Sonntag 2.2

7.

"Waffen?" Faye spürte, wie sich etwas in seinem Bauch verkrampfte und kalt wurde. Er schluckte gegen die Angst an und fragte schließlich "Du hast ihn beobachtet, nicht? Kannst du... mir die Stelle in den Aufzeichnungen zeigen, wo du seine Waffen gesehen hast?"

Anhand dessen würde er mit ziemlicher Sicherheit sagen können, ob Bastien auf der Jagd nach ihm oder nach jemand anderem war. So menschlich er wirken mochte und in vielen Belangen auch war, unterschied sich sein Organismus im Aufbau doch weit von dem eines Menschen. Was für einen Menschen tödlich war, war es für ihn noch lange nicht; und auch die meisten Betäubungsmittel wurden von seinen Nanomaschinen, welche die Aufgabe des Abwehrsystems übernahmen, ohne weitere Spuren einfach abgebaut.

Unsicher streifte Arlin seinen Tresor mit einem weiteren Blick. "Ich habe die Aufzeichnung zwar noch, aber ich habe auch seine Waffen. Sie liegen in meinem Tresor." Er richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf Faye vor sich. "Denkst du, dass er dich jagt?" So direkt hatte er zwar nicht fragen wollen, aber nun war Arlin froh, dass er seinem dummen Gefühl einmal Worte verliehen hatte.

Auch Faye sah zu dem Tresor hin, während er mit der Angst kämpfte, die ihn zu lähmen drohte. Als wollte er gar nicht wissen, was hinter der dicken Stahltür lag. Als würde es etwas an der Wirklichkeit ändern. Aber er wusste, dass er die Gewissheit brauchte.

"Vielleicht", sagte er schließlich und wandte sich zu Arlin zurück. Die orangefarbenen Augen hinter der dicken Brille waren geweitet und weckten das Bedürfnis in ihm, den Katzenmann zu beschützen. Vor allem, auch vor dem Schmerz, den er ihm zufügen konnte, weil Arlin für ihn empfand. Unvermittelt umarmte er ihn, drückte ihn an sich und flüsterte seinen Namen, wie um ihm etwas zu versprechen, aber verstummte dann wieder. Einen Moment hielt er ihn nur, ehe er ihn wieder losließ und den ängstlichen Blick erwiderte. "Zeigst du mir die Waffen? Ich erkläre dir danach, was... und wer ich bin."

"Danach? Warum danach, Faye? Es waren ganz gewöhnliche Waffen. Sie waren alt und abgestoßen und nichts besonderes. Ich habe sie bereits gescannt." Arlin runzelte die Stirn und betrachtete die Haltung und den Gesichtsausdruck seines Geliebten. "Du hast mich angelogen, nicht wahr? Wie schlimm ist es?"

"Weil ich sicher sein will. Darum danach." Wieder sah Faye zum Tresor hin, während sein Verstand ihm sagte, dass er nur wirklich Außergewöhnliches erkennen würde, ein Betäubungsgewehr vielleicht, auf dessen Geschoss deutlich der Name des Betäubungsmittels vermerkt wäre. Von Waffen hatte er kaum Ahnung. Aber wenn Arlin meinte, sie wären gewöhnlich, würde er wohl auch nicht viel mehr erkennen können.

Als er wieder seinen Geliebten ansah und in dessen misstrauische Miene, hätte er am liebsten geschrieen. Er hatte nicht gelernt, mit diesem Wirrwarr an Gefühlen umzugehen, das auf ihn einstürmte und von denen er einen Großteil nicht einmal identifizieren konnte. Fast wünschte er sich in die Sicherheit des Labors zurück, doch er wusste nur zu genau, dass diese trügerisch war.

"Ja, ich habe gelogen, aber im Grunde genommen viel zu wenig, wenn man es rein taktisch betrachtet. Du kennst sogar meinen richtigen Namen", sagte er stattdessen und versuchte, sich zur Ruhe zu zwingen und sich an das zu halten, was er kannte.

