hätten bestimmt noch weiter gemacht, sich vielleicht sogar wieder zurückgezogen und Liebe geteilt, wenn sie nicht Pakas Stimme unterbrochen hätte. "Kiwan, Timon! Hier seid ihr also!"

Timon fuhr regelrecht erschrocken von ihm zurück, starrte ihn an, wurde tiefrot und wandte dann den Blick ab. Er war so entzückend dabei, dass Kiwan ihn am liebsten sofort wieder in den Arm gezogen hätte. Doch irgendetwas schien seinem Freund unglaublich peinlich, und Kiwan wollte seine Gefühle respektieren. Ob es diese Luftatmer-Sitte war, dass man nicht öffentlich Liebe machte? Hatte er sich kurz davor gefühlt und schämte sich deswegen? Kiwan wollte fragen, aber wandte sich dann Paka zu, die aus Richtung seiner Höhle kam, und winkte.

Sie winkte fröhlich zurück und kam mit schnellen Beinschlägen zu ihnen. "Ich habe deine vorläufigen Flossen, Timon", rief sie, noch ehe sie ganz bei ihnen war, auch wenn das keiner Erklärung bedurfte, da sie kaum zu verstecken waren. "Meine Liebste hat mich zwar für verrückt erklärt, dass ich sie unbedingt sofort anpassen wollte, aber so kann man dich doch nicht herum schwimmen lassen. Und so viel Arbeit war es nun auch wieder nicht."

Noch vor jeder Begrüßung hielt sie ihm ihr Werk hin. Sie war zufrieden, das merkte man jeder ihrer Bewegungen an. "Das sollte reichen, bis ich die richtigen fertig habe. Ich habe sogar schon eine Idee, was ich mit deinen Händen machen kann. Da dürfen die Flossen natürlich nicht so starr sein wie an den Füßen, aber gänzlich ohne Schwimmhäute kannst du nur schwierig steuern."

Timon hätte sie aus Dankbarkeit am liebsten umarmt, und das nicht nur wegen der Flossen. Er konnte nicht sagen, wie erleichtert er war, dass sie die wilde Knutscherei mit Kiwan unterbrochen hatte. Eigentlich hätte er das gar nicht erst zulassen dürfen, doch Kiwan hatte ihn überrascht, er küsste einfach zu gut und da war noch etwas, dass... Hastig griff er nach den Flossen.

"Danke", sagte er heiser und räusperte sich. "Das ist wirklich lieb von dir, dass du dich so beeilt hast!"

Ohne Kiwan noch einmal anzusehen, um herauszufinden, was sein Freund von diesen Küssen dachte, zog er die Flossen an. Sie passten derart gut, dass er sich fragte, wie sie noch bessere herstellen wollte. Der Teil, der den Fuß umschloss, schmiegte sich weich und perfekt an, nichts drückte oder war zu locker. Die Flosse an sich war fest, aber nicht starr. Timon stützte sich mit den Armen nach hinten auf das Kissen und machte unter den erwartungsvollen Blicken von Paka ein paar Beinschläge. Es fühlte sich gut an; er grinste, stieß sich ab und schwamm los.

Es war nicht nur gut, es war großartig! Er schlug einige Salti, weil es so herrlich einfach ging, überquerte den Dorfplatz in Höchstgeschwindigkeit längs und quer und schoss dann der Oberfläche entgegen. Für einen Moment hatte er die traumhafte Vorstellung, dass er sie durchbrach und Luft atmete, aber ließ es dann doch. Stattdessen kehrte er um und tauchte zu Paka und Kiwan zurück, die ihm grinsend entgegen sahen. Timon ließ sich von seinem Schwung direkt zu Paka tragen und umarmte sie.

"Perfekt! Danke, Paka! Es fühlt sich unglaublich an! " Als sei er lahm gewesen und könne wieder gehen.

Sie lachte auf und erwiderte die Umarmung. "Perfekt? Nein, Timon, das ist weit von perfekt entfernt. Aber ich bin froh, dass sie dir so gefallen. Da ich dich damit habe schwimmen sehen, habe ich sogar noch etwas bemerkt, das ich ändern muss, damit die neuen wirklich zu dir passen."

"Ja, warte ab, bis du deine eigenen bekommst." Kiwan grinste, erfreut über das Leuchten in Timons Gesicht, auch wenn ihm gleich darauf auffiel, dass er ihn nun nicht mehr so oft in den Arm nehmen konnte. Aber die neue Beweglichkeit Timons war das wert. "Dann wirst du wissen, was perfekt ist. Paka ist nicht umsonst die beste."

"Ich glaub es aufs Wort." Begeistert schwamm Timon einen kleinen Kreis um die beiden Meermenschen. Es war leicht, mühelos, beinahe wie laufen. Und den Muskelkater würde er auch bald los sein. "Können wir uns die Gegend anschauen, bis hier alle aufgewacht sind?", fragte er unternehmungslustig.

Paka gähnte. "Macht ihr zwei nur. Ich kehre zu meiner Liebsten zurück ins Bett. Die Flossen haben mich zu lange beschäftigt. Gestern Nacht und heute morgen noch mal. Wenn ich mir mal was in den Kopf gesetzt habe, muss ich das auch gleich machen." Schmunzelnd winkte sie ab, als Timon den Mund öffnete, um erneut seine Dankbarkeit auszudrücken. "Das war es wert, wenn ich deine Freude sehe." Sie winkte einmal und schwamm dann davon.

Kiwan zögerte, auf Timons Vorschlag einzugehen. Eigentlich war es Gewohnheit, dass diejenigen, die nach einem Fest am frühesten wach waren, schon mit dem Aufräumen begannen. Die Regelung war gut, denn jeder bemühte sich, mal der erste zu sein. Dann entschied er jedoch, dass das Geschirr warten konnte. Timons Begeisterung und sein Tatendrang waren ansteckend. Er nickte einmal kräftig. "Was willst du sehen?"

Timon lachte auf. "Alles!"

"Das schaffen wir nicht bis zum Mittag." Kiwan gluckste in sich hinein. "Aber wir können ja schon mal anfangen." Er stieß sich vom Kissen ab und hielt Timon die Hand hin. Erst der unsichere Blick seines Freundes erinnerte ihn daran, dass sich etwas geändert hatte. Und das lag trotz des Kusses nicht nur an den Flossen. "Oh, verzeih. Das war Gewohnheit."

Er grinste, doch der kleine unangenehmer Stich, der in seinen Bauch gefahren war, blieb dort sitzen.

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Wünsche von:
Katsumi: Kiwan hat sich nach der und durch die Nacht noch etwas mehr in Timon verliebt und fängt an, das zu merken; Timon bekommt seine Flossen, sie sehen sich Dorf und Umgebung an
St.Jarna: etwas zu Timons früheren Beziehungen
Witch23: Timon hat 'nen Kater; Rat geht nach Feier immer erst am Nachmittag los; Timon mag Kiwan auch sehr, ist jedoch einer Beziehung abgeneigt, macht auch den Alkohol mitverantwortlich, dass sie so schnell miteinander geschlafen haben

© by Pandorah