Runenbande

15.

Daron brauchte zwei weitere Tage, um die restlichen Runen auf Sariels Körper aufzulösen. Die Schwarzmagier waren akribisch gründlich und sehr ausdauernd gewesen. Vielleicht hatten sie auch einfach immer mal wieder etwas hinzugefügt. Doch von Rune zu Rune wurde es einfacher zumindest für Daron; er bekam Übung und musste zudem auf immer weniger Verknüpfungen achten. Sariel hingegen schien keinen Unterschied festzustellen; es brannte und bereitete ihm Schmerzen, aber er beschwerte sich nicht.

Daron strich Sariels schweres Haar über die Schultern nach vorne und betrachtete die fast vollkommen verborgenen Linien der letzten Rune, die sich vom Nacken auf den Hinterkopf erstreckte. Die letzte. Endlich. Wie auch die Male davor spürte er, wie sein Freund sich anspannte, als er konzentriert das Netz an astralen Fäden wob, zusammenzog und die Magie auflöste.

Er hörte das leise Zischen, das Sariel zu unterdrücken versuchte, lächelte und küsste ihn auf den Nacken. Dann stand er auf und streckte sich, ehe er einen Schritt zurücktrat und seinen Freund betrachtete, der im Schneidersitz auf der Decke neben dem Becken in der Sonne saß. Sariel mochte die Wärme, sie erinnerte ihn an daheim, also hatten sie es sich dort bequem gemacht. Die Tätowierung zeichnete sich warm auf der dunklen Haut ab und zeigte nun deutlich, wo die Flügel saßen, wenn Sariel sie hervor rief.

"Brauchst du eine Pause?" Sariel ließ einmal die Schultern kreisen und drehte sich zu ihm um.

"Sehe ich so aus?" Daron grinste. "Lüg mich an, Sariel."

Für einen Herzschlag starrte der Dämon ihn erschrocken an, dann öffnete er den Mund, schloss ihn wieder und grinste ebenfalls. "Ich kann nicht, Meister Daron. Vergib mir." Mit einem Jubellaut sprang er auf und umarmte Daron heftig. "Du bist fertig!"

"Und es scheint so, als sei ich nicht nur fertig, sondern auch erfolgreich. Meister Sinuhe wäre stolz auf mich." Daron lachte und erwiderte die Umarmung; er spürte nicht nur Freude, sondern auch Erleichterung. Solche Konzentrationsaufgaben lagen ihm nicht, umso weniger, wenn das Wohlergehen eines anderen davon abhing, ganz besonders Sariels. Herzhaft küsste er ihn einmal. "Dann machen wir es jetzt gleich richtig. Sariel, das Band, das dich und mich durch den Runenkreis verbindet, bleibt bestehen aber darüber hinaus befehle ich dir, dass du künftig dein eigener Gebieter bist und somit der einzige, von dem du noch Befehle entgegen zu nehmen hast."

Mit geweiteten Augen sah Sariel ihn an. Für einen langen Moment hielten sie einfach nur inne und rührten sich nicht.

"Hat es funktioniert?", fragte Daron schließlich irritiert. Irgendwie hatte er mit einer Reaktion von irgendwoher gerechnet. Einer Erschütterung in der Magie vielleicht, ein Aufgleißen um den Dämon herum oder etwas in der Art.

Sariel runzelte die Stirn. "Ich weiß es nicht."

"Hm." Daron ließ ihn los, trat einen Schritt zurück und betrachtete ihn. Sariel sah nicht anders aus als noch vor einem Augenblick. "Dann versuchen wir das jetzt einfach mal. Sariel, setz' dich."

Ein zögerliches Lächeln schlich sich auf das Gesicht des Dämons, er blieb stehen.

Daron spürte etwas in sich empor sprudeln, das verdächtig Glück glich. "Sariel, setz dich sofort hin, das ist ein Befehl."

Sariel stieß einen Jubelruf aus, die schwarzen Schwingen entfalteten sich und er schoss in die Luft empor. Daron konnte nicht anders als zu lachen, voll Glück und Freude, während Sariel weit über ihm einen Salto schlug und seine Freiheit hinaus in die Welt schrie. Gleich darauf war er hinter den Baumwipfeln verschwunden.

