Runenbande

11.

Daron liebkoste jede Stelle dieses verlockenden Körpers, die er erreichen konnte den Rücken, die Schultern, die Oberarme. Zu lange hatte er nur schauen, nicht anfassen dürfen. Seine Hände glitten an den Seiten hinab und ertasteten die weichen Wellen der Rippenbögen, sie bedeckten den Hintern und umkreisten ihn, dann strich er die Oberschenkel entlang, folgte den Waden und neckte Sariels Fußsohlen. Er wurde mit einem dunklen Lachen belohnt, dem es doch nicht gelang, ihren Kuss zu unterbrechen. Sein Dämon war kitzlig, irgendwie war das niedlich.

Als Darons Finger wieder auf Sariels Rücken empor wanderten, löste der Dämon die Arme von seinem Hals und begann seinerseits, Darons Körper zu erforschen. Die Fingerspitzen hinterließen erneut warme, prickelnde Spuren auf Darons Haut, und er konnte genau sagen, wo der Mann ihn berührt hatte und wo sich sein Körper nach Berührung sehnte. Er gab einen leisen, lustvollen Laut von sich, als Sariels Hände auf seine Brust wanderten und dort seine Brustwarzen fanden. Sie wurden hart unter den Liebkosungen, und jede weitere Berührung fuhr direkt in Darons Schoß.

Endlich löste Sariel sich von seinem Mund und zog eine Spur an weichen Küssen über Darons Kinn und seine Kehle bis zu seiner Brust hinab. Mit der Zungenspitze zog er einen kleinen Kreis um Darons rechte Brustwarze, leckte einmal darüber und nahm sie in den Mund, um sanft daran zu saugen. Daron atmete scharf ein, als er gleich darauf die Zähne spürte.

Grinsend sah Sariel zu ihm hoch, ehe er mit kleinen Bissen zu der anderen Seite wanderte und dort die Liebkosungen wiederholte. Das Spiel war herrlich und machte eindeutig Lust auf mehr. Daron ließ die Finger durch Sariels Haar gleiten, das schon fast wieder trocken war. Schwer und seidig umspielte es seine Hand; das Sonnenlicht fing sich darin und ließ es wie Ebenholz schimmern. Fasziniert zog er eine Strähne an die Lippen und küsste sie, ehe er ihm das Haar auf den Rücken zurückstrich. Er senkte den Kopf neben Sariels Ohr und konnte nicht widerstehen, dem Rand mit der Zunge zu folgen, ehe er murmelte: "Unsere Lager sind weicher als der Stein hier."

Sariel erschauderte. Seine Arme glitten um Darons Oberkörper, während er sich wieder aufrichtete und an ihn schmiegte, um ihn erneut zu küssen. Daron spürte die beginnende Erektion des Dämons an seinem Bauch. Fast hätte er seinem Verlangen nachgegeben, die Hand zwischen sie zu schieben, um Sariel dort zu streicheln. Aber die Gefahr bestand, dass es sie hier festhalten würde, wenn sie erst einmal mit mehr begannen. Das Lager war jedoch eindeutig bequemer, und so ausgehungert wie am Morgen war er nicht mehr, so dass es sehr wohl einen Unterschied machte. Und er wollte Sariel erkunden, erforschen, mit aller Zeit, die sie brauchten. Da war ein harter Untergrund eher hinderlich.

Er schlug ein Bein unter und drückte sich auf die Knie hoch, und ohne die Lippen voneinander zu lassen, schafften sie es schließlich aufzustehen. Gleich darauf fiel es unangenehm auf, dass Daron eine gute Handbreit größer war, doch nur einen Moment später schlang Sariel ihm die Arme fest um den Hals, streckte sich auf die Zehenspitzen empor und schmiegte sich vehement an ihn. Es gefiel Daron verdammt gut, wie deutlich Sariel ihm nah sein wollte. Er schob die Hände auf den nackten Hintern, der nun so verlockend angespannt war, dann hob er Sariel kurzerhand empor.

