Sommersonne, Sonnenschein

1.

Als Markus die Wagentür öffnete, wurde ihm wieder einmal bewusst, warum er einen mit Klimaanlage gekauft hatte, selbst wenn diese den Benzinverbrauch in fast schon schwindelerregende Höhen trieb. Die Sonne brannte von einem wolkenlosen Himmel, der so strahlend blau war, dass er wie frisch gewischt wirkte.

Die Hitze ließ die Luft über dem sandigen Boden flimmern, und dieser strahlte sie zurück, so dass er den Gedanken an nackte Füße schnell wieder verwarf. Für einen Moment überlegte er, ob er den Zeltaufbau auf den Abend verschieben sollte, doch dann dachte er daran, dass sein Urlaub erst richtig beginnen würde, wenn alles fix und fertig stand. Zudem sollte es keine zu große Aktion sein, ein Dreimannszelt aufzustellen. So viele Stangen und Schnüre hatte das kleine, spitze Gebilde gar nicht.

Als er den Kofferraum öffnete und den hellgrauen Zeltsack hervorholte, musste er an Lars denken, mit dem er diesen Urlaub eigentlich gemeinsam geplant hatte. Bereits vor sieben Monaten hatten sie diesen Platz gebucht, wobei das alles über seinen Freund gelaufen war, der nahezu perfekt französisch sprach. Doch dann hatten sie sich vor vier Monaten getrennt. Markus hatte beschlossen, allein hierher zu fahren; halb aus Trotz, halb weil er sich nicht in der Lage sah, den Menschen am anderen Ende der Telefonleitung klar zu machen, dass sie nicht kommen würden.

Zudem hatte er Urlaub dringend nötig. Mit gespreizten Fingern fuhr er sich durch die schwarzen, kurzen Haare und musterte den Stellplatz, der ihm für vier Wochen gehörte und auf dem das kleine Zelt recht verloren wirken würde. Immerhin blieb ihm so ausreichend Raum, um davor zu kochen, wenn es ihm in dem winzigen Vorzelt zu eng wurde, und das Auto zu parken.

Auf zwei Seiten war die in etwa rechteckige Sandfläche von silbrigen Hecken eingerahmt, auf der dritten wurde sie von niedrigen Zitterpappeln begrenzt, die jetzt am frühen Nachmittag ein wenig Schatten auf den Platz warfen, so dass Markus beschloss, das Zelt dort aufzubauen. Er friemelte die Seitentasche des Sackes auf, zog vorsichtig die Anleitung heraus und studierte sie kritisch.

Lediglich eine halbe Stunde später war er sich sicher, dass es nichts Komplizierteres als ein Spitzdachzelt geben konnte und er sich vielleicht doch besser ein Wohnmobil gemietet hätte. Aber Lars hatte ihm derart ausführlich dessen Nachteile auf gezählt, dass er darauf verzichtet hatte. Allein das Fahren zum nächsten Einkaufszentrum wurde laut seinem Ex-Freund damit zu einer Tortur. Zudem wäre es ihn eine ganze Ecke teurer gekommen.

Frustriert wischte Markus sich den Schweiß aus der Stirn, der ihm, die Brauen vollkommen ignorierend, direkt in die Augen lief. Mittlerweile hatte er sein blaues T-Shirt ausgezogen und stand lediglich in der kurzen Jeans vor dem Wirrwarr an Leinen, Schnüren, Planen und Zeltnägeln. Für einen Moment hatte er gedacht, alles richtig gemacht zu haben, dann war seine Konstruktion das dritte Mal in sich zusammengebrochen.

"Das kann doch nicht wahr sein, dass mein Urlaub daran scheitern soll", murmelte er und sah sich hoffnungsvoll um, ob nicht irgendeinen Menschenseele ihm helfen könnte. Doch um diese Uhrzeit schien sich der gesamte Campingplatz entweder im Koma oder am Meer zu befinden. Also nahm er sich mit einem leisen Seufzen erneut die Anleitung vor, studierte sie und begann, das Chaos sorgfältig auf ein Neues zu trennen und zu sortieren.

Schließlich stand das Zelt, und Markus zog reumütig sein Shirt wieder über, als er den beginnenden Sonnenbrand spürte. Dennoch war er unvernünftig stolz auf sein Werk; immerhin hatte er es allein geschafft und das, wo er zuvor noch nie campen gewesen war. Er konnte nur hoffen, dass es kein Fehler war, gleich die volle Zeit wegzufahren. Vielleicht hätte er es erst einmal ein Wochenende lang ausprobieren sollen.