Daron hatte erwartet, dass der Dämon den Himmel eroberte, doch noch bevor er auch nur einen Schritt hatte tun oder einen Gedanken fassen können, hörte er das Rauschen der Flügel hinter sich. Er spürte einen Windstoß, und bevor er sich umdrehen konnte, schlossen sich Sariels Arme um seinen Oberkörper und er wurde empor gerissen. Sariel lachte, als Daron ein erschrockener Ruf entfuhr, und küsste ihn ohne innezuhalten auf den Hals.

"Befehle mir etwas, irgendetwas!", rief er und stieg mit mächtigen Flügelschlägen in den Himmel hinauf.

"Lass mich bloß nicht fallen!" Daron umfasste die Arme, die ihn hielten, während ihr Lager unter ihm zurückblieb.

Wieder lachte Sariel auf. "Das mache ich ohnehin nicht. Gib mir einen dummen Befehl!"

Auch Daron lachte, obwohl es beängstigend war, wie die Tannen unter ihm zurückblieben. Der Wind pfiff in seinen Ohren. "Sing für mich!"

Sariel lachte erneut und drehte sich und somit Daron in einer Schraube einmal um sich selbst. "Nein!"

"Schick einen Feuerball in den Himmel!"

"Nein!" Sariel stieß einen weiteren Jubelruf aus und schlug einen Salto.

Darons Magen blieb irgendwo hinter ihm zurück. Vielleicht war das gar nicht schlecht; wenn ihm übel wurde, geschah das wenigstens weit hinter ihm. "Tanz für mich."

Glucksend drückte Sariel ihn fester gegen sich und küsste ihn auf die Schulter, den Hals, die Wange. "Wenn ich jetzt tanze, wird dir schlecht. Daron, mein Daron, ich bin so glücklich!"

Daron schaffte es, den Blick von dem Boden zu lösen, der sich beständig von ihnen entfernte, als der Dämon an Höhe gewann, und sah ihm in das strahlende, leuchtende, glühende Gesicht. Die Katzenaugen schimmerten in der unbeschreiblichen Freude seiner Freiheit, seine Wangen waren vor Aufregung gerötet. Aus den Augenwinkeln sah Daron das schwarze Haar im Wind wie ein Banner wehen, die Hörner wanden sich aus seiner Stirn empor, der lachende Mund offenbarte das Gebiss eines Raubtiers. Er war Dämon, ganz und gar, und wunderschön.

Sariel wandte ihm den Blick zu, lachte und küsste ihn. Dann ging er in einen Sturzflug über, der schmerzenden Druck in Darons Ohren schickte. Das Land schoss auf ihn zu, der Wind war scharf und eiskalt. Die Flügel spannten sich erneut; mit einem Knall wie donnernder Peitschenschlag fingen sie die Luft erneut. Sariels Griff um ihn festigte sich und es ging erneut in die Höhe. Daron schloss die Augen und kämpfte gegen eine Welle der Übelkeit. Offensichtlich hatte sein Magen ihn wieder eingeholt, und er war nicht zufrieden.

"Lass mich runter, Sariel. Ich bin nicht für diese Kapriolen gemacht", brachte er hervor.

Der Aufstieg wurde unterbrochen, Daron konnte spüren, wie die Flügel weiter ausgebreitet und in Stellung gebracht wurden, das wilde Schlagen hörte auf, der beißende Wind wurde zu einem sanften Luftzug.

"Verzeih", sagte Sariel weich neben seinem Ohr. "Ich bin nur so aufgedreht, dass ich die Welt zurücklassen will. Aber nicht ohne dich. Schau, ist es nicht herrlich?"

Daron wagte es, die Augen zu öffnen und sog überrascht den Atem ein. Das Land breitete sich unter ihnen aus, als stünden sie auf dem Gipfel des höchsten Berges. Der einzige Laut war das Rauschen des Windes in Sariels Flügeln. Wie der bucklige Rücken eines Drachen wand sich das Gebirge in einer sanften Kurve dahin und verlor sich in der Ferne in blauem Dunst. Dort, von wo aus sie ihr Weg hierher geführt hatte, fiel es zu einer Landschaft aus sanften Hügeln ab; auf der anderen Seite streckte sich eine weite Ebene bis zum Horizont. Wasserläufe zogen sich als glitzernde Stränge durch die Landschaft, bildeten hier und dort Seen aus Lapislazuli in dem Samtgrün des Waldes. Und über allem spannte sich der blaue, endlos weite Himmel.

