Sonntag 2.2

15.

Arlin warf schnaubend mit dem Küchentuch in Richtung der Tür, durch die Sa'ini soeben gegangen war. Der kleine Sonnenritter hatte ihn mit einfach jedem seiner Argumente noch hitziger und streitsüchtiger gemacht und warum? Nur, weil Arlin sich schuldig fühlte und nur, weil er ganz genau wusste, dass der Kemjasheri'i so verdammt Recht mit allem hatte.

Er hatte Recht mit seinem Einwand, dass die Sonnenritter alles absegnen mussten, dass sie von Arlins Gärten erfahren mussten, dass er nur so Sicherheit erlangen würde. Er hatte Recht mit Faye gehabt. Arlin hätte dem Androiden schon früher gestehen müssen, dass ihre Beziehung aus schrecklicher Einsamkeit erwachsen war, vermutlich gepaart mit der Unerfahrenheit beiderseits. Und nun hatte er auch noch Recht damit gehabt, dass es deutlich einfacher war, eine Pfanne sauber zu bekommen, wenn man heiße Seife nahm.

Arlin war so ärgerlich, dass er Bastien nur anfauchte und in der Küche stehen ließ, als dieser mit einem Stück Käse zum Kühlschrank ging und ihn fragte, ob er noch helfen könne.

Sa'ini saß auf dem Bett und bürstete sein Haar, als Arlin eintrat. Noch immer blitzten die schönen, dunkelorangefarbenen Augen hinter der Brille so verführerisch zornig, dass es Sa'ini einen angenehmen Stich versetzte. Allein deswegen war es schon verlockend, Arlin zu reizen, wenngleich er es gar nicht beabsichtigt hatte, sondern ihm nur hatte verdeutlichen wollen, was auf ihn zukam.

Arlin stemmte einmal kurz die Faust auf die Hüfte. Dann verkündete er grummelig "Ich entschuldige mich, du hast Recht." Rasch lief er zum Bad, um sich dort zu verstecken, was ihm misslang, weil Bastien ihm zuvor gekommen war.

Es blieb Arlin nichts weiter übrig, als zu seinem und nun auch Sa'inis Schlafzimmer zurückzukehren und sich erst einmal seine Schlafsachen aus dem Schrank zu suchen. "Das Bad ist belegt", erklärte er in Richtung des Kemjasheri'i, der in die Pflege seines Haares vertief zu sein schien.

Sa'ini lächelte, hinter den rotgoldenen Strähnen verborgen. Doch er versteckte seine Erheiterung, als er die Haare hinter die Schultern strich und sie in drei Stränge teilte, um sie für die Nacht zu flechten. "Ich wollte dich nicht wütend machen. Doch es scheint mein Schicksal zu sein. Dabei... würde ich lieber jemand sein, der dir Glück bringt."

Arlin lachte auf. "Aber vielleicht hast du das ja, Sa. Ich meine, vermutlich bin ich nur ein eigensinniger Kater und will mein Glück nicht sehen. Immerhin, wenn auch andere hier leben würden, dann müsste ich mich nicht mehr um den schrecklich heißen tropischen Raum kümmern. Ich bräuchte nachts in den Korridoren keine Angst mehr haben." Er ließ sich auf dem Bett nieder und begann seinerseits mit Fellpflege, in dem er mit einem weichen Striegel über seine Arme und Beine fuhr, bis sich das Haar statisch aufgeladen in alle Richtungen zu sträuben begann. "Oh je... immer im Winter passiert mir das", jammerte Arlin und betrachtete seinen Arm, der nun ebenfalls einer Bürste glich.

Sa'ini schloss einen Haargummi um das Ende seines Zopfes, dann warf er ihn auf den Rücken zurück und beugte sich über das Bett zu Arlin, um ihm über den Arm zu streichen. Es kribbelte ihn, das weiche Fell zu spüren, aber das Fell wurde nicht wesentlich glatter. Dennoch bot er an "Lass mich dir den Rücken machen. Wenigstens das kann ich tun." Ohne jede Verlegenheit gestand er sich selber ein, dass er dadurch die Gelegenheit bekam, Arlin nahe zu sein.

