Sonntag 2.2

5.

Leise schnurrend stemmte Arlin sich neben Fayes Kopf in die Kissen, um ihn besser ansehen zu können. Sachte berührte er die Brust des Mannes mit den Fingerspitzen und ertastete die Konturen der Rippen und Muskeln. Streichelnd lernte er ihn näher kennen, nahm sich Zeit. Sie hatten genug davon.

"Du bist so wunderschön, Faye", flüsterte er leise an sein Ohr und ließ dem eine Spur kleiner Küsse folgen. Er war im Gesicht menschlich, aber seine Zähnchen und auch seine Zunge waren das nicht, dies wollte er sogleich auf Fayes Brust einsetzen, da dessen stockender Atem ihm verriet, dass es seinem Geliebten gefiel.

Faye seufzte auf vor Wonne, während er seine Hände auf Arlins Seiten ruhen ließ, um die Vibration des Brustkorbes zu spüren. Dass der andere sogar schnurren konnte wie eine Katze, faszinierte ihn. Eigentlich faszinierte ihn ohnehin der ganze Mann; stumm dankte er seinem Schicksal, wem auch immer er es zu verdanken hatte, dass er ausgerechnet auf dieser Station gelandet war.

"Ich bin so froh, bei dir zu sein", flüsterte er zurück und ließ seine Hand über die Katzenohren gleiten, die sich an den Kopf drücken ließen, um sich gleich darauf wieder aufzurichten. Eine Weile genoss er die Liebkosungen der rauen Zunge und der kleinen, spitzen Zähne, die sich ebenfalls anders anfühlten als die eines Menschen. Dann zog er Arlin jedoch wieder zu sich empor, um ihn erneut zu küssen und sie beide dabei halb herumzudrehen. Mit einer Hand glitt er über die Seite und den Hintern, an dem er kurz innehielt und ihn leicht massierte, um dann über den Oberschenkel weiter nach unten zu wandern und Arlins Bein über seine Hüfte zu ziehen.

Arlin seufzte und drängte sich ein wenig dichter an Faye heran. Sie küssten sich einmal, aber die Hand auf seinem Hintern und seinem Bein drängte sich in den Vordergrund seines Bewusstseins. Er war erregt und wollte noch so viel mehr von seinem Geliebten. Sachte schob er ihn ein wenig von sich fort. "Ich hab zwar fast nur mein Fell an, aber die Shorts stört mich jetzt. Wollen wir nicht auf die Kleidung verzichten, Faye? Ich will dich ganz bewundern können." Er wusste, dass seine Augen im Halbdunkel des Zimmers leuchteten, aber setzte seinen Blick hemmungslos gegen Faye ein, um ihn zu verführen.

"Ich merke gerade, dass ich dir nicht viel abschlagen kann, wenn du mich so ansiehst", sagte Faye mit einem atemlosen Lachen, während er das zarte Gesicht betrachtete, dessen Ausdruck allein ihm ein beinahe unerträgliches Kribbeln im Bauch entstehen ließ. "Nicht, dass ich es wollte." Er drängte Arlin auf die Matratze zurück und küsste ihn erneut auf den verlockenden Mund, ehe er seine Lippen tiefer wandern ließ, über den weichen Hals, bis er das Fell erreichte. Er rieb seine Wange auf Arlins Brust, nippte an einer Brustwarze und richtete sich dann halb auf, um ihm die weiße Shorts von den Hüften zu ziehen. Rasch schlüpfte er aus seiner Jeans und zog gleich auch Schuhe und Strümpfe aus, weil eine der Assistentinnen im Labor ihm sehr überzeugt erklärt hatte, Socken seien unerotisch.

Doch statt sich sofort wieder zu dem Katzenmann zu legen, blieb er erst einmal nur sitzen und sah ihn einfach an. 'Wie wundervoll er ist...' Und alles an Arlin war echt; natürlich hatten sie ihn gezüchtet, aber dennoch war er nicht das Ergebnis von nanometergenauen Skizzen und Plänen in irgendwelchen Computern. Langsam hob Faye die Hand und ließ sie gerade nahe genug, um die Wärme des schlanken Körpers zu spüren, über Arlin gleiten. Die Spitzen der Haare kitzelten ihn an der Handfläche und ließen das Bedürfnis nach mehr Nähe stärker werden, doch Faye genoss das Ziehen in sich, das Sehnen.