"Oh Göttin", flüsterte Daron. Nicht einmal in seinen Träumen vom Fliegen hatte er diese Schönheit erahnen können.

Sariel schmiegte die Wange gegen seine und lächelte.

In langsamen, gleichmäßigen Kreisen sanken sie tiefer. Die Bäume wurden wieder als einzelne Tannen, Kiefern, Fichten erkennbar, schließlich drangen die Laute des Waldes zu ihnen empor, das Singen der Vögel, das Plätschern des Baches. Der Flug wurde unruhiger, als die gewaltigen Schwingen erneut schlugen. Daron bemerkte ihr Lager und bedauerte, dass es vorbei war, während er sanft abgesetzt wurde.

Sariel blieb bei ihm, hielt ihn fest, wie er ihn den Flug über gehalten hatte, und drückte das Gesicht an seinen Rücken. Sein Atem streifte über Darons nackte Haut, er konnte die Hörner an seinen Schultern spüren. Die klauenbewehrten Hände auf seiner Brust fächerten sich auf und streichelten ihn sacht. Daron drehte sich in den Armen des Dämons um und sah ihn an.

"Danke", sagte er mit belegter Stimme. "Das war atemberaubend. Ich glaube, ich habe noch nie etwas so Schönes gesehen."

"Wann immer du fliegen willst, sag einfach ein Wort. Meine Schwingen sind die deinen, mein Freund."

Der Ernst in den goldenen Augen raubte Daron jegliche Antwort. Er konnte sehen, dass es ein Angebot war, das mehr bedeutete, als die Worte es erahnen ließen. Noch einmal murmelte er seinen Dank, auch wenn es ihm nicht ausreichend erschien. Er wollte nachfragen, doch noch ehe er Worte gefunden hatte, lächelte Sariel, schlang ihm einen Arm um den Hals und küsste ihn harsch.

"Und jetzt", flüsterte er auf seinen Lippen, "will ich dich."

Daron legte ihm die Hände auf die Taille, zog ihn eng gegen sich und konnte die Erregung des Dämons spüren. Sein Körper antwortete darauf, heftig und direkt. Er grinste. "Wenn ich jetzt sage, dass ich nicht will, wirst du mir wohl kaum glauben."

"Nein." Mit einem Auflachen leckte Sariel ihm einmal über die Lippen, während er die Hand auf Darons Rücken nach unten streichen ließ, um seinen Hintern zu umfassen und zu streicheln. Die Klauen waren verschwunden.

Darons Lider drifteten zu, während er den Kuss wieder aufnahm. Sie küssten sich hitzig, leckten, nippten, saugten, und nur einen Moment später wurde Daron davon überrascht, dass Sariel noch immer seine Fangzähne hatte. Es war aufregend, das Neue im Vertrauten zu entdecken, als er seine Zunge in den Mund des Dämons gleiten ließ.

Gleich darauf stießen seine tastenden Hände auf Sariels Rücken auf Widerstand. Die ledrige Flughaut zog sich seitlich des Rückgrats an den Rippen hinab. Forschend strich Daron daran empor, bis er das Gelenk erreichte, wo die Schwingen aus dem Rücken wuchsen, und ließ seine Fingerspitzen über die Flugmuskeln gleiten, die sich unter der festen Haut verbargen.

Sariel stöhnte leise. Ohne den Kuss zu unterbrechen, streichelte er mit beiden Händen über Darons Brust, rieb die Brustwarzen, aber wanderte dann direkt tiefer. Langsam ging er in die Hocke, küsste eine heiße Spur über Darons Hals, seine Brust und bis zum Bauch hin. Er umkreiste den Bauchnabel mit der Zunge, während seine Hände zwischen Darons Beine glitten.

Dann kamen die Klauen wieder zum Vorschein, und Daron stöhnte überrascht auf, als sie über die empfindlichen Innenseiten schrammten, nicht fest genug, um Schmerz zuzufügen; aber schon beinahe unangenehm deutlich war zu spüren, dass es keine menschlichen Fingernägel waren. Er sah auf seinen Dämon hinab, der nun mit sichtlichem Vergnügen die empfindsame Haut seiner Lenden mit Zunge und Lippen erforschte. Noch immer hatte er Flügel, Fangzähne und Hörner.

