Sonntag 2.2

4.

Fayes Augen weiteten sich ein wenig; er schlang die Arme um den kleinen Mann und drückte ihn fest an sich. Immerhin war es nicht er, der ihn zum Weinen gebracht hatte, doch das half nicht viel in dem Moment. "Aber... wieso? Die Station läuft doch wunderbar, sie wird besser laufen, wenn noch mehr Leute hier sind. Wenn du nicht weg willst, können wir das bestimmt verhindern, Arlin. Du hast so viel vorzuweisen hier! Das können sie nicht einfach ignorieren. Und ich, ich bin ja auch da."

Sachte küsste er ihn zwischen die beiden traurig hängenden Katzenohren, dann brachte er Arlin dazu, ihn anzuschauen. "Sie können jetzt ohnehin einen Monat lang nichts tun. Schau, das reicht bestimmt, um den Sonnenritter davon zu überzeugen, dass du großartige Arbeit geleistet hast. Arbeit, die sie nicht einfach so auflösen können, indem sie dich wegholen." Aufmunternd lächelte er und küsste ihn dann noch einmal, dieses Mal auf die kleine Nasenspitze, während er ihm mit dem Daumen die Tränen von den Wangen zu tupfen versuchte.

Arlin wurde warm, er blickte in Fayes schönes Gesicht hoch und biss sich auf die Lippen. Rasch nahm er die Brille ab und legte sich fort, bevor er sich über die Augen wischte. "Ja. Du hast vermutlich Recht, Faye. Entschuldige, dass ich so dumm war." Blinzelnd sah er zu ihm auf. "Hilfst du mir, dass alles hier schön wird? Bei dem Essen heute Abend fangen wir an und bei der Einrichtung für das Gästezimmer. Gleich morgen werde ich nach der Arbeit dort Bilder aufhängen!"

Faye lachte leise und erleichtert über Arlins neu erwachten Eifer. Er würde ihm helfen, auf jeden Fall, auch wenn er nicht wusste, was daraus werden sollte. Was würde geschehen, wenn Arlin zwar bleiben konnte, aber er selber weiter musste, weil sie ihn entdeckt hatten? 'Vielleicht finden sie mich hier nicht. Gar nicht. Niemals.' Nie hatte er etwas derart innig gehofft, und die Stärke dieses Gefühls war überraschend.

 

Sa'ini hatte einen Großteil seiner Sachen in einer Kommode verstaut, die Arlin ihnen aus seinem persönlichen Bestand an Möbeln freigeräumt und die sie ins Arbeitszimmer getragen hatten. Noch immer beschäftigte ihn der Gedanke daran, dass der Katzenmann nicht allzu glücklich gewirkt hatte, als Bastien mit dem Bett zurück kam. Gemeinsam rückten sie es zurecht, und erst in dem Moment fiel Sa'ini auf, dass es nur eines war.

"Ich hoffe, es stört dich nicht." Er wies mit einer kleinen Geste auf die breite Matratze, dann grinste er ein wenig. "Ich schnarche auch nicht, ehrlich."

Bastien nickte leicht und zog seine Jacke und den Rollkragenpullover aus. "Ich werde mich in der Wohnung umsehen." Sich streckend zog er sein leichtes, schwarzes Hemd zurecht.

Er wurde von dem kleinen Katzenmann unterbrochen, der in den Raum gelaufen kam. "Ich habe schon die Suppe auf den Herd gesetzt, aber wollte das Bett eben noch beziehen."

Bastien lächelte leicht und fragte nach dem Bad. Leise ging er in die gewiesene Richtung durch und hielt Ausschau nach einem weiteren Schlafzimmer. 'Im Schlaf. Meine beste Chance, ihn zu erledigen, habe ich im Schlaf.' Zu seinem Ärger musste er sehen, dass Faye sehr offensichtlich der Lebensgefährte des Katzenmannes war, sie teilten ein Bett.

 

Arlin zog die schwere dunkelrote Bettwäsche auf die weichen Winterbetten auf und beobachtete wie Sa'ini ihm die Bewegungen nachahmte. Offensichtlich war der Kemjasheri'i diese Art Bettzeug nicht gewohnt. "Wie lange bist du schon bei den Sonnenrittern, Sa?"