Als er sich abwandte, sah er, dass seine Hände zitterten, und verschränkte die Arme vor der Brust, um es zu verbergen. "Im Grunde genommen war meine einzige Lüge die, dass ich von den Sonnenrittern komme. Ich bin durch Zufall hier gelandet, Carl wusste gar nicht, dass ich an Bord war. Ich wollte die Station eigentlich auch gleich wieder verlassen und in der nächsten Stadt verschwinden nur dass es hier keine Stadt gibt. Alles andere, Arlin, war ehrlich. Bitte, glaub mir das."

Zögernd betrachtete Arlin die Haltung von Faye und versuchte, einen vernünftigen Gedanken zusammen zu bringen. Ein Teil von ihm wollte seinem Geliebten sofort und alles glauben, nur um ihn wieder in seiner Nähe spüren zu können. Aber seine Vernunft wollte Beweise, wollte Antworten.

"Die Waffen zeige ich dir gleich, Faye", sagte er langsam und stand auf, aber drehte sich gleich wieder zu dem hochgewachsenen Mann um. Flehend sah er ihn an. "Warum? Wo bist du her? Hast du etwas falsches getan? Sag es mir bitte!"

Es war Arlins Stimme, die Faye dazu brachte, sich ihm wieder zu zuwenden, der Wandel darin von der fast kühlen Beherrschung zu ängstlicher Hoffnung. Die ganze Wahrheit, er hatte es ihm ja ohnehin erzählen wollen. "Ich komme aus dem Labor, wie ich es gesagt habe. Aber ich war nie Forscher, ich war Forschungsobjekt. Ich bin etwas über fünf Jahre alt, der Prototyp eines Androiden, der wie ein Mensch kreiert worden ist, nicht nur mit der Fähigkeit zu denken, sondern auch zu fühlen. Sie wollten mich ausschalten, Dinge ändern, die sie als Fehler bezeichneten und mich neu programmieren. Da bin ich weggelaufen. Ein Unfall, der durch meine Flucht herbeigeführt worden ist, hat zwei Wachmänner das Leben gekostet und ein Lager für Chemikalien gesprengt. Deswegen werde ich von den öffentlichen Stellen, die nichts von meiner wirklichen Existenz wissen, als Terrorist gesucht."

Ein dumpfer Knall und zugleich der Schmerz zeigten Arlin, dass er sich neben den Stuhl gesetzt hatte. Er rappelte sich auf und rieb sich den Hintern, strich über den Schwanz, um zu sehen, ob er geprellt war. In seinem Kopf rasten die Gedanken. 'Er ist eine Maschine?! Eine... aber eine fühlende, er fühlt, oder ist es nur ein Programm?' Angst hatte Arlin keine vor Faye. Der Mann war nie anders als sanftmütig und liebevoll gewesen zu ihm. Er liebte ihn zudem noch immer, trotz der Ungeheuerlichkeit seiner Aussage.

Vorsichtig berührte Arlin Fayes Arm mit den Fingerspitzen. Ja, etwas in ihm hatte sich immer gefragt, was der Mann war, da er kein Mensch sein konnte. 'Eigentlich ist er fast wie ich. Ein gemachtes Wesen. Ich bin aus natürlichen Stoffen gemacht, er aus nicht natürlichen. Aber im Grunde sind wir einander sehr ähnlich.'

"Dann bist du auch gemacht worden, Faye? Und jetzt... soll Bastien dich töten? Soll er dich nur fangen?" Arlin wendete sich abrupt von Faye ab und den Monitoren zu. Bastien, der zuvor noch auf der Wiese gesessen hatte, war nun nirgends zu sehen. "Ich... hab Angst..."

Hoffnungsvoll sah Faye auf die angespannten, schmalen Schultern, den hängenden Schwanz und die nervös zuckenden Ohren. Arlin hatte ihn berührt und nichts sah nach Abneigung aus. 'Ist jetzt alles wieder gut zwischen uns? Hoffentlich hat er sich nicht sehr weh getan...' Er trat zu ihm und umfasste die schlanken Oberarme, zog Arlin sacht an sich. "Ich weiß nicht, ob er mich töten oder zurückbringen soll. Aber ich glaube nicht, dass sie mich komplett vernichten wollen, in mir stecken viel Arbeit und Unsummen an Geld. Vielleicht sucht er noch nicht einmal mich." Vorsichtig umarmte er ihn, atemlos, ob Arlin es zulassen würde. "Jetzt weißt du es. Magst du mich trotzdem noch bei dir haben?"