Arlin kicherte ein wenig, dann nickte er und reichte Sa'ini die Bürste. "Ich werde von dem Haarwachs nehmen müssen, wenn die Statik sich weiter so um die Kuppel herum aufbaut", meinte er, während er sich von seinem Freund fort drehte.

Vor der Tür ging Bastien vorbei, und kurz überlegte Arlin, ob er eben schnell in das Bad huschen sollte, bevor er dort noch Faye begegnete, aber Sa'inis Hand legte sich auf seine Schulter und gleich darauf strich die Bürste ihm einmal über die Wirbelsäule. Schnurrend machte Arlin einen kleinen Buckel und schloss die Augen.

 

Faye war froh, dass er bei Bastien schlafen konnte. Es war schlimm genug, Arlin beim Frühstück und beim Abendessen zu sehen, ohne ihn in den Arm nehmen und küssen zu dürfen. Zu wissen, dass der andere das auch gar nicht mehr wollte und daran zu denken, dass es nie das gleiche gewesen war, was sie füreinander empfunden hatten.

Tagsüber lenkte er sich ab, so gut es ging. Er nahm Bastiens Worte, ob sie nun helfend oder abwertend gemeint gewesen waren, als Anlass dafür, sich in der elektronischen Bibliothek nach Sternenkarten umzusehen, sich Wissen über nahe liegende Städte anzulesen und sich überhaupt über das Reisen im Allgemeinen zu informieren. Es war schrecklich deprimierend, was dabei heraus kam und ließ ihm nur den Weg, als blinder Passagier weiterzureisen. Weder hatte er einen Pass, noch Geld, noch sonst irgendetwas, das ihm weiterhelfen würde. Sein Mut sank, doch gleichzeitig wuchs seine Sturheit. Es gab keinen Weg zurück, also konnte er nur vorwärts. Und so lange er lebte, würde es irgendwie weitergehen.

Abends half es ihm ebenfalls, dass Bastien da war. Er lauschte auf seinen Atem, lenkte sich mit Gesprächen ab und nutzte mehr und mehr jede Gelegenheit, die sich ihm bot, um den anderen Mann auszufragen. Erstaunlicherweise ließ sich Bastien das sogar gefallen, ohne sich über ihn lustig zu machen oder ihn vollkommen zu demotivieren.

Als sie am Abend wieder nebeneinander im Bett lagen, das Licht schon ausgeschaltet, rollte Faye sich noch einmal auf die Seite und sah zu dem Mann hin. "Sag... gibt es eine Möglichkeit, einen Pass zu bekommen, wenn man nicht mal geboren worden ist?", fragte er unsicher.

Bastien drehte sich zu Faye um und betrachtete dessen Gesicht im schwachen Schimmer vom Kamin. "Ja. Es gibt nichts, das man in einem heruntergekommenen Weltraumhafen nicht kaufen könnte." Er zögerte, dann fragte er leise "Soll ich dir einen Pass besorgen?"

"Das könntest du?" Faye spürte einen Hoffnungsschimmer in sich aufsteigen, dann fiel ihm jedoch ein, dass er kein Geld hatte. "Wenn du wartest, bis ich dir die Kosten zurückerstatten kann... Du weißt, dass ich nichts habe. Oder gibt es irgendetwas, das ich für dich tun kann?" Aber er beherrschte nichts, was Bastien nicht auch konnte.

"Ich schulde dir, Faye. Und du tust schon sehr viel für mich, auch wenn es dir vielleicht nicht bewusst geworden ist. Sieh es als Entschuldigung und als Dank an. Ich besorge dir einen Pass, der dich als ein anderer Androide auszeichnet, ein Glück, dass du ein etwas aus der Reihe getanztes Serienmodell bist." Bastien zwinkerte dem anderen kurz zu, dann drehte er sich hastig fort, bevor er noch mehr Unsinn reden konnte.

"Du schuldest mir nichts. Du hast mir das Leben gerettet; damit sind wir eher gleichauf, wegen der Sache mit dem Hivosh." Faye grübelte einen Moment lang nach, was Bastien damit meinte, dass er viel für ihn tat. Vielleicht schlicht, dass sie viel miteinander redeten, nachdem der andere Mann zu Beginn so fern von ihnen gewesen war, weil sowohl Faye als auch Sa'ini hauptsächlich mit Arlin zusammen gewesen waren. 'Aber wenn es wirklich das ist, dann schuldet er mir keinen Dank dafür. Wenn, dann schulde eher ich ihm. Er beantwortet mir all meine Fragen, hilft mir...'

