Wie ein Schlangentanz

20.

Wirakun hatte die schlimmste und zugleich schönste Zeit seines Lebens hinter sich. Zuerst der Abgrund, das Verderben, die täglich stärker werdende Müdigkeit, die ihn hinabzureißen drohte in den schwarzen Schlund des ewigen Schlafens. Mitar und immer wieder Mitar. Seine Sorge, das Essen, das sein Geliebter ihm brachte, die Worte und seine Wärme hatten Wirakun gehalten, hatten ihn daran gehindert, einfach die Augen zu schließen.

Als sie dann gerettet wurden, war er jedoch in Ohnmacht gefallen. Geschwächt hatte er die ersten Tage auf der Fregatte verschlafen. Das erste, was er dann bei seinem Erwachen erblickt hatte, war Mitar, vor Freude schluchzend, voller Liebe. Er hatte sich nach einem langen und ermüdenden Gespräch mit Mitar umgesehen, und in den nächsten Tagen hatte Wirakun sich nur noch geschämt. Der Prunk und Reichtum, den diese Fregatte ausstrahlte, war gegen sein kleines Schiff einfach überwältigend. Er schämte sich, dass er Manmatha überhaupt in diese kleine Kammer gesperrt hatte, dass er ihn überhaupt mit seinen lächerlichen Geschenken beleidigt hatte.

Es erstaunte ihn jedoch, dass der zarte Pascha ihn nicht hasste oder bemitleidete, sondern tatsächlich gern zu haben schien. Sie redeten täglich ein wenig miteinander, und nach einigen Tagen, als es Wirakun besser ging, schickte er zu diesen Gesprächen Mitar auch fort. Er liebte seinen Schatten und Favoriten noch immer zu sehr, um genug Raum für einen anderen zu haben, aber Manmatha gehörte all sein Dank; und die liebevolle Freundschaft, die sie begonnen hatten, tat Wirakun genauso gut wie Mitars Gefühle.

Auch an diesem Morgen schickte er nach einer kurzen Begrüßung Mitar mit einem kleinen Blick fort. Aus dem Augenwinkel sah er, wie Tiepho, der geheimnisvoll stille Leibwächter des Paschas, in dem Erker verschwand und fragte sich, ob Tiepho auch dabei sein wollte, wenn Manmatha und er sich zu einer Liebesnacht hinreißen lassen würden.

Ein wenig unwohl, wie immer, wenn er Manmatha in seinem Zimmer empfing, in dem doch nichts ihm gehörte, ließ er sich auf die Polster sinken und zog den weißen Schleierschwanz unkompliziert zu sich. "Manmatha, das Licht schillert, wenn ich dich sehe. Wie ist es dir ergangen? Du schaust, wenn ich mir diese Bemerkung erlauben darf, ein wenig müde aus, soll ich dir die Flossen massieren?" Wirakun lachte leise. "Mitar mag das nicht, ist zu kitzelig dafür." Er beugte sich dichter. "Außerdem würde ich sowieso viel lieber dich massieren als den alten Schatten dort hinten."

Er stichelte nur, weil Mitar und er sich mal wieder gezankt hatten. Mitar wollte viel zu oft, dass Wirakun sich schonte. Wirakun wollte viel zu oft das Kämpfen üben. Es war eine fixe Idee von ihm, dass er zurück zu der Mine fahren und den dort vielleicht zurückgebliebenen Pascha zum Zweikampf herausfordern konnte, um seine Ehre wieder herzustellen.

Manmatha lachte hell auf. Wirakun gelang es wie so oft, ihn fröhlich werden zu lassen. Immer mehr festigte sich seine Überzeugung, dass der Pirat zumindest für ihn gut war. Er hoffte, dass es auch umgekehrt sein konnte. Sachte küsste er ihn auf die Wange und verspürte Aufregung in sich, vielleicht auch ein wenig Angst. "Gerne. Die letzten Tage waren nicht einfach, du hast Recht. Aber wenn ich bei dir bin, ist meine Welt hell." Er reichte ihm den Stirnreif und lächelte. "Ich wünsche mir so, dass du meine Welt für immer hell machst."