Nur wenig später hatte er sein kleines Heim eingerichtet, inklusive des winzigen Gaskochers, des grünen Maschenbodens, der den Staub von nackten Füßen fernhielt, und einer Doppelluftmatratze, die ebenso wie das Zelt noch aus der Zeit stammte, als der Urlaub zu zweit geplant gewesen war. Zufrieden saß Markus im Schatten der Bäume auf einem Handtuch und genoss eine Dose kalten Bieres aus der Kühltasche.

Auch ohne Lars würde das ein schöner Urlaub werden. Er hatte sich bereits mehrere Wanderstrecken herausgesucht und Stress und Regenwetter zu Hause zurückgelassen. Hier hatte er Sonnenschein und Ruhe, und die einzige Person, nach der er sich richten musste, war er selber. Kein Chef, der ihn zu Überstunden zu überreden versuchte und damit leider meistens Erfolg hatte. Kein nervendes Telefon, keine Termine.

Das Knattern eines weiteren Wagens störte das beständige Ratschen der Grillen, und Markus beobachtete einen kleinen, graublauen VW-Bus mit eigenartigem Aufbau auf dem Dach, der auf den Platz gegenüber fuhr. Langsam breitete sich in ihm Urlaubsstimmung aus.

Vom Strand trug der Wind leises Stimmengewirr und Kinderlachen herbei; er ließ die Blätter der Bäume rascheln und brachte den Duft von Pinien und Rosmarien mit sich. Irgendwo aus den Büschen drang leises Zirpen.

Das Meer... Baden war eine gute Idee, nachdem er so in der Sonne beim Aufbau geschwitzt hatte. Kaum war die Bierdose leer, kroch Markus in sein Zelt, um die Flasche mit der Sonnencreme und ein Strandlaken aus seinem Koffer zu angeln und sich dann eine neue, feuerrote Badehose anzuziehen, die gut zu seinem rabenschwarzen Haar passte.

Doch als er wieder herauskam, verschob er seine Pläne noch einmal für kurze Zeit. Der graublaue Bus war mittlerweile geöffnet worden und hatte einen jungen Mann freigegeben. Bewundernd ließ Markus seinen Blick über breite, nackte Schultern und kräftige Beine gleiten. /Hoffentlich bleibt der länger./ Er fand den Gedanken durchaus angenehm, diesen Anblick öfter genießen zu können.

Die Haare auf Brust, Beinen und Unterarmen verliehen brauner Haut einen Goldschimmer, und auch von dem runden Bauchnabel zog sich eine kleine Spur hinab, um im Bund einer hellen, ausgefransten Jeans, die kurz über den Knien endete, zu verschwinden. Ein Dreitagebart bedeckte Wangen und Kinn des offenen, kantigen Gesichts mit den geraden Brauen. Das von der Sonne gebleichte, blonde Haar war hinten kürzer als vorne, so dass dem jungen Mann einige Strähnen in die Stirn fielen, was ihn aber offensichtlich nicht zu stören schien.

Fasziniert betrachtete Markus das Muskelspiel auf Oberarmen und Rücken, als der andere eine Plane und zwei Stangen aus dem Wagen holte, die Plane vor dem Eingang des Busses befestigte und sie dann zu einem Schattendach aufrichtete. Als er Schnüre spannte, um die Konstruktion zu sichern, wandte Markus sich mit einem leisen, bedauernden Seufzen ab, um nicht beim Starren ertappt zu werden.

Einen Seitenblick konnte er sich jedoch nicht verkneifen, während er an dem Platz vorbei in Richtung Meer lief. Um so überraschter war er, als sein Blick mit einem fröhlichen Strahlen aus braungrünen Augen und einem Lächeln erwidert wurde. Kurz nickte der Mann ihm zu, ehe er wieder im Inneren des Autos verschwand.

Ein Grinsen machte sich in Markus' Gesicht breit. Er warf das Handtuch über die Schulter und beschloss, dass es sogar ein außerordentlich schöner Urlaub werden würde.

 

Am Abend kämpfte er mit einem Topf und einer Pfanne und dem Gasherd, um in der ungewohnten Enge und mit seinen beschränkten Mitteln ein genießbares Abendessen zuzubereiten. Eigentlich konnte er ganz leidlich kochen, nur war er die Fläche und Ausrüstung seiner Einbauküche gewohnt. Aber es machte ihm Spaß, mit dieser einfachen Einrichtung zu experimentieren.