Eigentlich sollte es bedrohlich wirken, die dämonische Gestalt so nah an seinen empfindlichsten Stellen, doch alles, was Daron fühlen konnte, als er in sich hinein horchte, war Vertrauen. Und das füllte ihn mit Glück. Lächelnd strich er ihm über die Haare, genoss das weiche Gefühl, schwer und seidig, wie es Menschenhaar kaum sein konnte. Dann fuhr er mit den Fingerspitzen die dunklen Hörner entlang, erforschte die glatte, leicht gerillte Oberfläche und wunderte sich darüber, wie warm sie waren.

Sariel hob den Kopf und sah zu ihm empor. Er lächelte, ehe er ohne weitere Vorwarnung an Darons mittlerweile beachtlicher Erektion entlang leckte. Daron keuchte auf. Verdammt, würde er es vermissen, wenn sie wieder in der Nähe von Zivilisation waren und nicht mehr nackt herumlaufen konnten und tun, was sie wollten, wann sie es wollten zum Beispiel sich spontan am Ufer eines Bachlaufes zu lieben.

Einen langen Moment ließ er zu, dass Sariel ihn mit Zunge, Lippen und sogar behutsam mit den spitzen Zähnen verwöhnte, bevor er ihn energisch von sich drückte, um sich zu ihm hinzuknien und seinen Mund erneut in einem leidenschaftlichen Kuss einzunehmen. Er schlang einen Arm oberhalb der Flügel um Sariels Schultern und schob die andere Hand auf den festen Hintern, während sich Sariels Arme um ihn schlossen.

Atemlos küssten sie einander, bis Sariel sich nach hinten sinken ließ und ihn mit sich zog. Darons Schoß kam auf dem seines Dämons zu liegen; sie stöhnten beide in den Kuss, als ihre Erektionen gegeneinander gepresst wurden. Sariels Arme umfingen ihn fester; der Dämon schlang die Beine um seine Hüften und begann sich grausam erregend unter ihm zu bewegen.

Hilflos unter dem Ansturm konnte Daron nicht viel mehr machen, als sich dem anzupassen. Gierig bedeckte er Schultern, Hals und Gesicht mit weiteren Küssen, während seine Hände jeden Fleck Haut streichelten, den er erreichen konnte. Die Schwingen breiteten sich aus, und Daron ließ seine Finger auch daran entlang streichen, so weit er reichen konnte. Sariels Stöhnen wurde lauter, mischte sich mit seinen eigenen keuchenden Atemzügen, dann vergruben sich die Finger des Dämons fast schmerzhaft in seinen Haaren.

"Ich will dich ganz", brachte er atemlos hervor. "Ich will dich in mir spüren."

Darons erster Gedanke war 'Öl!', doch er verschwand wieder so schnell, wie er gekommen war.

"Dein Wunsch sei mein Befehl", neckte er heiser und richtete sich halb auf ein Knie auf, um mit der Hand zwischen ihre Körper zu gelangen. Er half nach, und nur einen Moment später drang er in die heiße Enge ein. Göttin, wie er es liebte, seinen Freund auf diese Art einnehmen zu dürfen!

Sariels raue Laute drangen ihm direkt in die Lenden, während der Dämon den Druck seiner Beine wieder verstärkte und sich gegen ihn zu bewegen begann. Daron passte sich dem Rhythmus an, nicht mehr fähig, sich zurückzuhalten oder es hinauszuzögern. Sariels fordernde Bewegungen waren nicht dazu gemacht, die Beherrschung zu bewahren. Irgendwo am Rande seines Bewusstseins fühlte er, dass die Finger, die sich gegen seinen Rücken pressten, wieder menschlich waren, und er war dankbar darum, ehe auch der letzte Rest an Vernunft aussetzte.

Die Hitze zwischen ihnen nahm zu; der Rhythmus wurde schneller, härter. Dann bäumte sich Sariel mit einem Schrei unter ihm auf. Der Griff um Darons Körper festigte sich schmerzhaft, doch er war zu erregt, um das noch wirklich zu bemerken. Die Welt verwischte, all sein Fühlen und Denken zog sich in einem Punkt seines Körpers zusammen, ehe die Lust alles andere hinwegbrannte.

Als er wieder zu denken begann, hatte Sariel seinen Griff um ihn gelockert, doch die Flügel lose wie ein schützendes Zelt um ihn geschlossen und beschirmte ihn vor den Strahlen der Sonne. Reglos blieb Daron liegen, während er den Nachhall der geteilten Lust und das Gefühl genoss, dass Sariel ihn behüten wollte. Langsam driftete die Welt wieder zurück in seine Wahrnehmung.