Ein anderer Gedanke kam ihm, bei dem ihm das Glücksgefühl im Bauch zeigte, dass er sich am Ende des Winters, das mittlerweile schon erschreckend nah war, nicht wirklich von Bastien trennen wollte. "Wenn du mir einen Pass besorgst, kommst du, nachdem du bei deinen Leuten warst, noch einmal hierher zurück zu mir, nicht?"

"Natürlich. Soll ich das auch schwören?"

Faye lachte. "Nein. Es war nur etwas, das mir Freude bereitet hat." Er rollte wieder auf den Rücken, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und blinzelte zu Bastien hin. "Anschließend reist du nach Bechelle, hast du gesagt. Ich habe in der Bibliothek wenig über diese Erdkolonie gefunden. Wie ist es dort?"

Bastien drehte sich über das Interesse und die Freundlichkeit von Faye erfreut zu ihm zurück und lächelte leicht. "Ich bin dort geboren worden. Ein kleiner Mond, der ziemlich weit ab, aber günstig gelegen ist. Die Anziehungskraft entspricht fast der Erde, und man hat etwa dasselbe Klima wie im Norden Frankreichs. Raue See, in der man besser nicht baden sollte, raue Klippen und..." Er lachte leise. "Na ja, raues Volk eher nicht. Fast nur reiche Leute. Man hat dort große Grundstücke verkauft, so dass weit ausgezogene Städte mit vielen Grünflächen entstanden sind. Die Häuser sind aus dem typischen hellen Stein des Mondes errichtet, die Gärten sind... Ach, was rede ich da! Du musst einfach auf deinen Reisen einmal nach Bechelle fahren. Die Kontrollen sind sehr lax. Die Leute dort interessieren sich nicht für Androiden zu anderem als ihrem Vergnügen."

Faye schwieg einen Moment und genoss den Anblick von Bastiens gelöster Miene, die mit der Zeit immer offener geworden war, wenn sie miteinander sprachen. Es war kein Vergleich mehr zu dem Mann, dem er begegnet war, als das Sonnenritterschiff auf Sonntag gelandet war. Die letzte Glut vom Kamin tauchte ihn in rotes Licht und zauberte einen geheimnisvollen Schimmer in die dunklen Augen. "Ich weiß immer noch nicht, wo ich hingehen soll. Ich könnte also gleich als erstes Ziel Bechelle wählen. Würdest du mich denn mitnehmen?"

Überrascht stützte Bastien sich auf und starrten den schönen Mann neben sich einen Moment lang an. "Du willst mit mir mit?" Verwirrt versuchte er den Gedanken zu begreifen. Überlegungen rasten durch seinen Kopf. 'Er will nur einen Absprung, er will nicht in einem düsteren Frachter festsitzen, er will mit dir... nein, das kann nicht sein! Er will weg hier, das ist alles.' Schließlich nickte er leicht und legte sich zurück. "Klar. Kein Problem. Mein Haus ist groß genug, und zu zweit lässt es sich bestimmt schneller putzen und herrichten. Es hat in den letzten Monaten keiner darin gewohnt."

"Danke! Da helfe ich dir doch gerne." Soweit hatte Faye gar nicht gedacht. Weiter als bis zur Reise an sich war seine Planung noch nicht fortgeschritten. Um so mehr freute ihn dieses Angebot, auch wenn er sich fragte, ob es Bastien wirklich recht war. Seine Stimme hatte einen Hauch frustriert geklungen. Andererseits war Bastien nicht der Mann, der vor einer Ablehnung zurückschreckte, wenn ihm etwas nicht gefiel. "Ich freu mich drauf."

 

Arlin war die kalte Zeit noch nie so schnell vergangen wie mit seinem Besuch. Der Streit mit Faye, dann das ungewöhnliche Zusammenleben mit den drei Gästen und vor allen Dingen das Zusammenleben mit Sa'ini, das man ruhig als Spannungsgeladen bezeichnen konnte, hatten ihm die Tage wie im Flug vergehen lassen.

