Sommersonne, Sonnenschein

4.

Der Seenebel hatte sich aufgelöst, als sie gegen Abend wieder auf dem Platz ankamen. Die Frage, ob sie erst essen oder erst duschen wollten, war rein rhetorisch, und so sammelten sie beide gleich darauf ihre Kulturbeutel und Handtücher zusammen, um gemeinsam zu den Sanitäranlagen zu laufen. Es war überraschend voll, voll genug, dass sie warten mussten.

"Wir könnten uns eine teilen", schlug Dirk mit einem Glitzern in den Augen vor, das kleine Explosionen durch Markus jagte. Der Gedanke an einen nackten, nassen Dirk tat sein Übriges, um ihn auf äußerst angenehme Art nervös werden zu lassen. Trotzdem schüttelte er lachend den Kopf und wies auf zwei eben freiwerdende Duschen.

"Ich glaube, das ist keine gute Idee. Aber du könntest mir anschließend den Rücken eincremen." Noch ehe der andere Mann etwas erwidern konnte, zwinkerte er ihm zu und verschwand hinter einer der grünen Türen. Das sonnige Grinsen in dem markanten Gesicht war ihm jedoch nicht entgangen.

Er brauchte länger als gewöhnlich, da er sich noch ausführlich die Zähne putzte und gründlich mit einem Handspiegel nassrasierte, um auf alles vorbereitet zu sein. Gleichzeitig überlegte er, ob er lieber einen rasierten oder einen unrasierten Dirk haben wollte. Einerseits fand er diesen Dreitagebart unwiderstehlich, andererseits waren die Stoppeln beim Küssen auf Dauer schmerzhaft. /Und er wird mich küssen. Kein Zweifel. Sobald wir irgendetwas zwischen uns und der Welt haben, wie zum Beispiel Zeltwände./ Der Gedanke ließ ihn leise aufseufzen und sich wünschen, dass er bereits zurück wäre. Dennoch war diese kribbelnde Vorfreude sehr angenehm, und er hoffte, dass Dirk es ebenso empfand.

Als er die Kabine endlich wieder verließ, stellte er fest, dass es nichts gebracht hätte, sich zu beeilen, denn zeitgleich mit ihm trat Dirk aus seiner Dusche. Auch er war frisch rasiert und roch zusätzlich aufregend nach einem wirklich guten, herbfrischen Aftershave. Zudem war er in seiner abgeschnittenen, schwarzen Jeans und dem engen, ebenfalls schwarzen T-Shirt einfach nur atemberaubend.

Für einen Moment blieben sie stehen, sahen sich an und lächelten grundlos, ehe sie in stillem Einvernehmen zu ihrem Platz zurückkehrten. Dirk brachte seine Sachen in den Bus, während Markus in das Zelt kroch und es sich im Schneidersitz vor seiner Tasche bequem machte, um nach der Bodylotion zu fahnden. Mit all dem Meerwasser und dem häufigen Duschen hatte er sie reichlich nötig.

Als er sich jedoch an das Knistern erinnerte, das auf der Heimfahrt zwischen ihnen geherrscht hatte, ohne dass etwas geschehen war, bezweifelte er ernsthaft, dass sie allzu viel Zeit mit Eincremen verbringen würden. Ein erwartungsvolles Lächeln huschte über sein Gesicht, als er die Plastikflasche hervorholte und neben das Bett stellte.

Im gleichen Moment kratzte es auch schon am Zelteingang. "Kann ich rein oder überrasche ich dich damit bei etwas Peinlichem?"

Markus lachte auf und drehte sich um, hielt die Stoffbahn beiseite, um Dirk ansehen zu können und gleich wieder ein wenig aufgeregt zu werden. "Würde dich das hindern?"

Mit einem Grinsen streifte Dirk die Schlappen von den Füßen und brachte beim Hereinkommen die Luftmatratze zum Schwanken. "Hm, du weißt doch, ich bin Kavalier. Von daher würde ich brav draußen warten. Aber als Kavalier vergesse ich natürlich nicht, dass du mich um etwas gebeten hast."