Er brauchte einen Moment, ehe er seine eigenen Gliedmaßen und die des Dämons auseinander sortiert hatte, dann stemmte er sich leicht auf Sariels Brust hoch, um ihn anzusehen. Mit einem trägen Lächeln erwiderte der Dämon seinen Blick, Daron konnte die streichelnden Hände auf seinem Rücken spüren und die Vibration tief in Sariels Brust. Lange Zeit sahen sie sich einfach nur an, bis Daron die Arme nach vorn schob, so dass er sich zwischen Schultern, Hals und Flügeln mit den Ellbogen aufstützen konnte, die Finger in Sariels Haar vergraben. Behutsam küsste er ihn auf den Mund. Sariels Schnurren wurde lauter, als er den Kuss erwiderte.

"Der Fels ist ganz schön hart", stellte Sariel nach einer langen Zeit fest, in der sie nichts anderes getan hatten, als sich zärtlich zu küssen.

"Überrumple mich nicht so, dann können wir uns die Zeit nehmen, einen weicheren Untergrund zu finden." Daron grinste und küsste ihn noch einmal, weil es einfach zu schwer war, sich von ihm zu trennen, doch als sich das Flügelzelt öffnete, setzte er sich auf.

Gähnend streckte und räkelte sich Sariel wie eine große Katze, ehe auch er sich aufrichtete und leise lachte. "Hm, ich fürchte, ich genieße es zu sehr, dich zu überrumpeln, als dass ich darauf verzichten mag. Da nehme ich es lieber mit unbequemem Untergrund auf. Aber weißt du, was wir dringend brauchen?"

"Hm?" Fragend hob Daron die Brauen, während er an seinem klebrigen Bauch herumwischte, dankbar für den Bach samt Becken. Sie sollten sich vielleicht sogar einen Rastplatz suchen, wo das Wasser nicht ganz so eisig war. Dann konnte man noch ganz andere Dinge mal ausprobieren.

Der Dämon grinste. "Öl."

Darons Brauen wanderten noch ein Stück weiter empor, was Sariel dazu brachte, ihn mit einem Glucksen in die Rippen zu stoßen. "Ich liebe es, dich in mir zu spüren. Aber anders herum mag ich es auch."

"Das nächste Dorf ist nur zwei Tagesreisen entfernt, vielleicht drei, hat mir irgendein Dämon erzählt, den ich kürzlich hier getroffen habe." Daron lachte, beugte sich vor und küsste diesen Dämon. "Und auch wenn ich die Einsamkeit hier sehr genieße, hm, wäre es vielleicht den Abstecher wert."

"Du magst Einsamkeit? Soll ich dich allein lassen?", neckte Sariel und lehnte die Stirn gegen Darons. "Für dich bringe ich dieses Opfer."

Daron biss ihm sacht in die Unterlippe. "Aber ich kann dieses Opfer nicht von dir verlangen."

Er wusste nicht so recht, wie es kam, aber gleich darauf waren sie schon wieder dabei sich zu küssen. Lag das an dem Dämon? Er konnte sich nicht erinnern, dass er mit vorherigen Partnern so viele Zärtlichkeiten ausgetauscht hatte. Aber er hatte nicht vor, sich zu beschweren.

Wenig später war er sich sehr sicher, dass es an Sariel lag. Sie wuschen sich die Spuren ihres Liebesspiels vom Leib und alberten im Wasser herum, was nicht ohne erneute Küsse abging. Danach sammelte er einige glatte Steine ein und machte es sich auf der Decke am Becken bequem, um neue Runensteine herzustellen vielleicht sollte er einfach mal einen ganzen Rucksack voll davon herstellen; immerhin hatte er nun jemanden, der ihm tragen half, und irgendwie waren sie ständig verbraucht. Kaum saß er, lag Sariel bei ihm, den Kopf in seinen Schoß gebettet und einen Arm um seine Taille gelegt. Daron erinnerte sich an die Erzählung, dass Dämonen sich ständig irgendwie nah waren. Bestimmt hatte Sariel einiges an Nähe aufzuholen. Er hoffte nur, dass es ihm selbst nicht irgendwann lästig wurde.

