Runenbande

9.

Daron nahm die Flaschen mit, während er nach weiteren Spuren der Schatten suchte. Er hatte Glück. Nicht allzu weit von ihrem Lager entfernt fand er die Überreste vom Jagderfolg der Monster der ausgetrocknete Kadaver eines Ebers, der die typisch runden Bissmale aufwies. Den Spuren nach zu urteilen hatten sie zudem ein weiteres Wildschwein erwischt, und nicht einmal Schatten konnten ein derart großes Beutetier spurlos mit sich nehmen. Blut und Krallenspuren im Boden und an einem Baumstamm zeugten von einem Kampf, Schleifspuren führten tiefer in den Wald hinein. Lautlos folgte Daron ihnen bergab, den Stab in Bereitschaft, den Schutzzauber nie ganz aus dem Sinn.

Das Licht nahm ab, als die Wolken sich dichter zusammen zogen, Donnergrollen war von Ferne zu hören. Daron grollte auch und hoffte, dass das Gewitter nicht herkommen mochte. Er hatte keine Lust, in strömendem Regen und mit geringer Sicht einem Schatten entgegen zu treten oder vielleicht gar keinen zu Gesicht zu bekommen, bis sie ihn umzingelt hatten.

Wenig später erübrigten sich seine stummen Gebete. Die Schleifspur endete mit einer weiteren Schweinemumie, und Klauenabdrücke zeigten, dass mindestens drei Schatten ein Festmahl gehabt hatten. In dem wolkenverhangenen Zwielicht gab es nichts Auffälliges mehr zu entdecken. Es war, als hätten sich die Monster in Luft aufgelöst.

Darons Überlegung, ein Feenlicht herbeizurufen, um besser sehen zu können, wurde von einem Blitz in unmittelbarer Nähe unterbrochen. Grell erhellte er den Wald und zeichnete scharfe Kontraste in die Schatten; der unmittelbar darauf folgende Donner dröhnte in Darons Ohren, und als ob das ein Zeichen gewesen war, setzte Platzregen ein.

Daron fluchte laut und ausgiebig, als die Chance, der Spur weiter folgen zu können, davon gewaschen wurde. Grummelnd trat er den Rückweg an. Immerhin wurde das Auffüllen der Flaschen nun einfach. Er hielt sie an einem Überhang einfach in einen kleinen, eben entstandenen Wasserlauf, aber das war schon der ganze Vorteil. Binnen von Momenten war er durchnässt, er kümmerte sich nicht darum, einen Schild zu weben, um sich trocken zu halten. Der ganze Rastplatz würde ohnehin davon schwimmen, da machte das bisschen nun auch nichts mehr aus.

Noch bevor er ihr Lager erreicht hatte, konnte er warmen Flammenschein durch die Regenwand ausmachen. Überrascht hielt er inne. Der Dämon hatte nicht erwähnt, dass er Schutzzauber wirken konnte. Überhaupt hatten sie noch nie darüber gesprochen, dass er eigentlich Magie haben sollte. Als er näher kam, stellte er jedoch fest, dass es mit Magie wenig zu tun hatte. Sariel hatte sich seines Hemdes entledigt und die großen, ledrigen Schwingen als Schutz über ihren Rastplatz gespannt. Er grinste, als Daron sich bückte und aus dem prasselnden Regen trat.

"Du siehst aus wie ein nasser Hund", stellte er fest. "Ein schlecht gelaunter, nasser Hund."

"Dafür machst du dich ausgesprochen gut als Zelt", konterte Daron und strich sich mit beiden Händen das Wasser aus den Haaren. "Hätte ich das geahnt, hätte ich mir schon viel früher einen Dämon angeschafft. Der Regen kam zu früh, ich habe ihre Spur fast gehabt."

Sariel legte den Kopf schief und sah zu ihm hin. "Dann suchen wir morgen dort weiter, wo du sie verloren hast", sagte er einfach. Er griff hinter sich und zog einen Rucksack hervor. "Hier, zieh dir was Trockenes an."

Daron zögerte und griff dann nach der Magie des Schutzkreises, um dichte Wände hoch zu ziehen, bis sie die Flügelspitzen erreichten. Es hielt das Spritzwasser und das fließende Wasser draußen, das sich seinen Weg zu ihrem Lager bahnen wollte. Das Rauschen des Regens wurde ein wenig gedämpft und bestand hauptsächlich noch aus dem Trommeln auf der festen Flughaut. Fast war es gemütlich zu nennen. Ein wenig ungelenk schälte er sich dann aus seiner nassen Kleidung und zog kurzerhand die rote Robe über. Sie war trocken und bequem, und gleich fühlte er sich besser.