Wieder füllte das elektrisierende Prickeln die Luft, als sie sich erneut ansahen. /Gott, der Mann ist Erotik pur!/ Markus fühlte, wie ihn ein kleiner Schwindel erfasste, als er in seinen Augen versank. Er griff nach dem Saum seines Shirts, um es auszuziehen, wurde jedoch von Dirks kräftigen, warmen Händen aufgehalten, die sich auf seine legten.

"Lass mich dir helfen", sagte der andere Mann leise und ein wenig heiser. Ohne den Blick abzuwenden, schob er ihm das Oberteil hoch, strich dabei mit seinen ein wenig rauen Fingern langsam über die Seiten, jeden Muskel, jede einzelne Rippe ertastend. Ein heißer Schauer lief durch Markus, als er die Arme hob und ihm das Shirt über den Kopf gezogen wurde.

Doch Dirk ließ ihn sich nur umdrehen und kniete sich hinter ihn; kurz darauf spürte Markus die kühle Creme auf seinem Rücken, einen kleinen Moment später Dirks Hände. Es war atemberaubend und Folter zugleich, als der andere Mann in gleichmäßigen Bahnen über seine Schulterblätter massierte, zu seinen Schultern überging und anschließend nach unten wanderte, um am Hosenbund wieder umzukehren. Aber im Gegensatz zu dem Tag am Strand hörte er auch dann nicht auf, als die Creme schon längst eingezogen war. Stattdessen nahm er nach und begann gemächlich, über Markus' Oberarme zu streicheln.

Markus hatte die Augen geschlossen und überließ sich ihm einfach. Er wünschte, Dirk würde ihn weiter anfassen, an anderen Stellen, wollte sich zu ihm umdrehen, um ihn zu küssen, und es gleichzeitig jedoch so, wie es war, nicht beenden. Als Dirk sich näher zu ihm beugte und sein warmer Atem Markus' Nacken streifte, überzog eine Gänsehaut seinen Körper. Für einen winzigen Moment konnte er Dirks Lippen an seinem Hals, seinem Ohr fühlen, die Wärme seiner Brust nahe seinen Schultern.

"Nur den Rücken, Süßer? Ich glaube, du bist nirgends eingecremt."

Ein kleiner Laut entfleuchte Markus, als die dunkle Stimme ihn erbeben ließ und unzählige Explosionen durch seinen Körper schickte, die sich in seinem Bauch sammelten und von dort direkt in seinen Schoß jagten. Statt einer Antwort wandte er den Kopf, um sich unvermittelt in Dirks braungrünen Augen gefangen wiederzufinden, nur wenige Handbreit von dem verlockenden Mund entfernt.

Ohne weiter nachzudenken, ließ Markus sich nach hinten an Dirks Brust sinken und schlang einen Arm um den Hals des anderen Mannes. Er sah noch, wie Dirks Lider zudrifteten, als sich ihre Lippen fanden, dann schloss auch er die Augen. Ein Prickeln wie von Sekt floss durch ihn hindurch; gleichzeitig war es, als würde er verbrennen. Dirk schmeckte atemberaubend, und seine Zunge, die ihn fast augenblicklich zu erobern begann, war derart fordernd und geschickt, dass Markus kaum bemerkte, wie Dirks Hände von seinem Rücken aus nach vorne wanderten und seine Brust zu streicheln begannen.

Den Kuss weiter vertiefend drehte er sich in den Armen des anderen Mannes und zerrte dessen Shirt aus der Hose, um endlich selber die warme Haut spüren zu können. Sie lösten sich nur gerade lang genug voneinander, damit er es ihm über den Kopf ziehen konnte. Es war noch nicht richtig auf der Matratze gelandet, als Dirk bereits wieder mit einer Hand nach ihm griff, während das charakteristische Geräusch eines Reißverschlusses ertönte, als er mit der anderen den Eingang schloss, um alle Störungen so weit wie möglich zu verbannen.