Während er sich anschließend nach dem siegreich bestandenen Duell mit der Miniküche an einem Teller Spaghetti mit Tomatensoße erfreute, warf er immer wieder Blicke zu dem Bus herüber in der Hoffnung, dass sich sein Nachbar noch einmal zeigen würde, doch die Fenster blieben leider dunkel.

Dennoch genoss Markus sein Mahl mehr als alle der vergangenen Wochen zusammen. Im Dunkeln unter einem sternenübersäten Himmel zu sitzen, den auffrischen Wind zu spüren, der Gerüche von Holzfeuer und Grillfleisch, Pinienduft und trockenem Gras mit sich führte und die Luft wieder abkühlen ließ, den Stimmen der anderen Camper zu lauschen, die er nicht verstehen konnte, da sie größtenteils französisch sprachen, war neu und aufregend und auf eine besondere Weise entspannend.

Kinder mit Waschbeuteln unter dem Arm liefen auf dem Weg von den Sanitäranlagen lachend und plappernd an ihm vorbei, ohne ihn zu bemerken. Eine junge Frau mit einer großen Schüssel Geschirr, das sie gerade gespült haben musste, kam aus der gleichen Richtung zurück und nickte ihm ein freundliches "Bon Soir!" zu, was er erwiderte, stolz darauf, immerhin diese Vokabel aus seiner Schulzeit nicht vergessen zu haben.

Mit einem leisen, zufriedenen Seufzen ließ er sich nach hinten sinken, stellte den Teller achtlos neben sich und sah zum Himmel empor. Der Mond stand als silberne Scheibe, an der man auf einer Seite ein Stück abgeschnitten zu haben schien, am Firmament. Er erleuchtete einige Wolkenfetzen, die an ihm vorbei getrieben wurden und die der Nacht etwas Wildromantisches verliehen.

Als der Wind stärker wurde und Markus zu frösteln begann, zog er sich nach einem letzten Blick zu dem nach wie vor dunklen Bus in sein Zelt zurück, während er sich auf seiner geistigen To-Do-Liste für den nächsten Tag vermerkte, dass er Strom legen musste, um Licht zu haben. Doch für diesen Abend war es vollkommen in Ordnung, früh ins Bett zu gehen. Die lange Fahrt hatte ihn rechtschaffen müde gemacht.

 

Mitten in der Nacht wachte Markus auf, für einen unangenehmen Moment ohne Orientierung und ohne auch nur zu wissen, wo er sich befand. Hilflos in der vollkommenen Dunkelheit versuchte er, sich anhand der Geräusche zurechtzufinden. Nur langsam konnte er einige der Laute aus dem Chaos herausfiltern, das um ihn zu herrschen schien.

Regen prasselte gegen die dünnen Zeltwände, die knatternd vom Wind gebeutelt wurden. Das laute Rauschen der Bäume ließ ihn den Atem anhalten und ihn sich fragen, wie tief sie verwurzelt sein mochten. Mit einem Mal erschien ihm das Zelt gar nicht mehr so sicher und heimelig. Wasser plätscherte draußen, als wäre direkt vor dem Zelt ein Bach entstanden. /Bach?/

Senkrecht fuhr Markus in die Höhe und drehte sich hastig um, um nach dem Reißverschluss des Eingangs zu tasten. /Dort steht der Kocher, der Teppich, die Handtücher vom Baden.../

Auf der nachgiebigen Luftmatratze und noch ein wenig schlaftrunken verlor er das Gleichgewicht und konnte sich nur mit Mühe seitlich der Matratze abfangen, zuckte jedoch gleich darauf zusammen, als seine Hand nass wurde. "Verdammt! Eingelaufen! Verdammt, verdammt!"

Gegen den Sturm konnte Markus seine Stimme kaum hören, während er sich vorzustellen versuchte, wie schlimm das Chaos draußen und drinnen bereits sein mochte. War der Koffer noch trocken? Seine Kleidung! Der Walkman! Die Bücher! "Verdammt noch mal! Wieso regnet das hier rein? Das Zelt hat doch einen Vorbau und einen Plastikboden! Wieso regnet das überhaupt?!"

Fieberhaft und in der Dunkelheit fast blind zerrte er den Koffer zu sich auf die Luftmatratze und schloss ihn nach mehreren erfolglosen Versuchen, während der er registrierte, dass die Luft empfindlich abgekühlt war. "Oh verdammt! Was mache ich denn jetzt? Das Wasser läuft hier rein!"

Schreckensbilder schossen ihm durch den Kopf, wie das Zelt nachgab und über ihm zusammensackte und ihn in kaltes, nasses Leinen wickelte, alles in Wasser und Schlamm tränkend. Dass die Schnüre nicht hielten und das Überzelt vom Sturm mit sich gerissen wurde.

