Sonntag 2.2

9.

Schmerzen, wie ein Gang durch die Labors, wie dieser eine Gang, den Bastien so viele Male durchschreiten musste, von grausamen Schmerzen geplagt, immer weiter auf das Licht zu, in der Hoffnung, dass dahinter die Erlösung liegen mochte. Wie damals im Labor lag hinter dem Licht keinerlei Erlösung, nur noch mehr Schmerz, noch mehr der düsteren Gedanken.

"Merde!" Ächzend versuchte Bastien sich zu bewegen. Es dauerte einige Momente, bis er zuordnen konnte, warum ihm dies nicht so gelang wie geplant. 'Gefesselt. Na gut. Dann also so.'

Er rollte sich hin und her, fand sein Gleichgewicht und schaffte es in eine sitzende Position, indem er sich gegen die Wand stemmte. Sein suchender Blick streifte die mittlerweile wieder aufgeräumte Küche und einen fassungslos voller Panik auf eine kleinen Schramme starrenden Faye. "Vollidiot." Verärgert registrierte Bastien, dass selbst diese Bezeichnung zärtlich klang, weil er Faye gegenüber einfach nicht zu der tödlichen Schlange werden konnte, die er Jahre lang gewesen war.

Die Stimme holte Faye aus seiner Starre. Es half nichts; es war geschehen, und irgendwie musste er das beste daraus machen. Vielleicht konnte er sich ja kleben. Irgendwie würde er schon eine Möglichkeit finden zu überleben. Und vielleicht würde sich das Hivosh mit der Zeit abbauen. Er sah auf und finster zu Bastien hin. "Macht es dir Spaß, Leben zu vernichten?"

"Wessen? Deines oder meines? Wieso bin ich noch am leben? Du hast doch von mir jede Chance erhalten, mich zu eliminieren." Wütend über diesen Reinfall starrte Bastien zurück und fauchte dann "Hör auf, deine Hand zu halten wie ein Baby! Das Hivosh verlangsamt deine Heilung, ist wohl ne neue Erfahrung, was?!"

"Ich hätte dich umbringen sollen!", fauchte Faye zurück. "Aber leider haben sie den Fehler gemacht und mir ein Gewissen mitgegeben. Ich lösche ohne absolute Not kein Leben aus. Und tu nicht so, als hättest du mir absichtlich die Chance gegeben, dich umzubringen."

Bastien entledigte sich der nicht sonderlich gekonnt angebrachten Gürtel und rieb seine Arme. Das Fieber machte ihn wahnsinnig, sein Kopf pochte, und hinter den Augen flimmerten Trugbilder auf. Er schloss kurz seine Augen und rieb sich über die Stirn. "Fieber..." An die Wand gestützt versuchte er, zum Wasserhahn zu gelangen. "Ich... habe gedacht, dass du mich tötest."

"Ich habe es auch gedacht", murmelte Faye. 'Und es ist ein miserables Gefühl gewesen.' Er stand auf und war mit wenigen Schritten bei Bastien, um ihn zu stützen und ihn davon abzuhalten, sich selber umzubringen, indem er stürzte und sich dabei doch noch das Genick brach. Zwar wusste er nicht, wovon das plötzliche Fieber kam, aber den roten Kopf, den verschleierten Blick und das schweißbedeckte Gesicht konnte nicht einmal Bastien vortäuschen. Überrascht stellte er fest, dass der Mann sogar zu glühen schien.

"Setz dich", sagte er harsch und brachte Bastien zu der Sitzecke, wo er ihn niederdrückte, um dann ein Glas mit Wasser zu füllen und es vor ihn zu stellen. Erst dann fiel ihm ein, dass er den anderen nicht mal auf Waffen untersucht hatte vor Schreck. 'Wie dumm kann man eigentlich sein?', schimpfte er stumm. Er schnappte sich Bastiens Hände und hielt sie fest, ehe er sein Versäumnis nachholte, nur um nichts zu finden. Verwirrt ließ er von dem anderen ab und schob das Wasserglas näher zu ihm hin.