Unwillkürlich musste Markus auf seinen Lippen grinsen und spürte prompt, wie sich auch der Mund des anderen Mannes zu einem Schmunzeln verzog. Mit der Zungenspitze zeichnete Dirk eine feuchte Spur zu seinem Ohr und knabberte sacht daran. "Ich habe es weiß Gott oft genug versucht. Und immer kam was dazwischen. Jetzt habe ich dich endlich in meinen Armen, jetzt will ich dich auch in aller Ruhe küssen dürfen. Nicht, dass irgendwelche Lieblingstiere ausgerechnet hier reinflüchten und ihre besorgten Besitzer ihnen folgen, um sie zurückzuholen oder ähnliches."

Markus legte den Kopf zur Seite, um ihm mehr Raum zu lassen, als Dirks Mund von seinem Ohr zum Hals wanderte. "Nur küssen, eh?" Grinsend spürte er, wie die Hände des anderen Mannes über seinen Hosenbund hinaus glitten und seinen Hintern umfassten.

Dirk festigte seinen Griff und zog ihn energisch näher an sich heran, was Markus ein kleines Aufstöhnen entlockte. Hastig biss er sich auf die Unterlippe und verfluchte schon jetzt die dünnen Zeltwände.

Mit einem leisen Lachen ließ Dirk sich auf die Matratze sinken, Markus mit sich ziehend, so dass dieser auf ihm zu liegen kam. "Nun, ich habe nicht gesagt, wo ich dich alles küssen möchte. Und deinen sexy Hintern hatte ich heute den gesamten Aufstieg direkt vor mir und durfte ihn nicht anfassen. Du hast keine Ahnung, was für eine Folter das war."

"Ah, und das ausgerechnet von dir? Immer dieses Glitzern in den Augen, das mir tausend Dinge verspricht, was alles sein könnte, aber dann..." Markus wurde unterbrochen, als Dirk seine Hüfte enger gegen ihn presste und er neben seinem eigenen Begehren spüren konnte, wie sehr auch der andere Mann erregt war. Unwillkürlich keuchte er auf.

"Ja?" Dirks Stimme war dunkler als gewöhnlich und derart erotisch, dass Markus sich bereits jetzt nackt fühlte. "Willst du etwa behaupten, ich würde Versprechen nicht halten? Das kann ich schlecht zulassen, nicht wahr, Süßer?"

"Exakt das denke ich auch." Ehe Dirk noch etwas darauf erwidern konnte, verschloss Markus ihm den Mund mit einem weiteren, hungrigen Kuss, während er sich gleichzeitig ein wenig aufrichtete, um mit den Händen zwischen sie gelangen zu können. Zu lange hatte er sich danach gesehnt, den anderen Mann endlich anfassen, jeden Zentimeter dieses wundervollen Körpers erkunden zu dürfen.

Er fühlte sich genauso traumhaft an, wie er es sich vorgestellt hatte, wenn nicht sogar noch besser, da er real war. Real unter ihm, real in seiner Wärme, real mit der leichten Brustbehaarung, durch die Markus kraulte. Real auch die kleinen, harten Brustwarzen, denen er nicht widerstehen konnte, nachdem er sie erst einmal für sich entdeckt hatte und seinen Händen mit den Lippen folgte.

Der kleine, kehlige Laut, den Dirk von sich gab, als er sie abwechselnd mit Zähnen und Zunge zu liebkosen begann, ging ihm durch und durch und machte ihm bewusst, dass seine Jeans viel zu eng war. Doch noch ehe es wirklich unangenehm werden konnte, spürte er bereits Dirks Hand, die seinen Bauch hinabtastete, seinen Hosenbund fand und den Knopf öffnete, um ihn zu befreien.

Nur zu gern gab Markus den Gefallen zurück, ließ dann seine Finger in die Hose des anderen Mannes gleiten, um die deutliche Erektion langsam zu streicheln. Dirks Atem beschleunigte sich hörbar, was Markus dazu brachte, mit halb geschlossenen Augen zu seinem Gesicht empor zu sehen. Feine Schweißtröpfchen bedeckten die markanten Züge und glänzten im durch die Zeltwände gefilterten Sonnenlicht. Dirks Wangen waren von der Lust und vielleicht auch von der Anstrengung, ruhig zu sein, gerötet. Die verführerischen Lippen standen halb offen. Markus konnte nicht anders, als zu ihnen zurückzukehren und den Mund erneut einzunehmen.

