Sonntag 2.2

14.

Arlin hatte den Nachmittag damit verbracht, unglücklich in der Zentrale zu hocken, an zwei defekten Droiden zu schrauben und hin und wieder daran zu denken, dass er zu Faye gehen sollte, ihn um Verzeihung bitten. Er konnte und wollte dies jedoch nicht tun, weil er sich sagte, dass es seinen und Fayes Schmerz nur verschlimmern würde.

Als die Schotts alle überprüft waren, sah er im letzten Kontrolldurchgang, wie der Androide aus dem gemäßigten Oktaeder mit den Orangenbäumen kam und durch die Wohnung ging. Seufzend folgte Arlin seinem Weg durch den Flur und in das Gästezimmer. Es versetzte ihm einen Stich, dass Faye nun allein dort auf dem Bett sitzen musste, dass er so traurig aussah. 'Er hat geweint, ich habe ihn so sehr verletzt, wie konnte ich das nur tun! Wie konnte ich nur so selbstsüchtig sein!'

Ein kleiner Blick in die Küche zeigte ihm Sa'ini, der seine Haare aufgesteckt hatte und dabei war, ein sicherlich fabelhaftes Essen zu kochen, nach dem Arlin der Sinn überhaupt nicht stand. Dennoch sperrte er ab und ging, nachdem er sich die Hände gewaschen hatte, gleich in die Küche. "Hallo, Sa. Was gibt es heute leckeres zu essen?"

"Gemüsereis und Geflügel, nach einem Rezept aus meiner Heimat; improvisiert, da du wenig der Gewürze hast." Sa'ini gab eine Handvoll frischer Kräuter in die Pfanne, rührte um und kostete vorsichtig. Arlin hatte es doch wirklich geschafft, ihm mit seinem Interesse und den Fragen auch die guten Seiten seiner Heimat in Erinnerung zu rufen. Allein die Kemjasheri'i-Küche war es wert, nicht in Vergessenheit zu geraten.

Doch als er sich zu Arlin umdrehte, rückte das Essen erst einmal in den Hintergrund. Die Katzenohren waren nur gerade eben aufgerichtet, und der Schwanz schleifte traurig über den Boden. Überhaupt schien der ganze Arlin in sich zusammengesunken zu sein, selbst wenn er versuchte, es sich nicht anmerken zu lassen. "Und davor gibt es eine große Prise Trost. Du hast mit Faye gesprochen, nicht wahr?"

Arlin spürte fast schon körperlich, wie seine Selbstbeherrschung zerbrach. "Es war so schrecklich, Sa! Ich... wollte ihm nicht weh tun, aber gerade das habe ich getan. Ich habe ihn mehr verletzt, als es jemals zuvor passiert ist und das, nachdem er von dem Labor zu mir geflohen war! Wie kann ich das nur wieder gut machen?!" Unvermittelt brach er in Tränen aus und legte die Brille auf den Tisch.

Sa'ini ließ den Löffel im Gemüse stecken und drehte beide Herdplatten herunter, bevor er zu Arlin trat und ihn einfach in die Arme zog. Fest drückte er ihn an sich und streichelte ihm über Kopf und Rücken. "Es ist nicht deine Schuld. Es ist gut, dass du es ihm gesagt hast, das solltest du wissen. Dass er hierher gekommen ist, war Zufall, und du hast ihm Zeit in Sicherheit zum Erholen und Wärme gegeben. Das ist viel mehr, als er erwartet hat, ganz bestimmt. Du musst bedenken, dass Faye noch schrecklich jung ist, selbst wenn er nicht so aussieht. Es gibt so viel, was er noch lernen muss. Ist es da nicht besser, du bist seine erste große Liebe als jemand, dem es gleichgültig gewesen wäre, wie sehr er ihn verletzt hätte?"