Wirakun wedelte freudig mit den Flossen und neigte den Kopf, damit Manmatha ihm helfen konnte, die leichte Kette auf seiner Stirn gegen den Reif auszutauschen. Erst als er den Kopf wieder hob, um Manmatha ins strahlende Gesicht sehen zu können, fiel ihm dessen hinter einem Lächeln versteckte Ernsthaftigkeit auf. Er ließ sich auf das Lager sinken und zog Manmatha an einer Hand mit sich.

"Dein Wunsch ist mir Befehl, Manmatha", begann er langsam und spürte, wie er selber ernsthaft wurde. Er hatte in den vergangenen Tagen häufig über seine Zukunft nachgedacht. Vor allem über die Zukunft von Mitar, der sich weigerte und immer weigern würde, ihn zu verlassen.

Mit einem Mal, als der perlfarbene Schatz ihm diese Lösung für all seine Sorgen zeigte, begann sein Herz wild zu schlagen, vor Freunde und auch vor Angst. Vorsichtig suchte er in den dunkelblauen Augen nach einer Antwort. "Wenn du sagst 'ich wünsche mir', Manmatha, heißt es dann, dass du es gern hättest, aber es nicht sein darf?"

Manmatha zog die Hand, die ihn noch immer hielt, an die Lippen und küsste Wirakuns Fingerrücken. Es erinnerte ihn daran, wie empfindlich der Pirat an den Ansätzen der Schwimmhäute war und ließ das Sehnen stärker werden. Nicht nach lustvoller Vereinigung, sondern nach jemandem, mit dem ihn die gleiche Nähe und Liebe verband wie Mitar und Wirakun.

"Es gibt wenige, die mich davon abhalten können, in meinen Harem zu nehmen, wen ich will. Doch zu den Wenigen gehörst du." Zart streichelte er an Wirakuns Wange entlang. "Du bist ein Pascha oder wirst es sein, und auch wenn du deine Ehre verletzt siehst, gibt es bestimmt Möglichkeiten, sie wieder herzustellen. Dann willst du vielleicht doch lieber deinen eigenen Harem haben. Oder vielleicht wirst du mit Mitar zu seiner Mayukfarm gehen, um dort mit ihm zusammen sein. Aber ich hoffe, dass ich dich für mich gewinnen kann, so dass ihr beide gerne in meinen Harem eingeht."

Wirakun lachte kurz auf, obwohl Manmatha mit seinen Worten wirklich jeden wunden Punkt getroffen hatte, den er noch in sich trug. "Meine Ehre ist gestorben, Manmatha, und mit der langen Zeit der Verletzung ist auch mein Ansehen bei der Mannschaft gestorben. Im letzten Fakundorf sind doch beinahe alle ausgestiegen, um auf anderen Schiffen weiter zu fahren. Ich bin kein Pascha mehr. Ich denke, dass meine Eltern mich bald für tot erklären lassen, besser als einen ehrlosen Erben zu haben."

Er warf einen kleinen Blick zu Mitar hinüber, der sich zwar in der Nähe aufhielt, aber sie nicht zu beobachten schien. "Auf einer Mayukfarm würde ich sterben, vor Langeweile oder vor Platzangst. Aber wenn ich Teil deines Harems werden sollte, Manmatha, dann gibt es nichts, was ich lieber wollte, als Mitar bei mir zu wissen. Würdest du den alten Schatten denn ebenfalls aufnehmen bei dir? Für immer, so wie... mich?" Er sah suchend in die dunkelblauen Augen, in denen ein Strahlen ihm ohnehin die Antwort bot, die er brauchte. Lachend unterbrach er Manmatha, indem er ihn umwarf und küsste.

Tiepho zuckte leicht in Richtung des Lagers, als Manmatha von dem Piraten angegriffen wurde, aber der Angriff wurde zu einem fröhlichen Austausch verspielter Küsse und Zärtlichkeiten zwischen den beiden. Mürrisch warf er einen Blick auf den grauen Mitar, der sich ebenfalls noch im Raum befand, aber wandte sich dann abrupt von allen ab, um in die See hinaus zu starren.

'Gehört dein Herz jemandem, Tiepho?' Manmathas weiche Stimme kehrte mit all der besorgten Wärme in seine Gedanken zurück. 'Ja! Verdammt noch mal! Und es wird jeden Tag ein Stück weiter zerrissen!' Er biss die Zähne so fest aufeinander, dass sein Kiefer zitterte und schmerzte.