Mit fliegenden Fingern öffnete er den Reißverschluss und spähte nach draußen. Im schwachen, verwischten Schein der Laterne, die an der Ecke seines Platzes stand, konnte er endlich wieder etwas erkennen, doch fast wünschte er sich, dass er unwissend geblieben wäre. In dem kleinen Vorzelt war der Boden nicht mehr zu sehen, stattdessen schimmerte das Licht auf einer unruhigen Wasseroberfläche, die den Gaskocher vollkommen ertränkt hatte. Und jetzt, wo der Reißverschluss die Bodenpfanne nicht mehr hochhielt, lief noch mehr Wasser ins Innere.

Markus fluchte lauthals, was im Heulen des Sturmes unterging und tat das einzige, was ihm in dieser Situation noch einfiel. Hastig versicherte er sich, dass der Koffer wirklich verschlossen war und tastete nach dem Autoschlüssel, dankbar dafür, dass er ihn ordentlich und griffbereit in der kleinen Seitentasche der Zeltwand aufbewahrt hatte. Dann raffte er die Tasche und seinen Schlafsack, um mit beidem in den Wagen zu flüchten.

Die wenigen Schritte hatten aber bereits ausgereicht, um ihn zu durchweichen, und seine Füße fühlten sich durch die Mischung aus Wasser und Sand schlammig und kalt. Die Nässe auf seiner Haut ließ ihn frieren. Schimpfend wuchtete er den Koffer auf den Beifahrersitz und stellte dann die Lehne seines eigenen so weit zurück, wie es ging, und versuchte, sich einigermaßen bequem zurechtzurücken. Er wickelte sich in den feuchten Schlafsack, während er überlegte, ob es sich lohnte, den Motor zu starten und die Heizung einzuschalten.

Doch trotz der Feuchtigkeit, die sich überall eingenistet hatte, wurde ihm langsam wieder warm, als er die Beine anzog und auch seine dreckigen Füße zudeckte. Er starrte auf die Windschutzscheibe, auf der das Wasser derart dicht herabrann, dass er außer Wasserschlieren und einem helleren Fleck, der von der Laterne kam, rein gar nichts erkennen konnte. /Was für eine Scheiße!/

Die klammen Zehen enger an seinen Körper ziehend, wusste er bereits jetzt, dass ihn am nächsten Morgen jeder einzelne Muskel schmerzen würde. "Was für eine gottverdammte Scheiße! Wenn ich Pech habe, war das mein Urlaub! Dann ist das Zelt im Eimer, der Herd ruiniert, und ich kann nach Hause fahren. Scheiße! Wieso schifft das derart hier? Das sollte trocken sein; ich bin in Südfrankreich!"

Das Wetter kümmerte sich nicht um seine wütenden Tiraden. Weder ließ der Regen nach, noch schlief der Wind ein. Die einzige positive Veränderung, die Markus feststellen konnte, als die Minuten zäh wie Sirup vorbei rannen, war, dass die Kälte langsam auch aus seinem Inneren zu weichen begann. Trotz des wütenden Sturmes, trotz des harten Stakkatos der Tropfen auf dem Wagenblech und auf der Scheibe übermannte ihn schließlich die Müdigkeit. Auch wenn die Nässe und das Tosen ihn bis in seine Träume verfolgten, fielen ihm doch endlich erschöpft die Lider zu.

 

Als er das nächste Mal erwachte, war er sich sicher, dass dies der Auftakt zu einem der scheußlichsten Tage war, die er je gehabt hatte. Er war verspannt, hatte Kopfschmerzen und konnte in der Hitze, die ihn umgab, kaum atmen. Seine Augen brannten, und zudem stellte er nach mehreren, erfolglosen Versuchen, sie zu öffnen, fest, dass sie verklebt waren.

Die Sonne, die durch die Windschutzscheibe brannte, war gleißend hell, als wollte sie ihm einreden, dass er das Unwetter der vergangenen Nacht lediglich geträumt hatte. Unwillig trat er den Schlafsack in den Fußraum und fuhr sich mit beiden Händen durch das kurze, schwarze Haar, als würde das die Erschöpfung vertreiben.

Doch noch ehe er sich auch nur entschieden hatte, was er als erstes tun sollte, klopfte es auf der Beifahrerseite an die Scheibe. Markus zuckte zusammen, während er für einen Augenblick überlegte, ob es auf französischen Campingplätzen verboten war, im Wagen zu übernachten. /Idiot/, murrte er lautlos vor sich hin und drehte den Kopf.