Arlin seufzte und senkte den Kopf. Sa'ini hatte Recht, wie immer. Er war schrecklich logisch, wie immer und schrecklich erfahren in seinen Argumenten. Es gab Arlin das Gefühl, dagegen reden zu müssen und zugleich gab es ihm das Gefühl, Sa'ini zu umarmen und sich von seinen Argumenten überzeugen zu lassen. Er entschied sich für das erste und hob den Kopf, richtete seine Ohren und entgegnete eine Spur zu heftig "Und wieso bist du dir da so sicher?! Vielleicht habe ich seine Gefühle nun so sehr verletzt, dass er nicht mehr lieben möchte! Was ist dann?! Und zudem habe ich gelogen. Ich fühle mich schuldig. Ich glaube nicht, dass es gut war, wie ich es ihm gesagt habe!" Wütend über sich und seine Lage verschränkte er die Arme. Er blickte Sa'ini gerade richtig aufgebracht an, als Bastien zur Terrassentür hereinkam.

Ein Schwall ekelhaft kalter Luft und statisch aufgeladener Schnee folgten ihm. Er schüttelte sich ein wenig und schloss hastig die Tür. Er wollte gerade eine Bemerkung zu dem köstlichen Duft machen, als ihn die Stimmung erfasste und ihm das Gefühl gab, dass es trotz all der Wärme in der Küche irgendwie frostiger zu werden drohte als im Garten. "Ich sollte mir etwas trockenes anziehen", murmelte er unbestimmt und flüchtete in Richtung des Gästezimmers. Eine Flucht vom Regen in die Traufe, wie er nach nur einem Blick auf Fayes Gesicht feststellen sollte.

Schweigend ging Bastien zu seiner Kommode und zog seine Kleidung aus und eine weiche Flanellhose und einen dicken Pullover aus dunkelbrauner Wolle an. Dann ließ er sich hinter Faye auf seiner Seite des Bettes nieder und betrachtete den zusammengesunkenen Rücken. "Zu fühlen ist nicht immer nur Segen, nicht? Es ist eine verfluchenswerte Eigenschaft von Zeit zu Zeit."

Faye zuckte ein wenig zusammen, dann nickte er nur. Bastien erschien ihm nicht gerade als die geeignetste Person, um sich bei ihm auszuweinen; aber so gesehen gab es niemanden, bei dem er es konnte. Sa'ini war nun wirklich keine Wahl, so nahe wie er Arlin stand, Arlin fiel ohnehin weg und Bastien... war Bastien. Faye fühlte sich so allein wie noch nie zuvor in seinem Leben, einsamer sogar noch als in dem Frachtraum, als er von dem Labor geflohen und kein lebendes Wesen bei ihm gewesen war.

Faye so verloren und hilflos zu sehen, war ein ungewohnter Anblick. Ungewohnt allein deswegen schon, weil der Mann zur Traurigkeit einfach viel zu schön war. Bastien ließ sich einen Moment lang noch anschweigen, dann beschloss er, dass es bei ihm nicht darauf ankam.

In Fayes Ansehen konnte er nicht mehr tiefer sinken. Er ließ sich in einiger Entfernung ebenfalls auf der Bettkante nieder und sagte leise "Es hilft mir immer, mich mit einem Becher heißem Wein und etwas Süßem in eine Wolldecke zu wickeln. Das macht den Schmerz weicher, und man fühlt sich nicht so allein." Er grinste schief. "Man muss nur aufpassen, dass einem am nächsten Tag nicht übel wird."

Faye sah auf und zu Bastien hin. War das Mitgefühl? Beinahe war es, als wollte der andere Mann ihn trösten, und das verwirrte Faye genauso wie die Tatsache, dass er es gewesen war, der ihn gerettet hatte und nicht Arlin oder... Der Gedanke an Arlin ließ den Schmerz gleich heftiger werden, und mit einem Mal war Bastien jemand, der da war, gleichgültig, was sie trennte. Faye wollte nicht allein sein. Aber in die Küche wollte er auch nicht, nicht zu Arlin und Sa'ini. Seine Hände gruben sich fester in den Schlafanzug. "Ich... glaube nicht, dass ich mir heißen Wein machen möchte. Nicht jetzt. Und... ich werde künftig hier schlafen."