Die offensichtlich willkommene Gelegenheit beim Schopf ergreifend, schloss Dirk Markus fest in die Arme und rollte sich auf ihn. Mit beiden Händen strich er kräftig über seine Seiten hinab, fuhr mit gespreizten Fingern über seine Brust, als er sich von ihm löste, um weiter nach unten reichen zu können. Während er mit der Zunge jede Stelle von Markus' Bauch erforschte, zog er ihm die Hose von den Hüften, um sich dann mit Lippen und Zähnen durch die Shorts hindurch seinem Schoß zu widmen und gleichzeitig die Innenseiten seiner Schenkel zu streicheln.

Markus krallte die Finger in den Schlafsack unter sich und kämpfte um seine Selbstbeherrschung, um nicht einfach laut aufzustöhnen. /Shit! Shit, Shit, Shit, Shit! Wie soll das nur erst werden, wenn... Gott! Er ist gut!/ Und das, wo er sogar noch die Shorts trug. Allerdings währte das nicht mehr allzu lange, denn Dirk entledigte ihn nach wenigen Augenblicken eben derselben, ehe er auch sich rasch komplett auszog, um sich erneut Markus' Erektion zu zuwenden.

"Du machst mich verrückt", flüsterte er rau und küsste die Spitze. "Und du schmeckst einfach atemberaubend."

Markus stöhnte erstickt auf, als sich Dirks warmer Mund um ihn schloss, und der andere Mann ihn mit wahrhaft teuflischem Geschick zu verwöhnen begann, während er gleichzeitig die Hände unter Markus' Po schob, um ihn zu massieren und zu streicheln. Eine Weile ließ Markus es sich gefallen, an den Rand des Wahnsinns getrieben zu werden, auch wenn er sein Kissen zu sich heranzog, um hineinzubeißen, damit er nicht zu laut wurde. Doch langsam merkte er, wie er sich unaufhaltsam der Grenze näherte. Die Hände in Dirks Haare vergrabend versuchte er, ihn irgendwie abzuwehren und das lustvolle Spiel zu beenden. "Oh Gott... hör auf!"

Mit einem Grinsen ließ Dirk von ihm ab und schob sich an ihm empor, um seinen Schoß gegen Markus' Oberschenkel zu pressen und sich an ihm zu reiben. "Willst du das wirklich?"

Allein das Begehren des anderen Mannes zu spüren, hätte Markus fast kommen lassen. Keuchend kämpfte er gegen die Welle der Gefühle an und hätte sich dann doch beinah vergessen, als er spürte, wie sich eine von Dirks Händen zwischen seine Beine schleichen wollte. Hastig fing er erst diese, gleich darauf auch die andere ab, um sich auf ihn zu rollen und ihn damit an weiteren Aktionen zu hindern, während er Dirks Handgelenke über dessen Kopf auf die nachgiebige Luftmatratze presste. "Glaub mir, bei deinem Talent halte ich keine Minute mehr durch."

Dirk brauchte nur Sekunden, um sich, eingecremt und verschwitzt wie er war, aus seinem Griff zu befreien. Er umfing Markus' Schultern und zog ihn hungrig zu sich herunter. "Und wäre das so schlimm?", nuschelte er zwischen Küssen.

"Ich... will dich... noch länger genießen...", antwortete Markus ebenso undeutlich, auch wenn er das dumpfe Gefühl hatte, dass ihm exakt das nicht mehr allzu lange vergönnt war.

Dirk löste sich von seinen Lippen, um ihn anzusehen, die braungrünen Augen dunkel vor Begehren. "Nur länger... oder auch inniger?"

Die Frage ließ ein wahres Feuerwerk in Markus' Bauch explodieren, und er konnte nicht anders, als Dirk erneut zu küssen. "Auch inniger", flüsterte er.