Sa'ini legte das fertig bezogene, flauschige Kissen auf das Bett zurück und sah zu Arlin hin, der ihn über seine Brille hinweg kurzsichtig anblinzelte, während er eine Decke glatt zog. "Dreizehn Jahre immerhin." Er lächelte leicht und strich sich mit beiden Händen die Haare hinter die Schultern zurück, um sie aus dem Weg zu haben. "Du bist länger hier, oder?"

"Zweiundzwanzig Jahre werden es bald. Ich bin im Frühling angekommen damals." Arlin lachte auf. "Naiv und dumm und der festen Überzeugung, dass ich sehr bald von einem Sonnenritterclan umgeben sein würde." Er wandte sich halb von Sa'ini ab, um das letzte Kissen aufzunehmen. "Du bist der erste von ihnen, der mich hier besucht."

Sa'inis Augen weiteten sich. So lange sollte der Orden den Katzenmann vergessen haben? Und dennoch schwang nur wenig Bitterkeit in der weichen Stimme mit; es war eher Traurigkeit, die ihr den dunklen Ton verlieh. "Du hast zweiundzwanzig Jahre lang allein hier gelebt, die Station aufgebaut und am Leben erhalten?" Er zögerte unsicher, dann fragte er "Aber du hattest andere Gesellschaft jenseits der Sonnenritter, wie Faye, oder?" Trotzdem konnte er sich nur schwer vorstellen, dass sich über so lange Zeit hinweg nie ein Ordenshaus zuständig gefühlt haben sollte.

Arlin schüttelte den Kopf. "Nach einigen Jahren habe ich diesen Brief verfasst und um Gesellschaft gebeten. Ich... weiß, dass ihr Sonnenritter es nicht mögt, aber ich war von meinem vorhergehenden Leben männliche Gesellschaft gewöhnt und habe mich deswegen sehr gefreut, als ich Faye geschickt bekam. Er ist wundervoll. Leider erst seit zwei Tagen hier."

Sa'ini schwieg eine ganze Weile, als er über die Worte nachdachte. "Es tut mir leid", sagte er schließlich und sah Arlin an, die Augen dunkler als zuvor. "Ich weiß von keinem Brief, den du an mein Ordenshaus geschickt hast, aber das sagt nicht viel. Dennoch möchte ich mich dafür entschuldigen, dass du so lange allein bleiben musstest. Ebenso dafür, dass ich dir meinen Auftrag derart unerwartet mitgeteilt habe, ohne jedes Feingefühl. Ich dachte, die Hohepriester hätten dich informiert. Lass uns sitzen, dann werde ich es genauer erklären, wenn du möchtest."

Arlin nickte erst, dann meinte er jedoch. "Ich bin schon hungrig und muss noch die letzten Schotts schließen. Lass uns beim Essen reden. Oder... sollen Faye und Bastien es nicht mithören?"

"Bastien geht es nichts an, er ist nur durch Zufall hier. Ich wollte ihn zum nächsten Raumhafen mitnehmen, jedoch sitzen wir nun hier fest. Faye kann gerne dabei sein, auch wenn es mich wundert, dass dir ein Haus einen Gefährten schicken sollte. Noch dazu, wenn gleichzeitig das Haus, das für diese Station verantwortlich ist, beschließt, diese aufzulösen." Sa'ini runzelte ein wenig die Stirn, ehe er laut überlegte "Zudem sieht er nicht aus wie ein Sonnenritter. Andererseits... du auch nicht." Er musste lachen. "Aber wir können nach dem Essen reden, wenn dir das lieber ist. Ich will dich nicht von den notwendigen Arbeiten abhalten."

 

Bastien fand nach einem kleinen eigenmächtigen Rundgang durch die Wohnung in die Küche, wo der rot-weiße Katzenmann damit beschäftigt war, frische Kräuter über die bereits vorbereiteten Teller mit dampfender Kürbissuppe zu streuen. Der Tisch war festlich gedeckt mit einer Tischdecke, auf die Kürbisse gestickt worden waren und dazu passendem Geschirr.

Arlin fing einen Blick des schweigsamen Mannes auf und beeilte sich, die Teller mit der Suppe auf den Tisch zu setzen, bevor er fragte, was er zu trinken anbieten könne. "Meine Weine sind seit ein-zwei Jahren trinkbar, hierzu würde schon ein roter passen, oder?"