Im Moment sah es auf jeden Fall noch nicht danach aus. Liebevoll strich er seinem Freund das dunkle Haar aus der Stirn, von der die Hörner wieder verschwunden waren. Blinzelnd schaute der Dämon zu ihm hoch, dann erschien eines dieser wunderschönen Lächeln auf seinem Gesicht, die Daron jedes Mal aufs Neue atemlos machten.

"Wie sehen denn unsere Pläne aus? Außer an Öl zu kommen." Sariel grinste. "Deine Pläne zu dem lästigen Dämon, den du dir unvorsichtigerweise eingefangen hast, scheinen ja mittlerweile klarer geworden zu sein."

Grinsend dachte Daron daran, dass er sich den Kopf zerbrochen hatte, wie er Sariel loswerden konnte, ohne dass der eine Gefahr wurde. Jetzt war der Dämon höchstens noch eine Gefahr für sein Herz und für alle, die sie angreifen wollten. Und er wollte bei ihm sein. Wollte er das wirklich? Daron runzelte die Stirn. Sie waren immer noch gebunden, oder? "Sariel, bist du hier, weil du bei mir sein willst oder bist du wegen dem Kreis hier? Obwohl du keinen Befehlen mehr gehorchen musst."

Irritiert zog Sariel die Brauen zusammen, dann drückte er sich hoch und drehte sich in der gleichen Bewegung, um sich zwischen Darons Beine zu hocken. Energisch und schon unangenehm fest stieß er ihm mit einem Finger gegen die Brust. "Ich bin an dem einzigen Ort in dieser Welt, an dem ich sein möchte. Ich dachte, das wäre mittlerweile klar. Wenn nicht, muss ich mich fragen, ob du Augen im Kopf und funktionierende Ohren hast."

"Vielleicht solltest du das." Daron lachte auf, der Zweifel ging so schnell, wie er gekommen war, und er überlegte, ob er die Runensteine wirklich so dringend brauchte. Gerade schien es eine hervorragende Alternative zu sein, Sariel für den Rest des Tages in den Armen zu halten. Einfach so, um ihm nahe zu sein, um ihn bei sich zu haben. Er öffnete den Mund, doch kam nicht mehr zu einer Erwiderung. Sariels Augen weiteten sich, und im selben Moment spürte Daron das vertraute, gefürchtete Ziehen in der Magie. Die Luft füllte sich mit fernen, stummen Stimmen. "Dreimal verdammte Höllenscheiße! Haben die dich schon immer so häufig beschworen?"

Er schloss die Augen und tauchte in seine Magie ein, ohne auf Antwort zu warten. Die Welt verblasste und ließ nur leuchtende Fäden aus Licht zurück, Nesselfäden, die sich um ihn wanden und nach seiner Kraft griffen, um sie zu zersetzen und das Band zu zerschneiden, das Sariel an ihn fesselte. Vor ihm loderte Sariels wilde Magie, gleißend hell und heiß und doch nicht brennend genug, um die Fäden durchtrennen zu können. Sie woben ihn ein, fesselten ihn, banden ihn, hielten ihn.

Hektisch spann Daron eigene Fäden, hauchzart, kaum zu sehen, und führte sie in das Netz der Magie ein, durchsetzte es. Sie sahen schwach und viel zu zerbrechlich aus in dem Strom der anschwellenden Kraft. Die Rufe wurden lauter, nicht zu hören, aber der Name formte sich deutlich. Sariel. Darons Brust schien zu eng zu sein, als sein Herz angstvoll schneller schlug. Die Macht war stärker als das letzte Mal, das Gewebe aus Fäden wuchs rasant an und bildete Runen.

Sariels Silhouette flammte auf, Hörner durchbrachen seine Stirn, die gewaltigen Schwingen breiteten sich aus und füllten alles aus. Für einen Wimpernschlag durchschnitten sie die Stränge, doch ebenso schnell bildeten sich neue, bis der Dämon nicht mehr zu erkennen war in dem Gespinst der Magie. Das Rauschen der astralen Kraft erstickte jeden anderen Laut.

Daron griff in die Struktur der Runen ein, versuchte umzudeuten, doch es erschienen mehr und mehr. Er kam nicht mit dem Weben nach. Sie schnitten ihn ab, drängten ihn zurück.

