Wie ein Schlangentanz

19.

Ternekun erwachte an Cin geschmiegt und rückte erschrocken ein Stück ab, bevor ihm bewusst wurde, dass sie in Sicherheit waren. In der warmen Gästekammer von Manmatha. Cin wusste bereits von seinen Gefühlen. Ternekun beschloss, Cin keinerlei Wahl für den Morgen zu lassen. Er streichelte den zierlichen Körper entlang und weckte seinen kleinen Favoriten mit einem Kuss auf die Wange. "Wie hat es sich in einem standesgemäßen Lager geruht, mein Favorit?"

Cin murmelte eine unverständliche Antwort, die nicht einmal in seinem Kopf Sinn ergab. Er wollte nicht aus seinen Träumen geweckt werden, in denen alles warm, weich und sicher war, bis ihm bewusst wurde, dass Ternekun schon wieder begann, ihn zu necken.

"Hör auf, mich Favorit zu nennen", brummelte er in das Kissen, doch dann stellte er mehrere Dinge zugleich fest, die aus weichen Stoffen um ihn, Ternekuns Nähe und der Hand auf seiner Hüfte bestanden. Verwirrt blinzelte er, ehe sich ein breites, zufriedenes Lächeln auf sein Gesicht stahl. Ohne sich zu bewegen genoss er den kräftigen Körper, der so dicht bei seinem Rücken war. "Ich schulde dir noch Zank, Vorwürfe und Streit."

Ternekun lächelte und nickte, während er Cin weiter zu sich drehte. "Und ich schulde dir einige Liebesnächte. Wer soll mit dem Zurückzahlen der Schuld zuerst beginnen?" Sachte streichelte er das verschlafene Gesicht, dem man deutlich ansah, dass Cin hatte hungern müssen in den letzten Tagen. Viel zu spitz war das Kinn geworden, und die Augen wirkten noch größer.

Träge überlegte Cin, dass er wirklich nicht so einfach bereit zum Vergeben sein sollte. Doch es erschien unwichtig, da in diesem Moment alles perfekt war. Den Blick aus Ternekuns schwarzen Augen erwidernd lächelte er, während sich erwartungsvolle Wärme zusammen mit ein wenig Nervosität in ihm auszubreiten begann. "Du hast doch schon begonnen. Es wäre sehr unhöflich von mir, wenn ich dich unterbrechen würde, um mich vorzudrängen, nicht wahr? Schließlich bin ich gut erzogen."

Weiterhin an dem bekannten und geliebten Gesicht entlangstreichelnd rückte Ternekun dichter zu Cin auf, bis sich ihre Körper berührten. "Diese Einstellung ist löblich, Cin. Gute Erziehung macht sich zuweilen ja bezahlt." Sachte küsste Ternekun den nervös verkniffenen Mund. Er erinnerte sich daran, dass Cin zwar eine große Klappe hatte, aber sie sich erst einmal und das unter dem Einfluss des Rausches auf dem Frachter geküsst hatten.

Er nahm wieder ein wenig Abstand von seinem Favoriten und lächelte ihn an. Genau in so einer Situation hatte er sich ihr erstes Zusammensein erträumt. In einem schönen Raum, in einem sehr schönen Lager, ausgeruht und mit leckerem Fisch gleich auf der Anrichte. Nun hoffte er nur noch, dass es Cin so gefallen würde wie erträumt, dass er ihm vertrauen konnte.

"Ich habe diese Einstellung nur so lange, wie sie mir gefällt, fürchte ich. Damit wirst du leben müssen, wenn du mich wirklich willst." Mit einem Kichern richtete Cin sich auf, um Ternekun selber küssen zu können. Wie gut es sich anfühlte, den fremden Mund auf seinem zu spüren! "Andererseits hast du mich nun schon eine Weile kennen gelernt. Du müsstest wissen, auf was du dich da einlässt." Er grinste und biss ihm in die Unterlippe.

Schon am ersten Tag ihrer Begegnung hatte Ternekun an Cin seine Unberechenbarkeit gefallen. Für eine kleine Goldamme war er wirklich ungewöhnlich mutig und unternehmungslustig. Für das Schlaflager hoffte Ternekun nun auf eine Weiterführung dieser Charakterzüge.