Arlin seufzte leise, er wollte sich gerade umdrehen, als Bastien von einer Kamera eingefangen wurde. Der Mann schlenderte durch die Wohnung und bog, nachdem er sich die dreckigen Schuhe ausgezogen hatte, in das Gästezimmer ab. Atemlos starrte Arlin auf den Monitor, als Bastien zu seiner Tasche ging und darin kramte. Doch gleich darauf stand er wieder auf, hielt das Hemd in der Hand, das er am Abend zuvor bereits getragen hatte und ging damit in Richtung des Badezimmers davon. Er zeigte nicht im Geringsten, dass er seine Waffen vermiste. Im Badezimmer drehte Bastien sich einmal um, entdeckte offensichtlich die sehr dezente Kamera und begab sich geschickt in den toten Winkel. Das Lächeln, das seine Lippen dabei umspielte, brachte Arlins Nackenfell zum Hochstehen. "Wir... müssen mit ihm reden, Faye. Müssen ihm erklären, dass er... das kann er uns nicht antun, oder?!"

Faye streichelte ihm über das Nackenfell und fühlte eine Freude und Siegesgewissheit in sich, welche die Angst von vorher vollkommen verschwinden ließ. Arlin wusste es nun, trotzdem war er bei ihm und wollte bei ihm bleiben, das sagten ihm die Worte ganz deutlich. Es würde kein Ausweichen und kein Lügen zwischen ihnen geben, nur diese wundervolle Wärme und die Nähe. "Ich werde mit ihm reden, das musst du nicht. Immerhin hat er mich gewarnt, also kann er nicht ganz kaltherzig sein. Und da du ihm die Waffen abgenommen hast, ist er nicht mehr gefährlich. Ich heile sehr viel schneller als ein Mensch, und ich bin auch etwas stärker. Hab keine Angst."

Arlin schmiegte sich kurz in Fayes Arme, dann schüttelte er den Kopf, bevor er resolut feststellte "Wir reden mit ihm. Ich lasse dich nicht mehr mit ihm allein!"

Die Wärme in Faye nahm noch zu, und mit ihr kam ein Gefühl, als würde er den Halt verlieren, aber auf eine angenehme und sehr wünschenswerte Art. Als wäre ihm eine neue Tür geöffnet worden, hinter der Dinge verborgen waren, von denen er vorher nicht einmal etwas geahnt hatte und die gleichzeitig wunderbar wie auch beängstigend waren in ihrer Intensität. "Danke", sagte er leise.

 

Sa'ini war sich der Tatsache, dass Arlin wegen ihm das Frühstück so abrupt verlassen hatte, nur zu bewusst. Die Geste der Hilflosigkeit, als er sich auf den Schoß seines Geliebten gesetzt und bei ihm Schutz gesucht hatte, war ihm ebenfalls nicht entgangen.

'Und das alles nur wegen mir', dachte er bekümmert, während er Bastien half, das dreckige Geschirr wegzuräumen. 'Bin ich wirklich so ungeschickt?' Bis jetzt hatte ihm das noch niemand vorgeworfen, im Gegenteil hatte man ihm eher gesagt, er würde sich zurückziehen und viel zu freundlich sein.

Als die Küche ordentlich war, kehrte er in das Zimmer zurück, um einen Bericht zu schreiben, ertappte sich aber schließlich dabei, dass er nur auf dem Bett saß und den Bildschirm seines Computers anstarrte, ohne ein einziges Wort zu notieren. Seine Gedanken kreisten beständig um den kleinen Katzenmann, der trotzdem ein wenig größer war als er selber.

'Wie seltsam es ist, dass sie ihm einen Gefährten gesandt haben. Es ist verboten.' Das wusste er nur zu genau. 'Da muss ein Missverständnis vorliegen. Entweder kam Faye wegen etwas anderem, oder sie dehnen die Wahrheit ein wenig, weil sie sich verliebt haben.'