Mitar hatte Tiephos unterdrückte Bewegung aus den Augenwinkeln gesehen und wandte den Kopf zum Lager, um dann amüsiert zu schmunzeln. Manmathas Wächter schien noch misstrauischer als er zu sein, was die Gesundheit seines Schützlings anging. Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass er sowohl den Fakun als auch den Schleierschwanz kannte.

Wärme durchflutete ihn, als er seinen Geliebten erneut auflachen hörte und das strahlende Gesicht zwischen weißen, wirbelnden Flossen auftauchen sah. Noch immer konnte man erkennen, dass Wirakun lange krank gewesen war und zu wenig zu essen bekommen hatte, doch das Leben war in die dunklen Augen zurückgekehrt. Manchmal hallte die grauenhafte Angst ihn zu verlieren nach wie vor in Mitar wieder, und er wachte des Nachts auf und musste sich davon überzeugen, dass sein Liebster neben ihm atmete. Er war zu besorgt deswegen, auch das war ihm bewusst, aber er konnte nichts dagegen tun, Wirakun zurückhalten zu wollen, wenn dieser schon wieder zu trainieren versuchte, als sei er gesund.

Mit einem Lächeln wandte er sich ab, damit er die beiden nicht störte. Er wusste, wo sie im Endeffekt ihre Zukunft verbringen würden, es war mehr als offensichtlich. Manmatha mochte nicht verliebt in Wirakun sein, aber die beiden hatten sich sehr gern, und dass er selber nicht von der Seite des Fakuns weichen würde, war ebenfalls klar. Pascha Denju würde hoch erfreut über diese vorteilhafte Verbindung sein, besonders da er sich eigentlich darauf eingestellt hatte, dass sein zweitältester Sohn nicht heiraten würde.

Irgendwann verstummte das Lachen vom Lager her, und Momente später spürte Mitar die charakteristische Wasserbewegung, welche Schleierflossen hervorriefen, danach Manmathas kleine Hand, die ihn an der Schulter berührte. Der zierliche Mann brachte ihn in Verlegenheit, als er ihm einen wunderschönen, breiten Silberreif für den Oberarm überreichte und darauf bestand, dass er ihn auch gleich anlegte. Mitar trug keinen Schmuck, er empfand ihn als unpraktisch und hinderlich, doch er konnte den blauen Augen und dem fröhlichen Strahlen wenig entgegensetzen, ebenso wenig wie der ernsten Frage, ob er mit Wirakun in Manmathas Harem eingehen wollte.

Als der Schleierschwanzmann schließlich beschwingt den Raum verließ, gefolgt von seinem ständigen Begleiter, fühlte sich Mitar noch ganz wirr von der herzlichen Umarmung und dem Kuss auf die Wange. Langsam schwamm er zu Wirakun zurück.

Wirakun lächelte Mitar entgegen und zog ihn mit einer raschen Bewegung in seine Arme. Genießerisch schmiegte er sich an den kräftigen Mann. Seine Finger ertasteten den Armreif, und mit einem Grinsen verkündete er: "Nun sag bloß, dass du Manmatha den Reif nicht hast abschlagen können, den du mir so viele Male hinterhergeworfen hast auf dem Schiff."

Er lachte auf und ging in Deckung. Mitar war ein wenig empfindlich, wenn es um seine abweisende Art Wirakun gegenüber ging, die sich nun vollkommen in Liebe umgewandelt hatte. "Soll ich etwa eifersüchtig werden, mein Schatten?" Er küsste Mitar leicht, dann murmelte er: "Ist dir aufgefallen, dass auch Manmatha einen Schatten hat? Wie hieß er noch? Er scheint sehr wachsam zu sein, fast hatte ich den Eindruck, dass er eifersüchtig wacht."