Mit einem Grinsen wand Sariel ihm die Beine um die Hüfte und biss ihm leicht in die Unterlippe. "Und ich dachte schon, nur Dämonen schleppen ihre Beute zurück zum Nest."

Heiser lachte Daron auf, während er sich behutsam mit seiner kostbaren Last von dem Felsen tastete. "Wenn ich auch nur den Hauch einer Hoffnung gehabt hätte, dass wir gemeinsam auf unseren Füßen das Bett erreichen... nein, nicht einmal dann." So waren sie einander näher, und gerade schaffte er es einfach nicht, die Finger von dem Mann zu lassen.

Ihr Unterschlupf war zu niedrig, als dass es ihm möglich war, aufrecht einzutreten. Bevor er sich jedoch bücken konnte, war Sariel bereits an ihm hinab geglitten. Energisch zog er ihn auf eine der Decken und direkt auf sich.

Sariel mit seinem eigenen Körper zu bedecken, fühlte sich gut an. Sicher. Als wäre es unmöglich, dass irgendein Schwarzmagier in irgendeiner Ecke des Reiches einen Runenkreis zeichnete, den Namen nannte und ihn weg beschwor. In dem Moment wurde Daron bewusst, dass er ihn nicht einfach freigeben konnte. Nicht ohne alle Möglichkeiten abgewogen zu haben. Nicht ohne mit Sariel darüber gesprochen zu haben, ob es eine Alternative gab. Was konnte er einer Schwarzrobe entgegen setzen, wenn er ihn nicht mehr durch die Verbindung aufhalten konnte, die der Runenkreis herstellte?

Er hob den Kopf, vielleicht um etwas zu sagen, aber verstummte, noch ehe er den Mund öffnen konnte. Der Dämon lag so vertrauensvoll, so wunderschön vor ihm, mit diesem leichten Lächeln auf den Lippen und den leuchtenden Augen, die Darons Blick voller Wärme erwiderten, dass seine Gedanken verwischten. Er konnte nicht anders, als ihn erneut zu küssen.

Lange Zeit taten sie nicht viel mehr, als sich zu streicheln und zu küssen, während die Erregung nur langsam anstieg. Doch irgendwann reichte es nicht mehr aus. Daron zog eine Spur an Küssen und Bissen über die Brust und den Bauch seines Dämons hinab, bis er sich zwischen Sariels Beinen auf die Knie aufrichten konnte. Dort verharrte er eine Weile, umkreiste den Bauchnabel mit der Zunge, tauchte hinein und brachte den Dämon damit zu einem atemlosen Lachen. Während er die Hände über die Innenseiten von Sariels Oberschenkeln gleiten ließ, wanderte sein Mund weiter nach unten.

Das, was ihn im Schoß empfing, konnte mit Sicherheit nicht mehr einfach so eingezogen werden, auch von einem Dämon nicht. Leise keuchte Daron auf. Der Anblick machte ihn ebenso an wie der Geruch. Gab es eigentlich irgendetwas an diesem verdammten Dämon, das nicht perfekt war? Konnte die Welt so ungerecht und herrlich zugleich sein?

Zufrieden küsste er einmal die Spitze der Erektion, dann fuhr er mit der Zunge gemächlich an ihrer Unterseite entlang. Sariel belohnte ihn mit einem Stöhnen, das ihm direkt in die Lenden schoss. Eine ganze Weile durfte er sich damit vergnügen, während Sariel einfach nur genoss und ihm das Haar zerwühlte. Es machte Daron Freude, ihn sich winden zu sehen, die leisen Laute zu hören, wenn er eine besonders empfindliche Stelle fand die Leisten waren fast genauso gut wie das Offensichtlichste und zu spüren, wie sich die Hände fester in sein Haar gruben.

