Nachtschwarz


Sein Schwert war das einzige Licht in dieser Nacht am helllichten Tag.
Dunkelheit um ihn herum, aus der sich schwarze Schatten lösten, auf ihn zu glitten, zurückwichen.
Nach ihm greifend, mit spinnenartigen, dürren Klauen.
Schwarzes Blut, das das Licht seiner Klinge trübte.
Schwarzes Blut, das den Boden zu seinen Füßen tränkte.
Es weichte ihn auf, vermengte sich mit der trockenen Erde und bildete einen zähen Schlamm, der ihm den Halt zu rauben drohte, wann immer er sich bewegte.
Hinter sich keuchender Atem. Keuchender Atem, der ihm die Kraft gab, weiterzukämpfen, obwohl es hoffnungslos war.
Sie waren wie eine schwarze, pestartige Flutwelle; wie Heuschrecken, die über ein fruchtbares Land herfielen. Sie kamen, fraßen, vernichteten alles, was sich ihnen in den Weg stellte und zogen weiter. Es gab keinen wirklichen Namen für sie, man nannte sie die Nachtschwarzen, denn von Ferne war die Farbe alles, was man erkennen konnte. Eine wogende, schwarze Masse, die das Licht des Tages zu verschlucken schien. Niemand war je nahe genug an sie herangekommen und hatte überlebt, um mehr von ihnen berichten zu können.
Wispernde Stimmen, gespensterhaft, waren das erste, was man von ihnen bemerkte, doch dann war es bereits zu spät. Aber es hatte gereicht, um ihn und seinen Freund zu warnen. Gereicht, um nach den Waffen zu greifen. Für Flucht war es zu spät gewesen.
Stumm hatten sie voreinander gestanden. Braune Augen hatten sich in blauen verloren. Nie zuvor waren sie sich je so nah gewesen, er und sein Waffenbruder, sein Weggefährte.
Und für einen Moment war die Zeit stehen geblieben. Sie hatten keine Worte gewechselt, doch sie hatten Abschied genommen. Mit Blicken, einer Umarmung, fest, kameradschaftlich.
Und dann mit Lippen, die sich fanden. Nur kurz, fast wie versehentlich.
Und doch voller Sehnsucht, die Erfüllung eines nie gegebenen Versprechens.
Das erste Mal.
Und auch das letzte.
Dann waren die Nachtschwarzen heran gewesen.
Schweiß rann von seiner Stirn, seinen Rücken hinab, sein ganzer Körper glänzte vor Nässe.
Schwarzes Blut bedeckte seine Arme, er spürte den Schmerz kaum, der sich durch seine Haut fraß.
Dunkelheit um ihn herum.
Keuchender Atem. Seiner und der des anderen Mannes, der seinen Rücken freihielt.
Dazwischen nur leises Zischeln, heiseres, geisterhaftes Wispern.
Das Scharren von Klauen auf trockener Erde,
von insektenartigen, aufrechten Körpern, die aneinander rieben.
Seelenlose Augenhöhlen.
Und dann der unbegreifliche Schmerz, als der keuchende Atem hinter ihm zu einem erstickten Aufschrei wurde.
Er wirbelte herum, sein Schwert beschrieb einen nur noch gedämpften Bogen aus Licht, zerteilte zerbrechliche Körper wie dürres Holz.
Für den Bruchteil eines Augenblicks Atempause.
Zu seinen Füßen inmitten des schwarzen Blutes rotes.
Rotes Blut, das blondes Haar tränkte.
Kälte in seinem Herzen, in seiner Seele.
Ein Schritt nach vorn, sicheren Halt über dem gefallenen, gekrümmten Körper suchend.
Schwere Stiefel schützend rechts und links des verletzlichen Kopfes.
Arme, die ihre Arbeit nahezu automatisch verrichteten.
Ausweichen, ohne sich von der Stelle zu bewegen.
Wieder und wieder der gleiche Laut von zerfetzter Haut, die wie ein dünner Panzer splitterte.
Dunkelheit überall.
Dunkelheit.
Schmerz und Leere.
Erschöpfung.
Schmerz.
Leere.
Und
mit
einem
Mal

Licht


© Pandorah
Ende