Ein Lächeln glitt über sein Gesicht, verschwand aber auch gleich wieder, als er daran dachte, dass Arlin so lange allein gewesen war. Wie hatte das passieren können? Oder hatten sie ihn wirklich als das behandelt, als was sich Arlin bezeichnete, eine Sache, ein Ding, ein Stück Besitztum, bei dem es nichts ausmachte, wenn man es jahrelang unbeachtet ließ?

Allein die Vorstellung ließ Zorn in Sa'ini erwachen. Jeder, der Arlin begegnete, konnte schon beim ersten Blick sagen, dass er alles andere als ein Gegenstand war. Er fühlte, er dachte, er hatte einiges an Kreativität aufgebracht, um Sonntag 2.2 zum Laufen zu bringen.

Sa'ini stand auf und legte seinen Computer in die Kommode zurück. Sie hätten sich informieren müssen, ehe sie den Kater hierher abgeschoben hatten. Vorausgesetzt, die Verantwortlichen hatten keine wirklich gute Erklärung für diese Entscheidung, würde er irgendwie dafür sorgen, dass sie zur Rechenschaft gezogen wurden. 'Und ich werde dafür sorgen, dass er die Rechte an sich zugesprochen bekommt! Es ist gegen die Gesetze des Ordens, andere zu besitzen!'

Vielleicht war es auch ein Weg, dass Arlin hier bleiben konnte, wie er es sich wünschte. Sa'ini fühlte sich verantwortlich, weil der Katzenmann so lange durch die Sonnenritter hatte leiden müssen; er würde nicht der einzige sein.

Vielleicht sorgten die Oberen als Wiedergutmachung dafür, dass die Station nicht geschlossen wurde. Nachdenklich streifte Sa'ini das karge Zimmer mit einem Blick. Der Rest der Wohnung unterschied sich deutlich davon, und auch das wenige, was er gesehen hatte, sprach deutlich dagegen, Sonntag zu schließen. Er strich sich die Haare hinter die Schultern zurück und begann, sie zu einem losen Zopf zu flechten. Sein Übersichtsbericht würde anders ausfallen, als er noch vor seiner Ankunft hier gedacht hatte. Den Computer wieder aufnehmend, entschied er sich, die Station genauer in Augenschein zu nehmen, um dokumentieren zu können, was Arlin alles erreicht hatte.

 

Bastien wusste, dass es nun sehr bald soweit sein musste. Arlin war gerissener, als er mit seinen dicken Brillengläsern und dem naiven Gesichtsausdruck verraten hatte. Als Bastien am Morgen weggefahren war, war ein Teil seiner Waffen bereits verschwunden, als er nun in das Zimmer zurückgekehrt war, um sich ein frisches Hemd anzuziehen, fehlte auch der Rest. Patronen, eine Laserbatterie, einige Betäubungspfeile, die für Faye sicherlich nicht geeignet waren.

Ein wenig war er besorgt, vor allem, weil er befürchtete, dass Faye ihn nun vielleicht töten würde, da er ihm und seinem Schatz in die Quere kommen konnte. Aber ein Stück weit war Bastien auch erleichtert, das lange um seine Beute herum Schleichen hätte ihn sicherlich entnervt.

Als er im Badezimmer mit einem Lächeln in Richtung der Kamera aus deren Blickwinkel ging, riskierte er im Prinzip schon Kopf und Kragen, denn er wusste, dass Arlin früher oder später die Chips durchsehen würde. Der Umstand, dass seine Waffen fort waren, bewies ja, dass er es tat. Doch eines hatte Bastien noch, die kleine Ampulle mit Hivosh. Er schraubte sie in die Impfpistole, deren Form eher einem viereckigen Messgerät glich, weswegen die Droiden ihm diese wichtigste seiner Waffen wohl auch nicht weggenommen hatten.

Ein guter Schuss dieses Medikamentes würde die Nanomaschinen in Faye stoppen, zumindest verlangsamen und zwar auf Dauer. Da er kein Mensch war, würden die Maschinen nicht ersetzt werden. Sie würden auf Dauer ineffektiver gegen Verletzungen und Fehler vorgehen, vielleicht auch gar nicht mehr. Dann wäre Faye verletzlich, sogar sterblich.