"Tiepho." Mitar erinnerte sich zurück an das finster werdende Gesicht des blauen Mannes und nickte. "Vielleicht. Vielleicht ist er aber auch nur zu besorgt." Er grinste. "Wenn jemand Grund hätte, eifersüchtig zu sein, dann wäre das eher ich, so gut, wie du dich mit Manmatha verstehst. Und dieser Reif hier ist nur ein Geschenk, wohingegen du mich mit deinen gleich zu deinem Besitz erklären wolltest." Zärtlich küsste er Wirakun zurück und erklärte dann weich: "Nicht, dass es einen großen Unterschied macht, ob ich deinen nun trage oder nicht."

Wirakun lachte leise. "Genau, du gehörst doch ohnehin mir. Mein Fakunzauber hat dich eingesponnen, wie in den Schauermärchen! Nur mit dem Unterschied, dass du nicht in einer düsteren Höhle leben musst, sondern in einem hellen, riesenhaften Palast. Manmathas Harem wird sicherlich noch mehr Männer zählen über die Jahre, und ich bin sicherlich nicht sein Favorit. Wenn der Favorit in sein Leben gespült wird, wer weiß von woher, dann werden wir zwei vermutlich auf uns allein gestellt sein. Sicherlich will er von uns nur Freundschaft und gesunde Söhne."

Liebevoll küsste er Mitar und drängte sich enger an seinen Geliebten. Sie waren seit einer so langen Zeit schon täglich zusammen, aber noch immer hatte Mitar die Zärtlichkeiten abgebrochen, wenn Wirakun sie heftiger werden lassen wollte. Mit einem Grinsen vermutete er, dass es wohl doch Schleierschwanzmänner zu geben schien, die auf unberührtes Eintreten in einen Harem achteten. Vielleicht wollte Mitar auch nur mit seinem Pascha reden, bevor er sich wirklich mit Wirakun verband.

Als er Mitar an diesem Abend zusah, wie er das Lager aufschüttelte und die Kissen mit lässigen Schwanzschlägen zurecht klopfte, beschloss Wirakun, dass er Manmatha gleich am nächsten Morgen um die Erlaubnis bitten wollte, sich bereit machen zu dürfen. Er wollte Mitars Ernsthaftigkeit mit seiner eigenen begegnen und entschied sich zugleich dafür, dass er seinem geliebten Schatten erst etwas von seinen Plänen verraten wollte, wenn er deutlich spürte, dass sein Körper bereit war. Mit einem Lächeln war es am Abend Wirakun selber, der bei einem unschuldigen Schmusen blieb.

 

Seit sie sich den Mayukfarmen seines Paschas näherten, hatte Cin immer mehr Gefallen an dem großen Panoramadeck gefunden. Durch die weite Fensterfront konnte er all die Plätze entdecken, die er vermisst hatte, und selbst die Färbung des Wassers war ihm vertraut und weckte das Gefühl von Heimkehr. Mitar und Wirakun waren auch oft in dem Raum, und Cin hatte erleichtert festgestellt, dass er nicht länger eifersüchtig war, wenn er sie zusammen sah.

Überhaupt waren diese Wochen die schönsten seines Lebens; er fühlte sich geliebt, umsorgt und rundherum wundervoll. Ternekun schien ihn für die lange, erzwungene Enthaltsamkeit entschädigen zu wollen, und Cin genoss jeden Kuss und jede Liebkosung endlos und erwiderte sie, so oft er konnte. In die starken Arme seines Geliebten geschmiegt beobachtete er aufgeregt die ersten Mayuk, die sich als Schemen weit entfernt im nebligen Blau zeigten und wieder verschwanden, und endlich tauchte die Farm vor ihnen auf.

Erst erschien sie wie eine Ansammlung dunklerer Schatten, doch dann konnte Cin die kelchartig geformten Häuser deutlicher sehen, die aus dem Wald von wehendem Seegras ragend auf ihren schlanken Säulen in der Dünung schwankten. Im Mittagslicht schimmerten die Wände, und die Erker glitzerten wie kleine Blasen, die von dem hellen Band der Terrasse aufzusteigen schienen.

"Schau, Ternekun, da wohne ich." Cins Augen leuchteten. "Ist es nicht einfach wunderschön?"

Ternekun hatte diese Gegend noch nie bereist und war fasziniert von der Weite und der friedlichen Größe der Tiere. Fasziniert stimmte er Cin zu, als dieser ihm schwärmerisch seine Heimat zeigte. Innerlich wappnete er sich bereits für die Unterhaltung mit dessen Pascha, auch wenn er sich fast sicher war, dass dieser erfreut über einen wohlhabenden Pascha sein konnte und dazu noch einen, der den schwierigen und launischen Cin als Favoriten nahm.