Allerdings hatte er seine Aufgaben gut erledigen können. Die Droiden waren gewartet und repariert, die Schutzhülle war rundherum von der Innenseite geprüft und ebenfalls in Stand gesetzt worden. Nun tauchte die Sonne aus dem Schatten auf. Innerhalb von drei Tagen war der Sommer da. Die Energie war wieder im Überfluss vorhanden, und Sa'ini und Bastien machten sich bereit, um mit dem kleinen Gleiter in Richtung des Sprungtores zu reisen. Bastien, um von dort zu den Labors zu fahren, denen er ein wenig von Fayes Nährlösung und eine Art Beweis für dessen Tod bringen wollte und Sa'ini auf dem Weg zum Orden, um das Schicksal der Station zu beeinflussen.

Am Morgen ihrer Abreise hatte Arlin natürlich nicht widerstehen können und noch einen kleinen Streit mit Sa'ini angezettelt, der sich um die Mitnahme von Proben aus den Gärten drehte. Sa'ini verweigerte dies, weil er die Ordensbrüder persönlich in die Gärten führen wollte. Arlin bestand darauf, weil er nicht glauben konnte, dass sie sich sonst überhaupt überzeugen lassen würden. Am Ende setzte Sa'ini sich durch, mit dem Argument, dass die vielen Bilder Beweis genug sein würden. Arlin zog es vor, bis zu der Abfahrt der beiden möglichst dekorativ zu schmollen.

Er tat dies im gemäßigten Oktaeder, wo er Gemüsesetzlinge trennte und sich mit Faye unterhielt. Nach und nach hatte der Androide sich aus seinem Schneckenhaus heraus gewagt und redete nun wieder wie ein Freund mit Arlin.

"Sa'ini ist doof!", tat Arlin viel zu vergnügt kund und drängte zwei Pflänzchen auseinander, um ihre feinen Äste an Stecken zu binden. "Er hat immer und immer wieder Recht. Mit ihm zu streiten, ist so anstrengend, Faye!"

"Sicher", bemerkte Faye trocken und zwinkerte ihm zu. "Deswegen streitest du dich auch ständig mit ihm. Du wirst ungehalten und grantig werden, bis er wieder da ist, und ich werde es ausbaden dürfen."

Weitaus mehr als Sa'inis Abfahrt machte ihm die von Bastien Kummer. Er wusste schon jetzt, dass er seinen neu gefundenen Freund, der einzige, den er je gehabt hatte, furchtbar vermissen würde. Und wenn er ehrlich war, fürchtete er sich davor, mit Arlin allein zu sein. Es würde nur sie beide geben und niemand, der sie voneinander ablenkte.

Nach wie vor hatte er den Katzenmann furchtbar gerne. Es tat nicht mehr so weh wie am Anfang, aber noch immer spürte er einen Stich in sich, wenn Arlin besonders süß aussah. Noch immer konnte er nicht ganz verwinden, dass Arlin ihn nie wirklich geliebt hatte, obwohl er es ihm so oft gesagt hatte. Deswegen ging er auch jeder Berührung tunlichst aus dem Weg; er hatte Angst, dass es dadurch schlimmer werden würde.

Aber der Gedanke an Bastien machte, dass er zu ihm wollte, um die wenige Zeit zu nutzen, die ihnen noch blieb. Für die Gartenarbeit war ausreichend Zeit, wenn die anderen weg waren. Er legte die kleine Unkrautharke beiseite, stand auf und entschuldigte sich bei Arlin, ehe er den Garten verließ, um in das Zimmer zu gehen, wo Bastien am Packen war, und das ohne ihn sehr einsam sein würde.

Bastien pfiff ein leises Lied mit dem Musiksender der Region mit, der dank abflauender Stürme nun wieder empfangen werden konnte. Die Abfahrt erfüllte ihn als einzigen auf der Station mit guter Laune. Nur noch zehn, vielleicht elf Erdentage würde es dauern, mehr nicht, dann hätte er Faye. Dieser Traum von einem Mann würde ihn zu seinem Haus begleiten. Seine Freunde dort würden vor Neid umkommen. Er selber würde vor Neid auf sich selber umkommen! Es fehlte nur noch eines. Der Grund für den Neid war bislang noch nicht gegeben. Faye war ihm sehr wohl gesonnen und schien es nicht gern zu sehen, dass er abfuhr. Sie hatten sich nur unterhalten, nie mehr als Freundlichkeiten ausgetauscht. 'Aber soll ich alles riskieren und ihn vor der Abfahrt mit meinen Gefühlen schockieren? Das wäre... bescheuert ist noch milde. In meinem Haus, in Sicherheit...'