"Oh." Es war also ernsthaft aus mit dem Katerchen und dem Androiden. "Soll ich... dich allein lassen? Ich darf sicherlich auch im Wohnzimmer schlafen, der Kater hat da nichts gegen, nehme ich an." Innerlich schlug er sich für seine Idiotie, den Kater erwähnt zu haben.

Hastig schüttelte Faye den Kopf. "Nein, bleib ruhig hier. Du störst mich nicht." Er zögerte, dann gab er zu "Ich... will nicht allein sein. Es macht es nicht leichter, ich hab es den ganzen Tag versucht."

"Ich... störe dich nicht?" Bastien grinste leicht. "Meine Güte, es geht dir wirklich schlecht, nicht wahr?" Er legte den Kopf schief. "Aber ich leiste dir sehr gern Gesellschaft, Faye, bin froh, dass du es mir erlaubst. Darf ich mir ein Glas Wein dazu holen?" Er hatte auch ein wenig Hunger, aber das konnte warten. Bastien Herz frohlockte und machte, dass er idiotisch grinste und damit nicht aufhören konnte. Auch wenn er äußerlich versuchte läppisch zu sein, bedeutete es ihm viel, dass Faye ihn bei sich haben wollte.

Faye fragte sich, ob es eine gute Idee gewesen war, Bastien um Gesellschaft zu bitten; aber dass dieser ihn um Erlaubnis fragte, ob er sich Wein holen durfte, lenkte ihn ab und verwirrte ihn, bis ihm auffiel, dass Bastien grinste. Er machte sich über ihn lustig. 'Nein, er neckt mich, um mich aufzuheitern. Er ist so seltsam.'

"Natürlich. Bringst du mir eines mit? Bitte." Faye versuchte ein Lächeln, aber ihm war nicht danach zumute, auch nicht, als Bastien mit einem Nicken das Zimmer verließ. Stattdessen fühlte er sich wirklich allein. Um das Gefühl nicht zu sehr zuzulassen, stand er auf, zog sich rasch um und wickelte sich in seine Decke ein, wie Bastien es ihm geraten hatte.

Auf dem Weg in die Küche hüpfte Bastien sogar einige Male, bis er auf den Hausschlappen von Arlin fast ausrutschte. Er nahm den Kater und den Sonnenritter kaum wahr, die beiden kümmerten sich ebenso wenig um ihn. Sie waren noch immer in eine Diskussion um Gefühle, Verantwortungen und interessanterweise um Nanomaschinen und deren Funktionsweise verstrickt. Arlin hatte eine Faust in die Hüfte gestemmt und fauchte hin und wieder sogar, Sa'ini keifte gekonnt zurück, fast wie ein Waschweib mit seiner Schürze vom Kochen. Wenn Bastien nicht erheblich angenehmere Pläne gehabt hätte, dann hätte er sich in der Nähe der beiden niedergelassen, um die Show mit ansehen zu können.

Er beeilte sich jedoch mit seinem kleinen Raubzug, nahm frisches Brot, ein wenig Käse und eine Flasche Rotwein mit, Gläser und auch Wasser hatten sie noch vom Kranksein am Bett stehen. Als er in das Zimmer zurückkehrte, hatte Faye sich einen der schrecklichen Schlafanzüge übergeworfen und hockte schmollend und brütend unter einer Wolldecke auf dem Bett. Bastien stellte das Essen und den Wein in seiner Nähe ab, dann holte er von der Fensterbank zwei Kerzen und platzierte sie dichter am Bett. Seine Kleidung war warm und gemütlich, zudem würde er noch lange nicht müde sein. Langsam goss er zwei Gläser Wein ein und reichte Faye eins davon, dann brach er sich ein Stück Brot ab und ging auf seine Seite des Bettes hinüber, um sich dort an die Wand gelehnt niederzulassen.