Mit einem leisen Lachen umschlang er Cins Schwanz mit seinem und zog ihn mit einem kleinen Ruck enger an sich heran, um ihn nun wesentlich weniger vorsichtig zu küssen. Schon viel zu lange hatte er sich gefragt, wie Cin sich anfühlen mochte, welche Laute man ihm entlocken konnte, wenn man ihn nur richtig berührte. Fragend streichelte Ternekun Cins Lippen mit der Zunge entlang, während seine Hände über den schlanken Rücken fuhren.

Cin öffnete neugierig den Mund, und mit einem Mal bedauerte er, dass er auf Mitar gewartet und sich damit alle Erfahrungen, die ihm nun helfen würden, versagt hatte. Andererseits schienen Fakun ja genau darauf großen Wert zu legen. Als die Zunge in seinen Mund glitt, musste er unwillkürlich grinsen. Dann sollte Ternekun auch mit seiner Unerfahrenheit zurechtkommen. Zwar war er noch immer nervös, als er ihm die Arme um den Hals schlang und die Augen schloss, um sich ganz auf den Kuss konzentrieren zu können, aber es hielt sich in erträglichen Grenzen.

Nur Momente später hatte er seine Zweifel ohnehin vergessen. Es war wirklich verrückt, was sein Wächter allein durch die kleine Berührung und das Spiel seiner Zunge bewirken konnte. Ein wenig war es wie das Rauschgift, nur deutlich besser. Etwas in Cins Bauch begann, vor schwirrendem Glück zu tanzen.

Ein kleines Zittern der Flossen verriet Ternekun, dass er trotz ihres beiderseitigen Begehrens vorsichtig mit Cin umgehen musste. Er hatte es sich gewünscht, und nun bekam er auch seine unberührte, kleine Goldamme. Nicht nur mit den ehrenvollen Vorteilen, auch mit den Nachteilen. Dennoch machte es Ternekun Spaß, Cin zu küssen, ihn zu streicheln und zu sehen, wie die steigende Erregung den Kleinen zu wilderen Küssen und fast schon frech neckenden Berührungen brachte.

Atemlos trennten sie sich nach langen Küssen, während derer er Cin bereits auf seinen Schoß gezogen hatte. Nachdenklich fragte Ternekun sich nun, ob er schon weiter gehen durfte oder seinen kleinen Schatz noch ein wenig schonen sollte, um am Abend zu diesem Thema zurückzukehren. "Cin? Gefällt dir, was wir tun?"

Cin lachte vergnügt. "Was ist denn das für eine Frage? Natürlich gefällt es mir. Sonst hätte ich dich längst in die Zunge gebissen."

Neugierig fuhr er mit den Fingerspitzen die langen, weißen Brauen entlang bis zu den Ohrfächern, dann strich er mit beiden Handflächen über den Schwertbuckel auf Ternekuns Kopf. Er hatte sich schon lange gefragt, wie er sich anfühlen mochte und war überrascht, dass er nicht nachgiebig wie eine stabile Flosse, sondern richtig hart war. Das machte die Narbe quer dazu interessanter. Cin zeichnete die unregelmäßige Form nach, während er fragte "Woher hast du sie? War es ein Kampf mit einem Schlangendrachen?"

Ternekun lachte auf, dann schüttelte er bedauernd den Kopf. "Nein, leider nicht. Meine Familie behauptet das zwar immer, aber in Wirklichkeit habe ich diese Narbe erhalten, weil ich bei einem Rennen vom Schlitten geschleudert worden bin. Damals war ich noch Kind."

Er rückte sich Cin auf seinem Schoß zurecht und begann, seinen Hals mit kleinen Bissen zu necken, während er mit den Händen über die Flossen und Arme streichelte. Am schönsten wurde ihr Spiel, als Ternekun herausfand, wie er Cin kitzeln konnte, so dass dieser wild mit den Flossen zu schlagen begann. Schon bald waren sie in eine kleine Rauferei verwickelte, die sie durch den Raum bis zum Fenster abdriften ließ.

Ternekun bremste mit einem Flossenschlag und blickte dann über die Fläche des Fensters hinaus in die trübe Schwärze der Felsspalte. Sie spiegelten sich darin, und er seufzte leise auf, weil das Bild wirklich schön und aufregend war. Cin mit seinem leuchtend orangegelben Körper und den roten Flossen, deren Farbe sich nun in Ternekuns Augenbrauen und Flossen wiederfand, da er erregt genug für die Warnfarben war.

Er lächelte und strich mit einer Hand über Cins Bauch abwärts, während er ihn sachte über den Hals und das Gesicht küsste und leise Komplimente machte. "Die schönsten Flossen hast du, so zierlich, aber zugleich auch noch kräftig. Ich habe sie schon am ersten Tag geliebt."