"Du bist... der wahrhaftigste Mann, dem ich je begegnet bin", flüsterte er, als er es schließlich nicht mehr aushielt und sich an ihn schmiegte, einen Arm um ihn legte und ihn eng an sich zog. "So ungekünstelt, so natürlich, so..." Ihm fehlten die Worte, um begreiflich zu machen, was er dachte und fühlte.

Von der Art der Komplimente überrascht blinzelte Arlin Faye an, aber verwarf jedes Wundern, als sie sich erneut küssten, ihre Körper dabei enger aneinander schmiegte. Besitzergreifend umfasste Fayes Hand seinen Po und begann ihn am Rücken, gleich bei seinem Schwanz zu necken. Es ließ Arlin erschaudern und trieb ihn schnell fast in den Wahnsinn. Unbeachtet seiner eigenen Lust brach er jedoch nach einer atemlosen Weile des Vergnügens ab, um Faye seinerseits noch ein wenig zu verwöhnen und kennen zu lernen.

'Es ist schon so lange her, zu lange? Ob ich alles verlernt habe?' Verspielt dippte er seine Zunge nach einer kleinen Wanderung über die Brust seines Geliebten in dessen Bauchnabel. Er schmeckte nicht menschlich, ob er zu einer unbekannten Rasse gehörte? Arlin ließ seine Lippen und seine Zunge tiefer wandern, bis er an weich gelocktes Haar stieß und dabei auch gleich den Beweis für Fayes Erregung. Mit einem Lächeln umrundete Arlin diese Region jedoch und streichelte und küsste zunächst die Hüfte und die Oberschenkel entlang.

Mit den Fingern kämmte er durch die feinen Haare und schmiegte sein Gesicht in Fayes Schoß, um zu ihm hinauf zu sehen. "Magst du das? Soll ich hier weiter machen", fragte er flüsternd.

"Ja..." Ein tiefes Aufstöhnen begleitete das Wort, weil Arlins Wange Faye in dem Moment streifte und ihn erbeben ließ. Feine Wassertröpfchen bedeckten seinen Körper, aber sie brachten keine Kühlung. Arlin hatte Hitze in ihm entzündet, die sich so nicht löschen ließ. Er stützte sich auf einen Ellbogen auf, um Arlin leichter anschauen zu können, streckte die andere Hand nach ihm aus und streichelte über seinen Kopf, fuhr den Rand eines Ohres nach.

Grinsend senkte Arlin seine Lippen erneut auf Fayes Haut. Er schmeckte... noch immer viel zu dezent für einen Mann. Fayes Haut war wie verschwitzt von einem feinen feuchten Film bedeckt, was Arlin neidisch werden ließ, aber nicht so salzig und von typischem Geruch wie bei Menschen. Er selber konnte nicht schwitzen und verfluchte deswegen stets, wenn ihm warm wurde, weil er früher oder später hecheln musste.

Mit der Zunge kleine Ornamente nachzeichnend genoss Arlin, wie Faye ihn beobachtete, wie er seine Erregung nicht peinlich sondern natürlich empfinden konnte. "Aus dieser Perspektive bist du noch schöner, Faye." Aufgeregt ruckelte Arlin sich zurecht, dann erlöste er seinen Geliebten von der Spannung und begann ihn zu verwöhnen, schloss die Augen und genoss es dermaßen, wieder mit jemanden zusammen sein zu können, dass er noch immer schnurrte.

Das Kompliment bedeutete Faye nicht viel, auch wenn es ihn freute, dass Arlin ihn schön fand und ihm das wichtiger erschien als sonst; doch schließlich war sein Körper dazu konstruiert worden, Gefallen zu erwecken. Mit einem Aufkeuchen sank er zurück in die Kissen, ließ seine Hand aber auf Arlins Kopf ruhen, um ihn streicheln zu können. Er vergaß es bald, denn der Katzenmann war zu geschickt mit Zunge und Lippen, und wann immer er ihn mit seinem süßen Mund umfing, konnte Faye das Vibrieren seiner Kehle spüren, was ihn nur noch mehr verrückt machte. Stöhnend hob er sich ihm wieder und wieder entgegen, ließ aber nicht zu, dass Arlin ihn über den Rand brachte.

