Wie ein Schlangentanz

9.

Ternekun warf einen kleinen Blick in die Runde und seufzte. Es war eng, es war dunkel und ungemütlich. Er gratulierte sich zu dem Entschluss, eine dicke Decke mit auf den Frachter zu nehmen und sah dann auf die kleine Mulde, in der einige schmucklose, graue Kissen lagen. Fakun schliefen gern in Gruppen aneinander gelehnt. Wie es bei Schleierschwänzen war, wusste Ternekun nicht so genau, aber das war weniger das Problem als Cins von Eifersucht bestimmte, schlechte Laune.

"Es tut mir leid, dass unsere Kammer nicht angenehmer ist, wir..." Ein dumpfes Grollen unterbrach ihn, die Sturmkammern schoben das Schiff aus dem Dock und in die tiefe See hinaus, wo es sich einer Spalte in Richtung Norden zuwenden würde. "... werden es nur einige wenige Tage aushalten müssen."

"Ich glaube, das werden einige wenige Tage zu viel sein." Cin hatte geglaubt, dass der Gasthof, in dem sie untergekommen waren, klein und schlicht gewesen war, aber das Schiff stellte alles in den Schatten. Er fühlte sich unwohl, besonders auch, nachdem er die Mannschaft des Frachters zu Gesicht bekommen hatte. Er war sich sicher, dass sein Pascha diese Männer im Leben nicht auf dem Gut einstellen würde, so finster und wenig vertrauenserweckend wie sie wirkten. Dazu kam, dass Ternekun nicht ein Wort über seinen nächtlichen Ausflug verloren hatte.

'Was interessiert es dich denn? Tiefsee! Und noch mal Tiefsee! Du lebst, er ist immer noch bei dir. Außerdem liebst du Mitar, du kannst gar nicht anfangen, für diesen Wächter zu empfinden. Da hat er schon recht, das wäre Pascha Denju auch nicht sehr viel lieber.' Nur war er eben weg gewesen, und gerade hier an diesem Ort hätte Cin es vorgezogen zu wissen, dass er sich auf ihn verlassen konnte. Unglücklicherweise beschlichen ihn nun Zweifel.

"Die Liebe fordert manchmal Opfer", verkündete Ternekun. "Wir teilen diese Kammer abwechselnd. Wenn du schlafen willst, dann werde ich draußen sein. Leider gibt es hier keine Halle und keine Tänze." Er studierte das herzförmige Gesicht mit einem kleinen Lächeln. "Du bist zu hübsch für diesen Frachter, tut mir leid, dass ich dir so etwas zumute."

Cin starrte ihn wütend und mit zusammengepressten Lippen an. Kein einziges Wort von dem, was Ternekun gesagt hatte, wollte er hören. "Kannst du nicht endlich mit diesem Liebesgezuckel aufhören? Hast du keinen Bruder? Wäre es dir egal, wenn er von Piraten entführt würde?" Es machte es nicht besser, dass es natürlich stimmte, aber warum musste er dauernd davon anfangen? "Im Übrigen werde ich mich nicht sonderlich wohl fühlen, wenn du mich allein lässt." Seine Stimme wurde leiser, und er schauderte. "Hast du dir die Mannschaft mal angeschaut, ehe du die Fahrt gebucht hast? Ich hoffe, wir kommen hier nicht nur in Teilen wieder raus." Er verkniff es sich im letzten Moment, auch noch etwas zu dem Part mit dem Hübsch sein zu sagen. Zwischen Gam und ihm lagen Welten.

Ternekun ließ das Grinsen nur kurz zu, um sich dann zu einem ernsten Gesicht zu zwingen. "Ja, ich habe Geschwister. Sieben. Ich kann deine Furcht also verstehen." Er ließ sich auf das Lager nieder und streckte sich einmal. "Ich habe die Mannschaft gesehen, es sind gewöhnliche Fakun. Ein Pascha mit seinen zwei Angetrauten und seinen Söhnen. Sie leben hier auf dem Schiff, vermutlich sehen sie deswegen rauer aus, als du es gewohnt bist. Immerhin fahren sie ausschließlich die Route zwischen dieser Stadt und der Hauptstadt der Fakun hin und her und das über Norden. Kaum ein Pirat hat sich dort hochgewagt."

