Blockaden

Ja, es gibt sie, die bösen, gemeinen Schreibblockaden, bei denen man vor dem Computer sitzt, ein im Zweifelsfall vollkommen leeres Dokument anstarrt und keinen einzigen Buchstaben "zu Papier" bringt. Die Charaktere sind da, wo man sie haben will, manchmal weiß man in etwa, was sie tun sollen, manchmal nicht einmal das. Auf jeden Fall passiert dann... gar nichts.
*starr*
*denk*
*kopf raucht*
*gedanken driften weg*
Und nichts passiert. Unangenehm, hinderlich, frustrierend, und ab und an mag man verzweifeln und am liebsten alles hinwerfen. Ich habe nicht den ultimativen Ratschlag dagegen, doch vielleicht helfen diese Tipps dem einen oder anderen weiter.

Tipp 1
Liegen lassen. Nichts simpler als das. Vielleicht klappt es morgen oder übermorgen besser. Möglicherweise hat einen einfach das "normale Leben" eingeholt und verlangt mehr Aufmerksamkeit, der Kopf ist mit Schule, Uni, Freunden, Liebsten, Eltern, Arbeiten, Sonstigem so beschäftigt, dass einfach kein Platz für anderes ist.
Aber wenn die Pause zu lange dauert, fällt es schwer, wieder reinzukommen. Von daher nicht zu weit ausdehnen.

Tipp 2
Blockade ignorieren. ^_~ Wie, das geht nicht? Geht doch. ^^ Einfach lostippen. Vollkommen ignorieren, dass es klingt wie absoluter Stuss, was man auf Papier bringt oder in die Tasten hämmert. Vielleicht ist es einfach nur diese Stelle, die man nicht schreiben mag, kann, will, was auch immer. Und danach geht es flüssig weiter. Korrigieren kann man immer noch. Oder umschreiben. Hauptsache, man ist erst einmal an dem Hänger vorbei.

Tipp 3
Ignorieren geht partout nicht? Egal, wie sehr man es versucht? Okay, die stressige Szene einfach in Stichworten notieren, am besten mitten im Dokument, dort wo sie auch eigentlich hingehört, und irgendwie markieren: Kursivschrift, Rot schreiben, Klammern setzen etc. Sie einfach so zu überspringen halte ich für nicht so grandios, das ist zumindest meine Erfahrung. Man vergisst zu schnell, was man eigentlich hat schreiben wollen, man bezieht sich in späteren Szenen darauf und kann damit zumindest auf die Stichworte zurückgreifen. Zudem hat man dann gleich einen optischen Eindruck, was noch alles fehlt, wenn man das Dokument durchsieht (oder den Ordner durchblättert).

Tipp 4
Tür zu, Musik anmachen, die man mit der Geschichte verbindet oder die zumindest einigermaßen passend ist. DeathMetal eignet sich nicht wirklich zu einer romantischen Liebesszene und Eros Ramazottis hingebungsvolles Hauchen bringt vielleicht nicht ernsthaft genügend Atmosphäre für die Beschreibung eines blutigen Gemetzels. (Aber natürlich bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel. ^_~) Und dann einfach noch mal das letzte Kapitel lesen.

Tipp 5
Nicht wirklich mein Favorit, bei mir wirkt er ganz und gar nicht, ist im Gegenteil eher für mich schädlich, aber Menschen sind bekanntlich verschieden. ^_~ Manche machen es auch so, dass sie mitten in einer flüssig laufenden Szene, die sich leicht schreiben lässt, innehalten, um dann am nächsten Tag dort wieder einzusetzen und sich mit dieser schon mal warm schreiben, ehe sie an die schwierigen Parts kommen. Das wirkt dann sozusagen vorbeugend. *g*
Meine Erfahrung ist jedoch so, dass ich dann entweder auch diese Szene nicht zuende bekomme oder sie beende und an der nächsten trotzdem hänge. ^^ Selber ausprobieren.

Tipp 6
Nichts hilft? Gar nichts? Dann würde ich empfehlen, denkt mal ein wenig darüber nach, dass ihr vielleicht gar nicht weiterschreiben wollt. Stirbt in der nächsten Szene ein Charakter, der euch ans Herz gewachsen ist, ohne dass ihr das so recht gemerkt habt? Augen zu und durch, wenn es die Geschichte verlangt. - Endet die Geschichte in zwei Kapiteln und ihr wollt euch aber noch nicht trennen? Tröstet euch vielleicht damit, dass ihr eine Fortsetzung schreiben könnt oder eine Nebengeschichte. - Ist der Plot nicht wirklich das, was ihr euch wünscht? Ändert ihn, wenn es möglich ist. - Kommt ein Plotloch nach besagter Szene, vor dem ihr euch fürchtet? Füllt es.