Er spürte, wie Dirk nach etwas tastete, sich dann mit einem leisen Ächzen von ihm trennte und sich halb aufrichtete. Nur einen Moment später hatte er seine Hose herangezogen und holte ein kleines, rotes Cellophantütchen aus der Tasche. Doch anstatt es zu öffnen, drehte er es nur zwischen den Fingerspitzen und betrachtete es für einen Moment, ehe er sich vorbeugte und Markus auf den Hals küsste. "Schlaf mit mir..."

Die Bitte überraschte Markus, er hatte ziemlich sicher damit gerechnet, dass Dirk es andersherum vorziehen würde. Doch der Gedanke, den anderen Mann besitzen zu dürfen, ließ ihn innerlich vor Freude jubilieren. "Gott, du bist einfach wundervoll!"

Leise lachend riss Dirk das Tütchen auf und holte vorsichtig das Kondom heraus, um es Markus überzustreifen, was diesem neue Schauer der Erregung über den Rücken schickte. "Nicht immer. Aber gerade jetzt will ich dich einfach nur spüren. Und Süßer," er zwinkerte ihm zu, "sei nicht zu zaghaft. Es ist definitiv nicht mein erstes Mal."

Markus grinste und biss ihn dafür in die Schulter, ehe er Dirk zurück- und wieder auf die Matratze drängte. Er glitt zwischen seine Beine und schob sie höher und weiter auseinander, gleichermaßen den Anblick wie auch das Vertrauen genießend, das ihm der andere Mann entgegen brachte. Während er ihn aufmerksam ansah, um jedes Anzeichen von Unbehagen oder gar Schmerz sofort zu entdecken, drang er vorsichtig in ihn ein. Es ging leichter als erwartet, und er konnte nur Leidenschaft in Dirks Gesicht erkennen. Für einen Moment hielt er inne, um nicht gleich die Beherrschung zu verlieren, zu dicht befand er sich bereits davor. Stattdessen umfing er Dirks Erektion mit einer Hand, um ihn zu streicheln.

Es brauchte nicht allzu lange, bis Dirk sich unter ihm zu winden begann. Keuchend schnappte er nach Luft, seine Hände öffneten und schlossen sich im Rhythmus von Markus' Liebkosungen, und der glitzernde Schweiß auf seiner Haut ließ ihn noch verführerischer, noch begehrenswerter erscheinen. Markus gab auf. Erst langsam, dann immer schneller bewegte er sich in ihm, bis die Welt um ihn verschwamm und der einzige Fokus Dirks Augen waren, bis endlich auch dieser in einen Wirbel an Grünbraun, Gold und Licht gesogen wurde.

Um Atem ringend sank er schließlich auf Dirk zusammen, und die Feuchtigkeit zwischen ihnen ließ ihn spüren, dass der andere ebenfalls gekommen war. Eine Weile rührten sie sich beide nicht, und Markus genoss das träge Gefühl, noch immer in ihm zu sein, den schnellen Herzschlag zu hören, genoss die Wärme und den Atem auf seiner Haut. Doch bald zog er sich aus ihm zurück und entledigte sich rasch des Kondoms, ehe er sich wieder an ihn schmiegte.

Dirk legte einen Arm um ihn, drückte ihn an sich und bedeckte sein Gesicht, seinen Hals, seine Schultern mit hauchzarten Küssen. Sacht strich er ihm die feuchten Haare aus der Stirn und lächelte. "Das war grandios... Du bist grandios, Liebling." Mit einem Finger fuhr er ihm die Nase nach, strich ihm über die Lippen und beugte sich vor, um ihn erneut kurz zu küssen.

Erschöpft erwiderte Markus das Lächeln, während er mit einer Hand mit den kurzen Haaren in Dirks Nacken spielte. "Aber das nächste Mal nehmen wir deinen Wagen, fahren irgendwo in die Pampa und machen es da. Noch einmal hier und ich ersticke."