Cin schauderte noch ein wenig mehr und wünschte sich, dass die kleine Kammer wenigstens ein Fenster hätte, an dem er sitzen könnte. Selbst wenn er nur das Schwarz der Tiefsee zu Gesicht bekäme, könnte er doch immerhin nach Gefahren Ausschau halten. 'Wie denn, wenn du nichts sehen kannst, Seegurke! Meinst du, Kraken und Drachen fangen an zu leuchten, bevor sie angreifen? Und selbst wenn sie es täten – meinst du, du könntest etwas tun außer dich zu fürchten, nur weil du sie gesehen hast?'

Er ließ sich an der kahlen Wand hinab auf den Boden sinken und wünschte, dass wenigstens der Kutscher hier wäre. Doch der hatte sich um die Marline und die Kutsche kümmern müssen und war jetzt wieder auf dem Weg nach Hause. Erneut schauderte Cin, als ihm einfiel, dass er nun wirklich das erste Mal ganz und gar allein mit dem eigentlich fremden Fakun war, den er sich zum Wächter erkoren hatte. 'Was, wenn er nicht so vertrauenswürdig ist, wie du gedacht hast? Was, wenn dich dein Gefühl trügt? Sonderlich zuverlässig ist das ja nicht gerade. Und der Wächter wohl auch nicht, wenn er sich mitten in der Nacht davonschleicht, um mit einem Schlangenbeschwörer zu schäkern.'

Das Zittern in Cin wurde stärker, als er daran dachte, dass er wahrscheinlich gerade die größte Dummheit seines Lebens beging. Er hätte warten sollen, bis sein Pascha jemanden schickte, der ihn begleiten konnte. Oder bis die Piraten Lösegeld forderten. Selbst wenn die Mannschaft des Frachters halbwegs ehrbar und Ternekun wirklich der Mann war, für den Cin ihn hielt, gab es immer noch die Kraken und Drachen. Doch jetzt gab es kein Zurück mehr.

Ternekun beobachtete, wie in der zierlichen Goldamme die Zweifel begannen und versteckte erneut ein Grinsen. "Ich hoffe, dass wir gute Fahrt machen und in einigen wenigen Tagen in den Süden abbiegen können. Wäre dieser Berg nicht im Weg, würden Fakun und Schleierschwänze sich bestimmt besser verstehen, meinst du nicht auch, Cin?" Er ließ sich neben dem zierlichen Mann nieder und legte eine Hand auf dessen zitternden Flossen. "Dir wird nichts geschehen, glaub mir."

Cin war versucht, Ternekuns Hand genau dort liegen zu lassen, wo sie war und sich gegen den Mann zu lehnen, um von seiner Ruhe und Kraft etwas abzubekommen. 'Aber ich darf mich nicht so sehr auf ihn verlassen, wie ich es bisher getan habe. Und ich muss aufpassen, dass ich ihn nicht noch mehr mag. Ich muss endlich vernünftig werden.'

"Mir ist nur ein bisschen kalt", murmelte er und entzog sich dem Fakun, um mit nicht mehr als einem Flossenschlag das winzige Kämmerchen zu durchqueren, die Decke zu greifen und sich in sie einzuwickeln. 'Ternekun hat an sie gedacht, nicht ich. Immer nur er, immer und immer wieder er. Ich muss für mich selber denken!' Leider gab es im Moment wirklich nichts, was er tun konnte.

Unschlüssig ließ er seinen Blick durch den Raum gleiten, dann zog er seine Tasche heran. In ihr befand sich das wenige, was er von seinen persönlichen Besitztümern mitgenommen und was Ternekun gutgeheißen hatte, ehe der Rest mit der Kutsche zurück gegangen war. Auf der Suche nach etwas, mit dem er sich beschäftigen konnte, stieß Cin auf Mitars Kette. Einen Augenblick lang betrachtete er sie, während er an seinen Bruder dachte und diesen Moment lang genau wusste, dass Mitar all das hier wert war. Dann räumte er sie hastig weg, um Ternekun nicht noch mehr Grund zu dummen Kommentaren zu geben.