Doch schließlich schob ihn der Dämon energisch weg und drängte ihn, sich auf dem Rücken auszustrecken. Nach einem kurzen, intensiven Zungenkuss kniete Sariel sich über seine Brust, den Rücken zu ihm gewandt. Der Anblick, als er sich vorbeugte, um sich Darons Schoß zu widmen, war nicht dafür gemacht, die Ruhe zu bewahren. Das Gefühl der heißen, geschickten Zunge an seinem besten Stück auch nicht. Dunkel stöhnte Daron auf, als Sariel seine Erektion ohne weitere Vorwarnung mit dem Mund umschloss. Es war unglaublich und wurde noch besser dadurch, dass er die delikaten Regionen des Dämons alle in Reichweite hatte.

Er richtete sich auf einem Ellbogen auf und küsste den verlockenden Hintern, biss sacht in eine Pobacke, dann in die andere, ehe er mit der Zunge die Spalte entlang fuhr, an der sie sich trafen. Sariel hielt in seinen Liebkosungen inne und keuchte auf; den Luftstoß zu spüren, schickte eine neue Welle der Erregung durch Daron hindurch.

Sie reizten und neckten sich eine ganze Weile auf diese Art, bis Daron sich sicher war, das nicht mehr lange durchzuhalten.

"Hör auf. Komm her", sagte er rau und ärgerte sich gleich darauf über die Formulierung, weil Sariel sofort gehorchte und sich zu ihm umdrehte. Mit einem Grummeln zog Daron ihn in die Arme. "Verzeih", murmelte er.

Sariel küsste das Wort von seinen Lippen, während er die Arme um ihn schlang und ihn mit einem Lächeln wieder über sich zog. "Es war ohnehin an der Zeit. Ich will dich."

Die atemlose, heisere Stimme ließ Daron vor Erregung erschaudern. Er verlagerte sein Gewicht und griff zwischen sie, während Sariel die Beine auseinander nahm, um ihm mehr Raum zu geben. Wie schon bei ihrem ersten Mal empfand Daron es als ein Wunder, dass er so mühelos in den Dämon gleiten konnte. Mit einem Stöhnen schlang Sariel die Beine um ihn und zog ihn enger an und in sich.

Langsam begann Daron sich in ihm zu bewegen, während er Sariels Gesicht mit weichen Küssen bedeckte. Sariel streichelte über seinen Rücken, die Oberarme entlang und wieder zurück. Er drehte das Gesicht, fing Darons Mund ein und küsste ihn leidenschaftlich, ehe er ihn wieder freigab und ihm mit einem Lächeln in die Augen sah.

Sie lösten den Blick nicht voneinander, während sie sich liebten, nur hin und wieder unterbrochen von einem zarten Kuss, bis die Leidenschaft überhandnahm und die Bewegungen rauer und schneller wurden. Als Sariel sich schließlich unter ihm aufbäumte und mit einem Aufschrei kam, als sich die kräftigen Finger in seinen Hintern gruben und ihn gegen den Schoß des Dämons pressten, konnte auch Daron sich nicht mehr beherrschen. Er wurde schneller, bewegte sich nur noch für sich selbst, bis der Höhepunkt über ihn hinweg rauschte und ihn atemlos und wunderbar erschöpft zurückließ.

Mehrere keuchende Atemzüge lang blieb er einfach nur liegen, bevor er halb von Sariel herunter rutschte, um ihm Luft zum Atmen zu geben. Der Dämon drehte sich mit ihm, folgte der Bewegung und schob ein Bein zwischen Darons, um sich eng an ihn zu schmiegen. Daron ruckelte ihn und sich zurecht, bis der Kopf des Dämons auf seinem Arm ruhte, den anderen schlang er um ihn. Eine von Sariels Händen ruhte leicht auf seiner Taille, die andere zwischen ihnen auf seiner Brust.

Unendlich zart küsste Sariel ihn auf die Lippen, dann blieb er einfach reglos liegen und sah ihn mit dem gleichen Lächeln an, das er ihm schon am Wasser geschenkt hatte. Es war das schönste Lächeln der Welt und es ließ Daron atemlos und voller Staunen zurück. Irgendwo tief in sich wusste er, dass selbst wenn Sariel Sex als etwas betrachtete, das man mit vielen teilen konnte, dieses Lächeln doch nur ihm gehörte.