"Warum hast du dich nass regnen lassen?", fragte Sariel belustigt. "Ich fand nicht, dass du dich so dringend waschen musstest."

Daron lachte leise und beugte sich über den Kessel. Offensichtlich hatte Sariel schon anderweitig Wasser besorgt, denn der Tee simmerte bereits vor sich hin. "Ich dachte, es ist ohnehin alles nass, wenn ich zurück komme. Das hier", er deutete nach oben, "habe ich nicht erwartet."

"Wir nennen es Flügelzelt." Der Dämon lächelte. "Wenn wir fern der Höhlen von einem Regenguss überrascht werden, siehst du öfter eine Gruppe, die sich gegenseitig Schutz gibt. Ganz besonders niedlich ist das, wenn ein Haufen von Jungen Kindern sich unter den Flügeln eines Älteren zusammenrottet."

Daron gluckste leise, als er sich einen Haufen Minidämonen vorstellte, die sich gegen Sariel drängten. Er füllte ihre Becher mit Tee und reichte einen davon Sariel. Der erste Schluck war göttlich, minzig und heiß und gut gegen all die Dinge, die an diesem Tag schief gelaufen waren. "Wann warst du das letzte Mal daheim?"

Sariel zuckte mit den Schultern, was einen kleinen Wasserfall an einer Stelle außerhalb des Schutzkreises hinabplätschern ließ.

"Ewig her", sagte er und hielt seinen Ton neutral, doch Daron konnte die Melancholie und die Sehnsucht in seinen Augen sehen. "Ich bin mehr als zehn Jahre bei meinem vorherigen Gebieter gewesen. Bei dem vor dir. Der hat mich von einer Magierin übernommen, die keine Verwendung mehr für mich hatte und ihn damit belohnt hat. Davor war ich bei einem Zirkel, der mich direkt aus der Jagd mit meinem besten Freund wegbeschworen hat."

"Oh." Daron hatte nicht gedacht, dass Dämonen Freundschaften pflegten. Was mochte das für ein Gefühl für den anderen Dämon gewesen sein? Eben noch neben Sariel zu fliegen, und plötzlich löste sich dieser in Luft auf? Er versuchte sich vorzustellen, wie das wäre Seite an Seite mit T'Chun, und mit einem Mal war dieser weg. Daron würde Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um seinen Freund wiederzufinden. Aber was, wenn es keinen Anhaltspunkt gab? Er schauderte.

"Ich weiß nicht, ob ich es schaffen kann, dich zurück zu schicken", sagte er leise und sah in den dampfenden Tee. "Ich kann keine Reisezauber, und... die wenigsten Runenmagier werden bereit sein, einem Dämon zu helfen. Aber ich verspreche dir, dass wir nach einem suchen werden, der helfen kann."

Er wollte ihn bei sich behalten. Er wollte ihn nicht gehen lassen. Aber das war keine Option.

"Du bist... sehr ungewöhnlich, Kampfmagier", sagte Sariel nach einer ganzen Weile.

Daron hob den Kopf und sah ihn lächeln. Es war ein schönes Lächeln, eines voller Wärme, so offen, dass er den Eindruck hatte, ihm bis in sein Herz schauen zu können. Es berührte Daron tief in sich und machte, dass er sein Versprechen gleich noch ein wenig mehr bereute und ihn ebenso darin bestärkte.

"Nicht wirklich", sagte er und versuchte, sein klopfendes Herz zu ignorieren. "Aber ich habe eindeutig zu viel Zeit in der Gesellschaft eines gewissen Dämons verbracht. Ich weiß nicht, ob ich ihn bereits einen Freund nennen darf, aber er ist schon lange kein Fremder mehr. Du bist..." Er stockte, suchte hilflos nach Worten. Sprachfertigkeit war nicht gerade seine Stärke.

"Ich würde mich freuen, dich meinen Freund nennen zu können", sagte Sariel leise.

Daron erwiderte den Blick der goldenen Augen, die so hell vor Freude sein konnten, und lächelte breit. Glück füllte ihn. "Das verlangt nach einem Gelage in einer Taverne, um das zu begießen, aber ich fürchte, wir haben nur Tee."