Einer seiner Brustgurte, an dem noch die leere Tasche für seinen Dolch hing, war ihm willkommener. Das Haifischleder war glatt und schmucklos, was Cin eigentlich mochte, doch er beschloss, dass er schon viel zu lange nicht mehr sein kleines und ziemlich unnützes Talent angewendet hatte. In die Decke gewickelt setzte er sich unter den Lichtkristall, der gerade ausreichte, um das Zimmerchen zu erhellen und begann, Drachen nach dem Vorbild der Zeichnungen in der letzten Stadt in das Leder zu formen.

Ternekun beobachtete fasziniert, welche Talente in Cin schlummerten, aber wagte es nicht, die Konzentration seines kleinen Begleiters durch einen Kommentar zu stören. Der Schiffsrumpf erzitterte erneut, als das Schiff wendete. Die Fahrt in den Norden begann, als die Frachterbesitzer sich den Strömungen folgend in die enge Schlucht hineintreiben ließen.

 

Wirakun mochte diese Schlucht ganz und gar nicht. Das lag nicht daran, dass ihm noch immer jede Bewegung leichte Schmerzen verursachte. Es lag vielmehr daran, dass sie in der Enge nicht manövrieren konnten. Im Falle eines Angriffs, so sinnierte er nervös in die Schwärze hinausblickend, waren sie vermutlich ausgeliefert.

Sein Steuermann hatte berechnet, dass sie nach drei Tagen sicherlich wieder in der offenen See landen würden. Von dort konnten sie dann nach Süden abbiegen, um auf der anderen Seite des Berges von Norden in das Fakunland einfahren zu können. Wirakun hatte sich daran gewöhnt, dass Mitar ihm nicht mehr nahe kam, sondern wieder in seiner Ecke des Raumes auf den Polstern schlief. Es hatte ihn so sehr begeistert, mit Mitar Arm in Arm aufzuwachen, dass er ihn im Überschwang geküsst hatte. Daraufhin hatte er es sich verscherzt mit seinem Favoriten wider Willen. Anklagend blickte Wirakun von seinem Lager zu dem grauen Schatten hinüber, während er auf Manmathas Besuch wartete.

Mitar bemerkte den Blick, sagte aber nichts dazu. Die Warnung war durchaus ernst gewesen, und wenn Wirakun meinte, sie ignorieren zu müssen, war das seine Sache. Dabei hatte er es nicht einmal unangenehm gefunden, bei ihm einzuschlafen. Ungewohnt, aber irgendwie auch beruhigend und von innen heraus wärmend.

Er streckte sich, als es an der Tür klopfte und schwamm hin, um zu öffnen. So zaghaft, wie es geklungen hatte, konnte es nur Manmatha sein. Alle anderen hatten einen deutlich kräftigeren Schlag. Er lächelte den zarten Mann an, mit dem er mittlerweile erstaunlich gut auskam. Er konnte nun auch glauben, dass Manmatha Pascha werden würde, wenn er nicht im Harem des Fakun landete. Der Schleierschwanz war erstaunlich sicher und befehlsgewohnt, und er war noch immer fest davon überzeugt, dass sein Pascha ihn zurückholen würde. "Schön, dass du kommst. Du kannst ihn aufmuntern, er ist am Murren."

"Wenn du auch immer so bissig sein musst." Manmatha gelang es, die Mischung zwischen Vorwurf und Necken in der Stimme so genau zu treffen, dass Mitar nicht sagen konnte, wie es gemeint war. Vielleicht gar beides. "Du magst ihn doch, also sei nicht so." Geschickt schlängelte er sich an ihm vorbei, wobei er ihm gekonnt einen kleinen Schlag gegen die Schwanzflosse gab, der in dem Wirren seiner Schleier unsichtbar war.

Mitar grinste und verließ den Raum, um den obersten Steuermann aufzusuchen. Ebenso wider Erwarten wie das Verständnis, das er für Manmatha aufbrachte, hatte sich seit dem Überfall auf Wirakun etwas zwischen ihm und dem grimmigen Fakun entwickelt, das beinahe Kameradschaft, wenn auch noch nicht Freundschaft genannt werden konnte.

"Manmatha, ich freue mich, du bist ein Lichtblick für mich." Wirakun versuchte, sich leise ächzend in den Kissen aufzurichten und reichte dem weißen Schleierschwanz beide Hände, um ihn zu sich auf die Kissen zu ziehen. "Der Schatten ist wieder gemein zu mir gewesen. Er sieht es nicht ein. Wie geht es dir heute?"