Ein Vibrieren setzte unter dem Arm ein, der den Dämon hielt, und nur Momente später kam ein dunkler, weicher Ton dazu, beständig, im Rhythmus des Atems und ohne die Tonhöhe zu verändern. Sariel schnurrte. Leise, aber nicht zu verkennen.

Er lächelte ihn an, er schnurrte und Daron wusste, dass seine Welt nie wieder die gleiche sein würde.

"Ich wusste nicht, dass Dämonen schnurren können", sagte er schließlich leise nach einer Ewigkeit, die sie einfach nur Arm in Arm die Nähe genossen hatten.

Noch immer schnurrend lachte Sariel. "Ist es sehr unangenehm, dass ich Recht hatte?", neckte er.

"Hm, womit?" Lächelnd schob Daron eine Hand in Sariels Nacken unter das dichte Haar, um ihn dort zu kraulen. Das Schnurren wurde ein wenig lauter.

"Mit allem natürlich. Aber hauptsächlich damit, dass du keine Ahnung hattest, wie Dämonen wirklich sind. Oder zumindest einer von ihnen." Die goldenen Augen fingen das Abendlicht ein und leuchteten geheimnisvoll in ihrem dunkler werdenden Nest.

"Nein. Das ist wundervoll." Darons Lächeln vertiefte sich.

Langsam strich Sariel mit der Hand von Darons Taille über seine Seite empor, bis er ihn eng umfangen und an sich drücken konnte.

"Danke", sagte er leise.

Verwundert runzelte Daron die Stirn. "Wofür?"

Das Schnurren verhallte, bis Daron es nur noch schwach unter den Fingerspitzen fühlen konnte, und verstummte schließlich ganz. Sariel senkte den Blick auf Darons Brust.

"Dass du mich nie behandelt hast, als sei ich ein Tier oder ein Ding, das man benutzen kann", murmelte er, ehe er wieder aufsah. Das Lächeln kehrte zurück und mit ihm die leichte Vibration. "Dass du machst, dass ich mich wertvoll fühle."

Daron rang um Worte. Er fühlte sich wunderbar, weil Sariel sich ihm öffnete, sich verletzlich zeigte in dem Wissen, dass er ihn nicht verletzen würde. Weil sie sich derart nah gekommen waren. Das Vertrauen, das der Dämon ihm entgegenbrachte, war ein unendlich kostbares Geschenk.

"Du bist mir wertvoll", sagte er endlich. "Sehr."

Sariel legte ihm eine Hand an die Wange, zart streichelte er ihn mit dem Daumen.

"Du mir auch", flüsterte er und küsste ihn.

Daron erwiderte den Kuss. Der eine führte zu weiteren Küssen, zu sanften Liebkosungen, und schließlich liebten sie sich erneut, lange, langsam und unendlich zärtlich.

"Jetzt hat das ganze Bad nichts gebracht", stellte Daron schließlich amüsiert und wohlig erschöpft fest. Er bewegte sich gerade weit genug, um einen magischen Funken in Richtung der Feuerstelle schicken zu können, der das gestapelte Holz entfachte.

Sariel stupste Darons Nase mit seiner an. Seine Augen funkelten im erwachenden Feuerschein. "Oh doch. Ohne das Bad hättest du vielleicht nur halb so gut geschmeckt."

"Dafür, dass du nicht auf Schweiß stehst, hast du mich aber ganz schön zum Schwitzen gebracht", frotzelte Daron. Sein Magen grollte und machte ihm klar, dass sie seit dem Morgen nichts gegessen hatten. Einen Augenblick blieb er noch liegen, dann küsste er einen von Sariels Mundwinkeln und richtete sich auf.