Dirk lachte auf. "Na, das will ich mit Sicherheit nicht riskieren." Sacht knabberte er an Markus' Unterlippe, ehe er leise zugab "Ich kann ja nicht das Leben des Mannes gefährden, in den ich mich so heftig verliebt habe, dass ich meine komplette Urlaubsplanung über den Haufen geworfen habe."

"Was?!" Abrupt hob Markus den Kopf und sah auf ihn herunter. "Du hast was?"

Dirk wurde von einem erneuten Lachen geschüttelt; zart strich er ihm mit einem Finger über die Lippen. "Ich hatte vor, quer durch Frankreich zu fahren, Süßer. Aber dann bist du mir über den Weg gelaufen, hast mich mit deinen Kohleaugen angesehen, und das war es gewesen. Ich konnte einfach nicht mehr weg von hier. Von dir."

Eine Weile sah Markus ihn einfach nur an, konnte fast nicht glauben, was Dirk ihm eben gesagt hatte. Doch mit einem Mal war ihm, als würde eine andere Art von Sonne aufgehen, eine, die ihn von Innen heraus erwärmte und ihn einfach nur glücklich sein ließ.

"Spinner", flüsterte er zärtlich. "Mein Gott, was bist du für ein Spinner. Und ich bin so froh darüber. Ich liebe dich."

 

Es wurde mit Abstand der schönste Urlaub, den Markus je erlebt hatte. Sie blieben noch eine Woche, dann kündigten sie vorzeitig auf, was nicht wirklich ein Problem war, da es genügend Nachfragen nach Stellflächen gab, brachten Markus' Wagen auf einem bewachten Parkplatz unter und gondelten mit dem VW-Bus durch Südfrankreich und Spanien. Markus bekam zu sehen, warum der Aufbau den ersten Abend verschlossen gewesen war, denn neben einigen verstreuten Schwulenzeitschriften lachte ihm von der Decke aus ein eindeutiges Poster von einem Männerpaar entgegen.

Sie planten eine gemeinsame Zukunft, wenn sie aneinander geschmiegt an Stränden saßen und zum Sternenhimmel empor sahen. Sie stritten sich ab und an, nur um sich danach um so leidenschaftlicher wieder zu vertragen. Sie liebten sich an den unmöglichsten Stellen, liefen Arm in Arm durch atemberaubende, einsame Landschaften und händchenhaltend durch überfüllte Fußgängerzonen, ohne sich um die Blicke zu kümmern, da sie ohnehin nie lange blieben.

Doch schließlich neigte sich der Urlaub seinem Ende zu. Markus' Auto wurde abgeholt, auch wenn sie beide keine Lust hatten, getrennt nach Hause zu fahren. Dirk war sogar verrückt genug, sich im nächsten Bahnhof nach der Möglichkeit zu erkundigen, was eine einfache Fahrt dafür kosten würde. Den Gedanken vergaßen sie jedoch bei dem Preis ganz schnell wieder. Es endete damit, dass Dirk, der den langsameren Wagen hatte, vorweg fuhr und Markus ihm folgte, so dass sie wenigstens beim Rasten und in der Nacht zusammen waren.

Der einzige Vorteil, den Markus an dieser Situation entdecken konnte, war der, dass er ungestraft seine eigene Musik hören konnte, während er dem graublauen Bus folgte, ein verträumtes Lächeln auf den Lippen. Sie waren noch keine Stunde unterwegs und hatten eben die Autobahn erreicht, als Markus' Handy klingelte. Hastig schaltete er die Musik aus und die Freisprechanlage ein. "Ja?"

"Hallo, Süßer." Trotz der leichten Verzerrung durch den Lautsprecher konnte Markus das Grinsen in Dirks dunkler Stimme deutlich heraushören, und es bewirkte, dass sich sein Lächeln noch vertiefte. "Meinst du nicht, dass es bald Zeit für eine Rast ist? Ich vermisse dich."

"Ich dich auch, Liebling." Und mit einem Mal wusste Markus, dass der Traum von einer gemeinsamen Wohnung mit einem Mann, seinem Mann bald keiner mehr sein würde.


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by Meike "Pandorah" Ludwig
~ Ende ~