Das Lächeln, was ihm durch die dreckige Scheibe ein wenig verschwommen entgegenstrahlte, ließ seine schlechte Laune sich jedoch fast augenblicklich in Nichts auflösen. Das hübsche Gesicht seines Nachbarn war durchaus ein angenehmer Morgengruß. Er grinste zurück und stieg aus. Erleichtert stellte er fest, dass es draußen weitaus weniger stickig war, und atmete erst einmal tief durch. "Guten Morgen!"

Flüchtig fragte sich Markus, wie der andere so frisch, attraktiv und gut gelaunt wirken konnte, obwohl er ein ausgeleiertes, weißes T-Shirt zu der ausgefransten, kurzen Jeans trug und noch immer nicht rasiert war.

"Morgen!" Sein Nachbar warf einen kurzen Blick zu der Stelle, an der Markus die Überreste seines Zeltes vermutete. "Du siehst aus, als wärest du heute nacht so gut wie weggespült worden. Alles okay? Brauchst du Hilfe? Ich dachte, ich wecke dich lieber, ehe die Sonne dich dort drin im Wagen kocht."

Markus' Grinsen wurde ein wenig schief. Großartiger erster Eindruck, den der andere da gleich von ihm bekam. "Danke. Ich fühle mich bereits jetzt schon reichlich gar. Lohnt es sich, dass ich mich umdrehe, oder ist mein Zelt auf und davon?"

Der blonde Mann lachte, warm und in genau der richtigen Tonlage, um ein Prickeln in Markus' Magengrube hervorzurufen, während er bemerkte, dass die Augen des anderen in der Sonne mehr grün als braun wirkten. "Es steht noch, wirkt aber gerade eher wie ein Wasserschloss, wenn du mich fragst."

Mit einem Seufzen wandte Markus sich doch um, um sich die Bescherung mit eigenen Augen zu betrachten. Doch der Anblick des Zeltes ließ seine Laune ansteigen. Immerhin stand es noch, wenn sich auch eine riesige Pfütze darum gebildet hatte. Andererseits war es die einzige Stelle seines Stellplatzes, an der sich überhaupt noch Wasser befand. Markus stellte fest, dass er sich zielsicher den tiefsten Punkt ausgesucht hatte. Er erinnerte sich, dass Lars ihn davor gewarnt hatte, dass nur Anfänger das tun würden, doch in der Hitze gestern hatte er nicht einmal im Traum daran gedacht, dass ein derartiges Unwetter aufkommen könnte.

"Du campst zum ersten Mal, richtig?"

Die Feststellung ließ Markus ein wenig zusammenzucken, trotzdem nickte er, dankbar dafür, keinen Spott in der Stimme des anderen zu entdecken, und wandte sich um. Der andere Mann hatte sich auf dem Dach seines Autos abgestützt, lächelte ihn an und sah dabei einfach nur unverschämt gut aus. Als er ihm kurz zuzwinkerte, mehr zu erraten als wirklich zu sehen, spürte Markus das Kribbeln erneut. /Der flirtet mit mir! Das ist schon mal sicher!/

"Kann ich dich zu einem trockenen Frühstück einladen? Frisches Baguette, Kaffee und sogar ein luxuriöses Frühstücksei, wenn dir der Sinn danach steht. Wenn wir uns ein wenig Zeit mit dem Essen lassen, sollte das Wasser abgelaufen sein, und du kannst das Zelt umverlagern. Ich helfe dir auch, falls du Interesse daran hast."

Markus brauchte nicht lange, um sich zu entscheiden, während er sich im Stillen dazu gratulierte, ein solcher Anfänger zu sein. "Gerne. Aber gönn mir vorher eine Dusche, sonst bin ich kein ganzer Mensch."

Der blonde Mann lachte. "Klar, kein Problem. Bis dahin dürfte der Kaffee fertig sein. Bis gleich!"

Er wandte sich ab und ging mit ausgreifenden Schritten zu seinem Bus zurück, während Markus mit einem leicht abwesenden Grinsen zurückblieb und ihm hinterher starrte. Er konnte sich erst von dem Anblick der festen Waden und der kräftigen Schultern losreißen, als die Gefahr bestand, dass der andere sich umdrehte und ihn beim Starren ertappte.

Hastig beugte er sich in den Wagen, um in seinem Koffer nach dem Waschbeutel zu kramen und mit diesem, einem Handtuch und frischer Kleidung in Richtung der Sanitäranlagen zu verschwinden.


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by Meike "Pandorah" Ludwig