Es war das erste Mal, dass Cin froh über seine Flossen war und sie nicht dafür verfluchte, weil sie ihn langsam und wenig wendig sein ließen. Er lächelte versonnen, während er seinen Geliebten aus halb geschlossenen Augen betrachtete und seine leichten Küsse genoss.

"Ich mag deine Flossen auch gerne. So stark", murmelte er und spürte das Kribbeln in seinem Bauch, als die kräftigen Finger über die Stelle strichen, hinter der es sich sammelte. Es war anders, als wenn er sich berührte, aufregender, schöner und führte viel schneller dazu, dass sich der Schlitz dort öffnete. Ihm entfuhr ein halb lustvoller, halb erschrockener Laut, der ihm gleichzeitig die Röte in die Wangen trieb.

Mit einem versteckten Lächeln streichelte Ternekun seinen Schatz zielstrebiger, nachdem dieser sich unwillkürlich enger an ihn gepresst hatte. Er wandte sich halb von Cin ab, um ihn nicht sehen zu lassen, wie erregt er selber bereits war. Sie hatten zu lange gewartet und einander nur angesehen. Das würde er keinem Mann jemals wieder antun.

Auch wenn sich die prickelnde Erregung mit jedem Streichen über Cin Bauchöffnung weiter steigerte, fürchtete Ternekun, dass er von Moment zu Moment die Beherrschung verlieren konnte, wenn Cin sich nur einmal noch so dermaßen auffordernd gegen ihn reiben würde. Ihre Schwänze hatten sich längst ineinander verschlungen, und mit leisem Erschrecken bemerkte Ternekun mit einem Mal, dass er recht unsanft in Cins Nackenflosse gebissen hatte, als er begann, ihn direkter zu berühren.

Cin keuchte auf, mehr vor Überraschung als vor Schmerz, den er gar nicht mehr empfinden zu können schien. Zu sehr war sein Körper mit all den atemberaubenden Gefühlen beschäftigt, die Ternekun ihm schenkte. Und offensichtlich war es ihm gelungen, auch seinem Geliebten das gleiche zu geben. Die Brauen und die Zeichnung der Flossen hatten sich dunkelrot verfärbt, wie Cin erst wirklich bemerkte, als er sich in seinen Armen drehte. Es verlieh Ternekun ein wildes Aussehen, das ihn mit seiner Dunkelheit nur noch fesselnder machte.

Einen Moment lang gelang es ihm, seinen Geliebten fasziniert anzuschauen, ohne sich zu bewegen, doch dann machte Ternekun eine Bewegung, die ihn erschaudernd aufstöhnen ließ. Er drückte sich an ihn und tastete mit seiner kleinen Hand zwischen ihren Körpern nach unten, um neugierig Ternekun zu erkunden, den er so deutlich an seinem Bauch spüren konnte.

Zischend drängte Ternekun sich enger an seinen kleinen Geliebten und streichelte ihn nun rücksichtsloser genau dort, wo er am empfindlichsten war. Zielsicher umfasste er ihn und entkam den tastenden Fingern von Cin, indem er ihn wieder weiter zu sich wendete. Atemlos, zwischen einer Reihe von Cins verspielt wilden Küssen, fragte er an das kleine gezipfelte Ohr: "Cin, willst du mir gehören?"

In welcher Weise hoffte er durch sein Streicheln und das Reiben ihrer Schwänze aneinander bereits deutlich gemacht zu haben. Vorsichtig blickte er in die roten Augen seines Schatzes.

Allein schon die Frage ließ eine neue Hitzewelle durch Cins Körper schießen. Heftig küsste er ihn erneut und presste sich dicht an ihn. "Ja", brachte er hervor. So nah wie nur möglich wollte er bei seinem geliebten Wächter sein.

Vor Ternekuns Augen erschienen die drei alten Fakunpriester, die sie bald schon fragen würden 'Hat Cin aus Denjus Haus aus freien Stücken dir gehört, Ternekun?' Er lächelte und küsste seinen kleinen Liebling. Darauf würde er 'Ja' antworten können, ohne zu zögern. Das Hochgefühl, eins zu sein, erfasste ihn und fachte seine Bewegungen an; er spürte, wie die Hitze durch seinen Körper fuhr, konnte dem nichts mehr entgegen setzen. Verzweifelt um Kontrolle bemüht, versuchte er, Cin gegen dieses ungewohnte Eindringen dennoch den Höhepunkt zu schenken, bevor er sich nicht mehr davon abhalten konnte, zu viel zu spüren, zu sehr in dem Rausch der Gefühle zu versinken.

