Betaleser

Meine feste, unverrückbare Meinung: Ein guter Betaleser ist Gold wert. Herzt ihn, küsst ihn und lasst ihn nie wieder los. Spart nicht mit Dank und seid ihm nie böse wegen angemahnter Fehler. Aber vergöttert ihn nicht und tut nicht alles, was er sagt. ^_~ Schlussendlich ist es eure Geschichte und sie muss in allererster Linie euch gefallen.

Was ist ein Betaleser?? Ein Betaleser ist nichts anderes als jemand, der Korrektur liest. Man hat zu seinen eigenen Texten einfach nicht den nötigen Abstand, um all die Kleinigkeiten zu finden, die schief gehen können. Man lebt einfach zu sehr mit dem Text, man weiß, was passiert, wie es sein soll.

Was macht einen guten Betaleser aus? Das kann man defintiv nicht pauschal beantworten und ist sehr individuell. Es kommt darauf an, auf was man Wert legt, und der Betaleser, mit dem Autor A zurechtkommt, kann für Autor B der Grundfalsche sein.
Im Idealfall sollte ein Betaleser perfekt Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung beherrschen, in der Lage sein zu erkennen, wenn sich ein Charakter ohne Grund falsch verhält (also ooc - out of character ist), zeitliche Fehler finden, Unlogisches entdecken, inhaltliche Fehler oder schlicht Sachfehler korrigieren können.
Das wird selten der Fall sein, und ich finde es immer sehr angenehm, wenn ich mehrere Betaleser habe. (Eine meiner Betaleserinnen findet hauptsächlich Wortwiederholungen und inhaltliche Fehler, dafür klappt es mit den Kommata nicht wirklich. ^_~ Aber das, was sie anmerkt, hat fast immer Hand und Fuß.) Zudem sehen mehrere Augen mehr als zwei, und man bekommt verschiedene Gesichtspunkte. Was der eine grauslig findet, mag dem anderen wie die genialste Formulierung auf Erden vorkommen. Schreiben ist eben immer auch Geschmackssache.
UND ein guter Betaleser sollte nie Sachen direkt verbessern. Das ist Sache des Schreiberlings. Ich ziehe die Variante vor, in der Anmerkungen, Fehler und ähnliches farbig in das Dokument geschrieben werden, so dass ich sie nach Wahl übernehmen oder ignorieren kann.

Wer sollte auf keinen Fall betalesen? Die beste Freundin, der beste Freund, die Geschwister, die Großeltern, die Eltern. Jeder, der zu nahe steht. Von Großeltern und Eltern besonders werden wohl meistens nur Kommentare in der Richtung kommen, dass es absolut toll ist und wunderbar, dass man schreibt und dann noch so viel und alles ist super und... und... Und man bekommt einfach nichts gesagt, was einem weiterhilft! *g* Und sei es nur, weil sie nicht verletzen wollen. (Ausnahmen bestätigen die Regel. ^_~)

Was sollte man beachten, bevor man den Betaleser mit dem eigenen Text quält? Leute, bitte, bittebittebitte, lasst erst eine Rechtschreibeprüfung über den Text laufen. Nichts ist frustrierender, als wenn man jedes zweite Wort anstreichen muss, weil es falsch geschrieben ist. Zudem liest es sich dann wirklich miserabel, egal wie gut die Geschichte ist, und man verliert die Lust daran - auch und gerade als Betaleser.
Lest euch am besten noch die Tipps zur Korrektur durch; wenn ihr die alle beachtet, tut ihr euren Betalesern einen wirklichen Gefallen. ^_~

Wo findet man Betaleser? Nun, das ist unterschiedlich. Fragt jemanden, der selber schreibt, meiner Erfahrung nach sind das die besten, da sie oft wissen, worauf es ankommt und was man als Schreiberling gerne wissen möchte. Diese Variante ist jedoch nicht zwangsläufig von Erfolg gekrönt (und ich kann an dieser Stelle gleich sagen, dass ich für niemand betalesen werde, da ich mit dem Beta für Freunde schon kaum nachkomme...). Eine andere Möglichkeit ist die, einfach eine Mail an eine Mailingliste zu schicken, die natürlich der Geschichte angepasst sein sollte, die ihr korrigiert haben wollt. Auf einer Fantasy-Liste wird man kaum Begeisterung für Science Fiction finden, auf einer, die sich den Krimis widmet, weniger Erfolg für eine Liebesgeschichte haben. ^_~