Nach einer Weile unterbrach er dieses lustvolle Spiel, um seinen kleinen Schatz zu sich hochzuziehen und ihn erneut zu küssen; davon konnte er einfach nicht genug bekommen. Gleichzeitig glitt er mit einer Hand zwischen Arlins Beine, begann ihn hier und dort zu necken, zu streicheln, zu massieren, um ihn dann nur noch wie ein Hauch zu berühren.

Verzückt schmiegte Arlin sich an seinen Liebhaber und ruckelte sich ein wenig zurecht, seinen Händen entgegen. "Hm, ich hätte nicht gedacht, dass du meinen Fähigkeiten so lange widerstehen kannst. Ich muss eingerostet sein", murmelte er leise. Faye streichelte ihn nur neckend, so würde er seinen Höhepunkt in Stunden nicht erreichen. Erregt und nervös zugleich fragte Arlin sich, ob sein Mann von einer Kultur stammte, die das Spiel gern herauszögerten. Er wollte ihn nicht mit seiner Ungeduld beleidigen, aber es war so lang her, dass er mit einem anderen hatte schlafen können, er wollte es zu sehr, um noch viel länger warten zu können. Drängend schob er sich der Hand noch weiter entgegen.

"Du bist nicht eingerostet, du bist wundervoll", wisperte Faye ihm ins Ohr und lächelte, weil es ein wenig zuckte. Als er bemerkte, dass Arlin auf eine unsichere Art unruhig wurde, fiel ihm wieder ein, dass er sehr lange allein gewesen war. Lieber hätte Faye sich viel Zeit genommen, um dies hier endlos auszukosten, aber das konnten sie auch noch später tun, befand er, da Arlin sich hilflos keuchend an ihn presste.

Er rollte auf seinen zierlichen Geliebten, brachte ihre Hüften aneinander und stützte sein Gewicht auf den Ellbogen ab, um ihn nicht zu erdrücken; auch wenn er nicht viel mehr als ein Menschenmann wog, so war er doch deutlich größer als Arlin. Liebevoll küsste er ihn erneut, ehe er begann, sich auf ihm zu bewegen. Ihm kleine, immer unverständlicher werdende Komplimente zuflüsternd, gab er nach und nach die Kontrolle über seinen Körper auf, um sich Arlins Erregung anzupassen, bis er vergaß, dass er einen gemeinsamen Höhepunkt geplant hatte. Mir Arlin schien kein Planen mehr möglich zu sein.

Atemlos verfolgte Arlin, wie sein Geliebter sich vergaß, wie seine Bewegungen von gezieltem Reiben immer ungezielter, schneller und dabei immer leidenschaftlicher wurden. Er umfing Fayes bebenden Schultern mit festem Griff und pressten ihn gegen sich, als er spürte, dass der Mann seinen Höhepunkt erreicht hatte. Wieder und wieder küsste Arlin die Wangen und den Hals entlang, an die er sich gepresst hatte und streichelte über die Schultern und den Rücken des anderen, bis dessen Atmung ruhiger wurde und er sich gegen Arlins Umarmung anstemmte.

Faye sah in das runde Gesicht mit dem kleinen, pointierten Kinn hinab und wusste fast sofort, dass es ein sehr einseitiges Vergnügen gewesen war. Arlin war nach wie vor erregt. Erst verwirrte es ihn, dann brachte es ihn zu einem glucksenden Lachen.

Es fühlte sich herrlich an, die Kontrolle verloren zu haben. "Du bist ein Wunder", erklärte er und küsste ihn mit einem Grinsen. "Das hat noch kein Mann vor dir geschafft, dass ich mich vergesse." Von den schmolligen Lippen nippte er sich über den Hals weiter nach unten vor, vergrub sein Gesicht in dem weichen Fell auf Brust und Bauch und kniete sich schließlich zwischen Arlins Beine, um ihn nun seinerseits zu verwöhnen und sehr zielgerichtet zum Orgasmus zu bringen.