Cin kam es vor, als würde er taumeln, während er nur langsam aus dem Wirbel und der Hitze zurückkehrte, der sie unkontrolliert durch den Raum hatte treiben lassen. Mit einem Seufzen und einer kleinen, wellenförmigen Bewegung seines Körpers schob er sich an Ternekun hinauf, um seinen Kopf besser an die kräftige Schulter legen zu können, dann seufzte er erneut und sehr zufrieden. Ternekun hielt ihn noch immer, ihm war wohlig warm, und ebenso wohlig war auch die Erschöpfung, die sich durch seine Glieder zog. Es überraschte ihn, dass er hier und dort ein leichtes Brennen spürte, doch es konnte nur unterstreichen, wie wunderbar er sich fühlte.

Sachte biss er Ternekun in den Hals. "Das war... sehr nett", erklärte er mit einem breiten Grinsen. "Aber wir müssen es definitiv noch einige Male wiederholen. Du hast mich zu sehr abgelenkt."

"So oft du willst, mein Favorit." Ternekun öffnete mühsam ein Auge, um das Lager anzusteuern, auf dem er mit Cin für eine ganze Weile niedersinken wollte, um sich zu erholen.

"Alter Mann", murmelte Cin vergnügt und kuschelte sich an ihn, als sie es sich auf den Polstern bequem machten. Die Nähe hatte ihm gefehlt, und so genoss er sie aus ganzem Herzen, mit dem festen Vorsatz, seinen Geliebten so schnell wie möglich wieder zu diesem aufregenden Spiel zu bringen.

 

Nachdenklich sah Manmatha aus dem Fenster in die blaue Unendlichkeit des Ozeans. Vor wenigen Tagen hatten sie die Spalte hinter sich gelassen, und bald würden sie die Grenzstadt erreichen, in der Wirakun ihn und Mitar zum Essen ausgeführt hatte. Dort war ein kurzer Halt geplant, um die Vorräte aufzustocken und dann so schnell wie möglich wieder Fahrt aufzunehmen. In der nächsten großen Stadt würden sie die meisten ihrer Gäste in die Obhut von Familien oder Behörden übergeben.

Dann würde es ruhig werden auf seinem Schiff, nachdem die Piraten sie in der letzten Fakunsiedlung bereits verlassen hatten. Manmatha lächelte und dachte daran, dass er dann mehr Zeit für Wirakun haben würde. Er hatte den Fakun und seinen Schatten jeden Tag besucht, und ihm ging es deutlich besser. Zum Glück war er unter der kundigen Betreuung der Ärzte bald zu sich gekommen und hatte sich zusehends erholt.

"Tiepho?" Er erblickte die Spiegelung seines Wächters im Fenster, als dieser aus dem hinteren Teil des Hauptraumes kam, wohin er sich unauffällig zurückgezogen hatte. Manmatha wandte sich zu ihm um und lächelte. Fast war es, als hätte er ein Stück der Weite des Ozeans ins Zimmer gebracht. Das Schillern von Tiephos dunkelblauer Haut war noch immer faszinierend für ihn. "Wenn ich um einen Fakun werben will, was wäre ein geeignetes Geschenk? "

"Ein Werbungsgeschenk? Schmuck, vor allem Schmuck für die Stirn und um den Kopfbuckel ist beliebt." Tiepho schwamm dichter an Manmatha heran und fragte unnötigerweise: "Aber in diesem Fall handelt es sich nicht nur um einen Fakun, sondern um einen Piraten, richtig? Um Wirakun, oder?"

Manmathas Lächeln vertiefte sich noch, während er ein kleines Schwirren wie von winzigen Flossen in seinem Bauch spürte. Es war länger her, dass Tiepho ihm von sich aus näher gekommen war und er hatte es zu vermissen begonnen. Pläne, ihn auch nach der Hochzeit in seiner Anstellung zu behalten, formten sich bereits lose in ihm, und er hoffte, dass Tiepho ihnen zustimmen würde. Er sah zu seinem Wächter auf und ihm in die dunkelblauen Augen.