'Göttin, steh mir bei!' Er hatte keine Zeit, er war kein Runenmagier. Er war zu langsam. Bevor sie weitere Magie zwischen ihn und Sariel zwingen konnten, jagte er seine Kraft in einem wütenden Stoß los, leitete sie die Fäden entlang und sprengte Verbindungen. Der Kokon lichtete sich, Runen loderten auf und brannten aus...

dann schlossen sich die Lücken, neue Runen wurden gebildet.

Darons Augen flogen auf, die Katzenaugen des Dämons erwiderten seinen Blick.

"Verdammte Scheiße", fluchte Daron tonlos und griff nach seinem Stab. Jede Unze an Kraft, die er noch hatte, schickte er mit aller Gewalt, mit der Kraft seines Willens in das Netz, breitete es aus. Der Stab erstarb. Brennende Erschöpfung füllte Daron, das Flüstern der Magie verstummte, seine Ohren waren wie taub, doch die Magie bildete sich erneut, ein unbezwingbarer Strudel. Und alles, was er sehen konnte, war das bedrohliche Leuchten und die Angst in Sariels Gesicht.

Daron griff nach ihm, zog ihn an sich, drückte ihn gegen sich, hielt ihn mit allem, was er war, mit allem, was er hatte. Er würde ihn nicht gehen lassen. Sariels Arme umfingen ihn, der Dämon hielt sich fest, als könnte pure Stärke ihn an diesem Ort verankern.

"Ich lasse dich nicht gehen." Daron konnte seine eigene Stimme kaum hören, als er die letzte Reserve angriff, die ihm noch blieb. Er verwob seinen Lebensfaden mit dem Kreis, der ihn mit Sariel verband.

Ätzende Säure füllte ihn, als sich das Netz zusammenzog und er sich nur mit der Kraft seines Willens widersetzte, um den Kokon offen zu halten. Sie würden Sariel nicht bekommen. Er musste nur lange genug durchhalten. Für einen Atemzug ließ das Brennen nach, dann fraß sich die Säure erneut seine Adern entlang, um ihn zu zersetzen.

Daron schrie, als Schmerzen jenseits seiner Vorstellungskraft durch ihn hindurch jagten.

Eine erneute Pause.

Keuchend rang er nach Luft, während er wie von Ferne Sariels Stimme hörte. Die Worte ergaben keinen Sinn.

Dann kam der Schmerz zurück. Er tobte durch seinen Körper, zerriss ihn, doch der Kokon schloss sich nicht.

"Lass mich gehen! Du musst mich gehen lassen, Daron!" Nicht länger hielt er Sariel, der Dämon hielt ihn, und er schrie auf ihn ein. "Es bringt dich um! Hör auf damit!"

"Nur... über meine verrottende Leiche...", brachte Daron hervor, und die Chancen dafür standen verdammt gut. Der Schwarzmagier konnte nicht mehr lange durchhalten. Das einzige Problem war, dass er vielleicht länger durchhielt als er selbst. Warum war es dieses Mal so viel schwerer?

Gleißend, glühend, ätzend, brennend fraß die schwarze Magie ihn auf, und Daron klammerte sich nur noch an sein Bewusstsein, weil er wusste, dass sie ihm Sariel nehmen würden, wenn er aufgab. Dass sie Sariel versklaven und benutzen würden.

Sariel.

Sariel war sein Schatten in dem unbarmherzigen Licht der Magie.

Der Schatten wuchs, lebte, berührte ihn sanft, strich über ihn, kühlte seine brennende Seele.

'Nimm', es war ein Flüstern in dem Brüllen des schwarzen Sturms um ihn her.

Daron griff wie ein Ertrinkender danach.

Dämonenmagie, wild und ungezähmt, empfing ihn, als Sariel sich ihm öffnete, vollkommen und ohne jeden Schutz. Für den Wimpernschlag der Ewigkeit konnte Daron ihn fühlen, in sich, und die Schönheit schmerzte ebenso wie die schwarze Magie.

Dann nahm er, was ihm angeboten wurde, wob die Kraft zu einem Gewebe, das kaum zu beherrschen war, schickte sie los und flog mit ihr. Er brannte die Fäden aus, raste Runen entlang, wischte sie davon. Das Gespinst ging auf in Feuer und Eis, weitere Runen loderten auf, flammten in einem Kreis von violettem Feuer.

Geisterhaft sah Daron Gesichter um sich, bevor die Welt explodierte.

Schreie mischten sich mit seinen und gingen unter, als jeder Laut ausgelöscht wurde.

Dann wurde es schwarz.


Pandorah