Faye nippte an seinem Wein und war Bastien dankbar für die Fürsorge, auch wenn es nicht zu dem Mann zu passen schien. 'Tut es das nicht? Ich kenne ihn eigentlich nicht.' Sich auf ihn zu konzentrieren, war angenehmer, als darüber nachzudenken, dass Arlin ihn nicht liebte und nie geliebt hatte. Und zudem machte es ihm mit einem Mal bewusst, dass er sich noch nie bei Bastien bedankt hatte. Nicht für den Wein, und erst recht nicht dafür, dass er ihm das Leben gerettet hatte.

"Danke", sagte er leise und wandte sich halb zu ihm um. "Für alles. Ich wollte es nicht vergessen oder ignorieren. Es schien mir nur so... bizarr, dass ausgerechnet du wegen ausgerechnet mir beinahe erfroren bist. Ich weiß zwar nicht, ob es klug ist oder dich irgendwie auch nur interessiert, aber ich glaube dir jetzt. Du kannst eine Probe von der Flüssigkeit haben, wenn es dir so wichtig ist."

Bastien blickte nun wirklich überrascht in Fayes Gesicht. "Sehr gern geschehen, Faye", erwiderte er nach einem kleinen Augenblick. "Ich freue mich, dass ich dein Vertrauen gewinnen konnte, trotz allem." Er zögerte kurz, dann entriegelte er die kleine Probenkammer seiner Uhr. "Ich hatte mir eine Probe genommen, als du bewusstlos warst. Hier."

Fayes Gesicht verdunkelte sich, doch dann entspannte er sich wieder. Natürlich, wieso hätte Bastien darauf vertrauen sollen, dass er ihm eine Probe freiwillig gab? Deswegen nickte er nur, ehe er den Mann eine Zeit lang forschend betrachtete. Das schlanke Gesicht mit den braunen Augen war hübsch, ohne dass man genau definieren konnte wieso. Die kleine, sichelförmige Narbe am Kinn verlieh ihm eine interessante Note. Dennoch wusste Faye, wie unauffällig Bastien sein konnte, wenn er wollte. "Ich verstehe dich nicht. Du verwirrst mich. Bist du immer so verschieden? Abweisend, fürsorglich, sarkastisch, liebevoll, grimmig, offen, betrügerisch, ehrlich..."

Bastien entspannte sich, als auf Faye seine letzte Betrügerei so gutgesonnen reagierte. "Ich verwirre gern", verkündete er zufrieden und betrachtete den Androiden. "Würdest du mir glauben, wenn ich dir versprechen würde, dass ich dich nie wieder anlüge, betrüge, hintergehe oder verletze?" Den Blick auf Fayes Gesicht geheftet nippte er von seinem Glas.

Faye dachte darüber nach, während er den Blick erwiderte und in der ruhigen Miene auf Hinweise nach einem neuen Scherz suchte. "Ich würde es gerne", sagte er schließlich unsicher. "Ich weiß nicht, ob ich es kann." Dann lächelte er schwach. "Aber ich falle nicht schon wieder darauf herein. Wenn ich ja sage und es tue, dann erklärst du mir vielleicht wenig später, dass du nur nach der Möglichkeit gefragt, aber nie dieses Versprechen gegeben hast."

"Nein. Wenn du willst schwöre ich bei... etwas, das mir wichtig ist." Peinlich berührt überlegte Bastien, was dies sein mochte. "Bei deinem Leben", sagte er schließlich.

Faye wollte gerade auflachen, als er sich daran erinnerte, was Arlin ihm von Bastiens Zustand erzählt hatte, mit dem er aus den nächtlichen Oktaedern gekommen war. Sein Leben war dem Mann, der ihn hatte töten wollen, wichtig geworden. Misstrauisch sah er ihn an.

"Gut, dann kannst du gleich mit dem Ehrlichsein anfangen und mir sagen, was mein Leben für dich mit einem Mal so außerordentlich wertvoll macht." Doch noch ehe Bastien auch nur den Mund öffnen konnte, winkte er ab. "Aber wahrscheinlich ist es so geheim, dass du nicht darüber sprechen darfst."