Sein Griff festigte sich um Cins schlanke Schultern, und er küsste seine Wange sachte einmal, während er sich wieder zu dieser Wahl gratulierte. Launisch oder nicht, mit Cin wurde es nie langweilig, und täglich spürte Ternekun mehr, dass es sich gelohnt hatte, den kleinen Feuerfisch enger an sich zu binden, bevor er ihn in seinen Harem gebeten hatte.

Pascha Denju erwies sich als ein ruhiger und sehr gastfreundlicher Mann, der keinerlei Vorurteile gegen die Fakun hegte. Zudem erschien Ternekun als Minenbesitzer um einige Klassen weniger schwierig zu akzeptieren, als ein gefallener Pirat, für den ausgerechnet der stille Mitar sich entschieden hatte.

Die meiste Zeit seines Gespräches mit Denju und seinem Harem verbrachte Ternekun damit, ihnen von all den Abenteuern zu berichten, die er mit Cin erlebt hatte. Er konzentrierte sich vornehmlich auch darauf, ein besonders gutes Licht auf Wirakun zu werfen, weil es ihm durch Cins Liebe zu Mitar ebenso wichtig war, dass dieser mit dem Fakunpiraten glücklich werden konnte.

Es war jedoch nur Formsache, Denju von dieser Vermählung zu überzeugen, nachdem er die Details erfahren hatte. Mitar wollte zwar mit Wirakun zusammen sein, aber würde deswegen offiziell in Manmathas Harem eingehen. Und diese Verbindung war äußerst erstrebenswert.

"Ich hatte nicht erwartet, dass sich alles so sehr zum Guten wenden würde, als ich die Nachricht von der Entführung bekam", sagte Denju am Nachmittag zu Ternekun. Sie saßen in dicken Kissen auf der Terrasse des Empfangszimmer, wo sie die Details für den Ehevertrag aushandelten, und er beobachtete ein wenig abgelenkt die Rückkehr eines Trupps seiner Späher, der mit zahlreichen anderen von der Mission zur Rettung Cins und Mitars zurück geordert worden war. "Aber etwas Besseres hätte ich weder für Mitar, noch für Cin planen können."

Lächelnd sah Ternekun, als das Licht die Algen in verschiedenen RosÚtönen durchschillerte, wie ein Schlitten mit Wirakun, Manmatha, Mitar und dem unvermeidlichen Leibwächter des weißen Paschas von der Farm in Richtung des nahen Waldes aufbrach. Wirakun genoss die Fahrt mit dem Schlitten, genoss das warme Wasser und das Licht. Die Freiheit war herrlich. Nach der langen Zeit in geschlossenen Kabinen tat es ihm besonders gut, einmal wieder frisches Wasser und unendliche Weiten zu genießen. Zudem hatte er es gern, wie Mitar ihm seine Heimat zeigte. Die Herden, die Arbeiter und die Pflanzen.

Am Nachmittag luden sie Manmatha dann ein, sie auf eine Fahrt durch den nahen Wald zu begleiten, in dem kleine Pavillons sich wie exotische Anemonenblüten auf schlanken Stängeln erhoben und sachte schaukelten. In ihnen konnte man auf bequemen Lagern über die Wipfel der Algenbäume blicken und die Mayukherden in der Ferne vorbeiziehen sehen.

Zufrieden schob Wirakun sich dicht an Mitars Seite und nahm seine Hand, schmiegte sich in den Arm seines Geliebten und schloss die Augen halb, bis das Bild von seinen Augen verschwamm, zu einem Tal aus Farbe und schillerndem Licht wurde.

"Es ist wunderschön hier, Mitar. Danke, dass du uns ausgeführt hast." Bei dem 'uns' fiel ihm Manmatha wieder ein, aber er konnte sich nicht dazu bringen, Mitar loszulassen. Er hatte seinen zukünftigen Pascha darum gebeten, ein Kind mit Mitar haben zu dürfen, bevor er ihm einen Sohn und vielleicht gar Erben schenken wollte.