Die Laute, die Arlin von sich gab, eine Mischung aus atemlosen Stöhnen, Seufzern und unterschwelligem Schnurren machte ihn ganz kribbelig, und der kleine Halbschrei, als Arlin endlich kam, schickte gleich wieder einen warmen Stich durch seinen Bauch. Lächelnd legte er sich zu ihm, nahm ihn in die Arme und streichelte ihn, bis er sich beruhigt hatte und der leichte Schleier von den orangefarbenen Augen verschwand, der Blick wieder klar wurde. Träge und glücklich zugleich streckte Arlin sich so lang er konnte an Fayes Körper entlang aus. "Du bist ein Geschenk, Faye. Ich liebe dich", flüsterte er heiser unter leisem Schnurren.

Er schaffte es, sich noch einmal in sein Bad zu bemühen und erst dort, als er den kleinen Kemjasheri'i sah, der soeben wohl in dem Schlafzimmer der Gäste verschwinden wollte, erinnerte er sich überhaupt an die anderen. Betont wandte er sich von Sa'ini ab, um nicht schon wieder traurig zu werden. In Fayes Armen konnte er die schmerzliche Angst vor dem Verlust seiner kleinen Welt vergessen.

 

Sa'ini drehte sich um, als er aus den Augenwinkeln die Bewegung sah, doch er konnte nur noch einen Blick auf den Rücken des Katzenmannes und die hängenden Ohren erhaschen, ehe sich die Tür hinter Arlin schloss. Er war versucht, ihm zu folgen, um sich erneut zu entschuldigen, aber ließ es dann doch.

Sie hatten Zeit. Wahrscheinlich musste Arlin sich erst einmal an den Gedanken gewöhnen, dass er die Station nicht auf ewig sein Heim nennen konnte und dass er zudem für den nächsten Monat nicht mehr allein war. All das war wohl zu viel auf einmal. Natürlich war die Nachricht nicht angenehm, aber dennoch nicht dergestalt, dass sie eine weinende Flucht gerechtfertigte.

Sa'ini seufzte leise und öffnete die Tür, um in den kargen Raum zu gehen, den er sich mit Bastien teilte. Der Anblick, der sich ihm bot, lenkte ihn erst einmal von den trüben Gedanken ab. Bastien hockte nackt vor der Kommode, in der sie ihre Sachen untergebracht hatten, und es war ein wirklich angenehm anzuschauendes Bild und sehr verlockend noch dazu. Sa'ini unterdrückte ein Lächeln, als sein Blick über den trainierten Rücken hin zu dem festen Po glitt. 'Sehr nett, leider nicht für mich.' Er wandte sich ab und trat zum Bett, um den Schwertgurt abzulegen.

Bastien zuckte zusammen, als der Kemjasheri'i früher als erwartet in ihre gemeinsame Unterkunft zurückkehrte. Rasch zerrte er seinen Schlafanzug hervor und wand sich von dem anderen abgewandt hinein, um ihn nicht mit seinem Anblick zu beleidigen. Er hatte seine Beobachtungen an diesem Abend schon sehr lohnend gefunden. Die Schwachstelle des Androiden war offensichtlich dessen Gefühl für den kleinen Kater. 'Wenn ich den Kater davon überzeuge, wie gefährlich Faye ist, wird er mir helfen. Er kann alle Droiden kontrollieren, das wäre eine lohnende Sache.'

Zum anderen wollte er dem tollpatschigen Kemjasheri'i ein wenig davon abbringen, den kleinen Kater permanent zu verletzten. 'Spürt er denn nicht, wie zielstrebig er auf ihm rumtrampelt? Diese Rasse ist wirklich schrecklich, Regeln, Regeln und keinerlei Takt.' Noch bevor er sich umgedreht hatte, meinte er stichelnd "Deine Mission hier sieht mir nicht ganz so erfolgreich aus, wie geplant, was?"