"Gut, da ich sehe, dass es dir besser geht." Manmatha lächelte und beugte sich vor, um Wirakun auf die Stirn zu küssen. Es war nicht gelogen, er mochte den Fakun von Tag zu Tag mehr, und dass dieser verletzt worden war, um ihn zu schützen, hatte ihn sehr erschreckt. Leider befürchtete Manmatha auch, dass der Mann nicht begeistert von dem Vorschlag sein würde, in seinen Harem einzutreten, wenn sein Pascha kam, um ihn zu retten. Er schob den Gedanken von sich und lachte leise, als er an Mitar und seine Weigerung dachte. "Soll ich mit ihm reden? Vielleicht würde es deiner Genesung gut tun, wenn er entgegenkommender ist. Und das zumindest liegt auch in seinem Interesse. Außerdem mag er dich, da kann er noch so knurren."

Wirakun fühlte sich durch Manmathas Besuch gleich um einiges optimistischer. Er liebte den zierlichen, gebildeten Mann und freute sich, dass dieser es so selbstverständlich akzeptierte. Und an diesem Abend, als Manmatha ihn mehr als einmal von allein berührte, fühlte er sich ihm sogar noch näher als sonst.

Vorsichtig nahm er die schlanke, perlenverzierte Hand auf und bat zwischen zwei Küssen auf die Finger "Bleib doch bitte heute bei mir. Hilf mir gegen diesen Schatten, Manmatha. Du bist so hell und kannst all diese trüben Gedanken in mir vertreiben." Er zögerte kurz, dann flüsterte er ihm leise in das Ohr "Ich liebe dich und kann es dir nie beweisen." Hoffnungsvoll sah er in das elegant von Schmuck umrahmte Gesicht hoch.

Manmathas Lächeln wurde weich, als er das Kribbeln in seinem Bauch spürte, das mit Wirakuns Worten einher ging. 'Ist es das Gefühl, weswegen mein Vater mit seinem Haremswächter zusammen sein will? Weil er dieses Gefühl bei ihm, aber nicht bei meinem Pascha hat?' Sachte strich er über Wirakuns lachsfarbene Wange und ließ die Hand dann dort ruhen. "Wenn es dir hilft, bleibe ich gerne. Es macht mich glücklich, bei dir sein zu können."

'Es macht ihn glücklich...' Mit einem freudigen Laut umarmte Wirakun seinen Schatz, dann rief er nach einem seiner Männer und wünschte sich etliche besondere Dinge zu essen, bevor er sich mit dem hellen Mann an seiner Seite wieder auf seine Kissen zurückzog. Seufzend streckte er sich und legte einen Arm um Manmathas Schultern. Während sie aßen und redeten, streichelte er ihn sachte über den Oberarm, hoffte, dass der andere ihn vielleicht sogar weitergehen lassen würde.

Manmatha genoss die Zuwendungen und die Aufmerksamkeit, die Wirakun ihm schenkte. Die leichten, aber beständigen Berührungen machten ihn empfindlich, so dass er bald auch mit geschlossenen Augen sagen konnte, wenn sich der Mann näher beugte; die kleinen Strömungen, die ihn umschmeichelten, verrieten es ihm. Mit einem leisen Aufseufzen erbebte er, als Wirakuns Flosse beinahe zufällig über die seine strich. So viel Zärtlichkeit hatte der Fakun ihm in den vergangenen Tagen nie geschenkt, und das ließ dieses Essen zu etwas Besonderem werden. Es fiel Manmatha schwer, sich noch auf die Unterhaltung zu konzentrieren.

Mit halb geschlossenen Augen wandte er sich ein wenig um und sah zu ihm auf. Die dunklen Augen erwiderten seinen Blick, während Wirakun weitererzählte, von den Höhlen seiner Familie, von den Riffen, von Dingen, die Manmatha weniger und weniger interessierten. Mit einem Aufwirbeln seiner Bauchflossen richtete er sich auf, seine Hand fand Wirakuns Nacken, und sein Mund unterbrach den Redefluss, als er sich über Wirakuns weiche Lippen legte.