Bastien lächelte und nickte leicht. Er nahm es Arlin ab, den Rest der Suppe, den er im ausgehöhlten Kürbis angerichtet hatte, auf den Tisch zu bringen. Gemütlich seufzend ließ er sich am Tisch nieder, echtes Holz, gewissenhaft lackiert und bearbeitet. Als der Katzenmann eine bauchige Karaffe mit violettem Wein vor ihn stellte und sich dann daran machte, aus den Schränken Wein- und Wassergläser zu holen, stellte Bastien für sich fest, dass es sehr angenehm werden würde, auf eine Gelegenheit zu warten, um den Androiden zu liquidieren.

Kaum dachte er an Faye, als dieser auch schon die Küche betrat. Weiße Haare leuchteten kurz im Licht der Kerzen auf, die Arlin entzündete. Die grünen Augen suchten den Tisch ab, wohl um zu sehen, ob etwas fehlte, dann ließ der Androide sich Bastien gegenüber nieder.

Der Kemjasheri'i war der letzte, der den Raum betrat, der kleine Mann hatte sich offensichtlich noch ein wenig in dem luxuriösen Bad aufgehalten, seine prachtvollen Haare schimmerten wieder wie die Abendsonnen auf Jume. Bastien rückte ihm den Stuhl zurecht und hob fragend die Weinkarraffe an.

"Danke. Gerne." Sa'ini nickte mit einem Lächeln, das hauptsächlich der freundlichen Geste seines Fahrgastes galt. Bastien war grundsätzlich so nett und zurückhaltend, dabei gleichzeitig oft sehr zuvorkommend. Sa'ini mochte seine Art; sie ließ ihn sich besonders fühlen. Andere Männer verhielten sich selten auf diese Weise ihm gegenüber. Aber sowohl seine Herkunft wie auch seine jetzige Glaubensangehörigkeit waren nicht dafür bekannt, Homosexualität gegenüber offen zu sein.

Sein Blick glitt einmal über den Tisch. Schön hatte Arlin das Essen gerichtet, wie überhaupt seine ganze Wohnung gemütlich und heimelig war. Sa'ini hatte sich gleich wohl gefühlt, als er sie betreten hatte. Ein wenig beneidete er den hübschen Katzenmann darum, denn er selber hatte nicht wirklich einen Ort, an den er heimkehren konnte. Natürlich gab es den Haupttempel, aber er sah seine kleine Wohnung dort derart selten, dass er sich eher in seinem Schiffchen heimisch fühlte. 'Es ist wirklich kein Wunder, dass Arlin nicht mit Begeisterung reagiert hat. Hier ist er daheim, seit zweiundzwanzig Jahren. Und wieso hat man ihn nicht vorher von meinem Kommen benachrichtigt? Hat man das auch vergessen, wie man ihn vergessen hat? Das ist unmöglich, so etwas dürfte nicht passieren.'

Arlin beobachtete den schönen Kemjasheri'i mehr oder weniger zurückhaltend, während sie schweigend aßen. Bastien schien ohnehin stets zu schweigen, und auch Arlin selber war nicht nach Reden zumute. Still beobachtete er seine Gäste und versuchte sich daran zu gewöhnen, dass sie da waren, dass er nicht einfach aufstehen, seinen Teller in den Abwasch geben und zu Bett gehen konnte. Mit einem Mal fiel ihm auf, wie sehr er sich an die Einsamkeit und die Freiheiten darin gewöhnt hatte.

Er stellte seine Ohren auf und setzte sich gerade, bevor er von Sa'ini und Bastien gleichermaßen verlangte "Erzählt etwas vom Leben da draußen, habe ich etwas verpasst?"

"Nicht wirklich." Sa'ini lachte leise und schüttelte den Kopf, was seine Haare zum Schimmern brachte und sie wie flüssiges Feuer wirken ließ. Neugierig sah Faye zu dem Kemjasheri'i hin, wobei ihm auffiel, dass dessen gelborangefarbene Augen die Schattierung wechselten; sie wurden heller und dunkler und schienen sich damit seiner Stimmung anzupassen.