Er nahm den Kessel vom Feuer, bevor der Tee warm werden konnte und füllte ihre Becher. Es reichte nicht, Sex machte durstig. Während Sariel neues Wasser holte, begann Daron, die beiden Hasen auszunehmen, die Sariel im Laufe des Tages gejagt hatte. Reisen mit einem Dämon war nicht unpraktisch. Ständig frisches Fleisch, jemand, der einen Teil der Ausrüstung trug und guter Sex. Er grinste. Verdammt guter Sex.

"Da sieht jemand ziemlich zufrieden aus." Sariel lachte, als er zurück in ihren Unterschlupf kam und den Kessel abstellte.

"Das liegt an meinem unstillbaren Drang nach Wissen", versicherte Daron so ernst wie möglich. "Ich habe heute sehr viel über Dämonen gelernt, das macht mich glücklich. Wobei hauptsächlich war das eine Bestätigung dessen, was ich eh schon wusste. Dämonen mögen Sex und sind sehr ausdauernd."

Mit einem Glucksen setzte Sariel sich zu ihm und stibitzte das Messer, um seinen Hasen zu häuten, während Daron den anderen auf einen Spieß steckte und ihn über dem Feuer befestigte.

"Will mein wissensdurstiger Herr und Gebieter denn etwas über Dämonen erfahren, das ihm noch unbekannt ist?", fragte Sariel.

Daron wollte in der Tat. Je mehr er von Sariel erfuhr, umso mehr wollte er wissen; er wollte ihn besser und immer besser kennenlernen, wollte wissen, wer er war, was ihn zu dem Mann gemacht hatte, der er war, auch jenseits von den Schwarzmagiern. Gerade jenseits von dem, was man von einem Dämon erwartete, der beschworen worden war.

"Was macht ihr, wenn ihr nicht gerade jagt oder Sex habt?" Das waren so die typischen Hauptpunkte, die man kannte. "Wie sieht ein Tag im Leben eines ganz gewöhnlichen Dämons im Reich der Dämonen aus?"

Sariel legte den Kopf schief und lächelte. Er lächelte den ganzen Tag über schon so viel, und das war herrlich. Daron wollte machen, das er immer lächeln konnte. Das Feuer verlieh seiner dunklen Haut einen rötlichen Schimmer und hob die Zeichnung hervor. Sie mussten dringend etwas gegen die Runen tun; jetzt, wo er sie erst einmal entdeckt hatte, konnte er sie sehen, ohne sich zu konzentrieren, und das irritierte ihn, denn er sah, für was sie standen.

"Ein ganz gewöhnlicher Tag, hm?" Sariel riss ein Hasenbein ab und nahm einen Bissen. "Man wacht auf, gewöhnlich in den Armen von mindestens einem anderen, wenn nicht gleich in einem warmen, gemütlichen Haufen oder begraben von Jungen. Die Kleinen schnattern und gurren immer so niedlich, wenn sie aufwachen und kugeln durcheinander. Flattern mit ihren kleinen Flügelchen und beim Gähnen sieht man die winzigen Zahnspitzen."

"Du magst Kinder, hm?" Daron grinste, als er sich vorstellte, wie Sariel sich unter einem Haufen Minidämonen hervor kämpfte. Gleich darauf wurde ihm klar, dass Sariel seit Jahren allein geschlafen haben musste.

Der Dämon nickte. "Darum schlief das Mädchen, als du sie gefunden hast. Ich wollte nicht, dass sie irgendetwas von dem mitbekommt, was sie mit ihr vorhaben. Und so lange sie schlief, war sie sicher. Kein Hunger, kein Durst, keine Kälte, keine Angst. Wenn die Jagd über längere Zeit schlecht ist oder die Winter zu kalt, machen wir das manchmal mit den Jungen. Ich bin froh, dass du noch rechtzeitig genug gekommen bist. Vor dem Tod hätte es sie nicht bewahren können."