Manmatha hatte in seiner unendlichen Geduld und Großzügigkeit zugestimmt, hatte auch zugestimmt, dass Wirakun eine Weile lang, während er sich vorbereitete, nur noch für Mitar fühlen wollte und nur noch mit ihm zusammen sein konnte.

Mitar streichelte sacht über Wirakuns Oberarm und lächelte. "Ich liebe die Farm, es freut mich, dass sie euch auch gefällt."

Er sah zu dem hellen Schleierschwanzmann hin, in dessen Harem er bald eingehen würde und wunderte sich erneut wie so oft in letzter Zeit über das stille Lächeln, das dessen Lippen umspielte. Er wurde weder aus ihm, noch aus seinem Geliebten wirklich schlau. Es war ein wenig, als herrschte zwischen ihnen ein stilles Einvernehmen, an dem er keinen Anteil hatte. Manmatha war gerne in ihrer Gesellschaft, und doch hatte er aufgegeben, mit Wirakun zu schmusen oder ihn zu küssen.

Gleichzeitig bedrängte Wirakun Mitar schon eine Weile nicht mehr, dass er mehr wollte als bloße keusche Zärtlichkeiten. Einerseits war es Mitar ganz recht; er wollte gerne, dass sich Wirakun vollkommen erholte, ehe er am Ende deswegen einen Rückfall erlitt. Andererseits machte er sich zunehmend Sorgen. Es war, als hätte Wirakun den Gedanken vollkommen aufgegeben, obwohl er mehr und mehr seine Nähe suchte. Zart küsste er ihn auf die Stirn und dachte daran, dass er ihn im Gegenzug dazu schon fast schmerzhaft begehrte. Gerade in den Nächten, wenn sie Arm in Arm beieinander lagen, wurde es um so verzehrender.

Er verdrängte die Vorstellung rasch, bevor sein Körper ihn in eine peinliche Lage brachte und wies auf einen nahen Pavillon. "Was haltet ihr davon, wenn wir dort eine Pause einlegen und essen? Um die Zeit kann man gut die Mayukherden beobachten, die dicht herankommen."

Manmatha nickte, während er überlegte, wie er die beiden am besten für eine Weile allein lassen konnte. Wirakun hatte seinem Schatz noch immer nichts gesagt, und er war der Meinung, dass sich diese Umgebung eigentlich hervorragend dafür anbot. Außerdem hätte er dann ein wenig Abstand zu ihnen. So ungern er es vor sich zugab, machte ihn die Nähe zwischen ihnen zwar nicht wirklich eifersüchtig, aber neidisch.

Mehr und mehr wuchs sein Wunsch nach etwas, das dem gleich kam, und seine Gedanken richteten sich dabei immer deutlicher auf einen gewissen dunkelblauen Mann, der auch jetzt wieder stumm mit ihnen mitfuhr. Doch Tiepho war professionell kühl und abweisend, und sein Lächeln wirkte wie einstudiert, wenn er ihm überhaupt eines schenkte. Manmatha wurde sich zunehmend der Tatsache bewusst, dass es Dinge gab, an denen Reichtum und Einfluss nicht das Geringste ändern konnten.

Tiephos Blick glitt über die schöne Landschaft, und ein kleines Lächeln war gar nicht zu vermeiden, als er von den sich wiegenden Gräsern zurück zu dem turtelnden Pärchen glitt. Mitar war ein wirklich blinder Fisch, wie es keinen zweiten gab. Dass Wirakun sich ein Kind wünschte und es sehr bald sein musste, strahlte er mit jeder Flosse ab. Die fakuntypische Warnfarbe der Flossen und Augenbrauen war zwar nur angedeutet, aber sie war stets an ihm sichtbar, ein sehr offenes Zeichen, dass er um Mitar warb.

Manmatha schien es auch zu wissen. Sein hintergründiges Lächeln war Hinweis genug. Nicht nur das. Er war es auch, der vorschlug, dass Wirakun und Mitar sich noch ein wenig zu zweit beraten sollten, wie sie mit Denju am besten reden konnten, und er war es, der entschied, dass die beiden den Schlitten behalten sollten, während er mit Tiepho allein durch den Wald zurückschwimmen wollte.