Während der zierliche Mann von Kriegen in fernen Galaxien, Handelsabschlüssen in ebenso fernen Sonnensystemen und Änderungen und Neuigkeiten bei den Sonnenrittern erzählte, wanderte Fayes Aufmerksamkeit weiter zu Bastien, der genauso wenig wie er hierher gehörte.

Es überraschte ihn, den dunklen Blick des anderen Mannes zu treffen; er lächelte, fühlte sich ihm ein wenig verbunden in ihrer beiderseitigen Fremdheit, dann wandte er sich wieder Arlin zu, der neue Fragen stellte und so aufgeregt war. Verträumt beobachtete Faye seine Lebhaftigkeit, wie er ein wenig fahrig seine Brille zurechtrückte und dann über einen Scherz lachte. Dass der Katzenmann mit ihm zusammen sein wollte, ohne dass man ihm das aufgetragen hatte, um ihm etwas beizubringen oder ihn zu testen, fand Faye bemerkenswert und machte ihn kribbelig und glücklich. 'Ob er das immer noch will, wenn er die ganze Wahrheit weiß?'

Arlin amüsierte sich prächtig. Er trank weit mehr von dem Wein, als er gewohnt war, und so glitt seine Unterhaltung, an der die beiden anderen Männer sich kaum noch beteiligten, nach und nach zu weit persönlicheren Themen ab. Bevor er sich versah, war Arlin dabei, Sa'ini auf einem Rundgang durch seinen kleinen Garten und die anderen Zimmer der geräumigen Wohnung von seinen vorhergehenden Besitzern zu erzählen.

Seinen Aufenthalt als Glückskatze in dem Bordell ließ er fort, das war ihm zu peinlich, aber in der Unterhaltung konnte er sich an die alte Dame erinnern, der er einige Jahre lang Gesellschafter gewesen war, und die ihm immer wieder jemanden zu seiner Gesellschaft bestellt hatte. Seufzend sah Arlin hinauf gegen den mattgrauen Kälteschild über seinem Garten und senkte den Blick dann auf das Weinglas, das er bereits geleert noch in den Händen hielt. "Darum bin ich so froh, diese Station zu haben. Ich gehöre niemandem hier, sondern es gehört mir. Na ja. Fast zumindest. Und seit Faye hier ist, bin ich nicht allein." Plädierend sah er Sa'ini in das Gesicht. "Verstehst du?"

Sa'ini nickte langsam und lächelte ein wenig beim Anblick der vom Alkohol geröteten Wangen, die in dem hellen Gesicht des anderen Mannes um so mehr auffielen. "Sehr gut. Und dann komme ich daher und will dich ohne Vorwarnung fortholen. Ich möchte mich noch einmal entschuldigen, dass ich dich damit so überfallen habe. Sobald wir wieder Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen können, werde ich mich mit dem Haupttempel in Verbindung setzen und nachfragen, was nun eigentlich für Sonntag 2.2 geplant ist. Warum sollten sie dir einen Gefährten schicken, wenn die Station geschlossen wird?"

Kurz legte er Arlin eine Hand auf die Schulter und sah ihm in die Augen. "Zeig sie mir, gib mir Daten, gib mir Fakten. Wenn es gut aussieht, kann ich vielleicht meinen Lehrmeister überzeugen, dass sie es wert ist, nicht geschlossen zu werden. Er hat einigen Einfluss und wird dir bestimmt helfen können."

Arlin sah dem anderen von der Seite her ins Gesicht und erwiderte seine Freundlichkeit mit einem kleinen Lächeln, nach dem ihm nicht wirklich war. Schließlich fragte er leise "Und was ist mit meinem Besitz? Seit über zehn Jahren bekomme ich keinerlei Unterstützung mehr durch die Sonnenritter, all das hier wird durch die Verkäufe finanziert. Das Gemüse und Obst, die Eier und der Käse, die Weine. Alles, was ich produziere, und natürlich der Verkauf der Energiezellen erhalten mich am Leben."