Zarte Flossen streichelten Wirakuns Brust und Bauch, während sich Manmathas Lippen auf seinen Mund pressten. Aus Reflex umfing Wirakun den schlanken Körper mit seinen Armen. Die schnelle Bewegung schmerzte ihn zwar noch, aber das Gefühl des schönsten Mannes, der sich gegen ihn presste, wog alles wieder auf. Mit einem Lächeln seufzte er und schloss die Augen, bevor er den Kuss weich und vorsichtig erwiderte, während er sich mit Manmatha in die Kissen sinken ließ.

Manmatha gab einen kleinen Laut der Wonne von sich und schlang den Arm um Wirakuns Nacken. Die freie Hand ließ er auf dem kräftigen Brustkorb ruhen. Ihn ganz zu umarmen wagte er nicht, aus Angst, ihm weh zu tun. Eine lange Weile gab er sich dem wundervollen Spiel ihrer Lippen hin, ehe er sich von Wirakun trennte, weil der Schwindel, der ihn erfasste, nicht nur vom Vergnügen herrührte. Schwer atmend lehnte er die Stirn gegen die des anderen Mannes. "Mmh, so bin ich noch nie geküsst worden", flüsterte er.

Wirakun lächelte, während er ein wenig herumrollte, um es für sich angenehmer zu machen. Sachte streichelte er über Manmathas Lippen und murmelte: "Wie konnten die anderen Männer sich dies nicht wünschen. Ich würde mein Schiff, meine Hallen, all meine Schätze dafür geben, dich glücklich zu machen." Er realisierte, was er da gerade ausgesprochen hatte und errötete ein wenig. "Aber dann würde ich meinen Pascha unglücklich machen, fürchte ich." Statt diesen Gedanken weiter zu verfolgen, ersetzte er seine Finger erneut durch den Mund, während er den schlanken Körper vorsichtig fragend mit den Händen zu erkunden begann.

Manmatha hatte antworten wollen, dass es nicht daran lag, dass er noch nie geküsst worden war, denn dem war nicht so. Aber über den erneuten Liebkosungen vergaß er es. Es war, als würde er durch einen Schwarm winziger Fische schwimmen, und ihre winzigen Flossen prickelten an seinem Körper entlang. Nur hinterließen kleine Fische nicht einen so köstlichen Nachhall. Eine Weile lag er nur da, ließ sich küssen und streicheln und genoss die Gefühle, während er sich an sie zu gewöhnen versuchte, damit sie ihm nicht so den Atem raubten.

Es stellte sich als unmöglich heraus, dafür wuchs das Verlangen in ihm, Wirakun zu berühren. Zart begann er, mit den Fingerspitzen die kräftigen Oberarme zu erkunden, während er leicht die Flossen an dem kräftigen Körper zu bewegen begann. Wirakun stellte fest, dass all die Erfahrung, die er mit den sensiblen Schleierschwänzen in den Hallen der Fakunpaschas hatte sammeln können, sich nun wirklich bezahlt machte. Er schien Manmatha für sich zu gewinnen und nicht nur das; die Brust, auf der er nun seine Lippen den Fingern folgen ließ, hob und senkte sich schnell, die sonst edel bleichen Wangen wurden von einem bezaubernden Rosé überzogen. Sachte küsste Wirakun die Brust und den weichen Bauch zwischen den Schleierflossen entlang, die ihn wie Tücher in einer leichten Strömung streichelten, erregend, aber eben gerade nicht befriedigend. Es schuf ein mehr und mehr steigendes Verlangen in ihm. Unauffällig begann er, seinen Schwanz um den des Schleierschwanzes zu schlingen, während er ihn erneut auf die Lippen küsste.

Manmatha kicherte atemlos und nippte an Wirakuns Wangen, dann an seinen Ohrfächern, als sich der Mann seinem Hals zuwandte. "Nur bei dir bleiben, ja? Mehr nicht? Fühlst du dich nicht zu schwach und krank?"

"Zu krank, um dich zu lieben, kann ich gar nicht sein, dann müsste ich tot sein, Manmatha!" Mutig rollte Wirakun sich ein wenig weiter um den schlanken Mann, bevor er ihn erneut küsste. "Tot fühle ich mich gerade ganz und gar nicht!" "Mmh, so fühlst du dich auch gar nicht an." Manmatha schob seine Hüfte sacht gegen die von Wirakun und lächelte, ehe er die Arme um ihn schlang und ihn erneut zu einem Kuss zu sich hinab zog.