Sariel gluckste. "Wir können die nächste Taverne besuchen, und wenn du betrunken unter dem Tresen liegst, bewache ich deine Börse und deine Unschuld. Alkohol wirkt bei Dämonen kaum."

"Ah, das ist traurig." Daron schnalzte mit der Zunge und lachte. "Ihr verpasst etwas. Aber wo du meine Unschuld bewachen willst, das will ich sehen. Da gibt es nichts mehr, was du noch beschützen könntest." Mit deutlich sichtbaren Fangzähnen grinste Sariel. "Bist du dir sicher? Ich rede nicht von den Bardamen, mehr von den Soldaten und Söldnern, mein Freund."

Ebenfalls grinsend schüttelte Daron den Kopf, während er sich fragte, ob Sariel neugierig war, ob er auf Männer stand, und das verstecken wollte oder ob er versuchte, ihn zu foppen, in dem er gegen die gängige Sittlichkeit verstieß. "Das würde dich nicht schocken, denke ich. Oder ist es ein Vorurteil, dass Dämonen da keinen Unterschied machen?"

"In dieser Hinsicht", antwortete Sariel genüsslich, "sind wir Dämonen den Menschen gar nicht ähnlich. Wir bringen uns nicht um die Hälfte des Spaßes."

Daron spürte einen heißen Stich im Bauch, der direkt in seinen Schoß wanderte, und er war froh, dass die Falten der Robe alles verbargen, was peinlich werden konnte. Aber Sariel mit nacktem Oberkörper vor sich sitzen zu haben und so neckend über Sex reden zu hören, war mit einem Mal ein wenig zu viel.

"In dieser Hinsicht", gab er zurück, auch wenn er es besser wissen sollte, "haben Dämonen einfach recht." Das Problem bei der Sache war lediglich, dass es nicht beim Spaß aufhörte. Sex war eben nur ein Teil des Ganzen.

"Ich weiß." Sariel legte den Kopf schief; seine Lider senkten sich gerade soweit über die Augen, dass man es nicht wirklich bewusst wahrnahm, doch sein Blick bekam etwas Laszives. Sein Grinsen wurde zu einem Lächeln.

Daron wurde viel zu deutlich bewusst, wie weich und dunkel die Stimme des Dämons war und wie gerne er ihn berühren wollte. Aber selbst, wenn er ihm wie eine Gestalt gewordene Einladung erschien und da konnte er sich irren, weil er es so gerne wollte schützte Sariel sie gerade vor dem noch immer fallenden Regen. Das war die eine Seite. Tief in sich fragte er sich zudem erneut, was der Kreis dem Dämon vorgab. Zuneigung konnte es nicht sein, immerhin hatte er ihn angefaucht, als er ihn als neuen Gebieter erkannt hatte. Aber vielleicht Verfügbarkeit.

Daron hoffte, dass sie die Schatten schnell fanden.

Der Regen machte keine Anstalten, weniger zu werden oder gar aufzuhören. Schließlich ließ Daron den Schutzkreis zu einer Halbkugel werden, damit Sariel die Flügel entspannen und ebenfalls schlafen konnte. Er mochte es nicht sonderlich, seine Magie übermäßig wegen Wetterdingen zu beanspruchen, aber auf einen nassen Schlafplatz hatte er noch viel weniger Lust. Und Sariel mochte durchaus die Nacht durchhalten, immerhin hatte er bereits drei Tage und Nächte im Stehen verbracht, als Daron ihn gefunden hatte, doch das war absolut keine Option.

Erst zum Morgen hin ließ der Regen nach, und als Daron mit dem Sonnenaufgang erwachte, dampfte der Wald vor Nässe. Die Sonnenstrahlen zeichneten Finger aus Licht in die dämpfige Luft, Vögel schmetterten ihren Morgengruß, es roch nach nasser, schwerer Erde, Pilzen und Holz. Gähnend streckte Daron sich, ehe er sich aufsetzte und sich umsah. Der Wald war schön, aber in diesem Moment war noch schöner, dass er keine Schatten sehen konnte, und so löste er die Schutzkugel auf. Sofort wurden die Laute des Waldes deutlicher.

Sariel bewegte sich auf seinem Lager, und ganz von allein wanderte Darons Blick zu ihm hin. Der Dämon hatte sich auf der Decke zusammengerollt und einen Flügel über sich gelegt, wie um sich eine kleine Höhle zu schaffen. Es ließ Daron lächeln.

