Details und Beschreibungen

Das Salz in der Suppe? Ja, ich finde, dass man sie durchaus so nennen kann. Auch ohne große Beschreibung kann man einer Handlung folgen, aber das ist ein ziemlich trockenes Brötchen, was man dann seinen Lesern serviert. Oder auch eben eine ziemlich fade Suppe. Das gilt für nahezu alles. Bei der Beschreibung von Personen, Situationen, Dialogen, Räumen... eben allem, was man beschreiben kann, wo es möglich ist, Details einzufügen.
Und natürlich gibt es nicht "den einen", richtigen Weg. Man kann zu knapp sein. Man kann zu ausführlich sein. So, wie man Suppen eben versalzen kann. Was in einer Situation zu viel ist, ist in der anderen zu wenig.
Ich versuche es mal mit einem Beispiel. Es ist im Groben aus meiner Geschichte Sommersonne, Sonnenschein, jedoch ein wenig abgewandelt, damit es hier ohne Zusammenhang verständlich wird. ^_^ Markus macht Ferien auf einem Campingplatz in Südfrankreich und hat am Tag zuvor Dirk kennen gelernt. Jetzt sitzt er zwischen seinen Wanderkarten und versucht, eine schöne Strecke herauszusuchen.

Beispiel A

"Na, Langschläfer? Endlich aufgewacht?"
Markus sah auf. "Hi! Magst du einen Kaffee?"
"Gerne." Dirk kam zu ihm. "Planst du eine Reise ans Ende der Welt?", fragte er mit einem Blick auf die Karten.

Jo. Damit ist alles beschrieben, der Dialog und die Handlung, und doch ist nichts gesagt, es ist im geringsten lebendig.

Beispiel B

"Na, Langschläfer? Endlich aufgewacht?"
Markus' Herz machte einen kleinen Sprung, als er die warme, dunkle Stimme erkannte. Er sah von der halb aufgefalteten, leicht verknitterten Karte auf, nur um Dirk keine vier Meter von sich entfernt zu entdecken, mit verschränkten Armen an die kleine, grüne Laterne mit dem kugelförmigen Glas gelehnt, das milchig vom Alter war. Er hatte ein sonniges, breites Grinsen in seinem energischen, kantigen Gesicht mit der geraden Nase. Seine braungrünen, von dichten, kurzen Wimpern umrahmten Augen blitzten gut gelaunt unter seinen geraden, goldenen Brauen hervor. Er war frisch rasiert, trug statt der ausgefransten, hellblauen, kurzen Hose mit dem Loch über dem rechten Knie eine ebenso ausgefranste, weiße Jeans, deren rechtes Bein etwas hochgerutscht war und so noch zwei Zentimeter mehr dieses atemberaubenden, kräftigen Beines offenbarte, und statt des ausgeleierten, weißen T-Shirts mit dem verwaschenen Drachenaufdruck, unter dem der Name einer Heavy Metal Band gestanden hatte, an die Markus sich nicht mehr erinnerte, ein grünes mit dunklerem, V-förmigen Halsausschnitt aus leichtem Baumwollstoff, das jedoch aufregend eng anliegend war und seinen muskulösen Oberkörper noch weiter betonte.
"Hi!" Markus konnte nicht anders, als das strahlende Lächeln voll Freude und Glück zu erwidern, während er sich hilflos fragte, wie Dirk es schaffte, mit nur einem tiefen, intensiven Blick die kleinen, aufwirbelnden, lebhaften Schmetterlinge in seinem Magen wiederzuerwecken. Vielleicht lag es daran, dass der andere Mann so wirkte, als hätte er ihn schon mindestens sieben lange Minuten beobachtet, ehe er ihn endlich angesprochen hatte, so wie er dort stand, so entspannt und locker, gleichzeitig jedoch irgendwie etwas abwartend.
Verlegen wegen seiner glühenden Wangen senkte er den Blick und verfolgte mit den dunkelbraunen Augen eine kleine Ameise, die einen für sie viel zu großen Brotkrümel trug, um ihn in ihren Bau zu schaffen. Hoffend, dass man ihm seine Gedanken nicht ansah, machte Markus eine kleine Geste zur giftgrünen Thermoskanne mit dem gelben Deckel hin, deren Plastik bis auf eine drei Zentimeter lange, hauchzarte Schramme keinen einzigen Kratzer aufwies, da sie noch ganz neu war. "Magst du einen Kaffee?"
"Gerne." Dirk stieß sich von der Laterne ab und kam die fünf Schritte zu ihm hin. "Planst du eine Reise ans Ende der Welt?", fragte er halblaut mit einem leicht belustigten Blick aus seinen braungrünen Augen auf die ausgebreiteten drei Karten und die fünf Wanderführer.