Sa'ini setzte sich auf das Bett und zog die Stiefel aus, ehe er zu dem anderen Mann hinsah, überrascht, dass dieser überhaupt Anteil daran nahm. "Meine Mission ist mit einem Mal eine vollkommen andere geworden, als mir aufgetragen worden ist", entgegnete er und zuckte ein wenig hilflos mit den Schultern. "Und ich kann nicht behaupten, dass ich sie bis jetzt erfolgreich angegangen habe. Ich wollte mit ihm reden und es ihm erklären, aber ich habe es geschafft, ihn damit nur wieder zu verletzen. Dabei habe ich ihm lediglich die Fakten genannt. Ich hoffe, ich kann es morgen aufklären, ohne ihm erneut weh zu tun. Das ist nun wirklich nicht meine Absicht."

"Nun ja, die Fakten kann man diplomatisch verpacken. Schau dich doch nur einmal um hier. Weißt du, woraus eine solche Station sich normalerweise aufbaut? Wie viel Kleinigkeiten bedacht werden müssen, wie viele Stunden frustrierender Arbeit nötig sind?" Bastien ließ sich auf dem Bett nieder und sah Sa'ini mit einem mal interessiert in das unzufriedene Gesicht. "Zudem, ist dir der Gedanke gekommen, dass Arlin vielleicht Recht hat, wenn er sagt, dass alles hier ihm gehört? Die Droiden sind sicherlich nicht aus der Zeit, in der die Sonnenritter hier zuletzt waren." Der Kemjasheri'i war niedlich. Vollkommen hilflos offensichtlich nicht in der Lage eine Sache etwas geschickter zu verpacken. Wie einfach wäre es gewesen, Arlin zuerst von der Station zu locken, damit der Kater gar nicht mitbekommt, wie hier abgebaut wurde.

Sa'ini schüttelte den Kopf. "Wir sind Sonnenritter, Bastien. Das heißt, wir haben keinen persönlichen Besitz. Wir bekommen, was wir brauchen, vom Orden gestellt. Wenn wir etwas erwerben, gehört es dem Orden. Wenn ich irgendwann die Sonnenritter verlasse... verlassen sollte", korrigierte er sich schnell, "werde ich auch nur das haben, was sie mir geben. Nicht das Schiff, nicht die Wohnung im Haupttempel. Natürlich sorgen sie dafür, dass ich nicht auf der Straße stehe und in Armut sterbe, aber das ist etwas anderes."

Er rutschte an das Kopfende des Bettes hoch, um sich anzulehnen, und zog die Beine in den Schneidersitz. "Was es bedeutet, eine solche Station aufzubauen... Ich kann es mir in Ansätzen vorstellen; ich bewundere, dass er es so lange hier allein ausgehalten und was er dabei erreicht hat. Das, was ich bis jetzt gesehen habe und das ist nicht viel bringt mich zu der Ansicht, dass es verfehlt wäre, sie zu schließen. Aber ich habe ihm nur gesagt, was sie bisher geplant haben. So wie die Dinge liegen, kann sich das ändern. Ich habe erwartet, eine kleine Station vorzufinden, die sich mehr schlecht als recht am Leben erhält, der Mann, den ich mitnehmen soll, ist nicht allein und offensichtlich nicht gewillt, das alles aufzugeben und er hat recht damit. Aber soweit hat er mich ja gar nicht reden lassen. Leider kann ich im Moment keinen Kontakt zum Haupttempel aufnehmen. Doch sobald es wieder möglich ist, werde ich den Oberen die Lage schildern."

Bastien begann Gefallen an der Stichelei gegen Sa'ini zu finden. Ein herrlicher Zeitvertreib, der junge Mann war viel zu ernsthaft. Und dazu noch verdammt attraktiv, auch wenn es in seiner Kultur verboten war, etwas dergleichen über einen Mann zu sagen. Bastien fand die Zeit für ein Kompliment dennoch für gekommen. Natürlich wohlweißlich in eine weitere Stichelei verpackt.

"Ich beginne zu verstehen. In deinem hübschen kleinen Kopf gehen die Gedanken immer wieder von deiner Lage aus. Bedenke doch einmal, dass Arlin eine Kreation ist. Er gehört jemandem und ist deswegen Teil des Ordens. Er ist sicherlich nicht aus freien Stücken beigetreten, und wenn du ihm die Station nimmst, dann auch sein Zuhause. Er hat sicherlich keinerlei Familie. Wo soll er denn hin?"