Bastien schob die Waffe gesichert in seine Hosentasche, dann verließ er das Bad und ging in die Küche, aus der er bereits Arlin und Faye hörte, die mit Töpfen klapperten. Die Stimmung war gespannt, sie zuckten beide zusammen, als Bastien den Raum betrat, weswegen er ernst nickte und sich in der Tür anlehnte, sie fragend, abwartend ansah.

Faye spürte ein nervöses Zittern durch sich hindurch laufen und fragte sich, ob das bei Menschen auch geschehen konnte oder ob seine Leitungen überlastet waren. 'Jetzt kann ich keine Fehlfunktion bekommen, die hatte ich noch nie, solange ich mich erinnern kann!' Er lehnte sich an die Spüle und sah zu dem Mann hin, der sehr offensichtlich wegen ihm hier war. Daran gab es nun leider wenig Zweifel. Dennoch fragte er, um auch wirklich ganz sicher zu gehen "Die Jagd, die du erwähnt hast... sie gilt mir, nicht wahr?"

Bastien erwiderten den Blick, auch wenn er nervös wurde. 'Ruhig, du bist ebenso unsterblich wie er.' Einen Moment lang überlegte er, wie er seine Lage diplomatisch ausdrücken konnte, dann nickte er lediglich und ging zu einem der drei schweren Kühlschränke, die Arlins Nahrungsmittel frisch hielten. Er entnahm dem nur wenig temperierten Fach die bereits geöffnete Flasche Rotwein. "Arlin? Können wir das bei einem Glas Wein besprechen?"

Verwirrt nickte Arlin, weigerte sich jedoch, Fayes Arm loszulassen, während er seiner Erziehung entsprechend Gläser aus dem Vitrinenschrank auf den Esstisch stellte. Er holte gleich vier Stück für das Abendessen, auch wenn Sa'ini noch in den tropischen Oktaedern weiter draußen umherstreifte.

Bastien goss für sich, Faye und Arlin je ein halbes Glas von dem schweren, roten Wein ein, dessen Aroma die Luft über dem Tisch erfüllte. Äußerlich gelassen nahm er Platz und legte die Fingerspitzen um den Stiel seines Glases. "Ich bin auf der Jagd nach Faye. Er wird dir sicherlich schon gestanden haben, warum, nicht wahr, Arlin? Nun, das ist das Warum aus der Sicht meiner Auftraggeber. Aus meiner Sicht ist der Grund ein anderer. Ich soll Faye bringen, dann bin ich frei. Ich bringe ihn nicht, dann bleibe ich weiter Sklave des Labors, das mich gekauft hat. Ich bin eine Kreation, so wie du."

Faye setzte sich nur widerwillig; er wusste nicht richtig, ob er über Arlins Anwesenheit froh oder deswegen unsicher sein sollte. Eines zumindest war für ihn klar, die Sicherheit seines Geliebten war ihm sehr wichtig, ebenso aber bedeutete ihm dessen Unterstützung sehr viel. Doch irgendwie erleichterte es ihn, dass Bastien einen guten Grund zu haben schien, auf ihn Jagd zu machen und es nicht des Geldes wegen tat. Das gab ihm eine Basis zur Diskussion, die andernfalls gleich von Beginn an zum Scheitern verurteilt wäre. "Aber wenn du mich bringst, tötest du mich. Du weißt, was sie mit mir vorhaben, nicht? Sie wollen meine Programmierung ändern."

Bastien starrte in den Wein. "Ja, verdammt. Das weiß ich. Aber... es würde nicht aufhören, wenn ich dich laufen ließe. Sie würden kommen, dich finden, auch hier, bei ihm. Sie würden töten... töten, ohne zu fragen." Er hob den Blick und sah Arlin mit einem kleinen Lächeln an "Sogar ihn, sogar ein kleines, wehrloses Spielzeug wie diese Katze."

Arlin hob sein Kinn ein wenig und protestierte "Ich bin kein Spielzeug! Ich..."

"Aus welchem Bordell bist du, hm? Ich habe bislang noch keine Katzenkreation gesehen, die so hübsch war und nicht in einem dieser teuren Schuppen gearbeitet hat." Bastien nippte von dem Wein. "Tu nicht so unschuldig, Arlin. Ich weiß genau, dass deine Droiden mich bestohlen haben, dass du uns alle filmst, dass du alles hier im Griff hast, in festem Griff. Tu nicht unschuldig. Katzen sind Räuber, Jäger und Diebe!"