Tiepho warf einen zweifelnden Blick auf Manmathas reichlich wallende Schleierflossen. Er war ein bezaubernder Anblick, aber leider ganz und gar nicht gemacht, um eine so lange Strecke zu schwimmen. Sie würden eine ganze Weile brauchen. Aber der kleine Pascha verabschiedete sich bereits mit einem kleinen Kuss von Wirakun, und Tiepho blieb nichts weiter übrig als ihm rasch zu folgen.

Wirakun blickte hinter Manmatha und Tiepho her, die sich langsam durch die wiegenden Stämme entfernten, dann drehte er sich zu seinem Liebsten um und lächelte leicht. "Ich danke dir, dass du mir dies hier alles gezeigt hast, Mitar. Es entschädigt mich mehr und mehr für die Entbehrungen in der Mine." Er schlang seinen Schwanz eng um Mitars und fügte hinzu: "Dir zu gehören, ist für mich ohnehin jede Entbehrung wert, mein Schatten."

Mitar umfing ihn mit den Armen und drückte ihn fest an sich, auch wenn die Nähe ganz besonders an seinem viel zu empfindlichen Bauch Folter war. Dennoch konnte er nicht darauf verzichten. Langsam sanken sie auf eines der Sitzpolster zurück, während er Wirakun sachte küsste.

"Ich bin so froh, dass du bei mir sein kannst", sagte er leise an dem gefächerten Ohr, ehe er seinen Liebsten ein wenig von sich schob, um ihn ansehen zu können. Mit einem Lächeln zeichnete er die Lippen nach, um sie erneut zu küssen und ihn dann wieder anzuschauen, als seine Hand wie von allein weiterglitt und über Schultern und Rücken streichelte. "Und es wird keine Entbehrungen mehr für dich geben."

Wirakun lachte und zwinkerte seinem Geliebten zu. "Doch! Die schlimmste Entbehrung! Und du bist auch noch schuld daran, Mitar! Du allein!"

Mitar blinzelte, dann weiteten sich seine Augen. "Ich bin daran Schuld? Du meinst..." Hilflos auflachend schüttelte er den Kopf, als mit dem Begreifen eine Welle des Begehrens über ihn flutete. "Ich dachte, du wolltest nicht. Weil du nur noch..." Sein Lachen verstummte, und er sah Wirakun an. "Ich wollte dich schonen, weil es dir so schlecht ging. Und ehe ich mich versah, hast du dich in einer Art zurückgezogen, die mich verwirrt hat. Dazu aber immer wieder die Nähe, und... Ah, ich bin so dumm!" Er grinste schief, dann zog er Wirakun erneut an sich und küsste ihn heftig.

"Kannst du mir verzeihen? Ich wollte nicht Schuld an deinem Leiden sein", flüsterte er einen Moment später, während er Wirakuns Schwanz enger umschlang. Er war froh, dass Tiepho und Manmatha schon weit außer Sicht waren, und wer auch immer noch hier entlang kommen würde, musste sich einen anderen Rastplatz suchen.

Freudig schmiegte sich Wirakun an seinen Liebsten heran und sah zu ihm auf. "Schon auf der Fregatte hab ich Manmatha um die Erlaubnis gebeten, und jetzt spüre ich, dass die Zeit gut ist, Mitar. Ich bin so froh, dass du es auch willst."

Die Worte verwirrten Mitar aufs Neue. Manmatha hatte mit absoluter Sicherheit nichts dagegen, auch wenn sie ihn nicht fragten. Und die Zeit war ebenfalls immer gut, wenn sie beide Lust hatten. Die Gedanken krochen gemächlich wie Seegurken durch seinen Kopf, und allmählich begann Mitar, sich auch wie eine zu fühlen. '... dass die Zeit gut ist... dass du es auch willst... Ich bin dümmer als eine Seegurke!'

Warum nur hatte er die kleinen Veränderungen an Wirakun nicht wirklich wahrgenommen? Es war nicht so, dass es dem Fakun einfach nur besser ging. Seine Brauen und die Streifen auf den Flossen waren nicht mehr ganz weiß, schon seit Tagen nicht mehr, sondern zartrosa. Wirakun roch ein wenig anders, nicht wirklich auffallend und doch anregender, was mit dazu beitrug, dass man der Nähe nur schwer wiederstehen konnte.