Und dies ist ein nettes (oder schlechtes?) Beispiel für zu viel Beschreibung. SO genau wollte es niemand wissen, zudem lenkt es von der Szene ab und macht sie regelrecht unleserlich. Zugegeben, es ist übertrieben, aber ich denke, man versteht, was ich meine. ^_~

Beispiel C

"Na, Langschläfer? Endlich aufgewacht?"
Markus' Herz machte einen kleinen Sprung, als er die Stimme erkannte. Er sah von der Karte auf, nur um Dirk keine vier Meter von sich entfernt zu entdecken, mit verschränkten Armen an die kleine Laterne gelehnt, einem sonnigen Grinsen im Gesicht und einem gut gelaunten Blitzen in den Augen. Er war frisch rasiert, trug statt der ausgefransten, hellblauen eine ebenso ausgefranste, weiße Jeans und statt des ausgeleierten, weißen T-Shirts ein grünes, das jedoch aufregend eng anliegend war.
"Hi!" Markus konnte nicht anders, als das Lächeln zu erwidern, während er sich fragte, wie Dirk es schaffte, mit nur einem Blick die Schmetterlinge in seinem Magen wiederzuerwecken. Vielleicht lag es daran, dass der andere Mann so wirkte, als hätte er ihn schon eine Zeitlang beobachtet, ehe er ihn angesprochen hatte, so wie er dort stand. Hoffend, dass man ihm seine Gedanken nicht ansah, machte er eine kleine Geste zur Thermoskanne hin. "Magst du einen Kaffee?"
"Gerne." Dirk stieß sich von der Laterne ab und kam die wenigen Schritte zu ihm hin. "Planst du eine Reise ans Ende der Welt?", fragte er mit einem leicht belustigten Blick auf die Karten.

Das hier ist jetzt das, was in etwa in meinem eigentlichen Text steht. Dirk ist angezogen, die Situation ist klar, sie handeln in einer bestimmten Art, Markus denkt.

Natürlich gibt es unterschiedliche Stile, manch einer schreibt eher kahl und trotzdem genial, manch einer schmückt eher aus und wird blumig. Aber denkt immer daran, eure Beschreibungen auch der Situation angemessen zu verwenden. Der Tisch, auf dem man kurz etwas abstellt, um das Zimmer zu verlassen, verdient mit Sicherheit nicht so viel Aufmerksamkeit, wie das magische Amulett, um das sich die Geschichte drehen wird. Der Kammerdiener, der Kleidung für den Ball herauslegt, braucht nicht die gleiche Beachtung wie Moi-Ri, in den sich Orai verliebt und den er deswegen mit Sicherheit erstens anders und zweitens sehr viel intensiver betrachtet.

Lange Beschreibungen wirken zumeist jedoch abschreckend. Aber man hat dieses Zimmer doch soooooo schön gestaltet! Man hat dieses wundervolle Ballkleid bis ins kleinste Detail entworfen und möchte jetzt auch andere in den Genuss dieses Kleidungsstückes kommen lassen. Was nun? Ein netter Trick ist es, Details in Handlung einzubauen. Wenn Markus sich mit beiden Händen nervös das kurze, schwarze Haar aus der Stirn streicht, wirkt das schon ganz anders, als wenn ich vor den Text sozusagen einen Beschreibungsblock setze. (Markus hatte schwarze, kurze Haare, trug eine kurze Jeans und ein weißes T-Shirt, dazu die roten Badelatschen. Seine Haut war gebräunt. Seine Augen waren dunkelbraun.) Zudem muss man nicht jede Information sofort in den ersten zwei Absätzen präsentieren. Das Wichtigste am Anfang, vielleicht seine Haarfarbe und/oder seine Augenfarbe, wenn es sich anbietet, vielleicht die Art seines Oberteils, indem er sich das weiße T-Shirt beim Aufrichten wieder über den Rücken zieht.
Bei Zimmereinrichtungen geht das genauso. Aurel kann über den blauen Teppich laufen, der so dick ist, dass seine Füße regelrecht darin versinken. Das ist angenehmer zu lesen, als wenn "auf dem Boden ein dicker, blauer Teppich lag". Zudem gibt es einen Eindruck davon, *wie* dick der Teppich ist und vielleicht auch noch, wie er sich anfühlt.

Und wo wir gerade beim Thema Fühlen sind: Sinneseindrücke nicht vergessen! Ein Mensch sieht nicht nur, er riecht, er hört, er fühlt, er schmeckt. Wenn eine Wohnung in warmen Farben gehalten ist, gibt das einen netten Eindruck. Aber wenn sie gleichzeitig noch ein wenig nach Zimt und Cardamom duftet, wenn man sie betritt, wenn die Decke auf der Couch aus weichem Kashmir ist und wenn man dann gleichzeitig noch von irischer Harfenmusik begrüßt wird, dann weiß man, dass man in Mashas Wohnung gelandet ist (Forever's Kiss). ^_~