"Danke, Mutti." Es hatte Bastien verwirrt und nicht gerade zu seiner Abkühlung beigetragen, dass der schöne Androide ihn nicht nur nicht töten wollte, sondern ihm auch noch half. Faye tastete ihn nach Waffen ab, beugte sich dicht über ihn, umfasste seine Finger. Wollte der andere ihm vielleicht nahe kommen? Trotz allem? Ein Traum, vermutlich ein Fiebertraum. Resigniert kippte sich Bastien das Wasserglas über den Kopf.

Fast hätte Faye gelacht. Mit nassem Haar und den nassen Flecken auf dem schwarzen Oberteil sah Bastien schon längst nicht mehr so gefährlich aus. Aber er war es, und gleichzeitig war er ein Lügner und ein Schauspieler. Er konnte seine Stimme freundlich und ehrlich klingen lassen, nur um einen dann mit dem gleichen Lächeln umzubringen. Das Bedürfnis zu lachen verschwand. Faye wünschte sich dringend Arlin zurück. Wo er nur so lange blieb? Er hatte doch lediglich das Schließen der Schotts überwachen wollen.

"Ich wünschte, du und dein Sonnenritter, ihr wäret in den statischen Nebeln verschollen", sagte er bitter. Er stand auf und hielt Bastien die Hand hin. "Komm, ich bring dich in dein Bett." Und dort würde er ihn einsperren, bis Arlin zurückkam und einen besseren Raum bestimmte. Denn frei herumlaufen konnte Bastien nicht mehr. Das war zu riskant.

Bastien starrte Faye fassungslos an. "Erst hilfst du mir, dann wünscht du mir den Tod an den Hals, dann willst du mich ins Bettchen bringen?" Er verschränkte die Arme. Stur sein konnte er auch. "Lass mich bloß in Ruhe! Und nur damit du es weißt, ich hatte mir wirklich den Tod gewünscht, hatte wirklich gehofft, dass du ihn mir schenken würdest, dass du verstehst." Wütend über seine eigene Verzweiflung und Enttäuschung wandte Bastien sich von Faye ab. Der Anblick des Androiden allein schmerzte ihn, weckte Gefühle, die er nicht wollte.

"Ich bringe dich nicht aus reiner Nächstenliebe in das Zimmer, sondern um meiner Sicherheit willen. Ich kann die Tür dort abschließen. Und wenn du dir den Tod so sehr wünschst, dann geh doch einfach nach draußen", entgegnete Faye zornig. "Aber zieh keine anderen mit rein. Ich hänge an meinem Leben, sonst wäre ich nicht hier. Oder hoffst du, dass dir jemand erklärt, dass er all deine Probleme für dich lösen wird und dir das Paradies auf Erden bereitet? Das gibt es nicht, das habe selbst ich schon gelernt. Weil nämlich prompt jemand kommt und es wieder zerstört." Zudem glaubte Faye ihm kein Wort.

Bastien schloss die Augen. "Du hast Recht, ich bin ein Feigling. Was das Sterben angeht vor allen Dingen." Er hob seine Hand und beobachtete, wie die letzten der feinen Schnitte durch das Glas sich schlossen. "Sonst wäre ich wohl kaum hier."

"Und in Selbstmitleid ertrinken kannst du auch!", schimpfte Faye. Er wollte nicht schon wieder auf den Mann hereinfallen; das letzte Mal hatte ihm gereicht, und die Folgen davon waren schlimm genug. 'Aber er hat keine Waffe dabei. Vielleicht wollte er mich wirklich nur genug reizen?' Erbost kämpfte er dagegen an, dieser Stimme Glauben zu schenken. Wie naiv konnte man sein?