"Du meinst... du hast Manmatha um einen Sohn gebeten?", fragte Mitar atemlos. "Dass wir ein Kind haben können?"

Wirakun hob eine Braue, dann nickte er und lachte. Erst verspätet wurde ihm bewusst, dass Mitar nicht begriffen hatte, worum es ging, bis zu diesem Moment. "Oh, ich dachte, dass du mich deswegen in Ruhe gelassen hast, weil du gesehen hast, wie ich mich verändere." Wirakun schlängelte sich dichter an Mitars kräftigen Körper heran und schob seine Hand über den Bauch seines Geliebten, während er ihm leise erzählte, wie er Manmatha gebeten hatte, ihm als ersten Sohn einen mit Mitar zu erlauben. "Da ich nicht sein Favorit bin, hat er zugestimmt. Er ist jung und hat noch viel Zeit. Zudem ist er auf der Suche nach einem Vater für seinen Erben, den habe ich ja gefunden."

Mitar hatte nie damit gerechnet, dass er Kinder haben würde. Zuerst war er ohne Harem gewesen, dann hatte er sich Wirakun verweigert, und als er endlich eingesehen hatte, dass er den Fakun liebte, hatten sie sich schon in Gefangenschaft befunden. Dass Manmatha mit ihm ein Kind haben könnte, war ihm nicht sehr wahrscheinlich erschienen. Die Aussicht, nun doch einen Sohn zu bekommen, machte ihn schwindelig, und die liebkosende Hand auf seinem Bauch trug nicht dazu bei, dass er ruhiger wurde.

"Ich bin blind und dumm und kann nur dankbar dafür sein, dass du mit einer Seegurke zusammen leben willst!", rief er dennoch aus, nachdem er seine Gedanken ein wenig gesammelt hatte. Er zog die Hand sachte, aber bestimmt von seinem Bauch weg; er wollte nicht die Beherrschung verlieren. Stattdessen begann er atemlos, Wirakun intensiver zu streicheln und den schönen Körper mit den Händen zu erkunden, während er seinen Hals und die Brust mit Küssen bedeckte. So lange schon hatte er sich danach gesehnt, dass er kaum wusste, welche Stelle er zuerst berühren wollte und ob er überhaupt genug Zeit haben würde für all das, was er gern tun würde. Schon jetzt öffnete sich der kleine Schlitz an seinem Bauch.

Mit einem leisen Zischen wurde Wirakun bewusst, dass sie zu lange gewartet hatten. Zuerst war es Mitars alberne Vorsicht gewesen, dann sein Plan, einen Sohn zu bekommen, so schnell es ging. Nun waren sie beide aufgeladen wie ein Paar Zitteraale, und er spürte die Lust zwischen ihnen nur so kribbeln. Es machte ihn nervös, und es reizte ihn. Mit leisem Knurren warf er sich gegen den stärkeren Mann und begann, ihn erneut zu streicheln.

Leise warnte er Mitar: "Ich will dich, und wenn du glaubst, dass du mir etwas, das ich will, vorenthalten kannst, sei es auch nur für wenige Momente, dann hast du mich noch immer nicht kennen gelernt." Bezeichnend biss er ihn nach Art der Fakun in den Nacken, bevor er sich ihm dann doch wieder unterwarf, allerdings um ihn enger über und an sich zu ziehen.

Mitar lachte heiser und schlang seinen Schwanz wieder um den seines Geliebten. "Ich habe es wochenlang geschafft", erinnerte er ihn mit einem Grinsen. Doch dieses Mal hatte er definitiv nicht vor, es so lange hinaus zu zögern. Dass Wirakun genauso bereit war wie er, spürte er nur Momente später, und es ließ ihn aufstöhnen. "Aber jetzt habe ich dir nichts entgegen zu setzen..."

Die letzten Worte verloren sich unverständlich in einem kehligen Laut, als er aufgab. Zu sehr wollte er seinen Geliebten spüren, als dass noch Zeit für Zärtlichkeiten gewesen wäre. Endlich waren sie vereint, wie er es sich schon so lange erträumt hatte.


© by Jainoh & Pandorah