Ein grummelnder Laut drang unter der Schwinge hervor, dann streckte der Dämon sie aus, bis sie den halben Lagerplatz überspannte, faltete sie wieder ein und setzte sich auf. Die zweite Schwinge wurde ebenfalls gestreckt, Sariel schüttelte sich einmal, dann blinzelte er zu Daron hin. Ihre Blicke trafen sich, und der Dämon lächelte ebenfalls, während die Flügel ganz verschwanden.

Die Reste vom abendlichen Eintopf gaben eine ausreichende Morgenmahlzeit ab, ehe sie einvernehmlich ihr Lager zusammenpackten. Sariel ging, um den Kessel zu spülen, während Daron die Bettrollen zusammenband. Durch den Regenguss gab es reichlich Wasser, so dass der Dämon schnell wieder zurück war, während Daron gerade dabei war, die Robe über den Kopf zu ziehen und in seinem Rucksack zu verstauen. Hemd und Hose waren mittlerweile trocken, und er zog sie nicht nur der unauffälligeren Farbe wegen eindeutig vor, sondern auch, weil sie ihm die größere Bewegungsfreiheit boten. Roben neigten dazu, sich in den ungünstigsten Situationen irgendwo zu verfangen oder ihn zu behindern.

"Nett." Sariel grinste, als Daron aufstand, um sich seine Hose zu angeln, und ließ den Blick ausgiebig über seinen Körper gleiten. "Du könntest wirklich mal deine dämonische Seite entdecken. Ich helfe dir gerne dabei."

"Ach, halt die Klappe." Daron lachte, auch wenn das Angebot ernst gemeint oder nicht einen heißen Stich direkt in seinen Magen und von dort aus ein Stockwerk tiefer schickte. Er stieg in die Hose, ehe er etwas verspätet hinzufügte: "Bildlich gesprochen, meine ich."

Mit einem Glucksen stellte Sariel den Kessel neben seiner Bettrolle ab. "Du solltest dir einen anderen Spruch angewöhnen. Es ist lästig, wenn meine Zunge am Gaumen klebt, weil du deine mal wieder nicht im Zaum halten konntest."

"Hey, werd' nicht frech!" Daron schnappte sich sein Hemd, wand es mit einer schnellen Bewegung zusammen und schlug grinsend damit nach Sariel.

Geschickt wich Sariel aus, auch wenn seine Antwort nur halb scherzhaft war. "Definiere frech, damit ich dem Befehl umgehend nachkommen kann, Meister Daron."

"Vergi..." Daron unterbrach sich, bevor er das Vergessen befehlen konnte. Er wusste nicht, ob das möglich war und hatte keine Lust, es auszuprobieren. "Ignorier das." Wieder versuchte er, Sariel mit dem Hemd zu erwischen, wieder wich der Dämon aus, dieses Mal mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

"Bist du immer so langsam?", frotzelte er.

Daron setzte nach, täuschte an, schlug zu und grinste erneut, als er ihn wieder verfehlte. Er ließ eine ganze Reihe an Schlägen auf Sariel einprasseln und nicht einer traf. Unverschämterweise sah das Ausweichen elegant und mühelos aus und als ob der Dämon tanzte.

"Du hast kein Recht, mich wie einen großen, ungelenken Klotz wirken zu lassen, ich bin Kampfmagier!", beschwerte er sich schließlich lachend.

Der nächste Schlag saß, und Daron fluchte, weil Sariel sich schlicht gar nicht bewegt hatte. Frustriert sahen sie einander an. Es begann lästig zu werden, richtig lästig.

"In Ordnung", grollte Daron verärgert. "Es reicht, ich hab die Schnauze voll. Ich befehle dir, nur noch auf die Befehle zu hören, die mit 'ich befehle dir' beginnen!"

Sariels Augen weiteten sich, und im ersten Moment dachte Daron, dass es Überraschung war. Dann verzerrte sich das dunkle Gesicht vor Schmerz.

"Verdammt, ich nehm's zurück! Ich nehme den Befehl zurück!", rief er erschrocken und atmete auf, als Sariel nicht auf den Boden sackte, sondern sich nach einem Atemzug wieder entspannte. Sie sahen sich einen langen Moment an, ehe Daron fragte: "Und was war das? Was bitte war falsch an diesem Befehl? Mit was ist der kollidiert?"

"Ich weiß es nicht." Frustriert wandte Sariel sich ab. Seine Fingernägel wurden zu Klauen; wütend schlug er nach dem Baum, neben dem sie standen. Rinde splitterte und offenbarte helles Holz, nun gezeichnet von vier parallel verlaufenden Kerben.