"Um wen sollte ich sonst werben wollen, wenn ich von einem Fakun spreche? Findest du es einem Pascha nicht angemessen? Dann mach dir keine Sorgen. Ich kann vieles angemessen werden lassen." Es klang arrogant, und in gewisser Weise war es das auch. Aber es entsprach einfachen Tatsachen. Manmatha wusste, dass er sich wegen seines Geldes und seines Einflusses viel erlauben konnte, was anderen verwehrt war. "Oder machst du dir Sorgen, dass mich seine Liebe zu Mitar vielleicht doch verletzen könnte?", fügte er leiser hinzu.

Tiepho fühlte eine kleine Welle der Trauer durch sich laufen, wenn er daran dachte, dass sie schon sehr bald in Pascha Denjus Gebiet sein würden, wo Ternekun und Cin sich verabschieden würden und Mitar seine Familie noch einmal sehen wollte, bevor sie zu Manmathas Heimat fahren würden. Danach würde der schillernde junge Pascha nun also Wirakun und zwangsläufig damit auch Mitar in seinen Harem aufnehmen. Es würden zweifelsfrei gesunde und schöne Erben werden, wenn er mit diesen beiden Männern Kinder wollte. Danach würde Tiepho überflüssig sein. Wer einen Fakunpiraten zum Gatten hatte, der benötigte keinerlei Personenschutz mehr. Verfrüht begann Vermissen in seinem Bauch zu entstehen, um ihn mit einer hartnäckigen Eisschicht zu füllen.

Er verdrängte seine Trauer hinter eine ausdruckslose Fassade und lächelte freundlich. Manmathas Frage zeigte ihm, dass der Pascha genau das zu befürchten schien. "Es ist nicht leicht, wenn man mit einem Paar zusammen ist, das sich so nahe steht." Selbst auf die Gefahr hin, dass er zu weit ging, fügte er noch ein wenig dichter aufrückend hinzu: "Sie würden dich niemals verletzen wollen, Manmatha. Aber man kann sich sehr allein fühlen, ohne dass man allein ist. Sie werden einen Sohn miteinander haben wollen, Wirakun ist eigentlich Pascha. Er wird vieles aufgeben, um bei dir zu sein, und du wirst ihm diesen Wunsch nicht verwehren, oder?" Schnell, um Manmatha nicht in die Verlegenheit zu bringen, dass er auf diese indiskrete Frage antworten musste, sagte er: "Einem Fakunpiraten kann man das Herz erobern, wenn man ihm eine geheime Schatzhalle schenkt. Dort kann er seine Schätze von all den Kaperfahrten aus den kleinen Verstecken hinbringen und bewachen lassen und wird damit sicherlich auch weniger rastlos werden."

Manmatha runzelte leicht die Stirn. Er hatte Tiepho gesagt, dass er Mitar und Wirakun einen Sohn erlaubte. Daraufhin hatte sein Wächter ihm ja erst den Gedanken gegeben, dass er sich um seine Gefühle sorgte. Aber mit einem Mal erschien es ihm, als würde er sich vielmehr um Wirakun sorgen. Rasch verdrängte er den kühlen, unangenehmen Stich im Magen.

"Ich werde klein anfangen. Ein angemessener Stirnreif ist hier im Schiff leichter zu bekommen." Diesen für Wirakun und für Mitar ein breites Silberarmband, denn ihn wollte er ebenfalls umwerben. Für einen Moment umspielte ein amüsiertes Lächeln Manmathas Lippen. Es würde den großen, grauen Mann mit ziemlicher Sicherheit verlegen machen.

Er winkte einen Diener herbei und gab ihm den Auftrag, den Schmuckformer zu bringen. Diesem schilderte er nur wenig später sehr detailliert, welche Vorstellungen er für die beiden Schmuckstücke hatte. Nachdem der Mann ihm versichert hatte, dass er bis zum späten Nachmittag fertig war und die Gemächer wieder verlassen hatte, glitt Manmatha stumm zu seinem Polster zurück. Aus den Augenwinkeln blickte er zu Tiepho hin und fragte sich, ob es wirklich sein konnte, dass sein Wächter für den Piraten empfand. Kurz sah er eine Szene vor sich, in der er auch ihn in seinen Harem eingliederte, damit er wie Mitar Wirakun nah sein konnte.

Es erheiterte ihn ebenso, wie es ihn verärgerte. Und es brachte ihn dazu, indiskret zu fragen: "Gehört dein Herz jemandem, Tiepho?"