Schritte unterbrachen seine Überlegungen. Bastien sah von den Waffen auf, die er ordentlich in seiner Tasche verschwinden ließ und erblickte Faye, weißblond und gut gebräunt wie immer, jedoch mit einem missmutigen Gesichtsausdruck.

"Hallo, was ist dir über die Leber gelaufen, Faye? Das wird doch nicht etwa meine Abfahrt sein?", neckte Bastien betont locker, auch wenn er den sensiblen Androiden sehr gern statt dessen tröstend in die Arme genommen hätte, um ihm seine baldige Rückkehr zu versprechen.

Bastiens Scherz brachte Faye zum Lächeln. Er setzte sich mit einem untergeschlagenen Bein auf das Bett und sah zu dem Mann hin. "Was sonst sollte mich dazu bringen, misslaunig zu sein? Ich muss abends mit lauter unbeantworteten Fragen allein einschlafen, werde morgens aufwachen, ohne dass mich jemand anlacht und den ganzen Tag über kann ich anderen Droiden Gesellschaft leisten, nur dass die nicht mal wirklich denken. Ich weiß nicht, wie Arlin das ausgehalten hat. Außerdem bin ich hier, um dich an deinen Teil der Abmachung zu erinnern." Er grinste, weil es ihm selber erst in dem Moment eingefallen war. "Du wolltest mir am Tag deiner Abreise und das ist heute sagen, was mich wertvoll für dich macht."

Bastien lächelte strahlend und erwiderte glatt "All das, was du gerade gesagt hast, macht dich für mich wertvoll, Faye, das solltest du doch wissen."

Es war das Lächeln, was Faye entschädigte und ihn gefangen nahm, das Glitzern in den Augen und Bastiens Stimme, welche die ausweichenden Worte dennoch kostbar machte. "Das ist nicht das, was du mir versprochen hast, aber ich kann warten. Denk nicht, dass ich es vergesse." Dann seufzte er. "Ich werde dich vermissen, Bastien. Nein, ich tue es schon jetzt. Du bereicherst meine Gefühlswelt ungemein. Sehr lehrreich."

Bastien wurde von Sa'ini gerettet, der hektisch angelaufen kam und ihm mitteilte, dass der Gleiter aufgeladen war. Er schien noch hektischer nach Arlin zu suchen. Nachdem Faye den Kemjasheri'i in Richtung der Gemüsegärten gewiesen hatte und sie wieder allein waren, schloss Bastien besonders geschäftig seine Tasche und wandte sich von dem Androiden fort, um sich davon abhalten zu können, ihn zu umarmen. Doch als er Arlins Stimme vernahm, musste er schon wieder lachen. "Wer hätte gedacht, dass der kleine blinde Kater so ein Waschweib sein kann."

Aus dem Flur erklang Arlins Stimme ein wenig schrill "Und wenn du glaubst, dass ich deswegen jetzt sofort herbeispringe, dann hast du noch einmal zu denken, Sa'ini! Ich werde mich erst noch in Ruhe waschen. Nur weil der Herr Sonnenritter abfahren möchte, heißt es ja wohl nicht, dass es nicht auch noch andere wichtige Dinge auf der Station zu tun gäbe!"

Bastien lehnte sich dichter zu Faye. "Ich würde mir sehr stark etwas darauf einbilden, dass er mit dir nie gestritten hat, Faye." Er lächelte. "Nein, mit dir kann man einfach nicht streiten. Wie sollte man?"

"Das scheint in seinen Augen ein großer Fehler von mir zu sein." Faye zuckte mit den Schultern und wunderte sich, dass es ihm weniger ausmachte, wenn Bastien bei ihm war. "Aber im Labor habe ich mich gerade zum Schluss viel gestritten."