Sa'ini rieb sich über den Nasenrücken und schaute über die für den Winter hergerichteten Beete. "Du weißt doch, dass der Besitz eines Sonnenritters der Besitz des ganzen Ordens ist. Mein kleiner Transporter ist auch nicht wirklich meiner. Ich nehme an, sie wollen später größere Schiffe schicken und alles abbauen, was noch zu gebrauchen ist." Es war wirklich das, was er dachte, aber für Arlin, der an diesem Ort zu Hause war, musste es furchtbar klingen. "Du hast gesagt, du müsstest im Winter Energie sparen. Bis vor wenigen Tagen warst du jedoch allein hier. Ist die Station überhaupt in der Lage, im Wintermonat mehr als eine Person zu versorgen?"

Hastig wandte Arlin sich von dem Kemjasheri'i ab, der so kühl über seine Welt entschied. "Ja", brachte er gepresst hervor. "Natürlich. Es ist für über gut hundert Lebewesen ausgelegt, als erstes würde der tropische Oktaeder abgekoppelt werden und eingehen." Die Tränen der Enttäuschung ließen sich nicht mehr zurückhalten. "Entschuldige mich, ich..." Blind lief Arlin aus dem Garten, durch die Küche und den Wohnraum, in dem die beiden anderen saßen, zu seinem Schlafzimmer hin, dessen Tür er hinter sich schloss, bevor er sich weinend auf das Bett warf.

Faye hatte sich ein Buch genommen und eher uninteressiert darin geblättert; lieber wäre er bei Arlin gewesen und vorzugsweise mit ihm allein. Er spürte ein unbekanntes Gefühl in sich, wie Verärgerung, aber stechender, weil Arlin mit dem Kemjasheri'i allein losgegangen war und ihn nicht beachtete. Doch es war vergessen, als der kleine Katzenmann mit nassen Wangen an ihm und dem schweigsamen Gast vorbei rannte.

Er warf das Buch auf den Tisch neben dem Sessel, sprang auf und folgte ihm, noch ehe er darüber nachdenken konnte. Ihn so aufgelöst zu sehen, machte Faye gleichzeitig wütend und besorgt. Diesem Kemjasheri'i war es schon wieder gelungen, Arlin zum Weinen zu bringen! Was hatte er ihm dieses Mal gesagt? Konnte er nicht ein wenig feinfühliger sein? Selbst ihm gelang das einigermaßen. Leise öffnete er die Tür und betrat das Schlafzimmer, wo Arlin zusammen gerollt und schluchzend auf dem viel zu großen Bett lag. Sogar sein Schwanz war wie zum Schutz um ihn gewickelt.

"Arlin?" Faye setzte sich zu ihm und streichelte ihm vorsichtig über den Kopf und die bebenden Schultern. "Was hat der kleine Trampel gesagt? Komm, wein doch nicht..."

Arlin schmiegte sich an Faye und antwortete erst, als er sich einigermaßen beruhigt hatte. "Es ist nicht seine Schuld, ich fühle mich nur so... ungerecht behandelt. All die Arbeit! All die Jahre allein, niemand wollte mir helfen, oder bei mir sein. Und jetzt? Jetzt schicken sie einen einzelnen Mann vorbei, um mir zu sagen, dass alles wieder vernichtet werden soll, das ich habe wachsen sehen können!" Seine Stimme kippelte hysterisch und er hob erschrocken eine Hand vor den Mund. Nach einigen Momenten flüsterte er, sich enger an Faye drängend "Ich weiß, ich weiß, ich habe überhaupt kein Recht, nichts von dem hier gehört mir, nicht einmal ich selber gehöre mir!"

Zornig schloss Faye seine Arme fest um Arlin und drückte ihn an sich. "Sag so etwas nicht", murmelte er trotz der Wut in seinem Bauch leise. "Natürlich gehörst du dir und hast jedes Recht. Nur weil irgendjemand behauptet, das sei anders, bist du doch nicht schlechter oder gefühlloser als jedes denkende, fühlende Wesen des Universums. Dein sogenannter Besitzer hat sich nicht um dich gekümmert; es ist ihm egal, was du tust, also kannst du tun, was du willst."

Faye lockerte seinen Griff wieder und begann, langsam und beruhigend Arlins Rücken und die Schultern zu streicheln. "Und nur, weil sie meinen, die Station sei tot, können sie das alles nicht zerstören. Wir haben nun einen waschechten Sonnenritter hier, direkt greifbar und nicht hinter irgendwelchen Kommunikatoren versteckt. Dem können wir das klarmachen, und das werden wir. Wir haben erst angefangen. Mach dir keine Sorgen, das schaffen wir."