Daron sah ein Flackern, wütend rot. Seine Augen wurden schmal, als er sich auf dem Rücken des Dämons feststarrte.

"Warte", sagte er beinahe sacht und war nicht überrascht, als Sariel innehielt. Er trat drei Schritte zurück, dann noch einen und fixierte die Zeichnung. 'Scheiße.' Da war etwas... etwas, das ihn erinnerte... "Dreh dich um. Langsam."

"Und was soll das werden?", grummelte Sariel, während er gehorchte.

Daron folgte den Linien der Zeichnung mit den Augen, suchte nach Vertrautem, blendete Unbekanntes aus. 'Scheiße!' Er atmete einmal tief durch, als er Muster zu erkennen begann. "Die Zeichnung... haben sie dich damit versehen?"

Sariels Gesicht wurde verschlossen. "Sie haben sie ergänzt. Um ein Mal auf meinem Körper zu hinterlassen und zu zeigen, dass mir nichts gehört."

"Nicht nur. Sie haben den Kreis auf dir fortgesetzt." Regungslos sah Daron ihn an. Mit einem Mal war er so wütend, so unglaublich wütend, dass er es Sariel am liebsten gleich getan hätte. Statt den armen Baum weiter zu malträtieren, trat er zurück zu dem Dämon. Vorsichtig berührte er die Zeichnung und fuhr die Linien entlang. "Kasha, die Bezwingerin. Yanash, die Wahre. Idra, die Fesselnde."

Es prickelte unter seinen Fingerspitzen, die Runen wisperten, und fast hätte er lauthals geflucht. In die Runen eingelassen waren weitere Runen. Runen, die Runen bildeten. Sie wiederholten sich in einer schier endlosen Schleife. Er folgte ihnen, suchte einen Anfang, suchte...

Als Sariel hörbar einatmete, hielt Daron inne. Mit einem Mal wurde ihm bewusst, wie nah sie sich waren. Dass sie beide nur eine Hose trugen. Und dass er den nackten Oberkörper des anderen Mannes regelrecht liebkoste. Hitze breitete sich unwillkommen und heftig in seinem gesamten Körper aus. Daron spürte, wie er hart wurde, und es half gar nichts, sich zu sagen, dass es nur um die Runen ging.

Sariel hob den Kopf und sah ihn an. Seine Wangen waren tiefer gefärbt als gewöhnlich, die Lippen leicht geöffnet, die Pupillen weit und die Augen dunkel vor Begehren. Daron konnte den schnellen Rhythmus des Atems unter seinen Fingerspitzen fühlen.

Lange bewegten sie sich nicht, sahen sich einfach nur an.

"Bitte, Meister Daron, erlaubt mir, Euch zu berühren", verlangte Sariel mit heiserer Stimme.

Es gab zwei Dinge, die Daron sofort wusste. Sariel hasste es, dass er es nicht einfach tun konnte, sondern bitten musste; über die Förmlichkeit waren sie schon lange hinweg. Zum anderen war es vollkommen unmöglich, ihm die Bitte auszuschlagen und zur Tagesordnung zurückzukehren. Sein Begehren flammte derart heftig auf, dass es jede Vernunft verbrannte.

"Mach", sagte er rau und zog Sariel in die Arme.

Hart und heiß pressten sich Sariels Lippen auf seinen Mund, während der Dämon beide Arme um ihn schlang. Der schlanke Körper drängte sich gegen seinen, und der Stoff ihrer Hosen reichte nicht aus, um die Erektion zu verbergen, die sich gegen seine rieb.

Mit einem Aufstöhnen vergrub Daron eine Hand in dem dichten Haar, um Sariel noch enger zu sich zu ziehen, während sie sich hungrig küssten. Ihre Zungen fanden sich erst in seinem, dann in dem Mund des Dämons, tanzten umeinander, drängten sich aneinander.

Jede Magie war vergessen, als Daron seine Hände über Sariels Rücken hinab gleiten ließ. Er schob sie in die Hose und umfing Sariels Hintern. Es fühlte sich himmlisch an. Als er fester zugriff, ließ der Dämon den Kopf in den Nacken sinken und stöhnte auf. Daron konnte nicht widerstehen. Er ließ die Zunge über die empfindliche Kehle streichen, genoss den Geschmack und das leise Aufkeuchen; dann platzierte er einen Biss in der Halsbeuge und küsste die Stelle gleich darauf. Ein Schauer lief durch den anderen Mann; sein Körper wurde von Gänsehaut überzogen.