Er packte Bastien und zog ihn unsanft auf die Beine, um ihn in Richtung der Tür zu schieben. Noch war der Mann vom Fieber geschwächt, aber wer wusste schon, wann es wieder verschwinden würde? Faye verspürte keine Lust, sich noch einmal mit ihm zu prügeln und dieses Mal auf Gegenwehr zu stoßen. Bastien war ein Jäger, und nun, wo er selber nicht mehr heilen konnte, war er ihm mit Sicherheit weitaus ebenbürtiger als zuvor.

Ermattet versuchte Bastien, sich zu wehren. "Hör auf! Ich will nicht eingesperrt sein! Ich will bei dir bleiben!" Faye war natürlich deutlich kräftiger als er, und auch seine Schnitte schlossen sich bereits präzise, die klare Flüssigkeit, die anstelle von Blut in Faye zirkulierte, wieder einfangend.

Bastien war noch immer schwindelig und noch immer fieberte er, die Maschinchen arbeiteten schnell und erhitzten seinen Körper auf eine kritische Temperatur, wie immer, wenn er sich hatte verletzen lassen. Kaum auf den Beinen, wurde ihm auch schon schwindelig. "Uh... ich glaube, hups... keine gute Idee..." Damit sackte er wieder zusammen, ärgerte sich, dass seine Schwäche nun so offensichtlich wurde. "Eis... bitte, kühl mich ab."

Faye fluchte leise, als er Bastien auffing und ihn stützte. Entweder war Bastien mit dem Fieber ein anderer Mensch geworden oder er verstellte sich jetzt oder er hatte es vorher getan. 'Arlin, verdammt, wo steckst du? Ich brauch dich...' Er griff nach Bastiens Arm, zog ihn sich um die Schulter und marschierte dann entschlossen in Richtung des umgestalteten Arbeitszimmers. "Wenn du dich nicht auf den Beinen halten kannst, ist das Bett sowieso die beste Lösung." Durch die Kleidung konnte er die Hitze spüren, die von dem Mann ausging. Sie war unnatürlich. Und das konnte er auf gar keinen Fall schauspielern.

Faye legte ihn vorsichtiger auf dem ordentlich gemachten Bett ab, als er eigentlich vorgehabt hatte. Dann murrte er "Ich hole Eis."

Ohne die Tür abzuschließen, kehrte er in die Küche zurück. Mit dem am Gefrierschrank eingebauten Icecrusher füllte er eine Schüssel zur Hälfte, ließ Wasser dazu und kehrte damit und einer Ladung Tücher zu Bastien zurück. 'Der Mann will mich umbringen, und ich spiele Krankenschwester. Ist das normal? Nein.' Aber die kurze Zeit schien gereicht zu haben, um das Fieber sogar noch ansteigen zu lassen. Bastiens Gesicht war feuerrot. Faye stellte die Schüssel ab, setzte sich zu ihm und zog ihm kurzerhand den Pullover aus, ehe er ihm kalte Tücher auf Brust und Stirn legte. Bastien jaulte erschrocken auf und machte eine Abwehrbewegung, bevor er realisierte, dass Faye ihn abzukühlen versuchte.

"Verzeihung." Er ließ die Hände sinken und blickte Faye mit schmalen Augen an, während er mit den Zähnen zu klappern begann. Vorsichtig hob er eine zitternde Hand wieder an und fragte flüsternd "Kannst du... verstehen, warum ich dich mit dem Hivosh geimpft habe?"

Faye schüttelte den Kopf und verzweifelte an dem ganzen Mann. "Nein. Ich verstehe dich nicht. Um dich zu verstehen, müsste ich dich wohl kennen. Oder mich dir verbunden fühlen, ähnlich. Aber alles, was ich sehe, ist ein Mann mit tausend Gesichtern."

Bastien war sich sicher, dass er so schrecklich aussah, wie er sich fühlte, aber er grinste trotzdem siegesgewiss. "Tausend Gesichter? Danke für das Kompliment." Er hatte noch immer die Hand gehoben und legte sie nun auf Fayes Oberarm ab. "Was ist Hivosh?"