Daron schwieg, während er die Sternmiere in seine Schale gab und einen Teil davon mit dem Messergriff zerdrückte, um den Saft freizusetzen. Jedes Mal, wenn Sariel ein Detail aus seiner Gefangenschaft preisgab, wunderte er sich, warum der Dämon nicht einfach durchgedreht war. Vielleicht waren es ja einige der Dämonen, gegen die er gekämpft hatte. Vielleicht waren sie deswegen so darauf aus, jeden zu zerfetzen, zu zerreißen, der ihnen nahe kam. Vielleicht... Seine Augen weiteten sich, er sah auf.

"Du musst nicht antworten", sagte er sicherheitshalber, obwohl er den Befehl schon so lange zuvor rückgängig gemacht hatte. Aber sicher war sicher. "Hast du in all der Zeit einmal daran gedacht, dein Leben selbst zu beenden? Mit all den Dingen, zu denen sie dich gezwungen haben..."

Sariels Gesicht wurde zu einer Maske, seine Augen zu Spiegeln, Daron konnte rein gar nichts mehr darin lesen.

"Willst du mir sagen, das wäre die bessere Alternative gewesen?", fragte der Dämon trügerisch sanft.

"Herrin der tausend Himmel, nein!" Entsetzt starrte Daron ihn an. "Dann hätten sie einfach einen anderen beschworen. Ich will auch nicht sagen, dass es deine Schuld ist. Ich habe mir nur eben gedacht, dass es vielleicht ein Grund sein könnte, warum manche Dämonen so verbissen versuchen, an meine Kehle zu kommen. Dass sie mir jeden Grund geben möchten, sie zu töten, damit ich genau das tue. Weil sie es nicht mehr aushalten und der Kreis es verhindert."

Sariel saß vollkommen regungslos, wie aus Stein gemeißelt. Nur die leichte Bewegung der Brust unter seinem Atem verriet, dass er lebte. "Du hast das richtige gedacht", sagte er schließlich so leise, dass die Worte mehr von seinen Lippen zu lesen, statt zu hören waren.

Eine lange, sehr lange Zeit war es still. Daron wusste nicht, was er sagen sollte. Er wusste nicht einmal, was er denken sollte. Sariel mochte es nicht ausgesprochen haben, aber Daron wusste einfach, dass auch sein Dämon versucht hatte, sich auf diese Art zu töten. Er lebte noch. Was wiederum hieß, dass irgendjemand mit dem Leben dafür bezahlt hatte. Vielleicht auch mit mehr. Ihm war übel, er war zornig, er wollte Sariel in den Arm nehmen und ihm versprechen, dass er alles tun würde, um... um was? Es gab nichts, das er tun konnte, um es ungeschehen zu machen. Um es wieder gut zu machen. Und Sariel sah aus, als würde er ihn eher zerreißen, als sich jetzt berühren zu lassen.

Daron wünschte, er hätte nicht gefragt.

"Sie haben versucht, den Orden zu vernichten, der mich beschworen hatte und der mir zu schützen befohlen war ein Mann mit einem Schwert und eine Frau wie du. Ich habe sie getötet", sagte Sariel tonlos. "Sie waren zu schwach. Ich habe sie dafür gehasst. Die Frau hat noch mit ihrem letzten Atemzug versucht, den Mann zu schützen, obwohl er schon längst tot war. Und mein Meister hat meinen Kopf getätschelt und einem Freund erklärt, wie praktisch so ein Hausdämon ist."

"Das ist Vergangenheit. Und ich werde alles tun, um zu verhindern, dass sie sich wiederholt." Es war so wenig, was Daron sagen konnte, so unbedeutend. Er fühlte sich entsetzlich hilflos. Vielleicht sollte er das mit den Runen gleich ansprechen. Dass er Sariel freigeben würde, wenn er es wollte. Er wendete den Hasen auf dem Feuer. Das war eine gute Sache.

Doch als er sich wieder umwandte, sah er die Klauen und die Hörner. Im Feuerschein blitzten die Fangzähne auf, als Sariel leise sagte: "Sie kommen."


Pandorah