Daron küsste sich weiter nach unten vor, bis er die Brustwarzen erreichte. Hart und dunkel wie kleine Perlen ragten sie auf, und er konnte nicht widerstehen. Er nahm eine in den Mund, saugte, leckte, knabberte, und wurde von einem erneuten heiseren Aufstöhnen belohnt. Als er sich der anderen Brustwarze widmen wollte, gruben sich die Hände des Dämons in sein Haar und zogen ihn wieder empor. Für einen Moment erhaschte Daron den Blick auf lodernde Augen, dann nahm der Dämon seinen Mund erneut in Besitz. Leidenschaftlich erwiderte Daron den Kuss, es war unmöglich, sich zurückzuhalten.

Die schmalen Hände strichen mit Druck seinen Rücken hinab, und Daron keuchte auf, als er spürte, dass Sariel die Klauen leicht ausgefahren hatte. Die Andeutung von Gefahr hätte wie kaltes Wasser wirken sollen, doch irgendwie versagten seine Instinkte. Er drängte Sariel mit dem Rücken gegen den Baum, während er gierig mit beiden Händen über seine Brust strich. Verdammt, er wollte mehr, wollte Sariel ganz und gar.

Ungeduldig wanderten Sariels Finger nach vorne, lockerten die Schnürung von Darons Hose und zerrten sie hinab, während er sich von seinen Lippen löste und Darons Hals und eine Schulter mit kleine Bissen bedeckte. Sein schneller Atem streifte Darons Haut und sandte Schauder durch ihn hindurch. Nur einen Moment später schloss sich eine Hand des Dämons fest um seine Erektion und fuhr einmal daran auf und ab, ehe er mit dem Daumen über die Spitze rieb.

Die Lust, die durch Daron hindurch schoss, ließ ihn erneut aufstöhnen. Göttin, er wollte ihn so sehr! Ohne jede Geduld zog er Sariels Hose über die schmalen Hüften, umfasste mit einer Hand den festen Hintern und ließ die andere in Sariels Schritt gleiten. Samtige Härte empfing ihn, als er das Glied umfasste und ebenfalls daran entlang strich.

Zischend holte Sariel Luft und drängte sich ihm entgegen, während er den freien Arm um Darons Schultern schob und sein Gesicht in Darons Halsbeuge schmiegte. Einen Moment standen sie so da und streichelten einander, dann ließ Sariel abrupt von ihm ab, schob energisch seine Hand beiseite und drehte sich in Darons Arm, um den Hintern gegen seinen Schoß zu drängen.

"Mach", knurrte er dunkel. "Ich will dich."

Fast hätte Daron seinem Verlangen ohne Umweg nachgegeben. Der Hintern fühlte sich himmlisch an, und er wollte nichts mehr, als Sariel auf diese Art zu besitzen. Doch irgendein Gedanke funktionierte noch und lieferte eine unwillkommene Rückmeldung. "Wir haben kein Öl."

"Idiot! Ich bin kein Mensch. Mach, verdammt noch mal!" Ungeduldig griff Sariel hinter sich, umfasste Darons Erektion und führte ihn dorthin, wo er ihn spüren wollte.

Es gab keinen Widerstand. Hilflos keuchte Daron auf, als warme Enge ihn umfing. Er schlang die Arme um Sariels schlanken Körper und begann, sich unkontrolliert in ihm zu bewegen. Mit einem Arm stützte Sariel sich an dem Baum ab, den anderen schlang er um Darons Hals, während er ihm bei jedem Stoß stöhnend entgegen kam.

Daron bedeckte den Nacken und die Schultern des Dämons mit fahrigen Küssen, doch als er eine Hand zwischen die Beine des anderen Mannes schieben wollte, um ihn dort zu streicheln, ließ Sariel kurz von ihm ab, um ihn aufzuhalten. Daron argumentierte nicht. Stattdessen strich er über den Bauch und die Brust seines Dämons, ehe er ihn einfach wieder umfing und fest gegen sich drückte.

Der Rhythmus wurde schneller, härter. Es dauerte nicht lange, bis er nicht mehr denken, nur noch fühlen konnte, bis alles, was es noch gab, Sariel und er waren, und die Hitze und die Leidenschaft. Und schließlich nicht einmal mehr das, als alles in einer Woge an Lust davon gespült wurde.


Pandorah