Faye schnaubte und wischte die Hand von sich. Er wollte keine Berührung, die freundlich wirkte. Nicht von diesem Mann. "Eine Salzlösung, welche die Nanomaschinen lahm legt, die mich heilen. Aber das wirst du ja wohl wissen."

"Eine Salzlösung, die nicht mehr aus deinem System zu waschen ist." Bibbernd schob Bastien die nassen Handtücher von sich und kroch ein wenig von ihnen fort. "Das hätte ich ursprünglich getan, damit du..." Er zögerte und sah Faye mit schiefgelegtem Kopf an, dann hob er die Schultern. "Na gut, damit man dich töten kann... eliminieren ist wohl falsch gewählt." Er zerrte eine Decke über seinen nackten Oberkörper. "Ursprünglich. Aber da kannte ich dich nicht, deine... Ausstrahlung." Müde und zugleich aufgekratzt setzte Bastien sich am Kopfende des Bettes auf. "Aber eben habe ich andere Gründe verfolgt." Mit Blicken suchte er nach seinen Zigaretten.

'Das werden wir noch sehen, ob sie sich nicht mehr aus meinem System waschen lässt', dachte Faye, aber er spürte wieder Kälte in sich. Er sollte diesem Mann gar nicht zuhören. Fröstelnd sammelte er die Handtücher ein und warf sie in die Schüssel zurück. Doch statt aufzustehen, zu gehen und hinter sich abzuschließen, fragte er "So? Und die wären?"

"Um dich wertlos zu machen für sie." Bastien lehnte sich zurück. "Mein Auftrag war, dich wertlos zu machen, am allerbesten zu töten, zu vernichten, verbrennen, so dass niemand dich jemals finden und stehlen kann. Ich habe mich davon überzeugen können, wie einzigartig du bist und konnte dich nicht töten. Aber sie hätten es gewusst, wären gekommen, hätten dich gesucht. Jetzt aber, solltest du mir eine Probe deiner Austauscherflüssigkeit zur Verfügung stellen, könnte ich ihnen beweisen, dass du wertlos bist."

Faye presste die Lippen zusammen. Gerne hätte er es geglaubt, aber es war absurd. "Du lügst", sagte er und stand abrupt auf. "Man muss die Flüssigkeit nur austauschen und mich innerlich reinigen, dann bin ich wieder wie vorher. Und nur durch das Hivosh bin ich nicht wertlos. In mir stecken jahrelange Arbeit und viel Geld. So leicht werden sie es nicht hergeben, mit ein paar Spritzern Hivosh. Das, was du mir zugedacht hast, ist grausam." Er nahm die Schüssel, verließ das Zimmer erneut, und dieses Mal schloss er hinter sich ab. Doppelt.

Bastien ließ sich seitwärts fallen und blieb einfach quer über das Bett ausgestreckt liegen. "Grausam", flüsterte er heiser und starrte in die Kamera, die er hinter der einen kleinen Lampe versteckt wusste. Müde schloss er die Augen und wünschte sich Faye in den Raum zurück.

 

Sa'ini wachte inmitten eines Nestes seiner eigenen Haare auf. Der lose Zopf hatte sich geöffnet, und die Strähnen lagen um ihn herum verteilt. Müde blinzelte er, wunderte sich verschlafen über die Verspannung in seinem Nacken, bis ihm einfiel, dass er nicht in einem Bett, sondern auf dem Boden der Schutzhütte lag. Sie hatten aus den Kissen und Decken, die Arlin mitgebracht hatte, ein Lager gerichtet, das sogar leidlich gemütlich war.