Bastien zuckte mit den Schultern. "Wir machen einen Deal. Du fängst an, auch einmal ehrlich zu dir selber zu sein, und ich werde dir am Tag meiner Abreise verraten, was dich wirklich so wichtig für mich gemacht hat."

Ernsthaft interessiert sah Faye ihn an, dann wechselte er das Weinglas in die linke Hand und hielt Bastien die rechte hin. "Okay. Aber wieso glaubst du, dass ich nicht ehrlich zu mir bin?"

Bastien drückte Fayes Hand und sagte noch während er sie hielt "Du hast Liebeskummer wegen einer Person, die du nie geliebt hast. Entweder weißt du nicht, wie Liebe sich anfühlt, oder du belügst dich selber." Rasch ließ er Fayes Finger los und hob schützend seine Hand. "Du wolltest es wissen, ich hab es dir gesagt, tut mir leid, dass ich undiplomatisch bin."

Die Erinnerung an Arlin tat weh, und Faye presste die Lippen zusammen. Statt wütend und verletzt aufzubrausen, sagte er jedoch "Ich habe noch nie zuvor so viel für jemanden gefühlt wie für ihn. Warum sagst du, es sei keine Liebe?"

Bastien hob die Schultern erneut, eine hilflose Geste, die er an sich gar nicht gern hatte. "Vielleicht weiß ich es einfach?" Er nippte an seinem Glas, dann murmelte er sich von Faye abwendend "Vielleicht will ich es nur so haben." Um sein Wegsehen zu kaschieren, stellte er das Glas auf seinen Nachttisch.

Unverwandt folgte Faye der Geste mit dem Blick, während in ihm eine Vermutung zu wachsen begann. 'Es ist nicht möglich, aber... es klingt, als würde er mich gern haben.' Gelegenheiten fielen ihm ein, bei denen er sich von Bastien beobachtet gefühlt hatte, und der Ausdruck in den dunklen Augen hatte ihn oft verwirrt. Er sah ihn noch immer an, als Bastien sich wieder zu ihm umdrehte, und nahm hastig einen viel zu großen Schluck Wein. Wenn er sich nicht gerade wegen Arlin so elend gefühlt hätte, hätte es ihm wahrscheinlich sogar Spaß gemacht, seinen Gedankengang auszutesten. Er hustete ein wenig und fragte dann "Wie groß sind meine Chancen, dich verstehen zu lernen, bevor der Winter vorüber ist?"

Bastien lachte auf. "Nicht besonders groß, glaube ich. Ich verstehe mich selber nur sehr selten." Er verschränkte, nun wieder ein wenig zuversichtlicher, die Arme hinter seinem Kopf und lehnte sich gegen das dicke Kopfkissen zurück. "Darf ich dich etwas fragen, Faye?"

"Fragen kannst du. Ob ich dir antworte, sei dahingestellt", meinte Faye vorsichtig und stellte nun auch sein Weinglas beiseite.

"Wohin willst du gehen, wenn der Winter vorbei ist?"

Faye senkte den Kopf und sah auf seine Hände hinab. Musste Bastien das ausgerechnet jetzt fragen? Bis vor dem Gespräch mit Arlin war er noch davon überzeugt gewesen, dass er, wenn er es irgendwie hätte verantworten können, hier bleiben würde. Aber das würde nicht mehr gehen. Selbst wenn Arlin nichts dagegen hatte, wollte Faye nicht zusehen, wie er und der Sonnenritter miteinander glücklich wurden. Natürlich gönnte er es Arlin, jemanden gefunden zu haben, der zu ihm passte, aber es tat weh, so beiseite geschoben zu werden.

Er straffte sich ein wenig und presste die Lippen zusammen. Das hieß, er würde einfach wieder seinen alten Plan verfolgen, hauptsächlich weit weg vom Labor zu kommen. Und zu sehen, was sich finden ließ. "Ich denke, du kennst die Antwort darauf sehr genau. Warum fragst du also?"