Tiepho hob überrascht von der persönlichen Frage eine Augenbraue und betrachtete Manmatha kurz, bevor er sich taktvoll wie immer abwandte. "Die Frage ist mir zu persönlich, Manmatha." Irritiert bemerkte er, dass diese Antwort immer einem 'Ja' gleich kam. Er verschränkte seine Arme und seufzte leise, wandte den Blick in die See hinaus. Schon einmal hatte er schrecklichen Ärger bekommen, als er seine Verliebtheit gestanden hatte. Nun, bei Manmatha, würde es ihm nicht nur Ärger einbringen, es würde ihn auch vom Job seines Lebens wegkatapultieren, wenn sein zierlicher Herr jemals erfahren würde, dass Tiephos Blicke nicht nur wachsam auf ihm ruhten.

Die Antwort machte Manmatha traurig, auch wenn ihm bewusst war, dass Tiepho keine für ihn richtige hätte geben können. 'Vielleicht ist er wirklich in Wirakun verliebt. Ein Wunder wäre es nicht. Wirakun ist ein wundervoller Mann.' Er lächelte verloren und sah auf den kräftigen Rücken, dann richtete er sich auf und schob die Niedergeschlagenheit energisch beiseite. Tiepho war sein Wächter, mehr nicht. Er konnte sich verlieben, in wen er sich verlieben wollte. 'Aber nicht in den Mann, der in meinen Harem eingehen wird.'

Manmatha verbrachte den Tag damit, sich durch die Unterlagen seines Paschas zu arbeiten, auch wenn er nicht wirklich Lust darauf hatte und viel zu oft einfach nur ins Leere starrte. Er konnte nicht genau sagen, was ihn ablenkte. Es war eine nicht zu greifende Sehnsucht, die ihn immer wieder erfasste und statt besser nur schlimmer wurde.

Als endlich der Schmuckformer vorsprach, um ihm den Stirnreif und das Armband zu präsentieren, hieß Manmatha die Abwechslung herzlich willkommen. Es würde ihm gut tun, bei Wirakun vorbei zu sehen, besonders, da er ihn an diesem Tag ohnehin noch nicht besucht hatte. Er ließ nur einen Anstandsmoment verstreichen, als der Former ihn verlassen hatte, um dann gleich eilig Wirakun aufzusuchen, als würde es das Sehnen auslöschen, wenn er ihn sah. Er ließ sich nicht anmelden, sondern schwamm direkt in das Zimmer.

Wirakun saß in seinem Bett, mittlerweile brauchte er keine Decke mehr, die ihm zusätzlich Wärme spendete; Mitar war natürlich bei ihm. Es weckte eine Wehmut in Manmatha, die er nicht erwartet hatte. Er atmete tief durch, ehe er zu ihnen hinschwamm, um beide mit einer kleinen Umarmung zu begrüßen.

"Wie geht es dir, Wirakun?", fragte er dann an den Piraten gewandt.

Tiepho hatte es weh getan, dass seine abweisende Antwort den jungen Pascha so offensichtlich traurig gestimmt hatte. Der ungewohnte Ernst in dem schönen Gesicht und seine immer wieder in trüber Abwesenheit über die Fensterfronten streichenden Blicke schmerzten ihn so sehr, dass er am liebsten zu Manmatha geschwommen wäre, um ihn zu fragen, ob er etwas für ihn tun konnte. Er hielt sich jedoch davon ab, um ihn nicht mit seiner Aufdringlichkeit zu verärgern.

Nun stieß er sich mit einem Flossenschlag ein wenig ab, um weiter in den kleinen Erker zu verschwinden, der Wirakuns prunkvolles Zimmer zierte. Der Fakunpirat lag von Kissen gestützt auf einem prächtigen Lager, seine Haut schimmerte weich pfirsichfarben, das kräftige Grün seiner Flossen hob sich nicht mehr so stark dagegen ab wie in den ersten Tagen, in denen er noch eher grau ausgesehen hatte.

Ein freudiges Strahlen erhellte das offene Gesicht, und mit einem kleinen Stoß brachte Wirakun sich sofort von seinem Lager hoch, um Manmatha in eine enge Umarmung zu ziehen und ihn sanft zu küssen. Der heiße Stich der Eifersucht, der sich in Tiephos Magen bemerkbar machte, brachte ihn dazu, sich abzuwenden und in die See hinaus zu starren.

Gleich darauf spürte er die kleine Welle warmen Wassers, als Mitar sich in seiner Nähe an einer Anrichte zu schaffen machte. Offensichtlich hatte Wirakun ihn fort geschickt.


© by Jainoh & Pandorah