Ein Lächeln erhellte Sa'inis Gesicht und ließ seine Augen leuchtender werden. Das erste Mal seit seiner Ankunft hatten er und der Katzenmann sich richtig unterhalten. Hatte er schon vorher Bewunderung für ihn empfunden, so war sie durch den vergangenen Abend, der bis tief in die Nacht gereicht hatte, nur noch gewachsen.

Arlin wusste, wovon er sprach, er kannte seine Station bis in jedes Detail, und er konnte wunderbar lebendig erzählen. Es war eine Freude gewesen, ihn anzuschauen, wenn seine Ohren mit ihren Bewegungen seine Worte unterstrichen oder sein Schwanz vor Aufregung peitschte, wenn Sa'ini einen Zusammenhang erfasst hatte, der ihm wichtig war.

Sa'ini sah zu Arlin hin, der noch friedlich schlief, das Gesicht entspannt und die Lippen leicht geöffnet. In einer Hand hielt er eine von Sa'inis Haarsträhnen, musste sie im Laufe der Nacht erhascht haben. 'Süß sieht er aus, und unschuldiger und naiver, als er ist. Er ist nicht naiv.'

Arlin blinzelte und streckte sich, dann erwachte er und schreckte hoch. "Oh nein! Die Sonne geht sicherlich draußen auf! Ich muss schnell die Schotts hochfahren!" Er stockte und fasste sich an die Stirn. "Ach, das machen die auch selber, ich... bin es nur so gewohnt, dass ich dabei bin, dass ich zuschaue und aufpasse, dass alle Räume Licht bekommen." Er streckte sich, dann begann er, die Decken zusammen zu legen, um einen Teil in der Truhe zu verstauen. "Tut mir leid, dass es so eine unangenehme Nacht war, Sa'ini. Auch wenn..." Er spürte, wie er leicht errötete. "Ich fand sie sehr schön."

Fasziniert beobachtete Sa'ini, wie die blassen Wangen Farbe bekamen, wandte den Blick dann aber mit einem Lächeln ab. Er stand auf, um Arlin beim Zusammenräumen zu helfen. "Ich habe sie auch genossen. Um so mehr, da ich mit einer feuchten Nacht auf hartem Untergrund gerechnet habe, nicht mit interessanten Gesprächen in einem Deckenlager. Ich bin froh, dass du gekommen bist und wir die Missverständnisse ausgeräumt haben. Danke."

Arlin nickte einmal, dann meinte er mit Blick auf die eben aufgehende Sonne "Wir sollten zurück. Ich hoffe, dass Faye... Oh nein! Faye und Bastien! Schnell, Sa, wir müssen uns beeilen!" Sein Herz schlug schmerzlich schnell, und Angst kroch in Arlins Gedanken hoch. Aber auch ein anderes Gefühl gesellte sich dazu, während er mit Sa'ini auf der Raupe über die Korridore raste, die nun im Licht der Sonne bereits mit Sauerstoff versorgt wurden und in blassroséfarbenem Licht gar nicht mehr so düster und verflucht wirkten wie am Abend. Er schämte sich. Er hatte Faye, seinen Schatz vergessen! Wie konnte er nur!

Hastig rannte Arlin in die Zentrale, von der aus er die Wohnung und alle anderen Oktaeder überwachen konnte. Nebenbei erklärte er Sa'ini die Funktion einiger Pulte und wies ihn dann auf die Überwachung der Oktaeder hin, in denen gerade die Schafe und die Kühe auf die Weide gelassen wurden und einige Hühner begannen, im Staub zu scharren.

Endlich hatte er die Codes für die Wohnung eingegeben. Da er so lange allein gewesen war, musste er diese immer noch raussuchen. Erstaunt sah er, dass Faye in der Küche saß, der Tisch war gedeckt und die Kaffeemaschine dampfte. Bastien entdeckte er erst auf zweiten Blick, der Mann lag unter Laken versteckt im Gästebett und schien zu schlafen. "Na, es geht ihnen gut. Sie hatten eine Art Auseinandersetzung gestern und ich hatte schon Angst..." Es war ihm peinlich, aber mit Sa hatte Arlin seinen Faye komplett vergessen. Die frische Liebe war wie verwischt gewesen gegen die Präsenz des intelligenten und interessierten Mannes, der zudem sogar noch kleiner war als Arlin selber.