"Weil ich die Antwort nicht kenne." Und dem war so. Bastien hatte keine Ahnung, welche Pläne oder welches Chaos den schönen Androiden ausgerechnet auf diese abgelegene Station geführt hatten. Der Frachter, dem Bastien mit dem Sonnenritter gefolgt war, hätte als nächstes auf einer nicht sonderlich großen Raumstation und danach in einer unattraktiven Stadt am Rande eines Hypersprungtores gehalten. Hatte Faye in eine dieser Siedlungen gewollt, oder hatte er sich ziellos treiben lassen?

Die Art, in der Faye alles anging, die Naivität, die ihn umgab und die Bastien so anziehend an ihm gefunden hatte, war sicherlich auch in seine Fluchtplanung eingegangen. Mit einem kleinen Lachen rollte Bastien auf die Seite und schüttelte den Kopf. "Oh nein! Sag mir bloß, dass du gar keine Pläne hattest. Sag bloß, du hast keine Ahnung, wo du bist und wie du hier wegkommst!"

Arlin hatte Faye auf Sternenkarten gezeigt, wo die Station lag, selbst wenn er selber wohl wenig damit anfangen konnte. Doch es hatte Faye einen Überblick verschafft. Immerhin konnte er so Bastien mürrisch die Koordinaten nennen, wenngleich er auch nicht wirklich viel Ahnung davon hatte, was in der Nähe liegen mochte. "Und weg komme ich mit dem ersten Frachter, der ankommt und nicht zum Labor zurückfliegt, so viel ist sicher. Länger als nötig werde ich nicht hier bleiben."

Bastien nickte versonnen. Ein Seitenblick auf den Androiden bestätigte ihm, dass er keine Ahnung vom Reisen hatte, von den Kontrollen an Hypersprungtoren und von der Geldgier der Frachterpiloten. Leise sagte er endlich "Auf deinen Kopf ist eine Belohnung ausgesetzt gewesen, Faye. Ein Gesicht wie deines vergisst kein Frachterfahrer so schnell."

Fayes Miene wurde verschlossen. "Frachträume können sehr bequem sein, Bastien. Ich komme hier schon wieder weg, selbst wenn du dir gerade Mühe gibst, wieder eine sehr unfreundliche Seite von dir ans Tageslicht kommen zu lassen." Er hatte nicht vor, sich entmutigen zu lassen, selbst wenn seine Ausgangsbedingungen dank exakt diesem Mann neben ihm nicht die besten waren. "Aber was ich nach dem Winter tue oder nicht tue, kann dir eigentlich ziemlich egal sein. Unsere Wege werden sich dann trennen und sich vermutlich nie wieder kreuzen."

Bastien senkte den Kopf, dann nickte er leicht. "Vermutlich. Ich werde die Probe abgeben und dich für tot erklären lassen, danach werde ich in mein Haus auf der französischen Kolonie Bechelle fahren. Du... wirst dich in Frachträumen weit, weit fortbringen lassen. Du hast Recht."

Bastien erhob sich mit einem kleinen Sprung aus dem Bett und ging zu Fayes Seite vom Bett, um die Lebensmittel aufzuheben. "Ich werde das Essen wegbringen und mich mal im Bad ein wenig umsehen. Falls du schon schlafen solltest, wenn ich wieder da bin, wünsche ich dir eine gute Nacht, Faye. Danke für das Gespräch." Er deutete eine kleine Verbeugung an und verließ das Zimmer mit schnellem Schritt.

Faye rutschte in die Kissen hinunter und zog die Decke nach oben. Dann starrte er an die Decke und fragte sich, ob er zu harsch gewesen war. Vielleicht hatte Bastien ihm auf seine undurchschaubare Art auch nur Hilfe anbieten wollen. Vielleicht aber auch nicht. Er dachte eine Zeit lang darüber nach, dann kehrte jedoch schleichend wieder Arlin in seinen Kopf zurück, und Bastien war erst einmal vergessen. Faye rollte sich zusammen und schloss die Augen, als er neue Tränen über seine Wangen laufen spürte.


by Jainoh & Pandorah