Wieder schüttelte Sa'ini den Kopf. "Er gehört niemanden mehr seit dem Augenblick, seit dem sein letzter Besitzer dem Orden beigetreten ist und dabei seinen Besitz gespendet hat. Arlin ist Teil der Sonnenritter. Kein Sonnenritter kann ein lebendiges, fühlendes, denkendes Wesen besitzen." Er runzelte die Stirn. Ihm fielen die Formulierungen auf, als Arlin von seiner Vergangenheit erzählt hatte, und mit einem Mal wurde ihm klar, dass es dem Katzenmann nicht bewusst war. "Und wo er hin soll? Ich sollte ihn mit in den Haupttempel auf Tarakoi nehmen, wo er nicht allein gewesen wäre. Dort hätte er eine neue Aufgabe bekommen."

"Oh. Und wie frei ist das? Da kann er ja auch gleich verkauft werden an den nächsten Besitzer. Hat ihn denn jemand gefragt? Das glaube ich nicht. Über eine Kreation wird entschieden, damit kenne ich mich aus, glaub mir..." Zynisch verzog er den Mund und wendete sich seiner Tasche zu, um den Pullover über seine Waffe zu legen.

"Als sein ehemaliger Besitzer dem Orden beigetreten ist, wusste ich noch nicht einmal etwas von den Sonnenrittern." Es verstimmte Sa'ini, dass sowohl Bastien als auch Arlin ihn für die Entscheidungen des Ordens verantwortlich machen wollten. "Wenn es ihm jetzt nicht mehr gefällt, kann er immer noch austreten. Und glaube mir, er wird nicht allein dastehen und nicht wissen, wo er hinsoll. Beruhigt dich das?" Erst in dem Moment begann er sich zu wundern, dass Bastien sich überhaupt so für Arlins Schicksal interessierte. Bis jetzt war der andere Mann eher freundlich distanziert gewesen, als sich in irgendetwas zu involvieren. "Mit Kreationen kennst du dich aus? Woher? Ich mich nicht. Ich habe davon gehört, mehr nicht."

Bastien starrte seine Zigaretten überlegend an. Es sollte eigentlich besser Zeit zu Einschränkungen sein, der Replikator verbrauchte sonst zu viel Energie, wenn er ihn für Zigaretten verwenden wollte. Er reagierte etwas verspätet auf die Frage des anderen und drehte sich halb um, wog kurz ab, ob er die Wahrheit sagen sollte, dann zuckte er mit den Achseln und murmelte uninteressiert "Ich bin selber eine."

Und damit schien Bastiens Interesse an einem Gespräch wieder erloschen zu sein, stellte Sa'ini fest. Er ließ seinen Blick erneut über den anderen Mann gleiten, doch außer seiner Behauptung gab es keinerlei Ähnlichkeit zwischen ihm und Arlin. Ob er wirklich einen Besitzer hatte? Sa'ini konnte es nicht glauben. Seine Gedanken kehrten zu dem weißroten Katzenmann mit den dunkelorangefarbenen Augen zurück, den er binnen nur eines Tages zwei Mal zum Weinen gebracht hatte. So konnte das nicht weitergehen. Er würde es am nächsten Morgen irgendwie anders anfangen müssen, auch wenn er noch nicht genau wusste, wie das aussehen sollte.

Bastien stellte für sich fest, dass sein Interesse an Sa'ini zu schnell wieder erloschen war, als dass er sich weiter um ihn bemühen wollte. Statt die Unterhaltung zu retten, ging er in das Bad am Ende des Flures, wo Arlin ihnen allen reichlich Handtücher auf den Ofen bereitgelegt hatte, dann legte er sich schweigend in das weiche Bett und löschte das kleine Licht auf seiner Seite, bevor er sich von dem Kemjasheri'i fortdrehte.

Seine Gedanken wanderten zu Faye zurück, zu den Möglichkeiten, ihn zu töten, seinen Basischip als Beweis auszubauen und zu verschwinden. Eines war sicher, sofort konnte er nicht an diese Aufgabe heran. Die Augen schließend beschloss Bastien, sich an Faye zu kletten, um ihm so nah wie möglich zu sein, so dass der Androide ihm vertraute, wenn der Tag gekommen war.


by Jainoh & Pandorah