Betroffen senkte Arlin den Kopf, er hielt Faye mit einer kleinen Handbewegung vom Sprechen ab, dann nickte er leicht. "Ich... war in einem Bordell, aber ich bin keine Hure! Ich war Glücksbote in der Tür." Unglücklich zog er die Schultern an. "Ich hab die Waffen nur zu meinem Selbstschutz gestohlen."

Fayes Brauen zogen sich zornig zusammen, auch wenn ihn Bastiens Feststellung getroffen hatte. Er war eine Gefahr für Arlin? Die Erkenntnis, die er unmittelbar darauf traf, schmerzte schrecklich. Das hieß, dass er gehen musste, sobald wieder Schiffe hier verkehrten. Arlin zu gefährden, kam unter keinen Umständen in Frage.

"Lass ihn da raus, Bastien!", verlangte er scharf. "Was er gemacht und nicht gemacht hat, hat mit dir und mir gar nichts zu tun."

Bastien lehnte sich zurück und betrachtete die beiden, dann senkte er den Blick "Entschuldigung. Arlin geht mich nichts an."

Er wollte gerade weitersprechen, als ein dumpfer Gong durch die Räume hallte und Arlin den Kopf hob. "Oh, die Schotts schließen. Ich... sollte eigentlich... aber ich kann dich doch nicht allein lassen, Faye."

Bastien lachte leise. "Glaub mir, Kätzchen. Er ist nicht sterblich. Zudem würde ich es nie wagen, ihm etwas anzutun, wenn du es von irgendwo sehen und deine Droiden auf mich hetzen könntest."

Es hörte sich nach einem guten Grund an, aber Faye vertraute mehr darauf, dass Arlin ihm die Waffen bereits abgenommen hatte und dass er wirklich schwer ernsthaft zu verwunden war. Er drückte Arlin kurz an sich, verärgert darüber, dass Bastien seinen Freund als Kätzchen bezeichnete. Es klang nach einem Kosewort, das in den Schmutz gezogen wurde. "Mach dir keine Sorgen um mich. Eines ist sicher, er kommt hier nicht weg, wenn du es nicht willst." Rasch küsste er Arlin auf die Stirn, ehe er ihn losließ.

Arlin war danach zumute, seinen Freund leidenschaftlich zu küssen und dem anderen dann die Zunge herauszustrecken. Aber er beschränkte sich auf einen liebevollen Kuss auf Fayes Mund, dann legte er die Ohren an und verkündete "Ich werde die Türen alle verriegeln und ein Programm erstellen, dass dich im Speziellen einsperrt, verstanden?!" Er ließ dem ein leises Zischen und Fauchen folgen, dann lief er rasch in Richtung der Zentrale davon, die Türen hinter sich verriegelnd.

Faye spürte eine vage Erleichterung, dass Arlin damit aus der Gefahrenzone heraus war, auch wenn es unwahrscheinlich schien, dass Bastien ihm etwas antat. Doch es machte ihn selber auch sicherer, da der Jäger ihn nun bestimmt nicht angreifen würde, wenn Arlin jederzeit gegen ihn vorgehen konnte. Schließlich wollte er durch diesen Auftrag seine Freiheit wiedergewinnen, sollte er nicht gelogen haben.

"Und nenn ihn nicht Kätzchen", grollte er, während er fieberhaft überlegte, ob der andere wirklich Recht hatte, wenn er sagte, dass Faye eine Gefahr für seinen Freund war. Dass Bastien ihn gefunden hatte, war Zufall gewesen. Andere würden nicht hierher kommen, und so lange die Frachterpiloten zu Besuch waren, konnte er sich unsichtbar in den hinteren Oktaedern aufhalten. 'Aber entweder können wir den Sonnenritter überzeugen, dass die Station nicht aufgelöst wird dann kommen über kurz oder lang weitere von ihnen. Oder wir schaffen es nicht, dann muss Arlin gehen.'


by Jainoh & Pandorah