Ein kühler Strom, der seinen empfindlichen Rücken entlang strich, ließ Wirakun aufblicken, gerade eben noch nahm er den Schatten wahr, der sich hastig entfernte. Doch statt sein Streicheln zu unterbrechen, ließ er seine Finger suchend über Manmathas Bauch abwärts gleiten, während er es genoss, sich in Blicken aus dessen lustverhangenen Augen zu baden. Mit einem Lächeln kam er dem Drängen ihrer Körper nach und schloss die Augen wieder, um die Gefühle genießen zu können.

Viel später, als Wirakun sich ächzend von der Medizin die Schmerzen nehmen ließ, die seine Unachtsamkeit im Eifer ihres Spiels hervorgerufen hatte, fragte er seinen schönen Geliebten leise "Ist es bei den Schleierschwänzen anders als bei den Fakun so, dass man Liebende allein lässt? In meinem Zuhause ist man da sehr frei und offen, und niemand hat sich an dem Anblick gestört." Seine Gedanken galten Mitar, den es sehr offensichtlich gestört hatte.

Manmatha räkelte sich wohlig und schmiegte sich an Wirakun, als dieser wieder bei ihm lag. Die Erschöpfung, die sich durch seinen Körper zog, war wundervoll und erfüllte ihn mit träger Zufriedenheit, auch wenn es ihm ein wenig ein schlechtes Gewissen bereitete, dass der andere Mann deswegen hatte leiden müssen. "Hm, es ist mehr eine Frage des Respekts gegenüber den Liebenden, damit sie sich nicht gestört fühlen. Man lässt sie im Allgemeinen allein, wenn sie sich dabei zurückziehen."

Manmatha wollte Wirakun gerade fragen, ob er sich Sorgen deswegen machte, dass es ihn stören könnte, wenn das Schiff den Heimathafen erreicht hatte und er nach Sitte der Fakun lieben wollte, als er den abwesenden Ausdruck in den Augen sah. Ein wenig unzufrieden sagte er "Es wäre nett von dir, wenn du wenigstens in diesem Moment deine Gedanken von Mitar lösen könntest."

Mit einem Mal befürchtete Wirakun, dass er sich gleich zwei eifersüchtige Angetraute zugelegt hatte, es schien bei Ihnen beim Lieben zudem wirklich üblich zu sein, dass sie sich zurück zogen, um allein zu bleiben. Statt auf Manmathas kleine Spitze gegen seinen Favoriten zu reagieren, ließ Wirakun seinen Arzt rufen, um sich die schmerzenden Wunden erneut mit einem Verband versorgen zu lassen. Er bat den weißen Schleierschwanz mit einigen Schmeicheleien um ein Lied, und während er Manmathas sanfter Stimme lauschte und das Abebben der ziehenden Schmerzen genoss, dachte er wirklich daran, ob Mitar nun eifersüchtig, wütend oder einfach nur taktvoll hatte sein wollen.

Als der Arzt wieder fort war, umfing er die schlanke Taille seines angebeteten Schatzes und murmelte leise "Wie kannst du nur eifersüchtig werden, Manmatha, wenn ich dich so sehr vorziehe? Man merkt immer und immer wieder, dass du es gewöhnt bist, als Pascha zu bestimmen, wer dir gefallen muss." Er küsste ihn sachte auf die Schläfe. "Willst du hier bleiben, heute? An Stelle des Favoriten, meine Perle?"

Manmatha lächelte innig, was Grübchen auf seine Wangen zauberte. Er verstand nicht wirklich, warum es Freude in ihm weckte, das Bett für eine Nacht teilen zu müssen. Zwar war es warm, aber auch eng, und das war er nicht gewohnt. "Natürlich will ich das gerne, Wirakun." Während er sich neben ihn und an ihn kuschelte, dachte er wieder an den Haremswächter seines Vaters. 'Bestimmt ist es das, weswegen sie nicht voneinander lassen.'

Er drehte sich in den Armen herum, so dass er Wirakun ansehen konnte, ehe er ihn noch einmal rasch auf die Lippen küsste. "Ich bin nicht eifersüchtig, mein hübscher Pirat, nur auch nicht bereit, die Aufmerksamkeit des Mannes fern von mir zu wissen, der noch atemlos ist von dem, was wir geteilt haben. Das verletzt meinen Stolz."


© by Jainoh & Pandorah