Arlin nickte leicht und umarmte Faye seinerseits einmal fester. Mit einem Mal fühlte er sich dem noch vor zwei Tagen vollkommen unbekannten Mann sehr eng verbunden. "Danke, Faye. Ich freue mich so sehr, dass du hierher gekommen bist. Vielleicht bist du mein Schutzengel, der mich davor bewahren soll, nur Dummheiten zu tun." Er zögerte und ließ seine Hände am Hemdkragen entlang zurückstreichen. "Obwohl, manchmal sind Dummheiten ja auch gar nicht so schlecht, oder?"

Fragend sah er Faye in die aufregenden Augen und hielt den Blick, obwohl sein Herzschlag sich rapide beschleunigte. "Manchmal nicht." Vielleicht die Dummheit zum Beispiel, sich als jemand auszugeben, von dem man gar nichts wusste. Faye lächelte, während sein Zorn in den Hintergrund rückte. Arlin ließ ihn auf eine Art kribbelig werden, die er einerseits kannte und die ihm doch fremd war. Zu Vorfreude und langsam einsetzendem Wünschen und Begehren gesellte sich etwas anderes dazu, etwas, das er nicht definieren konnte, aber das alles noch viel intensiver machte. Es war ein Sehnen und Wollen, das sich auf Arlin bezog und nicht nur auf das Drängen seines konstruierten Körpers.

"Du... bist so wundervoll", flüsterte er und strich mit den Fingerspitzen über die Lippen, die ihn das erste Mal begreifen ließen, wie man einen Mund mit einer knospenden Blüte vergleichen konnte. Arlins Mund war klein und süß, und wenn er sich öffnete und die rosige Zungenspitze sich zeigte, war er wirklich wie eine Knospe. Faye beugte sich vor und küsste ihn beinahe ehrfürchtig.

Seufzend schmolz Arlin dahin, vergaß seine Trauer, seine Umwelt, die Gäste. Er ließ alles hinter sich, während er erlaubte, dass Faye sich mit ihm auf das Bett zurück legte, dass sie begannen sich zu küssen, wie er es sich in all den Jahren gewünscht hatte. Nicht freundlich, wie einige der Kaufleute oder Piloten ihn begrüßten und auch nicht gierig, wie er schon das eine oder andere Mal berührt worden war, sondern zärtlich und liebevoll.

Zeitlos genoss er Fayes behutsamen Berührungen, fast fühlten sie sich bewundernd an, als ob der Mann befürchtete, dass Arlin so zerbrechlich wie klein war. Um ihm das Gegenteil zu beweisen, nippte er ihn geschickt einmal mit den Zähnchen am Ohrläppchen. Irritiert stellte er fest, dass er keinerlei Blut schmecken konnte, aber vergaß den Gedanken genauso schnell, wie er gekommen war.

Faye fühlte sich schon jetzt atemlos. Es hatte etwas Traumhaftes an sich, hier mit Arlin zu liegen, ihn anzufassen, ihn zu schmecken und zu wissen, dass niemand seine Handlungen beobachtete und auswertete. Er konnte tun, was er wollte, weil er es wollte und nicht, weil es von ihm erwartet wurde. Und Arlin zu berühren war etwas, das er definitiv sehr gerne tat. Keine Haut, sondern weiches, kurzes Fell zu spüren, wenn er die Seiten hinabstreichelte, war ungewohnt und aufregend, ebenso wie den schlanken Schwanz durch seine Hand gleiten zu lassen, der hinten durch eine eigene Öffnung aus der Hose kam.

Es führte dazu, dass er sich zu fragen begann, wie es sich anfühlen mochte, Arlin am ganzen Körper zu spüren. Während der kleine Knospenmund sich seinem Ohr und dem seitlichen Hals widmete und dabei köstliche Schauer über Faye schickte, begann dieser, sein Hemd aufzuknöpfen, um es gleich darauf abzustreifen; Arlin trug ja ohnehin nur seine Shorts. Dann rollte er auf den Rücken und zog den Katzenmann auf sich. Auch das Gefühl war aufregend, und Faye konnte nicht anders, als freudig zu grinsen.


by Jainoh & Pandorah