Von draußen drang Sa'inis verärgerte Stimme herein. "Es ist deine Station, die ich retten soll. Da kann man schon ein wenig mehr Begeisterung erwarten, oder?" Sie brachte Faye zum Lachen, und er stand auf. "Ich würde dich am liebsten begleiten. Aber davor habe ich viel zu viel Angst. Also lass uns den Kater antreiben, damit der Abschied wenigstens kurz ist."

Arlin starrte Sa'ini an und meckerte "Begeisterung?!" Doch dann senkte er den Kopf und meinte leiser "Ich... kann nicht begeistert sein, wenn du weg gehst und ich nicht weiß, wann ich dich wiedersehen werde." Das war zwar deutlicher gesagt, als ihm lieb war, aber andererseits hatte Arlin nun auch eine längere Zeit zur Verfügung, um sich für seine Worte zu schämen. Unsicher wackelte er mit seinen Ohren.

Wärme breitete sich in Sa'ini aus. Er würde diese Sätze tief in seinem Herzen aufbewahren und auf seine Rückkehr hoffen. Dass Arlin ihn gern hatte, wusste er, aber wie gern konnte er nicht sagen. Er hob die Hand, stockte kurz, aber strich dem schönen Katzenmann dann doch über die Wange. "Ich gehe doch nur wegen dir, Arlin. Ich werde mich beeilen. Und ich werde mich zwischendurch melden und dir Bericht erstatten, wie es läuft."

"Das will ich aber auch hoffen!" Trotz der Strenge in seiner Stimme lächelte Arlin Sa'ini an und lehnte sich leicht gegen die streichelnde Hand. Dann hob er seine Hand und umfing Sa'inis Finger, um sie auf dem Weg zum Gleiter nicht wieder loslassen zu müssen. Er hatte Faye gegenüber ein schlechtes Gewissen, aber er wollte seinem Freund zeigen, dass er ihn gern hatte.

Bastien brachte seine Tasche in den Gleiter hinein und kam, nachdem Sa'ini sich verabschiedet und in der Führungskanzel Platz genommen hatte, noch einmal an die Rampe. Er reichte Faye die Hand und sah ihm in das betrübte Gesicht. "Hey, noch ein paar Tage, dann bist du frei. Mach nicht so ein Gesicht, hm?"

Faye umfasste die kräftigen Finger fester und sah in Bastiens Augen, als wollte er den Blick für die nächsten Tage oder Wochen in sich aufnehmen. Es fühlte sich ähnlich an wie der Moment, in dem Arlin ihm gesagt hatte, dass er ihn nicht liebte. Und nur das Wissen, dass Bastien zurückkommen würde, milderte es so sehr, dass er nicht genauso wie da weinen musste.

"Ich bin in dem Moment frei, in dem du von diesem Raumschiff verschluckt und weggetragen bist, und der einzige Grund, warum ich so miesepetrig schaue, ist der, dass du es darauf anlegst, diesen Augenblick herauszögern zu wollen." Er versuchte ein Grinsen, doch es fühlte sich so unecht an, dass er es lieber bleiben ließ. Stattdessen zog er Bastien an sich und umarmte ihn fest. Es war ein Fehler, denn nun wollte er ihn noch viel weniger gehen lassen. "Denn je schneller du weg bist, um so schneller bist du auch wieder da", fügte er leise an und ließ ihn unter Anstrengung wieder los.

Bastien spürte, wie die Rampe unter seinen Füßen vibrierte, um sich langsam zu heben. Er lächelte, dann lehnte er sich vor und küsste Faye auf die Wange. "Je t'aime." Es war nur ein Flüstern. Er richtete sich rasch auf und rief über den Lärm der Maschine hinweg "Bis bald!" Dann hob sich die Rampe und er war gezwungen, ins Innere des Schiffs zurück zu treten.

"Schötäm?" Faye hätte gern gewusst, was Bastien ihm gesagt hatte, aber er konnte kein Französisch. Er winkte zu dem Mann empor, der seinem Blick entzogen wurde, fühlte noch das warme Prickeln auf seiner Wange, dann straffte er sich und trat zurück, um zu Arlin zu gehen. 'Vor so wenigen Wochen noch habe ich diesen Tag herbeigesehnt, und jetzt wünschte ich, er wäre nie gekommen. Aber wenn Bastien zurückkehrt und mir einen Pass mitbringt, dann bin ich endlich frei.'


by Jainoh & Pandorah