"Faye ist ein Sonnenritter, hast du mir gesagt." In seiner eigenen Kleidung fühlte Sa'ini sich wohler als in dem Overall, selbst wenn sie zerknittert und nicht mehr sauber war. Jetzt freute er sich auf eine heiße Dusche, danach nicht ganz so sehr auf den Kampf gegen seine verknoteten Haare. "Ein Sonnenritter lässt sich nicht so leicht in sinnlose Gefechte verwickeln. Meistens sind Sonnenritter diplomatisch, wobei es leider immer mal wieder Ausnahmen gibt." Er zwinkerte Arlin zu und stellte angenehm überrascht fest, dass es den Katzenmann zum Erröten brachte. Es ließ ein warmes Gefühl in seinem Bauch entstehen.

Arlin seufzte und überlegte, wie er Sa'ini beibringen konnte, dass Faye ihn zwar belogen hatte, aber zu seinem Wohl. "Ach, wir gehen da jetzt erst einmal hin. Bastien hat etwas ausgefressen. Ich kenne ihn nicht näher, aber er hat... Faye bedroht. Vielleicht können wir das Problem zwischen den beiden ja irgendwie klären. Hilfst du mir, Sa?"

Überrascht hob Sa'ini die roten Brauen. Ausgerechnet der ruhige Bastien sollte Faye bedroht haben? "Natürlich helfe ich", sagte er dennoch, dann erst fiel ihm auf, dass Arlin seinen Namen abkürzte. Es klang nett. Ganz offensichtlich war es ihm gelungen, Arlin davon zu überzeugen, dass er ihm nichts Böses wollte.

Arlin überließ Sa'ini in der Wohnung angekommen zunächst das Badezimmer und reichte ihm einen dicken Bademantel, da die Tür zum Gästezimmer und damit auch zu der Kleidung des Kemjasheri'i versperrt war. Dann ging er gleich durch in die Küche zu seinem Schatz, um ihn nach seiner Nacht auszufragen. "Faye! Ich bin so froh, dass dir nichts passiert ist!"

"Arlin!" Faye fuhr herum und war mit wenigen Schritten bei seinem Geliebten, um ihn in den Arm zu ziehen. Fest drückte er ihn an sich und spürte die Erleichterung wie ein warmes Rauschen durch sich fließen. Er hatte kaum schlafen können in der Nacht, so viele Sorgen hatte er sich gemacht. Nur die Schotts, hatte Arlin gesagt, und dann war er bis eben weg geblieben.

"Ich hatte Angst, dass dir etwas passiert ist", murmelte er und vergrub das Gesicht an Arlins Schulter, auch wenn die Haltung unangenehm gebeugt war. "Warum bist du nicht wieder gekommen? Gab es einen Defekt?"

"Es ist zu gefährlich, während der Stürme zwischen den Oktaedern hin und her zu fahren. Sa'ini und ich mussten im tropischen Raum übernachten." Arlin drückte Faye noch einmal an sich. "Hm, ich habe vielleicht einen Hunger!"

"Und es gab keine Möglichkeit, mir eine Nachricht zukommen zu lassen? Du wolltest doch nur wegen der Schotts weg!" Es irritierte Faye, dass Arlin gleich ans Essen dachte und nicht einmal nach Bastien fragte. Wenn er jedoch die ganze Nacht in einem unbequemen Oktaeder verbracht hatte, war es andererseits auch verständlich. Denn offensichtlich ging es ihm, Faye, gut. "Ich hatte gehofft, dass du bald kommst. Das Frühstück ist so gut wie fertig." Er ließ ihn los, um die Eier vom Herd zu nehmen. "Ist der Sonnenritter denn dieses Mal wenigstens nicht von einem Fettnäpfchen ins nächste getaumelt?"

Arlin blinzelte Faye schuldbewusst an. "Ich hätte keine Nachricht senden können, nur zur Zentrale und du warst ja hier eingesperrt. Wie haben sich die Dinge denn mit Bastien entwickelt? Ich habe gesehen, dass er verletzt ist, habt ihr euch geschlagen?"

"Schlecht haben sie sich entwickelt." Faye holte Eierbecher aus dem Schrank, gab die Eier hinein und platzierte sie dann auf dem Tisch, während er überlegte, wie er es Arlin am besten erklärte. "Leider haben deine Androiden nicht alle Waffen gefunden. Er hat mir Hivosh gespritzt, dafür habe ich ihn geschlagen. Dass ich Idiot ihm aber auch geglaubt habe!"

Rasch erklärte er Arlin, was es mit Hivosh auf sich hatte. Immerhin hatte er festgestellt, dass er seine Fähigkeit zur Regeneration nicht ganz verloren hatte; sie hatte sich nur wesentlich verlangsamt. Doch seine Erleichterung, als er bemerkt hatte, dass die Schmerzen aufhörten und sich die Abschürfungen und Schnitte schlossen, war grenzenlos gewesen.

Arlin musste sich erst einmal setzen. "Ach du meine Güte... was machen wir denn jetzt?" Vollkommen verwirrt nahm er die Brille ab und rieb sich die Augen, blinzelte kurzsichtig gegen das unnatürlich wirkende Licht, das durch die elektrischen Stürme verursacht wurde. "Wir fragen Sa'ini. Er ist mit ihm gefahren, und er ist ein Sonnenritter, vielleicht weiß er, wie wir dieses Problem lösen. Denn im Zimmer kann Bastien nicht ewiglich bleiben, der Ärmste muss sicherlich auch mal zur Toilette, und Sa braucht seine Kleidung."

Empört sah Faye ihn an. "Der Ärmste will mich umbringen!" Dann lachte er jedoch und trat zu Arlin, um ihn von hinten zu umarmen und seine Wange zwischen die Katzenohren zu schmusen. "Mit den Klamotten hast du allerdings recht. Offensichtlich ist es zwischen dir und Sa'ini gut gelaufen, wenn du schon in Erwägung ziehst, ihn um Hilfe zu bitten. Aber meinst du, das ist klug? Immerhin bin ich als Sonnenritter vorgestellt worden. Ob er dann noch so freundlich sein wird, wenn er die Wahrheit erfährt?"

Arlin hob die Schultern, dann nickte er jedoch. "Ich glaube schon. Er ist ja nicht gerade der obersten Abgesandten und zudem ist es mir nicht verboten, Freunde einzuladen oder Gefährten hier zu haben. Das bist du nun einmal." Er lächelte Faye an, dann schmiegte er sich einmal rasch enger an ihn. "Ich bin froh, dass du hier bist."

"Ich bin es auch", murmelte Faye, während ihm von dem liebevollen Blick warm wurde. Dann fiel ihm jedoch ein, dass er ihn vielleicht verlassen musste, und die Wärme wich. Er drückte ihn kurz fester an sich und beschloss, nach Bastien zu sehen, bis Sa'ini fertig war. "Ich bringe Bastien das Essen und schau, wie es ihm geht, bis ihr beide fertig seid."

Er küsste ihn auf die Wange, dann ließ er ihn los, um das bereits fertig gerichtete Tablett zu nehmen und damit zu Bastien zu gehen. Er klopfte an, trat aber direkt ein. Erst dann merkte er, wie unvorsichtig er schon wieder war. Vielleicht hatte der Mann noch mehr Waffen versteckt gehalten; doch zu seiner Erleichterung lag Bastien noch immer in seinem Bett.


© by Jainoh & Pandorah